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Fuldaer Leitung; <*$*
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Samstag 5. April (915.
* Maks.
Fulda, 5. April 1913.
V Personalien. Postinspektor Koerber-Eschwege ist vom 1. Juni ab in gleicher Eigenschaft an das Postamt I in Kassel versetzt. — Rechtsanwalt Rau in Marburg wurde zum Notar für den Bezirk des Oberlandesgerichts Raffel mit Anweisung seines Amtssitzes in Marburg ernannt. —. Den Eisenbahn-Ober- sekretären Krautze und Simon zu Raffel wurde beim Uebertritt in den Ruhestand der Charakter als Rechnungsrat verliehen.
== Verseht wurden an die König!. Eisenbahn-Bau- abterlung Fulda die technischen Büro-Aspiranten Borschel, Mewissen, A. Gottesbühren und O. Gottesbühren; ferner die technischen Bürogehilfen Scheidig, Wiegand und Setzer, sowie der Meßgehilfe Kircher.
X Zu Wahlkommiffaren für die Land tags mahlen wurden in den Kurhessischen Wahlkreisen fast überall die Landräte bestellt. Für den Wahlkreis Fulda wurde zum Stellvertreter des Herrn LandratS Frhr. o. Doernberg Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni ernannt.
ißj Besitzwechsel. Das dem Schreinermeister Philipp A rösch in der Kronhofstraße Nr. 25 gehörige Grund« "tück ging durch Rauf in den Besitz des Kunst- und gandschafts-GärtnerSJulius Freißlich über. Dieser beabsichtigt im Laufe des Sommers seine »Hinter den Löhern" gelegene Gärtnerei dorthin zu verlegen.
Strafkammer. Fünf Familienväter von Stendorf .Kreis Hünfeld) sollten sich gestern vor der Strafkammer verantworten, weil sie ihre Kinder im Winter 1912 öfters zu spät in die Schule nach Kirchhasel geschickt haben. Es war dies schon das zweite Mal, baß Termin in dieser Sache hier anstand. Gegen die polizeilichen Strafbefehle hatten die Betreffenden gerichtliche Entscheidung beantragt und sind im Dezember 9. I. vom Amtsgericht Hünfeld freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen Berufung eingelegt. Die gestrige Verhandlung, zu welcher u. a. auch der Lehrer und die Lehrerin von Kirchhasel, der frühere und jetzige Ortsschulinspektor, der Kreisschul- inspektor, ein Sanitätsrat und ein Medizinalrat geladen waren, ergab, daß die Kinder den 3,3 Kilometer langen Weg täglich 4mal machen mußten, daß ferner in Kwchhasel sich keine Gelegenheit bot, den Kindern warmes Mittageffen zu verabreichen, obwohl die Kinder nach den Ausführungen eines Sachverständigen schwächlich veranlagt waren und im Winter ein solches Mittagessen ohne Schädigung ihrer Gesundheit nicht entbehren konnten. Die Strafkammer verwarf daher die Berufung mit der Begründung, daß das Urteil des ersten Gerichtes zu Recht besteht, weil auf die Ernährung solcher Kinder auf jeden Fall Rücksicht zu nehmen sei. — Drei jugendliche Bürschchen, der 13jährige F. D., der 15jährige E. K. und der 16jährige F. H. von hier hatten sich sodann wegen gemeinschaftlichen Diebstahls von 7 Kanarienweibchen mittels Einsteigens zuverantworten. Besonders der 13jährige D. scheint sich den Vogeldiebstahl als Spezialität ausersonnen zu haben und erhielt deshalb schon im Dezeniber v. Js. von der Strafkammer Fulda 10 Tage Gefängnis. Auch der 16 jährige H. hat bereits eine Vorstrafe von 2 Wochen Gefängnis. Die Bürschchen sind geständig. D. erhält einschließlich der noch zu verbüßenden 10 Tage Gefängnis eine Gesamtstrafe von 4 Wochen, K. und H. die Schmiere gestanden hatten, je eine solche von zehn Tagen. — Der schon wiederholt vorbestrafte 56 jährige Gelegenheitsarbeiter C. H. von Rosdorf, der auch schon im Arbeitshaus Unterkunft fand, wurde vom Schöffengericht Weyhers wegen Bettelns zu 4 Wochen Hast und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde verurteilt. Gegen letztere Bestimmung legte er Berufung ein, die jedoch von der Strafkammer verworfen wurde.
