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2. Blatt.

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«• Fuldaer Leitung.

AuS dem Bericht der Handelskammer zu Hanau für das Jahr 1912.

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Di« Reichsbank st eile Fulda hatte hn Jahre 1912 folgende Umsätze: Eingezogene Wechsel. Platzwechsel 21540 Stück über Mark g4 628 395,01 (1911 20 494 Stück über Mark B3 859 720,71) Einzugswechsel 17 497 Stück über Mk. 26 947 942,70 (1911: 16 454 Stück über Mark 84 995 654,98) Angekaufte Wechsel. Platz- vechscl 21 325 Stück über Mk. 24 400 988,63 (1911: ei 621 Stück über Mk. 24 566 777,32) Versand, wechsel 6928 Stück über Mk. 8 539 749,09 (1911: 7239 Stück über Mk. 10 008 901,05). Giro-Ver­kehr. Einnahme 48 414 Stück über Mark 172086 745,79 (1911: 47144 Stück über Mark 159 953 314,69) Ausgabe 36 834 Stück über Mark 172 455 972,45 (1911: 37 083 Stück über Mark 159 821 494,03) Einzahlungen von Nichtkontoinha­bern 918 Stück über Mk. 1 631 051,45 (1911: 1169 Stück über Mark 1 771154,01).

Im Detailgeschäft gestaltete sich die Ge­schäftslage während des Berichtsjahres im allgemei­nen zufriedenstellend. Allerdings vermindert die fort­gesetzte Steigerung der Unkosten den Reingewinn, and in zahlreichen Artikeln war eine Verteuerung der Einkaufspreise zu konstatieren, welche beim Verkauf nicht zur Geltung gebracht werden konnte, zumal auch eine so starke Vermehrung des Umsatzes, daß durch sie ein Ausgleich geschaffen wäre, nicht zu erzielen war. In manchen Zweigen des Detailgeschäftes hat der naßkalte Sommer ungünstig gewirkt, und die Landkundschaft hart in Gegenden mit mißlichem Ernteertrag sich im Einkäufen eingeschränkt. Auch die politische Unsicherheit, sowie namentlich die Geld­knappheit im letzten Halbjahre haben sich dem De­tailgeschäft fühlbar gemacht, indem nach verschiede­nen Artikeln die Nachfrage nachließ und das Publi­kum in der Deckung seines Bedarfs zurückhaltender erschien. Die ZahlungS- und Kreditverhältnisse lie­ßen zu wünschen übrig, und Verluste durch Konkurse blieben dem Geschäftsmanne nicht erspart. Das Weih­nachtsgeschäft hat, nach Branchen verschieden, teils einen bedeutenden Umfang gehabt, teils nicht voll befriedigt, so waren z. B. besonders Winterartikel wenig begehrt. Lästig bemerkbar macht sich der Um­stand, daß den Beamten anscheinend regelmäßig das Gehalt in größerem Paviergell) ausgezahlt wird: die­ses wird dann zu den Gehaftsterminen in die Laden­geschäfte in solchen Mengen zum Einwechseln ge­bracht, daß gar nicht allen Wünschen entsprochen wev den kann.

Bäderbetrieb. Für Bad Orb ist zu sa­gen, daß die naßkalte Witterung im Sommer des Berichtsjahres die Entwicklung des Bades beeinträch­tigt hat. Der Passantenverkehr litt unter dem schlech­ten Wetter an zahlreichen Sonn- und Feiertagen. Gleichwohl wies die Kurliste im ganzen an Kur­gästen und Pasianten ein Mehr von 308 Nummern ruf. Tie Zahl der kurta^ezahlenden Personen stieg gegen das Vorjahr um 148. — Jni Bade Salz­schlirf betrug die Zahl der Kurgäste 5652 gegen 5311 im Jahre 1911. Bäder wurden 70 979 abge­geben, 70 202 im Vorjahre. Der Brunnenversand stieg von etwa 750 000 auf etwa 865 000 Flaschen.

