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Zuldaer Leitung

Aus dem Nachbargebiete.

L Bad Salzschlirf, 6. April 1913. Die Gemeinde- Vertretung hat einstimmig beschlossen, einen besol­deten Bürgermeister anzustellen. Die Wahl, welche auf 12 Jahre erfolgt, wird am Mittwoch, den 9. April stattfinden.

♦ Klein-Auheim, 5. April 1913. Beigeordneter Roth wurde zum Bürgermeister gewählt.

* Birstein, 5. April 1913. Donnerstag abend sand die feierliche Beisetzung des Fürsten Karl zu Isen bürg-Birst ein rn der Familiengruft statt.

JV3 79.

Montag 1. üpxU 1913.

Der Graf von Tarent.

82] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirch ner.

Das Mädchen schaute ihn an mit vorwurfsvol­len Blicken. „Herr, spottet nicht mit meiner Armut," hat es.

Der Bicome machte nun aber ein sehr ernstes Ge­sicht.

„Ich spotten? In meinem Lcken war ich nicht mehr entfernter davon. Heber die Armut spottet man überhaupt nicht, zudem bekenne ich, daß ich vor weni­gen Monaten noch manchen Tag nicht wußte, wo ich Fourage für meinen Magen und meinen Diener auf- treiben sollte. Edles Fräulein — Jungfer darf ich nicht mehr fagen, bcnn Eure Abkunft verbietet das — ich habe hiermit mein Erscheinen beini Stelldichein gemacht und frage Euch als Mann von Ehre: wollt Ihr Euer Geschick an das meine binden?"

Das Mädchen war verwirrt, vollkommen fas­sungslos. Ein liebliches Rot stieg in dem schmalen, reizenden Gesiebt auf.

Ein lauser Laut, kaum hörbar: „J--r—!"

Nun legte der Kranke die mager gewordene Hand auf das Kruzifix.

„So schwöre ich Euch, edle, liebsame Jungfrau, baß ich Euch lieb und wert halten will, daß ich Euch hochschätzen werde als meine Hausfrau mein Leden lang!" Langsam ließ er sich in die Kissen zurück- fallen. Die Hände von zwei glücklichen Menschen la- klen in einander. Schweigen trat ein — nur der Per­pendikel der Uhr summte Tiktak — Tiktak. _--.

Darüber schlief der Kranke ein. Leise schob das Mädchen die Vorhänge über deut Bette zusammen."

13.

Das Verhängnis naht.

Die Gräfin Tarent war in jener Nacht nach Hause gekommen, halb im Traume, und als sie in ihren ®e= Ochern war, da hatte sie sich ans offene Fenster ge­setzt und in die Nacht hinausgestarrt, bis im Osten me ersten farbigen Tinten das Nahen der Sonne kün- ?eten. In jener Nacht hatte sie abgeschlossen mit wrrm ganzen veraanaenen Leben. Sie wollte nun

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 5. April 1913. Der Gemeinderat erhöhte gestern die Vergütung der Feuerwehr und zwar sollen pro Stunde gewährt werden dem Oderteuermann 75 Pfg. und dem Zugführer 60 Pfg. dem Feuermann 45 Pfg. und dem Druckmann 40 Pfg. Nach längerer Debatte wurde der Wunsch gegenüber dem Hospital- vorstcheramt ausgesprochen, in Zukunft bet .Lieferungen fürs Krankenhaus nur hiesige Geschäftsleute zu berück­sichtigen. Dem Ortsfrauenverein wurde ein weiterer Zu chuß von 100 Mark bewilligt.

* Termbach, 5. April 1913. Auf der Lengsfelder Straße wurde gestern abend ein Passant von einem Radfahrer, der ohne Laterne fuhr, u m o e r i s s e n und fiel neben das Gleis der Feldabahn. In demselben Augenblick kam der Zug der Feldabahn heran, und der Umgesahrene wäre sicher erfaßt worden, wenn ihn nicht ein nachfolgender Spaziergänger an die Seite geriffen hätte.