— Tie Nehbocksjagd ist nach einer Anordnung für den Stadt« und Landkreis Hanau auf Dienstag, den 8. Mai für die übrigen Kreise des Regierungsbezirks auf Freitag, den 16. Mai geöffnet.
§ Anschlag. Als gestern nachmittag der Eilgüterzug 1692 von Bebra die Berta'sche Wachswarenfabrik kaum passiert hatte, wurde von Vierzehnheiligen her ein schwerer Stein gegen den Zug geschleudert, der den Schaffner Rasp aus Frankfurt am Kopf traf und eine erhebliche Wunde verursachte. R. wurde nach Anlegung eines Notverbandes mir dem nächsten Schnellzug nach Frankfurt befördert. Dem Täter ist man auf der Spur.
5 Ter Tod tut Eisenbahnwagen. Gestern nachmittag verschied plötzlich im Schnellzug Frankfurt- Fulda zwischen Flieden und Neuhof die 56jährige Ehefrau des Kaufmanns A. Birnbaum von hier
Der Gras von Tarent.
81] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner. 12.
Herzen finden sich.
Ein großes Zimmer, das mit reichgeschnitzten Möbeln ausgestattet war. Die zwei Fenster waren dicht verhängt, das; weder Sonnenschein, noch Geräusch den wunden Mann stören konnte, der unter dem altväterischen, verschossenen Baldachin in dem großen Bette lat], das in der Ecke stand und fast den dritten Teil des Zimmers einnahm. Das Gesicht des jungen Mannes, das aus den Kissen schaute, war blutleer, furchtbar bleich. Die dunklen Locken hingen ihm wirr Über die feuchte Stirne, die Augen waren offen und der Blick derselben wanderte int Gemache umher und musterte die Ausstattung desselben. Diese reichge- schitzten Möbel waren alt, sehr alt, an vielen Stellen schadhaft. Der große Spiegel zeigte Stellen, die blind waren, eine Ecke der Einrahmung sehlte. Das Zimmer redete eine stumme Sprache durch sein Atts- ffhen; peinliche Sauberkeit, aber Verfall, dahinge- Ichlvnndenes Vermögen, vielleicht Armut unter die- K'k Zeugen einer früheren besseren Zeit.
Ter bleiche Mann in den Kissen war der Vicomte Birio. Seit vielen Tagen In ar er in diesem Bette belegen. Als man ihn fast sterbend hineingelegt, hotte Cl' die Empfindung gehabt, als sei alles aus. Er erin- nprte sich «u wenig, .nur die furchtbare Marler blieb deutlich in seinem Gedächtnis hasten, als der Wund- wter kam und ihm die Kugel aus der Brust heraus- holte. . Dann kam ein Fieber, das ihn schwach machte
Kind. Er hatte sich unbeschreiblich elend
Zu seinem Elende halte er aber einen Gefährten, ^-er Gefährte war ein Mädchen, das säst immer au öer Seite des Beltes saß mit kummervollen Blicken, ^vcnn er sprechen wollte, hatte sie ihm leise mahnend ®\e rosigen Finger auf die Lippen gelegt, denn der ^-rmdscher hatte gesagt, wenn eine neue Blutung »ii!trete, bedeute »s den Tod. Er hatte gemerkt, daß,
mfolge eines Schlaganfalles. Die Arm«« unserer Stadt verlieren in ihr eine edle Wohltäterin.
