Einzelbild herunterladen
 

2. Blatt. ,

T t- -w -> y .

Brutf ter Sultcer AcliendruSerei in Seite. ’

ZuWaer Leitung ♦ *r*

84.

Samstag 12. April 19(5.

Lokales.

, • Fulda, 12. April 1913.

# Personalien. Dem Rechtsanwalt und Notar Dachhaus in Treysa wurde der Charakter Justiz­rat verliehen. — Vom 1. Juni ab ist dem Förster Blöcher zu Salaburg die Försterstelle in Haine in der Oberförsterei Frankenberg und dem Förster A p e l zu Burgholz die Försterstelle zu Elnhausen in der Oberförsterei Elnhausen lKr. Marburg) über­tragen worden. — An Stelle des in den Ruhestand getretenen Polizei-Kriminalkommissars Maethner wurde der Polizei-Kriminalkommissar Kundt von Kiel nach Kassel versetzt. — Die Kanzlei-Diätare Ruthe und Weise wurden zu Regierungskanz­listen ernannt.

# Verliehen wurde dem Lehrer Ludorf zu Fritzlar der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern und dem Eisenbahn-Tirektor Hals­band zu Kassel aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand der Kronenorden 3. Klasse.

/A Befitzwechskl. Das den Gerhard'scken Erben gehörige Haus Florengaffe 8 ging für 6500 Mark durch Kauf in den Besitz des Geschäftsführers im Springmann'schenSchuhwarenhaus, Herrn Scheuer- mann, über.

E Unterschlagung beging der bei der Bahnmeisterei t Fulda angestellle ungefähr 19jährige H. Einen Ein- sckreidebrief mit 28 Mk. Inhalt, für eine Dienststelle bestimmt, eignete er sich rechtswidrig an. Obwohl fein Vater den Betrag ersetzte, verlor der Sohn seine Stellung.

c -T- Heimische Arbeit. Heute morgen wurde ein etwa 22 Zentner schwerer Kassenschrank, welcher von der als Tabernakelbauanstalt rühmlichst bekannten Firma Joseph Schick hier angeferligt wurde, an die katholische Gemeinde Petersberg abgeliefert. Die Arbeit kann, sowohl was äußere Aufmachung als Konstruktionssicherheit betrifft, mit den Erzeugniffen von Großfirmen konkurrieren. DaS Schloßwerk, ein Original-Patent-Prolektor mit Drehgriff, ist gepanzert und pulverstcher. Federleicht werden 12 etwa 5 Zenti­meter starke Stahlbolzenriegel durch ein Schloßgetriebe in Bewegung gefetzt. Ein zweitüriger Tresor im Innern ist für sich wieder durch zwei verschiedene Schlösser verschließbar. Unter diesem Tresor befinden sich nebeneinander zwei Schiebladen mit einer heraus­ziehbaren Zahlplatte; zwei verstellbare Emlageböden ermöglichen die sichere Unterbringung von Kelchen, Monstranzen und anderen Werisachen. Die schwere, korrekte Arbeit ist ein ehrendes Zeugnis für das unentwegte Vorwärtsstreben und die Schaffenskraft ihres Meisters.

