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1 Blatt.

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Fuldaer Leitung. -

M 82.

Vonnerrkag 10. April 1915.

Lokales.

Fulda, 10. Apr.l 1913.

# Personalien. Versetzt wurde Zolleinnehmer Tchotte vom 15. April ab von Gersfeld nach Hünseld. Der Oberlandmesser Möhring von der Spezialkommiision I in Marburg an die Spezial- tommission III, der Oberlandmesser Langer von der Speziackommission III in Marburg an die Spezial- 'ommisston II, der Regierungslandmefser Böttcher »on der Spezialkommission II in Aiarburg an die Spezialkommiision I daselbst, der Regierungsland, mess« Becker von Witzrnhausen nach Eschwege. — Verliehen wurde dem Oekonomiekommissar Büchner 'n Marburg der Charakter als Oekonomierat: dem Oekonomiekommissar Dr. Ebersbach in Treysa /ine etatsmäßige Spezialkommiffarstelle.

* Ernannt wurden der Eisenbahnpraktikant iJehner iu Fulda zum Bahnhofsvorsteher Hier­selbst, die bei der Bauabteilung in Schlüchtern be- chäftigten Bauassistenten F o k k - n a u und Schenk |u technischen Eisenbahnsekrctären.

# Verliehen wurde dem Oberlandmesser K n l l - mann in Treysa der Rote Adler-Orden 4. Klasse; dem Kreisboniteur, Oekonom Rode in Heina Kr. Melsungen, das Berdienstkreuz in Silber; ' dem Generalkommissions-Botcnmeistcr S i n n i n g in Kassel das Kreuz zum Allgemeinen Ehrenzeichen; '»ent Hausdiener Wienert in Kassel das Allc-c- neinc Ehrenzeichen in Bronze.

△ Kläranlage. Die Klärung der Abwässer in der aädtischen Kläranlage wird regelmäßig von einem Chemiker untersucht. Die letzte Untersuchung hat am 11. März stattgefunden und hatte folgendes Ergebnis: Las Kanalwasser vor dem Einlauf in die Kläranlage 'satte suspendierte Substanz 0,876 grm. °/oo und Permanganatverbrauch 0,8803 grm. °/ro; das Wasser ms dem Wiesenschachte bei der Kläranlage hatte suspendierte Substanz 0,118 grm. %o und Perman- 'anatverbrauch 0,0901 grm. %o. Es fand somit eine Klärung von 75 Prozent und eine Oxydation von SO Prozent statt. Die Funktion der Anlage wurde von dem Untersucher als eine sehr gute bezeichnet.