D Bon jugendlichen Nachtschwärmern wurde in der vergangenen Nacht an einem Hause in der Petersbergerstraße ein schweres blechernes Schild abgenommen und mit großem Getöse auf das Pflaster geworfen. Die Täter sind ermittelt.
△ Ein kunstvoll ausgeführter Spiegelschrank ist z. Zt. im Schaufenster des Herrn Richard Schmitt in der Marktstraße ausgestellt. Der Schrank ist auS der Werkstatt des Herrn Ferdinand Richter, Frank- furterstraße, hervorgegangen und ein Teilstück einer von diesem selbst entworfenen Schlafzimmereinrichtung. Er ist gänzlich fourniert und aus Edelbirkenholz so gearbeitet, daß er in drei selbständige Teile zerlegt werden kann.
F. Die Zeit der Baumblüte tritt in diesem Jahre wegen der sommerlich schönen Tage der letzten Zeit früher als sonst ein. So kann man z. B. in einem Garten der Adalbertstraße Pstrsichbäume in voller Blüte sehen. Auch das übrige Steinobst, wie Süßkirschen und Zwetschen, wird bald seine Blüten entfette». Hoffentlich zerstört kein rauher Frost die Blütenherrlichkeit.
4- Die städtische Armenpflege. Die Armenfürsorge ist ein wichtiger Zweig der Kommunalpolitik. Diese Fürsorge geschieht entweder als geschlossene ober als offene Armenpflege und zwar durch lausende oder einmalige Barunterstützungen ober Naturallieferungen. Die Barunterstützung ist allgemein eingeführt und betrug in Fulda im vergangenen Jahre 12338,81 Mk., wovon ein starkes Viertel auf Mietsunterstützungen fällt. Die Naturalunterstützung, bestehend in Lieferung von Brot, Suppe, Kartoffeln, Kleidung und Heizmaterial, ist dagegen nicht in allen Städten durch- gcführt. Sie erforderte in Fulda im letzten Jahre 6538,12 Mk. Diese Art der Unterstützung hat den Vorteil, daß die Armen auch wirklich mit dem versehen werden, was ihnen unbedingt fehlt, während bares Geld leicht für andere Zwecke ansgegeben kann. Die allgemeine Armenpflege, soweit sie sich bloß auf die Armenanstalt „Hl. Geisthosvital" beschränkt, erforderte nicht weniger als 26 900 Mark, außerdem wurden für die Pflege armer Kinder und Waisen annähernd 5000 Mk. verausgabt. Die Gesamtlasten der Armenpflege betragen für Fulda einschließlich der Verwaltungslasten etwa 82—84000 Mk.
«f Die Friihjahrskontrollversammlungeu beginnen am nächsten Montag, vormittags 9 Uhr, im Giesel« schen Saale für die Reservisten der Stadt Fulda vom Jahrgang 1905 bis einschließlich 1912. Um 11 Uhr findet für, die Estenbahnbediensteten der Reserve, der Landwehr und der Ersatzreserve eine Kontrollversammlung in der Eisenbahnwerkstätte statt. Nachmittags 3 Uhr müssen sich die Landwehrleute 1. Aufgelds vom Jahrgang 1900 bis 1904 stellen. Der Jahrgang 1900 wird sunt 2. Aufgebot über» schrieben. Dienstag, vorm. 9 Uhr, treten die Ersatzreservisten der Jahresklassen 1900—1912 an.
