Zuldaer Zeitung
JVo 88.
Donnerstag 17. April !9lS
2. Blutt.
ön;a ee$ möctt 2 ctttniriiittci ,n ,»lva.
£otok$
Fulda, 17. April 1913.
A Ter Hockwäidigste Herr Bischof Dr. Tamiflu schmitt ist gestern morgen l/?10 U.,r aus Jtom ab- 3«reift und wird ooiausfiditiid) beute aoenb mit dem V-Zuge 10,54 Uhr hier m Fulda eint reffen
D Tic AuLschrcitungen des Bczirlsoffi ierS in Fulda wurden in der gestrigen Sitzung der Buogeltom- rnistion des Reich-lags gründlich erörtert und dabei dessen dientttiches und auß rd enitlickes Verhalten einer scharfen Kritik unterzogen, insbesondere auch fein ganz und gar ungehöriges Benehmen bd Den Konirolloerwmm- lungen. Ti? Sric>§mintftcrium, fern von diesen Dingen noch gar nichts bekannt war, versprach eine fttenge Untersuchung anvtvtbncn und es steht nunmehr zu erwarten, daü die Tage der Tätigkeit des Bezirksoffiziers ge-ähit sind. Das Ben hmen des Fuldaer Bezirksossiziers hatte für die Heeresverwaltung noch den Nachteil, daß die Neusordernngen auf diesem Gebiete (Bezirke. kommandoS'!.) sämtlich mit großer Mehrheit ab. gelehnt ivi|rbcn. Da man Bedeuten trug, einem fo! en Si; cm, bei dem sich so aroße Unzulräglichkeiten heraus- gebitdet haben, nech ivettergehende Forderungen zu bewilligen. Wir beschränfen uns auf diele Ausführungen, «mrDen aber i ötigensalls noch eingehender auf die Sache jurüdfom*Ten.
= Sperrung der Fuldaer Dtehmärkt-. Eine aus gestern abend im „Ballhaus" einberufene Bichhä'id lcr-Versammlung beschäftigte sich abermals mit den Mißständen auf den hiesigen Bichmärkten. Der Vorsitzende des Fuldaer Biehhändlcrvereins, Herr Jos. Heß II. teilte mit, daß auf die Eingaben an die zuständigen Stellen seitens der Kgl. Regierung der Bescheid eingetroffen sei, daß sie die Kosten für den Kreistierarzt fcstsehen werde. Weitere Maßnahmen seien aber noch nicht erfolgt. Die allgemeine Stimmung einer ausgedehnten Diskussion lief auf eine Boykottierung der Fuldaer Vichmärkte hinaus, bis bessere Zustände herbeigeführt seien. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, wonach sich jeder Viehhändler bei einer Kon ventionalstrafe von 100 Mk. schriftlich verpflichtet, die Fuldaer Vieh markte solangewederalsKäufer noch als Verkäufer nicht zu besuchen, bis die herrschende n M iß st ände auf den Viehmärkten beseitigt sind. Der Resolution schlossen sich eine große Anzahl Händler durch Unterzeichnung an.
c Eine unglltige Fuldaer Pol zeiverotvnung. Die Strafkammer batte den Wirt H. verurteilt, weil er in feinem Lokal, das weibliche Bedienuna hat, nach Eintritt der Feterabendstunde noch Gäste bedient hatte und weil er es unterlassen hatte, den Dienst, antritt einer Kellnerin anzumelden. Das Kammergericht hob das Strafkammer irte’l auf und sprach den Angeklagte»! frei. Die Verordnung sei nicht rechtsverbindlich, weil e8 in ihr unterblieben sei, einer Verfügung des Regierungspräsidenten zu Kassel ent« sprechend das Gebtet anzugeben, für das sie gelten sollte. Diese Vorschrift sei zwingend und ihre Nicht- beochiung beim Erlaß der Verordnung habe deren Ungiltigteit zur Folge.
][ Kellerbrand. Die Unsitte, glühende Asche in den Aichentasten zu schütten, wäre beinahe den Be. wohnern des Hames Rhönstraße 7 zum Verhängnis geworden. Ein Dienstmädchen hatte die glühende Asche tn den Keller gebracht und in einen Holzkasten gefchütlet. Der Kasten ist später in Brand geraten. Das Feuer war schon auf andere Gegenstände über- gegangen. Da im Keller größere Vorräte an Holz und Kohlen ausbewahrt wurden, hätte leicht größerer Schaden entstehen können, wenn nicht Passanten die noch in später Abendstunde an dem Hause vorüber gingen, auf den Qua'm aufmerksam gewoiden wären. Durch die Hausbewohner konnte das Feuer gelöscht werden.
--- Ein Tabernakel, für Afrika bestimmt, ist zurzeit im Schaufenster der Buchhandlung von Aloye Maier ausgestellt. Es ist ein Erzeugnis der rühm- lichst bekannten Tabernakelbauanstalt von Jofeph Schick, die wir noch vor einigen Tagen ehrend erwähnen konnten. Die schwere Arbeit gewährleistet völlige Feuer» und Diebesstcheroeit. Eine kunstgerechte Malerei und peinlich saubere Lackierung verleihen dem Tabernakel bet aller Einfachheit m der Ausführung doch einen warmen und würdig-stim- mungsvollen Eindruck. Die innere Ausstattung aus schwerer Seide mit echter Goldstickerei stammt aus den kunstfertigen Händen der Frau Schick. Rechts und links sind zwei Leuchterbänke aus Eisen in derselben Lackierung, sowie auf dem Tabernakel, das
Vie Schuld des Vaters.
2] Roman von Freifrau G. von Schlippenbach.
„Tante, Tante, hast Du Papas Brief gelesen?" rief das Mädchen mit leidenschaftlicher Ungeduld.
„Nein, Daisy, der Brief ist an Onkel adressiert."
„Ach, wenn er doch bald käme," seufzte die Kleine, „aber bitte, gib mir Papas Brief wenigstens nur für einen Augenblick, ich muß ihn sehen und fühlen."
„Wie ungestüm du bist, Kind," bemerkte Frau Anna mit sanftem Tadel, indem sie das wirre Haar ans der heißen Stirne Daisys strich, „da, da hast Du den Brief, Kleine."
Das Mädchen ergriff den Brief. Sie war plötzlich sehr still geworden; eine helle Träne fiel auf die Adresse, die von einer großen, festen Handschrift geschrieben war. Der Poststempel San Francisko stand auf dem Umschläge.
Daisy blickte lange auf die Buchstaben nieder, und plötzlich warf sie sich in die Arme Annas und schluchzte leise.
„Warum weinst du, Seelchen?" fragte Frau Ne- krassoff liebevoll und zog die leichte Gestaft auf chren Schoß. „Bist Du bei uns unglücklich? Fehlt Dir etwas?"
„Nein,, nein — Onkel und Du seid so gut! Ich Hebe Euch und Kolja und Nastja, aber ich möchte Papa bald Wiedersehen. Nun ist er wieder drei Jahre fort und wird vielleicht noch lange, lange fern bleiben. Warum muß ich von chm getrennt leben?" schloß sie, und es flammte wie Trotz in den beweglichen Zügen auf.
Mit einem zärtlichen, bedauernden Ausdruck blickte Anna auf das weinende Kind nieder. Ein großes Mitleid lag in ihren freundlichen Augen, das Mitleid mit einem unschuldig leidenden Wesen.
„Beruhige Dich, mein Seelchen, vielleicht bringt dieser Brief Dir die ersehnte Kunde eines Wieder- fehens von Deinem Pava: ich glaube es fast."
wohl frei zu stehen kommt, zwei dreiteilige Leuchter ans Bronze angebracht. Aus Anlaß der beoorstehen- Den 2 Eucharistischen Priesterverfaiumlung hat Herr Schick auch eine Musterlür zu einem Tabernakel mit» ausgestellt, die auf dem Aachener Katholikentag und auf Der vorjährigen Bischofskouferenz großen Beifall fand. Tas in romomichem Stil gehaltene Werk zeugt von tüchtiger Gestaltungskraft und fleißmem Streben. Tas Tabernakel ist für die neue Peter-Joseph-Kirckie in Rombo-Mengwe, Der am weitesten tn das Innere von Teutsch-Offa rika vorgeschobenen Mis'ionsstation, vestimwf.
w Straßenbau. Der von den städtischen Körper schäften für dieses Jahr beschlossene Ausbau des unteren Teiles des Lichtweges hat vor einigen Tagen begonnen. Tas zur Erweiterung des Weges notwendige Grundstück ist bereits in städtischen Besitz übergegangen und freigelegt worden, wodurch der Weg eine ansehliche Breite erhalten hat.
. = Zagvv ,Pachtung. L te Jago m der Gemarkung Der Staat Fuloa ist auf 12 Jahre von Herrn Rentner A. Schultheis zum Preise von 265 Mk. pro Jahr angepa-i tet woroen. Ter frühere Pa hiprets be ru.< 222 Mark.
-- Schulpflicht und Kammergrr''cht. Von der Strafkammer des Landgerichts zu sei war der Händler St. von hier verurteilt wordcu wegen lieber« •tretung einer Verordnung der Schulabteilung zu Kassel, die den Eltern unter Strafandrohung zur Pflicht macht, für den Schulbesuch ihrer Kinder Sorge zu tragen. Ter Vater entschuldigte sich damit, er habe nicht gewußt, daß sein Junge öfters der Schule fern bliebe. Das ließ die Strafkammer aber nicht gelten Sie verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Bereits Ostern (die Anklage wurde im Herbst danach erhoben) sei in dem Zeugnis des Knaben vermerkt gewesen, er sei ein „Schwänzer". Unter diesen Umständen hätte der Vater ganz besonders darauf achten müssen, ob der Junge regelmäßig seiner Schulpflicht nachkam. Jeden Morgen hätte er ihn energisch zum Schulbesuch anhalten und sich auch überzeugen müssen, ob er gehorchte. Daß er es seiner Frau übertragen habe, für den Schulbesuch der Kinder zu sorgen, könne ihn nicht von seiner Pflicht b'freien. Der Revision des Vaters gegen dieses Urteil versagte das Kammergericht in höchster Instanz den Erfolg.
* Die Eisenbahnverbands-Kranken- und Hinterbliebenenkasse der Eisenbahnvereine im Gebiete der preußisch-hessischen Staatsbahnen ist durch Angliederung einer Hinterbliebenenhilfskasse und sonstige Ausgestaltungen erheblich verbessert worden. Sämtliche Neuerungen treten am 1. Juli in Kraft. Die Grundlage für die Höhe der Prämienzahlung und der Renten bildet das Diensteinkommen. Die Witwenrente ist umso höher, se kürzer die Dienstzeit des verstorbe- nen Beamten ist, die Prämien sind bei jungen Beamten viel niedriger als bei älteren, da deren Gelalt höher ist. Die Witwen junger Beamten sind am unterstützungsbedürftigsten, daher das Fallen der Witwenrente mit dem zunehmenden Dienftalter des Beamten.
** Schiedsgericht für die Angestrlltenvktsicherung. Hinsichilich der Errichtung eines Schiedsgerichts für Angestellte enthält der .Reichsanzeiger" fol ende Bekanntmachung: »Durch Kaiserliche Verordnung vom 15. November 1912 ist au Grund des § 158 des Versicherunasgesktzes für Angestellte vom 20. De,. 1911 für die Angestelltenversicherung ein Schieds- geriet t in Berlin, und zwar für das Reichsgebiet, errichtet worden. Diesem Schiedsgericht ist die Entscheidung auch in solchen Fällen zuaewiescn, in welchen es sich um Versicherte oder deren Angehörige handelt, die außerhalb des Gebietes des Deutschen Reiches wohnen oder beschäftigt sind.*
* Prämiierung bäuerlicher Gefliigelhöse. D e Land- wirtschastskamnier beabsichtigt auch in diesem Jahre Prämien an die Besitzer aut geleiteter bäuerlicher Geflügelhofe zu erteilen. Nur tolche Geflügelzüchter können prämiiert werden, welche landwirtschaftliche Nutzgeflügelzucht treiben, im Besitze der hierzu erforderlichen Bauanlagen sind und durch ihre Buchführung den Reinertrag der ganzen Geflügelhaltung Nachweisen können. Es werden vornehmlich kleinere landmirlscha'tlicke Betriebe berücksichtigt, doch können auch ländliche Geflüg Ihalter, welche Landwirtschaft nur tm Nebenberuf (reiben, zur Prämiierung zugelassen werden. Di jenigen Züchter, weiche fchon früher einen Preis erhalten haben, können nur Dann eine Prämie und zwar eine höhere erhallen, wenn sie weitere Fortschritte in der Geflüaelwrrtfchafl aui- wrisen. Die Prämiierungen finden in diesem Jahre statt in den Steifen: Efchwege, Fulda, Gelnhausen, Gersfeld, Hanau, Hersseld, Hünseld, Rotenburg, Schlüchtern, Schmalkalden, Witzenhausin. Meldunaen
Daisy sprang auf, und ein Heller Jubellaut drang über ihre Lippen; sie faltete die Hände in ihrer Erregung.
„O! dann hat Gott mein Flehen erhört!" rief sie. „Neulich habe ich in der Kirche von Bernowka inbrünstig darum gebetet und Meiner heiligen Patronin eine geweihte Kerze gebracht."
„Geh jetzt in den Wald, mein Kind. Gleich hinter dem Garten findest Du Kolja und Nastingka mit der alten Darja. Bringe ihnen Vesperbrot. Sich, auch für Dich habe ich einige Birnen und ein Stück Kuchen in das Körbchen gelegt. Um sieben Uhr ruft die Glocke euch zum Abendessen heim; bann sollst Du hören, was Dein Vater schreibt."
Fröhlich hüpfte Daisy fort, nachdem fi: Tante Anna stürmisch geküßt hatte.
„Sie gleicht immer mehr ihrer armen Mutter, meiner geliebten Jugendfreundin," dachte Frau 9le= krassosf, als sie allein blieb. „Aber jene war sanft und ruhig, Daisy hat den leidenschaftlichen Charakter des VatcrS. Möchte sie nicht auch seine Heftigkeit zügellos in ihrem Leben walten lassen; sie hat ihm Schaden gebracht. Armes Kind, wenn du wüßtest — — Gott wolle dir immer das ferne halten, was dir bisher verborgen geblieben ist. Wenn Peter nur bald käme! Auch ich kann garnidit erwarten, den Brief zu lesen; ich glaube, er enthüll Wichtiges für unser geliebtes Pflegekind, das wir seit sieben Jahren unter unserer Obhut haben durften "
„Ah! da kommt mein Mann'."
Frau Nekrassosf trat auf die Treppe und erwartete den Reiter, einen breitschultrigen Vierziger, dessen blühendes, freundliches Gesicht mit den hellblauen Augen ihr fröhlich znlächeÜe.
„Slun, Annuschka, was gibt es?" fragte er, als sie in den kühlen Hausflur traten. „Du hast ein ernstes Gesicht. Ist Dir etwas Unangenehmes zugestoßen, die Kinder —"
„Sind wohl, ebenso unser Pflegetöchterchen."
„Nenne sie nicht so. Ich liebe sie nicht weniger als unser» eigenen Jungen und Nastja."
au5 diesen Kreisen sind bis 1. Juni d. I. an die Landwirtfckaftskammer eirnureichen unter gleichzeitige, Angabe des Berufes, der Größe des landwirlscha't- hdien Betriebes, der Art und de? Umfangs der Geflügelhaltung, sowie einer kurzen Beschreibung des Geflügelzuchtbetriebes, ferner Mitteilungen übet die baulichen Einrichtungen und den zur Verfügung stehenden Auslaut, über die Produktion und Absatz, üb r Buchführung und Reinertrag.
* Schanfliige. Vor kurzem mieten wir darauf hin, daß der Aviatiker Mürau aus Ge.senlirchen für Ende April ein Schaufliegen hier angekündigt habe. Dieses soll nun am nähsten Sonntag auf dem Exerzierplatz bei Neuenberg stallfinden. lieber ein von Mürau ausgesührics Fliegen ichreibt eine auswärtige Zeitung: Mürau erhob sich zu einem Hören- und Tanciflug. In weiten Strafen das Flugfeld um chivcberd, stieg er immer höher und höher, bis er nach etwa 16 Almuten in einet Höhe von 500 Metern den Motor abstellte und im eleganten Gleit- finge neDcroma.
S Liederabend. Der Mannerchor des ev anae- lischen Ärderterveieins bat tüt feinen ti:e. eiabend, D n er am kommenden Sonniag tm Saale De« evan< geiitchen (ScmemDebauiev veranstaltet, ein vorzügliches und reichhaltiges Programm autgesteU:. Der au gezeichnet geschulte San erdbor w rd ut Irr Leitung fernes vcr- tiennuollen Dirigenten, Her n Hiupilehrers Ho'mrnn au>6 neue P oben ie nn Tü 't este t oblegen. A den H wütigen iiuni chöie»' vrn Lae! net Hymnen an die Musst), yjum. (Deul che Helsen), Ullrich (Memüche Braut.al;rt bat auch das Volkslied und volkstümlich« Lied seinen Platz geiunDen, von Denen wir „Reiters Morgengewng" tn Der Becnbeitiing von Zerleir und Den dem evangeliichen Mannerchor und seinem D r> emen von Herrn Cborineiner Pau i gewidmeten Ciror „Tie Muhl- im Tal" erwähnen, wollen. Al» So iflin ist für diesen Abend Frau Ella Tteifens-Harn'sch» feget, Konzertsängerin zu Fr nkfrrt a. M., gewonnen morden, die vor / I,ihren mit großem Erfolg in der Cacilia gelungen bat und deren heUiönende, bewegliche, heizeiqiiictende Sopranstimme noch manchem n Ennne- rung lein dürste Aunerdem werden Mitglieder unserer Miluärtapelle das be-übmte Septett in Es=Dut von Beethoven in der Originalde etznng vortraien. Den Beiuchern des Konzertes Neht somit ein brlber stunstgenust bevor, und möchten wir nicht veuäumm, auch an Dielet Stelle Djraui hmzuweisen.
Aus dem Nachbargebiete.
* Hünfeld, 16. April 1913. In der gestrigen Sitzung des Kreistages des Kreiies Hünseld wurde beschlossen, einen Fonds von 10 000 Mark al-S Kaiser Wilhelm II. Jubiläums-Fonds mr Unterstützung von Lungenkranken und Kriegs- oetemnen zu stiften. •
X Bad Salzschlirf, 16 April 1913. Der Pächter des hiesigen „Ra-skcllers", Herr Karl Hildebrandt, e.erte am verflossenen Dienstag lein 25jährwes Geschüstsjubiläum. Vom Bund deutscher Gastwirte wurde dem Jubiiar durch den Vorsitzenocn des Gastivirleveleiirs Fulda und Umgegend, Herrn Julius Hainle, ein Diplom überreicht. Mehrere Vereinskollegen aus Fulda und Bad Salzschlirf übcrbrachien Dem Jubilar ihre per önliche Gratulation. Gleiche Ehrling wurde auch der ganzen Familie Hildebrandt zuteil, denn auch die Familienangehörigen haben sich stets mit voller Hingabe ihrem Beruf gewidmet. Nach gastsreundichastlicher und liebevoller Bewirtung wurde von den festlich geftimm cn Kollegen das altbekannte Fuldaer Wirtevereinslieb »Auf, ihr Brüder hebt das Glas" gesungen und dann die Heimreise angetreten.
]:[ Salzschlirf, 16. April 1913. Seit Oktober vorigen Jahres haben die Bohrungen nach neuen Quellen ununterbrochen forlgedauert. Die Qualität des gesundenenWassers ist s e h t z u sr i e d e n st e 11 e n d, nut fehlt cs noch an der Quantität. Wegen der Nähe Der Saison-Eröffnung müssen die Arbeiten eingestellt werden. Die Abmontierung der Maschinen und Niederlegung des Bohrturms werden eifrigst betrieben.
(*) Lauterbach, 16. April 1913. -r er vom Verkehrs« verein Lauterbach herausgegebene.Lauterbacher Führertz der seinerzeit freudige Aumahme sand und von der Kritik als wertvoller Bestrag zur Kenntnis des Vogelsberges angesehen wurde, ist un er dem Titel «Lauterbach tm Vogelsberge — Bad Salzt chltrs " •n, zweiter bedeutend vergrößerter Auflage und tn ansprechenderem Gewände ersch enen. Das Schristchen otrat unter seinem befdjeioenen Tstcl und unter Dem verflachten Namen eines Führers die Lösung einer hohen Ausgabe: Ange und Herz sür die Schönheit cm?r Landfchait und die Kultur einer Kleinstadt zu öffnen und das Bild eines Stückes deutscher Heimat zu geben. Kaum war vor 4 Jahren die erste Auflage herausgekomwen, traten maßgebende Persönlichkeiten für das Weilchen ein und bezeichneten es als bahnbrechend für eine Reform in der Führer-Literatur,
„Und doch fürchte ich, daß wir sie nicht mehr lange bei uns behalten werden, Petja," sagte Anna. „Eben ist ein Bries von Soltjakoff angekommen. Du weißt, er schrieb uns schon neulich, daß er Daisy in ein Pensionat zu geben wünsche, und aufrichtig gesagt, ich finde es selbst besser, da ich allein sie nicht unterrichten kann. Sie muß auch mit AlterSgenos- fiunen verkehren; unsere Kinder sind viel jünger als sie."
DaS Ehepaar war in das Speisezimmer getreten.
Nekrassosf setzte sich nachdenklich in den großen Lehnstuhl und bat seine Frau, ihm Kwas (Kwas säuerliches, russisches Getränk) zu bringen, er sei durstig.
„ES ist so, wie du dachtest," sagte er, aI-5 Frau Anna wieder in das Zimmer trat. „Ilja Georgowitsch ist schon unterwegs nach Europa. Er selbst will seine Tochter abholen, um sie in eine Pension nach Genf zu bringen, wo sie vier Jahre bleiben soll, um ihre Erziehung zu beenden. Hier ist eine Einlage für Daisy; ihr Vater schreibt ihr Wohl selbst darüber. Wie schwer wird uns der Abschied fallen."
„Ja, auch ich mag nicht daran denken, Petja," stimmte Anna bei. „Glaubst du, daß —“ sie senkte die Stimme und flüsterte ihrem Manne etwas ins Ohr.
In leisem Gespräch saßen sie zusantnlen, daS Schicksal des jungen Wesens erwägend, daS ihrem Herzen teuer war.
Daisy aber tollte wie ein sorgloses Kind mit dem kleinen Kolja und feinem kleinen Schwesterchen im Walde umher. Sie spielten Versteck, und der Jubel der kleinen Stimmen hallte lustig wieder. Im Augen blick hatte Daifv alles vergessen und gab sich ganz der Lust des Spiels hin. Die beiden Sprossen der Ne- krassoff zählten erst sechs und vier Jahre, und so oft sehnte sich das Heranwachsende Mädchen nach gleichaltrigen Genossen. Nur wenn der Fürst nach Dat- nofka kam, fand Daisy Soltiakoff Gesellschaft an den Töchtern Arbutins, die im Smolnischen Stift in Petersburg erzogen wurden.
die längst dem Materialismus des Stoffes anheim» gefallen ist. Die zweite Auflage Hal den alten Boden lestgehallen, vielleicht noch vertieft. Dreselbe Sprache, die bald em'ach, bald begeistert, voll Humor hier, voll Ernst dort, Land uud Lewe, den Bauer, den Burger schildert, schwierige Probleme der Geschichte, der Geologie, der Kunst deutlich zu machen versucht, die sich m Sagen und Märchen, m den Wandel Der Zeilen liebevoll versenkt, Diestkde Sprache und derselbe Geist tritt aus Dem ,Lauterbacher Führer" wieder entgegen und weiß auch Den festzuhalten. Der sich nicht imister auf Den Standpunkt des Verfassers stellen mag. Der Text von Franz Como, Zeichnungen von Heinrich Landgrebe und Ausnahmen von Heinrich D-ehm schallen fo vereint ein Bild, das lebendig und emdruckS- voll erst recht in Dieter neuen Auflage Dem Vogelsberge uns besonDers Dem Osthang gute Freunde ge- wmneir uirb. — Der Ve Uhrsverem Lauterbach ver- fenDet das Schristchen unemgelilitb.
* Wächtersbach, 16. April 1913. Der Streckenarbeiter Hohmann von Aufenau geriet in der Nähe der hiesigen Station unter einen Rollwagen, wodurch er einen rechten Beinbruch erlitt und ihm der linke Unterschenkel fast abgequetscht wurde.
* Gelnhausen, 15 April 1913. Gestern waren es 25 I hre, daß RechnungSrat Hoffmann das Amt des Kreissekretärs beim hiesigen Landratsamte an trat. Ununterbrochen ist er seither im hiesigen Kreise tätig. Auf dem Landratsamt sand eine Feier zu Ehren des Jubilars statt.
* Hanau, 16. April 1913. Der heutige Bieh- marft war mit 183 Kühen und Rindern, 29 Kälbern und 6 Ockssen befahren. Bei hohen Preisen war der Handel schleppend.
* Offenbach, 15. April 1913. Mit dem Ab In deS alten Erbacher Hofes, einer nach außenhin weit bekannten Gastwirtschaft, wird in den nächsten Tagen begonnen werden, um der Freilegung der au dieser Stelle verkehrSgefährlichen Frankfurter- und Schloßstraße Platz zu machen. — Die Portefeuillefirma Adolf Hatry (Inhaber: Jean Knauff und Wwe. Hatrh) ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ein außergerichtlicher Vergleich ist in die Wege geleitet. In Mitleiderischaft gezogen sind eine Anzahl Lederwarensabriken und Banken.
* Rotenburg, 16. Avril 1913. Heute wurde hier ein besser aekleideter älterer Herr in Haft genommen, der sich schon seit mehreren Tagen hier und in der Umgegend herumtrieb, und unter allerlei schwindelhaften Manövern Barmittel zu erlangen trachtete.
* Kassel, 16. Bprrl 1913. Dem Schmtedeg Nelle F. wurde von einem Fabrik--damy'Hammer das linke Haudgelenk zerqueticht. Er fand Aufnahme im Landkrankcnhause. — Die feit langem vökanie Stelle des argentinischenKonsuls wurde bürd' Carlos Grebe besetz'.
* Felsberg, 16. April 1913. Dem Vernehmen nach ist vom KreisanSschuß zu Melsungen für den diesseitigen Kreis die Herstellung einer Viehweide in Aussicht genommen.
* Göllingen, 15. April 1913 Der 22 Jahre alte Arbeiter G. im n ibegeteaenen Vahle brachte sich beim Holzfällen durch Abrutschen der Axt eine schwere Fußverletzuna bei. Als ihm feine Arbeitskollegen Den Schuh vom Fuße rogen, fi l der Fuß förmlich in zwei Hälften. Der junge Mann wurde sofort der Klinik zriae>ührt.
* Gießen, 16. April 1913. Aus ber hiesigen Klinik ist der Zuchthausgefangene Neumann aus Pis- Port nachts ausgebrochen. Neumann hat noch sechs Jahre Zuchthaus wegen Dleineides zu verbüßen.
h Griesheim, 16. April 1913. Einem durch die Waldstraße sahrenden Automobil wurden durch kleine Buben die Fenster s ckeiben eingeworfen. Der Führer machte kurzen Prozeß, hielt still, packle blitzes- ichnell die kleinen Sünder in sein Auto und fuhr mit ihnen nach der Polizei, wo er die Eltern der Burschen feststellen ließ. Die Väter müssen den Schaden bezahlen.
* Wiesbaden, 16. April 1913. Der StaaiSarchi- bar a. D. Archivrat Dr. Hagemann, der Direktor des nassauischen Archivs, ist im Alter von 65 Jahren g.'storbcn. — Heute vormittag begann int Kurhaus die 30. Tagung des deutschen K o n g r e s- ses für innere Medizin, die bis zum 18. April einschließlich dauert, in Anwesenheit von 400 Aerzten aus allen Teilen des Reiches, aus Oesterreich-Ungarn, der Schweiz usw. Prof. Dr. Penzoidt sprach über Auswüchse des LlrzneimittelwesenS, der Wiener Pharmakologe Hofrat Dr. Meyer über das Wesen und die Behandlung des Fiebers. — Der deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime sind in den letzten Tagen wieder Stiftungen von insgesamt 40 000 Mark zugegangen.
Mit Boris, dem Sohne des Fürsten, der vier Jahre älter als Daisy war, führte sie einen fortwährenden Krieg, der sich in Neckereien äußerte, denen aber bald Versöhnung und gute Kameradschaft folgte.
Boris Pladimirowstsch war im Petersburger Pa- genkorpS. Er war ein hübscher, blonder Junge, der heimlich für Daisy schwärmte, es ihr aber nicht zeigen wollte, denn: „Mädchen werden leicht eitel," dachte er in seiner sechzehnjährigen männlichen Würde, „und Daisy ist unausstehlich schnippisch. Wenn ich erst Offizier bei den Leibhusaren bin und sie eine junge Dame, so werde ich ihr die Cour machen und \i< heiraten."
Als die Kinder müde vom Spielen waren, setzten sie sich, und Daisy erzählte ihnen ein wunderschönes Märchen von der Russalka kRussalka — Wassernixe.), dir. verzaubert im See lebte und nur des Nachts auf die Erde kam, um die Menschen durch ihren Gesang in den Traum zu wiegen.
Kolja und sein Schwesterchen lauschten aufmerksam. Dann liefen sie zu ihrer Wärterin Darja und gingen mit ihr Blumen Pflücken. Daisy lehnte an dem Zaun, der den Garten vom Walde trennte. Ihre eben noch so heiteren Augen sahen Plötzlich ernst in die Weite. Tie Steppe lag im Schein der unter« gehenden Sonne friedlich da. Tie bunten Falter und die Bienen hatten s.e verlassen, die Schatten des Abends krochen über die weite Fläche.
Tas Mädchen hatte den Arm aufgestützt. Sie dachte über ihr kurzes Leben nach. Sir dachte an ihre vor sieben Jahren verstorbene Mutter, an btc schöne, :arte Fran, die so früh Mann und Kind verlassen hatte. Damals waren sie nicht in Rußland gerocjeT; — irgendw in Deutschland — Daisy wußte nicht, wie der Ort hieß, ihre Erinnerungen waren lücken- häst. Nur eines Tages erinnert sie sich, da hatte der Vater die Mutter und sie verlassen, nachdem er beide umarmt. Er war totenbleich gewesen, und Daisy Hämmerte sich weinend an ihn.
„Armes Kind!" hatte er gesacst (Fortsetzung folgt..