D Die Schießaffäre auf dem hiefigeu Bahnhof end die erregte Verfolgung des Täters in der Um­gegend mit ihren Begleitumständen stand gestern vor­dem Hanauer Schwurgericht zur Verhandlung. Auf der Anklagebank faß der 27 Jahre alte Händler Paul Wilhelm M ü l l e r aus Berlin, dem die Anklage zur Last legte, 1. am 15. Dezember v. I. versucht zu haben, ^vorsätzlich den Schutzmann Hermann Er ost in Fulda zu töten, 2. am gleichen Tage den Schriftsetzer Willi Thomas oder den Landwirt Ludw. Müller in Gersfeld zu töten und 3. den Polizei­diener Kümmel in Gersfeld vorsätzlich mit einer Waffe körperlich mißhandelt zu haben. Schlechte Er- xichung hat mit dazu beigetragen, daß der Angeklagte schon zu früher Jugendzeit auf die schiefe Ebene ge­raten ist. Schon mit dem 16. Lebensjahr machte er Bekanntschaft mit dem Gericht, er verübte in Berlin einen Einbrucysdiebstahl und erhielt 1 Monat Ge­fängnis; dann wandte er dem Elternhaus den Rü­cken und glitt weiter abwärts. Gefängnis- wie Zucht­hausstrafen folgten sich. Als er wieder eine Zucht­hausstrafe hinter sich hatte, kam er int Dezember in die Rhöngegend. Mit einem gleichfalls herunterge­kommenen Menschen erschien er am 15. Dezember 1912 früh 6 Uhr beim Bahnhofsvorsteher der Station Wiesen und verlangte Fahrkarten nach Eisenach, welche ihm aber nur bis Fulda verabfolgt werden tonnten. _ Dem Beamten waren die beiden unheimli­chen Gestalten so verdächtig vorgekommen, daß er bem Bahnhof Fulda deren Eintreffen signalisierte. Ter dortige diensttuende Oberbähnaffistent wiederunt benachrichtigte die Polizei, worauf sich der Schutz­mann Crost nach bem Bahnhof begab. Nachdem der Zug gegen 148 Uhr eingetroffen, stellte sich Crost an der Ausgangssperre zur Beobachtung der ankommen­den Reisenden auf. Als er sich Müller, der ihm durch sein scheues Wesen aufgefallen war, nähern wollte, feuerte dieser aus einem mit Bleikugeln geladenen 7 Millimeter-Revolver einen Schuß auf den Beamten ab, dessen Kugel jedoch zum Glück an einem Knopfe der Uniform abprallte. Der Verbrecher schoß auf der Flucht den ihm nachsetzenden Hund eines Hilfsnacht­wächters, den er wohl für einen Polizeihund gehalten hat, nieder und entkam wie sein Kumpan in der Auf­regung. Er lenkte seine Schritte nach Gersfeld, wo er gegm 9 Uhr morgens dem Polizeidiener Küm- mel in den Weg lief. Durch seine primitive Kleidung

Der Gras van Tarent.

S5] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Nun begann der Prinz aufs neue:

„Es ereignen sich oft Dinge auf Erden, von denen sich Menfchenweisheit nichts träumen läßt. Der, den man gebettet hatte zur Ruhe für ewige Zeit, der konnte nicht ruhen in seinem Sarge. Gott hatte es anders gewollt. Zu mitternächtiger Stunde er­wachte er in seinem Sarge und das in dem Schein- toten wiedergekrhrie Leben kämpfte verzweifelt um sein Recht mit dem Tod: und si-ctte. Er sprengte seinen Sarg und fand sich lebend gefangen unter sei­nen Voreltern."

Schweigend ging der Prinz in den Hintergrund kr Grotte, wo die Särge aufein^ndergetürmt stan­den, und mit einem Ruck der Hand schleuoerie er das Gehäuse, in bem er einst geüaen, herunter von den anderen Sargen, und sein Sarg fiel t'olternb und krachend auf den harten, fettige- Boden, und die Bretter lösten sich und fielen auseinander.

Ein lauter Schrei des Entsetzens, — jeder sah, daß der Sarg leer war!

„Der von den Toten Erstandene durchlebte eine faßliche Nacht", fuhr der Prinz fort, „aber als das Tonnenlicht sich am Morgen über die Erde ergoß, da hat ihm ein guter Engel einen Ausweg aus dem Felsenlabyrinthe gewiesen, und er kehrte zurück zu den Lebenden, nachdem ihm ein gütiges Geschick vor­her Schätze ohne Zahl gezeigt, die einer seiner Vor- fabren verborgen hatte. Seltsam! Einen jungen Mann hatte man zu Grabe getragen, ein Tag und ctne Nacht nur, und sein Haar war grau geworden und sein Gesicht trug den Stempel des Alters. Kei- uer erkannte ihn — er war ein Fremder! Da scheute kr sich, t>or fein junges Weib zu treten, denn er fürchtete, sie möge erschrecken vor ihm. Die Nacht wablte^ er, die finstere Nacht, um einem Räuber <Üs'ch sein Hans zu umschleichen, und diese Nacht er« n’tc§ sich schlimmer, als die vorhergegangene Er gewahrte sein Weib und seinen Freund, n d die beiden küßten sich. Herr von Meneville, regt Sie Meute Erzählung auf'?"