C) Saalsportfest. Nicht weniger als 21 Ehren preise sind von heute an im Schaufenster der Firma Stöhr in der Friedrichstraße ausgestellt, welche beim morgigen Gala-Sp ortsest des Gaues 9 des D. R. B. an die Sieger im 100 Kilometer-Rennen und nach dem Wettbewerb im Kunst-, Schmuck- und Schulreigen, im Radball- und Ltadpolosviel zur Verteilung gelangen. Aber nicht allein der Zahl nach müssen diese Preise auffallen, sondern auch durch ibte hochwertige Gegenständlichkeit und geschmackvolle Herstellung in edlem Melall, durch ihre Größe und moderne Ausführung. Die Meldungen zum 100 Kilometer - Straßenrennen haben alle Erwartungen übertroffen, ebenso diejenigen von Vereinen, die ihre Vertreter zum Gautag nach Fulda senden werden. Neuber, der unübertreffliche Kunstfahrer aus München, trifft bereits heute hier ein und wird morgen nachmittag 5 Uhr als Spezialist aus dem Niederrad sich produzieren. Versäume kein Sportsfreund diesen seltenen Genuß. Die „Winfridia" singt, die „Artillerie" spielt auf.
(*) Das Männer-Quartett Fulda 1912, welches am 16. April v. I. gegründet wurde, feiert am Sonntag, den 6. April sein 1. Stiftungsfest im Parkhotel.
Ans dem Kachbargebiete.
s. Hofbieber, 4. April 1913. Mit der Verwaltung der hiesigen Lehrerinstelle ist Fräulein Peter aus Somborn beauftragt worden. Die Lehrerin Müller ist in den Ruhestand getreten. — An den Schulen der Pfarrei Hofbieber wirken gegenwärtig sieben Lehrkräfte, je ein Lehrer in Hofbieber, Elters, Langenbieber, Almus und Niederbieber, je eine Lehrerin in Hofbieber und Elters. Die Schulstelle in Niederbieber wurde erst im verflossenen Jahre gegründet, das neue Schulgebäude geht seiner Vollendung entgegen.
]:[ Hünfeld, 4. April 1913. Im Geschichtsoerein hielt gestern abend Herr Dr. Wegner einen sehr
wenn er zu schlafen schien, sie ihm sorgsam die Fliegen aus dem Gesichte scheuchte. Er hatte gefühlt mit tiefem Behagen, wie der Gejährte ihm kühlende Umschläge ans die heiße Stirne gelegt, keine Kraftbrühe hatte im Leben besser geschmückt, als die, welche, ihm durch dieses Mädchen löffelweise zwischen die Lippen geschoben wurde. Daß er nicht sprechen durfte, war eine furchtbare Marter gewesen — seine Zunge war an derlei nicht gewöhnt.
Bon draußen erklang ein leises Geräusch, es waren Schritte, die nicht gehört sein wollten, mau konnte es ein Schleichen nennen. Dann öffnete sich leise die Tür, ganz leise schloß sich dieselbe wieder. Der Vicomte schloß die Äugen, blinzelte aber unter den Lidern hervor. Behutsam trat das Mädchen an das Bett und beugte sich über ihn.
Es horchte seinen tiefen, regelmäßigen Atemzügen, dann — offenbar lag er in tiefem Schlafe — geschah etwas Sonderbares: das reizende Geschöpf mit den großen blauen Augen und den goldfarbenen Haarflechten beugte ihr Gesicht tiefer und tiefer, dann berührten die kirschroten Lippen sein lockiges Haar.
Wie goldener Sonnenstrahl leuchtete es auf in dem Herzen des jungen Mannes bei der keuschen Berührung. Nun hörte er die Worte, leise, kaum verständlich: „Liebster, bester Herrgott, laß ihn wieder gesund werden — ich habe ihn so unaussprechlich lieb!"
Birio öffnete die Augen nicht. Eine heilige Riche überkam ihn, als er dieses Bekenntnis gehört, das nicht für sein Ohr bestimmt gewesen. Seine frivole Weltanschannng zerrann in ein Nichts. Er fühlte, daß in diesem einen Momente sich ihm eine neue Welt auftat. Nicht um alle Schätze der Erde hätte er dieses Glück, das er nun empfand, wieder missen mögen.
Das Mädchen setzte sich hinter das Kopfende des Bettes und bewachte seinen Schlummer. Er hörte ein leises Klirren wie von Nadeln, sie schien zu stricken.
