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M 93.

Mittwoch 23. April 1915.

Fuldaer Zeitung

** Ei« Telegramm Ses hl. Balers.

2. Blatt.

»er Lnldaer actieetracrrtl ie $ul»a.

Am vergangenen Sonntag hatte der Hochw Her: Sif tof nach Erteilung des päpftL Segen- und der Andacht für den hl. Vater im Dom durch Vermitt­lung Sr. Eminen, de- Kardinals Staatssekretärs Merry del Val folgende- Telegramm an Se. Heilig, kett getan en lasten:

Catholici Fuldenses cum epiacopo Roma reduee ad eancti Bonifatii cinerea congregati pro benedictione poutificia bamiüter gratias agentes Deum enixe obsecrant ut Sanctitatem Vestram integrae sanitati mox reatitutum Ecclesiae soae ad multos anno« sospitem aerveL

„ _ Joseph Damianos, Episcopos.

Zu Deutsch:

Die Katholiken Fuldas, mit ihrem von Rom zurück- gekehrlen Btzchofe am Grabe des hl. Bonifatius ver- sammelt, danken ehrerbietigst für den empfangenen Päpstlichen 6 gen und bitten Gott inständigst, er möge Eurer Heiligkett die baldige vollständige Genesung und noch riete Jahre in voller Kraft zum Heile seiner Kirch, verleihen. Joseph Damian, Bischof.

Darauf traf schon am Montag nachmittag fol. gende Antwort ein:

Catholieis Fnldensibus una cum episcopo suo Roma redeunte ad sacros sancti Bonifatii cinerea congregatia beatissimas Pater laete convaleacens de votia piisque precibns gratias agit atque benedictionem apostolicam impertit ex nnimo amplissima dona ad vitam catholicam wo felicem adprecatus. Card. Merry del VaL

Zu Deutlch:

Den Katholiken FuldaS, die mit ihrem von Rom heimgekehrten Bischof bei den ehrwürdigen Ueberresten des hl. Bonifatius versammelt sind, dankt der froh genesend. Hl. Vater für die Wünsche und frommen Gebete und erteilt ihnen den Apostolischen Segen, indem er ihnen von Herzen reichliche Gnaden für rin glückliche» kalhotstchrS Leben erfleht. Starb. Merry bei Bal.

Lokales.

Fulda, 23. April 1913.

* Personalien. Versetzt wurde der technische Büroaspirant Alten an die König!. Bauabteilung Bauabteilung Fulda. — Verliehen würbe dem Ersten Vorstandsbeamten der Reichsbanksteüe in Fulda, Bankassessor Lauster, der Charakter als Bankvirek. tor mit dem Range eine- Rate- vierter Klasse und dem Postassistenten Lecher in Schlüchtern der Titel Ober-Postassiftent.

[] Zwangsversteigerung. Bei der heutigen gericht. lichen Zwangsversteigerung des auf den Warnen der Ww. des GülerbodenarbeiterS Richard Rübsam geb. üllmicher in Fulda eingetragenen Grundstückes Schlacht» hausgaste 22 mit Wohnhaus, blieb die Stadt Fulda Höchstbietende mit 1085 Mark. Der Wert des Grund» ftückes ist auf 1500 Mk. festgesetzt worden.

— Meiste,Prüfung. Vor der zuständigen Prüfung». kommilston rn Fulda legten gestern mit Erfolg die Meisterprüfung für das Schreinerhandwerk ab die Herren Kunstschreiner Emil Zengerle aus Langen­bieber, Philipp Hoflander auf Schloß Biederstem, Wilhelm Hohmann aus Kleinsassen, Friedrich Sauer aus llttnchshamen sowie iür das Küserhand- werk Herr Joseph Kl über aus Ried bei Gersseld.

