Weg, die Wahrheit und da» geben". Demnach ent. spricht der Weltkulturaufgabe die Pflicht der Welt. Mission, welche die Kirche zu allen Zeiten betätigt hat. Menschlich gesprochen ist Weltpolitik ein „freier Tummelplatz" der selbstsüchtigsten Interessen, aber über diesen Interessen waltet die Hand des weltregierenden Gottes, dessen Triumph eS ist, sie seinen höheren Plänen dienstbar zu machen, daß sie unwissentlich und unwillentlich auch der Ausbreitung des Christentums Wege bahnen müflen. Taz ist sozusagen der „Missionsbeitrag der Deltpolitik" (Warneck).
Die katholischeKirche, überhaupt die R e- l i g i o n, ist international. Sie überschreitet die Schranken einzelner Völker, Rassen und Länder. Dabei kann sie aber doch deren Eigentümlichkeiten durchaus berücksichtigen. So berechtigt daS Dasein einzelner Persönlichkeiten mit besonderem Charakter ist, so berechtigt dürste auch der nationale Unterschied zwischen einzelnen Völkern sein. Die menschliche Ge- scllschaft ist ebenso schön in ihrer Mannigfaltigkeit tote in ihrer Einheit. Beides, Einheit und Verschiedenheit, soll sie wahren und fördern. Dabei läßt sich ein vernünftiges gesundes Zusammenleben nur auf Grund wechselseitiger Achtung und Schonung durch- führen. So ist es in nationaler Hinsicht. So mttß eS auch auf religiös-politischem Gebiete sein. Die heutigen Verbältnisie verlangen, daß alle sich der- stehen und achten lernen, namentlich tn unserem Ba- terlande. Auch in der Heiden Mission wird der nationale Einschlag nicht ganz schtoin- den. So ist es z. B. in Spanien, Portugal, Frankreich, Holland und England gewesen. Da hat sich das Missionswesen vielfach zunächst an die über, seeischen nationalen Beziehungen namentlich an die Kolonisation von feiten des Mutterlandes, ange- schloffen und damit auch eine nicht zu unterschätzende nationale Begeisterung und Opferwilligkeit <w!g«- löst. Und tote ging es in Deutschland?
Deutsches Leben und Streben, deutsche Geistes« und Gemütsart^ deutsche Wiffenschast und Kunst, haben einen mächtigen Hort am toiedererftandenen deutschen Reiche gefunden. Früher pflegte der deut- sche Auswanderer sich bald fremdem Volkstum an- zupaffen unter Aufgebung seiner deutschen Nationa- lität und Sprache. Er besaß eben keinen Rückhalt an einem starken Vaterlande. Er stand in der toei- ten Welt unter fremdem Schutze, reiste und arbeitete unter fremdem Banner. Das ist in den letzten Jahrzehnten anders geworden. Heute kann man auch unter GermaniaS Flagge durch die Welt kommen. Die Gründung des einigen mächtigen Vater- landes, sein rasch steigender Anteil am Welwerkehr wie an der Weltpolitik, seine wichtigen kolo- nialen Erwerbungen haben bei unS Wir. kungen für die Mission, wie sie kaum eine frühere Periode erlebt hat, und tote sie auch wohl keine bloß religiöse Bewegung zeitigen würde. Die genannten Dinge erweisen sich gewiffermaßen als äußere Gnaden für die Kirche. Auf evangelischer Seite soll sich eine orthodor-vietistische Richtung gegen diese Verweltlichung der Ällission gesträubt haben: ebenso fehlte und fehlt es Wohl nicht an Bedenken katholischersestS; aber schließlich hat man auch dem nationalen Gedanken in der Mission sein Recht zuerkannt. Dementsprechend wird es heute auch von den katholischen deutschen Ordensqenossen- schaften freitbtg begrüßt, daß in den deutschen Kolonien für, die katholische Sache deutsche Glaubensboten arbeiten. Da reichen sich heimische Religionsbetätigung und heimische Kultur zu gegenseitigem Segen die Hand. Daß eine gewisse Gefahr dorliegt, den Nationalismus zu sehr zu betonen, haben leider hier und da französische Missionare gezeigt. Sie sind sogar mtoeifen so weit gegangen, sich, wenn auch vielleicht unbewußt, in den Dienst der Politik zu stellen. Das Wohl einer internationalen Kirche muß hierunter großen Schaden leiden. Niemals darf die Religion eine Handlagerin oder eine dienende Magd der Polstik ober der bloß nationalen Kolonisation werden.