Dem Abschnitt „Bildungswesen" sei ein Bericht über die gewerbliche Fortbildungsschule $u Fulda entnommen, die im Schuljahre 1912 von 461 Schülern besucht wurde. Davon beteiligten sich am Zeichenunterricht 397. Nach Berufsarten verbel­len sich die Schüler wie folgt: 30 Bäcker, 13 Friseure, 1 Küfer, 12 Buchbinder, 7 Buchdrucker bezw. Setzer, 1 Dachdecker, 24 Elektrotechniker, 0 Drechsler, 33 Fleischer, 7 Gold- bezw. Silberschmiede, 3 Glaser, 12 Klempner und Installateure, 27 Maler und Lackierer, 15 Maurer, 1 Messerschmied, 5 Instrumentenmacher, 2 Portefeuiller, 12 Sattler einschl. Polsterer, 132 Schlosier, 17 Schneider, 12 Schmiede, 33 Schuhma­cher, 3 Steinhauer, 1 Stellmacher, 44 Tischler, 3 Uhrmacher, 1 Zimmerer, 8 Gärtner, 1 Kellner, 1 Kerzenmacher. Für den Zeichenunterricht bestanden 15, für den übrigen Unterricht 16 Klassen. An der Anstalt unterrichteten einschließlich des Leiters 17 Lehrkräfte, darunter 15 Volksschullehrer, ein städti­scher Baumeister und ein Bautechniker. Die Zahl der Pflichtstunden betrug für die Nichtzeichner 4, für die übrigen 6 pro Woche. Die Ausgaben belaufen sich für das Schuljahr 1911 auf 11064,83 Mk., davon trägt die Stadt 4270 Mk.

Der Gras von Tarent.

68] Roman in 8 Bänden von F. Steinkirchntr. 15.

Die Tropfen der Eisarelli.

Gräfin Anita von Tarent saß am offenen Fenster und schaute hinaus in die vom Monde erhellte Land- schäft. Da- Hochzeitskleid hatte sie gleich nach dem Entfernen der Männer abgelegt und sich in ein einfaches Hauskleid gehüllt. Die ganz« Dienerschaft der Burg war in ungeheure Aufregung geraten, als Varon Meneville statt zum Traualtar mit den Kava. Heren gegangen war, der Haushofmeister wußte nicht, wo ihm der Kopf stand, und ließ durch die Zofe bei der Gräfin um Verhaltungsbefehle bitten. Anita ließ ihn wissen, die Trauung würde nimmer stattfinden. Sie wünsche ungestört zu bleiben.

Nach einer Stunde ging in der Burg Tarent alles seinen alten Gang. Die Diener gingen der gewohnten Arbeit nach, aber dabei steckten sie die Köpfe zusammen. Jeder hatte eine eigene Mei­nung, was vorgefallen war, das war unerhört, aber es lag noch etwas in der Lust — was? Das wußte kittet, aber ein jeder fühlte eS. Es lag schwer auf allen Gemütern.

Die junge Gräfin starrte hinaus wie im Traume. Bewegungslos saß sie da und gedachte der vergange- itett Tage. Da unten im Parke hatte sie einst ge- ftssen, und ihre Lippen hatten an den Lippen deS Mannes gehangen, der nun gegangen war, um nicht wieder zu kommen. Sie wußte es bestimmt, er wurde nicht mehr kommen, und sie war froh. Da unten hatte sie gel- gt, sie hasie daS eigene Kind, der «nabe war auch von ihr gegangen, er hatte die un­natürliche Mutter verlosten. Wie doch die Gefühle and die Zeiten sich ändern. Sie begriff ihr früheres Dasein nicht. War nicht ihr Gatte ein tausendmal nefferer Mann gewesen, als der, mit dem sie gksün- digt? Wie war st« »enn nur zu der Einsicht gekom­men? Ah, ja, der fremde Mann, den man Prinz Don Indien nannte, er hatte die

£ofak$.

