Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Leitung

trf^eint »glich mtt flu«no1)tnt Der Sonn* und jelertege. (Hertel* IBbüldjer Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zrllda sowie auswärts t JO Mark. »— Rolatlonsöru» und Verlag 6er N , Zuldaer flctienbrudterel In Suita. Zemsprechet Nr. 9. : 5

z s tDodjen-Bdtage: z s I s 5 ITlonats-Befiage: s s Illustrierte Sonnfagszeifung | Zuldaer Seschichtsblätler r. Ziehungslisten der preußisch*süddeutschen Ktaffen-Sotterie. — Halbjährlich kaschenfahrplon. s

flmetgeni Per Reum einer etnlpaihgen Cotor.r:>el!e, 4* mm breit, 15 p-z. Reklamen: Der Raum einer Colonrti«il<, 74 mm trelt, koftl 40 Pta. i?ri Wu&erbolungen Rabatt jür Offert- unk fiu»V'jn;icn;dptn 20 Pf. extra. Ja Konkurs fällen wirb Oer beeUllpte Rabat' tinlelltp. Crftnungsert für Oos (n- klagen «an Sortierungen ist $u!ba. flnjeiarn-Knnoe.mr b!» 10 Uhr eormlitcg*.

S 6räf)ert Rn,eigen erbitten wir ans tag» borljer. s H

Nr. S2. Elftes Blatt.

Donnerstag den 10. April 1913.

40. Jahrgang.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 9. April 1913.

Schluß der ersten Lesung der

Wchrvorlagc.

Aba. Dr. Dvormann (Vp.): Sachlich und nüchtern, ohne Voreingenommenheit, aber auch ohne Enthusias­mus, werden wir die Vorlage in der Kommission prüfen. Dir erwarten dort die Bekanntgabe der tieferen Gründe. Dir wünschen nicht, daß die Sache verschleppt wird. Was geschehen mutz, mutz möglichst bald geschehen. Ein Glück für uns ist es, daß bei uns ein Ausbau der Dienst­pflicht überhaupt noch möglich ist. Eine falsche Ansicht ist es, daß wir ein unerschöpfliches Reservoir von Taug­lichen haben, die man nur auszuhebcn braucht. 1911 wurden nur 10 000 Taugliche nicht eingestellt. Dazu kamen allerdings 85 000 künftig unbedingt Taugliche. Drei Viertel von ihnen werden nun ebenfalls dienen müssen. Man sollte aber nur Leute einstcllen, die un­bedingt tauglich sind. Wir verlangen Rücksicht auf die bürgerlichen Verhältnisse. Bedenklich ist es, daß so viele Arbeitskräfte dem Lande entzogen :Derben. Der Zustrom ausländischer Arbeiter wird daher weiter wach­sen. Wir werden in der Kommission nichts versäumen. Möge die erhöhte Friedenssichcrheit die schweren Opfer lohnen.

Generalleutnant Wandel stellt fest, daß die erforder­lichen neuen Rekruten ausgehoben werden können, ohne daß in den Anforderungen herabgegangen wird. Die Bestimmungen für die Tauglichkeit bleiben dieselben wie bisher. Die Franzosen stellen etwa 82 Prozent der Wehrpflichtigen ein; wir würden alles in allem auf 58 bis 59 Prozent kommen. Die Reklamationen sollen auch weiterhin mit Wohlwollen behandelt werden.

Abg. Haegy (Elsässer): Das elsaß-lothringische Volk wünscht den Frieden. Die elsaß-lothringische Frage darf nie den Anlaß zu einem Weltkriege geben. Man dient dem Frieden am besten, wenn man diese Vorlage ablehnt.

Abg. Werner-Hersfeld (Refp.): Der Vorredner lehnt die Vorlage aus Friedensgründen ab. Dient vielleicht das Auftreten des Herrn Weiterle dem Frieden? Der Redner spricht über die internationale Sage und nennt dabei den König von Montenegro einen Souverän der Hammeldiebe. (Der Redner wird zur Ordnung gerufen.)

