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L. Blatt

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*$• Fuldaer Leitung ♦

JVS 96.

Lamrtag 26. Aprü 1915.

über 64 Prozent aller Unteroffiziere und Mannschaf, ten de» deutschen Heere» aus Orten von weniger als 2000 Einwohnern; der größte Teil davon entfällt ganz natürlich auf solche, ine in der Landwirtschaft tätig find. Hunderttausend« der beste» Arbeitskräfte werden ha Mobilmachungsfalle der Landwirtschaft entzogen, und die Lücken werden sich nur teilweise durch verstärkte Frauen^ und Kinderarbeit ausfülle» lafien.

Unter solchen Berhältnisien erhält das AuSlän. dertum in unserer Landwirtschaft eine ganz beson- dere Bedeutung. Im Jahre 1907 beschäftigte unsere deutsche Landwirtschaft unter 1 839 000 ungelernten Arbeitern 221 000 Ausländer. Fast jeder achte Ar« bettet war ein Ausländer. Und im Jahre 1911/12 gingen nach den Aufzeichnungen der deutschen Ar- beiteMnriale rund 400 000 ausländische landwirt. schaftliche Wanderarbeiter nach Deutschland. Unter den ausländischen landwirtschaftlichen Arbeitern überwiegt das fiavische Element ganz ungeheuer.

Was wird nun im Mobilmachungsfalle? ®erb« die Ausländer kommen, oder werden sie durch Aus. Wanderungsverbote der fremden Staaten zurückge- halten? Werden die im Inland« befindlichen Arbei­ter bleiben? Werden sie arbeiten, oder werden sie streiken und Unruhe stiften?

Die Fragen zeigen, wie stark im Kriegsfälle unsere landwirtschaftliche Produktion gefährdet ist. Bo» einer wirklichen Kriegsbereitschaft unserer Landwirt- schäft können wir heute nicht reden. Sie ist erst dann vorhanden, wenn unsere Landwirtschaft durch­aus deutsch ist, von deutschen Bauern mit Hilfe deut- scher Arbeiter auf deutschem Boden betrieben wird.

Und weil wir von diesem Ziele unendlich weit entfernt sind, wenigstens was die Arbeiter anbetrifst, muffen wir in der Zeit, wo wir unsere Wehrkraft ecken wollen, mit allem Nachdruck mahnen: Go

ft auch deS Reinen Mannes auf dem Lande! ®e» staltet durch sein Lohn-, Wohnungs- und ErwerbS- wesen, durch inne« Kolonisation und Genoffen- schastswesen, durch Hebung des Geistes und Ge- mütSlebenS, gestaltet — kurz gesagt — mit allen Mittel» ländlicher Wohlfahrts- und Heimatpflege sein Los so, daß er aus dem Land« bleibt und nicht fortzieht. Ist das der Fall, dann wird das Land, dieser ewige Jungborn unseres DolkeS, dem deutschen Landwirte so bide Arbeitskräfte liefern, daß wir in Wirklichkeit von einer deutsche» Landwirtschaft reden, und auch in dieser Hinsicht ge- troft künftigen internationalen Verwicklungen inS Auge scheu können.

diel bedeutender, wenn Rußland ein entwickelteres Eisenbahnnetz hätte.

Gleichzeitig mit der Landwirtschaft hat die In- d u st r i e große Forschritte gemacht. Namentlich fft es die Textilindustrie, die eine große Aus- dchnung erfahren hat- Die Baumwollspinnereien Rußlands gehören zu den besten in der Welt. Ebenso bat sich die Eisen, und Stahlindustrie ganz bedeutend entwickelt. Noch ist der Bedarf Rußlands an Ma- schinen sehr groß, namentlich muffen landwirtschaft­liche Maschinen in ungeheuren Mengen aus dem Ausland herbeigeschasst werden. Aber schon toiri) von der Regierung auch dem Maschinenbau besonder« Aufmerksamkeit und Unterstützung zuteil. Dabei wird die Forstkultur, daS Handwerk, die Fischerei, der Bergbau keineswegs vernachläffigt. Der Bau von Eisenbahnen macht auch Fortschritt«, aber lange nicht in entsprechendem, geschweige denn ge- nügendem Maß«, so daß man noch hauptsächlich auf den Waffertransport angewiesen ist, dem allerdings zahlreich« schiffbare Flüsse zur Verfügung stehen.

