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2. Blatt.

t»r»cf der Fuldaer Sctientrucerei in 5«lda.

*** Fuldaer Leitung.

JVo 86.

Dienstag 15. April 1915.

Zta-tveror-neten-Versammlung.

--- Fulda, 15. April 1913.

Sin der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver­sammlung nahmen 26 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den 1. Beigeordneten Halbleib vertreten. Den Vorsitz führte der stellvertretende Stadt- verordneten-Vorstcher Rechtsanwalt und Notar Rang.

1. Beschaffung von Schulbänken und Bewilligung der Kosten. Stv. Kapp: Nach einem Bericht des Hauptlehrers der evangelischen Volksschule sind zu Ostern 80 Schüler mehr ausgenommen worden, als entlassen wurden. Infolgedessen ist die Anschaffung von sechs neuen Bänken erforderlich geworden, die bereits in Auftrag gegeben sind. Der Nlagistratsantrag lautet auf Bewilligung der Kosten in Höhe von 150 Mk. Der An­trag wird angenommen.

2. Eine Freigabeurkundc wird genehmigt.

„ 3. Hundertjahrfeier der Erhebung Deutschlands und LZjähriges Regierungsjubilüum Sr. Majestät des Kai­sers und Königs und Bildung eines Festausschusses. Stv. Vollmer: Sie wissen, datz überall in unserem Vaterlande bis zu den kleinsten Gemeinden hinab dieser patriotische Festtag begangen wird, und die Stadt Fulda wird herbei nicht zurückstchen wollen. Der Herr Ober­bürgermeister hat für den 15. Juni eine Feier vorge­sehen, an der sich alle Schichten der Bevölkerung beteiligen können. Tas Programm ist in seinem Umritz vom Magistrat folgendermaßen festgelcgt worden: Mor­gens allgemeines Wecken durch ein Musikkorps, am Vor­mittag Festgottcsdienste für die einzelnen Konfessionen; nachmittags Festzug durch die Stadt und patriotisches Konzert, wofür der ganze Schlotzgarren zur Verfügung gestellt wird, am Abend Vorführung lebender Bilder im Stadtsaal. Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungen frei. Für die weitere Ausarbeitung des Programms soll ein Festausschuß gebildet werden aus den Vorstän­den, der hiesigen Vereine und den städtischen Körper­schaften. Aus der Reihe der Magiftratsmitglicdec sind hierfür die Herren 1. Beigeordneter Halbleib und Kramer gewählt. Auf Vorschlag des Referenten wird der Vorstand des Stadtvccordnctcnkollegiums: die Her­ren Justizrat Gegenbaur und in dessen Verhinderung der 1. Schriftführer, sowie Rechtsanwalt und Notar Rang hinzugewählt. Betreffs des Zeitpunktes (15. Juni) hat Referent Bedenken; denn bestimmungsgemäß sollen an diesem Tage aus Rücksicht auf das Gedächtnis des Todestages Kaiser Friedrichs, abgesehen von Ge- denkgottesdienstcn, keine öffentlichen patriotischen Feier­lichkeiten stattfindcn. Er schlägt deshalb vor, dem Ma­gistrat nahe zu legen, das Volksfest auf den folgenden Montag zu legen. Stv. Laux wehrt sich dagegen, daß die Feier auf einen Werktag verlegt werde; es würde dann weiten Schichten der Bevölkerung wegen des Lohn- ausfallcs unmöglich sein, an dem Volksfest teilzunchmcn. Man solle lieber einen Sonntag früher oder später dafür ansetzen. Stv. Vollmer glaubt, daß die Arbeit­geber so kulant sein würden, daß sie an diesem natio­nalen Festtage den Arbeitern die etwa ausfallenden Löhne doch ersetzten. Er formuliert darauf einen An­trag dahin, den Magistrat zu ersuchen, für anderweitige Festsetzung des Festtermins zu sorgen. Ter Antrag wird angenommen.

4. Rechnung der evangelischen Klcinkindcrschulr. Stv. Breitenborn: Die Rechnung der Schule schließt im vergangenen Jahre mit einer Einnahme von 2472 Mk. und einer Ausgabe von 2489 Mk., also wieder mit einem Defizit ab. In Zukunft kann das nicht so weiter gehen. Die Stccht gibt nur einen Jahreszuschuß von 150 Mk. Wenn wir berücksichtigen, datz für Jugend­pflege pro Kopf 3 Mk. bewilligt werden, dann dürfte für die armen kleinen Kinder auch etwas mehr übrig sein. Ich werde i.n Zukunft — für dieses Jahr ist es ja zu spät — stets für einen erhöhten Zuschuh eintreten. Stv. Reith befürwortet den Standpunkt seines Vor­redners.

5. Einrichtung der elektrischen Beleuchtung und der Wäschereieinrichtung mit elektrischem Betrieb im Hl. Geisthospitale und Bewilligung der Kosten. Stv. K i r- ch e r : Ter Magistrat hat beschlossen, einen Teil der Be­leuchtung im Hl. Geisthospitale auf elektrischem Wege zu versorgen und die Wäschereieinrichtung, die bisher mit der Hand betrieben wurde, mit elektrischem Antrieb zu versehen. Die Kosten dieser Anlage belaufen sich auf 3750 Mk., die einem Fonds entnommen und mit 4 Proz. verzinst werden soll^. Der Referent wendet sich gegen diese Vorlage, insofern, als die Elektrizität in Frage kommt. Bei einer städtischen Anstalt dürfe man die städtischen Betriebe nicht ausschließen oder in den Hin­tergrund drängen. Statt der Elektrizität könne gleich vorteilhaft Gas verwendet werden, und deshalb solle man die Interessen der Stadt berücksichtigen, zumal der Gaskonsum nicht allzu groß sei. Er beantragt schließ­lich Ueberweisung der Vorlage an die Gas- und Wasser­kommission. 1. Beig. HalbIeib: Ich gebe zu, daß sich die Einrichtung auch mit Gas bewerkstelligen läßt, zumal die bisherige Gasproduktion nur durch Abgabe von Gas zu Kraftzwecken erhalten und hierdurch auch der Ausfall an Leuchtgas wett gemacht werden kann. Stv. S u n k e l: Die Stadt ist verpflichtet, ihre Werke zu unterstützen und zu erhalten. Der Gaskonsum ist bedeutend zurückgegangen, im Januar um 7200 Kubik- metr und im Fänmar noch mehr. Dann aber ist der Betrieb mit Gas sicher nicht teurer als mit Elektrizität. Stv. Seil: Gewiß wollen wir das Gaswerk unter­stützen^ aber in vorliegendem Falle, wo weibliche Be­dienung der Apparate in Frage kommt, wäre es vielleicht praktischer, elektromotorische Kraft zu verwenden. — Die Vorlage wird darauf dem Anträge Kircher gemäß an die Gas- und Wasserkommission zurückverwicsen.

6. Einrichtung des elektrischen Betriebes in der Klär­anlage und Bewilligung der Kosten. Stv. Keil: In der Kläranlage herrschen wegen der Lüftung mißliche Verhältnisse, sodaß dort unbedingt etwas geschehen muß. Die jetzigen beiden Gasmotore sind vollständig schadhaft, ihre Instandsetzung würde etwa 600 Mk. kosten. Der Magistrat schlägt vor, die beiden Motove zur Reserve stehen zu lassen und den Betrieb elektrisch einzurichten. Es sind hierzu 2300 Mk. erforderlich. Ich kann mich dem Anträge des Magistrats nicht anschlietzen. Auch hier gilt, daß man das Gaswerk nicht ohne weiteres an die Wand drücken soll. Die Motore können repariert und der Betrieb in der bisherigen Weise weitergeführt werden. Stv. Kapp: Ich bin erstaunt, zu hören, daß in der Kläranlage ein so großer liebelst and herrschen soll. Ich selbst war mehrmals dort, habe aber keinen großen Ge­ruch oder Gestank feststellen können; zudem habe ich aus dem Referat nicht erkennen können, woher der Geruch kommt, ob vielleicht von den Motoren? Stv. Sunkel: Die Motore sind vor 7 Jahren aufgestellt worden und ich kann mir nicht denken, daß sie jetzt schon unbrauchbar sind. Es mag ja an dem Svstem liegen, aber meiner Ansicht nach konnten sie in dieser Zeit nicht gänzlich Unbrauchbar werden. Daß der Geruch dort nicht der beste ist, ist selbstverständlich; das ist aber bei allen der­artigen Anlagen nicht anders, und wenn gesagt wird, daß es einem Besucher dort Übel geworden wäre, so be­weist das noch nichts; das ist schon Leuten in der Kirche passiert. Stv. Schwarz meint auch, daß der üble Geruch durch Einführung elektrisch betriebener Motore nicht behoben würde. Auch kann er sich nicht denken, datz die Motore schon so stark verbraucht seien. 1. Beig. Halbleib: Degen der Belästigung durch den Geruch *n_ber Wohnung des Wärters der Släran.age ist schon früher beim Magistrat Klage geführt worden. Der Magistrat ist sich bann schlüssig geworden, einen Ex­haustor anzuschaffen und ich glaube, datz die Sache durch diesen behoben wird. Stv. Kapp: Ich beantrage, die Vorlage an die Gaskommission zu verweisen. Bezüglich v.r Belästigung mit dem Geruch möchte ich den Ma­gistrat ersuchen, selbst an Ort unb Stelle sich zu infor­mieren. Stv.-Vorst. Rang weist darauf hin, daß die Behandlung der Gerüche nicht auf der Tagesordnung stehe. (Lachen!) Tann wird von verschiedenen Setten darauf hingewiesen, bor s^-n früher vom Stadtverord­

netenkollegium die Anschaffung eines Exhaustors beschlos. fest fei und die Kosten hierfür bewilligt wurden. Stv. E i cke n s ch e i d t findet es unglaublich, daß der Ver- brauch der Motore schon so weit vorgeschritten sei. Es mupe doch wohl ein Mangel an Kontrolle vorliegen. In einem Privatbetrieb wäre so etwas nicht möglich. Stv. -5 r i tz erklärt, daß cs Motore zweiter Güte sind, die man sich seinerzeit hat aufdrängen lassen. Die Zu­stande sind jetzt unerträglich. Die schlechte Luft rührt zum Teil von den Ausdünstungen der Kläranlage her, zum Teil ist sie auf das infolge der Undichtigkeit der Motore entweichende Gas zurückzuführen. Bei. gerin­geren Leistungen der Motore ist also der Gasverbrauch größer. Ob die Mißstände durch eine Entlüftungsanlage vollständig behoben werden können, ist fraglich. Im übrigen bin ich dafür, daß die Motore wieder repariert unb beibchalten werben. Stv. Schwarz meint, daß man prüfen müsse, ob die für die Entlüftungsanlagc bewilligten 1200 Mk. auch richtig angelegt seien. Dem­gegenüber betont Stv. Sunkel, daß die Aufstellung der Anlage einmal beschlossene Sache fei. Stv. Fritz schlägt vor, eine mehr natürliche Entlüftung durch bes­seren Anschluß des Klärraumes an den Schornstein herbcizuführen. Stv. Weber wünscht, daß betreffs der Schadhaftigkeit der Motore das Gutachten eines In­genieurs eingcholt werde. Ihm entgegnet Stv. Nei­de r t als Fachmann, daß bei allen liegenden Motoren ein schnelleres Verschleißen einträte. — Darauf wird die Magistratsvorlage an die Kommission zurückver- wiesen.

7. Legung eines zweiten Zementrohrstranges in der Borgiasstraße und Bewilligung der Kosten. Stv. F.r i tz: Vom Kaufmann Ruppert und später auch vom Hessischen Bcmkverein sind Klagen und Ersatzansprüche wegen des Wasserzuflusses in deren Kellerräume seit Bestehen der Kanalisation erhoben worden. Der Magistrat hat dann umfangreiche Untersuchungen angeordnet mit dem Er­gebnis, daß der Kanal in der BorgiaSstratze nicht ge­nügend Gefälle hat. Jnfolgedefsen entftehen , Wasser- stauungen; statt der in Aussicht gestellten 580 Sekunden­liter entwässert der Kanal nur etwa 250 Sekundenliter. Bei den Untersuchungsverhandlungen hat sich die aus­führende Firma Mölders-Hildesheim ferner zu dem Bekenntnis bequemen müssen, daß der Fehler leider durch ein Versehen beim Bau entstanden sei. Sie weist aber alle Ansprüche seitens der Stadt auf Beseitigung der Mißstände und auf Ersatz der Unkosten zurück unb be­ruft sich dabei auf die gesetzliche Verjährungsfrist und darauf, datz laut Kontrakt feit Dezember 1908 jede Haftung der Baufirma gefallen fei. Es bleibt also nichts anders übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und die Vorlage zu bewilligen, um weitere Unkosten aus Ersatzansprüchen zu, verhindern. Der alte Kanal soll als Zuleitungskanal liegen bleiben und über ihm soll ein neuer Kanal gelegt werden. Die Kosten hierfür beziffern sich auf 3100 Mk. ausschließlich der Zement­rohre. die im Durchlaß von 60X90 aus dem vorliegen­den Bestände genommen werden sollen. Die vorgeschla- gene Ausführung ist die praktischste und billigste, da während der Bauzeit der alte Kanal in Benutzung bleibt, während sonst bas Projekt burch Umbauten verteuert würde. Was das Verhalten der Firma Mölders anbe­langt, so ist zu bedauern, daß sie nicht die Gewähr für die richtige Ausführung ihrer Arbeit übernimmt, zu­mal sie sich selbst doch für schuldig gibt und seinerzeit von der Stadt ihr in jeder Weise loyal entgegengekoin- men wurde. Es wäre zu empfehlen, sie nochmals an ihrer Ehre zu kitzeln. Da nun, wie der Magistrat an­gibt, die Arbeit dringend ist, weil sie vor Eintritt der Gewitterzeit fertig sein soll, so beantrage ich, vorläufig die Kosten von 3100 Mk. zu bewilligen und den Ma­gistrat zu ersuchen, auf irgend eine Weise auf die Firma Mölders einzuwirken, um sie wenigstens zur Bestrei­tung der durch ihr Verschulden herbeigeführten Kosten zu veranlassen. Stv. A da m : Ich kann es nicht emp­fehlen, daß die beiden Rohrstränge übet einander an­gelegt werden sollen. Denn sollten irgend welche Arbei­ten am unteren Rohrstrang notwendig werden, fo würde das dann seine Schwierigkeiten haben. Stv. Fritz glaubt nicht, daß derartige Bedenken berechtigt sind. — Nachdem der vorliegende Plan von verschiedenen Stadt­verordneten in Augenschein genommen ist, wird auch diese Vorlage schließlich an die Baukommission zurück- verwiesen. .....v ' •“

8. UeberfdjreHung des Magazin-Kontos beim Gas­werk. Stv. Weber: Der im Etat vorgesehene Betrag von 9000 Mk. reicht nicht aus. Infolge notwendig ge­wordener Mehranschaffungen von Jnstallationsworen, Rohren und bergt, werden 5000 Mk. nachgefordert. Stv. S u n k e l bedauert, daß der Herr Gasdirektor nicht einer Anregung der Kommission, zur heutigen Verhandlung zu erscheinen, Folge geleistet hätte. Er würde über manche Punkte haben Aufschluß geben können. Dann bezweifelt er, daß der Konsum an Kraftgas zugenom­men habe. Er setzt die Erhöhung des Gaskonsums auf den Mehrverbrauch an Kochgas. Im übrigen werde man nicht daran vorbeikommen können, die geforderte Summe zu bewilligen. — Dies geschieht.

9. Verausgabung eines Restbetrages für Stadtpläne bet Titel III des Etats für 1912. Stv. Fritz: Die Her- tellung der Stadtpläne hat 842 Mk. an Kosten verur­sacht. Ein Teil derselben ist inzwischen verkauft. Es bleibt noch ein Restbetrag von 472,65 Mk. Der Ma­gistrat schlägt vor, diesen auf die Stadt zu übernehmen. — Geschieht.

10. Mehrleistung für die Ruhegehaltskasse für Leh­rer und Lehrerinnen für das Jahr 1912. Stv. Dux: Infolge der neuen Besoldungsordnung haben sich die Ausgaben bezw. Zuschüsse der Städte zur Ruhegehalts­kasse für Lehrer und Lehrerinnen bedeutend erhöht. Es werden 2895 Mk. gefordert, welche aus den lieber- chüssen des Jahres 1912 gedeckt werden sollen. Wir ind auf Grund des Verteilungsvlans der Regierung gezwungen, den Betrag zu bewilligen. Da indes die Erhöhung auf vermehrte Pensionierung von Lehr­personen an Instituten, wie Mittelschulen, zurückzufüh­ren ist, so stelle ich den Nebenantrag, daß der Magistrat Erkundigungen darüber einzieht, ob die Stadt Fulda, die derartige Anstalten nicht besitzt, in vollem Umfange zu den Zuschußleistungen herangezogen werden kann. — Dieser wie auch der Magistratsantrag werden ge­nehmigt.

Schluß der öffentlichen Sitzung 9,20 Uhr.

Lokales.

Fulda, 15. Apr l 1913.

# Posipersonalien. liebertragen wurde die Pustdirektorstclle in Gelnhausen dem Ober-Postinfpek- tor W e n d e I in Berlin unter Ernennung zum Post­direktor; die Verwaltung einer Stelle für Bezirks- Aufsichtsbeamte bei der Ober-Postdirektion in Kassel dem Telegrapheninspektor O. P. E. Meyer in Berlin; die Berwaltung einer Ober Telegraphensekretarstelle teste in Rheydt dem Telegraphensekretär Lotz in Fulda. — Verliehen wurde der Titel Ober-Post- affiftent dm Postassistenten Brandt in Kirchhain, Faßhauer in Hersfeld, Lecher in Schlüchtern, Mauff in Hünfeld und Otto in Homberg. — Et ats - mäßig angcftellt sind die Postassistenten Schäfer aus Cuchenheim (Kr. Rheinbach) • in Fulda, Schneider aus Hamborn-Mgrxloh in Fulda, der Telegraphenasfistent Heyer in Fulda. — Zersetzt wurden Postdirektor Behm von Gelnhau- en nach Friedland (Mecklb.), die Ober-Postassistenten D e i ft von Bebra nach Kassel, H o m u t h von Treysa nach Schleswig. Lüders von Treysa nach Kassel, Otto von Wabern nach Treysa und Postassistent R ech mann von Fulda nach Marbura^ '

— Die fleibene Hochzeit begehen am morgigen Tage die Eheleute Kohlrnhändler Joseph Wehner unb Frau Anna Maria geb. Nieblmg, Garlenstraße 18. Das Jubelpaar ist körperlich und geistig noch sehr rüstig. Möge ihnen vergönnt sein, in derselben Frische auch das diamantene Jubiläum zu begehen.

- Anisninsheim. Der vergangene Sonntag war für die Insassen des AntomushetmS ein großer Fleudentag. Nach gehöriger Vorbereitung konnten 12 Zöglinge zum ersten Male zum Tische des Herrn geführt werden. Ene Anzahl Geladener war Zeuge der Freude, die aus den Augen der glück­lichen Kinder strahlte.

* Staatszuschuß. Die Handwerkskammer zu Raf­fel gewährt dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisver­band in Frankfurt a. M. zur Durchführung der Lehrstellenvermittlung einen jährlichen Zuschuß von 300 Mk. Auf Antrag des Oberpräsi­denten hat der Minister für Handel und Gewerbe der Handwerkskammer die Hälfte dieses Betrages zu- rüderftattet. 3

— Gartenbauverein. Zur gestrigen Monatsver­sammlung in der Harmonie hatten sich nahezu hun­dert Mitglieder eingefunden. Der Vorsitzende, Herr Sell, machte bei Eröffnung der Versammlung'be­kannt, daß die Verteilung der Blumenstöcke an die beiden oberen Klaffen der hiesigen Mädchenschulen an­fangs Mai erfolgt, der Termin wird noch näher be stimüit. Herr Lehrer A g r i c o l a-Künzell hielt einen gut durchgearbeiteten Vortrag über Frühjahrsarbei­ten int Garten. Tie letzten Tage seien für den Gar­tenbau nicht günstig gewesen, doch dürfe man den Mut nicht sinken lassen, es müsse doch Frühling wer­den. Ter Redner betonte, daß frischgegrabenes Land für das Pflanzen am besten sei; gute Sämereien seien notwendig und dann nicht zu frühes und nicht zu dichtes _ Aussäen; am empfehlenswertesten sei die Reihensaat. Der Redner gab dann Winke für das Pflanzen und Pikieren (Verstopfen) der Pflanzen und hob die Notwendigkeit der Wechselwirtschaft im Gar­ten hervor. Weiter zog er in den Kreis seiner Aus­führungen das Beschneiden der Beerensträucher, die Anlegung von Rasenplätzen und den Schutz der Sing­vögel. lieber die Beschneidung von Rosenhoch- st ä m m e n gab Herr Kunstgärtner Deichmann Aus­kunft. Eine Anfrage betr. Pflege der Erdbeer- a n l a g e n wurde dahin beantwortet, daß für diese künstlicher Dünger vorteilhaft und beim Fruchteansatz reichliches Begießen notwendig sei. lieber die beste Kartoffelkultur verbreiteten sich die Herren Agricola und Pfeiffer. Die Herbstdüngung ist hier am besten, will man künstlichen Dünger nehmen, so ist 40prozentiges Kalisalz empfehlenswert, auch. Holz­asche ist gut. Bei Anpreisung von Neuheiten sei man sehr vorsichtig, die altbewährten Kartoffelsorten sind die besten. Es wurden 4 neue Mitglieder ausgenom­men und die Blumenstöcke verteilt. Die nächste Ver­sammlung ist wegen des Pfingstfestes erst am 19. Mai.

Fk. Kursus für den Mittelstand. Das Volksver­einssekretariat, welches hier schon verschiedene soziale Kurse abgehalten und angeregt hat, hat jetzt auch einen Kursus für den Mittelstand vorbereitet, der am Sonntag den 27. und Montag den 28. April, 3 Uhr nachmittags beginnend, im kath. Gesellenhause hier stattfindet. Aehnllche Kurse wurden in andern Or­ten Deutschlands mit gutem Erfolge abgehalten, und was dort möglich war, wird hier in Fulda nicht un­möglich fein. In den Kursen sollen Mittel und Wege zur Hebung der wirtschaftlichen Lage des Mit­telstandes gesucht werden. Die Angehörigen desselben sollen ihre berechtigten Wünsche äußern, damit diese eventuell den zuständigen Stellen gut; Berücksichtigung empfohlen werden. Man will ferner den Mittelstand mit seiner Standesgesetzgebnng vertraut machen und den Gebrauch der Staatshilfe und der organisierten Selbsthilfe anregen unb beleben. Die Einigkeit und die geschloffene Zusammenarbeit im Interesse der Hebung des Standes läßt gerade beim Mittelstand manches zu wünschen übrig, was allerdings in den eigenartig gelagerten Verhältnissen . eine Erklärung findet. Ein einmütiges Zusammengehen, ist aber zur Vertretung der Standesinteresien unumgänglich notwendig und wird sich bet einigermaßen gutem Willen auch erzielen lassen. Es kann nicht geleugnet werden, daß der Mittelstand sich heute in einer sehr gedrückten Sage befindet und daß er zur Hebung sei­nes Standes der Mithilfe aller wohlhabenden und staatserhaltenden Kreise bedarf, wenn er nicht im Konkurrenzkämpfe mit der Großindustrie, den Wa­renhäusern nsw. erliegen soll. Der Mittelstand wird jedenfalls die ihm von befreundeter Seite ange­botene Hilfe gerne ergreifen unb mit vereinten Kräf­ten bahin streben wollen, daß die gegenwärtige Ge­setzgebung den heutigen Verhältnissen des Mittelstan- bes entsprechend reformiert unb die Öffentlichkeit auf bie bestehenben Schaden aufmerksam gemacht wirb. Würbe er auf fremde Mithilfe verzichten, fo könnte man ihm mit Recht den Vorwurf machen, daß ihm an der Förderung und Hebung seines Stan­des nichts gelegen sei. Unter denen, die die Inter­essen des Mittelstandes bisher wirksam vertreten ha­ben, nimmt der Volksverein für bas kath. Deutsch­land eine hervorragende Stellung ein. Da er über ganz Deutschland verbreitet ist und' gute Beziehungen zu den gesetzgebenden Körperschaften und allen Ständen unterhält, kann er sowohl die Gesetzgebung als auch bie Volksmeinung unb ben Volkswillen für bett Mittelstand günstig stimmen. Tie Angehörigen des Mittelstandes — Kaufleute, Handwerker — von Fulda und Umgegend sollten es sich daher angelegen fein lassen, den Kursus zu besuchen, auch wenn eine besondere Einladung nicht an sie ergeht. Die Teil­nahme ist an keine weiteren Bedingungen geknüpft: wer erscheint, wird bereitwilligst ausgenommen; auch erwachsen aus der Teilnahme keine Unkosten. Es ist daher dringend zu wünschen, daß auch die Mittel­ftändler aus Fuldas Umgebung sich zablreich an dem Mrsus beteiligen. Alle, ohne Unterschied der Kon- seffion, sind eingeladen und willkommen. Das Programm ist folgendes: 1. bie gegenwärtige Sage des Mittelstandes unb seine Stellung in bet Volkswirtschaft: 2. Der Stand der Mittelstandsae- setzaebung unb die Wünsche des Mittelstandes: 3. Die Selbsthilfebestrebunaen des Mittelstandes: 4. Die Be- tiebungen -würben Mittelsiand unb andern Erwerbs­ständen (Konsiimverein, Gewerkschatt"n uswsi. Tie Borträae werden von Herrn Dr. H ö f l e-M.-Glad­bach gehalten. Da derselbe Dezernent in der Abtei lung für Mittelstandsfragen bei der Zentralstelle des Volksvereins ist und auch schon wiederholt solche Kurse abgebalten bat, darf er als erfahrener Fach­mann auf diesem Gebiete angesehen werden. Mögen daher die Angehörigen des Mittelstandes von Fulda und. Umgebung durch zahlreichen Besuch ihr In ter- effe an dieser V-ränstaltuna unb an dir Hebung ihres (g'.iflbeg öffentlich befunbeq,.

= Darlehen für Arbeiterwohnhäuser. Der Ge­samtvorstand der Sanbesversicherungsan st al t Hessen-Nassau hat beschlossen, die Bewilligung von Geldern zu Arbeiterwohnungszwecken davon ab­hängig zu machen, daß diejenigen Stellen, die in Zu­kunft Darlehen zum Bau von Arbeiterwohnungen nachsuchen, vorher ein Gutachten der zuständigen Bauberatiingsstelle einholen und dem Vorstände bor । legen. Bauberatungsstellen sind errichtet in Kassel, Frankfurt a. M. und Wiesbaden. .

* * Grundlätze für bie Ncbcrnahme des Heilverfahrens. Bei der Reichsversicherungsordnung gegen Jnvaudi- tät, also für Personen, die bet der Lanbesverfichcrungs- anftalt Heffen-Naffau versichert sind, tollen für die llcbernabme der Krankenfürsorge folgende Grundsätze beobachtet werden:

I. Bei Zwangsversicherten ist mindestens für bie letzten fünf Jahre eine dauernde und regelmäßige Versicherung zu verlangen, d. b. es müssen im Durch­schnitt der Jahre mindestens 40 Marken verwendet fein. Unter allen Umständen ist aber für die Uebcrnahmc der Krankensürsorge Voraussetzung, das mindestens 100 Bei­tragswochen einschließlich anrechnvngssähiger Krankhetls- zeilen oder mititäriidjer Dienstleistungen nachgewiesen sind. Gesuche, die et ft nach oder unmittelbar vor Ablauf der Unterstützung durch die Krankenkasse gestellt werden, sind abzulehnen, desgleichen Gesuche auf nachträgliche Bewilligung der Kosten f r ein bereits durchgcsührteS Heilverfahren. Kind die Antragsteller oder deren An­gehörige in der Lage, einen Zuschutz zu den Kosten des Heilverfahrens zu leisten, so ist die Uebemabnie des Heil­verfahrens hiervon abhängig zu machen. Mehr als zwei Kuren sollen in einem Zeitraum von vier Jahren nicht bewilligt werden. Die Dauer em er Kur ist, abgesehen von Lungen- und Nervenleiden, im allgemeinen auf nicht mehr als vier Wochen zu erstrecken.

II. Bei freiwillig Versicherten, denen eine son- ftige und insbesondere eine anderweit gesetzliche Für­sorge nicht zur Seite steht, kann die Krantensürforge bereits bei Leistung der Mindestbeiträge von 20 Marlen in 2 Jahren übernommen werden, iosern die Wartezeit erfüllt unr> die Anwartschaft erhalten ist.

III. Bei freiwillig Versicherten, denen im Falle der Invalidität eine anderweite Fürsorge und insbcfon- dere eine Pensionsberechtigung, jedoch abgesehen von der Fürsorge der AnaesteUten-Versicherung, zur Seite steht, soll die Krankenfürsorge nur bei Mindestleistung von durchschnittlich 30 Marken und nur bet angemessener Be­teiligung der in Betracht tommenden anderweit zustän­digen Füriorgestelle 'Behörde«übernommen werden. Auch hier ist Boraussetzung die Erfüllung der Wartezeit und die Erhaltung der Anwartschaft.

IV. Bei Versicherten, die gleichzeitig bei der Reichsversicherungsan st att für Privatan­gestellte versichert sind, sollen Gesuche auf lieber« nähme der Krankenfürsorge in erster Lime dieser Anstalt zuständigkeitshalber überwiesen werden.

Aus -em Nachbargebiete.

[:] Hilders (Rhön), 14. April 1913. Die dies­jährige Gesellenprüfung der Maurer-, Weißbinder- und Zim mererzwangsinnung findet Montag, 28. d. Mts. morgens 8 Uhr vor dem Prüfungsausschuß in Hilders für den gesamten Kreis Gersfeld statt. Anmeldungen haben bis fpälestens zum 20. d. Mls. beim stellvertretenden Obermeister Peter Trapp in Hilders zu geschehen. Zusammen­kunft der Prüflinge am Prüfungstage morgens 1I»8 Uhr im Jmmngskokale Gasthaus „Zum Engel".

4- Kreuzberg, 14. April 1913. Das Kloster Kreuzberg ist an den Wallfahrtstagen oft fchr besetzt, weshalb Touristen auf Unterkunft in dieser Zeit nicht mit Sicherheit rechnen können. E- sind dies die Nachmittagsstunden des 12. Mai, 12. Juni, 21. Juni, 12. Juli, 2. August, 17. Au-ust, 21. August, 27. August, 30. August, 6. September, 13. September, 27. September und 3. Oktober, sowie die auf diese Tage fallenden Nächte.

* tzauau, 14. April 1913. Das 6jährige Söhn­chen eines Sergeanten, das am Freitag dem Herd- seuer zu nahe gekommen war und sich schwere Brand­wunden zugezogen hatte, ist diesen erlegen. — Ein Hanauer Volksschullehrer hat in den letzten Ferien mit 12 jährigen Jungen eine Fußtour bis nach Hersfeld unternommen. Den kleinen Tour sten wurde allerorten, besonders auch in Fulda bereit« willigst Nachtquartier gewährt. Die Wanderung ist den Kindern so gut bekommen, daß sie Pfingsten wiederholt werden soll.

ch. Frankfurt, 14. April 1913. Erbitterung herrscht hier gegen die Schweinemetzger, weil sie sich bei dem andauernden Sinken der Schwemepreiie noch nicht zu einem Herabfetzen der Fleischpreise bequemen. Auf dem hiesigen Schweinemarkt herrscht ein Ueberangebot von Schweinen, das fortwährend steigt. Das Publi­kum hält bei einem Viehpreis von höchstens 61 Psg. Lebendgewicht den Fleischpreis von 1 Mk. für zu tjoeb. Uebrigens holen jetzt zahllose Frankfurter aus Höchst für sich und ihre Bekannten den Fleischbedarf, da dort das Pfund nur 80 Pfg. kostet. — Die Betriebs­kosten der Osthafenanlagen sind fo außer­ordentlich hoch, daß die Stadt genötigt ist, von den Lagerplatzpächtern höhere Mietgebühren zu erheben. Da eine Eingabe der int Osthusen ansässigen Firmen um Verringerung der Lagermieten und -gebühren ohne Erfolg blieb, haben die Kohlenhandlungen ihre Preise bereits erheblich erhöht, die gesteigerten Unkosten also auf das liebe Publikum abgewälzt.

ch. Frankfurt, 14. April 1913. Henle traf hier eine große Gesellschaft französischer Kauflente und Industrieller zu einem dreitägigen Studien- Aufenthalte ein. Am 16. April begeben sich die fran­zösischen Gäste nach Nürnberg und von dort nach Berlin und Hamburg. — Der deutsche Hand­lungsgehilfentag wird vom 14. bis 16. Jnni hierselbst feine Haupttagung obhalten.

* Wiesbaden, 14. April 1913. In einem hiesigen Hotel wurde der feit einigen Tagen hier zur Kur weilenden Baronin Diergart aus Schlebusch bei Köln, als sie einen Augenblick das Hotelzimmer veilassen hatte, Brillanten und Schmuckfachen im Werte von 12000 Mark von einem internationalen Holeldieb gestohlen. Von dem Täter fehlt jede Spur.

Inti Geisa und Umgebung.

" Geisa, 14. April 1913. Zu einer warmherzigen Tankeskundgebung für die Wohltäter unserer Ge­meinde, Herrn Hofjuwelier Louis Koch unb Frau aus Frankfurt a. M., gestaltete sich gestern nachmit­tag eine Versammlung int hiesigen Rathaussaalc. Er- chienen waren der Gemeinderat, die Spitzen der Be­hörden, Geistlichen, Lehrer und Vereinsvorstände so­wie eine Abteilung Schulkinder, um gemeinsam die Stifter der Krankenhaus-Abteilung zu ehren, die vorn Gemeinderatsvorfitzeudcn. Herrn Dr. Kiel, eingc- ührt wurden. Der Bczirkskommisfar in Dermbach iberrcichie nach einer Bcgrüßungs- und Tanicsan- prache Herrn Koch den vom Großherzog verliehenen Orden vom weißen Falken 2. Klasse. Nach dem Singen einiger stimmuugsvolftr Lieder der Schul- kivder erqriif Herr.DL_Lirl LÄemeiuderatsvor-