Per Baron f'ot in der Tat ein Bild des Ent­

fiel er auch hier bem Hüter des Gesetzes auf und als ihn dieser zwecks Feststellung seiner Personalien an­sprechen wollte, wandte er sich zur Flucht. Kümmel setzte ihm unter den Rufen „Haltet ihn" nach. Durch die Rufe aufmerksam gemacht, drehten sich vier vor­dem Verbrecher gehende junge Burschen, unter denen sich der Schriftsetzer Thomas und der Landwirt Mül­ler aus Gersfeld befanden, um. Als Müller dies be­merkte, feuerte er in bet Richtung der Burschen eine Kugel ab, die den beiden genannten am Kopfe vor­beipfiff. Dann schoß er die Waffe noch einmal ab und traf den mittlerweile herbeigekommenen Polizeidiener am rechten Fuß. In der allgemeinen Verwirrung entkam er auch hier, wurde abckr zwei Tage später in der Nähe von Weyhers verhaftet. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig und bestritt nur, die Waffe auf die Gersfelder Burschen absichtlich losge- drücki zu haben, dieselbe sei ohne fein Zutun losgegan­gen. Den Geschworenen wurden 12 Schuldsra­gen vorgelegt; sie bejahten von den bezüglich des Crost gestellten den T 01 f ch l a g s v e r s u ch, bezüg­lich des Thomas und des Landwirts Müller nähmet« sie nur das Verbrechen der Bedrohung an und bezüglich des Kümmel gefährliche Kör­perverletzung. Der Vertreter der Anklage be­antragte wegen versuchten Todschlags des Schutz­manns Crost 4 Jahre Zuchthaus, wegen Bedrohung des Thomas und Müller in Gersfeld G Monate Ge­fängnis, wegen Körpervcrletzitng des Polizeidieners Kümmel 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis, z u s a m- m e n eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren und 8 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete wegen Tot­schlagsversuchs, Bedrohung und gefährlicher Körper­verletzung auf 4 I a h r e 6 M 0 n a t e Z u ch t h a u s und5 Jahre Ehrverlust.

a. Di Schonze't der Fische. Die Ausübung der Fischerei ist in nicht geschlossenen Gewässern wöchentlich von Samstag abend 6 Uhr bis Sonntag abend 6 Uhr untersagt. Für die Fulda innerhalb der Kreise Fulda und GerSfeld und deren Nebengewäffer mit Aus­nahme der Schlitz bis Altefeld und der Hanne von ihrer Mündung bis zum Einfluß der Bieber ist der Fischereibrtrieb vom 15. Oktober bis 14. Dezember einschließlich nur mit Genehmigung dr§ Regierungs- Präsidenten gestattet, während für alle übrigen Ge­wässer die sogen. Fruhjahrsschonzeit vom 10. April bis 9. Juni einschließlich gilt, mit der Maßgabe, daß daS Fischen während dieser Zeit an den drei ersten Werktagen jeder Woche, von Montags früh 6 Uhr bis Donnerstag früh 6 Uhr, gestaltet ist.

** Vor dem Schwurgericht in Hanau wird außer den bereits mitgeteilten Fällen verhandelt am Freitag, den 11. d. Mts. gegen den Schmiedelehrling Franz Eisenmann aus Poppenhausen und den Fabrik- arbeitet August Schaub ans Gackenhof wegen Mein­eids und Verleitung zum Meineid.

