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Nr. 92.

Erstes Blatt.

Dienstag den 22. April 1913.

40. Zahrgang.

Deutscher Reichstag

Sitzung vom 21. April 1918.

Die Beratung des Militäretats wird fortgesetzt beim Kapitel „Garnisonverwaltung und Serviswesen".

Abg. Werner-Hersfeld (Reformp.) tritt für Besser­stellung der Kaserneninspektoren ein.

Abg. Jckler (natl.) bemängelt die Art der Vergebung von Lieferungen und Arbeiten seitens verschiedener Garnisonverwaltungen.

Abg. Pauly-Cochem (Ztr.) wendet sich gegen die Be­vorzugung ausländischerFirmenbei Verübung von Arbeiten und Lieferungen.

Abg. Belzer (Ztr.) tritt für die zur Erhaltung einer Kommandantur auf der Burg Hohenzollern bewilligten Mittel unb besondere Zulagen und eine Garnison in Hechingen ein.

Abg. Rump (kons.) empfiehlt eine Erhöhung der Servis gelber, besonders der Pferdegelder. Auch die Entschädigungen für die Manöverlasten und die Manöverschäden seien zu gering. Die Forderung nach diesbezüglicher Besserstellung bedeute keine agra­rische Begehrlichkeit.

Abg. Schmidt-Meißen (Soz.) bemängelt die Störun­gen im sächsischen Eisenbahnverkehr gelegentlich der l e tz- ten Manöver.

Abg. Eoßman« (Ztr.) beklagt sich, daß in seinem Wahlkreise die Flurabschätzungen nach dem letz­ten Manöver zunächst viel zu spät und dann nicht dem Schaden entsprechend erfolgt seien. Er wünscht in Er­wägung zu ziehen, ob nicht die Kosten der Verabschätzung auf die Staatskasse zu übernehmen sind.

Generalleutnant Stabs betont, daß die Heeresver- waltung stets auf das Nachdrücklichste bestrebt war, die Flurertschädigungen möglichst rasch festzustellen und auch schnellstens zu begleichen.

Beim Kapitel „Militärmedizinalwesen" bespricht

Abg. Hoch (Soz.) die Typhusepidemie in Hanau. Die Lieferungen der Großlieferanten wurden nicht genügend überwacht. Viele Militärärzte sehen in jedem Kranken einen Simulanten. Als schon 100 Sol­daten krank lagen, haben die Militärärzte in Hanau der Zivilbehörde noch nicht einmal Mitteilung gemacht.

Generalarzt Schultz: Die Epidemie ist durch eine be­dauerliche Verkettung unglückseliger Umstände herbeige­führt worden. Sie wurde durch einen Kartoffelsalat herbeigeführt, der durch eine Kartoffelschälerin infiziert war. Irgendwelche Nachlässigkeit der Militärärzte ist nicht nachgewiesen worden. Der Vorwurf, daß die Mili­tärärzte in den Kranken zumeist Simulanten sehen, ist vollkommen unbegründet.

Nach weiteren Klagen des Abg. Hoch (Soz.) über die mangelhafte Beköstigung der Soldaten in Hanau er­widert

Kriegsminister v. geringen, daß die Militärverwal­tung schon alles eingehend untersucht habe^ bevor der Abg. Hoch die Güte hatte, sich damit zu beschäftigen. Weiteres Material möge er nur ruhig dem Kriegsmini­ster überantworten. Der Gesundheitszustand der Armee verbessere sich von Jahr zu Jahr.

Abg. Hoch (Soz.): Wenn ich dem Krirgsminister mein Material überweisen würde, so würdon die Sol­daten die Folgen ihres Verkehrs mit einem sozialdemo­kratischen Abgeordneten schwer zu tragen haben.

Zum Kapitel „Pferdebeschaffung" sind von der Kom­mission eine Reihe von Pferderationen gestrichen worden

Kriegsminister v. Heeringen bittet, dem Anträge der Kommission nicht zuzustimmen, da es manchem fähigen aber nicht vermögenden Offiziere durch die Streichung der Pferderationen unmöglich gemacht würdL, in höhere Chargen aufzusteigen.