Der Kranke lag in tiefem Sinnen. Er schämte sich bei der Erriniiernng, daß er vor kurzem noch die Liebe nach dem Selbe geschätzt h"°"» Wie. wenn
gut orientierenden Vortrag 'über die Entwicklung Preußens zur Erfüllung seiner weltgeschichtlichen Aufgabe. Darauf wurde der herkömmliche Sommerausflug besprochen.
!!! Gersfeld, 4. April 1913. In der hier gelegenen und nur vorübergehend bewohnten Villa des Herrn Reichstagsabgeordneten Müller- Fulda wurde eingebrochen. Die Einbrecher, es waren deren offenbar zwei, verschafften sich durch Eindrücken von Fenstern Zugang. Der Einbruch muß schon vor 8—10 Tagen verübt worden sein. Fast alle Türen des Hauses waren gewaltsam geöffnet. Die Diebe scheinen eine gründliche Haussuchung vorgenommen zu haben. Mitgenommen haben die Einbrecher jedoch wenig, denn es konnten nennenswerte Verluste nicht festgestellt werden. Vermißt wird nur ein Anzug und ein Paar Schaftstiefel sowie einige Unterkleider.
* Vöhl, 4. April 1913. Die benachbarte Gemeinde Asel ist mit dem 1. April aufgelöst. Die noch ansässigen Familien werden in den nächsten Tagen abziehen. Eine Ausnahme bilden die sechs Familien, welche nach Neu-Asel übersiedeln. Dieselben werden erst nach Fertigstellung des neuen Dorses abziehen.
* Sieglos, b. Oberhaun, 4. April 1913. Hier starb gestern Bürgermeister Döring im Alter von 62 Jahren.
* Hersfeld, 4. April 1913. Am Gymnasium wurden 51 Schüler neu ausgenommen, darunter 31 in die Sexta. In das Lehrerkollegium traten neu ein die Wissenschaftlichen Hülfslehrer Heiler und Lendle, sowie als Zeichenlehrer Schild. Dem pädagogischen Seminar sind 6 Kandidaten überwiesen worden.
Schlüchtern, 4. April 1913. Die Eheleute Ludwig Freund hier feiern am Sonntag ihre goldene Hochzeit.
/v Hanau,4. April 1913. DiePolizeibehörde löste am Mittwoch abend eine Versammlung der A r- beiterjügenb mit der Begründung auf, daß die Jugend keine öffentlichen Versammlungen äbhalten dürfe, selbst wenn diese des politischen Charakters entbehrten.
* Hanau, 4. April 1913. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurden als Magistratsmitglieder die Herren Kehl, Holzinger, Nicolah-Krug, Albert Sendler und S.-R. Dr. Lncanus wiedergewählt und die Herren Lossow und Reitzel neugewählt.. Sodann tvurden genehmigt 12 000 Mark für Vermehrung der Leichenzellen im Friedhofsgebäude, 3500 Mark für die Errichtung einer Urnenwand und eines Urnenhaines, 20 700 Mark für Errichtung eines Verwaltungsgebäudes aus dem Friedhof und 13 100 Mark für Pflasterung von Bürgersteigen. — Ter Staatssekretär des Reichskolonialamts hat mit« geteilt, daß es gelungen ist, die zur Einrichtung und Unterhaltung der Di amantschleiser- schule in Hanau von den zuständigen Stellen als erforderlich bezeichneten Geldmittel zrstammenzubrin- gen, so daß nach Erledigung einiger Förmlichkeiten die erforderten Garantieerklärungen der geldgebenden Firmen dem Minister für Handel und Gewerbe zugeleitet werden könnten.
* Hemfurth, 4. April 1913. Die Arbeiten an der Talsperre schreiten mächtig voran. Die ausführende Firma Holzmann-Frankfurt hofft bestimmt, bis spätestens November d. I. die Arbeiten vollendet zu haben. Die Sperrmauer hat bereits, vom Sockel aus gemessen, die stattliche Höhe von 37 Meter erreicht, und es fehlen nur noch 11 Meter bis zur vollständigen Vollendung.
