2. Blatt.
*rSS -er «Sulbctr Zktientritderti in Julba.
Fuldaer Zeitung. «•
JVs 95.
Freitag 25. April 1915.
Lokaler.
Fulda, 25. April 1913.
4-. (*) Sim Stadtverordnktenfihung findet am Montag, bflt 28. April 1913, abends 7Ve Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Aufhebung der Beschlüsse bett, den Kanalbeitrag und Die Kanalgebühren. (1. Ber.-Erst. Fritz, 2. Ber.-Erst. Dux.) 2. Entwurf einer Ordnung bett, die Erhebung einer Kanal- benutzungsgebühr. (1. Ber.-Erst. Fritz, 2. Ber.-Erst. Dux.) 3. Anstellung eines Leiters der Fortbildungs- schulen im Hauptamt. (Fleischmann.) 4. Reinigung öffentlicher Straßen. (Wohlgemuth.) 5. Bewilligung der Kosten für den nördlichen Bürgersteig in der Straße .Hinter den Löhern*. (Kircher.)
-2- Kanalbenutzungsgebühr. Mit dieser Angelegenheit hat fich die Stadtverordnetenversammlung am Montag abermals zu beschäftigen. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, daß die Beschlüsse der städt. Körperschaften vom 5. und 11. Februar d. I. bett, den Kanalbeitrag und die Kanalbenutzungsgebühren aufgehoben werden. Von der Erhebung von Kan albe iträ gen wird abgesehen. Die auf Grund des ungiltigen Gemeindebeschlusses vom 8. und 9. März 1911 bereits eingezahlten Kanalbeiträge sind den Einzahlern, oder, wo inzwischen ein Besitzwechsel statt- gesunden hat, mit Einwilligung des Einzahlers an den Eigentümer des Grundstückes nebst 4 Prozent Zinsen im Oktober d. I. zurückzuzahlen. Die Rückzahlung erfolgt aus den als Kanaldeitrag ein- gezahlten Geldern. Da nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes die Erhebung der Kanal- gebühren immer nur von Vierteljahr zu Vierteljahr erfolgen kann, die von der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Montag zu beschließende Ordnung also erst am 1. Juli 1913 in Kratt tritt, so soll zur Deckung der im Etatsjahr 1913 für b . Kanali- sationskasseerforderlichenBeträge für die Zeit vom l.Juli d. I. bis 31. März 1914 ein Mehrfaches der in § 3 der Ordnung betr. die Erhebung einer Kanalbenutzungsgebühr, und zwar % mehr erhoben werden. Das sind von 1 bis 150 Mk. Mietwert 2,38 %, von 151 bis 200 Mt. 3,13 %, von 201 bis 300 Mk. 4 %, von 301 bis 600 Mk. 4,70 %, von 601 bis 900 Mk. 5,38 % und von 901 und mehr Mk Mietwert 6,25 %. Nach dem Entwurf derneuenOrdnung sind g e b ü h- r e n p f l i ch t i g alle Wohnungen, Schreibstuben, Läden, Lager-, Geschäfts-, Fabrik- und sonstigen offenen und geschlossenen Räume, sofern sie einen Anschluß an die Kanalisation haben. Die Festsetzung der Gebühr geschieht nach dem Mietwert und zwar sollen erhoben werden (vom 1. April 1914 ab) von 1 bis 150 Mk. Mietswert 1,90 %, von 151 bis 200 Mk. 2,50 %, von 201 bis 300 Mk. 3,20 %, von 301 bis 600 Mk. 3,75 %, von 601 bis 900 Mk. 4,30 % und von 901 und mehr Mark Mietswert 5 %. Als Mietswert gilt, wenn die Räumlichkeiten vermietet sind, der verernbarte Mietzins. In besonderen Fällen, wenn z. B. der Mietswert um mehr als 10 % vom ortsüblichen abweicht, wenn die Höhe des Mietzinses von dem Ergebnis eines gewerblichen Unternehmens abhängig gemacht ist, wenn die Räumlichkeiten von dem Eigentümer selbst benutzt werden oder an andere unentgeltlich überlassen werden und wenn Dienstwohnungen in Betracht kommen, wird die Gebühr vom ortsüblichen Mietwevte erhoben. Nach Bedürfnis können die städtischen Körperschaften beschließen, auch ein Mehrfaches oder auch einen Teilbetrag der genannten Sätze zu erheben, was aber wiederum der Genehmigung des Bezirksausschusses unterliegt. Die Feststellung des Mietswertes geschieht durch eine von der Stadtverordnetenversamm- lung zu wählende Kommission, die aus 7 Mitgliedern und ebensovielen Stellvertretern besteht. Von der Beranlagung wird der Gebührenpflichtige durch eine eventuell mit dem Steuerzettel zu verbindende Benachrichtigung verständigt. Gegen die Veranlagung ist innerhalb vier Wochen Einspruch beim Magistrat zulässig.
