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2. Blatt.

vrua oe: Seltner Hcttenonittrti » jilOe.

Zuwaer Leitung. •**

TO.

Donnerstag 5. April 1915.

Lolales.

Fulda, 3. April 1913.

# Ptlsonalien. Bahnhofsvorsteher Möller in Gelnhausen wurde unter Ernennung -um Oberbahn- hoisvorste^er nach Bedra und Bahnhofsvorsteher Herbst von Gießen nach G lnhaulen versetzt. Der flreiSbaumeister Siaumann zu Kassel ist zum KreiS» drandmeister für den Landkreis Kassel bestellt worden.

* Verliehen wurde dem Bauer Joh. Ziegler itt Neuswarts im Kreise Gersfeld das Allgemeine Ehrenzeichen und den Katasterassistenien Lipprandt unb Grandmontagne bet der Kgl. Regierung in staffel aus Anlaß ihres Uebertritls in den Ruhestand tzer Kronenoroen 4 Klasse.

X Oberrealschule. Die kommistarische Verwaltung der durch den Tod des Herrn Pro'. Sander erledigten Oberlehrernelle wurde durch Verfügung des Königs. Provinzial-Ichulkollegiums einem Fuldaer, dem wissen» schastlichen Hilfslehrer Dr. Hohmann, bisher in Frankfurt a. M. tätig, übertragen.

-j- Das Begräbnis des Herrn Oberstleutnant Freiherr» Clemens von Oer auf dem Fried­hof am Frairenberge gestaltete sich gestern nachmittag ju einer stimmungsvollen Kundgebung christlicher und vaterländischer" Gesinnung. Der Trauergottes­dienst hatte bereits am Morgen in der Garnisonkirche stattgefunden. Das feierliche Requiem zelebrierte der Kruder des Verstorbenen, P. Sebastian von Oer, der als ehemaliger höherer Offizier, als Er­zieher des Königs von Sachsen und als Schriftsteller weiten Kreisen bekannt ist. Zur Begräbnisfeier hatte sich eine große Schar Leidtragender am Kirchhofe und in seiner nächsten Umgebung eingefunden. Galt es doch, einem Bürger der Stadt Fulda die letzte Ehre zu erweisen, der sich in der weitesten Oeffentlichkcit durch mustergiltigen Lebenswandel, treue Pflichter­füllung und wahrhaft edle Gesinnung die größte Hochachtung und Wertschätzung erworbm hatte. Das 0 ffizierkorps des hiesigen Artillerieregiments war vollzählig anwesend. Auch die Häupter desto. Vertreter der hiesigen kirchlichen, staatlichen und bür­gerlichen Behörden befanden sich unter den Leidtra­genden. Nach der kirchlichen Einsegnung in der Lei- henhalle begrüßte der Sängerchor der Frauenberger Theologen den Verstorbenen mit dem elegischen Liede: ,,Das Auge bricht, die Lippe bebt: in sanftem Hauch entflieht die Seele: zur lichten Heimat frei sich der Flug der Taube hebt . . . Aus Engels Mund hört sie den Gruß: Anima pia ave!" Unteroffiziere tru­gen den Sarg, die Insignien und die zahlreichen hoben Ehrenabzeichen. Dabei spielte das Trompeter­korps den Choral: „Erbarme Dich, Gott, über mich". Nach der Beisetzung widmete der Garnisongeistliche, p. Theophilos dem Verstorbenen in vollendeter Nede einen ergreifenden Nachruf. Er zeichnete in markanten Zügen das Lebensbild des Heimgegange­nen als das eines tapferen Soldaten, eines liebevol­len Familienvaters, pflichtbewußten Bürgers, treuen Freundes und echten, wahrhaft frommen und gläu­bigen Christen, auf dessen Grabstein die Inschrift ge­höre: „Er war ein Mann". Darauf sang nach alter Cboralmelodic der Chor das Lied: Wer weiß, wie nahe wir mein Ende? Ein die christliche Hoffnung belebender Choral des Trompcterkorps gab der vom milden Frühlinaswetter bedachten schönen Grabes- feter ihren würdigen Abschluß.