* Unterbreizbach, 5. April 1913. Gestern begann hier em achtwöchiger Wanderkochkurses. Es beteiligen sich daran 11 erwachsene Mädchen.

* Weilar, 5 April 1913. Der Unterverband der Darlehnskassen „Nordrhön" hielt hier seinen Frühjahrs-Unterverbandstag ab. Sämtliche 15 Ge­nossenschaften waren vertreten. Der Direktor der landwirtschaftlichen Winterschule in Marksuhl, Dr. Landbeck, hielt einen sehr lehrreichen und zeitgemäßen Vortrag über „Die Kalisalze und ihre wirtschaftliche Bedeutung bei der Pflanzenernährung." Landwirt- schastsinspektor Stückmann aus Erfurt sprach über „Genossenschaftliche Fragen, insbesondere Haft­pflicht". Der stellvertretende Unterverbandsdirektor, Lehrer Keil in Unterbreizbach, wurde als Unterver- bandsdirektor für die Jahre 1913/15 wiedergewählt; als sein Stellvertreter wurde Bürgermeister Träger in Dorndorf gewählt. Der Herbst-Unterverbandstag soll in P f e r d s d o r f abgehalten werden.

war sieben Uhr, um acht Uhr sollte die Zeremonie stattfinden. Jede Minute konnte der Bräutigam ein­treffen.

Zum erstenmal stieg ein Gefühl der Bitterkeit tn dem jungen Weibe auf gegen den Mann, an dem ihre Seele hing. Sie mußte sich nun selber helfen — offenbar hatte er ihrer nicht mehr gedacht, sie ver­gessen!

Horch — ein leises Klopfen an der Tür —. Dre Zofe ging hinaus und brachte gleich darauf ein klei­nes, versiegeltes Papier hinein. Jakobo, der nun beim Prinzen von Indien bedienstet sei, habe es ge­bracht, berichtete sie?

Atemlos vor Aufregung nahm die Braut das Pa­pier in Empfang, bte Finger zitterten ihr, als sie das Siegel löste. Wenige Worte nur waren es, die sie las:

„In einer Stunde sind Sie frei! Die Vergel­tung naht einem Elenden. Schweigen Sie und vertrauen Sie mir bis zur letzten Minute!"

Tie Botschaft hatte keine Unterschrift, das war aber ganz gleich . . . Sie hätte toetnen mögen vor Glück ... er hatte sie nicht vergessen! — Dann mußte sie lächeln über sich selbst, denn in ihr war vorhin dre Idee aufgetaucht, als hätte sie diese Handschrift früher schon gesehen. „ _ ,

Nun hüllte sie den Körper in bte prachtvolle Robe, jtti Zofe befestigte noch die Spangen und schloß dir Hafteln.

Wieder eine Viertelstunde!

Anita bot ein wunderbares Bild von Frauen­schönheit, als die Toilette beendigt lvor._ <ste be­trachtete sich im Spiegel — wenn doch ein anderer Bräutigam kommen würde, die Braut henn-ufuhren, schrie es in ihrem Innern. Sie sah, daß sie schon war, schön über alle Maßen — nur die Augen lagen heute tiefer und ein kleiner dunkler Schatten lag darunter. . .

Nun wurde der Brautrgam gemcibct. Anita zuckte zusammen, als sie das andere Zimmer betrat und des Verlobten ansichtig wurde. Sie sah, wie ihn ihre Erscheinung entzückte und wandte das Gesicht zur Seite.

(Fortsetzung folgt.)

2. Blatt

Brad der fixlbaet Aktiendnteerei in Halde.