Die vornehmste und erste Aufgabe der Mission muß es eben sein und bleiben, im Dienste der Kirche die frohe Botschaft des Heiles als übernatürliche Kraft zu einem neuen sittlichen Leben in die Heidenwelt zu tragen. Die Mission ist Selbstzweck. Nur bem übernatürlichen Reiche Gottes hat sie zunächst zu dienen, bie unsterblichen Seelen zu retten. Wenn aber bet Missionar zugleich einen segen- bringenben Einfluß auf bie äußere Kultur ber Hei- benlänber ausübt: wenn er auf bie Lebensart eines wilben Volkes günstig einwirkt, auf die Weise, zu wohnen, sich zu nähren unb zu kleiden, wenn er Bildung, Verständnis für Wissenschaft unb Kunst hebt, so sind bas alles nur begleitende Wirkungen der Mission, bie sich wie von selbst ergeben. Auch diese außerkirchlichen Verhältnisse sollen vom Geiste Christi durchdrungen und so veredelt werben. Der engltsche Missionar bleibt eben als Mensch Engländer, der deutsche ein Deutscher. Jeder wird in seinem ganzen menschlichen Leben und Wirken sein nationales Wesen ausprägen. In diesem Sinne müssen wir danach streben, daß auch der germanische Geist bet ber Wiedergeburt der Welt mrttne, seinen ibealen Beruf in ber Menschheit erfülle.
Hat boch auch baS Germanentum sich meine nicht bloß Deutschland, fonbern auch England, Holland, die nordischen Staaten Europas und Nordamerika) seine besondern Vorzüge für die Christianisierung Kultivierung der Welt. Die Fähigkeit, fremde Art zu verstehen und sich ihr bis zu einem gewissen Grade leicht anzupassen, kommt z. B. den deutschen Missionaren in manchen Verhältnissen sehr zustatten. Der Deutsche ist zudem intelligent, fleißig, ausdauernd, mutig. Ferner ist, eS dem germanischen Charakter gegeben, die Religion besonders zu verinnerlichen. Das Volk mit den gemütvollen blauen Augen erfaßt in seinem tiefen Seelenleben die Religion vielleicht am nachhaltigsten. Dichter haben Deutschland das Hrz im Organismus der europäischen Bölkerfamilie genannt, das Herz, welches bas Plut zu bereiten hat. Am brutschen Wesen kann bie Welt „genesen".
Unsere großartigen gesetzlichen und privaten Wohlfcchrtscinrichinngen erstrahlen wie eine Leuchte am Horizont der Völker.
Seit einig m Jahrzehnten zieht auch ein frischer Zug der Begeisterung für bie Heidenmission tote vielversprechendes Frühlingserwachen durch bie Gauen unseres Vaterlandes, namentlich jetzt, da man bas ganze Volk aufgerufen hat zur Sammlung jener Nationalspcnde für bie Missionen ber Kolonien, welche unferm Kaiser bei besten Regierungsjubiläum (15. Juni 1913) überreicht werden soll. Unsere überseeischen Besitzungen haben schon einen hohen Blutzoll gefordert unter den Soldaten des irdischen tote auch von den Arbeitern des himmlischen Königs.
Und noch sehr viel ist zu tun im schwarzen Erd- teil unb auf ben einsamen Inseln ber Südsee, ehe sie dem Mutterlande würdig an die Seite gestellt werden können. Jedoch, über ihnen leuchtet bas Himmelsgestirn bes südlichen Kreuzes. Gebe Gott, baß ber Tag nicht mehr fern ist, an bem bie Wilden ebenso gläubig zu diesem Kreuze emporschauen, wie sie es heute mit Aberglauben betrachtne. An dem deutschen Volke namentlich wird eS liegen, ob sich diese frohe Hoffnung bald erfüllt.
i'cn
in den Herzen der „Sicherheitslommifsare", die bis-
Der Balkankrieg.