4- Hauskollekten. Durch den Oberpräsidenten ist die Genehmigung erteilt worden, je eine Kollekte bei den katholischen Einwohnern des Regierungsbezirks Raffet im Jahre 1913 für die Jdiotenanstalt St. Antoniusheim und für die Niederlassung der Barmherzigen Brüder zu Fulda abzuhalten. Infolgedessen hat das Bischöfliche General- Vikariat zu Fulda für erstere Kollekte die Zeit vom 81. August bis 6. September und für die letztere die Zeit vom 2. bis 8. November bestimmt.
test’ An das Ortsfernsprechnetz sind die Sekretariate des hiesigen Volksvereins und der christl. Gewerkschaften unter Nr. 561 an- aeschlossen worden.
* Kaisermanöver im Taunus. Nach Blättermeldungen finden die Kaisermanöver im Jahre 1914 im Taunus statt.
c. Der neue Oberlandesgerichts - Präsident. Zum Präsidenten des Oberlandesgerichts in Kaffel ist der Vorttagende Rat im preußischen Justizministerium, Geh. Ober-Justizrat Greiff, unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Ober-Justizrat mit dem Rang der Räte erster Klasse ernannt worden. Damit erhält die von uns bereits vor kurzem gebrachte Nachricht ihre amtliche Bestätigung. Oberlandes- gerichtspräfident Greif wurde bald nach bestandenem Gerichts-Afsessor-Examen int Jahre 1887 in das Reichsjustizamt einberufen, um hier an den Vorarbeiten für die zweite Kommisiion des Bürgerlichen Gesetzbuches teilzunehmen und später ihn ihr als Schriftführer mitzuwirken. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten wurde er in das preußische Justlzministerium berufen. Im Jahre 1899 wurde er sodann unter Ernennung zum Geheimen Justizrat zum Vortraaenden Rate im Justizministerium befördert und 1903 zum Geheimen Ober-Justizrat ernannt. Der neue Präsident wird sein Amt am 15. Mai antreieu.
--- Regierungspräsident von Bernstorff bleibt. Gegenüber den Gerüchten, daß der Oberpräsident von Hannover, v. Wentzel, zurücktrete und durch den Regierungspräsidenten in Staffel, Grasen Bernstorff, erseht werde, ist Wolffs Tei.-Büro zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Ve-mutungen völlig aus der Luft gegriffen sind.
△ Meister Prüfung. Vor der zuständigen Prüfungskommission bestanden gestern die Meisterprü- fimg für das Grellmachergewerbe die Herren Ludwig schütz aus Lütter, Peter S e u f e r t aus Lütter, Jean Hahn aus Friedlos bei Hersfeld und Koir- rad Dörr aus Kerspenhausen, Kr. Hersfeld. — Von den in Nr. 93 der Fuld. Ztg. genannten Schreinermeistern ist nur Herr Emil Zengerle aus Dornhof bei Dipperz als K a n st schreiner, und zwar bei der Firma Holzindustrie Bieberthal G. m. b. H.
n Langenbieber, tätig.
§ Vom Bahnhofserwciterungsbau. Seit einigen Tagen werden im Auftrage der Königlichen Eisenbahn-Bauabteilung auf dem für den Bahnhofser- ^veiterungsbau vorgesehenen ^Gelände von den
Gummiwerken bis zur EdelzeÜ^rstraße eine Anzahl Schürflöcher von verschiedenen Größen mit einer Tiefe von 6—7 Meter angelegt. Diese Löcher dienen zur Feststellung der Bodenverhältnisse und zur Orientierung für die Unternehmer, die auf die lieber» nähme der Erdarbeiten f. Zt. reflektierten. Die Schürfarbeiten werden ausgeführt von den Firmen Sonntag Kassel und Jos. Kollmann-Fulda. Hoffentlich werden demnächst bei Vergebung der Erdarbeiten vorzugsweise hiesige Unternehmer berücksichtigt, zumal bei den hiesigen Unternehmern großer Arbeitsmangel herrscht.