Nach weiterer unerheblicher Debatte toitb der Kom­missionsantrag auf St r e i ch u n g einer Anzahl Ratio­nen gegen die Stimmen der Konservativen <r n g e n o m° men.

Es folgt das Kapitel „Reise- und Umzugsgebührnisse".

Abg. Noske (Soz.) führt Klage, daß ein Pionier­bataillon zu Arbeiten an der Saalburg verwandt worden sei und daß gelegentlich des Einzuges des hohen Braut­paares in Berlin ein Kavallerieregiment von auswärts herangezogen worden sei.

Kriegsminister v. Heeringen erwidert, daß es sich bei den Arbeiten an der Saalburg um eine Pionierarbeit von hervorragender militärischer Bedeutung gehandelt habe, wobei militärischerseits kein Pfiennig aufgewendet worden ist. Die Hinzuziehung eines auswärtigen Ka­vallerieregiments beim Einzug des Birautpaares bei der Einzugsfeierlichkeit sei aus innerpolitischen Gründen er­folgt. Das Zietenregiment stand seit langen Zeiten in engen Beziehungen zu dem hannoverschen Königs­hause.

Beim Kapitel „Artillerie und Waffenwesen" bespricht

Abg. Büchner (Soz.) eingehend die Lohn- und Ar- üeitsverhältnisse in den Militärwerkstätten, die nichts weniger als Musterbetriebe seien.

Generalmajor Wandel weist ziffernmäßig nach, wie die Löhne in den letzten Jahren gestiegen und im Durch­schnitt höher sind als die der Pökvatindustrie. Die Be­fugnisse der Arbeiterausschüsse seien fortgesetzt erweitert worden und erst vor kurzem habe eine Deputation aus Spandau erklärt, daß die dortigem Arbeiter auf chre Auf­rechterhaltung und allerdings auf ihren Ausbau, der gerne in Erwägung gezogen werden sollte, den größten Wert legen.

Abg. Trimbom (Ztr.) spricht als Vertreter des Sieg­kreises, in dem zwei bedeutende militärtechnische In­stitute bestehen, Wünsche verschiedener unterer Beamten- kategorien aus.

Abg. Ponschab (Ztr.) kla^t über die schlechten Besol- bungsverhältnisse der Militarfeuerwerker und wünscht Hre Versetzung in eine höhere Servisklasse.

Dienstag: Weiterberatung und Anfragen.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenbau?.

Sitzung vom 21. April 1913.

Die zweite Beratung des Entwurfes betr. die Elektriiierung der Berliner Stadt- und Ringbahn wird fort geletzt.

Im Verlaufe der Debatte spricht sich

Abg. Schmedding (Ztr,s für einen Teil seiner Frak- tionsgenossen jür Den Komimsstonsbeschluß aus unter der Bedingung, daß Berlin mit zu den Kosten bei­tragen soll.

Die Abstimmung über den Kommifsionßbeschlub, den Antrag Gerhardus und den Entwurf wird auf morgen oerlchoben und aus Antrag Pachnicke bte Abstimmung Iber den Kommifsionsbeschlub eine namentliche sein.

Der Ge>etzenlwurf betr. Erweiterung bes Stadtkreises Linden wirb in 2. unb 3. Beratung nach kurzer Debatte angenommen. Es folgt 2. unb 3. Beratung des Gesetz­entwurfes betr. Abänderung der rheinischen Zusammen» legnagS» und G«a»ainheiiSteiluugSgesetze. — Das Gesetz

Jul ü»

Ige, daß am Freitag der französische Kon- liablanea seinem Kollegen im deutschen

bezweckt die Beschleunigung und Erleichterung der Zu­sammenlegung de- Grundstücke in der Rbeinprovmz und die Zusammenlegung von Oebiänbeteien unb schlecht kultivierten Waldparzellen zum Zwecke der Aufsorftung und ordnungsgemäßen Forstlultur, besonders m den Höhenlagen zum Schutze gegen Hochwassergefahr.

Abg. Stupp (Ztr.) bringt mannigfache Bedenken gegen den Entwurf vor, bei bte Interessen der rheinischen Lanbwirlfchaft zu wenig berücksichtige.