Deutscher Handel und deutsche Industrie können natürlich aus diesem Vorwärts streben in unserem riesigen Nachbarlande große Vorteile ziehen, und sie haben auch, schon wegen der Nachbarschaft, vor anderen Ländern einen tüchtigen Vorsprung. Man legt auch in Deutschland jetzt größeres Gewicht auf die Erlernung der russischen Sprache, das Studium des russischen Volkes, seiner Eigenheiten, Gewohnheften, Wünsche usw. Das ist ja ein Haupt- Vorzug der deutschen Industriellen und Kaufleute, daß sie mehr als chr« Konkurrenten in England, Frankreich usw. Rücksicht auf die Gewohnheiten ihrer ausländischen Kundschaft nehmen, mit ihr in deren Sprache mündlich wie schriftlich verhandln usw.

Die große Frage der Zukunft fft nun, ob der Slawismus, gar der Panslawismus dem Deutsch- tum, überhaupt der Westeuropäischen Kultur ge* fährlicher werden wird, wenn ihm auch reiche materielle Mittel zu Gebote stehen werden. Werden die uns an Zahl bei weitem übertreffenden Slawen eher auf uns losgelaffen werden, wenn sie sich eines größeren Wohlstands erfreuen, als wenn sie tote letzt, größtenteils in Not und Elend leben? Auf diese wichtig« Frag« ist «S schwer, eine richtige Antwort zu geben. Man kann nur sagen, reiche Völker haben wohl mehr M i t t «l zu einem Kriege, aber Handels, und Jndustrievölker sind auch in der Regel fried- l i ch«r.

Vorläufig hat Rußland auf allen nur denkbaren Gebieten viel zu viel mit sich und mit seinen asiatischen Plänen zu tun, um sich leicht auf einen Krieg mit westeuropäischen Völkern einzulassen.

Ausland.

; Die fiuanzitü« Lag« Frankreichs. Der Bericht- erstalter der Budgetkommission des Senats, Aimond, erklärt, daß das Budget für das laufend« Jahr einen Fehlbetrag von mindestens 200 Millionen aulweis«. Für das Budget von 1914 werde das Defizit aller Voraussicht nach mindestens 360 Mill, betragen. Deshalb würden zur Herstellung des Gleichgewichts bet Staatshaushalts 1914 neue Steuern in Höhe von mindestens 360 Millionen und außerdem für di, Bedürmiffe der KriegSver- waltung eine Anleihe von einer Milliarde erfordere lich fein.

Sozialistische Lehrer in Italien. Katholisch« Blätter Italiens lenken die Aufmectsan-ta: auf die Toffache, daß die kürzlich zu Mitgliedern des Ober, st«» UnterrichtSrates gewählten beiden Lehrer (gewählt mit 40 000 Laienlehrerstimmen ge» gen 15 000 katholische Stimmen) nicht einmal Ra­dikale, sondern nach ihrer eigenen Paneierklärung re­volutionäre Sozialdemokraten sind. Man kann sich nun einen Begriff machen, toieviele von den staatli­chen Bolksschullehrern Sozialdemokraten sind. —i Nicht lange wird es dauern, und wir haben auf dem Gebiete der Schule in Italien die gleichen Zustände wie in Frankreich.

*• Im englischen Unterhause fragte der Liberal« Cowan, ob Premierminister Asquith aufmerksam ge­worden sei auf die hn deutschen Reichstage ausgestell­ten Behauptungen, daß getoiffe Munitionsfabrikanten systematisch versuchen, durch die Preffe und auf an­dere Weis« die öffentliche Meinung zugun. st en von Rü st ungs st eigerungen zu be» ei»flnsseu, und ferner, ob Asquith zur Sicherung gegen ähnliche Gefahren in England die Verstaat­lichung der britischen Waffenfabriken in Erwägung ziehen wolle. Asquith erwiderte, er habe die Zeitungsberichte über die Angelegenheit ge­lesen. Den zweiten Tefl der Frage muffe er bet» «einen.

für geschaffen würde. Di« Lothringer erklären da», selbe, „wenn di« Erst« Kammer sich sehr, sehr ent» gegenkommend zeigt." Das erscheint zur Zett zwei» selhast. I» der ersten Kammer ist es Mitgliedern gelungen, Einfluß zu gewinnen, aus deren Worte» eine schlecht verhohlene Abneigung gegen die Zweite Kammer spricht, und welche noch der Praxis huldix gen, Ausgaben zu bewilligen, ohne gleichzeitig um die Deckung sich zu kümmern. Man wird sich sonach darauf gefaßt machen muffen, daß die Erste Sammer, mit welcher die Regierung einig geht, in keiner Weis« nachgibt. Folgt dann die Auflösung? Damit red)» nen di« Abgeordneten nicht, wohl aber mit einer be­schleunigten Vertagung.