X Kursus für den Mittelstand. Am Sonntag den 27. April und Montag den 28. April, nachmit. ags 3 Uhr findet hier im kathol. Gesellenhause ein Kursus für den Mittelstand statt. Als Redner ist Herr Dr. H ö f l e, Dezernent in der Abteilung für Mittelstandsfragen an der Zentralstelle des Volksvereins, gewonnen worden. Am Sonntag wird er die Themen: „Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage des Mittelstandes und seine Stellung in der Volkswirtschaft" und „Der Stand der Mittelstandsgesetz- gebung und die Wünsche des Mittelstandes" und am Montag „Die Selbsthilfebestrebungen des Mittelstandes" und „Die Beziehungen zwischen Mittelstand und andern Erwerbsständen — Konsumvereine, Gewerkschaften usw." behandeln. — Der Kursus soll dazu dienen, Mittel und Wege zur Hebung der wirtschaftlichen Sage des Mittelstandes zu suchen, dessen berechtigten Wünsche zu erfahren, um sie eventuell den zuständigen Stellen zur Berücksichtigung zu empfehlen. Ferner soll er den Mittelstand mit seiner Standesgesetzgebung vertraut machen und den Gebrauch der Staatshilfe und der organisierten Selbsthilfe anregen. Zur Teilnahme sind alle Angehörigen des Mittelstandes, Handwerker, Detaillisten usw., ohne Unterschied der Konfession berechtigt. Die Seit nähme ist kostenlos.
F Tie Bittwoche, in der vielerorts in den kath. Gemeinden die Bittprozessionen ftattfinben, steht bevor. In unserer Stadt zieht am Sonntag nachmittag */8 2 Uhr eine Bittprozeffion von der Stadtpfarrkirche aus nach dem Frauenberge und um 4 Uhr vom Dome auS ebendorthin. In der Klosterkirche findet dann für jede Prozession eine Bittandacht statt. Am Christi Himmelfahrtstage zieht die Dompfarrei um V»2 Uhr nach der ehemaligen Propsteikirche in Neu en berg, die Stadtpfarrei durch das Kohlhäuserfeld, wo Feldaltäre aufgestellt werden. Am darauf folgenden Sonntag wird die Bittwoche durch Prozessionen der Dom- und Stadtpfarrei nach der Kirche am Frauenberge geschlossen. In der Klosterkirche werden an den drei ersten Tagen der Woche um V<7 Uhr morgens Bittprozessionen mit an- schließendem Amt abgehalten.
!.' Der kathol. kaufm. Verein veranstaltet am Sonntag, den 4. Mai einen „ftamilienabenb". An diesem Abend kommt ein ganz neuer, zugkräftiger Schwank in drei Akten .Majolika" zur Aufführung. Das Aufführungsrecht für diese einmalige Aufführung hat der genannte Verein unter hohen Kosten erworben, und es dürste den Teilnehmern ein heiterer, genußreicher Abend in Aussicht stehen, zumal ein Tanzvergnügen der Theateraufführung folgen wird. Das Stück hat in allen Stäoten vorzüglich gefallen und gehört zu den zugkräftigsten und schönsten Repertoirstücken guter Großstadtbühnen.
Aus dem Nachbargebiete.
* Frankfurt, 24. April 1913. Im Juli v. I. entwich aus der Strafanstalt Freiendiez der 24jäh- rigs Gärtner Amann, der dort wegen Diebstahls zwei Jahre und sechs Monate sitzen sollte. Am 9. September wurde er wieder ertappt, aber auf dem Rücktranspott nach Freiendiez ging er wieder durch die Lappen. In der Zeit nachher wurden hier zahl- reiche Diebstähle begangen, von denen man annehmen konnte, daß sie auf das Konto Amanns zu buchen seien. Am 15. Februar gelang es, seiner wieder habhaft zu werden. Gestern hatte er sich wegen 54 Diebstähle und eines versuchten Diebstahls vor der Strafkammer zu verantwotten. Sechs Diebstähle besttttt er, gab aber zu, daß er dafür andere begangen habe, die man nicht kenne. Während feines Frankfurter Aufenthaltes wurde er von der Frau des Kutschers Rohn, der er einen großen Teil der gestohlenen Sachen zutrug, und dessen Mann versteckt gehalten und beköstigt. Wezen gewerbsmäßiger Hehlerei wurde der Ehemann Rohn zu sechs Monaten Gefängnis und feine Frau zu einem Jahr Gefängnis verutteilt. Amann wurde unter Eint rechnng der erwähnten Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten zu drei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt.