Fulda, 11. April 1913.

C Eine Sitzung der ktadtverordneteu.Beriammlung findet am Montag, den 14. April 1913 abends VfB Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Be- schaffung von Schulbänken und Bewilligung der Kosten (Rapp). 2. Freigabeurkunde (Singer). 3. Hundetjohr- feier der Erhebung Deutschlands und 25 jähriges Regierungsjubiläum Er. Majestät der Kaisers und Königs und Bildung eines FeflauSschuffes (Simmet). 4. Rechnung der evangelischen Kleinkinderschule (Breitenborn). 6. Einrichtung der elektrischen Be­leuchtung und der Wächereieinrichtung mit elektrischem Betrieb im hl. Geisthospital und Bewilligung der Kosten (Kircher). 6. Einrichtung deS elektrischen Betriebes in der Kläranlage und Bewilligung der Kosten (Keil). 7. Legung eines 2. Zementrohrkanals in der Borgiasstraß« und Bewilligung der Kosten (Fritz). 8. Ueberschreilung des Magazins-Kontos beim Gaswerk (Weber). 9. Verausgobung eines Restbetrages für Stadlpläne bei Titel III des Etats 1912 (Fritz). 10. Mehrleistung für die Ruhegehalls- kasse für Lehrer und Lehrerinnen für das Jahr 1912 Duxl. Ferner für die geheime Sitzung 11. Zwangs­versteigerung eines Grundstücks (Singer).

y Verkehrsverbesserung auf den Rhönbahnen. Im Januar dieses Jahres hatten wir an dieser Stelle unsere Wünsche nach Verbesserung des Eisenbahn- Fahrplanes auf den Rhönbahnen für den Aus­flugsverkehr an Sonntagen und Mittwochen kundgegeben. Die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat diesen Wünschen in dankenswerter Weise Rechnung getragen. Zunächst wird versuchsweise vom 1. Mai ab an den Sonn- und Feiertagen ein S o n n- tagszug nach Gersfeld gefahren: ab Fulda 2,14 Uhr nachmittags, Ankunft in Gersfeld 3,14 Uhr. Ferner wird an den Mi t t w o ch e n mit Rücksicht auf den schulfreien Nachmittag der sonst nur Sonn­tags fahrende Zug 2343 S auf der Strecke Fulda- Tann verkehren: ab Fulda 2,21 Uhr, Ankunft in MUseburg 3,08 Uhr. Die Beibehaltung dieser neuen Züge für das folgende Jahr hängt selbstverständlich von einer guten Benutzung ab.

<? Besichtigung. Beim hiesigen Feldartillerie. Regiment wird heute und morgen in den Reitbahnen des Kasernements die Kandarenbesickligung durch Herrn Generalmajor Kluge aus Kassel abgehalten werden. Heute wird die I. Abteilung und morgen die II. Abteilung b.sichtigt.

= Frankfmter Pferdemarktlotterie. In diesem Jahre hat die Glücksgöttin dieser Lotterie Fulda nicht beiondets gut bedacht. In die Kollekte des Herrn Ruppert hier fielen nur 6 Gewinne.