Experimental-Vortrag. Herr Dähne hielt gestern abend im Roten Saale der Orangerie vor zahlreichem, seht aufmerksamen Publikum den ersten seiner angekündigten Vorträge. Seit langem lesen wir fast tagtäglich von den Wirkungen des elektrischen Stromes in den verschiedensten Apparaten und ge­brauchen diese selbst, ohne vielfach auch nur eine annähernd klare Vorstellung vom Wesen und Zustande­kommen der Wirkungen dieser geheimnisvollen Kraft zu besitzen. Den Besuchern des gestrigen Vortrages dürfte sich dieser geheimnisvolle Schleier gclüjtet haben. Mit zwingender Notwendigkeit wies Herr Dähne die Einheit der Lrcht-, Wärme- und eleltrischen Strahlen auf experimentellem Wege nach und führte seine Zuhörer durch ein Labyrinth von Forschungen, von den dunklen Ahnungen Maxwells hinüber zu den Triumphen des Bonner Gelehrten Hertz. Eine Fülle vorzüglich gelungener Experimente im Verein mit den bei aller Wisseilschastlichkeit doch klaren Aus- sührungen des Vortragenden bot nicht nur eine Menge höchst interessanter Einzelheiten, sondern gab einen zusammenhängenden, vollendeten Ueberdlick über die neuzeitlichen Forschungen auf dem Gebiete der drahtlosen Uebertragung elektrischer Wellen. Zum Schluß gab Herr Dähne eine interessante Darstellung der mechanischen Schwingungsvorgänge (Klangfiguren), die sich unter Einwirkung verschiedener Töne auf einer Membran vollziehen.

L- Die Gründung einer Anstalt für Beschaffung zweiter Hypotheken seiteus der Stadt Fulda wird sicherlich von allen in Betracht kommenden Interessenten lebhaft begrüßt. Um die Höhe der von der Stade bereit zu stellenden Mittel ungefähr seststellcn zu können, ist es nötig, daß die Hausbesitzer dem Magistrat — die Angaben werden vertraulich be­

setzens. Er lehnte kreidebleich an der Felsenwand und starrte auf den Sprecher, als fei ein übernatür­liches Wesen in ihm verkörpert. Ein starker, kräf­tiger Mann in den besten Lebensjahren, zitterte er doch an allen Gliedern.

Der Vieomte Bixio wußte kaum, daß über feine Wangen Tranen perlten, der alte Herzog Tesia staub wie zu Stein erstarrt. Fürst Guastalla zeigte An­zeichen der höchsten Erregung, die lauschenden Die­ner auf der Treppe iianbcn stumm und starr.

„Da wurde es auch Nacht in dem Innern eines Unglücklichen. — Seine Ideale fielen in Trümmer! Er hörte, daß die eigene Frau ihn gehaßt eines an­deren halber. Da schwur ein unglücklicher Mann, daß er sich rächen wollte für so viel Schmach und freche Sünde. — Er zog hinaus in die weite Welt, andere Menschen zu schauen und andere Tinge. Als er wieder heimwärts kehrte, galt es der.Rache! Wie leicht wurde sie! — Die früheren Freunde trafen sich wieder — das erste, was der Rächer tat, war, er den Verräter, -brfat 1X1 :'r nc* R " zu hohem Spiel trieb. Der. tückische Verderber b-’r lor alles — bah, bah, das war nur lwr A.^ang. ,r Rächer las tn dem Herzen des Schändlichen seine innersten Gedanken, und seine Kenntnis davon und glücklicher Zufall verliehen ihm die Macht, die Zu­versicht eines Gottlosen zu erschüttern. — Dann kam eine andere Nacht, in der der so schwer getäuschte Mann mit eigenen Ohren vernahm, wie der Ver­fluchte Gift mit Geld erkaufte, um ein unschuldiges Kind, das ihm im Wege stand, ums Leben zu brin« gen. Das Kind des verstorbenen Freundes! Selbst die Giftmischerin erschauerte und warnte, umsonst."

