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Fuldaer Leitung

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Somstag den 5. April 1913

40. Zahrgang

€rftes Blatt.

Nr. 78

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Illustrierte Sonntagszeitung

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tr?<hetnf tfigOd) mit Ausnahme Oa Sonn- un6 $derfagc. ülertet- SM\Aa Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda oit auswärts 1.50 mark. •— RotaHonsöru» und Verlag der t , Julbaer fldienbrudterei bi Zulda. Fernsprecher Nr. 9. SS

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Fuldaer EeschlchlsblLlter

Ausland

* Der Gotthardbahnvertrag ist am Freitag vom Schweizer Nationalrat nach langwierigen Verhand­lungen in namentlicher Abstimmung mit 108 gegen 77 Stimmen ratifiziert worden. Damit ist, nachdem auch der Ständers, wie zu erwarten ist, seine Zustimmung gegeben hal^n wird, eine mit geschäft­lichen Interessen, schwierigen Rechtsfragen und zu­letzt noch mit politischen Einflüssen schwer belüftetete Angelegenheit zu einem guten Ende geführt worden, so der Vertrag am L Wai d. I, m Kraft treten

X Z. LV wieder in Deutschland.

Das bei Lnneville gelandete Luftschiff „Z. 4" ist von den französischen Behörden freigegeben worden und hat gestern nachmittag kurz vor 1 Uhr bereits die Rückfahrt nach Metz angelreten, wo es um 4.15 Uhr eingettoff en ist. Es wurde von dem technischen Personal der Zeppelm-Gesell- schäft gelenkt. Die deutschen Offiziere der Abnahme» Kommission reisten mit der Eisenbahn zurück.

So ist die peinliche Angelegenheit, die im erste» Augenblick wie eine Quelle von Mißverständniffen und Aergerniffen aussah, infolge des korrekten und klugen Verhaltens der Beteiligten auf beiden Seiten zu einem erbaulichen Abschluß gelangt, der auf die Beziehungen der Regierungen und der Völker wohl­tätig einwirken dürste. Diesmal gingen das Luft­schiff und die Politik ohne Schaden aus dem Aben­teuer hervor: es darf aber nicht wieder vor­kommen. _

Nachdem das Luftschiff über die französische Grenze getrieben war, handelten die Leiter gewissenhaft und vernünftig, alS sie auf Rückzugsoersuche verzichteten und sich zur Landung entschlossen, und '.war gerade auf einem französischen Exerzierplatz. letztere verdient den Vorzug, weil man dort auf Oitfskraste bei der vorläufigen Festlegung des Ballons unö bet bet Abwehr der zudringlichen oder gar feindlichen Vr'kSmenge rechnen durste und zugleich durch bie Ue^ergäbe an die militärische Gewalt von vornherein den guten Glauben und das reine Gewissen bekundete. Die Erwartungen haben sich ja auch in vollstem Maße erfüllt. Die örtlichen Behörden und die auS Paris hetbeiaeioaeneu Sachverständtaen haben sich.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 3. April 1918.

Die Weiterberatung des RultuSetat erfolgt bei dem Titel „Provinzialschukkollegien".

Abg. Dr. Glattfetter (Zentr.) legte dar, es ser er. wünscht, daß die Rektoratsschulen den Prooinzialschul- Tüllegien unterstellt würden, ferner daß sie im Bedarfs­fälle durch finanzielle Unterstützung gefordert würden. Nicht angebracht erscheine es, die Rektoratsschulen in Mittelschulen umzuwandeln.

Beim Titel „Universitäten" führt

Abg. Dr. Kaufmann iZtr.) aus: Die Zulassung von Ausländern bringt auch uns manche Vorteile, doch darf sie uniere Studenten und Professoren nicht behindern. Der Hallenser Universttätsstreik hätte leicht vermieden werden können, ich glaube, daß auch die Herren Pro­fessoren nicht ganz fteizusprechen sind. Weiter fordert der Redner Auskunft übet den Fall in Marburg, wo Studenten die religiösen Gefühle der Katholiken stark verletzt hätte», und wünscht daraus, wie auf daS ganze Leben der Studenten die Aufmerksamkeit der Regierung zu richten, besonders was das sittliche Leben angeht. Für die Studentinnen wünscht er die Parität in der Erziehung durch die Universitätsprofessoren gewahrt. Er befürwortet die Wünsche der Professoren, die Zahlen der Ordinariate an preußischen Universitäten zu vermehren und Professuren für soziale Medizin, staatsbürgerliche Erziehung und MissionSwislenschaft zu errichten, beson­dere Professuren für christliche Kunst bei den theologischen Fakultäten. Bei der Universität Frankfurt möchten die staatlichen Rechte tm vollen Umfange gewahrt werden, damit nicht die Geldmächte Frankfurts und die politischen Parteien Einfluß auf die Besetzung der Professuren ge- wännen und die Einrichtung des staatlichen Kurators vorgesehen würden.