* Kaffel, 24. April 1913. Eine jugendliche Schwindlerin wurde gestern in der Person eines etwa 15 Jahre alten Mädchens sistiert, das angeblich im Aufttage eines Pfarrers Gelder, rote es fälschlich angab, zu Gunsten des Hessischen Waisenhauses sammelte. — Gestern mittag geriet im Etsenbahn- dreieck am Tannenwäldchen der Maschinenputzer W. zwischen die Puffer zweier Güterwagen, daß ihm schwere Quetschwunden am linken Arm zugefügt wurden. — Ein Fremder, der sich in einem Hotel eingemietet halte, verließ den Gasthof mit einem ver- dächtig großen Paket. Da er sich zum Bahnhof begab, nahm man ihm das Paket kurzerhand ab und fand darin mehrere Bettstücke, die der Gast ge- stöhlen hatte. Der Dieb selbst ist leider entkommen.
X Von der Oberweser, 23. April 1913. Die diesjährige Saison der Personen-Dampsschiffahrt zwischen Hann. Münden und Hameln beginnt wegen des frühen Pfingstfestes schon am Sonntag, 27. d. MtS. In den Fahrplänen sind größere Aenderungen gegenüber dem Vorjahre nicht vorgenommen. Die lange Regenperiode feit August vorigen Jahres hat den Grundwafferstand so sehr gehoben, daß in diesem Sommer die Schiffahrt unter ungenügendem Wasser« stände nicht zu leiden hat.
a. Oberursel, 24. April 1913. Unvermutet ist heute mittag die Königin Wilhelmina von Holland nach dem Haag zurückgekehrt, um an den Verhandlungen über Landesverteidigung teilzunehmen. Sie kehrt bereits am Samstag nach hier zurück, um dann noch voraussichtlich bis Mitte Mai auf der Hoheumark zu verweilen.
* Braubach, 24. April 1913. Ein hiesiger Ein- wahner fiel vor einigen Tagen im Rausche die Treppe herab. Die Folge davon war, daß er g e i st e s g e n ö r t i n eine Heilanstalt übergeführt wurde. Fünf Männer konnten den Tobsüchtigen kaum bezwingen.
♦ Tornheim b. Gr. Gerau. 24. April 1913. An Blutvergiftung infolge Auskratzens einer kleinen fiautrounbe starb hier die 13 Jahre alte Tochter des andwirtes P. L.
* Zinhain (Wstw.), 23. April 1913. Gestern wurden hier zwei Wohnhäuser durch ein Groß- feuer vernichtet. Das Mobiliar ist mitverbrannt. Die Bewohner der beiden Gebäude konnten, saft nur das nackte Leben retten.
Amt Geisa un- Umgebung.
* Dermbach, 24. April 1913. Der Bezirksaus- tchuß faßte in seiner letzten Sitzung folgende Beschlüsse: Dem Wilhelm Decher in Geisa wird die nachgesuchte Konzession zur Betreibung der Rathaus- Wirtschaft daselbst auf weitere zwei Jahre erteilt. Tas Gesuch des Elias Rupprecht in B a ch a um Ausdehnung der Schankwirtschaftskonzession auf die Wintermonate wird in Ermangelung eines öffentlichen Bedürfnisses abgelehnt. Gemäß § 231 der Reichsversicherungsordnung wird die Errichtung je einer allgemeinen Ortskrankenkasse für jeden Amtsgerichtsbezirk beschlossen. Zu den K fiten des Schulneubaues in Tiefenort foll beim fioßherz. Staatsministerium eine Unterstützung in Höhe von 20 000 Mark befürwortet werden. Desgleichen für die Schulgemeinde Völkershausen zu den Kosten der Einrichtung einer Lehrerwohnung eine solche in Hohe von 400 Mark. Der Gemeinde Unteralba wird die Genehmigung zur Aufnahme eines Darlehns in Höhe von 17 000 Mark zur Bestreitung der Schulneubaukosten unter Festsetzung einer Tilgungsrente von IM Proznt erteilt. Der Bezirksausschuß halt eine Mietsentschädigung für festangestellte verheiratete Lehrer in Stadtlengsfeld von 300 Mark für angemessen und befürwortet die Festsetzung in dieser Höhe. Schulvorstand und Gemeinderat in Stadtlengsfeld hatten die Erhöhung auf 350 Mark beschlossen. Der zur Beschaffung einer mechanischen Schiebeleiter in Geisa erforderliche Restbetrag von 310 Mark wird zwangsweise in den Voranschlag der Gemeinde Geisa eingestellt. Wegen Errichtung einer Kadaververnichtungsanstalt für den 4. Verwaltungsbezirk ist ein Vertrag mit einem Unternehmer abgeschlossen worden, dem der Bezirksausschuß Beitritt.