V Wir bitten um Abhülse k Gegenwärtig finden in Fulda und Umgebung wie alljährlich die Kontra ll- Versammlungen statt. Was sich bei diesen Konlrollversammlungcn die hiesige Bevölkerung seitens des Bezirksoffiziers oft bieten lassen muß, grenzt ans Unglaubliche. Es muß vor der Oeffentlichkeit einmal ausgesprochen werden, daß die Arl und Weise, in der vaterlandsliebende, königstreue Männer, die den Rock des Königs in Ehren getragen haben, bei den Fuldaer Kontrolloersammlungen behandelt werdcn, geraden, unerhört ist. Seit Jahren schon läßt sich die Bevölkerung diese in anderen Städten undentbare Behandlung gelallen; em Zeichen recht großer Gut­mütigkeit! Es ist eine Ungehörigkeit seilens des dienst­tuenden Offiziers, die zur Kontrolle versammelten „Leute" emlach „Ihr Kerle" oder „Ihr Lümmel" anzureden, von anderen Ausdrücken, die sich zur Wiedergabe an d efer Stelle nicht eignen, ganz zu schweigen. Der Bezirksolfi ier ist ganz gewiß nicht beru en und berechtigt, derartige beleidigende Anreden zu gebrauchen, wie sie bei den Fuldaer Kontrob» Versammlungen geradezu an der Tagesordnung sind. In einer Zeil, in der Dtilllardenopser vom deutschen Volke V . Heere' '.wecke verlangt werden, sollte es auch ein Bezirksoffizier klar sein oder tlar zu machen sein, oaß er gegenüber der Bevölkerung Rücksichten zu nehmen hat. Für Offiziere, die die Bevölkerung beleidigen, will kein Mensch gerne Ower bringen.

Fk. Die Sozialstudentischc Ferienvereinigung hielt gestern vormittag in der Harmonie eine verhältnis­mäßig gutbesuchte Versammlung ab, in der Herr Redakteur Bergmann-Köln über die Eigenart der deutschen Arbeiterbewegung referierte. Redner charak­terisiere kurz die englische, amerikanische und fran­zösische Arbeiterbewegung und schilderte dann die deutsche Arbeiterbewegung, welche von vornherein kein einheitliches Gepräge getragen habe. Die so­zialistische Arbeiterbewegung stelle zwar mit ihrer hohen Mitgliederzahl und ihren gefüllten Kaffen nach außen eine Macht dar, jedoch würde sie au innerem

Gehalt und Wert von der zweitstärksten deutschen Ar­beiterbewegung, der christlich-nationalen übertroffen. Diese habe heute im volkswirtschaftlichen und öffent­lichen Leben einen großen Einfluß erlangt und im Arbeiterstande eine gute Erziehungsarbeit geleistet; ihre Mitglieder seien durchweg überzeugirngstreue Anhänger und Bditarbeiter. Tas starke Anwachsen der sozialistischen Arbeiterbewegung beruhe weniger auf der Ueberzeugung ihrer Mitglieder, als auf deren Unzufriedenheit, die sich aus der früheren Massen­armut, den Reglementierungen des früheren Poli­zeistaates, der verflossenen zügellosen Gewerbefrei­heit, der freigeistigen Wissenschaft und dem Abschlie- ßen der gebildeten Volksschichten von dem Arbeiter­stande ergeben habe. In letzter Hinsicht sei durch die sozialstudentische Bewegung eine Besserung ange­bahnt worden, die ihre günstigen Wirkungen haupt­sächlich in der Zukunst zeigen werde. Die Eigenart des deutschen, speziell der christlich-nationalen Ar­beiterbewegung liege in ihrem inneren Werte. Sie sei keine rein wirtschaftliche, sondern eine Erziehungs­und Kulturbewegung van großer Bedeutung, welche in ihrer Gesamtheit mit den geistigen Strömungen des Volkslebens innig verbunden sei. Als eine machtvolle Bewegung stehe sie im öffentlichen Leben, und in der Lenkung der Geschicke des deutschen Vol­kes fei ihr eine bedeutsame und ausschlaggebende Rolle zugeteilt. Die deutsche Arbeiterbewegung in die bürgerliche Gesellschaft einordnen zu helfen, müß­ten sich alle staatserhaltenden Kreise angelegen fein lassen.

J> Kettengkbet. Zur Zeit werden wieder hier in der Stadt Briefe mit sog. Kettengebeten versandt. Wir haben vor nicht langer Zeit schon auf diesen Unfug hingewiesen und warnen nochmals, solche Dummheiten weiter verbreiten zu helfen. Selbstver­ständlich ist niemand, der einen derartigen Zettel erhält, irgend wie verpflichtet, weder zur Verrichtung des Gebetes noch zur Weitergabe des Brieses. Letzteres soll man auf jeden Fall unterlassen.