„Erschreckt eilte ein besorgter Vater heim zur Stätte und stahl sein eigenes Kind", sagte der Er­zähler. „Nicht einer hatte den, der aus seinem Sarge erstanden, erkannt, aber das Kind erkannte seinen Bote- und lallte Worte bet Freude und der Liebe. Willig ging es mit ihm und lebt heute an sicherer Stätte. Ein Spielzeug und ein kleines Ba­rett in den Wogen des Meeres ließen glauben, daß der letzte Erbe eines alten Geschlechtes seinen Tod gefnnden. Ein Elender stand vor dem gewünschten Ziele. Er brauchte nur mehr die Hand auszustrecksn und zu nehmen. Da ereignete es sich, daß das Herz einer Frau sich wendete — sie erkannte den Ver­

handelt — schriftlich mitteilen, welchen Betrag als 2. Hypothek sie benötigen. Dies muß bis zum 1. Ma- geschehen fein, da alsdann weitere Schritte unter­nommen werden sollen.

• Der Landesausschuß des Bezirksverbandes Kassel wird am 28. April zu einer mehrere Tage umfassenden Sitzung zusammentreten, um auf der Grundlage der Beschlüsse des letzten Kommunallandtages dir Be­zirk s st e u e r n für dir einzelnen Kreise und Gemeinden des Regierungsbezirks Kassel festzusetzen. Eine Er­höhung der Steuern ist nicht beabsichtigt, doch dürften aus dem vergrößerten Steuereinnadmezoll sowie den meisten Gemeinden erhöhte Bezirkssteuern erwachsen. Ferner wird der Landesausschuß zu einer größeren Anzahl Neu- und Erweiterunasbauten von Landes- heilanstalten, Landkrankenhäusern und Gebäuden des LandeShospitals Haina Stellung zu nehmen haben; weiterhin tollen Pläne und Vorschläge wegen des Baues der Stiftungskirche für die Landes- Heilanstalt in Marburg erörtert werden.

? Sozialer Ausschuß für Fulda und Umgebung. Tie diesjährige ordentliche Generalversammlung fand am Dienstag dieser Woche in der Harmonie statt und war gut besucht. Zum erftenmale waren auch Ver­treterinnen der Vereine katholisch-kaufmännischer Ge­hilfinnen und katholischer Dienstmädchen erschienen, was allseitig begrüßt wurde. Der Geschäftsbericht ließ erkennen, daß der Ausschuß im letzten Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet hatte. Es wurden 9 Vorstandssitzungen, 4 Ausschußsitzungen mit Hinzu­ziehung von sonstigen interessierten Personen, 3 Ver­sammlungen in Fulda, davon eine öffentliche, und 5 Versammlungen auswärts abgehalten. In den Ausschußsitzungen und Versammlungen wurden auf- klärende Borträge über die Aufgaben des Ausschus­ses und Borträge über wichtige soziale Angelegen­heiten gehalten. Leider mußte man auch hier wieder die eite K läge vernehmen, daß dem Ausschuß we­nig Beachtung geschenkt wird, daß feine Tätigkeit wenig Verständnis findet und daß seinen Bestrebun­gen manchmal geradezu entgegengearbeitet wird. Von mehrfacher Seite lvurde bedauert, daß sogar Männer, welche bevorzugte Stellen in den dem Ausschuß an- geschlossenen Vereinen einnehmen, die Tätigkeit des­selben herabzuwürdigen und gegen ihn Stimmung zu machen suchten. Wenn sie wirklich berechtigte Klagen hätten, so sollten sie diese entweder in ihren Vereinen oder in den Sitzungen des Ausschusses Vor­bringen, damit Abhilfe getroffen werden könnte. Möge man doch endlich die kleinliche Selbst- und NÄgelsuchl aufgeben und selbstlos mitarbeiten im Dienste der nationalen Volkswohlfahrt. Angesichts der immer zunehmenden gegnerischen Bewegung können wir uns den Luxus einer Zersplitterung wirk­lich nicht leisten. Die Bestrebungen des Ausschusses verdienen unterstützt zu werden; will doch derselbe hauptsächlich dahin wirken, daß in unferm Fuldaer Lande mit überwiegend christlicher Bevölkerung auch die christlich nationalen Männer in den Versiche- rungs- und Obewersicherungsämtern, Gewerbege- richten und auch die Frauen in den Krankenkassen entsprechend vertreten sind. Es wäre eine Schmach für uns und wir wären unsrer Väter nicht wert, wenn hier und in ■ anderen Orten in verschiedenen sozialen Institutionen die Sozialdemokraten über« wiegten ober gar das Feld allein behaupteten, wie es leider früher schon der Fall war. Um das zu vermeiden, müssen alle in Betracht kommenden Ver­eine einmütig zusammen arbeiten, muß insbesondere auch der Soziale Ausschuß unterstützt werden. Derselbe hat in Krankenkassen und anderen sozialen Instituten schon manche wesentliche Verbesserung an« regt und durchgeführt, und viel wichtige Aufgaben stehen ihm noch zur Lösung offen. Die Reichsver- sicherungsordnung hat eine Umänderung der Ver­sicherungsbehörden gebracht, Neuwahlen mußten vor­genommen werden und sind noch vorzunehmen. Die Statuten der Krankenkassen sind entsprechend der Reichsversicherungsordnung abzuändern. Da muß der Ausschuß entschieden Mitwirken, um die Dinge nach dem christlich-sozialen Geiste der Versicherungs- gesetze gestalten und die Kassen so ausbauen zu hel­fen, daß sie einerfeits leistungsfähig bleiben, anderer­seits soziale Wohlfahrtseinrichtungen im vollsten Wortfinne sind. Soll das erinöalicht werden, fo müssen sich auch die fernstehenden Vereine dem Aus­schuß anschließen und ihm durch entsvrechende Bei- traasleistunq die Mittel zur Durchführung seiner wichtigen Aufgaben gewähren. Daß es hieran noch mangelt, zeigte der Kassenbericht recht deutlich. Da­nach hatte der Ausschuß in 1912 eine Einnahme von