Es war zwei Wochen später. Leichenblaß saß Anita von Tarent in ihrem Ankleideraum. Die Zofe war um die Herrin befchäftigt, ihr das Haar kunst­gerecht zu ordnen. Neben der Gräfin lag ausgebrei­tet das herrliche Brautkleid, auf einem kleinen Tisch­chen stand ein offenes Kästchen, aus denen die pracht­vollsten Reihen von weißen Perlen fchimmerten und schillerten. r _ v

In zwei Stunden sollte die Trauung stattfinden in der Schloßkavelle. Sie sollte sich binden fürs Le­ben mit einem Manne, den sie verabscheuen und has­sen gelernt hatte. Tag für Tag, Stunde für Stunde hatte die junge Frau gewartet, daß der Prinz seru Wort wahr machen und ihr helfen würde. Sie war seinem Rate gefolgt und hatte den Verlobten im Glauben gelassen, als sei er von ihr noch immer ge­liebt. Sie hatte seine Gegenwart ost ertragen, aber seine Zärtlichkeiten in Schranken.zu halten gewußt.

War sie vergessen worden von dem seltsamen Manne? Warum hatte sie kein Lebenszeichen von ihm erhalten feit jenem Festesabend? Was beabsichtigte er? Anita fragte sich verzweifelt, was ihr anderes überbliebe, als am Altäre Nein! zu sagen, wenn nicht etwas Außergewöhnliches ihr vorher zu Hilfe kam. Mit gramvollen Augen schaute sie auf das Ziffer­blatt der Uhr. Nur zwei Stunden noch! Hätte sie früher gewußt, daß sie auf sich selbst angewiesen sei, sie hätte die Verlobung gelöst und dem früheren Ge­liebten die Wahrheit zugerufen: ich habe keinen Teil mehr an Dir, Du bist mir gleichgültig, nein, verächt­lich geworden! Nun würde er kommen, um mit ihr den Gang zum Altäre zu machen, nun marterte sie verzweifelt ihr Gehirn, was sie tun solle.

Minute um Minute verging, Viertelstunde um Viertelstunde. Die Zofe flocht noch immer ihr Kunst­werk in den Haaren, nahezu war sie fertig. Dann sollte sie die Perlen, den herrlichen Brautschmuck, an« legen! — Wieder eine Viertelstunde weniger 4 t eS

Sagen, Wendungen, Stellungen beherrschte er mit vollkommener Sicherheit. Auch die von den Gau­vereinen gezeigten Darbietungen wiesen vortrefflich« Leistungen auf und fanden allseitigen Beifall. Das Resultat der Wettbewerbe ist nachstehendes: Achter- Niederrad-Reigen : Veloeiped-Klub Darmstadt. Achter- Niederrad - Stabreigen: Veloeiped - Klub Darmstadt. Sechser • Niederrad - Kunstreigen: R.-D. „Germania"- Hdchst a. M. 11,19 Punkte. Außer Konkurrenz Radf.- Klub Zeilsheim. Einer-Niederrad-Kunstfahren: 1. Horst Stein, Offenbacher Bieycle-Klub 7,43 Punkte, 2. Kreyer, ,Germania"-Frankfurt 7,42 Punkte. Zweier-Niederrad- Kunstfahren: Gebr. Stein, Offenbacher Bieycle-Klub. Im Radpolospiel siegte ,Wanderer"»Oberrad I. gegen feine II. Mannschaft mit 5 : 0, im Zweier-Radball- fpiel III. (Junioren) Offenbacher Bieycle-Klub gegen Veloeiped-Klub Darmstadt mit 10 : 3, im Dreier- Radballspiel siegte Radf.-Klub Rothenditmold gegen Offenbacher Siegele - Klub mit 4:0 Toren. Zur Verherrlichung des Festes fang der Männergesang­verein „Winsridia". Der Radsporlklub Fulda darf auf fent wohlgelungenes Gala - Radsportfest mit Gemiatuuna mrückbl'cken.