Abg. Dr. Frank (Soz.): Eine würdige Einleitung für die Vorlage wäre ein Ministerwechsel gewesen. Jede ernste Begründung der Vorlage fehlt. Sie wäre nicht so schwer geworden, wenn nicht das Jubiläum des Kai­sers beberftänbe. Gegen bie Südslaven glaubt Oester­reich mit zwei Armeekorps auszukommen, und uns kommt man mit dieser ungeheuren Vorlage. Die rus­sische Gefahr wird dadurch vermindert, daß Rußland sich um China sorgen muß, und baß 300 000 russische Reservisten in Preußen arbeiten. Ich traue der preuhi- schen Regierung jebe Dummheit zu, aber sie wirb jene 800 000 im Ernstfälle sicher nicht der russischen Regie­rung einschicken. Wan will bie jungen Leute durch die Schule der Armee gehen lassen, um sie vor der S o - zialdemokratic zu bewahren. Von ben 136 000 neuen Rekruten sind 50 000 Sozialdemokraten, wenn sie in bie Kasernen eingehen, unb 80 000, wenn sie wieder heranskommen. Ueberraschenb war bie Be­geisterung beS Zentrums. Ueberall in der Welt sinb bie Klerikalen bie Kriegshetzer. Jeder Offizier, Der eine Forderung annimmt, soll mit schlichtem Abschied ent­lassen werben. Mitglieber ber regierenden Häuser sol­len wehrpflichtig werben. Das Einjährigen-Privileg muß beseitigt werden. Dringend erforderlich ist die ge­setzliche Festlegung ber Bürgerrechte ber Reserveoffiziere. Die Waffenfabrikation sollte in bie Regie des Reiches übernommen werden. Wir müssen endlich zu einer Ver­ständigung mit den anderen Staaten kommen.

Abg. Haeuslcr (Ztr.): Wie alle meine politischen Freunde unb die meisten Mitglieder des Hauses, bin ich auch ber Ueberzeugung, baß wir alles tun müssen, um die Armee auf ber Höhe zu erhalten. Ter Kriegs­minister hat sich gegenüber der vorjährigen Militär­vorlage in einen geradezu unglaublichen Widerspruch versetzt. (Hört! Hört!) Die einzig richtige Behauptung in dieser Vorlage ist die, daß die allgemeine Wehrpflicht bei uns mehr auf dem Papier steht, weil bas Wachstum unseres Heeres mit der Bevölkernngszunahme nicht glei­chen Schritt gehalten hat. Weil ber Kriegsminister da­mit rechnet, ist es eine vollständige

Bankerotterklärung ber bisherigen Septennato und Ouinouennate. Was hat bas? letztere für einen Zweck, wenn in jedem Jahre neue Militärvorlagen ge­macht werben? (Andauernder Beifall auf ber äußersten Linken.) Auf eines ber wichtigsten Rechte des Reichs­tag? wurde dabei Verzicht geleistet, auf die jährliche Be­willigung der Präsenzstärke, unb zwar nicht nach ber Kopfzahl, sondern eine Anpassung ebenso an das Wachs­tum ber Bevölkerung wie an bie Veränderung der Kriegsführung. Was nun bie Heranziehung ber ge­samten wehrfähigen Bevölkerung anlangt, mit der ich prinzipiell einverstanden bin, so muß ich auf die Be­gründung der Militärvorlage von 1905 zurückkommen. Da sagte ich, Deutschland wird in Rücksicht auf seine Finanzkraft den Grundsatz der Durchführung der vollen Wehrpflicht niemals zur Ausführung bringen (Hört! Hört!), sondern muß sich Beschränkungen auf er legen. Zur Verstärkung der kriegsbereiten Nutzbarkeit unserer Volkskraft gibt es ein Mittel, unb das ist bie

weitere Verkürzung ber Dien ft zeit. Die ganze außerordentliche Vermehrung der Kaval­lerie, bie in biefer Vorlage toi aber gefordert mit?, ohne daß in der Dienstzeit bas minbefte entgegen* kommen gezeigt wird, beweist, ein ängstliches Verkenn-n ber militärischen Fähigkeiten des deutschen Volkes. Tie Aufrechterhaltung der dreijährigen Dienstzeit ist durch bie Verhältnisse auch für die Kavallerie nicht mehr be­dingt. Man braucht nicht mehr an bas Milizfystcm zu denken, aber weitere Verkürzungen durch Hinausschie­bung des Einstellungstermins um einen Monat, eine gesetzlich eingeführte Beurlaubung für einen Monat tm ersten und zwei Monate im zweiten Jahre, bann können im gleichen Verhältnisse die Mannschaften erhöht wer­den. Die Vorlage wird die wirtsckafilickcn Kräfte des Reiche? für lange Jahre lähmen. Ich siche daher dieser Vorlage mit dem größten Bedenken gegenüber. (Lcbh. Beifall links.)