-5- Experimentalvortrag. Der gestrige Vortrag des Herrn Dähne galt einem zweiten Aeußerun smodus des das Weltall durchsetzenden Aelhers, dem Lichte. Nach kurzen einleitenden Erläuterungen über das Weien des Licktes ping der Vortragende üter zu den verschiedenen Erscheinungen der Lichtbrechung und zeigte dabei, daß die Lichtstrahlen gleich der Elek­trizität eine Transversalwellenbewegung des Aelhers sind ; die weiteren Ausführungen gipfelten in der Er­scheinung der Doppelbrechung, die durch bestimmte Kristalle, wie Turmalin, hervorgerufen wird und bei Anwendung eines zweiten Kristalls zur Polarisation des Lichtes führt. Die auf Grund dieser Erschei­nung angestellten Versuche waren geradezu über­raschend. In polarisiertem Lichte ergeben sich prachk- volle Farbenerscheinungen. An und für sich voll- ständig farblose Körper, die eine bestimmte faserige oder kristallinische Struktur besitzen und gleich eilig doppelbrechend sind, zeigten, zwilchen Polarisator und Analyseur gebracht, die herrlichsten Farbenwirkungen Diese infolge der sog. Interferenz der Licht wellen ent­stehenden Farben geben in der praktischen Anwendung Ausschluß über den inneren Ausbau der betreffenden Körper und ermöglichen den Nachweis von Fälschungen sowie vom Vorhardensein und der Art kristallinischer Struktur. Abgesehen von dem hohen Jnlercffe, das die glänzenden Experimente erregten, war auch viel Schönes zu sehen, so daß wiffenschastliches Interesse und Schaulust in gleichem Blaße befriedigt wurden. Dabei verstand cs Herr Dähne, die einzelnen Vor­führungen zu einem schönen Ganzen zu vereinen und dem Hörer den verbindenden wlffenschastlichen Faden im Bewußtsein zu erhalten. Als physikalische Bei- gäbe führte der Vortragende ein schön gelungenes, auf dem Gesetz von der totalen Reflexion beruhendes Experiment vor und schloß mit Dankesworten an den eigentlichen Veranlasier dieser Experimentalvorträge, Herrn Prof. Melchior hier.

-- Die Herbstmanöver des 11. Armeekorps werden nunmehr endgültig in der Gegend zwischen Eisenberg

lung in ihr fertig gebracht. — Sie hatte diesen Mann gefürchtet, ehe sie ihn gesehen, hatte den Geliebten vor ihm gewarnt — er hatte ihrer gelacht und war in fein Verderben gerannt.

Würde dieser seltene Mann in einer Stunde zu ihr kommen oder morgen oder in einer Woche und ihr sagen: „Du bist frei!" — Ein leises Rot stieg in ihren Wangen auf. Warum nahm er solches Inter­esse an ihr?

Nun kam die Eitelkeit deS Weibes und , sagte ihr: Weil Du schön bist! Schönet wie andere! Sie er­hob sich und trat vor den Spiegel. Ja, sie war schön, sie mußt« «8 sich selbst bekennen. Dieser außer­ordentliche Mann hatte gesagt, er liebe eine andere mit ganzer Kraft des Mannerherzens — ein Traum- bild hatte ihr die andere vorgespiegelt, sogar vereint mit ihrem Kinde, das ja doch seinen Tod in dem Meere gefunden. — Wie viel schöner war doch diese andere im Traume gewesen, so ganz anders! — Plötzlich ärgerte sich die Gräfin über den kleinen, dunklen Schatten unter ihren Augen — sie hatte ihn früher nicht an sich bemertt.

Sie schaute hinauf zum Firmamente — die Mondscheibe war nahezu voll. Der Spruch der Zi- geunerin fiel ihr ein: Sieben Tropfen bei jedem Vollmonde, und Du wirst schön bleiben! warum auch nicht hier? Ja, sie wollte die Tropfen nehmen, — heute, morgen, wenn der Mond ganz voll war und über einen Monat wieder--

Wo war denn die kleine Phiole? Sie hatte so lange nicht daran gedacht. Langsam erhob sie sich von chrem Sitze und begann darnach zu suchen. Sinnend stand das Weib vor dem Toilettentisch und musterte die vielen Gläser und Büchsen. Nun hatte sie die Phiole mit der blaßroten Flüssigkeit gesunden.