[] Im Wettbewerb um den Neubau der Oberreal- schule sind dis -um Schluß der jetzt abgelaufenen Frist insgesamt 121 Projekte eingelaufen

l*t Ein Nähkursus wird Dienstag, den 15. d. M. im Marienheim beginnen und damit ein feit Jabren von den Dienllmäd-ßen gehegter Wunsch er­füllt. Für die Nähflunden ift eine passende Zeit von abends 8 Vs—Q'/a Ubr gewählt. Die Nähnunben werden wöchentlich viermal abgehalten und sich auf etroa 8 Wochen erstrecken. Außer dem Räben kommt auch Flicken und Stopfen in betracht. Durch diese Einrichtung dürfte einem wirklich allgemeinen Be­dürfnis abgebolren werden, -vmal auch Mädchen, die nicht dem Dienstmäbchenverem angeböten, an dem Kurins teilnebmcn können. Es wäre zu begrüßen, wenn der Kurius recht zahlreich be ucht würde. Bei ausreichender Beteiligung werden die Kurie wieder­holt werden. Rädere Auskünfte werden im 'Jllanen- heim berenwilllgst erteilt.

~ Ein Dieb treibt sich feit einigen Tagen „Hinter den Löhern" umher. Den Hühneistall eines doriigen Bewohn-rs hat er schon an mehreren Tagen mit gutem Erfolg besucht.

Die Batteriebesichtigunqen beim hiesigen Feld- artillene-Regiment fanden gestern und heule statt.

Der Gras von Tarent.

79] Roman in 3 Bänden von F. Sreinkirchner.

Baron BtenLville war aufgesprungen. „Mon­seigneur, das sind sonderbare Worte, wollen Sie die Gewogenheit haben, sich näher zu erklären?"

Der Prinz schaute auf ihn mit starrem Blick. Alle halten sich von ihren Sitzen erhoben. Meneville hatte ein Aussehen, als wolle er dem Gastgeber an den Hals springen. Atemlose Stille herrschte im Raume.

„Gerne will ich mich näher erklären," sagte der Prinz von Indien langsam, „meine Pflicht als Gast­geber erheischt es schon. Meine Herren, die Bank würde allezeit gewinnen, denn der Bankhalter spielt falsch."

Anatole von Meneville wurde kreidebleich vor Aufregung.

„Verdammter Zauverprinz — Abenteurer!" Er holte mit der geballten Faust zum Schlage aus.

Der Prinz hatte sich erhoben. Mit eisernem Griffe faßte er den erhobenen Arm und hielt denselben am Handgelenke fest. Der Prinz mußte Muskeln von Ttahl haben, denn der Baron wand sich vergebens ^uter dem Griffe, ihm war, als umklammere ihn die Kraft eines Riesen.

Alle Anwesenden waren zum Prinzen geeilt und umstanden ihn wie eine lebende Mauer.

Nun ließ dieser den Arm los. „Sehen Sie nach, weine Herren, in diesen Kartenblättern befindet sich wn Aß zu viel, ein weiteres hält der Herr Baron Meneville in seinem Aermcl noch versteckt!"

Nicht die geringste Aufregung zeigte sich im Ge- |ia)te des Prinzen, als er die furchtbare Anschuldigung aussprach.

Der junge Fürst Guastalla machte Miene, die Kartenblätter nachzusehen; mit einem Ruck schleu- certe Meneville dieselben vom Tische. Die Blätter gen im Zimmer umher, mit den Karten hatte er einen Teil des gewonnenen Goldes hinuntergestrcift — das gelbe Metall klirrte und rollte auf den Dielen. . »Es ist durchaus nicht nötig, nachzusehen," sagte .°er Herzog Tesia kalt, „Ihr Wort, Hoheit, ist voll-