Kriegsminister v. Herrinnen: Wenn diese Krilil nur in wenigen Prozenten znträfc, dann würde es r.m bie deutsche' Armee, schlecht stehen. Die Uebertreioungen treffen zum großen Teile die Sache überhaupt nicht. Ich siehe auf einem ganz andern Standpunkte wie ber Vorredner. Wenn man so sparen wollte, bann kann man mit dcm Rotstift einfach allc-ö aus dem Etat strei­chen, ohne Rücksicht darauf, was dort sieht. Entschieden protestiere ich.gegen die Bebaiip'.iuig, daß das Material unserer Artillerie nicht mehr genüge. (Beisall!) Im Kriege kommt es auch hauptsächlich ans die Disziplin an. um diese zu erreichen, bedarf cs einer gewissen Seit.

Daher ist eine Verkürzung der Dienstzeit nicht möglich. Die Weglassung alles Paradernäßigen ist schon durch­geführt. Der Vergleich mit 1813 hält nicht stand. Die militärische Ausbildung war damals sehr gering. Die deutsche Armee wird ihre Aufgabe nur bann erfüllen, wenn sie im Frieden für den Krieg richtig tiorgebilbet wird. (Beifall.)

Bayerischer Generalmajor Wenninger: Herr Ge­neral Häusler hat innerhalb seiner Waffe als Sach- verstänbiger gegolten. Seitdem ist aber bie Artillerie sehr vorgeschritten. Er har diese Fortschritte nicht mehr am eigenen Leibe erlebt. Er kann also nicht mehr Be­scheid wissen. Seine Sachverständigkeit ist dadurch etwas eingeschränkt worden. Er hat mit der Kavallerie gar nichts zu tun. Ich mutz bas hier sagen, weil bie Mei­nung, als ob bie sogenannte Sachverständigkeit des Herrn Generals . . . (bie weiteren Worte gehen in ber all­gemeinen Unruhe verloren. Vizepräsibent Dove er­klärt, baß die Herren hier nur Abgeordnete sind.)

Abg. Laux (bayer. Bauernbund): Abg. Häusler hätte bedenken sollen, daß jedes Wort im A u s l a n d e ge­hört unb anbers ausgelegt wird, als es gemeint ist. (Sehr richtig! Allgem. Unruhe.) Was nottoenbig ist, werben wir selbstverständlich bewilligen, aber wir werden nichts Unnötiges bewilligen.

Reichskanzler v. Bcthnmnn-Holltoeg gibt eine Er­klärung zu seinen gestrigen Bemerkungen über ben flavisch-germanischen Gegensatz. Ich habe von den pcm- siavistischen Strömungen gesprochen, benn ich tonnte an diesen Strömungen nickt vorübergehen, weil sie in der gegenwärtigen Balkankrisis eine große Rolle spielen. Aus diesen panslavistischen Gegensätzen hat ein Teil ber Publizistik eine kommende

Auseinandersetzung zwischen dem Sla­ven tum unb dem Germanentum gefolgert. Gegen diese? Schlagwort habe ich entschie­den Widerspruch eingelegt. Ich habe vor ihm gewarnt, unb ich wiebcrhole diese Warnung heute noch einmal mit ernstem Nachdruck. Das Schlagwort verweckselt bie panslavistischen Strömungen mit ber Zugehörigkeit zur slavifchen Rasse. Tie slavische Rasse ist auf viele Län­der verteilt. Schon deshalb ist dieses Schlagwort un­richtig, unb auch deshalb, weil es einen realen Interes­sengegensatz zwischen uns und Rußland nicht gibt. Das Schlagwort schädigt bie Politik, bie ich zu führen wünfche, unb bie auf Erhaltung eines guten nachbarlichen Ver­hältnisses zu Rußlanb gerichtet ist. (Beifall.) Dann sind irrtümliche Darstellungen über bie