Z Die Friedensglocken
ii wieder einmal über Europa ihrer. Erschall. Tie Börse macht in Hausse, und auch
richtig wäre. Der Partei all solcher tonn man aber (zum Unterschiede von den Konservativen) den Borwurf bei Anttiemtttsmus nicht einmal machen.'
0 Adg. 6 Hubert gegen das „Berl. Tageblatt". Der Der RetchSpartet angehörige Adg. Generatteut- nant v. Siebert hatte in seiner Reichstagsrede zur Wehrvorlage jüdische Offiziere all Fremdkörper in der Armee bezeichnet. Daraufhin wurde er vom „Berl. Tageblatt scharf angegriffen. DaS „Berl. Tagedl." warf ihm vor, daß er einen unzweifelhaften Patriotismus mit sehr zweifelhaften Geschäften verbinde. Nun hat Herr v. Siebert gegen das „Berl. Tagebl." Beleidigungsklage angestrengt.
i Weimar, 10. April 1913. In der heutigen LandtagSsitzung begründete Staatssekretär Dr. Rothe die Vorlage bett. Neubau der Tierklinik in Iena. Verlangt werden 300000 Mk. Die Vertreter sämtlicher Parteien waren mit der Vorlage einverstanden, die an den Ausschuß für Verwallungsgesetzgebung verwiesen wurde. Zum Schluß begründete Abg Dreimann daS Gesuch der Gemeindebehörden von Stadtremda um Herstellung einer Bahnverbindung. Bei dieser Gelegenheit wurde auch wieder das Neffe- talbahnprojekt besprochen und ebenso der Ausbau der Feldabahn verlangt. Der Landtag stimmte ein- stimmig dem Anträge des Ausschusses zu, der die Bahn nach Remda für notwendig erklärt.
# Stuttgart, 10. April 1913. Die Regierung bat tm Landtag einen Gesetzentwurf betreffend die Erhöhung der Zivilliste del König! von Württemberg um 350000 Mark eingebracht. Be- gründet ist die Erhöhung m der Hauptsache mit der Notwendigkeit einer Aufbesserung der Besoldung für die Hojbeamten und Hofangestellten.
Aurlanü.
$ Die dreijährige Dienstzeit und die Presse. Die französische nationalistische Presse rafft alle Kraft zusammen, um jetzt kurz vor der Entscheidung, für das Gesetz betreffend die Wiedereinsührung der dreijährigen Dienstzcit, das schwer gefährdet erscheint, Propaganda ■<u machen. So veröffentlicht die »Libre Parole" einen Apell der Militärtiga, der folgenden Wortlaut hat: „Der deutsche Reichskanzler hat gesagt, daß das Gesetz, durch welches das deutsche Heer um 200000 (!) Mann vermehrt wird, fo gut wie angenommen ist. Die Kraft unserer Besieger von 1870 wird dadurch zweimal so stark fei.i als die unfrtge. Frankreich hat noch nichts getan und infolgedessen fühlt sich die Militärliga verpflichtet, ihre Zuflucht zu einer Maflenmanifestation am 2. Mai zu nehmen, zu der alle Patrioten dringend emgeladen werden." Dieser Appell ist von dem Schwiegersohn Boulangers, dem Kommandanten Ortant, dem Präfidenten der Militär- liga, unterzeichnet.
** Der Gotthardvertrag. Der Schweizerische Stände- rat hat nach mehrtägigen Verhandlungen den deutsch- schweizerischenGotthardvertrag mit 33 gegen 9 Stimmen genehmigt. Ta er vom Nationalrat bereits gut- geheißen ist, so ist der Vertrag nunmehr von der Bundesversammlung ratifiziert und wird bereits am 1. Mai rechtskräftig. Somit treten für den deutsch- italienischen Verkehr über den Gotthard nächsten! die herabgesetzten Bergzuschläge in Kraft.