L- Eine Frostnacht liegt hinter uns. Das Thermo­meter sank stellenweise auf 3—4 Grad Kälte. Damit sind manche Hoffnungen der Gartenbesitzer zu Schanden geworden. In den Vorgärten, die vielfach schon in schönem Blütenschmuck prangten, lassen Tulpen und Hyazinthen traurig ihre Köpfchen hängen. Auch die jungen Triebe der Staudengewächse neigen sich stark abwärts. Der bereits angepflanzte Frei'andsalat ist wohl durchgehends verloren. Ob die Beerensträucher gelitten haben, wird man erst in den nächsten Tagen feststellen können. Ein Glück ist es, daß die Obst­baumblüte noch meistenteils zurückgeblieben ist.

V Die Zentralsterbekasse „Leo" in Köln, der auch hiesige katholische Vereine angeschlossen sind, hat ihren 17. Rechenschaftsbericht herausgegeben. Wir entnehmen ihm. daß das Geschäftsjahr 1912 wiederum das Bild einer erfreulichen, durchaus gesunden Weiterentwickelung ge­zeigt hat. Die Zahl der Kassenmitglieder stieg im Jahr 1912 um 7097, die Zahlstellen um 73. Bis zum 1. April 1913 vermehrte sich die Anzahl der versicherten Mitglieder auf über 71000 und die Anzahl der Zahl­stellen auf 680. Die Zahl der Sterbefälle feit Bestehen der Kasse stieg auf 5391 mit 499,366 Mk. Tie Jahres, einnahme aus Beiträgen und Deckungskapitalien erreichte ea. 300,000 Mk. Die Bilanz schließt ab mit dem an­sehnlichen Reingewinn von 71,133 Mk., der satzungsgemätz aussebließlich zur Erhöhung der versicherten Summen der Mitglieder verwendet wird. — Die großen Auf­gaben, welche der Leokasse unzweifelhaft schon mit Rück­sicht auf die inzwischen erfolgten Neugründungen von Volksversicherungen, lsoz. Bolksfürsorge usw.) für den katholischen Volksteil zufalleu, lassen es in Verbindung mit den in Aussicht genommenen Reformen der Kasse: Umwandlung in einen großen Versicherungsverein a. G., Einführung der Kinderversicherung von der Geburt an, Neugestaltung der Versicherungsbedingungen usw. als äußerst wünschenswert erscheinen, daß allgemein in un­seren zahlreichen kath. Vereinen die Leokasse zur Ein­führung gelangt.

f4l Dcr evangelische Kirchenchor veranllaltet morgen mit outen Soststen und abwechslungsreichem Programm ein Kirchenkonzert. Als Hauptnummer gelangt die mustkalisch sehr wertvolle Kantate „Vharstäer und Zöllner" von M rlin Grabert zur Aufführung. Näheres ist aus der heutigen Anzeige zu eriehen.

(—1 Naturheilverein Wir möchten hiermit auf den heute abend in der „Harmonie" staltfindenden Vortrag von Herrn W. Bainbeck-Kassel über „Frühlings- kuren" Hinweisen. Freunde naturgemäßer Lebensweise sollten es nicht versäumen, den zweifellos interessanten und zeitgemäßen Vortrag zu hören. — Nach Schluß des Vortrags bietet der Naturbeilverein seinen Mitgliedern und Gästen gemngliche und musikalische Unterhaltung, sowie verschiedene Vorträge ernsten und heitern Inhalts.

-o- Ter Radfahrerverein „Durch Gebirg und Tal" in ftulda feiert morgen im „Jägerbaus" zu Bronnzell sein 7. Stiftungsfest. Die festliche Veranstaltung beginnt nachm. 4 Uhr und ist mit einem Preiskegeln sowie mit Tanz verbunden.

st. Fußball. Der Spielvereiv „Germania", der diessäbrige 8-Meister des Fuldaer Bezirkes, hat für

Der Graf von Tarent.

87] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Sie blickte verwundert auf den Sprecher, einen Schritt machte sie seitwärts und stützte die eine Hand auf den Tisch.

„Das Duell fand in der Totengruft der Gräflich Tarentschon Familie statt —"

Die Gräfin glaubte, nicht recht gehört zu haben. „Wo?" sagte sie mit ungläubigem Staunen.

„In der Gruft, wo man den lieben gnädigen Herrn beerdigt hat in jener schreckensvollen Zeit- Drei von unseren Leuten sind den Kavalieren gefolgt irnd haben alles gesehen und gehört. — Madame la Eomtesse, Seine Hoheit der Prinz hatte alles arran­giert — vor dem Duell erzählte er den Zeugen, daß er in dieser Gruft schon einmal int Sarge gelegen —"

Tie Augen der Gräfin erweiterten sich. Jeder Blutstropfen in ihr drängte zurück zum Herzen.

„Der Prinz warf einen der Särge auf den Bo­den — der Sarg zersprang — es war keine Leiche darin — der Sarg war leer — um Gotteswillen, Frau Gräfin, saften Sie sich —"

Anita hatte die Hand aufs Herz gedrückt. Flecken begannen vor ihren Augen zu tanzen.

„Madame, der Sarg, der sich als leer erwies, toar der Sarg unseres früheren lieben Herrn — ein Scheintoter hatte darin gelegen, der wieder zum Leben erwachte. Er lebt heute, Sie kennen ihn — wir alle —"

„Großer Gott — gehe nicht mit mir ins Gericht!" Die Gräfin hatte die Worte laut geschrieen. — Dann —

Ein dumpfer, schwerer Fall — sie lag leblos am Boden. Eine tiefe Ohnmacht hatte sie umfangen.

Im Rahmen der Tür stand ein bleicher Mann mit grauem Haar und ernstem Gesicht, er hatte den letz- wn Teil der Szene gesehen und gehört. Scheu wi­chen alle vor ihm zurück — jeder gab ihm Raum.

war es — er! Hinter ihm tauchte Jacobo auf, c2’* - sie so wohl kannten. Schweigend wies dieser

die Zuschauer und Hörer ihrer Wege. JÄ>er ging, jeder fühlte, daß das, was sich hier abspielte, keiner Zeugen bedurfte.

Jacobo schloß die Tür und stellte sich als Wächter davor- Er wußte wie kein anderer, daß, was die Zwei drinnen sich zu sagen hatten, nicht einen Drit­ten vertragen konnte.

Ter Prinz von Indien bückte sich und hob die zarte, ohnmächtige Frauengestalt vom Boden und trug sie in ein anderes Zimmer und bettete sie in die'weichen Kissen. Wie wohl kannte er hier alle Räume!

Er saß neben ihr und seine Hand hielt die ihrige.

Minuten vergingen, bange, schlvere Minuten, dann schlug sie die Augen auf und schaute auf den Mann an ihrer Seite. Beide schwiegen.

Ihr Auge sorschte an ihm — die Stirn war die­selbe, die Züge, die Form, die Gestalt. — Ja, er war es, nur das Haar und die Falten in der Stirn. Er war älter geworden, um so vieles älter — das war alles. — Nun drehte sie die Hand und schaute auf die Innenfläche, da mußte eine Narbe sein, die er sich einst bei einem Ritt durch die Felder zuge­zogen, da das Pferd stürzte. — Ja, da war die Narbe! — Er war es. — Den Mann, der einst ihr Gatte gewesen, hatte sie zu spät lieben gelernt!.

Schweigend löste sie ihre Hand aus der {einigen, schweigend schlüpfte sie vom Bette, schweigend kniete sie nieder und faltete die Hände, der Kopf beugte sich tief und das lange, goldblonde, aufgelöste Haar deckte den Boden. Eine büßende Magdalena.---

Nun kamen Worte, Worte tiefster Seelenqual: „Enrico um Christi willen — verzeih mir, verzeih — ich bin fo unglücklich!"