Dienstag: Weiteiberatung und Abstimmung über die Vorlage bett. Elektrisierung der Berliner Stadtbahn.

Soldaten zum Sturm aus ein leeres, geschlossenes Geschäftshaus des Deutschen Heinrich Ficke. Unter Verwünschungen auf die Deutschen wurde das Haus teilweise demoliert. Die französische Presse brachte sofort falfche Berichte, nach denen vom Hause Fickes Steine geworfen worden seien. Die auf Beranlassung deS deutschen Konsulats tu Casablanca emgeleitete Untersuchung hatte schließ­lich zur Folge, daß am Freitag der französische Kon-

Deutsches Reich.

• Berlin, 21. April 1913. Der Kaiser wird vom 24 —27. April im Reichsland weilen und am 28. ds. Mts. in Cuxhaven eintreffen unb biS zum 3. Mai eine Fahrt aus bem „Imperator" machen. — DaS Kronprtnzenpaar ist zu kurzem Aufenthalt in Berlin emgetroffen. — Anläßlich des Regierungs- Jubiläums sollen die Grafen Echaffgotjch und Malt« zahn-Miiitsch in den Fürsten stand erhoben werden. — Der bayerische Ministerpräsident Frhr. v. Hertling ist Montag vormittag wieder aus München hier ein- getroffen. Wie in parlamentarischen Kreisten verlautet.

K Die Reform des preußischen Wahlrechts.

Diese Frage hat mal im Vordergründe gestanden, aber sie ist jetzt, wie wohl oder übel anerkannt werden muß, ms Hintertreffen geraten.

Im Abgeordnetenhause hat unlängst der national- liberale Abg. Dr. Schiffer vernicht, neues Feuer unter den Kessel zu bringen. Aber trott ver Paria- mentsreden unb der zugehörigen Preßarlikel ist die öffeniliche Meinung ziemlich ruhig geblieben. Im allgemeinen nimmt man die zögernde Haltung ber Regierung mit einer gewissen Resignation hin. Ta- bei mitten hauptsächlich zwei Umnänbe mit: Erstens wird das Volk jetzt durch gewichtigere Interessen tu der Reichspolitik in Anspruch genommen, unb zweitens bat bas Anwachsen bet Umsturzpartei tm Reichstage und das herausfordernde Verhalten ihrer Vertreter in beiden Parlamenten bte bürgerlichen Kreise bedenklich gemacht gegenüber allen Reuerungen, bie der Sozialdemokratie weitere Vorteile bringen tönnten.

Obendrein ist der gegenwärtige Augenblick für die Behandlung dieser Frage wenig geeignet Jetzt, vor Toresschluß der laufenden Wahlperiode, läßt sich ein neues Gesetz nicht mehr machen. Die Reuwahl de: Land agsadgeordnelen wird im nächsten Monat ersolgen. Die Angelegenheit ist also an die Wähler verwiesen. Der realpolitische Weg zur Förderung der Reform ist die Herr eisührung ■ von Wahlen, die eine resormfreundlrche Mehrheit im Ab- . eordnetenhause ergebe,. Wenn daS nicht gelingt, fo werden sich schwerlich die Regierung unb das Herrenhaus aus ihrer Zurückhaltung herausbringen

Alles in allem genommen, sieht es leite: so aus, als ob die Sache ans den sog. toten Punkt ge« raten ,ei. Demgegenüber darf das Zentrum seine Hände ui Unschuld waschen. Als die Regierung die Waiilrechtsvotlage einbrachte, haben unicre Freunde im Parlament das große Kunststück fettig gebracht, die ronservative Partei zu veranlassen, auf tue lstrsorm einzugehen. Das damals vereinbarte Kom­promiß brachte u. a. den großen Fortschritt der geheimen Wahl. Wäre es durchgegangen, jo mürbe die bevorstehende Reuwahl schon nach einem wesentlich besseren Bersahren vor sich gehen. Es wäre dann überhaupt mal eine Bresche gelegt worden in bei, alten Wall des rückständigen Wahlrechts. Die Reform wäre endlich in Flug getomnun. Das Kom- promiß ist gescheitert, well die Regierung sich damals mehr an bte Rationalltderalen, als an das Zentrum unb die Konservativen anschloß. Die weitere Entwicklung wild aber auch den besonnenen Rat onal- liberalen wohl klar gemacht haben, daß die Taktik des Zentrums, die eine schrittweise Verbesserung oes Wahlrechts einletten lonnie, gor nicht so übel war