Sonderbar, da stand auch eine zweite — genau dieselbe Größe, dieselbe Form des Glases — der Inhalt zeigte dieselbe Farbe. Hatte ihr denn die Wahrsagerin zwei Fläschchen gegeben? Sie ver­mochte sich nicht.zu erinnern — sie hotte so viel er­lebt seit jener Zeit. —

Nun nahm sie das eine der Fläschchen ttnb trat damit an das nff»ne Fenster.

und Rudolstadt abgebalten werden, und zwar in den Tagen vom 8. bis 20. September. Die Entlassung der Reservisten soll am 22. September erfolgen. Im Bereiche deS 11. Armeekorps werden gegenwärtig Hebungen mit den neuen Feldküchenwagen ab­gehalten. Die bisherigen Hebungen haben gezeigt, daß dies« Feldküchenwagen jederzeit schnell gebrauchsfertig sind und gegenüber dem bisherigen Abkochen so wesent­liche Vorteile zeigen, daß ihre Allgemein-Einführung außer Zweifel stehl.

* Ebender, der allgegenwärtige und bisher un­faßbare, soll sich jetzt in der Hmgegend von Kassel umhertreiben und in Mönchehof, Calden bei Wil- Helmstal und Fürstenwald gesehen worden sei. Man hat auch dort diese Nachricht mit der gebotenen Reserve ausgenommen, immerhin sind die Behörden angewiesen worden, die Spuren des Vielbegehrten aufzunehmen.

Der unangenehme April. Ein verlockender Vorfrühling hat Heuer früher als sonst die Laub- und Blülenknospen eröffnet. In den letzten Tagen war es eine Lust zu sehen, roi« draußen das Grün so prächtig schoß und in den Gärten schon vereinzelt junge Bäumchen ihre Krone in vollem Blütenschmuck leigten. Doch in das Gefühl der Freude, das jeden Naturfreund beim Anblick der Naturwunder des Frühlings erfüllen muß, mischte sich die bange Furcht, es möchte der Flühlingsluft durch schlimmen Frost ein allzufrühes Ende gemacht werden. Unö wirklich scheint der April sein altes Recht zu fordern. In den letzten Tagen ist die Temperatur beträchtlich gesunken, gestern nacht sogar unter dem Gefrierpunkt, und heute morgen wirbelten sogar Schneestürme durch die Lust. Gewiß, »Der April ist ein Freiherr, er gibt Regen und Schnee her", aber wir wollen hoffen, daß er uns gnädig mit Reif und Frost verschont und die frühe Frühlingspracht nicht mit einem Schlage vernichtet.

♦ Zur Obstbaumpflege. Anfang April erscheint der Apfelbaumblüten st echer (Kainwurm) aus seinem Winterquartier zur Paarung. Dieser braungraue Rüsselkäfer beginnt alsbald mit dem Eierlegen an die Blutenknospen. Die Blumenblät­ter werden braunschwarz, sie sehen aus, als wären sie verbrannt, deshalb wird der Schädling im Bolks- mund der „Brenner genannt. Obstbaumbesitzer wer­den deshalb gut tun, in früher Morgenstunde die Aeste der Obstbäume tüchtig zu schütteln, nachdem man vorher Planen oder Tücher untergelegt hat, und die gesammelten Käfer zu verbrennen. Da, wo schorfige CBftbäume vorhanden sind, spritze man die befallenen Stämme und Kronen vor dem Laubaus­bruch mit zweiprozentiger Kupferkalkbrühe.

** Eine für Geschäftsleute wichtige Entscheidung fällte das Stettiner Landgericht. In dem Geschäft eines Eiseuwaretihändlers wurden von einem Polizei­beamten am 15. Dezember v. Js., abends um 7,15 Hhr noch Käufer betroffen, denen der Geschäftsinha­ber die gekauften Waren einpackte. Das Schöffenge­richt hatte den Gefchäftsmann auf Grund § 139 der Gewerbeordnung freigefprochen, der ein Zuende- bedienen an Werktagen nach Gefchäftsschluß zu- läßt. Tas Landgericht hob das freisprechende Er­kenntnis auf und erkannte auf 3 Mark Geldstrafe mit der Begründung, daß gerade für die Advents­sonntage dieser Paragraph 139 keine Anwendung finden könne.