][ Der wirtschaftliche Aufschwung iu Rußland.

In der großen Rede, die der Reichskanzler zur Begründung der Wehrvorlage im Reichstag hielt, hat er u. a. auch auf den großen wirtschaftlichen Aufschwung Rußlands hingewiesen. In der Ta» fft dieser ganz außerordentlich sowohl auf dem Gebiete der Industrie und des Handels als auch der Landwirtschaft.

Vermutlich toeil Rußland politisch noch so wett zurück fft, toeil bte Volksbildung noch so ungemein viel zu wünschen übrig läßt, sind wir zu leicht ge- neigt, die großen Fortschritte zu übersehen, die in Rußland auf so manchen Gebieten gemacht worden sind. War man nicht vor ganz wenigen Jahrzehn­ten förmlich überrascht von den ltterarffchen Leistun­gen ruffischer Schriftsteller tote Tolstoi, Dostojewski, Gorki und anderer mehr, di« sich eines Weltrufs er- freuen? Das Urteil wird noch erschwert, das Vorurteil erhalten durch die ungeheure Ausdehnung des Landes und die Taffache, daß auf weiten Strecken, nament­lich in den entlegenen Teilen des Riefenreiches in der Tat noch nach Ur-Urgroßväter Weife gepflügt und geerntet, gewebt und gesponnen wird.

Aber darum ist es doch Taffache, daß auch in Rußland die Landwirtschaft mit modernsten Pflügen, Mäh und Dreschmaschinen operiert, daß viele Bauern in landwirtschaftlichen Schulen ausgebildet werden, und daß der Schlendrian, der zur Zett der kommuni- sttschen Bewirtschaftung des Gemeindelands üblich war, aufgehört hat, seitdem statt des „Mir* (des ge» meinsamen Eigentumsrechtes der Bauerngemeind; am Grund und Boden) das Privateigentum emgefübrt fft und der Bauer durch das eigene In- tereffe angespornt wird, seine Scholle ordentlich zu pflege» und nach Möglichkeit auSzunutzen. DaS Er- gebnis dieser Tättgkeit ist, daß m der Zeit von 1895 biz 1910 der Wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Rußland sich mehr als ver» doppelt hat. Die Steigerung wäre zweifellos noch

eine Warnung oder ein« Frage, tote dies der Vor­postendienst so mit sich bringt.

Im allertiefsten, in den ewigen Schlaf hinüber- gefdjlummert schon, von dem es kein Erwachen mehr gibt, ruhen verstreut auf den „blutigen Feldern der Ehre" jene Tausende braver Kämpfen, welche die Waffentreue mit dem Tod« besiegeln mußten. Sie haben chren Frieden gefunden. Für sie gibt es weder Freund noch Feind mehr, und bleich, fturnm, still, starr ruhen sie bei- und übereinander, die noch vor wenige» Stunden toutentflammt einander mit der Waffe in der Faust entgegen stürmten.

Aber nicht alle, di« hi» liegen, find schon ent. schlummert.

Wo die Kriegsfurie rast, ist das Erbarmen nicht weit.

Ob Miffelmann, ob Chrfft, den männermorden. den Schlacht folgen die Samariter, die Barmherzigen als Aerzte, Heilgehilfen, Krankenpfleger und Krau tatträger, die Verwundeten zu laben, sie in Pflege zu nehmen und zu heilen wenn es möglich fft.

Aber wo Tausende blühender Männer in weni­gen Stunden zu Krüppeln geschossen werden, da reicht menschlich« Kraft nicht aus.

Da möchte jeber einzelne Arzt, jeder Kranken- träger sich verzehnfachen, um helfen zu können.

Dennoch bleiben von Tausenden Tausende auf dem Schlachtfelde liegen ohne Hilf«, ohne Rettung, einem qualvollen Tode preisgeqeben, denen noch ge. Holsen werden könnte wenn — dem menschlichen Kön nen keine Schranken gesetzt wären.