Und wieder beugte er sich nieder und umfaßte den zarten Frauenkörper und bettete ihn und dann küßte er die Liegende auf die Stirn und flüsterte ihr Wone ins Ohr, die wie Balsam in die gequälte Seele fielen:

„Armes Weib, ich habe Dir längst vergeben, denn ich habe Tein Inneres durchschaut. Tu bist umge­kehrt und das ist gut."

Dann tro» civ Schweden ?$•_ den Bei­

morgen die erst» Mannschaft b«8 ersten Fuldaer Fuß­ballklubs .Borussia" verpflichtet. DaS Spiel beginnt um V*8 Uhr am Geschütz-Richteplatz der Kaserne.

> _ 2lus dem Nachbargebiele.

X Hofafchenbach, '11. April 1913. Am nächsten Montag den 14. d. M. soll die Gemeinde-Jagd hier verpachtet werden. Für Jagdliebhaber dürfte es von Jntereffe sein, zu erfahren, daß der Jagdbezirk durch die hinzugekommene, bisher von Herrn Beier- Meindroth gepachteten Jagd bedeutend erweitert wor­den ist, und zwar auf 10 ha. Da namentlich die Hasenjagd hier sehr gut ist, dürste die Beteiligung bei der Verpachtung rege sein. Der bisherige Pachtzins betrug 150 Mark.

+ Hilders, 11. April 1913. Hier ist ein katho­lischer Gesellenverein gegründet worden; zum Präses wurde Herr Kaplan Balzer ernannt.

D Herbstein, 11. April 1913. Gestern fand die feierliche I n st a 11 a 11 o n unseres neuen Herrn Pfarrers Winter statt, der schon am vorigen Frei­tag in seiner neuen Gemeind: eingetroffen war. Am Bahnhof hatten sich die Mitglieder des Stadtrates mit dem Bürgermeister und Beigeordneten an der Spitze sowie der Kirchenvorstand zum Empfange versam­melt. Am Eingänge der Stadt, wo ihn feine neuen Pfarrkinder erwarteten, überreichte Herr Kaplan Gondolf ihm die Stola und begrüßte ihn in herzlicher Weise. Die Prozeffion bewegte sich alsdann zur Kirche, wo er von der Kanzel aus seine neuen Pfarr­kinder begrüßte und freudig bewegt für den herzlichen Willkomm dankte. Mit Te deum wurde die kirchliche Feier beendet. Am Tage der Installation felbst wurde Herr Pfarrer Winter in feierlicher Prozession vom Psarrhaufe abgeholt. Am Eingang feiner im Festgewand Hangenden Wohnung trug ept Mädchen ein sinniges Gedicht vor. Darauf bewegte sich die Prozeffion über den prächtig gezierten Kirchplatz zur festlich geschmückten Kirche. Hier nahm Herr Dekan Bayer von Gießen die Installation vor. In dem sich daran anschließenden levitierten Hochamte hielt der neue Herr Pfarrer eine ergreifende Predigt. Am Nachmittage fand feierliche Vesper statt. Abends wurde von den Vereinen ein imposanter Fackelzug veranstaltet. Der Gesangverein unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Lehrers Gerhardt, trug am Pfarr­hause zwei Chöre vor. Darauf ergriff Herr Stadtrat Greb das Wort und gelobte im Namen der ganzen versammelten Gemeinde dem neuen Herrn Pfarrer Winter allezeit Ehrfurcht, Liebe und Gehorsam zu erweisen. Der hochw. Herr Pfarrer nahm das Ver­sprechen mit Freuden an, dankte allen für die Ver­anstaltung und forderte sie auf, immer einmütig zu­sammenzustehen. Die Gemeinde Herbstein f)at_ ge­zeigt, daß sie ihre Priester zu ehren und zu schätzen weiß. Die Katholiken Herbsteins begegnen ihrem neuen Seelenhirten mit vollem Vertrauen. Möge Herrn Pfarrer Winter eine recht lange und segens­reiche Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde beschieden sein!