* Witzenhausen, 4. April 1913. Im Werratal beginnen die Kirsch- und Pflaumenbäume ;u blühen. Auch die Birnenknospen stehen vor der Entfaltung.
* Kassel, 4. April 1913. Die Kasseler Lehrerschaft hat beschlossen, zur Tausendjahrfeier ein Werk über die Geschichte des Kasseler Volksschulwesens in allgemein verständlicher Form mit Karten und Plänen herauszugeben. — Der wiederholt wegen Diebstahls vorbestrafte Gelegenheitsarbeiter Br. aus Veckerhagen wurde wegen zahlreicher Einbruchsdiebstähle zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.
* Aus Thüringen, 4. April 1913. Heute mittag fand in der Bergkirche in Schleiz die BeisetzungS- feier für den verstorbenen Fürsten Heinrich XIV, statt, an der als Vertreter des Kaisers Prinz August Wilhelm und auch der kommandierende General des 11. Armeekorps von Scheffer-Bohadel teilnahm. — Ein Rohling, der auf der Landstraße von Jagdshof nach Heinersdorf von fünf Obstbäumchen die Kronen abbrach, erhielt dafür zwei Monate Gefäng-
diese hier nach Mitgift gefragt würde? Der Gedanke bereitete ihm körperlichen Schmerz.
Nun machte er unwillkürlich eine Bewegung. Augenblicklich kam bk Pflegerin hervor und näherte ich ihm. Er lag da mit großen, offenen Augen und treckte ihr die Hand entgegen.
„Liebste Jungfer, hatte ich nicht ein Stelldichein verabredet mit Euch damals am Festabend?" tagte er.
Sie errötete. „Herr Vicomte, um Gotteswillen, Sie sollen nicht sprechen."
„Ich weiß, vor acht Tagen war das am Platze, aber jetzt nicht mehr." Er richtete sich langsam im Kissen auf. „Ich fühle mich kräftig wie ein Büffel auf der Weide, bestes Kind," fuhr er fort. „Ein Jemand hat mir ein Loch in die Haut geschossen, aber o ein Unkraut wie ich läßt sich deswegen nicht aus der Liste der Lebendigen streichen —. Wie ist mir denn, es muß so etwa nachmittags um vier Uhr fein — genau die verabredete Zeit — ein Mann muß sein Wort halten!"
Sie hätte weinen mögen und versuchte ihm die Hand zu entziehen. „Herr, Ihr müßt schweigen oder Ihr brecht mir das Herz," klagte das Mädchen, „wollt Ihr mir den Gefallen tun, wenn ich recht darum bitte?"
„Ganz und gar nicht," entgegnete er, „das Schweigen war von jeher meine schwache Seite, und ich glaube, als ich znr Welt kam, habe ich vor dem verhimmelten Haushalte sofort eine Rede gehalten. Der Wundscher hat hier nichts mehr zu sagen, er ist eine Null geworden — ich brauche nur mehr fünfzig Pfund Ochsenfleisch und einige Lämmer in gebratenem Zu- tanbe, unb das alte Kräfteverhältnis ist wieder hergestellt. Sagt einmal, liebste, beste Jungfer, habe ich nicht an jenem Festabend gesagt, mein Herz schlage nur für Euch?"
„Herr, Ihr tut mir wehe, wenn Ihr nicht schweigt, gehe ich aus dem'Zimmer."