Ein edler Wille, ein warmes Herz vermögen viel. MeS nicht!

Da bleiben auch Hunderte von jenen Tausenden, die sich irgend wohin geschleppt haben, mit schwin­dendem Bewußtsein und letzter Kraft des todeswun den Körpers, gänzlich unentdeckt, auch wenn der barmherzigen Helferhände genug vorhanoen sind. Sri sterben und werden erst gefunden — zufällig viel­leicht —, wenn chr verwesender Leichnam sich be- merkbar macht.

Krieg fft Krieg!

e Vor bett LandtagSwahle«.

Bon einer große» Bewegung und einem leiden­schaftlichen Wahlkampf fft in Preußen »och immer nichts zu merke», obwohl die Neuwahlen zum preu­ßische» Landtag vor der Tür« stehen. Am eifrigsten find »och Fortschrittler und Sozialdemokraten am Derk«, um bei ben Neuwahlen starken Zuwachs zu erringen; im allgemeinen aber ist es ruhigst» Land« und die Aufmerffamkeit der preußischen Wäh» [er gilt heute fast mehr den großen Fragen, die auf der Tagesordnung des deutschen Reichstages stehen, all den dicht bevorstehenden Landtagswahlen, deren Bedeutung wirllich nicht hoch genug angeschlagen teer' ben kann.

Begreiflicherweise dreht sich der ganze Streit, so- totit überhaupt ein solcher zutage tritt, um die p r e u» ßisch« Wahlreform, wozu ja die Debatten im vreuß. Landtag zum Etat des Innern eine brauch, bare Unterlage bilden. Die liberalen Parteien füh­ren jetzt kurz vor Schluß des Landtags noch einen solche» Spektakel wegen der versprochenen und doch nicht durchgeführten Wahlreform auf, daß die damit verfolgte Absicht nur zu deutlich zutage tritt Daß sie damit nur demonstrieren und agitatorische Zwecke verfolge» wollen, wäre klar ersichtlich, auch wenn sie nicht das undurchführbare Verlangen an die Re- gierung gerichtet hätten, noch vor Schluß dieser Ses­sion, der bekanntlich in einigen Tagen da ist, dem Hause eine neue WahlrechtsvorlaM zu unterbreiten. Auch wer kaum eine Ahnung von parlamentarischer Arbeit Haff muß fühlen, daß es sich hierbei um eine Forderung handelt, von deren Unerfüllbarkeit eigent- sich jeder überzeugt ist. Hätten die Nationalliberasen sich bei der Wahlreformvorlage im Jahr« 1910 nicht io eigensinnig benommen und die Beseitigung der Drittelung der Urwahlbezirke um jeden Preis ver­langt, dann hätten wir heute, wenn auch noch immer fein gutes, so doch jedenfalls em besseres Wahl­recht

Das jetzig« Lärmen über das schlechte Wahlrecht sieht einem Berlegenheitsmanöver verzweifelt ähnlich. Da kann das Zentrum doch weit ehrlicher vor seine Wähler hintreten, denn ihm darf es sicherlich nicht als Schuld angerechnet werden, daß wir heute jtod) genau ft, zu toäMen haben, tote vor 5 Jahren. Jedermann weiß daß das Zenttum in der llebertragung des Reichstagswahlrechts auf die Einzelstaaten die er- wünschte und beste Lösung der Wahlrechtsfrage er. blickt, aber mit den gegebenen einzelstaatlichen Macht- Verhältnissen rechnet und da ez in der Politik die Kunst dez Erreichbaren sieht, nur durch schrittweises Vordringen und allmähliche Derbefferung der Wahl­rechtsmisere Abhilft zu schaffen sich in der Lage steht. Das Zentrum hat an bem jetzigen Wahlrecht gar kein Interesse, wie «S von gegnertscher Seit« immer wie­der behauptet wird, denn sein Bestand würde bei an­derer Wahlmethode derselbe bleiben, tote das Reichs- rigSzentrum erweist.