Entstehung ber Wehrvorlage verbreitet worben. Der Wehrverein hat sie nicht veranlaßt, wir haben auch nicht vor dem Generalftab kapituliert. Schon im November habe ich mich von ber Notwendigkeit überzeugt, neue Rüstungen für unsere Armee vorzunehmen. (Hört! Hört!) Dieser Entschluß entstanb aus bem Verantwortungsgefühl für bie Sicher­heit unserer Zukunft. Ich habe den Einbruck, daß bie große Mehrheit dieses Hauses sich von bem gleichen Ge­fühl leiten lassen wird, unb baß sie"cs erkennt, welch große und ernste Bedeutung für Deutschland bie Ent­schlüsse haben werben, die gefaßt werden sollen. (Beif.)

Damit schließt die Aussprache.

Persönlich erklärt Abg. Häusler (Ztr.), daß er nur auf Mängel habe Hinweisen wollen und daß die deutsche Artillerie, und inSbcfonbere bie bayerische, bie beste ber Welt ist.

Bayerischer Generalmajor Wenninger: Im Namen bes bayerischen Offizierkorps bebaucrc ich tief, daß Herr Häusler Worte gesprochen hat, die nicht bei feiner eigenen Partei, sondern bei den Sozialdemokraten Bei­fall gefunden haben. (Unruhe bei den Soz.)

Abg. Ledcbour (Soz.): Ein Herr Militärbevollmäch­tigter hat sich erlaubt, einem Abgeordneten darüber Vor- baltuügen zu machen, wo er Beifall erhält, unb in einer Form, die ben Anschein erwecken mußte, als ob ihm da­durch eine moralische Minderwertigkeit zugesprochen würde.

Generalmajor Wenninger: Ich sprach nicht als Bun- desratsbevollmcichtigter, sondern als bayerischer Offi­zier . . . (große Unruhe unb Zurufe der Soz.: Als Offizier haben Sie hier gar nichts zu fprechen!)

Abg. Dr. Frank (Soz.): Der Vorfall beweist toieber die Anmaßung militärischer Kreise, bie auch nicht bavor zurückschrccken, bas Parlament zu terrorisieren.

Die Wehrvorlagcn gehen bann an die Bndgetkoin- miffion. Das Haus beginnt nunmehr bie Gcncral- biskussion über bie

IsMiWiMlsgen.

Schatzsekretär Kühn leitet bie Beratung ein. Wir stehen vor einer Aufgabe, wie sic in solcher schwere noch nicht ba war. Außergewöhnliche Zeiten erforbern außer­gewöhnliche Maßnahmen. Daher schlagen wir ben ein­maligen Wehrbeitrag vor. Eine Anleihe war ausge­schlossen. Wir müssen uns ans bem Sumpf der Schul­den herausarbeiten. Die Tilgung allein hätte eine er­hebliche neue Steuer gefordert. Aus wirtschaftlichen Gründen sind wir gegen jede Anleihe. Ein derartiges Vorgehen würde beim Auslande den Eindruck eines nur schlecht verhüllten Sia atsbankerotts machen. Der Wehrbeitrag kann leicht getragen werben. Selbstverstänblich läßt sich über Einzelheiten reben. Der Antrag Bassermann-Erzberger verlangt eine Besitzsteuer. Diesem Verlangen widerspricht der Wehrbeitrag nicht. Aber mit ihm ist der Antrag noch nicht erledigt. Die neuen Steuern haben eine wesentlich andere Aufgabe als frühere. Sie sollen wesentlich nur zur Deckung ber militärischen Ausgaben bienen. Für sie kämen als di- rekte Steuern eine