D Rhönklub. Die geftrtge Versammlung des Rhön- klubs in der „Alten Post" erfreute sich eines febr zahlreichen Besuches. Der rührige Vorfikende des hiesi­gen Zweigverein?, Herr Dr. med. Schneider, er­stattete einen febr interessanten Bericht über feine vor 2 Jahren im Anschluß an die Hauptversammlung in Brückenau unternommene Wanderung in die südliche bayerische und die östliche meiningische Rhön. Von dem lieblichen Badestädtchen ausgebend wanderte er über den Pilsterkops und den Metterwich nach der Ruine Schildeck, weiter über die Platzerkuppe und die Schwarzen Berge nach dem Kloster Kreuzberg. Am zweiten Tage wurde die Wanderung fortgesetzt durch den Schmalwassergrund nach Münnerstadt und von dort über den Frickenbäu er See nach Ostheim. Von hier aus betuchte Herr Dr. Schneider die herrliche ehern >ls zum Fuldaer Lande gehörende Lichlenburg. Das nächstliegende Ziel des T uriften bildete die Königsburg und das Städtchen Fladungen. Weiter gings bann über Sands an der Ruine Mauer­schädel vorüber nach dem Huts- und Neuberg, die bereits an der meiningifeben Grenze liegen. Hierauf führte der Weg über Stedtlingen nach dem Jagd- schlößchen des Herzogs von Meiningen, Hermanns­fels mit Fasanerie, von dort nach der Ruine Henne- berg und Bauerbach, einem bekannten Aufenthaltsort unseres Dichterfürsten Schiller. Die Zuhörer folgten dem Redner mit ungeteiltem Interesse auf seiner Wanderung, deren Schönheiten er ihnen anschaulich und feste nd zu schildern wußte.

* Industriegleis. Heute abend 8 Uhr findet im „Darmstädter Hoi" eine Zusammenkunft zwecks Be­sprechung über Anlegung eines Industriegleises vom Bahnhof zu den Fabriken des unteren Stadt­teiles statt. Die Behörden find, wie wir erfahren, hem Projekte durchaus gewogen. Bek nntlich hatte schon die Güterbabnaesellichatt Fulda—Maberzell die Erbauung eines solchen Gleises geplant, stieß aber bei der Domänenverwallnng auf Schwierigkeiten.

* Sterbetafel für Hessen-Nassau. Das Preußische Statistische Landcsamt hctt auf Grund eingehender Aufzeichnungen aus den Jahren 1906—1910 ganz neue Provinzsterbetafeln aufgestellt, aus denen wir nachstehend einen Auszug für Hessen-Nassau geben, und zwar für das männliche Geschlecht ldas weib­liche zeigt durchweg günstigere Zahlen). Die gehäuf- teften Verluste sehen wir am Anfang und am Ende des Lebens in der Säuglings- und Alterssterblichkeit. Bon 1000 lebendgeborenen hessen-nassauischen Kna­ben bis zu einem Jahre starben 132, von den Mäd­chen nur 108 — ein gewaltiger Unterschied der Ge­schlechter, der sich überall wiederholt. Von 1000 Greisen inr Alter von 80—85 Jahren starben 208 bezw. weibliche 201. Der hessen-nassauische Säug- lingsverlust ist der günstigste im ganzen Staate. Unserer Ziffer 132 steht z. B. in Westpreu­ßen 268, in Schlesien sogar 282 gegenüber, also mehr als das Doppelte. Im militärpflichtigen Alter von 20—25 Jahren herrscht eine nur geringe Sterblich­keit, 5,07 pro Tausend: diese Zahl ist nicht viel ver­schieden von der schlesischen 5,62 und wird von der schleswig-holsteinischen 2,86 weit übertroffen. Die hessen-nastauische Sterbetafel nach den Ueberlebenden und der mittleren Lebensdauer hat für das männliche Geschlecht folgendes Aussehen:

Auer Ueberlebenöe mittl. Lebensdauer

0 Jahr

1 .