Wer die Wirklichkeit einschätzt, ohne sich durch seine Wünsche täuschen zu lassen, wird nicht verkemtcn können, daß die W i d e r st a n d s k r a s t der konservativen Kreise, sowohl im Abgeordneten­hause, als im Herrenhause, mittlerweile größer ge­worden ist. Die Aussichten für eine Sammlung der reformfreundlichen Elemente in den bürgerlichen Parteien sind dagegen schlechter gewor­den, und zwar wahrscheinlich auch durch die Zuspitz­ung der plutokratischen Neigungen auf 'iberal. Seite. Wenn man z. B. die Abschaffung der Drittc- lung in den Urwahlbezirken in den Vordergrund schiebt, so wird das Zentrum dadurch geradezu vor den Kopf gestoßen. Denn die Drittelung im ganzen Wahlkreise würde das Uebergelvicht der wenigen großen Steuerzahler so verstärken, daß man von einer Reform nicht mehr reden könnte, sondern eher von einem Rückschritt. Die Drittelung in den Urwahlbe­zirken, die bisher einen gewissen Ausgleich für den Mittelstand und die kleineren Leute herbeiführte, kann doch nur dann beseitigt werden, wenn man die ganze Klasienblldung auf einen anderen, gerechteren, den gegenwärtigen sozialen und kulturellen Verhältnissen angemessenen Boden stellt. Also wer dieses Linde­rungsmittel beseitigen will, muß zugleich die entspre­chenden Reformen zum Ausgleich Vorschlägen; sonst wirkt er schädlich auf das Reformwerk.

Tie Regierung ist zur Zeit, wie die Antwort des Ministers Dallwitz, auf die Anregung des Abg. Dr. Schiffer im Abgeordnetenhaus deutlich bekundete, nicht sehr reformeifng. Umsomehr Grund für die bürgerlichen Reformfreunde, sich zu einigen. Das geht aber nur, wenn man die Liebhaberei und die I Sonderinteressen der eigenen Partei gebührend ein- I schränkt. Wenn nicht, so werden wir wohl noch eine Weile auf dem toten Punkt stecken bleiben.

Man hat den Sperling verschmäht und wird auf I das Täubchen wohl noch Lange warten müssen.

■ wird Frhr. v. Hertling, beffen Aufenthalt sich auf I mehrere Tage erstrecken dürfte, Besprechungen mit I den bürgerlichen Parteien überbie Deckungssragen I haben. — Wie bet ,Reichsanzeiger' mitteilt, hat bet I Kaiser bem Herzog von Cumberland den I Schwarzen Ablerorden verliehen. — Der König unb die Königin van Dänemark stnb zum offiziellen

I Besuch beim Großherzoglichen Hofe in Schwerin ein- I gelt offen. Sie werben bis Donnerslag nachmittag I dort verweilen. — Der Reichsbankpräsident Haven- I stein hat sich einer schweren Darmoperativn unter« I zagen. — Drei neue höhere Beamtenstellen I werden durch den Reichsetat und den preußifchen I Etat geschaffen. Ihre Besetzung wird gleich nach der I Veiatrichiebung ber Etats erfolgen. Im Reichsamt I ves Innern wird eine 4. Direklorstelle für bie wirt- I fchaftspolitische Abteilung eingerichtet, bie gegen« I roärtig unmittelbar bem Unterstaatssekretär unter« I steht. Im preußischen Ministerium für ©anbei unb I Gewerbe roitb bte ©eroerbeabieilung als Leiter einen I Mmisterialvuekiar erhalte» unb im Finanzministerium I wll tn ber Etats- uno Äaffenabteilung die Dirigenten- I stelle in eine Direklorstelle wngewanbelt werben.