Abg. v. b. Osten (k.) bedauert ebenfalls den Stu­dentenstreik in Halle und ist für Zulassung von Aus- ländern, soweit es mit dem eigenen nationalen Interesse im Einklang steht.

Abg. Dr. Friedberg (ntl.) wünscht freiere Ausge- ftaltung der Selbstverwaltung der Universitäten.

Kultusminister Dr. v. Trott zu Solz betont, daß die staatlichen Interessen und die Universttätstnteressen parallel nebeneinanderlaufen. Den Wünschen der Extra­ordinarien sollte entgegengekommen werden und die christliche Kunst stark gefördert werden. Den Ausländern müsse man Gastfreundschaft gewähren, aber bie eigenen Studenten dürsten nicht darunter leiden, und es seien deswegen geeignete Maßnahmen getroffen, um namentlich den sehr starken Andrang der russischen Studenten zurück zu halten. Die Universität in Frankfurt würde nach den grunbliegenben Fragen wie auch andere staatliche Uni- verstläten eingerichtet werden.

Abg. Biereck (freilons.) wünscht ebenfalls Mittel gegen den großen Andrang der Ausländer und mehr Gewicht aus das Studium der russischen Sprache zu legen.

Abg. Dr. Eickhoff sBolksp.) tritt für Anerkennung des in Zürich und Bern erworbenen Doklortitels in der Tier-Arzneilunde ein. Bezügl. der Ausländerfrage und der Verwaltung der Universitäten stimmt er den Aus­führungen des Ministers zu.

Abg. Brebt (freikons.) bezeichnet es als zweifelhaft, ob man vom Standpunkte des staatlichen Interesses der Errichiung der Universität Frankfurt a. Ni. juiitmmen kann. Marburg muß vor allem konkurrenzfähig erhalten werden. Die stiidentischen Ausschreitungen in Marburg seien nicht tragisch zu nehmen, sie seien an­zusehen als ein Ueberschäumen gesunder, ungebrochener Iugendkrast. Die jungen Leute feien dafür bestraft worden und hätten ihre Strafe abgesessen, das mache aber nichts, es tei ihnen jedenfalls eine ganz angenehme, lehrreiche Erinnerung für das Leben. Redner erkennt an, daß der Kultusminister gegen den Widersprach des Finanzministers für Marburg viel getan habe. (Beifall.)

Abg. Dr. Liebknecht (©.) nennt es bedauerlich, daß die Staatsaufsicht auch für die Universität Frankfurt ge­fordert werde. Daß die Sittlichkeit besonders in den Großstädten zu wünschen übrig lasse, treffe nicht zu. Er möchte aber auf Münster Hinweisen, über das in dieser Beziehung Klage geführt werde.

Abg. Dr. Bell (Z.) wünscht baldige Anstellung des kakholiichen Geistlichen an der Charite in Berlin und bittet um Berücksichtigung der Eingabe des Pflegepersonals der Charite betreffend Besserstellung. Er weist den Vor- wurf des Abg. Liebknecht gegen Männer zurück. Dr. Liebknecht sei nicht qualifiziert zum Richter über die sitt­lichen Zustände in Münster. Dann mahnt er vor dem akademnchen Studium wegen der llebersüllung der aka­demischen Berufe. Er wünscht Lehraufträge für inter­nationales Prioatrecht errichtet und stimmt den Aus­führungen des Ministers bezüglich der ausländischen Studenten zu. Redner fordert eine erhöhte Zahl von Lehrkräften für die erhöhte Zahl der Forschungsobjekte und Beseitigung der Klicken- und Ringbildung tm Uni» »ersitätswefen.

Abg. v. Hennigs (kons.) polemisiert gegen den Abg. Liebknecht.

Samstag: Fortsetzung und kleinere Vorlagen.

Deutsches Reich.