20 „

40 „

«0 „

SO .

irnn

51

Jahre

P79

57

—

7' N

43

■

737

27

,,

13

■

99

4,3

Ob diese Sterbeverbältnisse und zukünftige Lebens­erwartung günstig oder ungünstig sind, läßt sich nur durch Vergleiche mit anderen Gebieten feststellen. Wir vergleichen die mittlere Lebensdauer unserer Provinz mit der eines ebenfalls als sehr gesund gel­tenden Landes und eines wenig günstigen Gebietes und kommen daher zu folgender Tabelle: Die mitt­lere Lebensdauer beträgt in

Alter H.-Nastau Schl -Holst. Schlesien

1 Jahr 57 fi” 5?

25 „ S9 ä «7

Ein einjähriger Knche aus Hessen-Nassau hat also eine um volle 5 Jahre bessere Lebensaussicht wie ein schlesischer, und ein 25jähriger nassauischer Familienvater ein 2 Jabre längeres Leben vor sich. Schleswig-Holstein steht sogar noch besser da.

* Populäre physikalische Borträge wird Herr Prof. ® n b n e am a. und 10 d.Mls. im Roten Saale der Orangerie ablmlten. Ein auswärtiges Blatt schrieb f. Zl über ihn:

kommen genug Darf ich mir den Rat erlauben, die Diener zu rufen, um diesen Herrn die Treppe hin­unterzuwerfen?"

Er deutete mit unsagbar verächtlicher Geberde auf den Baron

Jacobo trat sofort einige Schritte näher. In sei­nen Augen blitzte es freudig auf, trotz seiner alten Knochen war er augenblicklich bereit, dieses Amt zu übernehmen.

Der Baron bot ein Bild des Entsetzens. Seine Augen stierten glasig, über das kreidebleich gewordene Gesicht perlte von der Stirne der Schweiß, er bebte vor Wut. Dieser fremde Mann trat ihm überall ent­gegen und mackste alle seine Hoffnungen und Pläne zu Schanden. Damals in Rom — heute hier. Das Herz der Geliebten, die früher so sehr an ihm gehan­gen, war ibm abtrünnig geworden — er wußte und fühlte es, seit dieser Fremde in der Burg Tarent er­schienen. Jedes Wort der Warnung Anitas war in Erfüllung geoangen. Die Wände des Zimmers dreh­ten sich vor ihm im Kreise, Funken tanzten vor sei­nen Augen. Der Prinz hatte sich eben abgewendet und schaute dem Herzog in Gesicht.

„Lieber Freund, Ihre Tat ist verständig," sagte er, „doch will ich dem Herrn Baron den Affront er­sparen — seiner Braut halber!"

Laut auPrüllend vor ungezügelter Wut sprang in diesem Augenblicke der Baron auf den Prinzen zu — blitzschnell hob sich sein Arm. —

Ter Schlag hatte mitten ins Gsiichi getroffen. Die Nahestehenden waren vor Schreck erstarrt, keiner war imstande gewesen, die blitzschnell ausgeführte Tat zu vereiteln.

Totenstille herrschte im Raume, nur von außen erklang ein Geräusch, wie wenn jemand in höchster Eile bwbeigcstürzt käme.

Im nächsten Moment flog die Türe auf und der Vicomte Birio stürzte herein. Er hatte die Tat von seiner Grotte aus gesehen und war wie vom Sturme gejagt berüberaeeilt zu dieser Seite des Palastes. Wie ein Tiger sprang er nun auf den Baron und packte ihn ohne weiteres an der Kehle.

„Schurke, was hast Du gewagt?", schrie er mit vor Zorn zitternder Stimme. „Einen Mann ins Ge-

Herr Däbne muß ganz entschieden aI8 einer der besten Experiment ll-Pbysiker . hingestellt werden. Da er nicht wie so viele andere seines Faches nur ausgearbeikele Borttöge zu Gehör bringt und durch alle möglichen und unmöglichen Experimente die Zeit auszusüllen sucht, sondern tatlächlich et« studierter und noch fleißig weiter forschender Physiker ist, hoher, seine Oxverimentalvoriräae eine totufagen wohltuende Eigenart. Herrn Dähne's Vortragsweise tft überaus klar und verständlich. Hand in Hand mit dieser klaren Bortragswette geht die groß­artige SickerheitundLeichtigke tim Experimentieren.