+ Memento morst. Als sich der seit längerer Zeil herzleidenve Schlosser Peter Rüger gestern abend, kurz nachdem er sich zu Bett gelegt hatte, wieder erhob, fiel er plötzlich tot zu Boden. Ein Herzschlag hatte dem Leben de- 31jährigen Mannes em jähes Ende gesetzt.

|] Gestohlen wurden vergangener Nacht aus einem Garten an der Leipzigerstraße 25 Paar Str ü mp fe, die dort zum Trocknen hingen. — Aus der Speise­kammer des Parkhotels wurde ein© chinken entwendet.

5 Unfälle. In der Eisendahn-Hauptwerkstätle kam gestern der Polierer 01. von Bachrain der Poliermaschine mit der Stirn zu nahe und erlitt eine erhebliche Wunde, die von einem Arzte zugenäht werden mutzte. — Eine Klasse der Schule zu O ber- usfhausen war gestern vormittag mit dem Lehrer außerhalb des Ortes. AuS Mutwillen stießen sich zwei Schüler hin und her, wobei rin dritter zu Boden geworfen wurde und das rechte Bein brach, das ohne, hin schon steif und kürzer war als das Imke. Der 11jährige Jung, wurde in das Landkrankenhaus Fulda gebracht.

-o- Radfahrerunfall. Heute vormittag fuhren zwei Radmhrer, aus entgegengejetzier Richlung kommend, am Peierslor auf etnanöir und kamen zu Fall. Der eine von ihnen erlitt Verletzungen an Mund und Nase, foboi erheblicher Blutverlust eintrat, während der andere mit dem Schrecken davon kam. — In der Wilhelmstraße rannte heute morgen ein anderer Rad« sahrer, der auf der falschen Straßenseite fuhr und auch keinerlei Signale abgab, einen städtischen Straßen­feger um, wobei er auch selbst mit seinem Rade zu

Fall kam, sich jedoch bald wieder erhob und weiter- suhr, während der Straßenfeger eine schwere Ver- letzung an der rechten Hand und am Kinn davon- trug. Leider entkam der Radler unerkannt, da

Kollegen de» Verletzten, die sich in unmittelbarer Nahe befanden, nicht auf ihn achte, en. Wann endlich werden die Klagen über daS leichtfertig, Fahren verstummen? °

— Ja der GotteSdieustorduung der Stadtpfarrkirche tritt vom nächsten Sonntag ad eine kleine Aenderung e>n. Wegen der lleberfüllung der Schulmesse soll in Zukunft Sonntags um 8 Uhr und um 11 Udr eine hl. Meffe mit Pred-at für die Schulkinder »atifinden.