/X Statistik b»8 Standesamtes. Inr Monat März wurden 13 Aulgebote erlassen und 12 Eh n geschlossen. Jin ganzen wurden 61 Geburten angemeldet v29 männliche und 32 weiblichen Geschlechts.) Hiervon waren Lebendgeborene 28 männl., 29 roeibl. Tot­geborene 0 männl, 0 roeibl. Auf Neuenberg, Lehnerz und Ziehers entfallen 1 männl, und 3 roeibl. Ge­burten. Jrn Bezirke der Stadt Fulda starben 19 männl, und 17 roeibl. Personen. Hiervon entfallen auf das Landkrantenhaus 5 männl, und 3 roeibl Orls- itembe. Außerdem starben in Neuen berg, Lehnerz und Ziebers 2 männl, und 0 roeibl. Personen.

['I Berufsberatung der weiblichen Jugend. Es ist nicht leicht, für den Menschen einen geeigneten Beruf zu finden. Bor allen Dingen ist dies schwierig, wenn man sich nicht klar ist, was der Beruf von dem ihn Aus­übenden fordert und was er bietet. Auf dem Felde der Frauenarbeit herrscht heutzutage noch weit mehr Unklar­heit in vieler Beziehung, als "man denken sollte. Die Eltern, die ihre Töchter einem Berufe zuführen wollen, sollten sich doch rechtzeitig über die Erfordernisse unö Aussichten des betreffenden Berufes unterrichten. Aus Unwissenheit oder Gleichgiltigkeit wird oft ein fleißiges Mädchen in einen Berus gebracht, der ihrer Begabung keineswegs entspricht, der aber anscheinend einen baldigen Berdienst erwarten läßt. Der Fleiß wird mit der Zeit tu Unluft und Mißmut umgewandelt, die glänzenden Aussichten werken zunichte. Und warum? Eines schickt sich nicht sür alle! Sorgsam mögen darum die Eltern prüien, ob ihre Tochter bei ihrer Vorbildung, ihrer

„Ich will schön sein", murmelte sie, „schöner wie jene andere! Vielleicht wird er — mich — lieben!"

In der einen Hand hielt Anita den kleinen sil- bernen Lössel, die andere hob die Phiole.--

Die Unglückliche führte den kleinen Löffel Kum Munde — sie trank die Tropfen! Sie hatten feinen Geschmack, lächelnd verkorkte Antta das Fläschchen und stellte es vor sich auf das Fensterbrett. Nun schalt sie sich der eigenen Torheit, daß sie der Weis­heit einer braunen Zigeunerinutter Glauben beige­messen.

Am selben Abend, als Anita mit dem Baron nach Burg Tarent gekommen war, waren alle ausgezogen in den Park, den verschwundenen Knaben zu suchen. Der Baron hatte feinen Reisemantel von sich ge» schleudert gehabt. Neben dem Plante! hatte Anna ein kleines Fläschchen liegen sehen. Mechanisch hatte sie es an sich genommen, sie dachte, es sei dasselbe, da sie am Mittag von der Wahrsagerin erhalten.

Sie hatte nun zehn Tropfen von dem Gifte ge­nommen, das die Cisarelli dem Baron Meneville ge» geben hatte, den Erben des Hauses Tarent zu töten.

Tas Kind lebte in diesem Augenblicke, seine Mutter hatte eben den Tod getrunken, und unten in der Gruft des Felsens lag ein Mann steif und starr und stumm.--

Im Zimmer surrte und summte die Uhr und holte zum Schlage aus. Zehn! Zwei Stunden waren vergangen, seit der Bräutigam die Braut ber» lassen. Was hatte sich in den zwei Stunden nicht ereignet?