Fnßüallfport. Nachdem vom westdeutschen Spiel- ausschusse die Zeit zur Austragung der hessischen Mei- sterschast verlängert worden ist, dürfte der Kasseler Fuß- ' ballverein die beste Aussicht auf den Meistertitel haben. Derselbe hat jetzt mit dem V. f. B. Adarburg gleiche Punktzahl. Der nächste Sonntag wird das Schlußspiel um Hessens Meisterschaft bringen. — Gestern schlug der Kasseler Futzballverein den Sportverein Gießen 1900 mit 8 :1. Sport Kassel verlor gegen Göttingen 05 mit 1 :2. — Borussia verliert in Frankfurt gegen Germania mit 1:3. — Bei den Entscheidungsspielen um die süd­deutsche Meisterschaft blieben die Stuttgarter Kickers gegen Frankfurter Futzballverein mit 1:0 Sieger und zwar durch Selbsttor. — Am kommenden Sonntag treten in •ber Vorrunde um die deutsche Meisterschaft West­deutschlands gegen Süddeutschland an in Frankfurt: Duisburger Spielverein und Stuttgarter Kickers. — Der Fuhballstädtekampf Berlin-Wien endigte mit dem Siege der Berliner von 4:2.

Lokales.

Fulda, 7. April 1913.

® Ein Jubiläum im Dompfarrhaus. Gestern vor 40 Jahren empfing Herr Dompfarrer und Stabt« dechant Schmelz die hl. Priesterweihe. Im engsten Kreise wurde au8 diesem Anlaß eine kleine Feier veranstaltet. Die Musikkapelle des dompfarrltchen JünglingSvereins brachte im Hofe des Priestersemi- nars dem Jubilar ein Ständchen. Möge eS dem hochw. Herrn, der den größten Teil seines Priester­lebens der Stadt Fulda gewidmet und fast 15 Jahre lang als Dompfarrer hier gewirkt hat, vergönnt fein. In seiner jetzigen Frische auch das 50jährige Jubi- läum feiern zu können.

* Siseubahn-Personaluachrichteu. Versetzt wurde Eisenbahnlandmesser Blumenthal von Stettin nach Raffel; Werkmeister Carspecken von Opladen nach Raffel £88.91.a; Betriebswagenwerkmeister Freuden­stein von Saarbrücken nach Raffel; Oberbahnaffistent Mattstedt von Bebra nach Raffel; die Lokomotiv- sührer Lechner von Erfurt nach Raffel und Karl Fischer 2 von Hanau nach Altenbeken; die Eisen­bahnlandmesser Lorenz von Raffel nach Stettin und Eimermacher von Kassel nach Köln; die Eisen­bahnobersekretäre Eckmann von Raffel nach Mückster i. W., Book von Marburg nach Berlin; Eisenbahn« affiftent Weber von Kassel nach Hannover; Loko­motivführer Frenzel von Marburg nach Erfurt; Zugführer Robert Müller von Raffel V. nach Stendal, Luckau von Kassel nach Bremen. — In den Ruhestand versetzt: Werkstättenvorsteher Rechnungsrat Müller in Eschwege; die Eisenbahn­obersekretäre Krause, Simon und RechnungSrat Freckmann in Kassel; EisenbahnbetriebSsekretärLa Roche in Raffel. — Ernannt: zum Eisenbahn­sekretär die Bahnhofsvorsteher Eisenächer und Nebel, die Gütervorsteher Hammer, Ruhkopf, Berger, Schwalm, Kromberg und Nickel in Raffel; zum Bahnmeister 1. RL die Bahnmeister Fink in Raffel, Schröder in Alfeld, Hagedorn in Sontra. — Versetzt wurden der komm. Eisen­bahnsekretär Roemer von Seesen nach Marburg; Bahnhofsvorsteher Schweinler von Holzminden nach Raffel zum Verkehrsamt; Bahnmeister 1. RI. Wichmann von Herzberg nach Raffel; Werkmeister Rleinsorg von Raffel nach Frankenberg (H.-N.); die Bahnmeister Fink von Allendorf (Werra) und Martin von Walkenried nach Raffel zum techn. Bureau, Peter von Adelebsen nach Kirchhain, Leh« mut von Fritzlar nach Altenbeken; die Oberdahn- assistenten Barch seid von Götlinge» nach Raffel V. und Gottschalk von Blankenheim Tr. nach Esch« wege; die Bahnhofsausseher Pohl von Allendorf (Rr. Kirchhain) nach Wetter als Unteraflistent und Mehler von Rotenburg (Fulda) nach Homberg.