*♦ Berlin, 5. April 1913. Wie halbamtlich ver­lautet, ist der Besuch der deutschen Bundesfürsten in Berlin zum Kaiser-Jublläum auf den 17. Juni festgesetzt worden. — Zur Ausbildung in der draht­losen Militär - Telegraphie soll in Stuhleben eine Funkerschule begründet werden, bie mit der in Berlin bereits bestchenden Kavallerie-Telegraphenschule vereinigt wird.

s. In der Budgetkommission des Reichstages erklärte gestern Reichsschatzietreiär Kühn bei dem Titel »Bei­hilfen für die Veteranen", daß die Zahl der Unterstützte!! wesentlich gestiegen sei. Es erhielten jetzt 67 Prozent der in Frage kommenden Veteranen Beihilfen gegen 45 Prozent tm Jahre 1910. Es solle jedoch noch mehr geicheheu. Der Schatzsekretär stellte einen entsprechen­den Gesetzentwurf in Ausächt. Die Kommifsion bewilligte die angeforderten 31 Millionen Mark (zwei Millionen Mark mehr als im Vorjahre). In der Budgeikommisston wurden weiterhin die Vorgänge in Ditaften be­sprochen. Unierstaatsiekretär Zimmermann beantwortete verschiedene Fragen in zum Teil vertraulichen Aus­führungen. Der Mongoleivertrag, so sagte et, gäbe Ruß­land eine bevorzugte Stellung in der ganzen Mongolei. Nach unserem. Vertrage mit China könnten wir nach dem Grundsätze der Meistbegünstigung dieselben Rechte in der Mongolei beanspruchen, die China Rußland einräumte. Bisher |ei dies nicht geschehen, da Deutschland Interessen dort kaum habe. Neuerdings hätten bie deutschen Kauf­leute in Chardin und Tientsin jedoch angefangen, sich des -Handels nach der Mongolei anzunehmen. Zu der Fraae

Boden dieser Vereinigung zu stellen, unter nichts­sagenden Ausflüchten zurück. TaS Verhalten des sozialoemokratifchen Textilarbeiter - VerbandeS spricht allen vernünftigen GewerkschastS-Grundsätzen so offen­sichtlich Hohn, daß man nach anderen Ursachen für diese gewissenlose Taktik suchen muß. Und die tieferen Gründe sind leicht gesunden, wenn man nur die Tat­sache erwähnt, daß der christliche Textilarbeiter - Ver­band mit 6000, der sozialdemokratische Verband aber nur mit 4000 Mitgliedern in die Aussperrung ver- wickelt ist. Im Verhältnis zur Gesamt-Mitgliedschaft ist der christliche Verband fünfmal stärker beteiligt als der sozialdemokratische. Da liegt deS Rätsels Lösung für die Intransigenz der sozialdemokratischen Rich­tung. „Die Christlichen müssen bluten,* hieß es allent­halben in den Verkehr-- Lokalen der sozialdemokrati­schen Verbändler im Aussperrungs-Gebiete. So wenig macht man ein Hehl aus den wahren Beweggründen dieser unverantwortlichen Taktik.

<5* Wie ein liberaler Zeitungsderleger mit der Presse umgeht. Gutsbesitzer Otto Rauhenzah­ne r, Mitverleger des „Fränk. Kurier" in Nürn­berg, gründete seinerzeit „landwirtschaftliche Orts­vereine". Dem „Frank. Bauer, dem Organ des christlichen Bauernvereins in Unterfranken, gefiel diese Zersplitterungsarbeit nicht, die ja Wohl mehr im Interesse der liberalen Partei als des Bauern­standes liegt, und deshalb krittsierte er sie. Dabei machte er darauf aufmerksam, daß, während der „Fränk. Kur." bisweilen gegen das „Bauernlegen" zu Felde ziehe, der Verleger Rauhenzahner selbst „lege", da er sein Rittergut in Düllstadt in den letz­ten Jahren um 100—150 Morgen vergrößert habe. Wenn Herrn Rauhenzahner das Wohlergehen der Landwirtschaft so sehr am Herzen liege, möge er doch einmal dem „Fränk. Kur." nahelegen, für die Schutz­zollpolitik einzutreten. Nach Lektüre dieses Artikels, in dem hinsichtlich des Bauernlegens noch ein weite­rer Vorwurf über die Art, in der Rauhenzahner vorgehe, gemacht wurde, schrieb der Rittergutsbe­sitzer und Zeitungsverleger folgenden Brief:

.Rittergutsbesitzer Otto Raudenzahner, Verleger de? .Fränkischen Kurier'. Schloß Düllstadt, 29. März 1913. Herrn Redakteur G. Kropp, Redaktion von .Der Frän­kische Bauer', Würzburg. In Nr. 13 (29. März 1913) Ihres geschätzten Blattes hatten Sie die Freundlichkeit, sich meiner auf Seite 2 unter dem Titel „(Sin Sauern« freund" in einem längeren Artikel liebevoll anmnehmen. Ich bedauere, Ihnen deshalb mitteilen zu müssen, daß ich mich veranlaßt sehe, gegen Sie klagbar vorzugehen und zwar: 1. wegen persönlicher Beleidigung, 2. wegen Vorspiegelung falicher Tatsachen. Soierne Sie nicht in der nächsten Nummer Ihres BlatieS auf der ersten Seite mit Sperrdruck bringen: „„Die gegen Herrn Rittergutsbesitzer Rauhenzahner in der vorigen Nummer unter dem Titel „Em Bauernfreund" gemachten Angaben werden hiermit mit Bedauern zurückgenommen"" und mir diese Nummer eingeschrieben zusenden, wird die Klage eingereicht. Außerdem gebe ich den Artikel bann zur entsprechenden Nutzanwendung an die liberale Landtagskorrespondenz mit entsprechender Er­widerung und mache dem Verein bayerischer und deutscher Zeitungsverleger davon Mitteilung mit Dem Er­suchen, Ihr Blatt in Boykott zu nehmen. (Soli- DaritätSoereinbarung.) Hochachtend gez. Otto Rauhen­zahner."

Der allenfallsigen Gerichtsverhandlung und den Bemühungen der „Liberalen Landtagskorrespondenz" kann mit Gelassenheit entgegengesehen werden. Merkwürdig ist, daß ein liberaler Zeitungsverleger nicht den einzig angängigen und wirksamen Wea der Berichtigtlng beschreitet. Kann er es nicht als un­richtig darstellen, daß er sein Gut um 100—150 Mor­gen vergrößert hat? Fürchtet er, daß man aus den Hypothekenbüchcrn ersehen könnte, daß kleinere Bauern in finanzielle Abhängigkeit von ihm getreten sind? Wenn nicht, dann darf er nur eine diesbezüg­liche Berichtigung schicken und jede anständige Zei­tung wird sie aufnchmen. Aber „in der nächsten Nummer auf der 1. Seite in Sperrdruck mit , Be­dauern znrücknehmen: die Nummer eingeschrieben senden", das kann Rauhenzahner bei seinen Knech­ten kommandieren, aber nicht dem Redakteur einer Zeitung. Es grenzt schon nahe an Erpressung, wenn man einen Redakteur zu einer Erklärung „bewegen" will mit der Drohung, daß man sonst sein Blatt in Boykott bringen werde und — was das Furchtbarste ist — den Artikel an die liberale bayerische Landtags- korrespondcnz zur entsprechenden Nutzanwendung schicken werde. Bezeichnend ist auch die Drohung mit dem deutschen Zeitungsverlegerverein. Das Machtgefühl, gehoben durch ein riesiges Jahresem- kommcn, scheint manchem liberalen Zeitungsverleger so in den Kopf gesttegen zu sein, daß sie glauben, Standesorganisationen zum Büttel ihrer geheiligten Person degradieren zu dürfen.

— In der mecklenburgischen Verfassungsange­legenheit beabsichtigt die mecklenburgische Regierung in Schwerin einen neuen Verfassungsentwurf dem außerordentlichen Landtag in Schwerin vorzulegen, der auf die Wünsche der Ritterschaft zugefchnttten ist.