△ Tie katholische Kirche in Rußland. Vor einigen Tagen hat die „Nowoje Wremja" in St. Petersburg die Antwort auf den Protest des Hei- ligen Stuhls gegen die Verfolgung der Katho- liken veröffentlicht. Wir Haden an dieser Stelle schon öfters auf die Schwierigkeiten hingewiesen, welche der Ausübung und der Ausbreitung des Katholizismus im Reiche des Zaren entgegengesetzt werden. Die Existenzbedingungen der katholischen Kirche in Rußland sind derartig, daß auch der Heilige Stuhl nicht länger mehr ruhig zusehen konnte und sich verpflichtet sah, energisch gegen diese Bei- folgungssucht zu protestieren. Wir kennen den In- halt der päpstlichen Note an die russische Regierung nicht; die „Nowoje Wremja" sagt darüber nichts. Dafür bringt sie sehr ausführlich die Antwort, welche die Negierung an den russischen Gssandten beim Vatikan Herrn von Nelidow auf den Protest des Papstes gegeben hat. Diese Antwort lautet kurz zusammengesaßt: Die russische Regierung hat sich keines Aktes der Unduldsamkeit gegenüber der katholischen Kirche schuldig (?) gemacht: im Gegenteil, der katholische Klerus lehnt sich systematisch gegen die Rechte des Staates auf; dies wird die russische Regierung nicht länger dulden. Die russische Regierung verspricht keinerlei Reformen, sie erklärt vielmehr klar und deutlich, daß sie in ihrer Kirchenpolitik nicht das geringste ändern wird. Die russische Regierung hat also den berechtigten Klagen des Vatikans keinerlei Genugtuung gegeben. Die katholische Kirche in Rußland darf sich auf einen verstärkten Kampf gefaßt machen. (Hat doch die „Nowoje Wremja" an anderer Stelle erklärt, das Vorgehen der Verbündeten auf dem Balkan leite den Entscheidungskampf zwischen Orthodoxie und Papsttum ein!) Die Verfolgungen gegen Katholiken, Priester und Bischöfe werden nach tote vor ihren Fortgang nehmen. Der Artikel 17 des Gesetzes über die fremden Religionsgenossenschaften macht die Bischöfe selbst zu Ausführern der Verfolgung gegen katholische Pfarrer und Priester. Jeder katholische Geistliche, der sich der Regierung mißliebig macht (und ein Geistlicher, der seine Pflicht erfüllt, zieht früher oder später die Ungnade der Regierung auf sich), wird dem Bischof zur Bestrafung übergeben und tm Notfälle weiß die Regierung die Absetzung und Entfernung durch den Bischof zu erzwingen. Daß da an eine Ausübung ber Seelsorge, wie sie fein soll, überhaupt nicht mehr gedacht werden kann, daß solche Zustände das Vertrauen zwischen Geistlichen und Volk zwischen Geistlichen und Oberhirten zerstören müssen, versteht sich von selbst. Darin aber besteht das Nerdammungswürdige der russischen Ver- folgung, daß sie die Kirche nicht nur mit brutaler Gewalt verfolgt, sondern daß sie die Kirche der Möglichkeit beraubt, ihre Pflicht zu erfüllen. Wird es den russischen Katholiken gelingen, sich auf tu raffen?
△ Kulturkampf in ber Schweiz. Die Regierung des Kantons Solothurn mischt sich immer mehr in kirchliche Angelegenheiten ein, zu dem ausgesprochenen Zweck, "die katholische Kirche ganz unter ihre Kontrolle zu bringen. Wie die „Liberte" in Freiburg schreibt, nahmen die Akte des Kultusdirektors einen völlig despotischen Charakter an. Pfarrer werden auf bie gerinofte Denunziation hin einfach „a b g e s e tz t"; ber Bischof hajt nichts mehr zu sagen. Die Regierung beschließt, „setzt ab", urteilt, verbietet, ohne sich mit ber kirchlichen Behörde auch nur zu verständigen. Dies kommt in ber „freien" Schwei; vor! — Es ist eben überall gleich, wo die Freimaurerei und der Liberalismus zur Herrschaft gelangen.