Keine Partei kann sich jetzt mit volleren Händen vor ihr« Wähler stellen, als bie Zentrumspartei, di« getreu ihrer Eigenart wie keine andere Partei deS preußischen Landtags für die Interessen aller ihrer Wäblerflaffen eingetreten ist. Was für den Mit. t e l ft a n b im Landtag geschehen konnte — die 85 frnig bet meisten Mittelstandsfragen siegt ja beim Reichstag — das bat die Zentrumsfraktion des Ab- geordnetenhmises unermüdltch verlangt und gefördert. Kein« Partei hat sich auch mit größerem Nachdruck für bie Beamten und die Arbeiter eingesetzt, tote es das Zentrum von jeher getan hat. Und auch die Landwirtschaft verdankt dem Zentrum zum großen Tell daS Gute, das ihr durch die preußisch« Gesetzgebung erwiesen worben ist.

DaS Zentrum darf jedenfalls ruhig in den Wahl-- kampf einziehen: seine Wähler werben ihm die Treue halten, bie es ihnen gehalten hott

dl. Die deutsche Landwirtschaft im Kriegsfall.

In der Zett der Wehrvorlagen redet man gern von der Kriegsbereitschaft auf verschiedenen Gebie­ten. Ist unsere Landwirffchaft kriegsbereit?

Sie toäre eS, wenn sie die Versorgung unseres Dolles mit Brot und Fleisch, Milch und Butter auch für längere KriegSzeit übernehmen könnte. Nach unser«' Produktionsstattsffk kann das Wohl angenom­men werden. Aber in Kriegszeiten wird die Pro- buftion eben gestört. Wie wirdz bann?

Die Landwirffchaft liefert heute einen verhältnis­mäßig sehr große» Teil des Heeres. Nach der Re- irutierungsstatfftik vom Jahre 1906 entstammten

Die Hyäne« des Schlachtfeldes.

Episode attf dem Balkankriege von K. R od e.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Endsich —- geht der Tag zu Ende. Die feindlichen Heere, gedrungen, bas blutige Morden abzubrechen, beziehen tn kurzen Fernen von einander ihre Bi- vakS, um mit dem ersten Grauen des folgenden Ta- Kauf dem kürzeste» Wege von neuem einander in

Haar« geraten zu können.

Bei Offizieren wie Mannschaften, hüben wie drüben, herrscht bi« bleiern« Echtes« der tiefften leiblichen wie seelische» Erschöpfung von bem furchb baren Ringen.

Lagerfeuer anzuzünden ist auf beiden Setten lnrrch Armeebefehl untersagt worben.

Man liegt einander ju nahe dazu.

Mit kalter Küche muffen die ermatteten Kämp­fer sich begnügen, mit einem Schnaps dazu und einer Pfeife, einer Zigarre oder einer Zigarette hinterher; notabene wer nicht ganz und gar darauf verzichtet, dor TodeSmüdigkeit den Schlaf vorzieht.

Und die Offiziere, unter deren Führung bie bra- ben Mannschaften tagsüber im Feuer gestanden, kämpft, gekeucht, geblutet haben, haben es um kein Haar bester als sie.

Da murrt kein einziges Lippenpaar.

Und nun fft es Nacht geworden, schwere, schwarz« Purpurnacht. Der Himmel hängt voll dichter, schwär, zer Wolken, die jedem Sternletn wehren, fein Licht leuchte» zu lasten, und auf der Erde siegt alle Krea- ütr in tiefftem Schlafe.

Im tiefsten Schlafe auf einsamer Strohschütte, et in Mäntel und Decken so gut sie es haben, auch Offiziere wie Mannschaften hüben wie brühen ohne Unterschied friedlich beieinander. Kein Laut wird vernehmbar. Kaum da? Schnauben eines lüsternen Gaules, der von gefüllten Futterraufen ttaumt. Nur von de» beiderseitigen Vorposten hört >van bin und wieder die Kommandos und Melduw- fltt der Ablösung, hin und wieder auch eine» Ruf,

also hell geblieben. Nach diesen Feststellungen ver- sucht er sich zu erheben. Do^qeht etwas schwer, aber es geht. In diesem Augenblick hört er leises Raschel- gerausch zu seinen Füßen. Er bückt sich nieder und greift den Arm eines Soldaten.

„He!" will er eben rufen, ,^Kamerad, wer bist Du? Wo hat's Dich gepackt?!" Da hört er fragen, „Herr Leutnant, sind Sie es? Sind Sie wieder bei Verstände?!"

Jst'S fein Bursche, Boris Stankowic.