Er hielt sie am Handgelenk fest. „Tut mir den Gefallen unb bleibt, meine Wunde ist im Heilen begriffen, unb ich brauche nicht mehr gepäppelt zu wcr-
nis und die Strafkammer in Meiningen hat dieses Urteil bestätigt. — Zu den Zeitungsnachrichten, daß in K o h u r g das dänische Ochsenfleisch nicht immer gefallen habe, wird von zuständiger Seite rnil- geteilt: „Das dänische Vieh ist, was die Beschaffenheit des Fleisches anlangt, durchaus erstklafsig gewesen und hat dem inländischen Vieh in keiner Weife nachgestanden. Das Fleisch ist sehr gern gekauft worden." —■ Das Parkhotel in K o b u r g wurde zwangsweise für 74 500 Mark verkauft. Tie Taxe lautete auf 140 250 Mark. — In Oberilm ist der Salinendirektor Joseph Schrempf im Alter von 47 Jahren gestorben. — In Schwarzburg-S anders- hausen sollen die Inhaber des Eisernen Kreuzes je 50 Mark aus der Staatskasse als einmalige Ehrengabe erhalten.
tt. Gießen, 5. April 1913. Von heute ab lassen die Metzger auf Schweinefleisch und alle Wurstsorten einen Preisabschlag eintreten.
* Mainz, 4. April 1913. Vor dem hiesigen Untersuchungsrichter wurde der Gutsbesitzer vom Wapper Hof in der Sache Sternickel vernommen. In der vorgelegten Photographie des Sternickel er« kannte der Gutsbesitzer seinen damaligen Knecht auf's bestimmteste wieder. Ob es wirklich Sternickel war, der bei dem Mann diente, ist noch nicht festgestellt. Bekanntlich ist Sternickel schon oft „ertannt* worden, bis es sich bei näherer Untersuchung herausstellte, daß dieser zur fraglichen Zeit ganz wo anders sich aufgehalten hatte.
* Vom Eichsseld, 4. April 1913. Der ISjährigck Fleischerlehrling Rosenthal aus Breitenworbis nahm sich vor etwa 10 Tagen vor dem Hause seines Lehrherrn des sich scheinbar in krankhaftem Zustande herumwälzenden Zigarrenmachers Kruse aus Heiligeustadt mitleidig an. Doch Kruse versetzte Rosenthal, ohne auch nur ein Wort zu sagen, einen M e s s e r st i ch in die Lunge; trotz ärztlicher Hilfe ist Rosenthal gestern seiner Verletzung erlegen. --------
Amt Geisa und Umgebung.
X Vacha, 4. April 1913. Nachfolgende wichtige Entscheidung hat das weimarische Staatsministerium in Sachen der Einleitung von Kaliendlaugen in die Flüsse gefällt, der die Abwäfferfrage bestimmend beeinflussen dürfte:
.Der Bezirksausschuß im 4. Verwaltungsbezirk hat durch Entscheidung vom 20./24. Dez. 1912 der Gewerkschaft Sachsen-Weimar in Unterbreizbach die Genehmigung erteilt, in der Flur Räsa (Gemeindebezirk Sünna) eine Chlorkalium- und Sulfatfabrik zu errichten, die Abwässer in die Werra zu leiten und dadurch das Werrawaffer um 1 Grad zu verhärten und um 22 mg Chlor im Liter zu versalzen, jedoch nur, wenn die Werra an der Einlaufstelle mehr als 20 cbm Wasser führt. Gegen diese Entscheidung haben rechtzeitig Rekurs ein» gewendet: der Regierungspräsident in Kassel, die Regierung in Kassel, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten, die Deputation für die Erleuchtungs- und Wasserwerke in Bremen, der Verband mitteldeutscher Wasferkraftbesitzer in Duderstadt, die Landwirtschaftskammer in Kassel, der Magistrat in Eschwege, die Bremer Wollkämmerei in Blumenthal, der Regierungspräsident in Hildesheim, der Kasseler Fischereiverein, die Gewerkschaft Heiligenmühle in Oldisleben, der Schiffer Chr. Lieberknecht in Eschwege und der Inhaber der Eschweger Dampf-Waschanstalt Junghans in Eschwege. Auf Grund des Bundesratsbeschlusses vom 25. April 1901 (§ 241 der Protokolle) hat der Senat der freien Hansastadt Bremen ein Gutachten des Reichsgesundheitsrats darüber beantragt, inwieweit das Weserwasser mit Kaliabwässcrn angereichert werden darf, ohne daß seine Verwendung zur Trinkwasserversorgung für ein großes Gemeinwesen unmöglich gemacht wird. Einen entsprechenden Antrag bat auch der preußische Minister für Handel und Ge werbe gestellt. Demgemäß hat der Reichskanzler das Großherzogliche Staatsministerium ersucht, die endgültige Entscheidung Über die Einführung von Endlaugen der Kaliindustrie in die Werra oder ihre Neben- unb Zuflüsse solange auszusetzen, dis das Gutachten vorliegt. Diesem Ersuchen kann sich daS Staatsministerium nach dem Beschlüsse des Bundesrats nicht entziehen. Die Entscheidung über die Rekurse muß daher ausgesetzt bleiben, bis das Gutachten des Reichsgesundheitsrats erschienen ist. Dies ist den Beteiligten zu eröffnen."