* Kreisassistentenprüfung. An den drei letzten Tagen voriger Woche legten in Kassel die Kanzlei« und Bürogehilfen Bütte am Landratsamt in Raffel, Blumenstein am Landratsamt in Witzenhausen und Tri« am Landratsamt in Hanau die Kreis« asststentenprüfung ab. Alle drei bestanden.

a. Viehmarkt. Der für Donnerstag, 17. April angefetzte Viehmarkt ist genehmigt worden. Der Aus« trieb hat in der Zeit von 6 bis 9 Uhr vorm. zu erfolgen.

a. Rat und Auskunft in landwirtschaftlichen Fragen wird von jetzt au bis zum 1. November von den Herren Winterschuldirektor Schoppmann und Landwirtschaftslehrer Lutte an jedem Samstag und an jedem Viehmarktstage im Geschäftszimmer der landwirtsch. Winterschule (Schloß) von 8 dir 1 Uhr erteilt.

---- Beschaffung von II. Hypotheken. Drei Bor­standsmitglieder bom Verband der H a u s- u n d Grundbesitzervereine Hessen-Nassau» Prof. Dr. Schantz-Kasiel, Ohl-Frankfurt, Wörner- Hanau hatten in Sachen der in Vorbereitung be- findlichen Gründung eines „Provinzial-Pfandbrief- Jnstituts für II. Hypotheken" beim Oberpräsidenten eine Audienz nachgefucht und erhalten. Nach einem ausführlichen Vortrage wurde die gesamte Materie in einer nahezu zweistündigen Verhandlung durchgespro­chen. Der Oberpräsident gab der Ueberzeugung Aus­druck, daß bezüglich der Beschaffung II. Hypotheken zweifellos ein Notstand der Hausbesitzer vorliege. In erster Linie fei es Sache der Stadtverwal­tung, der Angelegenheit auf chren Städtetagen näherzutreten.

X Vor dem Schwurgericht in Hanau werden sich zu verantworten haben: Heute Montag, 7. April Weißbindermeister Hopp und zwei Genoffen auS Salmünster wegen Memeids und Verleitung zum Meineid; Dienstag, 8. April Eifenvadnschaffner Joh.

ein neues Leben beginnen. Er, an dem ihr Herz hing, er, der sie aus dem Dunkel gerissen, hatte ge­sagt, er wolle über sie wachen. Das war genug, es machte sie glücklich. Als der Morgen graute, legte sich Anita auf ihr Lager und schlief mit einem Lä­cheln auf den Lippen ein. —

Am Mittag kam Anawle von Meneville. Sie empfing ihn freundlich, fast liebenswürdig. Er blickte erstaunt, denn in der letzten Zeit hatte sich ihr Be­nehmen gegen ihn sehr verändert gehabt. Manchmal hatte er ‘geglaubt, sie ganz zu verlieren. Bon den Vorfällen am gestrigen Abende wußte sie offenbar nichts. Sie hatte keine Kenntnis davon, daß er als Falschspieler entlarvt und aus der Gesellschaft aus- gestoßen war. Wenn sie seine Frau geworden war, wenn er verfügen konnte über die Tarentschen Be­sitzungen, wollte er den Wohnsitz wechseln und Genua den Rücken kehren.

Als der Verlobte ihr vorschlug, chren in zwei Wo­chen kommenden Geburtstag als Hochzeitstag zu wäh­len, da stimmte sie zu. Hatte der Prinz ihr nickt den Rat gegeben, die List des Weibes zu Hilfe zu nehmen, ihn zu täuschen.

Tann war Meneville fortgegangen mit zufriede­nem Lächeln auf den Lippen. Nun war alles gut für ihn, er fühlte sich ihrer sicher. Er würde dafür Sorge tragen, daß sie in bet Zwischenzeit mit dem Prinzen in keine Berührung mehr kam. Er fürchtete nur die­sen Mann, wie die Sünde sich vor der Vergeltung fürchtet. Ms er nach Hause kam, suchte er unter fei­nen Waffen umher, wählte daraus eine, mit der er stets einen sicheren Schuß erzielt Jind ging auf ein» famen Feldwegen in den nahen Stadtwald. Als er wieder heimkehrte, wußte er nicht, daß er statt des Prinzen einen anderen getroffen, und befriedigt mur­melte er: „Zauberprinz, meine Kreise wirst Du nicht mehr stören!"