Holla, Boris, Du?! Wie kommst denn Du hie» her, Kerl? Bist Du auch verwundet worden?"

„Ein bißchen, Herr Seutnant, einen Schutz m ben Arm unb einen ins Sein! Aber wie ist's mit Ihnen?" Damit steht ber Bursche schon vor ihm.

„Habe einen Schutz tn der Brust, Boris!"

„Das weiß ich! Als Sie ben bekommen hatten und zusammen brachen, hab« ich Sie hierher ge» schleppt. Dabei habe ich meine beiden Schüsse abgs- kriegt . . ."

„Lieber, guter Kerl, bann bist Du meinetwegen verwunbet worden?"

„Nein. Ihretwegen bin ich am Leben geblieben. Andernfalls hätt's mich vielleicht zu Tode getroffen. Aber was machen wir denn nun? Solange es Tag war, habe ich bei Ihnen gewacht. Dann bin ich ringcschlafen. Die Sanitätskolonne scheint uns über» sehen zu haben."

„Trink man erst mal einen Schluck Wein, Boris. Aber ziere Dich nicht. Hter hast Du meine Flasche!"

„Aber, Herr Leutnant . . .!"

„Halt — den Mund und trink, Kerl! Wird Dir ebenfalls gut tun! Hast Du Feuer?"

cya, Pinkeschwamm unb Stahl!"

„Sann brennen wir uns hernach einen Tabak an. Damit vergeht uns die Zeit schneller. Fort können wir m der Dunkelheit doch nicht."

„Dasstimmt, wo man bie Gegend nicht kennt und keine Hand vor Augen sehen kann."

In diesem Augenblick wird ein gellender Wehe­schrei laut

JRanu?!" Leutnant Dobrowiffch fährt empor.

Aur dem Nachbargebiete.

♦ Hanau, 25. April 1913. Der Kreistag beb Landkreises Hanau setzte gestern den HauShaltungS« plan für 1913 in Einnahme unb Ausgabe auf 439,700 Mark, bie Voranschläge der 9?ebenbetriebe, und zwar der Sammel-Wafenmeiflerei auf 28,500 Mk., der Kreis-Iparkaff« auf 24,200 Mark und der Kreis. Jungviehweide auf 6000 Mark fest. Die Kreissteuer wurde auf 26,5 Prozent der Einkommen- und Real» steuern festgesetzt. — Der au8 Anlaß des Ablebens des OberlandeSgerichts-Präsidenten v. Hufsel an daS OberlandeSgericht in Raffel einberufene Landrichter Grau wird am 15. Mai feine Tätigkeit bei dem hiesigen Landgerichte wieder oufnebmen.

* Offenbach, 25. April 1913. Aus Liebeskummer brachte sich heute morgen der 21jährige Weißbinder Real hn Wald« in der Nähe der Rosenhöhe zwei Schüsse in die Brust und einen in den Kopf bei. Er wurde in schwerverletztem Zustande ins Kranken» hauz gebracht.

* Fraokmrt, 24. April 1918. liefet Tage wurde hier eine Konferenz über die Main-Kanaltsation abgehalten. Es .am zu einer vollen Uebereinftimmung zwischen den Vertretern der Mainufer-Slaalen Preußen, Bayern und Hessen über die Main-Kanalisatlon. Für die Fertigstellung der Arbeiten an der preußischen Srieae wurde daS Frühjahr 1916, für die Fertigste!« tt g der Arbeiten auf der bayerischen Strecke daS Frühjahr 1917 in Aussicht genau men. Auch wurden verschiedene wichtige Fragen erörtert, so die technriche Frage der Wehre, die Fischerei-Verhättmsft, die Wasser- krasl-Äusnutzung. Eingehend wurde ferner die Ver­unreinigung des Mames durch den Abfall der Zellu­lose-Fabriken besprochen. Die Konferenz faßte zunächst

Deutsches Reich.