Vermögens- oder Erbschaftssteuer in Betracht. Wir haben diese namens des Reiches nicht vorgeschlagen, weil diese Einahmequellen ebenso wie bie Einkommensteuer den Bundesstaaten zur Erledigung ihrer eigenen Aufgaben belassen werden sollen. Die Erbschaftssteuer verstehen wir in dem Sinne, daß die be- itelicnbe auf Kinder unb Ehegatten ausgedehnt würbe, wie sie früher einmal von der Regierung vorgeschlagen war. Wir haben jetzt davon abgesehen, weil die Ver­hältnisse jetzt anders liegen unb weil ber Wehrbeitrag hemmend wirkt. Ein Vermögen, das von einer solchen hohen Abgabe betroffen wird, kann man nicht hinterher wieder besteuern. Die Erbfchaftssteuer hätte auch ben Betrag nicht gedeckt. Auch gegen die Vermögenszutoachs- steucr sprechen gewichtige Gründe. Schon bie Erhebung war zu kostspielig. Wie wir es jetzt Vorschlägen,- ist es den verschiedenen Bundesstaaten möglich, die geforderten Leistungen durch neue Zuschläge zu ihrem Einkommen und Erbschaftssteuern zu erheben. Auf

Wertpapiere und Stempel haben wir gewissermaßen Verbrauchsabgaben gefegt. Tie Besteuerung der Aliwngescllschaften hat sich in be­stimmten Grenzen gehalten. Für das Erbrecht des Staates ist eine sehr milde Form gewählt worden. Die Erhöhung des Kriegsschatzes macht keine besonderen

Schwierigkeiten. Ich sehe den Verhandlungen im Hause mit Ruhe entgegen. Ich habe eine Basis gegeben, auf der Befriedigendes geschaffen werden kann. (Beifall.) Donnerstag: Sßetterberatung.

Preußischer Landtag-

Abgeordnetrnhau?.

Sitzung vom 9. April 1913.

Die Besprechung über bas Kapitel Höhere Lehr­anstalten tüt die weibliche Jugend roub sorlgeietzt.

Avg. Dr. Wagncr-Breslau (fielt.): Die Reform des höheren Mädcheiifchulwefens hat für viele Kommunen eine neue Belauung gebracht. Die Oberlyzeen follien mit mehr Berechtigung ausgestatlel fein. Die Uebergangs» beftimmungen haben zu Härten geführt. Biele Lehiennnen sind aus langmütigen Stellen entfernt worden, ohne baß man sie emschädigr hätte.

Kultusminister v. Trott zu Solz: Die Mäbchenschul- reforin Hal die Erwartungen erfüllt. Es lammt nur noch darauf an, die Einrichtungen überall ben Grund- s ätzen anzupassen. Wir sind feine Gegner ber Sludien- anualten, aber wir wurden auch für die Lyzeen und Obeilyzeen emtreien, falls gegen tiefe em stiller Kampf geführt würde. Es ist abzuwarlen, wie d e Adttunen- tmnen der Obeilyzeen nach bestandener Ergänzungs­prüfung sich biwäyren. Es träte erfreulich, wenn dir Ergebnisse gut waren, beionbers tm Jnrereffe tlenieier Siäöte, die nicht eine älubtenamialt und ein Oberlyzeum zugleich unterhalten tonnen. Das Univerfitätsftuötum foll natürlich nicht die Regel werden. Die bisherigen Leistungen der privaten ilnfialien erkenne ich gern an. Für die Uebergangszeit, die durch die Mädchenfchni- refotin noiroenöig geworden ist, haben wir lange Freuen vorgefehen, haben auch den Privaischuien die Bezeichnung „Höhere Töchterschule" wieder gestaltet, und ich hoffe, daß nach gereifter Zeit das Ziel erreicht wird. Selbfi- verstandlich legen wir auch Gewicht auf die nationale Tendenz. Beuall).

Abg. Borchardt (Soz.): Unter ben Lehrerinnen, bencn durch bie Schulreform unrecht geschehen ist, be- finben sich neun aus Breslau, bie eine Petition an bas Haus gerichtet haben.

Abg. Siebert (tons.): Den Oberlhzeen mutz die volle Universitätsberechtigung verliehen werben, wie sie auch bie Oberealschulen haben. Eine abgeschlossene Bildung muh fein.

Abg. Jtschert (Z.) bittet ben Minister, ber Verlegung bes Dominitanerinnen-Lberlyzeums von Ahrenbern nach Mayen zuzustimmen.

Unterstaatsfekretär Chappins: Wir können bem Wunsch ber Stadt Mayen nicht nachkommen, da un­möglich evangelische und jüdische Kinder in eine ka­tholische Ordensschule geschickt werden können. (Unruhe im Zentrum.)