• Einen Tag später war der Baron bitter ent­täuscht, als er hörte, daß der Vicomte Bixio im Stadtwalde von unbekannter Hand durch die Brust geschossen worden sei und auf den Tod darniederliege. Baron Meneville verließ von der Stunde an sein SauS fast nicht mehr, nur zur Bura Tarent ging et

Nikolaus Müller aus Gersfeld wegen Unter­schlagung und Urkundenfälschung; Mittwoch, 9. Avril Händler Paul Müller auS Berlin wegen Tot­schlags, (die bekannte Schießaffaire auf dem Fuldaer Bahnhof am 15. Dezember v. Js.); Donnerstag, 10. April Frau Katharina W e i d e r geb. Eck. aus Bad Orb wegen Meineids.

? Volksverein. Don sehr geschätzter Seite wird unS geschrieben: In der vorletzten Nummer der »Fuldaer Zeitung^ wurde mit Reckt darüber geklagt, daß der Volks verein für das katholische Deutsch« land in der Stadt Fulda nicht recht auf den Damm kommen will. Der verstorbene Ab g. Lieber bat einmal gesagt: »Wenn du allen katholischen Vereinen angehörst, dem Volksverein aber nicht, so hast du deine Pflicht als katholischer Mann nicht getan." Deshalb sollten vor allem die katholischen Vereine — M. N., Kathol. Rattfm. Verein, Meisterverein, Gesellenverein, Arbeiter­verein rc. — eS ihren Mitgliedern zur Pflicht machen, dem Dolksoerein beizutreten und auch an den zwei oder drei Versammlungen, die der Volks­verein im Jahre hält, teildunehmen. Das mag ja für manchen ein Opfer fern, aber wenn man sieht, wie auf dem Lande die Leute oft bei dem schlechtesten Wetter sich zu den Volksvereinsversammlungen ein« stellen, dann kann man eine gleiche Opferfreudigkeit auch von den Katholiken in der Stadt verlangen. Freilich sollte die Leitung des Volksvereins es sich dann angelegen fein taffen, für derartige Versamm­lungen auch zugkräftige auswärtige Redner zu gewinnen, wie das in anderen Städten von der Bedeutung Fuldas als ganz selbstverständlich gilt. Wenn Redner wie Gröber, Trimborn, Erzberger, Dr. Pfeifer. Marx, Fehrenbach, Porsch, Graf Gale», Gras Praschma, Graf Pestalozza, Schmitt-Main;, oder Prosesfor Meyenberg, Prof. Mausbach, Prof. Meyers - Luxemburg, Domprediger Dr. Donders, Pater Cohansz, Pater Bonaventura, Pater Elpidius, um nur einige ganz bekannte Namen zu nennen, als Herolde der VolkSvereinS erscheinen, wird der Stadt­saal nicht groß genug sein, die Zuhörer aufzunehmen. Daß auch für das katholische Leben in Fulda ab und zu ein Ansporn, wie ihn eine derartige Versammlung bringen würde, recht notroenbig ist, wird niemand in Abrede stellen können. Das alte Fulda verschwindet immer mehr, und ein neues Geschlecht wächst heran; da heißt es, dafür sorgen, daß der Geist des alten bleibt, zumal in einer Zeit, in der die Jugend, auf der doch die Zukunft beruht, durch den übermäßigen, einseitigen Sportbetrieb immer mehr zu verflachen und zu versimpeln droht, so daß für ideale Bestrebungen, wie sie der Volks­verein hat, vielfach recht wenig Sinn und Verständnis zu finden ist, zum großen Bedauern aller einsichtigen VolkSfreunde. Möge die Leitung des Volksvereins durch die teilweisen Mißerfolge der Vergangenheit sich nicht entmutigen lassen, fondern einen neuen Ver­such machen mit einem der oben genannten Redner, die alle gern in die Bonisatiusstadt kommen werden, eS wird sicher gelingen. Die beste Zeit dafür in diesem Jahre ist vielleicht der Sonntag abend, an dem die angekündigte große Volksmisfiou zu Ende geht. In Frankfurt hat man es kürzlich mit recht gutem Erfolg so gemacht. — In diesem Zusammen­hang sei auch noch ein anderer Vorschlag zur Dis- kuffion gestellt. Vielfach ist es bedauert worden, daß das Sommerfest der katholischen Vereine am Fronleichnamssonntag wieder eingeschlafen ist. M. E. sollte man es wieder neubeleben und es zu einem .VerbandSfeste der katholischen Vereine Fuldas" ausgestalten, nachdem vorher natürlich alle katholischen Vereine sich zu einem .Ver­band" ober .Kartell" zusammengeschloffen haben. Ein« solche Zentrale hat man saft überall geschaffen, wo mehrere katholische Vereine bestehen. Dadurch ist einigermaßen die Gewähr gegeben, daß die Vereine nicht gegeneinander, auch nicht nut nebcneinander, sondern m i t einander arbeitet*, Ein gemeinsames Verbandsfest mit einer Rede im Otaötfaal, Kon­zert rc. im Schloßgarten, wäre recht geeignet, die einzelnen Ge>eUschaftsklaffen einander näher zu bringen und auch die große Zahl der festlichen Ver­anstaltungen der einzelnen Vereine etwas einzu« schränken, gewiß nur zum Nutzender katholischen Sacke.