X Kriegersanitätskolonne vom Roten Kreuz. Das abgelaufene Jahr, das 30. ihres Bestehens, darf für unsere Kolonne wieder als ein Abschnitt erfreulichen Fortschritts bezeichnet werden. Am 1 April 1912 betrug die Mitgliederzahl 63 aktive und 143 außerordentliche. Ausgeschieden sind im Be­richtsjahre 12, ausgenommen wurden 9 aktive Mit­glieder. Sämtliche Aktiven sind als Träger 6 als Pfleger und 1 als Desinfektor ausgebildet.' Ende März 1913 zählte die Kolonne 60 aktive und 98 außerordentliche Mitglieder. Kamerad Cohn legte am Schlüsse des Jahres sein Amt als Kassierer Nie­der, an seine Stelle trat Kamerad Haubrich. Der Sektionsführer Jost wurde zum Zugführer-Stell- Vertreter, Taubenrauch und Ludwig Becker zu Sektionsführern ernannt. Kamerad Schlei- e r t nahm an der Ausbildung als Krankenpfleger im hiesigen Landkrankenhause teil und erhielt die Befähigung zum Kriegskrankenpfleger. An dem vom Oktober bis Dezember veranstalteten Ausbildungs­kursus beteiligten sich durchschnittlich 20 Personen, von denen 9 der Kolonne beigetreten find Die vom Kaiser genehmigten Abzeichen für 15jährige Dienst­zeit wurden verliehen dem Vorsitzenden Herrn Tr Pfeiffer, dem Kolonnenarzt Herrn Dr. Schnei­der und dem Kameraden S ch wa r z. In der Be­richtsperiode wurden 20 Hebungen abgehalten, von denen die Halste im Gelände oder auf dem Exerzier- platze der Artilleriekaserne stattfanden. Am 19 Mai besichtigte der Herr Kreisinspekteur Sanitätsrat Dr Gesang das Fußexerziercn und das Verladen unb Tragen tm schwierigen Gelände. Am 15. September sand eine Jmprovisationsübung mit zwei Leiterwagen tm Riesiger Walde statt, bei der das Holz zu den Herstellungsarbeiten aus Behilfsmaterial, von den Mannschaften direkt im Walde gehauen wurde. Der Uebung war die Idee: „eine Verschüttung mehrerer Personen in einer Sandgrube" zugrunde gelegt An der Führer- und Aerzteversammlung deutscher frei, bulliger Sanitätskolonnen vom 25. bis 28 Juli in Leipzig nahmen teil die Kameraden: Haubrich, Jost, Hahn und Siebert. Am Bezirks-Führer und A erste- tage am 2. Juni in Kassel beteiligten sich 16 -Mann. Der Kolonnenarzt hielt daselbst einen Vortrag über bas Thema: „Wie erhalten wir unsere Sanitäts- Mannen lebens- und leistungsfähig". In 118 Fäl­len wurden Mannschaften der Kolonne zur ersten Hilfeleistung und zu Krankentransporten in An- spruch genommen. Kleine Hilfeleistungen einzelner Mitglieder werden nicht mitgezählt. Bei allen grö­ßeren tttrnerischen und sportlichen Veranstaltungen wte: Rhönturnfest, Sportfeste der Sportvereine nsw. sowie bei den von dem Verein Bolkslesehalle veran­stalteten, stets gut besuchten Bolksbildungsabenden, ivaren von der Kolonne Hilfskommandos gestellt. An dem vom Zentralkomitee des Preußischen Lan- desvereins vom Roten Kreuz am 17. und 18. Februar in Berlin veranstalteten Kursus zur Ausbildung in feer Tuberkulose-Fürsorge nahm feer Kolonnenführer Siebert teil. Die Einnahmen betrugen im Berichts, fahre 1512,34 Mark, die Ausgaben 1476,96 Mark. Am Scklusse des Jahres verblieb ein Bestand von 35,38 Mark. Die Uniformierung wurde da­hin ergänzt, daß statt des Stärkekragens durchweg Halsbinden getragen werden; sie ist bis auf die Hosen vollkommen durchgeführt. Die Kolonne ist bereit, wenn die zum öffentlichen Rettungsdienste verpflichteten Behörden dies wünschen, diesen Dienst den vom Reichsgesundheitsrate beschlossenen Grund ätzen gemäß zu übernehmen. Zu diesem Zwecke sind mit dem Landkrankenhausdirektor Dr. Gunkel ver- einbaninaen getroffen worden, wonach das demnächst zu beschaffende Krankenautomobil der Sanitäts­kolonne überwiesen wird. Zum Schlüsse dieses Iah- resberichts danken wir allen denjenigen, die uns in dem abgeloufenen Jahre ihre Unterstützung haben zuteil werden kaffen, in erster Linie der Stadtver- waltung, die den jährlichen Beitrag auf 300 Mark erhöht hat, ferner dem Zweigverein vom Roten Kreuz, dem Zweigverein vom Vaterländischen Frouenverein und nicht zuletzt den außerordentlichen zahlenden Mitgliedern, sowie allen Freunden und Gönnern unserer Sache.