(*) Ehemalige Her Felbartillerifteir Im Anzeigen- teile diel es Blattes ladet der geicyäftssührende Ausschuß der Vereinigung ehemaliger Iler Feldartilleristen auf Sonntag, den 6. d. M. in Giesels Saal zu einer Ver­sammlung ein. Zweck der Vereinigung ist, die Bor- berettunaen zur hunaeitjährigen Jubiläumsfeier zu 'reffen, die voraussichtlich > om 5.-7. August in Kastel und Fritzlar stattfindet. Vollzähliges Erscheinen ist zwecks Ausstellnna der dem Regiment einzureichenden namentlichen Nachweisungen bringen» erforderlich.

Aus dem Nachbargebiete.

* Hanau, 3. Avril 1913. Das Kommando des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 überwies den Armen Hanaus von dem Reinertrag aus den gelegentlich der Hundertjahrfeier des Regiments veran­stalteten Reilerfeftspieten 1000 Mark.

* Frankfurt, 2. April 1913. Eine Anzahl hiesiger Metzger bat sich zuiammengetan, um lebendes Rind­vieh aus Dänemark zu beließen. Der erste Transport, 22 Stück Rinder und ein Bulle, ift auf dem hiesigen Markt etngetroffen. Das dänische Fleisch wird zu 85 Pfennig pro Pttmd verkauft. — Ein Deserteur von einem Mainzer Regiment wurde im Hauptbabnboi festgenommen. Auf die Frage des Poli-eibeamten, weshalb er burebgebrannt sei, er­widerte der Soldat: „Ei, ich wollte gerade wieder zurückfahren; lasse» Sie mich nur geben." Der andere glaubte ibm nicht, und so kam d r Durchbrenner bann „mit Begleitung" wieder nach bem golbenen Meenz. — In ber Verwallungsstreitfache der Landgemeinbe Griesheim gegen die Stadtgemeinde Frankiurt roe en einer Zu schußleistung der letzteren zu den Kosten der Schul-, Polizei- und Armenlasten ber Landgemeinde Griesheim hat der Bezirksausschuß, nachdem die Sache vom Oberverwaltungsgericht an den Bezirksauk'chuß zurückverwiesen, nunmehr den Zuschuß auf 14809,22 Mark festgesetzt. Die Kosten des Verfahrens lallen zu einem Fünftel der Landge­meinde Griesheim, zu vi r Fünftel der Stadtgemeinde Frankiurt zur Saft. Der Bezirksausschuß hat im Februar 1910 den Zuichußbetrag auf 17 120,39 Bit. festgesetzt. Frankfurt und Griesheim haben gegen den Beschluß des Bezirksausschusses wiederum Berufung an das Oberverwaltung?gericht eingelegt.

* Kassel, 2. April 1913. Die Hinterbliebenen und Erben des kürzlich hier verstorbenen Großindustrie.,en und Fabrikanten Wüst en selb haben zum Anbenken an den Verstarb.uen erhebliche Geldspenden an die Arbeiter ber Attiengesellschaft Braunkohlenwerke Müncheberg verteilen lassen Ferner haben etwa ein Dutzend hier bestehender milder Stiftungen und Wohl- tätigketts- Institute Zuwendungen in bet Höhe von über 10,000 Mark erhalten. — Gestern wurden die beiden neuen Bürgerschulen in Bettenhausen und Kirchditmold in fe erlichet Weise ihrer Bestim­mung übergeben. — Vorgestern nacht wurde ber ftädlilche Laternenanzünber H. burch einen unvorsich­tigen Schützen angeschofsen unb erheblich an bet linken Brust verletzt; er wurde bem Landkrankenhause zugeführt. Der unvorsichtige Schütze, ein Fabrik-Nacht­wächter, kam zur Anzeige. — Der Polizei-Kommissar Pape, ber von ber hiesigen Strafkammer wegen B e« leibtgung bes UnierzahlmeiftersSimon zu 200 Mk. Geldstraie verurteilt worden war, hat gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, die jedoch jetzt vom Reichs­gerichte verworfen wurde. — Der hiesige Polizeipräsi­dent bat für die Besitzer von Schankwirtschaften mit weiblicher Bedienung scharfe Bestimmungen betreffs Einrichtung ber Gaststuben unb Kleidung ber Kellne­rinnen erlassen.