dL Bo« unseren höheren Lehranstalten. Zu Beginn deS neuen Schuljahres wurden an den höheren Schulen insgesamt 153 Schüler und 82 Schülerinnen neu aufgenommen. Während die Zahl der letzteren gegen daS Vorjahr gleich geblieben ist, hat sich die Zahl der ersteren um 22 vermehrt, und zwar fällt diese Vermehrung ganz auf die Oberrealschule. Von den 66 Neuaufgenommenen entfallen 40 auf die

Sexta. Am Gymnasium traten von den 70 Neuauf­genommenen 29 in die unterste Klasse ein. Im Institut der Engi. Fräulein wurden 24 ABC-Schützen und 16 Schülerinnen in höhere Klassen des LyzeumS und 16 Schülerinnen in das Ober-Lyzeum ausgenommen.

O Das Kaiser-Jubiläum in Schulen und Vereinen. Der Minister für das Schulwesen hat angeordnet, daß am 15. Juni, dem Todestage des Kaisers Friedrich III., keine Feiern veranstaltet werden. Dagegen ist am Montag, 16. Juni, in höheren und niederen Schulen eine Festfeier abzuhalten und auf die Bedeutung des Tages und die Tätigkeit des Fürsten für Land und Volk während der 25 jährigen Regierungszeit hinzuweisen. Wenn von einzelnen Behörden, Gemeinden oder Vereinen eine lokale Feier geplant ist, s.ll sie am Montag, 16. Juni, stattfinden.

** Zur Nachahmung empfohlen! Wir hatten schon mehrfach Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß das von den Regierungspräsidenten etlaffene Verbot der Veröffentlichung von Standesamtsnachrichten zurück- zusühren ist auf das gewissenlose Treiben gewisser Geschäfte, die in aufdringlicher Weise verwerfliche Mittel durch Zusendung von Drucksachen an Braut­leute re. anpreisen. Nach einer vor nicht langer Zeit ergangenen Entscheidung des Reichsgerichts kann die Anpreifung derartiger Mittel und das darin liegende Ansinnen zur Benutzung der genannten Mittel als Beleidigung aufgefaßt werden, weil ihre Benutzung nach der Anschauung großer Volks­kreise als mit dem Wesen der Ehe unvereinbar und als moralisch verwerflich zu gelten hätten. Ein angesehener Bürger von hier, an den von einer Düssel­dorfer Firma eine Zusendung der vorhin erwähnten Art gelangte, ließ den Fall der zuständigen Behörde unterbreiten, und zwar mit dem Erfolg, daß, wie ihm kürzlich von dem Regierungspräsidenten in Düssel­dorf mitgeteilt wurde, die Angelegenheit auf Grund des § 154,3 Strafgesetzbuches der Staatsanwaltschaft übergeben worden fei. Eine Bestrafung jenes .®e« fchästsmannes" dürste demnach sicher fein. ES wäre zu wünschen, wenn alle, die mit derartigen Zusendungen bedacht werden, sich ebenso energisch wehrten. Dann würde jenen unsauberen Gesellen bald ihr Handwerk gelegt fein.