= Wüstenfüchsen, 11. April 1913. Im Lame der nächsten Woche wird mit den Bohrungen zwecks Untersuchung der Festigkeit des Bodens für die Bau­werke der neuen Eisenbabnstrecke Wüstensachsen- Hilders begonnen werden.

* Vom Kreuzberg, 11. April 1913. Die sämt­lichen Rhönberge sind mit Schnee bedeckt. Auf dem Krenzberae liegt der Schnee 5—10 Zentimeter hoch. Das Thermometer verzeichnete beute morgen —5 Grad Reaumur. Auch im Speffart fiel heute früh leichter Schnee.

* Hammelburg, 11. April 1913. In Verbindung mit dem Lagerhaus Hammelburg der Landwirt- schastlichen Zentralgenoffenschaft in Regensburg bat diese Genossenschaft für die Darlebnskassenvereine der Umgebung von Hammelburg, die der Landwirtschaft­lichen Zentralgenoffenschaft des Bayerischen Bauern­vereins in Regensburg angeschlossen sind, eine Kassenabteilung errichtet.

* Brückenau, 11. April 1913. Der hiesige Distrikts­rat beschloß, für den Bezirk Brückenau von der Organifation einer Sanhlranftntaffe abzusehen und lediglich eine allgemeine Ortskrankenkasse zu er­richten.

* Oberzella, 11. Avril 1913. Gestern wurde hier im Gehöft des Schreiners Krug die Schweiwe- seuche amtlich festgestellt.

* Bebra, 11. April 1913. Dieser Tage fand die Ocffnung der für die Herstellung eines dritten Gleises von Bebra bis Hönebach einaegangenen Angebote statt. Es traten dabei große Preisunter­schiede zutage. Die niedrigste Forderung beträgt 307 329 Mk., die höchste 463 477 Mk, also ein Unter-

den. Nur die Uhr summte. Plötzlich sah sie ihm voll in die Augen, er fah, daß sie nach Worten suchte, nach einem neuen Bekenntnisse.

„Enrico, ich bin umgekehrt, weil ich Dich lieben gelernt — Dich, den Fremden, Unbekannten!"

„Ich weiß es, Anita!" sagte er einfach.

Ein tiefes Rot war in seinem Gesicht aufgestiegen. Welcher Mann fühlt nicht Befriedigung, wenn er ein solches Bekenntnis von solchen Lippen hört?

„Ich habe mein Kind verloren — unser Kind — wäre ich eine bessere Mutter gewesen, cs würde heute leben!"

Sie weinte laut.

„Arme Anita", sagte er mit müdem Lächeln, „der Herrgott zürnt nicht einig und legt keinem mehr auf, als er tragen kann. Vor Wochen hörte ich mit eige­nen Ohren, wie einer, dessen Namen ick nicht nennen will, Gift kaufte, um unser Kind sterben zu kaffen. Der Mann, der so Gräßliches irn Schilde sührte, wurde später auch noch zum Meuchelmörder. Ich habe vor einer Stunde fein Leben genommen. Da­mals eilte ich erschreckt nach Hause — ich stahl mein eigenes Kind —*■ es lebt und gedeiht."

Die junge Frau hatte, während er die Worte K, ihn am Arme ergriffen. Er fühlte den

«{haften Druck ihrer Hand. Nun sank sie zurück in die Kiffen, ihre Augen leuchteten, die Hände fal­teten sich.

„Dem lieben Herrgott sei Dank", flüsterte sie, „die schwere Schuld ist von mir genommen."

Nun sann sie nach. Der Traum hatte sich also doch bewahrheitet. Tas Kind lebte. Wie ein Schat­ten flog es nun über ihr Gesicht. Sie war ein Weib, und das Traumbild hatte ihr auch ein anderes Weib gezeigt. Sie suchte nach Worten, um die Ge­danken auszusprechen, sie stammelte:

„Enrico, habe Dank, tausendfachen Dank; ich wäre bereit, für Dich zu sterben. Erzähle mir von dem Kinde — wo befindet es sich?"