Anita fühlte, wie ihr der kühle Abendwind um die Schläfe strich, wie er spielte mit ihren losen, gold­farbenen Haaren. Warum sie nicht zur Ruhe ging, wußte sie nicht, wenngleich sie sich plötzlich ganz merkwürdig mitbe fühlte. Sie ließ den Kopf zurück­sinken in den Polster des Armstuhls, und eine Art Halbschlaf überkam sie. Ihre Augen waren ge­schlossen, sie fühlte, wie eine seltsame Betäubung sich in ihr. geltend machte. Sie konnte sich deren nicht erwehren. Plötzlich glaubte sie, hastige Schritte zu hören, Personen näherten sich — deutlich vernahm sie ein immer mehr zunehmend»« Geräusch — laute

JV$ 83.

Lreltag U. April MS-

geistigen und körperlichen Beschaffenheit auch imstande fein wird, ihren Platz tm Beruf wirklich auszuiüllen. Da dir Eltern aber unmöglich über alle in Betracht kommenden Berufe genügend unterrichtet sein können, ist ihnen Gelegendeit gegeben, Erkundigungen und Rat zu holen in der Auskunslsftelle für Frauenberufe, Abt. der Gefellfchafl für Gemeinwohl tu Raffet Hier finden Dienstag und Frettag nachmillaaS von 3 bis 4 Uhr Sprechstunde» statt; außerdem werden jederzeit fchrtflltche Anträgen, denen man Rückporto detzu- fügen bittet, gern beantwortet. Die Auskunft wird in allen Fällen kostenlos erteilt

Aus dem Nachbargebiete.

X Petersberg, 10. April 1913. Die General» Versammlung des hiesigen RadfahrervereinS beschloß dieser Tage, die Bannerweihe am 2£. Juni d. Js. festlich zu begehen.

* Salmünster, 11. April 1913. Im Gasthof zum Löwen hatten sich unlängst zwei Herren einlogiert, die sich alS Barone ausgaben. Nach mehreren Schwindeleien wurde die Polizei auf sie aufmerksam. ES stellte sich h raus, daß der eine ein Sohn eineS Bahnbeamten in Frankfurt ist, während der ander« aus der Gegend von Magdeburg stammt. Kurz nach ihrer Verhaftung gelang es beiden, auS dem fang« nis zu entfliehen, wurden aber bald in Mernes wieder dingtest gemacht. Anscheinend hat die Polizei einen guten Fang gemacht.

* Bad-Orb, 10. April 1913. Die Oberin deS Hospffales, Schwester Perpetua, feierte heute ihren 70. Geburtstag. Dem Hospitale hat sie fast 3 Jahr­zehnte ihre Äiaft geweiht.

* Hanau, 10. April 1913. Der AufsichtSrat der Kahlgrund-Eifenbahn A.»G. schlägt di« Ver­teilung einer Dividende von 61 li Proz. vor.

• Esthwege, 10. April 1913. Bürgermeister Vocke dahier begeht demnächst fern 25 jähriges Dienst« jubiläum. AuS diesem Anlaß findet am nächsten Montag (14. April», nachmittags 2 Hhr, im Kasino- faal ein Festessen statt.

♦ Werleshausen, 10. April 1913. Mit der Re­staurierung der Burg Haustein wird auch in oiesem Jahre fortgefahren. In den letzten Jahren, besonders im vorigen Jahre, sind umfangreiche Aus» befferungsarbeiten an den Türmen usw. vorgenom- men worden. Jetzt wird in der Burg im Interesse derselben neben dem fest einigen Jahren ausgebau­ten sogen. Seniorenzimmer ein Damenzimmer ans- gebaut, und die Arbeiten sollen bis zum Himmel­fahrtsfest fettiggestellt sein. Die Kastellwohnung wurde im vorigen Jahre durch einen Anbau entspre­chend vergrößert.

* Dotzheim, 10. April 1913. Der Regierungs­präsident hat auf rie Beschwerde der Minderheit in der Gemeindevertretung gegen die Wahl des Ober­sekretärs Sporkhorst zum Bürgecmetster der Ge­meinde entgültig entschieden, daß die Wahl formgerecht vor sich gegangen ist. Somit ist di« Beschwerde zurückgewiesen.