I s Die Budgetkommission deS Reichstages erledigte am I Montag den Rest der fortdauernden Ausgaben des I Heeresetats. Der Antrag des Zentrums, die Kom- I mandanturen in Dresden und Stuttgart als bis I zum 30. September 1913 wegfallend zu bezeichnen, die I in Karlsruhe und Darmstadt nebenamtlich verwalten zu I lassen, wurde mit 17 gegen 10 Stimmen angenommen I und nach demselben Anträge noch einige Stellenverschie- I Bungen bei den Kommandanturen beschlossen. Der fort» I schrittliche Antrag auf Streichung der Gouverneurstelle I in Ulm und der Kommandanturen in Altona, Karls- I ruhe, Glatz und Glogau sowie der sozialdemokratische An- I trag auf Streichung der Kommandantur Königstein I wurden abgelehnt. Tann fand wieder eine Längere Ver- I Handlung über die Farbe der Uniform statt. Der I Kriegsminister Leugnete, daß eine Abneigung der Ver- I waltung gegen die feldgraue Farbe vorliege. Man I brauche nicht zu befürchten, daß man überall wieder I zum Blau zurückkehren würde. Von einem Zentrums- I Mitglieds wurde darauf hingewiesen, daß im Volke der I Glaube verbreitet sei, der obersteKriegsherr wünsche bei der I Kavallerie die Beibehaltung einer gewissen Farbenpracht I und so sei allerdings ein gewisser Argwohn vorhanden, I daß die volle Durchführung des Feldgrau gehemmt wer- I den soll. Der Kriegsminister erklärte, die Befürchtung, als wage es niemand, dem Kaiser den mllitärischen Ge­sichtspunkt voll und ganz klarzulegen, für gänzlich un­begründet. Er selbst habe noch nicht die volle Ueber- zeugung von der völligen Brauchbarkeit des „Feldgrau" für den Friedensdienst. Die Beibehattung der einzelnen Abzeichen bei der Kavallerie sei von großer Bedeutung, es hingen damit auch gewisse Imponderabilien zusam­men. Der Soldat müsse stolz sein können auf seine Uni­form. Die Verhandlung über die Farbe wird später noch einmal ausgenommen.

♦ Gegen den Krieg-Minister roitb in ben letzten Tagen nicht nur in ber oppositionellen Presse Sturm gelaufen. So brachte bet ,Berl. Lokalanzeiger' in ber Sonntagsausgabe einen vielbeachteten Artikel, in bem offenfunbtge Ministerstürzerei betrieben wirb. Besonbets wirb es ba dem Minister übel genommen, daß er in ber Kruppaffäre nicht fdjneibig genug gegen Liebknecht vorgegangen wäre. Da ber ,Betl. Lokalanzeiger/ öf ers auch offiziös benutzt roitb, ist bte energische Abscküttelung, bie er in ber „Rorbd. Allgemeinen Zeitung" (Rt. 94) hochoffizws erfährt, von befonberer Bedeutung. Das halbamtliche Blatt Ichre'bt:

„Berliner Montagsblätter beschäftigen sich mit einem Brütet bes ,Betl. Loka anzeigers", bet in ber Tat da­durch aujfäUt, baß et im Zusammenhang mit ben Reichs- iagsverhandlunqen über bte Kruppsche Angelegenheit völlig Deplacierte Angriffe auf den Kriegsminister von Heeringen richtet. Aus den hattto>en Borwurf, daß dielet mit bem Abg. Lied.necht einen Patt etngtgangen fei, Icheint sich uns eine Antwort zu erübrigen."

4- Das Zentrum beantragt Prüfung der gesamten 'Jinftungelifittuiigm. Zur Kommrfsionsberaluug bes Atiliiäreials ist von Zentrurnsabgeorbnelen folgender Antrag gestellt worben:

„Die Kommission wolle beschließen, folgenbe Resolu­tion anzm-ehmen: Der Reichstag wolle befchüeßen: ben Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zur Prüfung ber ge­tarnten Rüstungslieferungen für Reich-Heer unb Marine eine Kommijsion zu berufen, zu welcher vom Reichstag zu wählende Mitglieder beS Reichstags unb Sachver­ständige zuzuziehen sind. Der Herr Reichskanzler roitb ersucht, ben Bericht bet Kommission ben gesetzgebenden Körperschaften mit '-Vorschlägen zur Beseitigung etwaiger Mißftänbe mitzuteilen."