Eine flammende Röte stieg in das männlich schöne Gesicht. Sie sah es und ein krampfhafter Schmerz b’ir&etflc junge Weiltz.

■*k schied von 156148 Mk. — Zwecks Erlangung eines Amtsgerichts will der hiesige Bürgerverein an den zuständigen Stellen unter Vorbringn.ig wetteren Materials erneut »orgehen. \

* Bad Soden, 11. April 1913. Durch die 5hm direktion ist für die kommende Saison im Interest, der wohnungsuchenden Fremden ein WohnungStz Nachweisbüro eingerichtet. C

* Hanau, 11. April 1913. In der gestrigen Schwurgerichtsverbandlung wurde die Witwe K. Weid er aus Bad Orb, die im Mai v. I. einem Kinde das Leben gegeben und als den Vater desselben unter ihrem Eide den Maurer Huth von dort ange-' geben hatte, von der Anklage des Meineides fteige- iprocheu. < ■ (

ch Frankfurt, 11. April 1913. Die Stadtverord­neten wählten heute an Stell« des am 1. Mai in. den Ruhestand tretenden Bürgermeisters Grimm den Stadlrat Dr. Luppe aus Frankfurt mit 38 von 67, Stimmen zum Bürgermeister. Dr. Luppes Gegen­kandidaten, Rechtsanwalt Dr. Heilbrnnn und Stadlrat Prof. Dr. Bleichert, erhielten 15 bezw. 14 Stimmen. Dr. Luppe, der auS Kiel stammt;', bat sich auf sozialem Gebiet hier bereits hervorragende! Verdienst erworben. — Das Kaiser Friedrich-Gym- nasium feierte sein 25jähriges Bestehen durch, eine akademische Feier in der Aula der Anstalt/ der zahlreiche ehemalige Lehrer und Schüler der Anstalt; beiwohnten. — Ter städtische Hilfsarbeiter Schiere» wurde heute von der Strafkammer wegen Unter­schlagung von 4523 Mark städtischer Forstgelde» zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt.

* Melsungen, 11. April 1913. Gestern geriet der mit vier Pferden bespannte, schwer beladene Wagen des Gutsbesitzers Lohne zu MoSheim inS Rollen und sauste mit aller Kraft den steilen Weg und di» Böschung nach der Fulda zu hinab, wobei die Deichsel; des Wagens einem Vorderpferde schwere Verletzungen beibrachte und der schließlich umstürzende Wagen den Besitzerssohn unter seiner schweren Last begrub» An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

* Kassel, 11. April 1913. Der Leiter des hessi­schen Volksschullehrer-Vereins, der kürzlich pensionierte Lehrer Grebe, hat eine ihm aus Anlaß seines Scheie? dens aus dem Schuldienste zugedachte OrdenSanS- zeichnung abgelehnt, da er in der Verleihung« des lh?.! zuaedachten Ordens der Inhaber deS Hohen- zollernschen 'Hausordens keine Ehrung für den VolkS»' schullehrerstand erblickte. Auch der Lehrer Dieben« in Schenklengsfeld lehnte denselben Orden bei seiner Pensionierung ab. — Dem Wirt S. aus Staun* bad;, der gestern von hier nach Allendorf a. d. Werra fuhr, um Fleftchwaren zu kaufen, wurde im Zug« ein Paket mit 30 Pfund Wurst und Schinken gestohlen.' — Sechs Familien au8 Niederzwehren und zwei ans Obcrzwehren sind gestern nach Hamburg abgereist, um von da die Reise nachKanava anzutreten, wo sie sich anzusiedeln gedenken. >

♦ Albungen, 11. März 1913. Restaurateur Rose» lieb im Höllental sand dieser Tage hinter einem alten Bild drei echte Kupferstiche von Riedinger, welche die Jahreszahl 1650 tragen. /

♦ Erfurt, 11. April 1913. In einem Prozeßs wegen Beleidigung von Arbeitswilligen/ der vor der Strafkammer geführt wurde, ist der sozialdemokratische Gewerkschaftsbeamte Knöner 5 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Eine mit- angeklagte Arbeiterin, die ebenfalls Arbeitswillige ttl» Streikbrecher bezeichnet und sonst beschimpft hatte/ erhielt 3 Atonale Gefängnis, ein angeklagter Arbeiter 3 Wochen Gefängnis.

* Mainz-Kostheim, 11. April 1913. Auf einem hier vor Anker liegenden Main-Frachtschiff wurde nachts ein großes Oelfaß und ein Weinfäßchen ihres Inhaltes beraubt. Außerdem wurde eine große Quantität Nahrungsmittel vom Schiff g e st o h l e n. Zwei Schiffer wurden als Diebe erwifcht.

* Darmstadt, 11. April 1913. In der heutigen Verhandlung wurde die Vernehmung des Angeklag­ten Ihrig beendet und in die Zeugenvernehmung eingetreten.

x Vom Eichsselde, 11. April 1918. Der Gemeinde- Einnehmer Eberhardt in Gerbershausen, Kreis Heiligenstadt, wurde unter dem Verdacht der Untertz schlagung amtlicher Gelder verhaftet.

* Vom Eichsstlde, 11. April 1913. Zur Hebung der Hausweberei auf dem Eichskelde hat die, elek­trische Ueberlandzentrale zu Mühlhausen i. Th.' an ihr Netz sieben Elektrizitätsdezugsgenoffenschaften angeschlossen, und zwar Silberhausen, Helmsdorf, Zella, Horsmar, Kaisershagen, Saalseld und Beber- liebt, in deren Gebiet zurzeit etwa 30 mechanische Webstühle durch Ellktromotoren angetrieben werde». Im gatuen sind jetzt 52 Orte < inschließlich Domänen

„An sicherem Ort, Du Bedauernswerte", tagte er langsam, „der Knabe hat eine Schwester und eure — Mutter gefunden." ।

Ein fieses Stöhnen entrang sich ihrer Brust. War es die andere? Betrog sie ihre Ahnung nicht? Wie konnte sie die Frage an ihn stellen, den sie so unendlich elend gemacht? Verziehen hatte ex, konnte er aber auch vergessen? Tausend Ideen durchkreuz­ten ihr Gehirn, sie gemarterte sich, wie sie die Frage stellen sollte, die auf chren Lippen brannte. Endlich fand die Unglücklich: Worte!

„Enrico, getäuschter, betrogener Mann — töte mich und sühne meine Schuld — aber sage mir eines — bitte, schaue mich an — ich schäme mich meiner selbst — bin ich so verworfen, daß — daß — Du mich niemals wieder — lieben kannst?"

Er schwieg stille. Die Frage tat ihm wehe. Angst­voll hingen ihre Blicke an ihm, als et das Gesicht zur Seite wendete. Sein Schweigen war gleich einem Todesurteil. Sie hatte doch gehofft, gegen die eigene Ueberzeugung.

„Was soll nnn werden zwischen Dir und mir?"/ fragte die junge Frau mit tonloser Stimme.

Die Tropfen der Zigeunerin Cisarelli zeigten ihre erste Wirkung. »,

Plötzlich wurde Anita still! Der Atem kam und, ging kurz, der Schweiß perlte nieder über das zarte; Frauenantlitz. Die Züge waren plötzlich eingefallen/ tiefe dunkle Ränder lagen unter den Augen. Die Wangen schienen schmäler, die Nase spitz, die Ver­änderung in den wenigen Minuten war geradezu schrecklich. Der Prinz eilte zur Tür und flüsterte dem draußen stehenden Jacobo hastig einen Befehls zu. Gleich darauf kam die Zofe und andere Diene­rinnen und bemühten sich um die Herrin. Bon. unten herauf hörte man den Hufschlag eines galop-» Pierenden Pferdes; dem Reiter war besohlen, un- vorzüglich einen Arzt für die schwerkranke Gräfin von Tarent berbcizurufen. *---- ~

• -

(Fortsetzung folg,'