4- Ta! preußische IbgeetbnttenhauS will die zweite Lesung bei Etat! in vieler Woche noch zu Ende führen. Zu diesem Zwecke werden die Sitzungen be- reit! aus 10 Uhr anberaumt und sollen bis 6 Uhr dauern. Am Montag soll da! BeamtenwohnungS- Gesetz, das Oderwasser-Gefetz und die ländlichen Fortbildungsschulen erledigt werden. Für die dritte Lesung deS Etat? find der 15., 16. und 17. April vorgesehen. Nach der dritten Lesung De! Etats soll die Vorlage betr. Elektrisierung der Stadtbahn auf die Tagesordnung gesetzt werden. Man will versuchen, den ganzen Arbeitsftoff bi! »um 30. April aufzuarbeiten. Jedenfalls wird der 8. Mai der letzte Sitzungslag vor Pfingsten sein.
Q Zum Zesuiteugesetz. Wie verlautet, werden zur-' zeit vom ReichSamt des Innern Ermittelungen in der Jesuitenfrage angeftellt. Die Ermittelungen beziehen fich aus die Zahl und Beschäftigung ber Jesuiten in den einzelnen Staaten, sowie auf die Gesetzgebung der einzelnen Bundesstaaten in Sachen be! Jesuitenorden!. Diese Anordnung ist zweifellos eine Vorarbeit für die Beratung be! Bundesrats über den Beschluß beS Reichstages auf Beseitigung des JefuitengeletzeS.
** Hebet den Wehrbeitrag veröffentlicht ber Se- natspräsibent bes preußischen Oberverwaltungsgerichts, Wirkst Geh. Oberregierungsrat Dr. Strutz- Berlin in ber „Deutschen Juristenzeitung" einen längeren Artikel, in bem er zunächst seinem Befrem- den Ausbruck gibt, über bie knappe Begründung ber Vorlage. Er bringt bann eine ganze Reihe von Bedenken gegenüber der Wehrvorlage vor, bie auch schon anderwärts laut geworden sind, und kommt zu folgendem Schluß:
„Den Wehrdettrag können wir ja nun leider nicht entbehren. Aber nichts wäre verkehrter, a!s wenn fich ber Reichstag bestimmen ließe, die Vorlage übers Knie zu brechen. Sie bedarf einer äußerst gründlichen Nachprüfung, einer um so gründlicheren, als offenbar ber Reichlregierung nut sehr wenig Zeit zur Vorbereitung und Ausarbeitung einer so vollkommen neuartigen und einschneidenden Sieuervorlage zur Verfügung gestanden bat. Rücksichten auf tue Wehrvorlagen könnten den Reichstag nicht entschuldigen, wenn er fich für die Durcharbeitung der Dettungsvorlagen nicht die nötige Zeit nähme, sondern können ihn nur, müssen ihn aber auch bestimmen, die Verabschiedung jener nicht mit dieser ,u verkoppeln."
= „Gründliche Obstruktion gegen die Wehrvorlage!" so hatte der „Vorwärts" kürzlich kühn losgeschmettert. Jetzt klagt er schon: „Wer weiß, ob nicht am Ende gar aus dem Deckungsschacher die höhere nationale klerikal-konservativ- nationalliberale Dreiheit hervorgeht." — Man sieht, die Angst macht den „Vorwärts" erbeben.
* Di« altgläubigen Juden und das Zentrum. Der „Israelit , das in Frankfurt a. SOL erscheinende „Zentralorgan" für bas orthoboxe Judentum schreibt in Str. 14 „zu den Landtagswahlen":
»Wohl bedarf an und tur sich die Erhaltung de! Judentum!, wie bie tausendjährige Geschichte unseres Exils bewiesen hat, keineswegs be! schützenden Einflusses äußerer Machtfaktoren, und vom Etandpunkle des über« lieferten Judentum! au! würben w i r uns (das sei ausdrücklich betont) auch mit einer völligen Trennung von Staat und Kirche sehr gut abzustnden wissen. Solange aber nach der Sage unserer Gesetzgebung tausendfältige Beziehungen »wischen dem Betäligungstrei! ber Legislative und jüdttch-religiösen Institutionen belieben, ist e! in der Tat durchaus nicht gleichgiltig, ob in den Parlamenten bie Ueberzeugung vor dem gewaltige i ewigen Wert der Religion und ihrer Institutionen ihre Vertretung findet, oder ob mehr ei'er minder bewußt religionsfeindliche Strömungen dominieren Mag da! überlieferte Judentum in religiöser Hinficht sowohl wie in seinem ganzen Ausbau unb in seiner ganzen LebenSanschauung noch so viel von ber katholischen Kirche trennen — bie eine Tatsache darf nicht vergessen werden: daß bie Zentrumlfraktton seit ihrem Bestände bei jeder Gelegenheit ans! nachdrücklichste s ü t bie religiösen Interessen bei orthodoxen Judentum! eingetreten ist, wie insbesondere bie Vorgänge gelegentlich bei Antrag! Gröber über den Schutz des Schachtens eklatant bewiesen haben. Bon jeher aber hat dem Juden, leweit er diesen Namen mit Recht verdiente» sein religiöse! Interesse turchhoch übet allen sonstigen Anliegen seine- öffeniadiat Ledens ge« standen, und wir würde» ber Symva t = • ;ür das Zentrum selbst dann das Wort t.. en, tue. a oie Behauptung gelegentlicher antilernugchcr Anwandlung ber Partei
Deutscher Reich.