* Straßburg. 3. April 1913. Die reichsländische Zweite Kammer beendete heute die zweite Lesung des Etats. Gegen Schluß der Sitzung kam der kaiserliche Gnadenfonds zur Beratung und Ab­stimmung. Das Ergebnis der ersten Abstimmung durch Erheben der Hand war zweifelhaft. In na­mentlicher Abstimmung wurde darauf der Gnadur- fonds mit 20 gegen 20 Stimmen abgelehnt.

desdiplomatischenDienstes lagen Anträge mehrerer Parteien vor, die eine Auswahl des Diplomatischen Nach­wuchses ohne Rücksicht aus große persönliche Vermögen wünschten. Man tön e habet auf hie sehr günstigen Er- gebniffe in anderen Ländern rote Frankreich und Amerika binroeifen, die Bewerber aus allen Volksschichten nehmen. Staatssekretär v. Jagow beantwortet die Anregungen. Fast kein Missionschef sei in der Lage, ohne eigenes Ver­mögen den Polten zu versehen. Eine allgemeine Aus­besserung würde aber sehr erhebliche Mittel erfordern. Nichts könne ihm ferner liegen, alS der Wunsch, die diplomatische Laufbahn zu einer Domäne der Plutokratie werden zu lassen; jedem Talent solle der Weg zu ihr offen stehen. Eine enbgiltige Aeußerung zu dieser Frage behielt sich der Staatssekretär für später vor. Eme Besserung und Erneuerung des diplomatischen Korps fei im Gange.

c. Die ReichstagSkommisston zur Beratung bet An­träge betr. das Sudmisstonswesen hielt am Frei­tag eine Sitznug ab. Die Frage, ob die reichSgesetztiche Regelung zulässig sei, wurde von den Liberalen bejaht, von den Konservativen verneint. DaS Zentrum lehnte ebenfalls die reichsgesetzliche Regelung ab. Doch wurde empfohlen, Bestimmungen in der Kommifsion auSzu» arbetten, denen der Reichskanzler durch Verhandlungen mit den Einzelregierungen in den Bundes aalen zur Geltung zu verhelfen, versuchen könnte. Das Zentrum brachte einen diesbezüglichen größeren Antrag ein.

4- Unstimmigkeiten in der Zenttnmspartei hat der „Vorwärts" und in treuer Gefolgschaft auch das „Berl. Tageblatt" entdeckt. Die beiden Blätter gehen mit einem Auszug aus einem Artikel zu den Deck­ungsvorlagen eines kleinen badischen Zentrumsblat­tes hausieren, um daraus den Nachweis zu führen, daß im Zentrum durchaus keine einheitliche Stellung zur neuen Milttär- ttnd Dcckungsvorlage zu finden ist. Vielmehr komme in Zentrmsblättern, wie das „Badische Blättchen" beweise, ihr Unmut unverhoh­len zum Ausdruck. — Es muß schon sehr schlecht be­stellt sein um das Belastungsmaterial gegen das Zentrum, wenn sich „Vorwärts" und „Berl. Tage­blatt" bereits in ein badisches Städtchen flüchten müssen, um der Zentrumspolitik eins auswischen zu können. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß die wenig militär- und deckungsfreundlichen Auslassun­gen des ftaglichen badischen Zentrumsblättchens der Stimmung der Zentrumspartei gewiß nicht und wahrscheinlich auch nicht der Zentrumswähler des badischen Städtchens und seiner Umgebung Ausdruck geben. Wollte man die Fortschrittlich: Bolkspartei für alle dummen Streiche des „Berl. Tageblatts" und die Sozialdemokratie für jeden Veitstanz des „Vorwärts" verantwortlich machen, dann wäre es mehr als fraglich, ob man sie noch aus zurechnungs­fähigen Menschen bestehend ansehen könnte.

* Bassermann und die Erbanfallsteuer. Zu der Behauptung, der Abg. Bassermann werde einen An­trag auf Einführung der Erbanfallsteuer einbringen, erklärt die Nationattiberale Korrespondenz: Bei der dahingehenden Meldung der Neuen Ges. Korr. han­dele es sich lediglich um eine Vermutung. Was der Zlbg. Bassermann bezw. die Nationalliberale Reichstagsfraktion tun würden, werde sich erst aus der Beratung der Fraktion ergeben.

** Ausländer und Vermögensabgabe. Die Nord- delttsche Allgemeine Zeitung weist darauf hin, daß zu dem Wehrbeitrag Ausländer unbedingt bei­tragspflichtig sind nur mit ihrem inländischen Grund- und Betriebsvermögen. Mit ihrem sonstigen Kapi- talvet mögen, insbesondere also mit ihren einer Bank in Depot gegebenen Privatkapitalien sind auslän­dische Staatsangehörige nur dann beitragspflichtig, wenn sie sich im Deutschen Reiche dauernd des Er­werbes wegen aufholten, aber auch selbst dann, wenn sie ihre Kapitalien aus einem inländischen in ein ausländisches Bankdepot bringen.