derber in seinem toabren Werte und wandte sich schaudernd von ihm. Seltsame Umwechslung! Sie vertraute einem anderen und der riet ihr, den Un­würdigen mit der List eines Weibes weiter in der Zuversicht zu erhalten, bis zur letzten Minute. So ist es auch geschehen. Die junge Frau rat recht, dem Rate zu folgert, denn der Elende taumelte weiter am Rande des Abgrundes wie ein Blinder, und das mußte sein, um ihn ganz zu entlarven, in dieser kurzen Zeit wurde er zum Falschspieler und um einen ehrlichen Gegner zu beseitigen, legte er sich in einen Hinterhalt, schoß meuchlings auf ihn und traf — einen anderen!"

Nun ging der Prinz schweigend zu dem Sarge seiner 'Mutter. Zwei Degen lagen darauf. Er nahm sie und trat dann langsam auf den Baron zu.

„Anawle von Meneville, Gefährte meiner Kind­heit, Freund meiner Jugend. Verräter, Ehebrecher, Giftmtscher. Falschfvielcr. Meuchelmörder — nun verlange ich Dein Blut!"

Mcncoille nahm keine der ihm zur Auswahl ge­reichten Waffen — verzweiflungsvoll irrte sein Blick umhc> und blieb an der Stelle haften, wo die Stu­fen zum Ausgange führten. Die anderen bemerkten diesen Blick und wie auf ein ergebenes Zeichen stellte sich der Vicomte Bixio und Fürst Guastalla vor die Stufen:

„Meneville, sterben Sie wenigstens als Mann, nachdem Sie gelebt wie ein Schuft!" sagte der Vicomte.

Ter Angeredeie sank in die Knie. „Erbarmen, Gnade!" keuchte er, „ich kann nicht fechten — nicht jetzt und nicht an diesem Orte--!"

„Dieser 'Men ich ist auch eine Memme", sagte der Herzog von Tesia, „keiner der Lakaien würde so handeln!"