):( Hohenzoller» und Welfen.
Die durch die Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen mit dem Herzog Ernst August von Braunschweig und Lüneburg angebahrrte Ver- söhnnng der Häuser Hohenzollern und Cumberland hat am Donnerstag in Homburg v. d. Höhe ihren grmeüen Abschluß gefunden. Zur fteundschastlichen eendigung bei siebenundvierzigjährigen Streites ist dort der Kaiser mit dem alten Herzog von Cumberland zusammengetroffen. Diese Versöhnung wird auch in welsischen Kreisen mit großer Freude begrüßt.
Nm 11 llhr 50 Minuten traf der cumberländische Sonderzug, bestehend au! drei österreichischen Salon- wagen, ein. Da e! sich um ehren streng familiären Besuch handelt, war von einer offiziellen Begrüßung Abstand genommen. Al! der Sonderzug entlief, trat der Kaiser auf den Bahnsteig hinaus und eilte der zuerst dem Zuge entftetgenben Herzogin Thyra von Cumberland entgegen, reichte ihr hilfreich die Hand und küßte sie aus Hand und Wange. Dann eilte der Kaiser dem Herzog von Cumberland entgegen, reichte ihm die Hand und schüttelte sie traf» tijj. Die Prinzessin Viktoria Luise wurde von ihrem künftigen Schwiegerdater auf beide Wangen geküßt. Prinz Ernst August von Cumberland entstieg in seiner preußischen Husarenuniform inzwischen dem Salonwagen und wurde von allen herzlich begrüßt. Er unterhielt sich bann lebhaft mit seiner Braut und dem ebenfalls mit seiner Gemahlin angekommenen Prinzen Max von Baden. Um 12 Uhr verließen die Herrschaften in ben kaiserlichen Automobilen, stürmisch begrüßt vom Publikum, ben Bahnhof unb begaben sich tn da! Königliche Schloß. Am Mittag sand Familientafel statt.
Kurz nach 8 llhr fuhr bet Kaiser mit seinen Gästen und dem ganzen Gefolge in 10 Automobilen auf bie Saalhurg. Der Kaiser übernahm selbst die Führung. Jeden hervorragenden Fund, die rekon- fintierten Geschütze, die Handwerksgwäte erläuterte und erflärte er in eingehender Weise. Im Saalburg, museum überraschte er den Herzog mit einer sinnigen Aufmerksamkeit. Er überreichte ihm einen Spazierstock, der au! Eichenholz, das vor 2000 Jahren bei der Anlage eines römischen Brunnens Verwendung fand und aus dem der Stock kunstgerecht geschnitzt ist. In Silbernägeln trägt er die Inschrift „Saalbura". Längere Zeit verweilten die Herrschaften im Reichs- limeSmuseum bei den Funden aus dem Kastel Zng- manteL Nach einem Rundgang durch die Übrigen Baulichkeiten und bet Besichtigung ber neubegonnenen Ausgrabungen fuhren die Fürstlichkeiten inS Saalburgreflaurant, wo sie den Tee einnahmen. Tann kehrten sie nach einem kurzen Besuch der Jupitersöule nach 6 Uhr ins Schloß zurück. — Zahlreiche Welfen sind nach Homburg v. d. H. gekommen. Die Stadt ist von Fremden überfüllt.
her immer noch an dem guten AuSgang zweifelten, blühen Frühlingsblumen auf.