Abg. Lippmann (Vp.): Dringenb notwendig ist eine gesetzliche Regelung der Stellung der Privatschulen. Heute stehen bie Leiter unb Lehrer unter ber Aufsicht ber Verwaltung, bie hauptsächlich bie politische unb re­ligiöse Zuverlässigkeit prüft unb dementsprechend bie Konezefsic.n entzieht; das ist ein schöner Zustand!

Kultusminister v. Trott zu Solz: Es ist nicht mög­lich, ohne KU grotze Meinungsverschiedenheit im Hause hervorzurusen, jetzt die ganze Angelegenheit gesetzlich zu regeln. In ber Kommission haben wir uns oerftänbigt. Wir wollen zunächst ein Rechlsversichren einführen gegen Verfügungen ber Schulbehörde in bezug auf bie Unterrichtserteilung.

Abg. Bartfcher (Z.i bcfchwert sich darüber, daß der Errichtung unb bem Ausbau höherer Lehranstalten rc- gierungssiit.^ größere Schwierigkeiten bereitet werben, wenn es sick um Anstalten von Orbensnieberlasjungen handelt. Dieser Fall habe sich zum Beispiel in Atten­dorn im Sauerlande ereignet, wo bie Ursulinerinnen eine Mädchenschule unterhalten. Der moderne Staat streift den christlichen Gedanken leider immer mehr ab. (Beifall im Zentrum.)

Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Jtfchert (Z.), Borchardt (Soz.), Lippmann (Vp.) und Dr. Wagner- Breslau (freit.) schließt die Besprechung.

Es folgt das Kapitel „Elementarunterricht und Schulaufsicht".

Abg. Heckenroth (kons.): Im Volksschulwesen sind wir allen Staaten voraus. Wir haben nur 0,05 Proz. Analphabeten. Tas Besoldungsgesetz für bie Lehrer hat gute Wirkung gehabt. Für bie Seminarien fallen tüchtige Akabemiker gewonnen werben. Die Kurse für bie Ausbildung von Seminarlehrern find zu vermehren. Der Deutsche Lehrervercin hat erfreulicherweise erklärt, baß sozialdemokratische Tendenzen in ihm keine Stätte finden. Er sollte auch einmal zum Religionsunterricht Stellung nehmen. Der religiöse unb vaterlänbische Geist muß unserer Jugenb erhalten bleiben. (Beifall rechts.)

Abg. Dr. Heß (Z.): Der Lehrermangel bars heute als gehoben betrachtet werden. Die Zahl ber überfüllten Klassen bai abgenommen. Immerhin gibt es noch 385 Lehrer, bie über 120 Schüler in einer Klasse zu unter­richten haben. Die Frage bes Universitätsstudiums ist von ber liberalen Presse sonderbarerweise parteipolitisch auSgeschlachtet worden. Wir haben uns ben Wünschen ber Volksschullehrer in dieser Beziehung durchaus wohl­wollend gegenübergestellt. Die Lehreranträge des Frei­sinns tragen ja immer ben Stempel ber Parteipolitik an ber Stirn. (Oho!) Auf ber Psingsttagung des Deutschen Lehrervereins hat ber Vorsitzende eine pro­grammatische Erklärung abgegeben, bie leugnet, daß der Verein einer bestimmten Partei dienstbar ist. Ich iaim nur wiederholen, daß ber Deutsche Lehrerverein seit Jahrzehnten im politisch freisinnigen Fahrwasser geführt wirb, womit ich nicht sage, daß er nie freisinniger Wahlverein ist. (Heiterkeit im Zen­trum.) Die autonome Schule lehnen wir ab; sie ist ber kürzeste Weg zur religionslosen Schule (Sehr rich­tig! im Zentr.) Staat unb Kirche weifen ber Schule bie Ziele, nicht ber einzelne Lehrer und auch nicht ber Deutsche Lehrervercin, trotz ber erleuchteten Männer, bie an seiner Seite stehen. (Heiterkeit.) Die päda­gogische Wissenschaft in allen Ehren; aber sie allein darf nicht maßgebend fein. Der Vorsitzende des Deut­schen Lehrervereins bat von ben natürlichen Zwecken ber Erziehung gesprochen, bie allein bie Schule verfol­gen bürfe. Nun, uns stehen die übernatürlichen Zwecke höher. (Sehr wahr! im Zentrum.) Uns steht noch immer die Erziehung für das Jenseits höher als bie Erziehung für irbifebe Zwecke. (Beifall im Zen­trum.. hört, hört! links.) ES ist mir zweifelhaft, ob in ber größten Lchrerorganisation noch christlicher Geist herrscht; aber das weiß ich sicher, baß es sich um eine ausgesprochen liberale Organisation handelt, der leider auch 20 000 Katholiken angeboren. Ich habe niemals den Lehrerverein einen Schrittmacher der Sozialdemo- kratie genannt: wohl aber glaube ich, daß der freie Liberalismus zum Unglauben führt, und ber Unglaube ist ber Mutterboden ber Sozialdemokratie.