* Stadtlengsfeld, 24. April 1913. Der Gemeinde- rat trat unter Bejahung der 2 rinqlichkeit dem Beschlüsse des S ulvorstandes für sofortige Gründung einer neuen Lehrerstelle an hiesiger Bürgerschule unter Verwilligung der Mittel hierfür bei.
Aus Oberheffeir u. -en Hess. Aemtern.
△ Marburg, 24. April 1913. Das Scböffenge- richt verurteilte heute eine Frau aus einem Nachbarorte, die gewässerte Milch verkauft hatte, wegen Nahrungsmittelfälschung zu 90 Mark Geldstrafe.
ch. Marburg, 24. April 1913. Vom 30. September bis 3. Oktober tagt hier die 52. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner. Die Leitung der Konferenz übernehmen Geheimrat Prof. Dr. Vogt und Gymnasial-Direktor Ir. Fuhr von hier. — Am 21. und 22. April wurden im Kreise Marburg Prüfungen für die endgültige Anstellung von Lehrern, und zwar zum ersten Male nach den feit dem 1. April d. I. gültigen Bestimmungen, ad- gehalten.
-ff- Ziegenhain, 24. April 1913. Winterschuldirektor List hält im Laufe des Sommerhalbjahrs an verschiedenen Orten des Kreises unentgeltliche Vorträge bezw. Feldbesichtigungen (mit den Interessenten), in Treysa und Neukirchen Buchführungskurse und hier Kurse für Düngerlehre ab.
[:] Neustadt, 24. April 1913. Verhältnisse halber wird die Automobilpost Neustadt-Willingshausen- Merzhansen mit dem 1. Mai wieder eingehen und eine Fahrpoft eingerichtet werden. Unternehmer bleibt tetr Ostheim - Marburg. — Herr Forstasseffor tanbesand ist in gleicher Eigenschaft nach Abterode, Kr. Eschwege, versetzt. — Als Boniteure bei unserer Verkoppelung sind die Herren Rothe- Malsfeld und Scherer-Biedenkopf ernannt.
-ff- Schwarzenborn, 24. April 1913. Die vielen bett Knüll besuchenden Touristen waren bisher oft gezwungen, in der Stadt zu übernachten, weil die Betten der auf Hof Richberg am Knülllöpfchen gelegenen Liebermann'schen Wirtschaft nicht ausreichten. L. hat sich daher entschlossen, neben derselben ein Hotel mit etwa 30 Betten und komfortabler Einrichtung zu erbauen, das in diesem Jahre im Rohbau fertiggestellt werden soll. Das Hotel wird von einem Marburger Architekten erbaut.
* Gudensberg, 24. April 1913. Bei der Verpachtung der hiesigen Feld- und Wald ja gd gab das Höchstgebot mit 1810 Mk. Gutsbesitzer und Landtagsabg. Fritz Nöll in Gudensberg ab. Der seitherige Pachtpreis betrug 1095 Mk.
* Fritzlar, 24. April 1913. Eine recht empfehlenswerte Einrichtung hat die Fortbildungsschule der Stadt Fritzlar getroffen. Tie Handwerksmeister klagen sehr darüber, daß ihnen die Lehrjungen durch die Fortbildungsschule zu oft und in sehr empfindlicher, für ihre Ausbildung schädlichen Weise entzogen werden. Die Leitung der Fortbildungsschule hat sich mit den Handwerksmeistern dahin verständigt, daß die Schulstunden auf einen Nachmittag der Woche zusammengelegt werden. Der Unterricht soll von 1 bis 7 Uhr ftattfinben, an den übrigen Nachmittagen bleiben die Jungen zur Verfügung der Meister.
vermischtes.
* Wieder ei« Opfer der Fremdenlegion. Eine vor kurzem an dieser Stelle erwähnte Verhandlung vor der Strafkammer in Elberfeld ergab, wie leicht Ausländer in Frankreich für die Fremdenlegion eingefangen werden können. Auch dem Sohne einer Familie in Neviges (Rheinland) ist dieses Schicksal de- schieden gewesen. Er war, nacbbem er seiner Militärpflicht genügt hatte, vor fünf Jahren nach Frankreich gegangen, um Arbeit zu suchen. Dort ist er französischen Werbern für die Fremdenlegion in die Hände gefallen, die ihn umgarnten und, ohne daß er wußte, worum eS sich handelte, für die Fremdenlegion verpflichteten. Leider hat er die deutsche Heimat nicht wieder gesehen. Nach einem vor etwa acht Tagen bei feinen Angehörigen in NevigeS eingegangenen Schreiben stand seine Entlassung bevor, und er hatte um Ueberfenbung bet erforderlichen Papiere gebeten. Jetzt erhielt bie Familie vom Konsulat in Elberfeld die Nachricht vom Tode des SohneS. Als Ursache des plötzlichen Ablebens wird Leberquetschung und innere Verblutung angegeben.
* Weil ihr das Sofa gepfändet worden war, vergiftete sich in Berlin eine Witwe mit Leuchtgas.
♦ Großstadtluft. Der Schneidermeister Albert Hoffmann rn Berlin hatte eine fröhliche Gebutts- tagSfeicr veranstaltet und begleitete seine Gäste, darunter einen Gettchtsbeamken, noch .ein Stück auf dem nächtlichen Nachhausewege. Der Beamte glitt plötzlich auf dem Trottoir aus und fiel hin. In die- sem Augenblick erfchienen drei dunkle Gestalten auf der Bildfläche, die den Schneider mit groben Fäusten packten und ihn beschuldigten, den am Boden liegen.
den Herrn „überfallen" zu haben. Es dauerte geraume Zeit, bis die drei „Retter in der Not" sich durch die Erklärungen der beiden Herren beruhigten, aber sie verlangten, daß dieser Vorfall durch ein Glas Bier begossen werden müffe. Was blieb den anderen weiter übrig, sie mußten, um die „Retter" nicht zu „beleidigen", mitgehen. Als man sich schließlich trennte und der Gerichtsbeamte ein Auto besteigen wollte, wurde ihm von einem der Burschen die goldene Uhr mit Kette int Werte von 500 Mark gestohlen, während ein anderer der Burschen dem Schneidermeister Hoffmann einen Ring vom Finger zu ziehen suchte. Hierauf verschwanden die „Retter" um eine Straßenecke und entkamen im Dunkel.
* Eine Steuernachzahlung von 158 000 Mark fordert in Saarbrücken der Steuerfiskus von dem Saarbrücker Eisenbahnkonsumverein auf Grund des Warenhaussteuergesetzes, weil er auch Bürstenwaren im Jahresbetrage von 1000 Mark vertrieben hatte. Tie zuständige Behörde hatte seinerzeit versichett, daß wegen dieses geringen Betrages eine Besteuerung nach dem Warenhaussteuergefetz nicht nötig wäre. Jetzt legt der Fiskus seiner Berechnung den Gesamtumsatz des Konsumvereins von etwa 2i/> Millionen Mark zugrunde. Der betroffene Verein legte Beschwerde gegen das Steuerbegehren ein.
* Moderner Pump. An Bord eines nach New- York bestimmten Dampfers befand sich ein Passagier der so spielwütig war, daß er seine gesamte Barschaft bereits vor Vollendung der Hälfte der Reise im Poker verloren hatte. Was tun in dieser Not? Da fiel ihm ein, daß ein Onkel auf einem Schiff dersel- ben Schiffahrtsgesellschaft gerade auf der Reise von Newyork nach Europa begriffen sein müßte, und schnell entschlossen gab er ein hilfeflehendes drahtloses Telegramm an besagten Onkel auf, das diesen mitten auf dem Ozean traf. Tas Musterexemplar von einem Onkel beauftragte hierauf ebenfalls auf drahtlosem Weg den Rendanten des Dampfers, dem leichtsinnigen Neffen die verlangte Summe zu seinen, des Onkels Lasten, auszu- zahlen,
Handel und Industrie.
Berlin, 24. April 1913. Die vorwiegend zuversichtliche Auffassung, die die Börse feit einige, Zeit zeigte, war beute durch Oesterreichs Vorgehen gegen Skutari entschieden inS Wanken gekommen. Die matte Tendenz dauerte auf allen Gebieten bis zum Schluß der Börse an. Von deutschen Anleihen gaben 3^,proz. ReichSanleibe und Konsols sowie 3proz. Reichsanleihe je 0,10 Proz. nach. Privat- diSkont unverändert.
Ausjng ms Sem TterberrMec des Kgl. Standesamts Fulde
vom 18. bis 24. April 1913.
(Anmeldestunden: An Werktagen von 8—12 Uhr vormittags, an Feiertagen von 11—12 Uhr vormittags, nur für Totgeburten und Sterbefälle.)
17. April. Lehrer Karl Götze von Seiferts, Kreis GerSfeld, 22 I. 4 M. 27 T. 17. Sabine Wagner von hier, 1 I. 1 M. 10 T. 17. Richard, S. des Maurers Silvester Völker von MichelSrombach, 6 M. 22 T. 17. Tagelöhner Nikolaus Gutermuth von Hohenzell, Kreis Schlüchtern, 36 I. 7 M. 27 T. 18. Katharina Oestreich lohne Berus), 30 I. 7 M. 6 T. 18. Landwirts-Witwe Regine Schmelz, geb. Faust, 85 I. 2 M. 12 T. 18. Schreiners - Ehefrau Katharina Weber, geb. Dietrich, 42 I. 7 M. 7 T. 18. Maurerlehrling Joseph Kollmann von Kämmerzell, 17 I. 11 M. 13 T. 18. Tagelöhners- Ehefrau Hyacinta Schaum, geb. Stets, von Michelsrom- bach, 63 I. 7 M. 22 T. 19. Fabrikarbeiter Ignaz Ehrhardt, 32 I. 3 M. 19. Joiepha Habersack (ohne Beruf) von Lütter, 53 I. 11 M. 19 T. 19. Arbeiter Wilhelm Becker, 17 I. 1 M. 7 T. 20. GymnasialdirektorS-Wiwe Mathilde Goebel, geb. Uth, 64 I. 5 M. 8 T. 21. Maurers-Ehefrau Katharina Michel, geb. Biehl, von Ober- bimbach, 73 I. 4 M. 13 T. 22. Lehrers-Witwe Luzia Schöppner, geb. Weber, 74 I. 4 M. 16 T. 22. Schlosser Peter Rüger, 31 I. 21 T. 22. Uhrmachers-Ehefrau Anna Häußler, geb. Dorn, 30 I. 6 M. 25 T. 23. Metzger- meifterS-Witwe Katharina Schwarz, geb. Belz, 71 I. 8 M. 29 T. 28. Privatin Magdalena Wetngärtnei 56 I. 11 M. 13 T.
^eHamen« und Anzeigenteil.
Keine Verwechslung mit aridem Emulsionen ist möglich, wenn Sie ausdrücklich Scotts Emulsion verlangen und darauf bestehen, diese zu erhalten. Der Name „Scott" bürgt für die Güte Md
Wirksamkeit des Präparates, das auf eine — wohl beispiellose — 37 jährige Wertschätzung zurückblickt. Wer sich und seinen Kindern dm Nutzm einer mustergilfigm, in allm Ländern eingefühttm Lebertran-Emulsion zuteil werden lassm will, der kaufe Scotts Emulsion, berat nur diese ist nach dem eigenartigen Scottschen Zubereitungsverfahren hergestellt. Es gibt nur eine Srotts Emulsion.
Sie kennen doch alle Instns von Liebig?
IM- Den berühmten Chemiker? Nun, kein Geringerer IM- als er hat vor 74 Jahren den hohen Werl der IM- der Sodener Gemeindeheilquelleri nachgewiesen. IM- Bornehmlich auS zweien der wichtigsten dieser IM- Quellen werden FayS echte Essener Mineral- IM- Pastrllen hergestellt, und die längst anerkannte IM- Wirksamkeit der Fay'schen Pastillen bei allen MM- Katarrhen der Lustwege, Heiserkeit, Husten, Jn- IM- disposition erklärt sich damit von selbst. Man achte IM» aber auf den Namen Fay und weise Nachahmungen IM- zurück. Besonderes Kennzeichen: Amtliche Be- IM- schemigung des Bürgermelster-Amtes Bad Soden IM- a. T. auf weißem Sont^Mtitetfeit. >