Sind wir denn nun wirklich über den Berg? ES scheint so, denn von mehreren Seiten wird gemeldet und bestätigt, daß die Montenegriner da! Bombarde- ment von Skutari wieder eingestellt haben und die serbischen Hilfskräfte sich von dort zurückziehen. Skutari war aber ber letzte und schlimmste Stein des Anstoßes für den europäischen Frieden. Wenn Skutari ohne weitere Zwangsmaßregeln dem neuen Albanien überlassen wird, dann braucht man sich nicht mehr auszuregen. Denn all die anderen noch schwebenden Fragen der türkischen Kriegsentschädigung, der ägäischen Inseln, der Abtretung von Bilistria, der Verteilung der BeutS unter den Balkanstaaten, — das sind samt und sonders Dinge, die für den Balkan interessant und wichtig sein mögen, aber doch auf keinen Fall den Frieden unter den Großmächten erschüttern werden. Die Gefahr ber europäischen Konflagration ist überrounben; bas weitere wird sich schon finden.
Nun wird behauptet, der Triumph Europas sei nicht durch die Flottendemonstration oder sonst ein Machtmittel herbeigeführt,' sondern nur das schnöde Geld. Nikita unb sein hamntelliebendes Volk seien durch das Angebot einer Geldentschädigung von 21 Millionen zum Verzicht auf Skutari bewogen wor- ben. Wir würben ben Oelzweig bei Frieden» auch bann mit Freuden begrüßen, wenn er nicht von einer idealen Taube, sondern von einem Prosaischen Goldesel herangebracht sein sollte. Aber aller Wahrschein. lichkeit nach würden Montenegro und Serbien sich nicht mit einer Geldabsindung begnügen, wenn sie Überhaupt noch Aussicht auf die Erlangung Skuta« ri! gehabt hätten. Der Verzicht beweist auf jeden Fall, daß die russische Hilfe den trotzigen Vak- tanftaalen versagt wurde. Damit stimmt auch dis weitere Nachricht überein, daß Oesterreich mit der Einrnarschierung seiner Truppen in ben Sandschak gedroht habe. D. h.: den Montenegrinern unb Serben ist klar gemacht worden: wenn ihr Oesterreich zum militärischen Eingreifen nötigt, so wird Rußland sein Heer nicht marschieren lassen! Also tn Rußland ist zur Zeit die friedliche Politik oben. Der Zar ist bis zu diesem Wendepunkt dem Ministerium Cokowzew-Ssasonow treu geblieben. Da! ist erfreulich. Denn wenn auch das Wetter in Petersburg immer mal wieder umschlagen kann, so haben doch bie panslawistischen Agitatoren und bie großfürstlich« Kriegspartei in der gegenwärtigen Krisis den kürzeren gezogen, und nach aller Wahrscheinlichkeit werben sie doch lange warten müssen, bis sie wieder eine so „schöne" Gelegenheit zur Anzettelung eine! Kritft ges finden, wie sie soeben sich geboten hatte.
Hat nun Oesterreich triumphiert? Insofern fteilich, als es die letzte Forderung durchgefttzt hat, auf die es im Interesse des Friedens seine Politik reburiert hatte. Es hat verzichtet auf die Neutralität Salonikis und auf die freie Handelsstraße dorthin; es hat den Sandschak, der vor 4 Jahren voreilig geopfert worden war, endgiltig fahren lassen, und in der wichtigen Adriafrage hat e! sich zu einem Kompromiß mit Serbien verstanden. Auch in bet Abgrenzung von Nordalbanien brachte ei große Opfer; sogar Djakova wurde preisgegeben. Nur bet Skutari wurde mit einem Entweder — Oder ein Erfolg erreicht. Also die Ernte ist nur mäßig, namentlich, wenn man die furchtbare Last der halbjährigen Kriegsbereitschaft dagegen aufredjnet. Doch schließlich ist die Ehre gerettet, das Ansehen Oesterreichs und des Dreibundes befestigt unb damit der Grund gelegt zu einem anständigen modui vft vendi mit den Balkanstaaten.
