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Fuldaer Leitung

ES

der

M 90,

Samstag 19. April 1915

chen halten konnte. Die Hände unter dem Kopf ver­schränkt, streckt? sich der schlanke Körper des Mäd­chens behaglich ans. Sie schloß die Augen und träumte davon, wie cs sein würde, wenn der liebe Papa wieder käme. Ob er sie dann immer zu sich nehmen werde? Ob sie in Rußland bleiben oder weit fort mußten?

Daisy war so tief in Gedanken, daß sie die leise näher kommenden Schritte überhörte: der weiche Bo­den dämpfte sie übrigens auch. Zwischen den Stäm­men der Bäume erschien eine schlanke Knabengestalt im Weißen Militärkittel. Es war Boris Wladimiro­witsch, der Sohn des Fürsten Arbutin, der gestern nach Datnofka gekommen war, und der Daisy Solt- jakoff noch nicht gesehen hatte. In der Hand hielt Boris eine lange Gerte von einem Haselnußstrauch; ein schelmisches Lächeln zuckte über sein durchtriebenes Irmgengesicht.

„Ob sic Wohl schläft?" dachte er und blieb stehen. „Bei allen Heiligen, sie ist noch hübscher in den letz ­ten Jahren geworden! Ich will sie Wecken."

Vorsichtig streckte er die Gerte aus und kitzelte das Mädchen damit am Munde. Daisy hob die Hand und scheuchte die vermeintliche Mücke fort. Dasselbe Ma­növer wiederholte er einige Male: Boris konnte schwer seine Heiterkeit unterdrücken. Er machte eine unvor­sichtige Bewegung. Ta schlug sic die Augen auf — große, verträumte Augen, die sich nur schwer an das nüchterne Tageslicht zu gewöhnen schienen.

„Ach, Sic sind es," sqtztc sie möglichst gleichgültig, „ich habe Sic schon lange erkannt."

„Das ist nicht wahr", sagte Boris lachend, "Sie dachten, eine Mücke sficht Sre."

„Nein, das dachte ick nicht!"

„Doch, das dachten Sic Wohl, Dosia Jljanowna."

„Nennen Sie mich nicht Dosia, ich heiße Daisy", sagte die Kleine würdevoll.

„Ich finde den Namen häßljch," versetzte Boris neckend, „es ist gar kein russischer Name."

„Ich weiß es, meine Mutter hieß so; sie war eine Engländerin."

„Sie scheinen stolz daraus zu sein."

„Ja. das bin ich auch!" rief Daisy und wollte

Die Schuld der Vaters.

3] Roman von Freifrau G. von Schlippenbach.

Warum diese Worte, bei denen die Mutter so bitterlich gelveint hatte? Sie war sehr krank gewor­den; Tante Anna war gekommen und hatte sie ge­pflegt. Dann lag die Mutter im Sarge und Frau Nekrässoff hielt die Waise in den Armen und küßte sie weinend. Sic nahm Daisy mit nach Datnofka; viele Tage und Nächte reisten beide, bis sie dort an­kämen. — Hier erinnerte sich das Kind nicht mehr deutlich der nächsten Zeit. — Vor 3 Jahren war ihr Vater 3 Wochen bei Nekrassoffs gewesen. Es war eine unvergeßliche Zeit für das Kind, das damals acht Jahre alt war. Sie wurde von Soltjakoff ver­wöhnt und reich beschenkt. Ihr kleines, zärtliches Herz schloß sich leidenschaftlich an den Langentbehrtcni cs schüfe sich nach ihm, als er abreiste.

„Wohin gehst Tu, Papascha?" fragte sie. „Darf lch mit Dir?"

„?iciit, mein Goldherz, aber einst werden wir im­mer zusammen sein. Du mußt deinen Vater immer lieb behalten. Willst Du es mir versprechen?"

Es lag etwas so Qualvolles in seiner Stimme, daß das Kind erstaunt aufblicktc.

„Wie blaß Tu bist," sagte sie und streichelte seine Wange, mit dem jedem weiblichen Wesen eigenen Bedürfnis zu trösten, „und wie Du so fragen kannst, Väterchen. Natürlich werde ich Dich immer, immer lieben."