* Hannov. Münden, 2. April 1913. Der kom­missarische KrelSsektelär Bäumet hte. selbst in unter gleichzeitiger Erneurung zu n Stellvertreter bes Vor­sitzenden des Ve> sichert ngs-Amtes für den Kreis Mün­den endgültig angestellt worden. — Anstelle des ver­storbenen Sena ors Wrnkelmann wurde Bürgervor- stehet J s er lo h zum Kreistags-Abgeordneten gewählt.

* G eßen, 2. April 1913. Der Landtagsabg. Jontz- Butzbach bat tu ber zweiten Ständekammer Den An­trag gestellt, an ber U iiversität Gießen einen Lehr­stuhl tür Homöopathie zu errichten.

G. Langen, 2. April 1913. Mit dem Beginn des neuen Schuljahrs wurde in den hiesigen Volksschulen die unentgeltliche Abgabe von Lernmit­teln an alle Schüler eingeführt. Der Stadtkasse erwächst dadurch eine Mehrausgabe von etwa 3000 Mark.

* Darmstadt, 2. April 1913. Den Elter» deS in Auki auf den Salomons-Jnseln bediensteten Georg Keller wurde jetzt gemeldet, daß ihr Sohn am 18. Dez. 1912 von Eingeborenen ermordet worden sei.

* Aus Franken, 2. April 1913. Die Regierung fordert die Landwirte in den Bezirken von Unter» fronten zu allgemeinem Kampfe gegen die in letzter Zeit stark hervortretende Mäuseplage auf. — Heute ist endlich mit den Arbeiten der MainkanalisatiW, bei Seiber begonnen worben. — Die Babesaiwn ist mit bem heutigen Tage in Bad Kissingen eröffnet worden. Es hat sich schon eine größere Anzahl Kur­gäste eingefunden. — Die naturwlffenfchaftli den und Altertumssammlungen der Stadt Aschaffenburg wurden einer Schätzung unterzogen und es wurde dabei ein Museumswert von 122000 Mi. konstatiert. — Am Weißensonntag starb in Pfersdorf ber Bauer Warmuth im Alter von 76 Jahren, unb am Montag barauf feine Frau im Alter von 74 Jahren im 52. Jabre ihrer Ehe, beibe nach kurzem Unwohl­sein. — In bie Irrenanstalt Werneck würbe bi« Steinhauerswitwe Hemmerlein eingeliefert, welche ben Brand bei Bürgermeister Schlee in Breitbrunn gelegt hat. Das Verfahren gegen sie wegen Brand­stiftung wurde eingestellt.

Amt Geisa unb Umgebung.

* Vacha, 2. April 1913. Hier wurde eine Veteran en-Vereinigung gegründet, der sofort 15 Kameraden, die an Feldzügen teilgenommen haben, anschlossen. — Die seit dem Jahre 1898 von Mas Rupprecht betriebene Fabrik alkoholfreier Ge- tränke und Likörfabrik ging gestern durch Kauf in den Besitz des Kaufmanns Rommel in Völkers­hausen über. Dieser verlegt die Fabrik in das von ihm kürzlich erworbene Georges'sche Grundstück (Kar- tonnagenfabrik).

* Unterawa, 2. April 1913. Der Maurer Kister von hier ist gestern abend auf der Felda­bahn verunglückt. Während der Fahrt betrat er die Plattform des Wagens und ist vermutlich, als der Zug eine Kurve passierte, herausgeschleudert wor­den. Mitfahrende hatten den Unfall bemerkt und verständigten das Zugpersonal. Von Urnshausen aus liefen einige Passagiere zurück und fanden Kister am Bahnkörper liegen. Der Verunglückte wurde nach dem noch auf der Haltestelle wartenden Zug gebracht und nach Dermbach geschafft, wo ihm ärztliche Hilfe zuteil wurde. Anscheinend hat er innere Verletzungen davon getragen.

Aus Gberheffen u- ben Hess. Aemtern.

* Marbach (Kr. Marburg), 2. April 1913. