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2. Blatt.

Druck der kuldcer tn 5«Ida.

Fuldaer Zeitung. «•

Lokales.

Fulda, 14. April 1913.

«y« Personalien. Betriebs-Ingenieur Köhler- Fulda ist zum Eisenbahn-Ingenieur ernannt und nach Frankfurt a. M. versetzt. — Bauassistent Schenk «Flieden wurde zum technischen Eisenbahn- Sekretär ernannt. — Bahnmeister Peter in Hünfeld wurde nach Frankfurt versetzt. — Die Eisenbahn- Gebilfen Mangold.Fulda und Karl Maul 2. in Hünfeld wurden zu Unterafsistenten ernannt. — Die Hilfsbahnwärter Friedr. ÜLalter-Oberbimbach und öarbig-Fulda wurden zu Bahnwärtern betördert. — Versetzt wurde der Eisenbahn-Praktikant Teich- mann von Bebra nach Fulda. — Bausupernumerar Ley beim Hochbauamt in Homberg wurde zum Bau- sekretär ernannt und Bausekretär Tilcher in Mar­burg zum Regierungsbauselrelär befördert.

# Forstpersonalicn. Ernannt wurden zu elats- rnämgen Forstschreibern die Förster o. R. Gombert in Fulda, Sprung in Hilders, Hahn in Großen­lüder, Stiel in Gersfeld, Schulz in Fulda (Ober- sörsterei Giesel), Ziesig in Mackenzell, Döring in Burghaun, Herder inNiederkalbach, Hilzebecher in Neuhof, Wagner in Motlgers (Slerbfritz), Kalrnke in Steinau, Gondrum in Salmünster, Boblender in Marburg, Wachsmuth in Neustadt.

# Verliehen wurde den Oberlehrern, Professoren Forst und L o h m a n n zu Hanau, B u tz e r zu Frank­furt a. M., Franz zu Kassel und Sauerdorn zu Montabaur der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem Lehrer Liese zu Hanau der Kronenorden vierter Klasse und dem Oberrealschuldirektor Dr. Schmidt zu Hanau der ’ldkt der Ritter des Königlichen Haus­ordens von Hoyenzollern.

Es Arbeitsjubiläum. Am Samstag konnte der Schlosser a. B. Friedrich Hahn hier auf eine 25- jährige Tätigkeit in der Eisenbahn «Hauptwerkstätte zurückblicken. Von der Direktion erhielt er ein Ehren­geschenk.

§ Die Elsenbahusekretiir-Prüfmig bestand in Elber­feld der technnche Büroaspirant 1. Kl. Gersten- berg, beim Werkstättenamt Fulda tätig.

❖ Rhönbahn Fulda-Dipperz-Poppenhausen. Zu der Angelegenheit diese- Bahnprojektes wurde am Donnerstag voriger Woche einer Kommission, be­stehend aus den Herren Oberbürgermeister Dr. Antoni, Pfarrer Ncy-Dippcrz und Bürgermeister Bub-Poppenhausen, eine Audienz vom Eisenbahn­minister in Berlin gewährt. Der Minister hat sich sehr wohlwollend über bas Projekt ausgesprochen, und will auch veranlassen, daß bei bet Vergrößerung des Bahnhofes Fulda auf diese neue Zweigbahn Rücksicht genommen wird, lieber den Zeitpunkt der Ausführung des Projektes konnte der Minister eine bestimmte Zusage nicht geben. Man darf aber wohl annehmen, baß durch diese Aussprache das Projekt der Verwirklichung einen Schritt näher gekommen ist.

F. Patronatsfest des katholischen Gesellenvereins. Wie herkömmlich feierte gestern der Gesellcnvercin das Schutzsest des hl. Joseph in kirchlicher und welt­licher Weise. Am Nachmittage fanden sich mit dem genannten Verein der St. Jofephsverein kath. Arbeiter, der Männer- und Meisterverein und der Gesangverein „Winsridia* mit ihren Bannern in der Marienkapelle des Domes ein. Nach der Festpredigt des Herrn Domkaplan Möller fand eine faklamentale Andacht statt, bei welcher die Säuger des Gesellenvereins das wuchtige »Erfreue Dich Himmel" und das liebliche von Lehrer Sauer umge- nrbeitete Lied »Heiliger Joseph, hör uns flehen", des Domkapitulars Müller vortrugen. Ter Abend brachte eine gutbesuchle Familienfeier im Festsaale des Gesellcnhauses. Die Jünglingskapelle der Dom­pfarrei stellte die Musik und die Gesangsabteilung des Gesellenvereins errang sich ungewöhnlichen Beifall. Der Gesellenpräses widmete, "da gleichzeitig 16 neue Mitglieder, die seither dem ftadtptarrlichen Jugendverein angehörten, feierlich ausgenommen wurden, seine Worte besonders dieser Jungmann- schast, indem er ihnen die Ziele des Vereins vor Augen führte, die Kolping dem Gesellcnverein gesteckt hat. Da es in diesem Jahre 100 Jahre werden, daß Kolping geboren wurde, gab der Präses ein anschauliches Lebensbild des Gründers der Gesellenvercme und hob dessen zähe Ausdauer hervor. In 1221 Vereinen vereinige das Werk KolpingS jetzt 80000 aktive Gesellen und 132000 Ehrenmitglieder, in den 380 Gejellenhäusern ivohnlen ständig 5600 Gesellen; im Jahre 1910 schielten dort 96068 wan­dernde Mitglieder freie Herberge und Verpflegung. Es sei erfreulich, daß auch der Fuldaer Verein sich

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Der Gras von Tarent.

88] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Dio Zeit verging. Schweigend saß der Prinz am Bette seiner jungen Frau und betrachtete sie voll Sorge und Teilnahme. Der Zeiger der Uhr wies nahe auf Mitternacht. Zweimal hatte sich der furcht­bare Krampf unterdessen wiederholt. Sic lag wie schlafend, aber sie schlief nicht. Immer hatte ihre Hand die seine gesucht; wenn der Krampf vorüber war, hielt sie ihn dann fest, als wollte sie ihn nim­mer lassen. Ihre Augen hingen an ihm, gläubig, oertraucnd, verzehrend. Die Kranke glühte von Fieber.

Der Arzt war längst gekommen. Mit Bestürzung hatte er emcn der Krampfanfälle gesehen. Dem Prinzen, der ihn stumm mit den Augen befragt hatte, hatte er ein furchtbares Wort ins Ohr ge­flüstert:

„Gift!"

Die junge Frau war für einige Minuten ringe - schlafen gewesen in ihrer Schwäche, da hatte er feine Hand aus der ihren gelost und der Arzt und er hatten Umschau gehalten in den Räupren und das Fläsch­chen beim offenen Fenster gefunden. Der kleine, silberne Löffel, der daneben lag, war in der Höhlung schwarz geworden. Tie Zofe konnte über das Fläsch­chen keine Auskunft geben, sie konnte nur sagen, daß die Gräfin, als sie mit dem Baron von einer Reise zurückgelehrt war, es mit einem anderen Fläschchen auf den Toilettenttsch gestellt habe. Die Gräfin war damals verwirrt gewesen- Das alles war am selben Übend gewesen, da das Kind im Meere verunglückt sei, sie erinnere sich nur zu wohl.

„Ist keine Hoffnung?" fragte dann der Prinz len Arzt. Bedenklich schüttelte dieser den Kopf.

.Leine, — absolut keine!" antwortete dieser. „Diese Substanz hier ist ein höllisches Gebräu, und das Eist ist 6-t der Kranken längst ins Blut überge­gangen. Kein Erbrechen hilft in diesem iZalle. « i Kein Mensch hat je gelebt, der ihm

widerstehen gekonnt. Als ich in Rom studierte, hörte ich, daß nur eine Person lebe, welche die Zu-

in autsteigender Linie bewege. Die Zahl bet aktiven Gesellen betrage über 150. Die unermüdlichen Turner stellten hübsche Pyramiden, zeigten ihre Kunst an mehreren Geräten und als Athleten; auch die AIterS- riege trat mit Stabübungen auf. Herr Jnstru- mentenmacher Mollenhauer erfreute die Versammlung mit einigen Sololiedern. Zum Schlüsse wurden auch einige humorvolle Bühnenstücke gegeben, die ein Sturm der Heiterkeit hervorriefen.

-2- Schauturnen der kathok. Zugenddereine. Zum ersten Male gaben gestern nackmittag die Turn­abteilungen des Gesellenvereins, des dompfarrlichen JünglingsvereinS und des stadtpfarrlichen Jugend- verems im großen Saale de? Gesellenhauses ein Schauturnen. Es hatten sich dazu eingefunden die Herren Landrat Frbr. v. Doernberg, Oberbürgerm ifter Dr. Antoni, Magistratsmitglieder und Stadwerord« uete, der Diözesanpräses der kath. JünglingSvereine Prof. Dr. Leimbach und der Diözesanpräses der kath. Gesellenvereine Pfarrer Mert, der Klerus bet Tom- und Stadtpfarrei, Kreisschulinspekror Wulf re. Der Präses des Gesellenvereins, Herr Stadtkaplan Kräh, hieß alle Gäste herzlich willkommen. Die Veran­staltung, so führte er aus, solle ein DankeeerweiS sein für das Wohlwollen der staatlichen und städtischen Behörden den Jugendvereinen gegenüber. Die Ver­eine pflegten die Siebe zu Golt, die Liebe zum Vater­lande, die Liebe zum Kaiser. Nun entstand ein edler Wetteifer unter den fast hundert Turnern der genannten drei Jugendvereine. Unter den Klängen eineS schneidigen Marsche? der Musikkapelle des Jünglings« Vereins der Dompfarrei trat die erste Abteilung unter Leitung des Herrn Lehrers Dietrich auf und führte Freiübungen vor, denen dann Geräteübungen folgten. Von der Musikbühne herab erschallte, kraftvoll vor­getragen von der Gesangsabteilung deS Gefellenver- eins, »Lützows wilde verwegene Jagd". Auch daS neugegrilnbcie Streichorchester des JünglingSvereins der Stadtpfarrei ließ sich hören und fand aufmerk­same Zuhörer. Wieder ein anderes Bild: Mit einem TrommlerkorpS kommt die Turnabteilung deS letzt­genannten Vereins, kommandiert von Herrn Ober­postassistent Kuhn, anmarschiert. In vier Riegen wird an verschiedenen Geräten gleichzeilig geturnt. Mit Spannung erwartet ziehen die Turner des Gesellenvereins auf; sind doch unter ihnen preis­gekrönte 5kolpingsturner. Tie Darbietungen am Pferd, Bock, Barren und Reck zeugen von eifriger Hebung und großer Geschicklichkeit. ^Besonderen Bei­fall sanden die kombinierten Hebungen an Barren und Reck. Tie Gefamtleistungen der drei Vereine ließen erkennen, daß in ihnen einem edlen Sportzweige mit Interesse und Erfolg gehuldigt wird. Der Bei­fall blieb deshalb nicht aus. Die Ehrengäste äußerten sich wiederholt lobend über die Leistungen der Turner und verließen den Saal mit hoher Befriedigung.

: : Konzert des evaug. Kirchenchors. Das gestrige Konzert des ev. Kirchenchors war gut besucht. Tas feinsinnig zusammengestellte Programm, das bei vol­ler Wahrung des einheitlichen Grundzuges, der bei einem Kirchenkonzert sich von selbst ergibt, viel Ab Wechselung bot, fesselte die Zuhörer bis zum Schluß. Ter erste Teil des Konzertes brachte eine Kantate für Soli, Chor, Orgel und Streichorchester von Mar­tin Grabert: „Pharisäer und .Zöllner." Der Kom­ponist, ein Schüler von Max Bruch, hat mit seinen Werken schon wiederholt Preise errungen. Er besitzt künstlerische Eigenart, kernige Frische und drama- 'tische Gestaltungskraft. Im zweiten Teile hörten wir die berühmte Arie aus „Elias": „Es ist genug", das herrliche „Agnus Dei" von Mozart und mehrere Lieder. Ferner 2 ä capella-Chöre: das innig em­pfundene „O bone Jesu" vyn Paleftrina und ein feierliches „Sankrus" von Runzenhagen und zum Schluß die reizvolle Arie „Wie lieblich ist der Boten Schritt" mit dem, in schönem Kontrast dazu stehen­den kraftvollen Chor: „Ihr Schall geht aus" aus Händels Messias. — Der nicht sehr starke, aber treff­lich geschulte Chor sang unter der Leitung seines be- toährten Dirigenten, des kgl. Musikdirektors Herrn G. Leber, mit prächtigem Wohlkang und erstaun­licher Klangfülle. Die gute Durchbildung der Stim­men kam ganz besonders bei den a eapella-Ehören, die tote sämtliche übrigen Chöre sicher und rein ge fungen wurden, zur Geltung. Die Sopranpartie hatte in Frau Elisabeth Wohlfahrt aus Hanau eine sehr gute Vertreterin. Ihre klangreiche Sopran­stimme zeigte sich ausreichend und wirkungsvoll. Der Bassist, Herr Albert Sehberth aus Wiesbaden, dessen schönes Organ durch eine kleine Indisposition etwas beeinträchtigt erschien, sana mit lebensvoller Jnterpratation und guter Technik. Würdig reihte

bereitnng des Giftes verstehe — man nannte auch ihren Slamen, es ist ein berüchtigtes und gefürchtetes Weib — man nennt es die Cisarelli."

Der Prinz war erbleicht. Er wußte genug. Die Mutter mußte aus Versehen das Gift getrunken ha­ben, das ein anberer ihrem Kinde bestimmt hatte.

Er zog nun ein kleines Buch aus der Tasche und schrieb aus eines der kleinen Pergamentblätter einige Zeilen: \

„Isidor Baruch! Bringet' einer sterbenden Mutter ihr Kind! Eilet — Minuten sind Stun­den!"

Der Prinz blieb in der Burg, in seinem Heim; nichts um alles in der Welt hätte ihn veranlassen können, das Lager Anitas zu Verlagen. Auch der Arzt blieb in der Burg, wenn er auch nicht helfen konnte. Tie Stunden schwanden dahin. Die Krämpfe wiederholten sich und die Kranke wurde schwächer und elender.

SfT§ der Morgen graute, sah sie dem Gatten mit einem seltsamen Blicke ins Gesicht und murmelte dabei:

„Lieber, Teurer, es ist das letzte Mal, daß ich das Erwachen des Tages sehe, ich suhle, daß ich sterben muß. Wollte Gott, ich hätte mein Kind noch ein­mal gesehen."

„Wie bist Du dazu gekommen, Gift zu nehmen?" fragte er mit leisem Dorwurfe.

Sie junge Frau sah ihn verwundert an. „Gift? Ich weiß nichts davon — die Zigeuneren verkaufte mir Tropfen, die die Schönheit erhalten. — Liebster Enrico, ich wollte Dich an mich feffeln — die Vor­sehung hat c-5 anders gewollt. Ach, rnern Kind, mein Kind!"

Ter Prinz hatte angstvoll die Stunden gezählt, seit er zu Baruch gesandt. Er hatte erfahren, daß die Schaluppe eine Stunde nach der erhaltenen Bot­schaft drallßcn auf dem Meere toam das Wetter war günstig, wenn nichts Ilnvorbergesehenes dazwischen kam, mußte der Knabe bereits unterwegs sein Be­sorgt schaute er die Kranke an, sie ging sichtlich ihrem Verfall entgegen- Als die ersten Sonnen­strahlen ins Gemach leuchteten, kam der Priester. Es war der Pfarrherr derselben Kirche, in der Graf

sich den beiden unser heimischer Sänger, Herr Paul D u w e, an, der mit seinem glockenhellen Tenor seine Partie sehr zu Dank sang und besonders die Rezitci- tive vortrefflich behandelte. Die umfangreiche Orgel, begleitung wurde von Herrn Kantor Hofmann mit vollkommener Beherrschung des Instrumentes ausgeführt. Als Solonummer spielte er die Fuge in G-dur von Bach. Recht anregend und mit feinster Phrasierung spielte auch das kleine Streichorchester, das aus Mitgliedern der hiesigen Mllitärkapelle be­stand und sein gut Teil zum Gelingen des Konzerts beitrug.

(—) Aatnrheilvertin. Am EamStag sprach in der »Harmonie* am Veranlassung des NaturheilvereinS Herr W Barnbeck«Kasiel über »Frühlingskuren'. Redner erklärte zunächst, warum es ang.bracht fei, sich im Frühling einer Kur zu unterziehen. Die Morschen leben im Winter im allgemeinen noch naturwidriger als im Sommer. Sie bewegen sich nicht genügend in frischer, reiner Luft, hatten sich am Tage und nachts vorwiegend in schlecht gelüfteten und überheizten Räumen aus, atmen falsch und ver- mehren die dadurch bedingte Sätteverschlechterung noch durch Zuführung allzu eiweißbaltiger Nahrung. Der ErneuerungSprozeß, der im Frühjahr in der ganzen Natur vor sich geht, erstreckt sich auch auf den menschlichen Organismus. Dieser sucht sich der angehäusten fchädltchen Stoffe zu entledigen. Dabei geht eS oft nicht ohne schmerzhafte Erscheinungen, manchmal auch nicht ohne ernste Krankheiten ab. ES ist gut, wenn man den Körper bei seinem ReinigungS- bestreben unterstützt durch vermehrte Bewegung im Freien, durch tägliche Lichtlust-Bäder, durch Zufuhr reiner Nahrung (Obst, Gemüse, Salat und bergt). Der Redner erläuterte dann eingehend die Ausführung seiner Winke und Ratschläge zur Ueberwindung und Verhütung zahlreicher Frühjahrslerden, zu natur­gemäßer Lebensweise im Frühjahr und zur Anwen­dung sog. »Flühlmgskuren'. Die Anwesenden folgten dem klaren, leichtverständlichen Vortrage mit Auf­merksamkeit und spendeten lebhaften Beifall. Nach Schluß deS Vortrages blieb man noch eine Weile beisammen, um an den von verschiedenen Mitgliedern und Freunden des Vereins bargebotenen musikalischen und gesanglichen Leistungen sich zu erfreuen.

(*) Radsahnr-Unsall. Gestern mittag stießen zwei Radfahrer auf der Leipzigerstraße aufeinander. Der eine stürzte dabei so unglücklich, daß er ein Bein brach; er wurde nach dem Landkrankenhause gebracht.

X Eine Skldbarse mit 16 Mark Jnhatt wurde am Samstag von einem zurzeit zum hiesigen Feld­artillerie-Regiment kommandierten Feuerwerker in einem Abieilbes EilzugeS, der mittags 12.05 Uhr in Fulda ankommt, gefunden und auf der Station Hün­feld einem Eisenbahnbeamten übergeben. Vermutlich ist der Verlierer ein Fuldaer.

d. Zar Beachtung in Berwaltungr-rozesfen. Vor dem Bezirks ausschuß zu Kassel hatte der Metzger- meister M. zu Fulda geklagt, roetl er sich zu Unrecht zu einer Gebühr auf Grund de? Kommunalabgaben. gesetzeS hevangezogen glaubte. Der Bezirksausschuß hatte die Klage abgewiesen, weil der Einspruch nicht ordnungsmäßig erhoben sei, der die unerläßliche formale Voraussetzung für die spätere Klage bilde. Nach § 69 bet Xommunalabgabengesetzes muß näm- lich ber Klage der Einspruch voraus gehen, der dem Abgabepflichtigen gegen die Heranziehung zu Ge­bühren, Beitragen, Steuern und Naturaldiensten zusteht, waS binnen 4 Wochen beim Gemeinde« varstand einzulegen ist. M. hatte zwar den Ein­spruch rechtzeitig erhoben, aber er hatte in ihm nicht klar gesagt, ob er die Veranlagung ihrem ganzen Umfange oder nur ihrer Höhe nach ansechle. Jedoch hatte er bargelegt, baß und warum er der Meinung sei, die Gebühr sei von ihm zu Unrecht gefordert worben. Der Bezirkattsfchuß wies in seinem abweisenden Urteil darauf hin, daß nach der Recht­sprechung des Oberverwaltungsgerichts ber Einspruch, wenn er nicht völlige Freistellung, fonbern nur Er­mäßigung zum Ziele habe, bte behauptete Ucber» vürvung ziffernmäßig bezeichnen oder doch diejenigen tatsächlichen Unterlagen enthalten muffe, aus denen sich die Höhe der beanspruchten Ermäßigung berechnen taffe. Diesen Eriorderrnffen fet in dem Einspruch des M. niht genügt. Gegen die Entscheidung des Bezirksausschusses legte ber Kläger Revision beim Oberverwaltungrgericht em. Er behauptete, »er Wortlaut bei Einspruches sei dahin zu verstehen gtreflen, baß er gegen die Heranziehung im Ganzen gerichtet gewesen fet. Und daS genügt nach der Recht« tPre^mH deS OderverwattungSger chtes. Der höchüe UertchtShsf gtti der Revision statt, in dem er daS

Tarent einst ztstatmnengebrochen war, derselbe Geist­liche, der ihn zu Grabe geleitet.

Ansta und der Priester blieben allein. Sie beich­tete.

Der Gatte hatte verziehen, Gott würde auch einer reuevollen Sünderin verzeihen. Nachdem sie die hl. Wegzehrung erhalten, schlief Anita mit einem glücklichen Lächeln auf beit Lippen ein. Einmal nur mehr sollte sie wieder erwachen und dann schlafen für immer.

Der Geistliche und der Prinz standen nun am frühen Morgen am Fenster und schauten hinaus in die von der Sonne beleuchtete Landschaft. Der Prie­ster wußte alles; der Bote, der ihn geholt, hatte ihm alles erzäblt. Das Wichtigste erfuhr er vom Prinzen selbst.

Den Felsenpfad herauf kam eine Gruppe Men­schen — än der Spitze Isidor Baruch, der mit hasti­gen Schritten sich näherte. An der Hand führte er­eilten kleinen Knaben. Der Prinz eilte ans dem Zimmer, sprang die Treppe herunter und eilte der Gruppe entgegen. Er hob den Knaben auf seinen Arm und herzte und küßte ihn. dabei hörte er mit halbem Ohre, wie der Hebräer ihm erzählte, daß es nicht möglich gewesen sei, auch nur eine Minute ftüher einzutresfen.

Die Dienerschaft der Burg drängte sich an den Vater und ait das Ktnd heran. Man küßte den bei­den die Hände, die Kleider, abwehrend trug b:r Prinz den Knaben in das Sterbezimmer.

Die Kranke toar erwacht. Mit verklärten Zügen schaute sie auf ihr Kind. Verwundert und scheu schaute das Kind auf die Frau.

„Enrico, armes Kind, ich gehe zunt Himmels vater und bitte für mich und für Dich", schluchzte die Unglückliche.

„Zum Himmelsvattr", wiederholte das Kind, dann nach einigem Besinnen fuhr es fort:

„Der - Himmelsvater ist gut — recht gut!"

„Wer hat Dich das gelehrt, Herzenskind?" fragte Anita.

Die Türen standen nun weit offen, die ganze Dienerschaft der Burg stand im Zimmer ober drau­ßen im Korridor und alles schaute mit nassen Augen auf bte Szene.

JVs 85.

Montag U. April 1915.

Dorderurteil aufbob und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an den Bezirksausschuß zurück verwies, bet nunmehr bte Einwände des Klägers zu prüfen baden wirb. — Die Heranziehung bes M. richtete sich gegen die Heranziehung zur Schlachthaus« gebühr. In bem Prozeß brebte sich ber Streit u m die Giltigkeit bes OrtSrechts, bas bte Grundlage ber Heranziehung bilbete.

s. AIS Vergütung für Fonrage, bte im Monat März geliefert wurde, sind pro Zentner folgende Preise für die Kreise Fulda, Gersfeld, Hünield und Schlüchtern festgesetzt: Für Hafer 9 Mark 98 Pfg., für Heu 3 Mark 57 Pfg. und für Stroh 2 Mark 36 Pfg.

* Militärisch' S. In der Provinz Heffen-Naffatt traten im vergangenen Jahre insgesamt 37 Volks- schullehrer zur Ableistung ihres Militärjahres in daS Heer ein. Von diesen zum Militärdienst eingezogenen Lehrern dienten 18, also 48,65 Proz., als Emjäbrig- Freiwillige. Im Jahre zuvor dienten 67,86 Proz. der Lehrer als Einjährig-Freiwillige. Im ganzen deutschen Reiche traten 2496 Lehrer zum Militär ein. Von ihnen dienten inSgeiamt 1107 i’ebrer (44,3E Prozent) al« Einjährig-Fretwlllige (gegen 43,95 Proz im Jahre zuvott.

X Die militätischen Feier« zum Regierungs- jubiläum des Kaisers im Juni find jetzt sü, die preußische Armee festgelegt. In sämtlichen Standorten finden am 15. Juni, also am Todest-ige Kaiser Friedrichs, in allen Garmsonkirchen und Militärgemeinden besondere Gottesdienste statt. Am Montag, den 16. Juni erfolgt ein großes Wecken und große Paroleausgabe; außerdem wird bei den einzelnen Truppenteilen Appell abgehalten.

-4- Frühliogßwtnter. Der Frost hat uns übel mit« gespielt. In der Sonnkag-Nacht erreichte die Tem« peratur 6—7 Grad unt.t Null und ist bann am gestrigen Tage und in ber letzten Nacht zum Glück wieder gefallen. Immerhin steht es außer allem Zweifel, baß bte Kälte großen Schaben anaerichtet hat. Von auswärts werden starke Schneefälle ge­meldet, so daß in den Großstädten die Schneeabfuhr wieder ausgenommen werden mußte. In ber Rhön liegt ber Schnee in ben höheren Lagen durchschnittlich 25 Zentimeter hoch, und bie Schiläufer, etwa 20 hier aus Fulda, konnten gestern beim schönsten Wetter noch einmal nach Herzenslust über die glitzernde Fläche gleiten.

st. Fußball - Sport. Die gestrigen Fußball - Wett­spiele hatten folgende Resultate: Die erste Mann­schaft Dorussias gewann gegen die gleiche Mannschaft des Spielvereins »Germania" mit 6:1 Toren. Dte dritte Mannschaft Boruisias gewann gegen den Fuß- ball-Klub mit 6:1 Toren. — In Kassel spielte B. f. B. Marburg gegen den Kaffeier Fußballoerein um die hessische Meisterschaft das Schlußspiel. Ter Verein für Bewegungsspiele Marburg ging nach zweimaliger Spielverlängerung mit 3:2 als hessischer Meister hervor.

— Achte» Abonnementskonzert. Das in vorige: Woche besonderer Umstände halber verlegte letzte dies winterliche Abonnementskonzert des T r o m v e t e r k o r p i unseres Feldartiüerie-Regiments findet bestimmt am nächsten Mittwoch abend im Saale des Rürger- vereinshauses statt.

Aus Mrche und Schule. .

(?) Fulda, 12. April 1913. An demselben Tage, an dem in Malta der internationale eudiariftt d)t Kongreß eröffnet wird, am 23. April, wird in Fulda, wie schon mitgeteilt, bie zweite Eucharistische Priester- versammlung (Priester-Anbetungsverein) stattfinden mit folgender Tagesordnung: 10 Uhr: Feierliches Pontifikalamt im Dom; 11 Uhr: Vortrag: »Eucharistie und Seelsorge", gehalten von Herrn Pfarrer Büttner; 121/» Uhr: Gemeinsames Mittagsmahl im Priester­seminar; 2Vt Uhr: Vortrag des Herrn Pfarrers Schlitt: »Die tägliche Anbetung des Priesters";' 4 Uhr: Oeffentliche Anbetungsstunde im Dom, ein­geleitet durch eine Ansprache. — Hoffentlich wird auch die zweite eucharistische Versammlung in Fulda, wie bte erste vor drei Jahren, eine eindrucksvolle Kundgebung ber Liebe und Verehrung zu Qeiu§, Christus im allerheiligsten Sakramente werden 1

Ami Geisa und Umgebung.

♦ Keisa, 12. April 1913. AuS dem Großh. Sachsen-Weimar sind im letzten Jahre insgesamt 22 Lehrer zum Heer eingetreten, um ihrer einjährigen

„Die neue Mama hat mir das gesagt", erzählte der Knabe.

Die Kranke richtete sich mit der Aufbietung ihrer letzten Kraft im Bette auf. Ihre Hand legte sich auf den Scheitel des Knaben. Der Arzt stützte die Sterbende.

„Kind, sage mir, ehe ich fortgehe für immer, hast Du mich ein" wenig ließ?" Die Kranke hatte die Worte mühsam hervorgebracht.

Das Kind überlegte einen Augenblick. „Ja, aber Du mußt mir auch gut fein!"

Ein Stöhnen entrang sich ihrer Brust. Der Prinz wollte das Kind nehmen, ihr weitere Qualen zu erf baren. Sie wehrte ihm.

„Hast Du auch die andere.— die — neue Marne — lieb?"

Freudig erglänzte es in den Augen des Knaben. Er streckte die beiden Arme aus,- so weit er konnte, und wollte bafhit das bedeutendste ihm zur Ver­fügung stehende Maß andeuten.

" „Ja, viel lieb, so viel!"

Erne Weile lag sie mit geschlossenen Augen da. Als sie sie wieder öffnete, fiel ihr Blick auf den Gatt tcn.

„Lieber, beuge Dich nieder zu mir'f, bat sie.

Er gehorchte dem Wunsche und fein Ohr nähens sich ihrem Munde.

„Enrico, küsse mich", bat sie leise, „nur einmal — ein einziges Mal, ich kann dann bester schlafen in. meinem Grabe!"

Da stürzten ihm die heißen Träiren aus den Augen und fielen nieder auf bie fahlen Wangen der Scheidenden, und er preßte seinen Mund auf den ihren und sie hielt ihn 'umschlungen mit ihrer letzten Kraft und nun hatte sie nichts mehr zu wünfchen auf dieser Erde.

Der Arzt trat mahnend herzu. Sanft ließ der Gatte die garte Gestalt zurücksinken in die Kiffen — sie war tot!

In seinen Armen war sie gestorben, ein zufrie­denes seliges Lächeln auf den Lippen.

* *

(Schluß folgt