* Tiefenort, 4. April 1913. Der Schachtarbeiter Messing von hier stürzte im Schacht Dönges von einem Schutthaufen in die Tiefe und trug erhebliche Verletzungen davon. — Die Gemeinde Riefel« bach hat drei Häuser in der sogen. „Clam" für 11000 Mark angekauft, um sie abzureißen und eine Straße durchzubrechen. Der sreiwerdende Grundbesitz soll wieder zunt Anbauen verkauft werden. Der Konsumverein will ein größeres Geschäftshaus. au. der Ecke dieser Straße errichten. .h- -
den, wie ein kleines Kind. ... was ich Euch an jenen Abende gesagt, war gelogen." ...?•
Sie blickte ihn starr an. V? v
„Dasselbe sagte ich zu fünf anderen Mädchen —> es können auch sechse gewesen sein . . >" ■■ -4t'''
„A—a—a—h!" X? ’ .
Das Mädchen hatte den Kopf finken lasten. Er fühlte, wie die kleine Hand in der seinen erzitterte.
„Seht, das war der alte Bixio, liebste, teuerste Jungfer, aber der existiert nicht mehr, er ging von' dannen, denn er war das Sonnenlicht nicht wert . - < statt seiner ist ein neuer, besserer Mensch entstanden, der auf Geld und reiche Mitgift pfeift — haltet die Hand ruhig, bitte, und zerrt nicht fo, also, Ihr müßt mich ruhig anhören, ehe Ihr mich beiseite Werst, sonst öffnet sich meine Wunde wieder und Ihr habt di- Verantwortung." -/
Sie antwortete mit traurigem Blicke. -
„Ich bin ein griindschlecher Kerl gewesen," fuhr er fort, „das wollte ich Euch sagen, ein wurmstichiges Stück Menschenfleisch, aber in meinem Alter kommt die Reue nicht zu spät. Herzallerliebste Jungfrau, wollt Ihr die Güte haben, mir das kleine Kruzifix ziz reichen, das dort an der Wand hängt?" 4
Verwundert tat sie ihm den Willen.
„So — wollt Ihr nun die Gifte haben, mir Eureu Namen zu nennen?"
„Ich heiße Elise von Ferrari." T
Nun blickte er erstaunt auf. „Ein Nachkommen des berühmten Dogen Ferrari?" fragte er.
„Ja, er war mein Großvater — nun sind tob verarmt, unverschuldetes Unglück ist über unsere Fa< milie gekommen, lange zuvor, ehe ich geboren war Mein Vater ist alt und gichtisch und kann sich nia>- mehr helfen, unsere Besitzungen sind in andere Hand« geraten, dieses und der Garten sind das einzige, toai uns aebliebctt ist." X
„Die Sache könnte gar nicht schöner liegen," sagt« er wie traumverloren, „ich habe Geld wie Heu, bami stopft man die Löcher im Dache, man verbessert, man baut an . . . zum Garten wird umliegender Grund dazu gekauft. Man stellt Vieh in den leer-” Stall —"
(Fortsetzung folgt