♦* Wer treibt Kuhhandel? In einer fortschritt, sichen Versammlung in der Tonhalle zu Saarbrücken führte der fortschrittliche Landtagskandidat m seiner Kandidatenrede folgendes auS:

„Der Liberalismus hat jetzt die beste Gelegenheit, eine Reihe vom Forderungen d«rch,»drücken, bte der 8 unbetont ad lehnt mit Rücklicht auf Preußen. ES g ib für ben Liberalismus nie eme günstigere Gelegenheit, alS sie jetzt durch die Wehrvorlage geschaffen ist, dem BundeSrat zu Tagen: Du kriegst die Millionen., ober als Gegengabe gibst du unS Volksrechte. Wir bewilligen die Millionen nur gegen et» gutes Landtag-wahl;echt in Preuße». Wir bewillige» sie nicht eher, bis in Preußen ein freie» Wahlrecht gegeben t|L"

So brutal ist selten bie Absicht ausgesprochen worden, Staatsnotwendigkeiten nur zu bewilligen gegen Konzessionen der Regierung. Dieser Schacher- Politiker ist dar Muster einer ForischrittkvolitikerS.

-T- ~~ Straßburg, 25. April 1913. Die Sage, wie sie durch ben einstimmigen Beschluß der Zweite» Kammer in ber Besoldungsfrage geschaffen wurde, galt gestern in offiziösen Kreisen als sehr ernst. Man erwartet« em« abschließende Erklärung bereits in der Sitzung. Staatssekretär von Bulach zupfte aber nur etwas nervös an den Bartspitzen und verlas dann den Ausdruck des Bedauerns darüber, daß di« Zweite Kammer dem Standpunft der Ersten nicht beigerieten fei. Es hat gewiß nicht den An­schein, als suchte die Zweite Kammer etwa einen Konflikt. Die Redner erklärten, materielle Berbesse- rungen als solche anzuerkennen. DaS Zentrum steht auf dem Standpunkte, ht Bezug auf bie höheren unb höchsten Beamten mit der Ersten Kammer, welche bei ben ersteren ebenfalls eine Gehaltsaufbesserung vorgenommen und bei den letzteren bie Streichungen wieder annulliert hat, nicht verhandeln zu können. Der Redner des Zentrums versicherte aber, man sei zur Verständigung bereit, wenn eine Grundlage da

Auch ben Krankenträgern hüben wie drüben hat bi« Nacht „Halt ein!" geboten.

Es sind der Verwundeten zu viel«, die man be­reits geborgen und den Aerzte» unter das rettend« Messer fiefern muß.

Auch wenn man hinaus könnte, nach wettere» Kranke» zu suchen, sie würden keine Hilft, keine Ret­tung, nicht mal Linderung finde» können, denn — es fehlt — an allem.

Nein, «6 hat keinen Zweck, hn Purpurdunk«! bet Nacht nach weiteren Derwunbeten zu suchen. Möge ber Himmel ihnen barmherziger sein als Mensch« es vermög«.

Dock nicht bie Caritas, bte erbarmenbe Menschen­liebe allein ist eS, welche ber Kriegsfurie auf ihrem blutigen Pfade folgt Auch die verruchtesten aller m«schlichen Regungen, feigste Raub- und Mordgier, die teufliche Luft an den Todesqual« der Hilfws« sind nicht minder hinter ihr her. Hatz und Rache auch sogar, die vor der hehre» Majfftät deS Todes nicht zurückbeben.

An dem Stamme einer toeitaftigen Fichte ist ein fnnger Offizier zusammengebrochen. Er hat einen Schuß ht ber Brust. Gegen Abend erst hat er ihn bekommen, ist bewußtlos geworden und lieg« ge- blieben wie viele andere auch, bei dm« daS feind­liche Geschoß sich zu so später Stunde ehtquartierte. Nun er erwacht und zur Besinnung gelangt, befindet er sich im Dunkeln Er tastet um sich. Da wird ihm klar, daß er sich noch auf dem Schlachffelde be­findet Er tastet nach sein« Waffen. Die hat er noch. Auch seine gute Browning mit sieben Ge- schossen. Auch feine Feldflasche mit gutem Wein ge­füllt, hat er noch bei sich. Aus ber tut er einen tiefen Zug. Das weckt feine Lebensgeister zu weiterem For­schen. Am eigenen Leibe zuerst. Sein« Glieder sind heil. Der Kopf auch. 9htr in ber Brust — jawohl, da hat er etwas abbelommen. Er fühlt Blut, kleb­riges und trockenes hinten und vorn am Rocke; er empfindet au 'j Schmerz. Aber es ist nicht schlimm. Aus jeben Fall kann er geräuschlos atmen, auch ohne Blut tr ben Mund zu bekommen. Die Lung« sind