* Erbenheim,, 10. April 1913. Der Stallschroeizer Willmann hat sich erhängt aus Verzweiflung darüber, daß et feine Ersparnisse am Totalisator verspielt hatte.

* Wiesbaden, 10. April 1913. Im Wald« bei der Fasanerie wurde bte Leiche eines Mannes gefunden, der sich eine Kugel durch den Kopf gejagt hatte. ES handelt sich um einen Tapezierermeister, der für einen Bekannten Bürgschaft geleistet batte und zahlen sollte. — Die Stelle deS zweiten Bürgermeisters ist nun ausgeschrieben und zwar mit einem Gehalt von 10000 Mk. jährlich, steigend um 1000 Mk. alle drei Jahre. — Dem Oberbürgermeister a. D. o. 3bell wurde der Stern zum Kronenorden zweiter Klaff« verliehen.

(*) Limburg, 10. April 1913. Dieser Tage fand hier die 16. Jahresversammlung des Main-Weser- Gaues im Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Verband statt. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß der Gau und feine Ortsgruppen in sozialpolitischer Beziehung tm Vorjahre sehr rührig waren. Alle Fragen der kaufmännischen Standespolitik wurden gefördert. Ende 1912 zählt« der Gau 6234 Mitglieder, einschließlich 791 Jugendlichen, in 63 Ortsgruppen. Das Vermögen des Gaues stieg auf 837 Mk., ohne die Bestände der Ortsgruppen. Der in Einnahme und Ausgabe mit 6280 Pik. bilanzierende Voranschlag für 1913 wurde genehmigt, ebenso vollzogen sich die Ersatzwahlen zum Vorstand einmütig. Nachdem Wiesbaden als nächstjähriger Tagungsort gewählt war, hielt Bott- Hamburg einen Vortrag über »Die Ertüchtigung deS Handlungsgehilfen ffandes".

Rufe der Verwunderung und des Staunens und Zweifels — immer mehr Personen schienen zusarn» menzutreffen — eS mußte etwas Außergewöhnliches sich ereignet haben. — Von allen Seiten schienen die Bediensteten der Burg draußen im Korridor zusarn. menzutreffen. —

Das Stimmengewirr näherte sich ihren Ge­mächern. Nun wurde eS plötzlich still draußen und ein leises Klopfen ertönte an der Türe. Anita ant» wottete nicht. Ein zweiter Klopfen. Wiederum keine Antwott.

Nun öffnete sich die Tür. Die Zofe trat ein. Sitz war leichenbleich. Die Gräfin schlug die Augen auf. „Was willst Du?* fragte sie.

Die Zofe versuchte etwas zu sprechen, sie ver- mochte es nicht. Stotternd deutete sie auf den Haus­hofmeister, der gleich nach ihr eingetreten war. Auch er war bleich und schien in einer ganz ungeheueren Aufregung sich zu befinden. Die Tür hatte er offen stehen gelosten. Schweigend nahte er sich der Ge­bieterin, die nun erwartungsvoll in der Mitte deS Zimmers stand.

Sie sah, wie draußen vor der offenen Tür fast die ganze Dienerschaft stand und mit angstvollen Blr cken auf sie starrte. Eine ungewöhnliche Aufregung begann sich auch ihrer zu bemächtigen.

„Frau Gräfin, fasten Sie sich, ich bringe schlimme Kunde", Jagte der Haushofmeister mit bebender Stimme.

„Schlimme Kunde? Sprecht sie aus!"

„Der Herr Baron, er ist —"

„Nun?"

„Er ist tot! Gefallen im Duell . .

„Ich wußte das", sagte die Herrin leise.

Alle blickten verwundert auf die Gräfin. Wär sie irre geworden im Geiste?

„Das ist nicht alles, Madame la Comteste . . . machen Sie sich gefaßt, etwas ganz Hnerbörtcs, fast UnbenlbapeS zu vernehmen. . ."

(Fottsetzung folgt.)