+ Die Reichstagskommission zur Lösung der Duell« frage hat sich am Montag konstituiert. Sie besteht aus 14 Mitgliedern; vom Zentrum gehören ihr an die 91 bog. Gröber, Marx unb Dr. Wett.

*♦ Wie dn mir, so ich bir. Die Re.chStegietung hat an alle Bundesregierungen bie Aufforderung ge­richtet, Erhebungen nach ber Richtung hm anzustellen, ob sich französische Gesellschaften im Reiche befinden, welcher Teil ber Aktien bie,er Gesellschaften in ihren Händen sich befinden unb wieviel Franzosen in ben Verwaltungen bietet Gesellschaften tätig stnb. 4 iefe Maßnahme ist, wie bie Fköln. Ztg/ erfährt, gebacht als eine Antwort aus bas französische Vorgehen. Frankreich hat bereits eine ähnliche Untersuchung mit Bezug auf deutsche Gesellschaften in Frankreich veranstaltet.

)( Erledigung des Zwischenfalles von Casablanca. Fast gleichzeitig mit bem Rancyer Zwischenfall ist auch bie Casablanca-Affäre von Frankreich in ent« gegen kommenbet Weise beigelegt worben. Am 8. März würbe in Casablanca, wie seinerzeit gemeldet, aus einer Nebenstraße ein Stein auf eine durch die Haupt­straße ziehende sranrösische Militärkapelle geroorfen. Sofort führte der Kapellmeister ben Pövel unb bie

Konsulat namens beS Generals Lyautey amtlich baS lebhafte ft e Bebauern über ben Vorfall ausdrückte und erklärte, der Hauptschuldige, ber Ka­pellmeister, sei mit einem st engen Verweis und acht Tage Arrest, ein Soldat mit acht unb ein zweiter mit vier Tage Gefängnis bestraft worden.

* München, 20. April 1913. In Nürnberg war die Gründung einer Niederlassung ber Franzis« lauer beabsichtigt. Das hat natürlich gleich den Evangelilchen Bund auf bte Beine gebracht. In einer Ausschußsitzung hat er sich mit der Angelegen­heit befaßt und, rote ber Bay. Voltsfr. (Rr. 91) mitteilt, einstimmig beschlossen, folgende Erklärung der Oesient« lichkeit zu übernehm;

In den weitesten Kreisen unserer Bevölkerung hat sich eine tiefgreifende Erregung angesichts der beabsichtigten Gründung geltend gemacht. Gewiß ist cs eine innere Angelegenheit der katholischen Kirche, eine der­artige-Niederlage ins Leben zu rufen. Aber mit Rück­sicht auf die letzten Ziele, welche diese Kirche eingcstan. denerinaßen mit diesen Gründungen auf altprotestanti- schcrn Boden verfolgt, greift die vorliegende Frage über den Nahmen des katholischen Kirchenlebens weit hinaus wesbalb die Erregung der protestantischen Bevölkerung durchaus berechtigt erscheint. Um so notwendiger erweist es sich, an die evangelischen Kreise die dringende Mah. nung zu richten, zur Wahrung unserer gemeinsamen Interessen auf der Wacht zu stehen und die Güter der Reformation durch festen Zusammenschluß energisch zu schützen.

Bet der Volk-zählung von 1910 gab es in Nürn­berg neben 218000 Protestanten nicht weniger als 104000 Katholiken, denen die Befriedigung ihrer religiösen Bebürfniffe genau so gut zugestanden werben muß wie überall den Protestanten. Das Ziel der in Nürnberg beabsichtigten Franziskaner- Niederlassung befiehl nicht zuletzt, f.nbein hauptsäch­lich dann, die W.ltgeistlichkeit in der Seelsorge unt in dem Bestreben zu unterstützen, die Katholiken vo: religiöser Gleichgültigkeit unb vor dem Atheismus zu bewahren. Das ist übrigen8 eine Gefahr, die auch auf protestantischer Seite unb gerade auch in Nürn­berg besteht. Schon mehrfach sind Stimmen zur Ver­teidigung des Christentums im protestantischen Lagei laut geworden. Die (stimme des evangelische: Bundes hat man darunter allerdings nicht gehört Um so lauter mtlbet er sich jetzt zum Wort zum Protest gegen Bestrebungen, die auf innere Gesund­erhaltung der katholischen Kirche und nicht etwa gegen, ben Protestantismus gerichtet sind. Solche Protests finb nichts anderes als der Ausdruck einer maßlose» Unduldsamkeit.