Nun griff Meneville nach einem der beiden Degen Mit blutunterlaufenen Augen, bebend vor Scham und Wut und Furcht stellte er sich in Positur. Etwas Zuversicht kehrte doch wieder mit dem Be­sitze der Waffe. Die Chancen waren ja gleich, er selbst war ein kräftiger Mann und wohlunterrichtet in der Kunst des Fechtens ....

Der Kampf begann.

Der Prim bmjbßabte den Degen mit Ziger

209,95 Mk., ein Ausgabe von 157,05 Mk., sodaß ihm nut ein Kassenbestand von 43,50 Mk. verblieb. We­gen Mangels an Mitteln mußten manche wichtigen Aufgaben zurückgestellt werden. Die Sozialdenwkra. tie hat dagegen weit mehr Mittel zur Verfügung und weiß sie geschickt für ihre Zwecke zu verwenden. Sollten wir nicht mindestens dasselbe leisten können! Man soll es nur nicht am guten Willen und der nötigen Energie fehlen lassen und stets bedenken, daß wir sein müssen ein „einig Volk von Brüdern", und daß wir demgemäß zu handeln verpflichtet sind.

** Geldvermittelnugsstelle deS Deutschen Stästetages. Der Vorstand der GeldvermittelungSftelle des Deuschen Städletages hielt in Dresden eine Sitzung ob. Ober­bürgermeister Dr. Scholz - Kassel erstattete Bericht über die bisherige Tätigkeit. Die Entwicklung darf eine außerordentlich glückliche genannt werden. Während des dreijährigen Bestehens wurden, soweit kurzfristige Darlehen in Frage kommen, rund 214000 000 Mk. nachgefragt, von denen rund 80000000 Mk. gedeckt werden konnten; andererseits betrug in derselben Zeit die Höhe der Angebote rund 112500000 Mk., von denen rund 76000 000 Mk, untergebracht wurden. Auch die Vermittlung lang­fristiger Anleihen, die erst 'eit etwa über einem Jahr ausgenommen wurde, getaktete sich bereits recht lebhaft; es wurden im gau rund 135000000 Mk. angemeldet, von denen iu..j 19500000 Mk. abgeschlossen wurden, während eine Anzahl von Beträgen sich noch in der Schwebe befindet. Selbst in den Zeiten knappsten Geldstandes und hoher Reichsbankdiskontsätze, war die Vermittlung kurz/ triftiger Anleihe zu relativ niedrigen Sätzen — häufig sogar zu 1 bis IV« Prozent unter Reichsbankdis­kont — möglich. Im letzten Jahre ist es trotz der abnormen Verhältnisse gelungen, einer Reihe von Städten über große Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, die anderwärts nicht oder doch nur zu äußerst drückenden Bedingungen Geld hätten erhalten können.

= Der Saatenstand im Regierungsbezirk Kassel lieber den Saatenstand im Regierungsbezirk Kassel um den Anfang des Monats April haben die land- wirtfchaftlichen Vertrauensmänner folgende Gut­achten abgegeben: Für Win ter Weizen gut bis mittel und ebenso für Winterroggen gut bis mittel.

Aus dem Nachburgediete.

s. Hofbieber, 9. April 1913. Unser Dorf hatte zwar noch, wie viele andere Ortschaften, von alters- her seinen .Lind en platzt, aber feit ungefähr drei Jahrzehnten fehlte darauf die Dorf linde. Dieser Mangel mußte bedauert werden; sind doch gerade diese natürlichen Mittelpunkte unserer Dörfer etwas Uraltes und Stimmungsvolles. Am 10. März nun wurde aus Anlaß der Jahrhundertfeier von Deutsch­lands Befreiung wiederum eine Linde auf dem Linden­platze inmitten des Ortes gepflanzt. In Gegenwart ves KriegervereinS und der Schulen wurde dec Akt voll­zogen, und so ist dafür gesorgt, daß daS Denkwürdige dieser Neupflanzung auch dem Gedächtnis der zu­künftigen Bewohner erhalten bleibt.