Kr. Fleischer-Jnnung. AuS Kreisen der Fleischer- Innung wird uns geschrieben: Der Artikel »Die Schlachtgebüh en" in Nr. 91 der ,Fulb. Zlg/ ergibt kein klare- Bild über die Urlauben, welche zu dem Befchluß de- Schlachtv eh-Versicherungsverein- geführt haben. Nachdem > ereil» von der Schuldfumme des Schlachthofe- 59676 Mk. abgetragen sinb, erb bt die Stadt nach wie vor auch noch von dieser getilgten Summe 8 Proz. Verzinsung. Von den der,eiligen Benutzern werben durch Gebühren die persönlichen und sächlichen Verwattung-kosten, die Betriebskosten, die Ausgaben für Steuern, La'len, Pensionen und Abschreibungen und für das (Siunbeigentum erhoben. Dieselben müssen auch für die laufenden baulichen Unterhaltungen, Unterhaltung der Maschinen unb Lichtanlagen, bie Unterhaltungen und Ergänzungen de- Inventar-, aufkommen. Außerdem werden die­selben noch durch eine besondere lOprozenlige Amorti­sation von bet Lichtanlage unb 5prozeniige An nti- fation von der Maschinenanlage, welche ohnehin in der Anlagesumme mit 8 Proz. verzinst werden, zum Erneuerungsfonbs (ungesetzlich) in jährlicher Höhe von 3440 Mk. zugunsten der später folgenben voraus- belastet. Dieses sinb 18 Proz. re p. 13 Pro,. Die stabt erhebt zu Unrecht einen Verwallungskostenbei» trag von 1000 Mk., obwohl ihr durch btt Verwaltung keine Unkosten enlstehen, zumal die tägliche Ab­führung der baren Emgänge vom Eck lachthofe an die Sladlkaffe, welche ersterem bi» zum Gebrauch nlcht verzinst werden, der letzteren erhebliche Vorteile bringen. Nachdem feit Jahren die Gesamtschlach'ungen erheblich zurückgegangen sinb, betragen jetzt bie wirk­lichen Gewichtszahlen nur 2505150 P'unb. Durch reine Gebühren sinb auszubringen 82656 Mk. Der Restbetrag von 16804 Mk. geht burch Pachtungen, 'JJheten ber Kühlräume, Eisbezug u. bergt ein. Mit­hin belasten die Gebühren da- Pfund Flei ch nicht mit 2,6 Pfg, sondern mit 8,3 Psg. An Sä ten unb Abschreibungen sinb jährlich auszubringen 60920 Pik. Davon geben ab für Zinsen an bie SchulbenVerwal­tung 24 277,38 Mk., verbleiben zuzüglich 1000 'Mk. Verwallungelostenbeilrag 37 642,62 Mk. Daburch beträgt bie Mehrbelastung bet Gewichlszahlen von 2505150 Pfunb nicht 0,7 Pfg., fonbern 1,1 Pfg Um diesen Aufschlag wurde daS hier gefchlachtete Fleisch belastet, nachdem die Flerschsteuer am 1. April 1910 mit 1,5 Pfg. pro Pfund, ungerechnet der Rück­vergütungen, auch für bas auswärts geschlachtete Fleisch, in Wegfall kam. Unglücklicherweise setzte zu dreier Zeit eine Viehpreissteigerung ein, bie eine Erhöhung der Verkaufspreise im Gefolge hatte. Der haltlose Vorwurf erledigt sich dadurch. Dem Verfuch ber Verlegung ber meisten Schlachtungen m bie Ortschaften w>rd bie Stadibehörbe sehr wenig entge en zusetzen haben, weil bie beiten Ordnungen bett. Schlachlzwang und bie Oibnung über einge- brachteS Fleisch ungefetzliche Vorschriften enthalten. Der Schlachlzwang bezieht sich auch auf bie privaten Schlachtungen. Setz Einführung ber hohen Gebühren fchlachten saft ausschließlich Private unb Institute tn ben umhegenben Ortichaflen. Nach ben Aus- führungsbestiinmungen zum Reichsflelschschaugefetz ist bas tierärztlich untersuchte Fleisch mnerbolb Deutsch- lanbs freizügig. — Für tierärztliche Untersuchung wirb von un» gesorgt fein. — Dieses Recht, welches lebem Auswärtigen zusteht, müssen die ortsansässigen Metzger sich ebenfalls zunutze machen, um ihre bedeutend gestiegenen Unkosten zu verringern, damit sie der stets Überhandnehm.nden auswärtigen Äon- turienj preisverbilligenb entgegen wirken können. Sie werben damit dem Hauptkonsumenten, dem kleinen Mann unb Familienvater, nur gerecht. Eine entfprechenbe Gemeinde-Erhöhung ist der gerechteste Ausgleich, sofern bie Stabtbehörde zum Schutze bet ortsansässigen Metzger gegen die Auswärtige berechtigte Erleichterungen eintreten lassen will.