Zu de« Landtagswahlen.

* Heiligenstadt (Eichsfelt», 21. April 1913. Für die Wahlkreiie Heiligenstadt unb Worbis bat bas Zentrum in feiner gestern zu tieinefelbe abgehallener Vertrauensmänner»^amm tung bie bisherigen Land tagSabgrorbncten v. Strombett und To urnear einstimmig wieder als Sanbibaten ausgestellt.

K. Cionberg, 21. April 1913. In einer hier ab- gehaltenen Versammlung der Zenlrumspartei des Obertaunus.Kreises wurde Atittelschnllehrei I. Schwarz aus Frankfurt a. M. als Kanbiba. für die Landtagswahl im Obertaunuskreis ausgestellt

Ausland.

*♦ De: Besuch d'8 Königs AlfonS in Paris. König Alfons roitb auf feiner Reife nach Paris von dem Premierminister begleitet fein. Dies, rote der Um- uanb, baß er dem Präsidenten der Republik der hohen Orden des Golbenen Vliesses oerlechen wird spreche-- für die politische Bedeutung ber Reise. Es heißt, Spanien werbe bem Dreiverband beitreten Von Paris roitb sich König Alfons nach Lonboi begeben, roo die Verhandlungen fortgefetzt werden.

* Angriffe aus englische Suffragetten. Das Verbot des Ministers bes Innern, Snffragetlenversammlungen im Hydepark abzuhalten, führte am Sonntag zu Zusammenrottungen und Lärmszenen. Unauffällig versuchten die Suffragetten Reden zu halten. Tausende von Zuschauern hatten sich emgefunden, um zu sehen, waS aus dem Verbot des Ministers werden würde. DaS Volk zeigte sich, wie gewöhnlich, sehr feindselig, ober nicht nur gegen die Suffragetten, sondern auch gegen baS Redeverbot. Gegen die tausendköpfige Menge waren die dreihundert Polizisten, die rm Hydepark waten, fast machtlos. Doch gelang es, bie Suffragetten soweit zu schützen, daß kein besonderes Unheil geschah- In Hampstead Heath, in Wimbledon und in Battersea kam es zu wüsten Auftritten. Am schlimmsten fpielte ber Pöbel ben Suffragetten in Brighton mit, wo eine am Strand arrangierte Ver­sammlung nach fünf Minuten aufgegeben werden mußte. Die Suffragetten wurden mit Sternen bombarbiert. Sie flüchteten unb wurden bis zu einem HauS in der Blktotlastraße verfolgt, besten lämtliche Fenster eingeworsen würben. Drei Perfonen warben verhaftet.

I Eine Spritzfahrt der amerikanischen Flotte. Der amerikanische Marmesekretär gibt bekanni, daß die ganze atlantisch« Flotte von 21 Schlachtschiffen mit ihren Zerstörern am 1. Januar nächsten IahreS eine dreimonatige Kreuzfahrt im Mittelmeer an­treten wird. Die Flott« wird Ne wichtigsten Häfen besuchen. Es ist noch nicht bestimmt, ob auch Häfen tm nördlichen Europa besucht werden sollen.

Antialkoholkonares; für das katho­lische Deutschland.

c. Würzh urg, 20. April 1913.

Auf drei Dinge bilden sich die Würzburger elwai ein: au| ihre Kirchen mit Cem Ikonen Geläute, auf ihre kreuzbraven „Mädü" und auf ihren — Wein. Das Geläute der Kirchenglocken ist über jede Kulik erhaben, mit ben kreuzbraven und hoffentlich auch ichöuen Mädchen wird's wohi auch leine Richiigleit haben; tarne allo noch bei Wein, Stein und Leisten —.nnt man ihn. Der Chinese ist stolz auf feinen Zopf, der Arader rühmt sich leinet Pferde, ber Würzburger — trinkt seinen Wein. Da sich