(Sehr wahr! int Zentrum.) Die Berliner Generalvev fanunlung des LehrervcreiirS ist ein bedeutsamer Martz stein auf der Entwicklung des Lehrervereins nach links In München hat der Lehrervercin die konfessionslos, «chule noch abgefeimt. Jetzt in Berlin wurde die voll; Autonomie für bie Schule verlangt, unb mit ber Kirch« wollte man nichts mehr zu tun haben. (Hört, Hörti im Zentrum.) Man setzt der Kirche ben Stuhl vor Die Türe. (Zustimmung im Zentrum, Zurufe links.) Demgegenüber verlangen wir, baß christlicher Geist iw bet Schule herrschen mutz. Ueber ben Deutschen Lehrer, verein aber werben reit scharf wachen müssen. (Hört hört: links.) Wir halten den in ihm herrschenden Geist nicht im Interesse der Volksschule liegend. (Sehr wahr! im Zentrum.) Tie Verbindung zwischen Kirche unb Schule beginnt sich bedenklich zu lockern und wir gehen unheilvollen Zuständen entgegen. Das ist nut daraus zutückzufühten, daß man die geistliche Schul­aufsicht immer mehr einschränkt. Wit verlangen die Wiederherstellung einer organischen. Verbin­dung zwischen Kirche und Schule. Wit be. gegnen uns ba butchaus nicht ben Fotbetungen des Ka. tbvlischen Lehtetvetbanbes. Die Fotberung ist um so bringlichet, als bie revolutionären Jbeen in unfcrein, Vaietlanbe immer mehr zunehmen. (Beifall im Zent.)

Abg. Dr. v. Campe (natl.): Die Siebe bes Herrn Tri Hetz wat ein Sturmlauf gegen bie Siaatssckufe. Et identifiziert religiösen Liberalismus mit Unglauben. Dagegen protestiere ich auf bas entschiedenste. Wa? bie Lehret mit Autonomen meinten, ist weiter nichts, als baß bie Schule nach pädagogischen Rücksichten zu re­geln ist. Das System ber Ortszulagen muß mehr au5- gebaut werben. Ich möchte auch ben Wunsch ber Leh, rct nach dem passiven Wahlrecht in den Kommunen un, terstützen. Seht bedauern würde ich es, wenn bie Pro- tcktctenstellen an ben Seminaren nur mit Akademikern besetzt würden. Wit bitten da um eine Bcrubigcnbe Etklätnug vorn Regierungstisch.

Domierstag: Weiterberatung.

Der Abschluß der ersten Lesung.

Die bisher so ruhig und fachlich verlaufenen Ver­handlungen des Reichstags über die Heeresvorlag« haben wider alles Erwarten einen stürmischen Ab, schluß gesunden. Nichts Deutete zu Beginn der heu­tigen Sitzung auf einen solch' bedauerlichen Abschluß hin. Vor fast leeren Bänken und ebenso teeren Tri­bünen sand der erste Teil der Verhandlungen statt Tas Interesse war gänzlich geschwunden Es belebt« sich erst wieder, als der Abg. Häusler (Ztr.) dal Wort ergriff. Herr Häusler hat als General zweifel­los ein großes Sachverständnis für militärische Dinge. Und vieles von dem, was er sagte, war zweifellos gerechtfertigt, aber in manchem schoß er doch weit über das Ziel hinaus. Seine Ausführungen deckten sich in vielen Punkten nicht mit der Auffassung bei Fraktion, und es wäre besser gewesen, wenn Herr Häusler seine Ausführungen sich für die Kommission, die der geeignetere Ort für die Vorbringung einet ins Einzelne gehenden Kritik ist, vorbehalten hätte Der ihm ausschließlich von der Linken zuteil gewor­dene Beifall wird ihm zweifellos gezeigt haben, daß er in maniem einen Mißgriff getan hat.