::: Schweinezählung. Bei feer außerordentlichen Schweinezählung im Deutschen Reiche war von ein­zelnen Mitgliedern des Untersuchungsausschusses über )ie Ursachen ber Fleischteuerung daraus hingewiesen worden, daß feie regelmäßig anfangs Dezember vor sich gehende Viehzählung den Bedürfnissen der Ver­waltung nicht genüge; es empfehle sich daher bie Vor- nähme auch von Sommerzählungen. Diesem Wunsche entsprechned hat der Bundesrat angeoibnet, baß am 2. Juni in sämtlichen Gemein­den bes Deutschen Reiches bie Zahl ber vorhandenen Schweine amtlich ermittelt wirb.

<P Vom Oder fuloa - Werra - Gau. Am nächsten Sonntag finbet in Hersfeld in ber Turnhalle bes Turnvereins ein Turnwartsiuruen bes über 30 Ver­eine zählenden Gaues statt. Diese erste Veranstaltung dient dem Zweck, die länblichen Vereinsleiter theoretisch und praltifch auszudilben, besonoers aber ihnen zur Ausbildung bet Jugend Ratschläge zu erteilen.

Aus dem Nachbargebiete.

i*: SilgeS (Rr. Hünfeld), 21. April 1913. Bel der heutigen Verpachtung der Gern ein de» Ja. d blieb ber Bierverleger Job. Göß mit 610 Mark Höchstbietender. Der seiiherige Pachtpreis betrug nur 150 Mark.

* Hers selb, 22. April 1913. In einer hiesigen Fabrik hantierte gestern ein jugendlicher Arbeiter mit einem Terzerol. Durch einen unglücklichen Zu- fafl entlud sich bie Waffe und das Geschoß drang dem Jungen in den Unterleib. Er wurde in bad’ Kran- kenhaus gebracht.

♦ Alsfeld, 22. April 1913. Am Freitag, den 23, Mai fe. I., findet hier eine Zuchtviehauktion, veranstaltet vom Landwirtschaftskammerausschuß für Oberhessen und Oberhessischen Zuchtvereinen, für Simmentaler Bullen, Edelschweineber und veredelte Landsck'weineber statt.

* Hanau, 22. April 1913. Von den Mannschaften der 4. Schwadron des Thüringischen Ulanenregiments sind vier Leute leicht an Scharlach erkrankt. Die Schwadron ist gesperrt, auch sonst sind Vorkehrungen getroffen, um ein weiteres Umsichgreifen ber Krank­heit zu verhüten.

* Melsungen, 22. April 1913. Vorige Woche ha­ben wieder drei Arbeiter hier ihr 25jähriges Arb^its- jubiläum im Dienste der Salzmannschen Fabrik feiern können, nämlich die Weber Ehsel und Trill von hier und der Scherer Ruppel aus Schwarzenberg. Die Firma überreichte jedem der Jubilare das übliche Sparkassenbuch.

* Kreuzburg (Werra), 22. April 1913. Der Ter­min für das 700jährrge Stadtjubiläum ist auf den 21., 22. und 23. Juli d. I. anberaumt worden. Mit dem Stadtjubiläum soll gleichzeitig ein Heimatfest verbunden werden.

* Breitenbach a. Herzberg, 22. April 1913. Beim Bahnbau Niederaula-Alsfeld wurde einem Arbeiter das rechte Bein von einer Maschine a u s g e r i s- s e n. Ter Verunglückte wurde ins Krankenhaus zu Alsfeld geschafft.