Seitdem hatte Daisy ihren Papa nicht wiederge­sehen, aber in ihrem treuen Herzen lebte die Erinne­rung an ihn, und sie freute sich über jeden Brief, über seine Geschenke und über sein Bild, das er ihr geschickt. Es hing über ihrem Bett, und die Augen des Kindes schauten oft cmpor, während sich die Händ­chen falteten zum Gebet für den Fernen.

, Daisy war müde geworden von dem Spiel mit den beiden Nekrassoffschen Kindern. Sie legte sich in die Hängematte, die Darja zwischen den Bäumen befestigt hattte, damit die kleine Nastja hier ihr Mittagsschläf- ■

ö Flottenfahrt. Da die Teilnehmerzahl zu ... Flottenfahrl nicht die erforderliche Höhe erreicht hat, laus dem Bezirk der landw. Schule Fulda haben sich 48 Teilnehmer gemeldet, aus dem Bezirk Kassel etwa insgesamt 250) so läßt sich di« Fabrr nur unter Benutzung der Feiertage ermöglichen. Sie ist deshalb auf den 11. bis 15. Mai festgesetzt. Sie beginnt am Abend des l l. Mai in Bebra bezw. in Eichenberg und endet am Donnerstag nachmittags gegen 5 Uhr daselbst. Die

2. Blatt.

vrack der 5uldaer Artiendruöerei ix 5ukda.

saalc der Stadtverordneten stäkktzefunden. Herr Fabrik­besitzer Karl Riibsam führte aus: Die letzte General­versammlung sei vor vier Jahren abgehalten worden. Mancher der Herren habe sich zuerst gewundert, zftchts mehr von der Gesellschaft gehört zu haben. Der Vor- stand wäre aber nicht müßig gewesen in dieser langen Zeit. Laut GeneralversammlimgSbeschluß vom 29. Marz 1909 seien auf Empfehlung des .yerm Professors Dr. Bücking-Stratzbnrg, der ein Gutachten darüber ausge­arbeitet habe, ob und mit welchem Erfolg man etwa in der Nähe Fuldas Mineralquellen erschließen konnte, und das nicht ungünstig gelautet habe, noch eine Untersuchung über die quantitative und qualitative Radioaktivität der Memloser Quellen gemacht worden; eS wären damit die auf diesem Gebiete als Autoritäten bekannten Herren Dr. Holbein und Dr. Bender-München betraut gewesen. Diese Untersuchung habe aber ein negatives' Resultat ergeben, da, wie das Gutachten sage, das Memloser Was­ser durch eine Zuleitung nach Fulda fast alle Heilwirkung verlieren und auch als Mineral­trinkwasser kaum mehr in Frage kommen würde. Auf Grund dieses fachmännischen Gutack s hielt cs der Vorstand für zwecklos, mit dem Bauer ihig in Memlos wegen Ankaufs der Ouellenwiesen noch weiter zu ver­handeln. Nach alledem fei der Vorstand zu der Ueber- zeugung geiommen, daß 1. eine Zuleitung nach Fulda sowohl hinsichtlich der Memloser- als auch der Weikards- höfer- und Johannesberger- usw. Quellen praktisch wert­los wäre; 2. daß der Erwerb bezw. die Zuleitung der Großenlüderer Bittersalzquelle zwar zu empfehlen, aber zurzeit nicht realisierbar sei, weil die Besitzerin dieser Quelle in einen Verkauf nicht einivillige; 3. die Zulei­tung des in Pfordt erbohrten Sprudels nicht zu befiir. Worten sei wegen der Höhenunterschiede und des Kosten­punktes; 4. die größte Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg vielleicht die Erbohrung einer Mineralquelle in zirka 300 Meter Tiefe am Aschen- b c r g oder beim Horaser Bonisatiusbrunnen oder in der Nähe des Trätzhofes haben würde. Die an diesen Stellen austretenden Tageswässer haben laut Unter­suchungsbefunde einen hohen Natriongehalt. Nach An­sicht der Professoren Bücking und Vonderau wäre an diesen drei Punkten die Freimachung eines Sprudels, der an Charakter den Großenlüderer und Salzschlirfer Quellen gleichkäme, nicht unmöglich. Die Kosten eines Bohrloches in der angegebenen Tiefe würden sich aber auf 30—40 000 Mark stellen. Es sei jedoch nicht em­pfehlenswert, weil zu riskant, ein solch kostspieliges Ex­periment zu wagen und zwar auch im Hinblick auf die vielen Mißerfolge an neueren Kurplätzen (wie Hers- feld, Eisenach, Gelichausen) und in Würdigung unserer augenblicklich sehr kritischen und schlechten Zeiten. Des- i halb glaubte der Vorstand, der Generalversammlung Vor­schlägen zu sollen, es bei den erzielten, immerhin wert- I vollen Feststellungen zu belassen und es einer späteren Generation anheim zu geben, auf der Basis des gesam­melten Materials die Arbeiten von neuem wieder auf­zunehmen. Zum Schlüsse sprach der Berichterstatter namens der Brunnengesellschaft dem Herrn Professor Vonderau den Dank aus, den er für seine der Ge­sellschaft geleisteten ersprießlichen Dienste als Expert in reichem Maße verdient habe. Nachdem noch die Herren Karl Kramer, Dr. S ch n ei der und Anton Schwarz das Wort genommen hatten, wurde der An­trag auf Eintreten in die Liquidation einstimmig ange­nommen und beschlossen, sobald wie" möglich das Liqui- I dationsgeschäst abzuwickeln. Als Liquidatoren wurden I die Herren Riibsam und Ant. Schwarz gewählt.

s PostamweiLkarten. Obwohl zur Zeit 44 4C0 I PoftausweiSkarten im Jahre von den Reichspostan» I stalten angefertigt werden, ist doch der Zweck und I die Einrichtung der Postausweiskarten im großen I Publ'.lum noch keineswegs allgemein bekannt. Da I Postsendungen mit dem Vermerk'„Postlagernd", soweit I es sich nicht um gewöhnliche Briessendungen handelt, I nur bann verabfolgt werden, können, wenn der Ab- I holer seine Berechtigung zur Empfangnahme nach« I weist, muß er sich am Postschalter entweder durch I das Zeugnis einer bekannten, vertrauenswürdigen I Person oder durch Vorlegung von Ausweispapieren I legitimieren. Tie bequemste Ligitimation ist dabei 1 zweifellos die Postausweiskarte. Man kann sie bei I jedem Postamt erhalten; sie ist für ein Jahr l gültig und muß eine Photographie, eine Personal* I beschreibung und die eigenhändige Unterschrift des I Inhabers enthalten; die Unkosten betragen 50 Pfg. I Die im Reichspostgebiet ausgestellten Postausweis- I karten gellen auch in den deutschen Schutzgebieten I und bei den deutschen Postanstalten im Auslände, I sowie in Bayern, Württemberg, Belgien, Dänemark, I Frankreich, Italien, Luxemburg, Montenegro, den Niederlanden, Norwegen, Oesterreich, Schweden, der I Schweiz, Serbien, Spanien und Ungarn.

Lokales.

Fulda,'19. April 1913.

# Personalien. Versetzt ist der Regierungsbau- meriter des Wasser- und Straßenbaufaches Todt von Frankfurt a. M. nach Hanau. — Den Regierung?« unb Forstraren Kieke und Rhenius zu Kassel "erlich bet ®kQtQ^et als Geheimer Regierungsrat

-st- Verliehen wurde dem Rechnungsrat Johann Lenz m Frankfurt der Rote Adlerorden 4. Klasse. — Dem Oberlehrer a. D. Professor Dr. Bauer zu Mar- bürg der Kronenorden 3. Klasse, dem Lehrer S t a u fe n- berg rt Bürgeln im Kreise Marburg der Adler des Hausordens von Hohenzollern, dem pensionierten Gerichtsdiener Heiler zu Frankfurt und dem Man- leur Grünewald zu Hanau das Kreuz des Allge- meinen Ehrenzeichens.

. te* An das Orts-Fernsprechnetz ist unter Nr. 557 bte Firma Wilhelm Hausmann, Seiler-, Bürsten- und Kvlonialwarengeschäft, angeschlossen worden.

❖ Ozanamfeier. Die Wiederkehr des 100. Ge­burtstages Friedrich Ozan ams, des Begrün­ders der Vincenzvcreine, har auch dem hiesigen Vin- cenzverein Veranlassung gegeben, eine entsprechende Gedächtnisfeier zu veranstalten. Ausgezeichnet wird dieselbe durch einen F e st g o t t e s d i e n st, der mor­gen um ’> . ^hr in der St. Michaelskirche stattfin­det. Der Hochwürdigste Herr Bischt wird das hl. Opfer barbnngen und den Mitgliedern und allen Freunden des Dincenzvereins, die aus diesem Anlaß sich gewiß recht zahlreich einfinden werden, die hl. Kommunion reichen. Der Hochwürdigste Herr wird auch eine Ansprache halten und das Te Deum an- stimmen. Eine auch Weiteren Kreisen zugängliche bescheidene aber würdige Ozanamfeier findet morgen nachmittag um 5 Uhr, nach Beendigung der Bischöflichen Ansprache im Dome, in der Harmonie statt. Der Hochw. Herr Bischof wird auch diese Feier durch seine Anwesenheit verherrlichen. Om- nams Werk, das einst als zartes Reis in den Boiv gesenkt wurde, ist heute zu einem gewaltigen Lebens­baum geworden, der mit seinen mächtigen Aesten den Erdball überschattet. Die morgige Feier soll dazu beitragen, das Werk Ozanams auch in Fulda neu zu beleben und zu kräftigen. Gewiß werden die wei­testen Kreise der Bürgerschaft der Einladung des örtlichen Vcrwaltungsrates entsprochen und sich zahl­reich an dieser Feier beteiligen.

❖ Verkehrswünsche. Die Kgl. Eisenbahndirek­tion Frankfurt a. M. hat in dankenswerter Weise unserer Anregung Folge gegeben. Danach wird der neue Schnellzug 1) 203 mit 1—3. Wagenklasse, der eine ebenso günstige Zugverbindung von Frankfurt (ab 11,35 Uhr abends) und von M ü u ch c n ( ab 6,35 Uhr abends) nach Fulda bringt, I wich in Fulda um 1,49 Uhr nachts anhalten. Lei- I der wird dieses Entgegenkommen dadurch getrübt, daß vom 1. Mai ab das Anhalten des Q Zges 1 I f 1. und 2. Klasse), der seither Franksurt abends 10,25 I Uhr verließ und Fulda 12,38 Uhr erreichte, in Fort- | fall kommt.

== Fkstgknommcn wurde gestern der Hausbarsche eines hiesigen Bäckermeisters, weil er von den ein« kassierten Kundengelbern einen größeren Betrag in Alkohol umgesetzt hatte.

rt, Strafkammer. Ter Spielbudenbesitzer A. Sch. von hier wurde vom Schöffengericht Neuhof im August 1912 wegen Ausspielens von Waren mittels I Glücksrades und Bolzenschießens in Mittelkalbach, ohne daß er im Besitze eines Wandergewerdescheines I war, zu einer Geldstrafe von 06 Mark verurteilt. Hiergegen legte er Berufung ein und erzielte Frei- fprechung, da bei größeren Festen zu Ausspielen von Waren kein Wandergewerbeschein, sonderir nur die I Genehmigung des Bürgermeisters nöstg ist. — Der 15jährige Fürsorgezögling W. B. ans der Anstalt Sannerz und der 13jährige Schüler W. S. von Salz­schlirf drangen am 22. Dezember 1912 in eine ab­gelegene, unbewohnte Villa in Salzschlirf ein, durch- I suchten alle Zimmer, öffneten Schränke und Kom­moden, nahmen außer Ansichtskarten auch Stahl­federn, Messer, Gabel und Löffel, zwei Deschings und I dergleichen mit. Der Schüler S. ist geistig minder- I wertig unb leibet an Zerstörungswut. Das Urteil lautete unter Bewilligung milbernber Umstänbe gegen B. auf einen Monat und gegen S. auf 14 Tage Ge­fängnis. — Vier Würstediebe von Hünfeld und zwar der 17jährige Friseurlehrling H. S., der 21- I jährige, wegen Diebstahls vorbestrafte, Maurer R. I., | der 18jährige Knecht F. M. und der 20jährige Maurer Th. Schw. hatten bei mehreren Hünfelder Metz er-

I eme Anzahl Würfle im Gesamtwerte von | 61 Mark gestohlen, in S.'s Wohnung verbracht und I dort verzehrt. Ter Vater des S. nebst feiner Tockter | waren wegen Hehlerei mitangellagl. Tas Urteil lautete I 9e6en £>• S. auf 3 Monate, gegen R. I. aus 5 Monate, I Hegen F. Dl. und Th. Schw. auf je eine Woche Gefängnis. I Der Vater und die Schwester des S. wurden frei I gesprochen. — Die Verhandlung gegen den Betriebe

leiler H. B., früher in Mackenzell, und den Betriebs- I sührcr D. in Ostheim wegen gefährlicher Körperver- I letzung wurde nach mehrstündiger Verhandlung ver- I tagt und es wurde neuer Termin auf den 2. Mai mit Augenscheinstermin in Hünfeld festgesetzt. — Die 22jahriqen Militärpflichtigen F. Qu. und W. R. von I hier, P. C. von Böckels und A. O. von Lüdermünd I wurden, weil sie sich ohne Erlaubnis aus dem

Bundesgebiet entfernt und ihrer Militärpflicht nickt genügt hatten, zu je 160 Mark Geldstrafe evtl. 30 Tage Gefängnis verurteilt.

I * Landtagkwahl und Staatsangehörigkeit. Die I Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause finden in einigen Wochen statt. Wahlberechtigt ist jeder selbst.

I ständige Preuße, der das 24. Lebensjahr vollendet I unb nicht den Vollbesitz ber bürgerlichen Ehrenrechte | infolge rechtskräftigen richterlichen U.teils verloren hat, in berjenigen Gemeinbe, in ber er seit sechs Monaten seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat, sofern

I N sucht aus lösfentlichen Mitteln Armenunterstützung erhält. Diese Bestimmung mahnt alle beteiligten

I Kreise, die nötigen Schritte zum Erwerb der preu» I 6tfcben Staatsangehörigkeit zu tun. Der I Erwerb bedingt nicht den Verlust der Staats­angehörigkeit in einem andern deutschen Bundesstaat,

I man kann sie gleichzeitig für die verschiedenen Bundesstaaten besitzen. Kosten sind mit dem Erwerb

I der preußischen Staatsangehörigkeit nicht verbunden. I IJ Vernichtung ber Kreuzottern im hiesigen I Kreise gewährt ber Kreisausschuß eine Prämie von

50 Pfg. für jedes innerhalb des Kreises Fulda ge- lötete Stück. Die Zahlung dieser Prämie erfolgt

I gegen Vorlegung einer Bescheinigung des zuständigen Guts- u. Gemeindevorstehers aus der Kreiskommunal- kaffe (Landratsann Zimmer Nr. 4.) Die Guts- und Gemeindevorsteher des Kreises haben dafür Sorge zu tragen, daß die ihnen vorgelegte getötete Kreuz-

I ottcr alsbald in Stücke zerhackt und vergraben wird. Die Bescheinigung ist nur über solche Kreuzottern j auszustellen, die nicht zerstückelt sind und bei denen der Ablieferer glaubhaft macht, daß er sie in dem betreffenden Gemeinde- oder Gutsbczirke getötet hat.

7= Pfingstsonderziige. Am Donnerstag den 8. Mai d. Js. werden zwei Pfingstsonberzuge von Straßburg über Frankfurt—Offenbach—Fulda— Zebra nach Berlin gefahren. Auf dem Bahnhof

u l d a hält nur der eine Zug, und zwar fährt er hier 10,44 Uhr abends ab. Zu diesem Sonderzugc

I werden hier 2 Monate' gültige Rückfahrkarten nach Berlin zum ermäßigten Preise von 30,20 Mk. für btc 2. Klasse und von 19,80 Mk. für die 3. Klaffe abgegeben. Der Fahrkartenverkauf beginnt am 28.

I April d. I. und dauert bis zur Abfahrt der Züge. Kinder genießen die gleiche Vergünstigung, wie im gewöhnlichen Verkehr. Die Rückreise kann mit allen fahrplanmäßigen Zügen — bei Benutzung von Dl* und ll-Zügen jedoch nur gegen Zahlung der tarif­mäßigen Gebühr — über die im gewöhnlichen Verkehr mit Berlin benutzbaren Bahnwege erfolgen. Fahrtunterbrechung ist auf der Rückreise innerhalb der Geltungsdauer einmal gestattet.

0 Tie Meisterprüfung im Schueibergewerbe bestanden hier vor der Prüfungskommission Joseph Seifert aus Lütter, Karl Benedikt Möller aus Kämmerzell, Karl Walter aus Schmalnau und Wilhelm Paul aus Rotensee bei Hersfels.

— Meisterprüfung. Dieser Tage fand im Sitz- ungssaalc der Handwerkskammer zu Kassel eine -Meisterprüfung für E kekt ro m o u t eur e statt, der sich vier Prüflinge unterzogen, die sämtlich be­standen. Es sind dies: Elektromonteur Henkel aus Marburg, Installateur Becker-Abterode, Ingenieur König-Kassel unb Ingenieur Heinrich K nimmt» Fulda.

”0*' Die Brunnen-Gesellschast Fulda in Liquidation, llnterm 19. Februar d. I. richteten 22 Gesellschafter an den Vorstand der Brunnengesellschaft folgendes Schrei­ben: „Die unterzeichneten Gesellschafter ersuchen auf Grund des § 22 der Satzungen um Einberufung einer Generalversammlung mit der Tagesordnung: Auslösung der Brunnen-Gesellschaft. Fulda, e. G. m. b. H.. Da nach gemachten Feststellungen die Erbohrung oder ander- wellige Beschaffung von Heilquellen in der Nähe von Fulda ausgeschlossen ist. so erscheint der weitere Bestand der Gesellschaft als nicht mehr erforderlich." — Diese Generalversammlung hat am 12. d. Mts. im Sitzungs-

Au§ dem Nachbargebiete.

-S- Neuhof, 19. April 1913. Gestern mittag 3 Uhr brach in der Scheune des Landwirtes Herzig hier Feuer aus, das dieselbe nebst Nebengebäude voll­ständig einäscherte. Dem tatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr und unserer guten Wasserleitung ist eS zu verdanken, daß daS Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb. Wie man hört, soll das Feuer durch Kinder angezündet worden sein.

* Tann, 18. April 1913. Unsere Stadtgemeindc errichtete int Jahre 1911 mit Zustimmung ber Kai­sers. Oberpostbirektion ein M i et p o sth a u s. Es wurde für dasselbe auf einen Zeitraum von 15 Jah­ren ein Mietpreis von 1300 Mark pro Jahr verein­bart. Durch unvorhergesehene Schwierigkeiten sowie notwendige Abänberungeu überstiegen die Baukosten wesentlich bett Voranschlag. Durch die Bemühungen des Herrn Reichstagsabg. MüllerGulda ist durch Erlaß die Jahresmiete int Gnadenwege von 1300 Mark auf 1580 Mark rückwirkend vom 1. Oktober 1911 ab erhöht worden.

aus der Hängematte springen, aber Boris fing an, sie heftig zu schaukeln.

„Lassen Sic das, ick kann es nicht leiden!" rief Daisy ärgerlich. „Es St gräßlich, daß Sie wieder da sind, Sie benehmen sich wie ein kleiner Junge."

Die Würde des Pagen (die jungen russ. Adeligen werden int Petersburger Pagenkorps erzogen) fühlte sich durch diese Worte verletzt. Er hörte mit Schau­keln auf.

„Tun Sie nur nicht so, Sie freuen sich doch, daß ich da bitt," sagte er leichthin.

„Nein, garnicht!"

„Das sollen Sie mit einem Kuß büßen, Dosia Jljanowna", rklärte Boris kategorisch, und ehe sie es hindern konnte, hatte er sic auf die Wange ge­küßt.

„Abscheulich!"

Sie wischte und rieb ihre Wange, bann wandte sie sich würdevoll ab und ging dem Hause zu. Er folgte ihr.

„Sind Sie mir wirklich böse?" fragte er, „Ihrem alten Spielkameraden, mit dem Sie so viele fröhliche Stunden verbracht haben?"

Sie schwieg und ging schneller weiter.

„Daisy, mein Täubchen," bettelte er, „sehen Sie mich doch freundlich an."

Er guckte ihr in das hMchs Gesicht, auf der- Un­mut mit Lachen lärnfftef MM siegte letzteres.

„Sie sind ein Taugenichts, Borja. (Borja russische Benennung für Boris.) Was soll man denn mit Ihnen machen?"

„Mir die Hand geben. So", er haschte nach ihrer Hand und hielt sie fest, „einmal werden Sie doch meine Fran."

„So? Das glaub ich nicht. Solch einen Jungen nehm ich gewiß nicht zum Mann."

„Oho! Nun, ich bin in einigen Jahren Offizier und trage eine wunderschöne Uniform, rot mit golde­nen Schnüren; dann werde ich Ihnen schon gefallen," prahlte Boris. *

„Wer weiß " versetzte sicfthmphisch. „Doch, nun leben Sre wohl, Herr Leutnant, wenn Sie Feldrnar- schall sind, fragen Sie gefälligst bei mir an. Ich empfehle mich gehorsamst."

Daisy machte einen tiefen Knix und lief dem Haust zu.

„Ich möchte mich über sie ärgern," dachte Boris, „aber sie ist zu reizend."

Er sah der hellen Gestalt nach, bis sie im Ber- I Wallerhause verschwunden war, dann schlenderte er I pfeifend dem Schlosse zu.

Daisy hält den Brief ihres Vaters in Händel und liest: : •

„Mein geliebtes Kind, mein Alles, wenn Du diese Zeilen bekommst, bin ich auf dem Wege zu Dir. Ich hab: so große Sehnsucht, Dich wieder- zuschen, und will mit Tante Anna Deine weitere Erziehung besprechen. Du mußt nun bald Dat­nofka verlassen, um in ein gutes Pensionat einzu treten, wo Du gleichaltrige Freundinnen finden wirst. Nach einigen Jahren werde ich mich in Rußland ankaufen und Dich in unser neues Heim abholen, wo Du an meiner Seite hoffentlich glück­lich leben sollst. Wird es nicht schön sein, meine Daisy, wenn wir uns nicht mehr zu trennen brauchen?

Lebe wohl, mein Seelchen, es segnet Dich Dein treuer Vater

Ilja Georgewstsch Soltjakoff.

San Franzisko, 16. Juli 1895."

Lange hielt Daisy den Brief im Schoß Sic tok sehr still, sodaß Frau Dekrassoff sie fragte:

„Nun, Kindchen, freust Du Dich?" . , In den dunklen Augen lag eine stumme Aagcü „Tante", sagte das Kind, „warum mußte Pa. Pascha so lange fort sein? Andere Kinder haben ihren das Mädchen außer sich.

Frau Nekrasicfff antwortete nicht sogleich. T „Dein Papascha hat in Amerika Geschäfte," sagte sie. „Er konnte nicht anders, er mußte drüben, leben."

„Dann hätte er mich mit sich nehmen sollen," rief das Mädchen außer sich." ,

„Nicht so hestra," beschwichtigt: Anna und glättete das lockige Haar Daisys, „Du muht dich ohne Mur. ren dem Willen Deines Vaters fugen." . >

Sortsetmna folgt) 7

| genauen Zeiten gibt das später etzschn ade entgüllige Programm. Wegen des IebhaftnnBsing!»erkehrs ist auf der Fahrt nach Helgoland vom gkweinsanem Esten Ab­stand genommen worden. Jeder t)f °r':’tt[3 sich an diesem I Tage selbst. Tie Fahrt kostet daher .itt 42,65 Mk. In diesen Preis eingeschloffen sind: Dte Bahnfahrten, die Dampferfahrten, bte Besichtigungen, Uebernachten einschl.

I Frühstück, Mittag- und Abendesten kausgenommen den Tag der Fahrt nach Helgoland) und Führung. Der angegebene Betrag ist portofrei unbedingt sofort an Herrn Direktor Dr. Schäfer-Eschwege unter genauer | Angabe der Adresse des Teilnehmers emtufenben. Wer im .üetel Wohnung nehmen will, zahlt 50,25 Mk. Bei Verhinberung kann bet Betrag soweit zurückgezahlt werben, als er noch nicht verausgabt ist. Nach Ein­sendung des Betrages werben bte Teilnehmerkarten sowie die anderen Drucksachen übersandt. Den katholischen Teilnehmern ist Gelegendeit gegeben, sofort nach Ankunft in Hamburg die hl. Messe zu hören.

□ pfändbares Einkommen. Eine bemerkenswerte Entscheidung über das pfändbare Einkommen fällte jüngst das gemeinsame Gewerbegericht in Gera. Eine dortige Firma hatte mehreren Arbeitern je 50 Pfg. abgezogen, weil sie trotz der Vereinbarung, eine be­stimmte Arbeitszeit einzuhalten, vor Beendigung der Arbeüszeit fortgegangen waren. Entgegen der früher in der Rechtsprechung der Gewerbegerichte vertretenen Ansicht, daß Lohnabzüge bei den Personen, die unter 1500 Mark Lohneinkommen haben, unzulässig sind, hat sich daS gemeinsame Gewerbegericht in Gera auf den Standpunkt gestellt, daß der Abzug einer Strafe auch gegenüber den Personen, die ein unpfändbareS Lodneinkommen haben, zuläflig sei. Man hat in diesem Falle keine Ausrechnung mit einer Gegen­forderung, sondern nur die Ausübung eines auch durch die Gewerbeordnung und die Arbeitsordnung bei Firma zu stehenden GegenrechtS im Jntereffe der Auf- re Uerhaliung der Arbeitsordnung angenommen, zu­mal die St^ifgelder nicht in die Tasche deS Arbeit­gebers fließen, sondern zum Besten der Arbeiter (Unterftützangskasse) verwendet werden müssen.

* Beauftragt. Die erledigte Schulstelle in Ober- rodendach ist dem Schulamtsbewerber Heinrich Schürger, nicht Schlünger, wie e8 in der gestrigen Notiz irrtümlich hieß, übertragen worden.

-o- Einen Jugendabend veranstaltet der kath. Jung, lingsverein der Dompfarrei morgen im großen Stadt saal. Es ist die erste derartige Aufführung deS Vereins. Außer Musikstücken der Vereinskapelle und dem Tromm- lerkorps wird der Gebhard Treß'schr Dreiakter »Ein edler Tiroler" vorgeführt werden. Die Veranstaltung beginnt um 7 Uhr.

O Der kath. Jugeniwerein der Stadtpfarrei veran­staltet Sonntag anläßlich der Aufnahme der Schulent­lassenen einen Jugendbildungsabend im Gesellenhause. Als Thema wurde gewählt: „Wanderung durch Jugend- lanb*. Was Dichter fangen von golbner Jugendzeit, von Knabenjahren und Elternsorgen, vom Lernen und Wandern, von des JünglingS Kampf färS Vaterland.' Das wurde zu einem schlichten Kranz von Deklamationen und Musikstücken, Liedern und lebenden Bildern ver­bunden. Daß auch dem Scherz ein Platz eingeräumt wird, ist in einem Juqendverein selbstverständlich. In erster Linie sind die Jünglinge der Stadtpfarrei unb deren Eltern eingeladen.

(♦) Sch au fliegen. Auf das morgige Schaufliegen machen wir nochmals aufmerksam. Wegen der für den Flieger wie für das Publikum damit verbundenen Gefahren ist es strengstens verboten, sich innerhalb der gezogenen Umzäunungen auf dem Exerzierplätze aufzu- halten. Wir erwähnen noch ausdrücklich, daß falls am Sonntag au? irgend einem Grunde nicht geflogen werden kann, die gelösten Karten für den nächsten Sonntag Gültigkeit behalten. ■/ ■‘