)( Die Jnvustrie und die Teckunasvorlage. Der Bund der Industriellen bat auf den 15. April seinen .Großen Ausschuß" nach Berlin zu einer Sitzung einberufen, um die Stellungnahme der $<nbufttie zu den vom Bundesrat gemachten Deckungsvorichlägen der neuen Wehrvorlage darzulegen. Die Bericht­erstattung über Die Deckungsvorlage ist von dem früheren ReichSlagsabg. Stresemann und Bankdireltor Dr. Weber übernommen worden.

D Zur zweiten Lesung deS neuen Ostmarkengesehes hat die freikonservative Fraktion deS preußi- scheu Abgeordnetenbauses den Antrag gestellt,

die Slaatsregierung zu ersuchen, in den überwiegend polnischen Teilen der östlichen Provinzen den deutschen Handels- und Gewerbestand, namentlich in den Klein- nähten, wirtschaftlich zu stärken, insbesondere durch 1 beschleunigte Besiedelung der Umgebung der Städte mit deutschen Bauern und Arbeitern 2. Förderung des Realkredits auch über die Grenze der Mündelficherheit hinaus, 3. bessere Ausbildung der (Seroerbetreibenbe in den Fachkennlniffen, in der Berechnung und in der Buch- fübrung, 4. Förderung des gewerblichen Genouenschafts- wesens unter Ermöglichung des Anschlusses vereinzelter Gewerbetreibenden, 6. Förderung der Seßhaflmachung von Gcwerbelreibenden in eigenen Wohnhäusern.

Die Freikonservativen sind es bekanntlich, die sich der Polenbekämpfung mit besonderem Eifer anneh­men.

gk Unverantwortliche Streik-Taktik. Bei dem Ar­beitskampfe in der niederrheimfchen Textil-Indu­strie zeigte sich die arbeiterschädigende und gewissen­lose Streik-Taktik sozialdemokratischer Verbände wieder einmal mit aller Deutlichkeit. Die Forderungen der Arbeiter wurden von den Unternehmern zum größten Teile bewill gt, die Arbeiler-Orgamsationen als gleich­berechtigte vertragsschließende Kontrahenten anerkannt, der Hauplanstoß, nämlich der Ablaufs»Termin des Tarif - Vertrages tm Dezember, wurde durch die Be­mühungen des christlichen Tetitarbeiter - Verbandes au#geräumt, und trotzdem beharrte der sozialdemokra- lische Textilarbeiter - Verband eigensinnig auf seinem Standpunkte und trieb es zu dem Rtefenkampfe, in den 22,000 Arbeiter und Arbeiterinnen mit minde­stens 59,000 Familien-Angehörigen hineingezogen und ' der Not und dem Elend auslieferte. Der christliche Tex ilarbeiter-Verband hatte eine annehmbare Grund­lage für eine Verständigung gefunden, aber der sozial­demokratische Verband wies das Ersuchen deS Ober­bürgermeisters von Krefeld, sich ebenfalls auf den

ftaatlichung nur mit ihrer Zustimmung vornehmen )ürfe, und so kam es nach Verhandlungen in Bern 20. April 1909, 10 Tage, bevor die Bahn an die

flintum: Der Raum du« ctnlpoltigcn toioneiuiir, 47 mm breit, bofid 15 PM, Reklamen: Der Roum einer ColonelrelU, 74 aus breit, »ostet 40 Pfe. Bei Wleberbolung« Rabatt $6r Osten- unb fluskunfianjeioen 20 Pf. extreu 3e Kontur«fallen wirb ber bewilligte Rabatt hinfällig. trfCilunosorl für bas Nage* »e* Sortierungen ist $ulba. flnietgen-finnaljme bis 10 Utzr aonnlttags. s e «raten fin,eigen erbitten wir im tags vorher. x M

kann. NacPwm man sich in der Schweiz zur Ber- taatlichung der Hauptbahnen entschlossen und durch Gesetz von 1907 sich auf den Rückkauf der Gotthard- bahn festgelegt hatte, begannen zunächst Verhand­lungen des Bundesrats mit der Bahngesellschaft, und die Streitigkeiten über die Abfindungssumme der Attionäre führten zu einem langwierigen Prozeß, der erst nach drei Jahren, ün September 1911, zu einem Vergleich führte. Für die Linie wurde ein Betrag von mehr als 200 Millionen Franken bezahlt, die Anleiheschuld von 117 Millionen war schon früher von der Schweiz übernommen worden, und die Ak­tionäre erhielten fast 84 Millionen, 11% Millionen weniger, als nach der Reinertragsrechnung gefordert worden war. Unabhängig von diesen Ausemander- etzungen war die Regelung der Verhältnisse zwischen >er Eidgenossenschaft und den beiden Subventions­taaten Deutschland und Italien. Die beiden Staaten vertraten die Auffassung, daß die Schweiz die Ver-

Eidgenossenschaft überging, zu einem Staatsvrtrage über die Gotthardbahn nebst einem Sonderabkommen zwischen Italien und der Schweiz. Während der rutsche Reichstag schon im März des folgenden Jah­res den neuen Vertrag genehmigte, zögerte sich die Anerkennung durch Kammer und Senat in Italien bis zum Juni 1912 hin. Inzwischen hatten die schweizerischen Vertragsgegner eine gewaltige Bewe­gung gegen den Vertrag entfacht, der erst durch eine kürzlich, vor dem Beginn der Beratung in der Bun­desversammlung erfolgte Erklärung der deutschen Re­gierung über die Meistbegünstigungsklausel die Spitze abgebrochen wurde. In der Abstimmung stimmten die freisinnigen Deutsch-Schweizer in starker Mehr- heit für den Vertrag, mit ihnen auch ein Teil der katholisch-konservativen Partei und der liberal-konser­vativen. Geschlossen stimmten die Vertreter der Gott- hardkantone (Tessin und Luzern) für den Vertrag. Von den Welsch-Schweizern sprachen sich 40 für ine Verwerfung des Vertrags aus, acht stimmten für Ge­nehmigung. Die Sozialdemokraten und ostschweizeri­schen Demokraten stimmten geschlossen gegen den Vertrag.

* Für d>e katholische Privatschule in Italien. Aus Turin kommt eine bedeutsame Nachricht über einen energischen Schritt zur Grünoung katholischer Privat- schulen in Italien.

Die Staatsschulen, obwohl sie dem Namen nach noch nicht „neutral* sind, können kaum mehr den An­spruch darauf erheben, von katholischem Geist durch­drungen zu fein. Die St wtverwattungen haben daS Recht, die Lehrer auSzuwähle», und wenn es sich um radikale Verwaltungen handelt, suchen st-' sich natürlich einen radikalen Lehrer aus. In anderer. Schulen ist der Religionsunterricht bereits zum Wahlfach heruntergesunken. Eine Gesetzgebung in radikalem Sin« liegt zwar nicht vor, aber Die radikalen UnterrichtS- minister haben durch eigenmächtige Dekrete das nach­geholt, was zur Entchristlichung der Volksschule noch gefehlt hat. Den Katholiken bleibt nur der Weg, Der in Belgien gegangen worden ist: die katholisch« Privatfchute. In Turm wll die Bewegung zur Organi- fanon der katholischen Volksschule, der freien Schule, iv in Die Tat umgefetzt werden. Die Gelegenheit, festen Fuß zu fassen, ist für die freien Schulen außerordentlich günstig. Es fehlt an Schuten in Italien weit und breit das Analphabetentum feiert Triumphe. Die Katholilen, die blühende Organisationen gefchaffen haben, können auch blühende schulen errichten.

* Um Rache zu nehmen für die Verurteilung der Frau Pankhurst, wurden gestern in England eini Reihe Attentate von Sussragettes verübt In Manchester veranstalteten sie eine große Ver­wüstung in der dortigen Gemäldegalerie. Mit schwe­ren Hämmern bewaffnet, hielt sie in der Gemälde- galerie ihren Einzug und schlugen 13 der berühm­testen Bilder vollkommen zu sammen. Es konnten nur drei Verhaftungen vorgenommen werden. Angesichts der Drohungen der Susfragtten werden nach einer Meldung aus London die Ei s e n b a h n l i n i e n be­wacht. Trotzdem ist ein Teil des Bahnhofes O x t e d (Grafschaft Surrcy) durch eine Explosion z e r stö r t worden; ein anderes Attentat ist bei Stock­port (Grafschaft Lancaster) vorgekommen, wo in einem Leerzug eine Schachtel explodierte und eine» Waggon zerstörte.