* Weiterode, 22. April 1913. Beim Einsturz eines Gerüstes erlitt hier gestern ein Maurer eine schwere innere Verletzung, bie seine sofortige Ueber- führung in das Landkrankenhaus in Hersfeld nötig machte.

* Trendelburg, 22. April 1913. Gestern abend brannte im benachbarten Dorfe Friedrichsfeld das Gehöft des Ackermanns Quentin nieder.

* tzoqeujolmr (ttr. Wetzlar), 21. April 1913. Das fürstliche Hofgut mit seinen Scheunen unb Ställen brannte gestern total nieber. Von dem Wohnhause bes Pächters konnte die Hältte erhalten bleiben. Viele Heu-, Stroh- und Fruchivoiräle sind verbrannt.

* Aus Waldeck, 22. April 1913. Die Molkerei- Genossenschaft Wetterburg bei Arolsen hat den freihändigen, öffentlichen Verlauf der Mol- ferei und demnächst die Liquidation der Genossenschaft befchlossen.

* Würzburg, 22. April 1913. DieneueSchul- unb Lehrordnung für die Volksschulen des Regierungsbezirkes Unterfranken hat die Genehmi­gung des Staatsministeriums erhalten. Die neue Ordnung tritt für die städtischen Volksschulen am 1. September laufenden Jahres in Kraft. Den Land­schulen, dr- das neue Schuljahr bereits am 1 Mai beginnen, ist ein volles Uebergangsjahr eingeräumt. Die Bestimmungen der neuen Schul- und Lehrord­nung sind nach Anhörung zahlreicher Gutachten von Schulaufsichts., Verwattungsbeamten und Lehrern, dann nach Einvernehmen ber kirchlichen Oberbehörden über alle in die religiöse Erziehung übergreifenden Abschnitte, ferner nach wiederholten Beratungen in ber Kreis- unb Landesschulkommission festgesetzt wor­den.

* Aus Franken, 22. April 1913. In Würz- bürg wurde gestern ber Grundstein zu dem neuen Handelskammergebäude gelegt, dessen Rohbau auf 150 000 Mk. veranschlagt wurde. — Anläßlich der Hundertiahrfeier von Würzburgs Zugehörigkeil zu Bayern im Juni 1914 ist eine Jübiläums-Kunstaus- tellung in Aussicht genommen. — In letzter Zeit treiben sich wieder größere Zigeunerbanden in der Umgebung Schweinfurts herum. In G r e 11 - t o b t verübten sie mehrere Diebstähle, in Klein- Münster raubte eine große Bande einen Bauern aus. — Im Hauptbahnhof Aschaffenburg ent­gleisten 5 Wagen des Zuges 364 infolge vorzeitiger Weichenumstellung. Verletzt wurde niemand, der Malenalsctiaben ist aber ,chr groß. Die von einem Berliner Blatt verbreitete Meldung über die Ver­haftung eines französisäien Spions'in Aschassen- butg beruht nickt auf Tatsacke.

Vie Schuld der Vaters.

6] Roman von Freifrau G. von Schlippenbach.

„Fürchten Sie nichts," sagte sie leise, „niemand als Peter und ich wissen etwas von ber Vergangen­heit, bie Sie quält; Ihr trauriges Geheimnis ist bei und sicher."

»Ich weiß es, — aber ich bin bange davor, Men- schen, die ich in ber Jugend kannte, zu begegnen. Ar- butin ist oft bei meinen Eltern im Hause gewesen; er hat mich als Knaben gesehen. Der Name Soft- jakofs wird ihm ausfallen, er stand vor 7 Jahren in den Zeitungen, damals, als ich--"

„Lasten Sic doch das Einst ruhen," bat Frau Ne­krassow weich, „kein Mensch denkt mehr an jene Epi fobe, unb ich glaube auch kaum, daß bie russischen Zei­tungen etwas darüber brachten, was Ihr Leber, trübt."

Den Kopf in bie Hand gestützt, saß Ilja George- witsch ba. Wie wohltuend berührten ihn bie Worte ber eblen Frau, bie an bem Sterbebette seines Wei­bes gestanden, die seinem verwaisten Kinde bisher eine Mutter gewesen war.

„Sie sind ein Engel, Anna Karlowna", sagte Ilja endlich. „O, Sie verstehen mich, Sie wissen, baß nichts als mein unglücklicher Jähzorn schuld war; ich habe es hart gebüßt."

„Das Leben liegt vor Ihnen, Sie sind noch lange nicht vierzig," fiel Peter Nekrastoff seiner Frau ins Wort, „die besten Mannesjahre kommen erst, und mit ihnen Glück und Freude. Vertrauen Sie auf Gott; er wird bei Ihnen sein — bei Ihnen und Ihrem Kinde." •

„Ihr guten, treuen Menschen," sagte Soltjakoff gerührt, „wie danke ich euch!"

Und er streckte ihnen beide Hände entgegen. Wäh­rend es in seinen Zügen arbeitete, gab er sich doch Mühe, die Rührung zu bewältigen, bie ihn über» Mächtig packte.

, Am anbern Tage schon sah Soltjakoff den Fürsten wieder. Er würbe von ihm sehr herzlich empfangen

und gleich zur Jagd eingeloben. Ilja Georgewitsch nahm bankend an. Eine große Ruhe war über ihn gekommen seit jenem ersten Abend und dem Gespräch Nekraffoffs. Ter Mann, ber so lange ber geliebten Heimat fern gewesen war, gab sich ihrem Zauber toie> ber voll unb ganz hin. Er setzte seine große, persön­liche Licbenswürbigkeit einf um zu gefallen, was ihm auch gelang. Auf allen Gütern ber Nachbarschaft lub man ben intereffenten Besuch ber Nckrassoffs ein; alle Türen öffneten sich ihm mit ber den Russen eige­nen Gastlichteit.

„Sie müssen in ber Gegend bleiben", so hieß es allenchalben und man machte chm mehrere vorteil- hafte Anerbieten, um ein Gut zu kaufen. Soltjakoff lehnte lachend ab. Er müsse noch einige Jahve nach Amerika gehen, später käme er vielleicht für immer in bie Heimat.

Nach drei Wochen schon reiften Daisy unb ihr Vater ab. Der Abschied von ihren Pflegeeltern fiel bem Mädchen Wohl schwer, aber die Freude, nun ganz bei ihrem geliebten Vater zu bleiben, überwog alles. Soltjakoff hatte feinem Kinde versprechen müssen, es gleich mit sich zu nehmen. In San Franzisko gab es gute Pensionen für junge Damen. Warum sollten sich die beiden Menschen trennen, die so eng zu einander gehörten?

Von Boris Arbutin nahm Daisy auch Abschied.

„Seelchen", sagte der Page, „vergiß mich nicht." In ber Erregung des Abschieds duzte er sie. Daisy lachte, und ooch waren ihr die Tränen nahe.

„Gib mir eine Locke von deinem Haar", bat Bo- ris.

„Ach, Unsinn, wozu?"

„Ich will sie immer bei mir tragen", versicherte der Knabe ernsthaft, unb ehe Daisy es sich versah, hatte er sie umfaßt.

„Was gibst bu mir zum Andenken?" fragte sie.

„Hier dieses kleine Heiligenbild", — er nestelte eine silberne, ovale Platte unter feiner Pagenuniform hervor —. „es ist die heilige Feodosta", sagte er wich­

tig, „ich habe sie vom Popen (ruffischer Priester) be­kommen. Willst du das Bildchen tragen, Täubchen?"

„Ja, obgleich ich nicht Feodosia heiße", entgeg­nete Daisy.

„Unser alter Streit", meinte Boris. „Doch nun gib mir die Locke, hier ist eine Schere, ich brachte sie gleich mit."

„Sie doch einmal! Also bu warst schon so sicher, baß ich deine Bitte erfülle", schmollte das Mädchen, aber sie ließ es ruhig geschehen, daß Boris eine lockige, glänzende Strähne ihre- Haares abschnitt unb sie in ber Brusttasche feiner Pagenuniform barg.