Die Linke zeigte sich maßlos erfreut über dies» anscheinende Meinungsverschiedenheit im Zentrum. Ab-r die Herren tauschen sich. Tas Zentrum kennt keinen Fraktionszwang, und jedem seiner Mit­glieder steht die volle Revesreiheit zu. Wenn Herr Häusler von dieser Redefreiheit Gebrauch gemacht tiat, so war das zweifellos sein gutes Recht, aber die Art, wie er hiervon Gebrauch machte, lägt sich nur, wir bedauern, das sagen zu müssen, aus einer Per- tennung Der gegenwärtigen politischen Situation irtlären. Auf eine Uneinigkeit Des Zentrums dezüg« lich Der Heeresoorlage schließen zu wollen, wäre jedoch gänzlich verfehlt, und Die Herren von Der Linken roerDen nicht aus ihre Konen kommen. Es ist selbst- verstänDlrch, daß Herr Häusler jebenen Wider-pruch benn Kriegsmimster fanD. Aber bedauerlicherweise süylte sich auch Der bayerische BunDesratsbevollmäch. ligte General Wenninger auch seinerseits bemüßigt, in Die Debatte einjugr?tten, und er tat das in einer höchst ungeschickteil Weise. Der Generalmajor Wenninger halte umso weniger Veranlassung zu seinem (Smgreifcn, als Der Abg. Häusler schon vorher in ber loyalsten Weise erklärt hatte, baß er bezüglich 1 einer Bemerkungen über bie bayerische Artillerie nuKoeritanben sei unb baß es ihm völlig fcrngelegen habe, bie bayerische Artillerie herabzuseken. Die äugerste Linke, Die alles für ihre Parteipolllik umzu> münzen bestrebt ist, griff Die bank ber erschreckenden Ungeschicklichkeit des bayerischen Hundesratsbevoll» mäebtigten geschaffene Srtuaiion schort auf, um sie in ihrem Sinne auszuschlachten. In sü allster Form traten bie Abgg. Ledebour und Front (Soz.) Dem Generalmajor Wenninger entgegen, Der sich unem« geDenk Der ihm eben erst zuteil geworbenen Lehre abermals in Der ungeschickiesten Weise benahm unb Damit einen Sturm Der Entrüstung entfesselte.

Die Herren Genossen haben sich einer Sache an­genommen, Die sie Doch eigentlich garnichts angingi unb sie hätten Doch abroarten sollen, ob nickt Herr Häusler selbst eine Zurückweisung Des Angriffes Des Generalmawrs Wenninger '"ornegtren würde. Aber das fiel rcn Herren ve> Der eigenen Beicheidenheit gamicht ein, fouoern ungerufen warfen sie sich zum VerleiDiger Des Herrn Häusler und ber angeblich bebrobten Reckte bes Parlaments auf. Für ba? Zentrum lag nicht ber minDeite Anlaß vor, seinerseits bie Ungeschicklichkeiten Des Generalmajors Wenninger zurückzuweiien. Da Diese sich selber richten und ihnen roeuer keinerlei politische Bedeuiung beizumessen ist.

Wenn wir unser Urteil über Den Verlaus bet breilägigen Verhandlungen zusammeniaßen, so kann nicht tnr geringste Zweisel baran auskomiiien, daß b>c Vorlage im Reichstag eine Mehrheit, angefangen vom Freisinn bis zur äußersten Rechten, finden wird. Rach Verwett ng ber Mllitärvvrlage an die Budget­kommission trat Das Haus noch in Die Beratung Der Deckungsvorlagen ein, Die Schatzselretar Kühn mit einer längeren Rede ein leitete. Seine Worte ginger in ber ob bes Zwischenfalls im Hause herrschenden Erregung völlig verloren. Neues wußte Herr Kühn freilich über bie Deckungsvorlage nicht zu sagen. Er