Was Deutschland anbetrifft, so fügte e| sich sehr gut, daß ber Reichskanzler seine hochpoli- tische Rede knapp vor ber günstigen Wenbung hielt. Es tritt klar zu Tage, daß bie zugleich kräftige unb kluge Politik des deuffchen Reiche! wesentlich dazu mitgewirkt hat, um bie Ansprüche Oesterreichs burch- zusetzen und die Kriegspartei ht Petersburg nebst deren französischen Gehilfen niederzuhalten.
/Tie Blockade Montenegro».
Wien, 10. April 1913. Der Kommandant bei ersten Geschwaders unserer Kriegsflotte, da! an der inten» nationalen Flottendemonstration gegen Montenegro beteiligt ist, teilte der „Militärischen Rundschau" zufolge dem Kriegsministerium und der Marinesektion ben Text der Ankündigung der Blockade telegraphisch mit, die folgendermaßen lautet:
.Ich erkläre die Blockade an der Küste zwischen dem Hafen von A n t i b a r i unb ber Mündung bei Drin- Flusses. Die Blockade beginnt heute morgen um 8 Uhr früh am 10. April. Die Blockade erstreckt fich auf die Küste zwischen dem 42. Grad 6 Min. unb bem 41. Grad 45 Min. nördlicher Breite unb schließt all« Häsen, Buchten, Reeden und Flußmündungen innerhalb dieser Grenzen und die nächst ber Küste gelegenen Inseln in sich unb richtet sich gegen alle Schiffe aller Nationen. Allen Schiften, welche fich innerhalb be» Bio- ckadegebiete» befinden, wird eine Frist von 48 Stundens zum Verlassen beS Blockadegebietei gewährt, d. h. bilj um 8 llhr früh den 12. April. Eigenhändig gegeben an Bord des King Edward VII. den 10. April. Lecil Burnet), Vizeadmiral, Kommandierender der interna tto- len Flotte." >
« Wien, 10. April 1913. Die .Neue Freie Poesie^ meldet aus Sutomore, die Blockade wurde heute früh« um 8 Uhr über bie Küste von Montenegro bis San Giovanni di Mcdua verhängt. Um 10 Uhr liefen sämtliche S" mit Ausnahme deS »Erzherzog Franz Fer- dinand" und des „Dartmouth" in drei Etappen in süd-i ltcher Richtung gegen Tulcigno auS.
• Petersburg, 10. April 1013. Die „Sssetfch" erfahrt,, ein Schreiben aus Petersburg habe dem König Nikita ungeraten, sich den Forderungen der Mächte 8u unterwerfen. Tie hiesigen amtlichen Kresse sind unangenehm berührt von der neuen Weigerung Montenegros, Essad Pascha das Telegramm ber Pforte zu übermitteln, doch wird die Lage im ganzen ruhiger beurteilt, da man einen Erfolg deS finanziellen Anerbietens erwartet. Die .Rjessch" meint daz", auch solche Entschädigungen brauchten den Verzicht NikitaS auf den Thron nicht auszuschließen; die Vereinigung beider Serbenstaaien sei längst der Wunsch aller Serben unb Montenegriner, wenn auch vielleicht bie Zeit bafür noch nicht gekommen f W Konstantinopel, 10. April 1913. Alle türkischen Blätter weisen den Gedanken einer Kriegsentschädigung zurück und bestehen darauf, daß dte Balkanverbundeten eine Quote der türkischen Staatsschuld übernehmen. Äst Delegierten der Türkei für die Panter F-- nanzkonferenz sind der Engländer Crawsord, Rat tm türkischen Finanzministerium, unb ber frühere tUuni|tp Djawid bestellt.
Das Befinden des Papstes.
* Rom, 10. April 1913. Die ,Ttibuna' erfährt, der Papst scheine beprinuert und scherze nicht in le,n acroobnten Wesse übet ferne Kranlheit. ES "ege ein» Nierenaffcltion und ein Jnfluenza-AnsaU mit Herz schwäche vor. Eine eullchetdende Wendung zum Besseren fei noch ruckt eingetreten, wohl aber em Besserung gegenüber den Geiahranzetchen von Monm» abenb bis Dienstag. Tie Bewrznis für dte Erba rang des Lebens des Papstes fei immer noch „