„Nun gib mir einen Kuß, Täubchen!"

Sie wollte erst nicht, aber er tot ihr doch leib; er sah wirklich betrübt aus, ber arme Junge. Gehör- fam bot sie ihm ben blühenden Mund bar. Vier junge, unschulbige Lippen berührten sich. Dann lief Daisy bavon. Er sollte es nicht merken, wie schwer ihr ber Abschied von bem trauten Spielgefährten wurde.

in.

„Mein lieber Ilja Georgewitsch!

Nun sind eS vier Jahre, daß Sie noch Datnosto kamen, Daisy muß eine erwachsene, junge Dame fein, unb sie muß sehr hübsch geworben sein nach bem Silbe, bas sie uns schickte. Meine Frau unb ich sehnen uns sehr nach unserem geliebten Pflegekinde und können die Zeit kaum erwarten, in der Sie und Ihr Kind unsere Nachbarn in Blagotir werden. Ich habe Ihrem Wunsche gemäß bas Hau- neu tapezie­ren unb renovieren lasten. Der Garten, ber arg ver­nachlässigt war, sieht dank bem Moskauer Kunst- gärtner sehr hübsch aus. Anna unb ich haben bie sehlenben Möbel gekauft unb hoffen alles nach Ihrer Zufriedenheit ausgeführt zu haben. Auch Dienste boten sinb schon engagiert, unb vier Wagenpferbe sowie einige Reitpferde überließ Graf Muschkarin mir aus seinem berühmten Gestüt. Seiber ist Bla- gotir durch die Lotterwirtschaft feines früheren Be­sitzers weniger ertragsfähig, als es ber Fall fein müßte noch ber trefflichen Beschaffenheit des BobenS, der sich vorzüglich für den Weizenbau eignet Da

Sie, lieber Freund, mit einem nicht unbedeutenden Kapital Blagotir ontreten, werden wir mit der Zeit bie Sache hochbringen. Swerjeff, ber einstige De- Ker, lebt jetzt mit seiner Mutter unb Schwester auf n kleineren Gut, das an Ihren Besitz grenzt; Lat- wilischki ist um einige Werst von Blagotir entfernt. Die Damen Swerjeff sind durch den Leichtsinn des Sohnes und Bruders in trauriger Lage, denn Ro­man Romanowitsch ist ein nichtsnutziger Geselle, ein Spieler und Schlemmer, der mehr in Moskau als auf bem Laube lebte.

Blagotir liegt von Datnofka eine Meile entfernt, bie Steppe dehnt sich dazwischen. Wir hoffen aus gute Nachbarschaft. Arbutins leben jetzt ganz in Datnofka, bis auf den jungen Fürsten Boris Wladi­mirowitsch, der in Petersburg bei den Leibhusaren bient und nur dazwischen herkommt. Als ich ihn neulich sah, bat er mich, Ihrer Tochter seine er. gebenfte Empfehlung zu bestellen.

Ich schließe, lieber Ilja Georgewitsch, mit vielen Grüßen von meiner Frau und mir an Sie und Daisy.

Ihr ganz ergebener

Peter Gefimowitsch Nekrastoff." Datnofla, im Juni 1899.

Der Empfänger dieses Briefes las ihn und nickte zufrieden.

Ilja Georgewitsch Soltjakoff war auf der Reise nach Rußland begriffen. In diesen vier Jahren war er ein sehr reicher Mann geworden. Nun zog es ihn heimwärts. Er hatte seine Tochter in San Fran­zisko in ein englisches Pensionat gegeben, wo sie eine vorzügliche Erziehung genoß. Tas öftere Zusam­mensein mit dem unschuldigen, jungen Wesen übte einen wohltätigen Einfluß auf das verdüsterte Ge- müt des Mannes. Nur noch selten grub sich die finstere Falte in seine Stirn; er blickte wieder zu­frieden ins Leben, in ein gemeinschaftliches Leben mit seinem einzigen, geliebten Kinde.

(gortfeuung folgt.)