Lk Stutenschauen für Kaltblut mit Prämienver­teilung und Eintragung in das Stutbuch werden in diesem Jahre abgehalten am 5. Mai, nachm. 4 Uhr in Hanau, am 6. Mai, vorm. 10^ Uhr, in Gelnhausen, nachm. 2y2 Uhr in Schlsich­te r n, um 5 Uhr in Fulda, nm 7. Mai, vorm. 9y2 Uhr, in Tann und nachm. 4 Uhr in Hünfeld, am 8. Mai, vorm. 10 Uhr, in Hersfeld und nach­mittags 2 Uhr in R o t e n b u r g, am 9. Mai, vorm. 9% Uhr in Melsungen und nachm. Utjr in Witzen hausen; in Eschwege findet sie im An­schluß an die Kreisschau statt. — Es werden nur be­deckte kaltblütige Stuten prämiiert. Die Prämien bestehen darin, daß den Besitzern das in diesem Jahre von ihnen für die Bedeckung dieser Stuten gezahlte Deckgeld zurückerstattet wird, und daß für die von diesen Stuten 1913 eventl. geborenen Füllen ein Fül­lengeld nicht zu entrichten ist. Der Nachweis für die Bedeckung ist durch Vorzeigen des Dockscheines zu führen. Nur Stuten, welche in das Stutbuch einge­tragen sind, werden prämiiert; diejenigen werden be­vorzugt, bereit unter Vorweis des Füllenscheines vor- zuführnde Nachzucht ihren Zuchtwert bestätigt. Stu­ten, welche 2 Jahre lang nicht trächtig geworden sind und solche, welche nachweislich schlechte Fohlen ge­bracht haben, erhalten keine Freideckscheine. Für jede Stute, welche neu in das Stutbuch ausgenommen wird, erhält der Besitzer 5 Mark. Außerdem müssen die seit der letzten Stutenschau mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer gekauften Stutenfohlen vor­geführt werden.

<P Radsahrersest. Anläßlich des Gautages des Gaues 9 des Deutschen Radfahrerbundes hatte der Radsportklub Fulda eine sportliche Veranstaltung vorbereitet, wie sie großartiger hier in Fulda noch nicht geboten wurde. Am Vormittag versammelten sich die Vertreter des Gaues im Stadtsaale zur Be« ratung interner Angelegenheiten. — An dem 100 Kilometer - Rennen, das in Frankfurt seinen Ansang nahm und an der Filzfabrik bei Fulda endete, nahmen 68 Fahrer teil, von denen zwei Drittel das Ziel erreichten. Die ersten Preise wurden im End­spurt entschieden. Erster wurde Knappke-Frankfurt (3 Std. 25 Min.), 2. Loenen - Frankfurt, 3. Tenger« Frankfurt, 4. Brecht-Frankfurt, 5. Thein «Oberrad, 6. Binder-Frankfurt, 7. Greb Oberrad. — Den Glanz­punkt einer radsportlichen Veranstaltung bildete die am Nachmittag im Stadtsaale veranstaltete Feier. Hier erwies sich Herr Toni Nenber ou8 München als hervorragenden Radkünstler. Die schwierigsten fast täglich, wo er von seiner Braut immer aufs Zu­vorkommendste empfangen wurde. In ihrem Auge lag aber immer etwas, das er sich nicht zu deuten vermochte.--