* Witzenhausen, 9. April 1913. Die letzten herrlichen Frühlingstage haben es bewirkt, daß an besonders warm gelegenen Stellen die Kirschbäume ihre volle Blütenpracht bereits entfaltet haben. Bei warmem Frühlingswetter wird kommenden Sonntag daS Blütenfeft in Witzenhausen stattfinden.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 9. April 1913. Ein junges Mädchen hier hantierte gestern mit Benzin und stand plötz ich auf unaufgeklärte Weise in Flammen. Zum Glück war Hilfe gleich zur Stelle, die die Flammen er- stickten. Wiederum ein Beweis, daß man mit dem Umgang leicht brennbarer Stoffe nicht vorsichtig ge­nug sein kann.

* Stadtlengsfeld, 9. April 1913. Es besteht die Absicht, die hiesige Bürgerschule und die evangelische Kirche mit einer gemeinsamen Zentralheizung zu versehen. — Für den nach Gotha versetzten Brief­träger Müller ist der fahrende Briefträger Enton aus Königsee nach hier gekommen.

* Orchsen, 9. April 1913. Die hiesige zweite Lehrerftelle hat Lehrer Straube wieder übernommen, nachdem dieser ferner einjährigen Militärpflicht genügt hat. Seinem Stellvertreter, dem Schulamtskandrdaten Gook aus Mihla, ist die erledigte Lehrerstelle in Sünna übertragen worden.

Ruhe, nicht die geringste Aufregung war an ihm zu bemerken. Meneville war gleich von Anfang an zum Angriff übergegangen. Die Funken sprühten von den stählernen Klingen. ;

In dem Vicomte Bixio erwachte die Kampfnatur. Ec Haire seinen Staudpunki verlassen und war den Kämpfenden näher getreten. Mit vrößtem Interesse folgte sein Auge lebem .der Angriffe.

Baron von Meneville ließ den Degen sinken, die Hand, die ihn geführt, regte sich nicht mehr. Laut­los war er auf den Felsenboden nieoecgestürzt. Starr und steif lag er da.

Der Vicomte kniete nieder und öffnete das Ge­wand des Gefallenen. Nach einer Minute schon er­hob er sich wieder.

„Tot wie ein Stein", murmelte er, „der Stoß ging mitten ins Herz."

Der Prinz nahm den D -gen, mit bem er den Räuber 'einer E-'-- hinqestreckt und brach ihn in Stücke. Dre Stücke warf ~- vor die Füße des Ge­fallenen. Dann setzte er seinen Hut auf und stieg schwei-'-'^ die Stufen vom Grabgewölbe empor- Die Skaliere folgten ihm. Oben sagte der Prinz ^ntge leise Worte zu Jacobo, wahrscheinlich war es eine Anordnung wegen der Fortschaffung der Leiche, denn Jacobo machte sich daran, wieder hinunter zu steigen. Der alte Mann sandte einen suchenden Blick umher Er hatte etliche Diener von der Burg Tarent gesehen vorher, die Zeugen gewesen waren von der ganzen Szene. Sie sollten ihm nun helfen. — Keiner war mehr da!

Sie waren fortgestürzt, um die wundersame Mär nach der Burg Tarent zu bringen, daß ein Lebender dem Tode verfallen und ein Toter zum Leven zurück- gekebrt sei. —

Schweigend verließen der Prinz und seine Be­gleiter den Friedhof. Ta, wo der Weg abzweigte mr Burg Tarent, reichte er jedem die Hand zum Gruße.

„Mein Prinz, wohin wollen Sie?" fragte der Herzog von Tesia.

Der Prinz beutete hinauf zu bet Fels'1 " ; ber die Burg seiner Väter stand.

„Zu einer unglücklichen Frau!" (Fortsetzung folgt.)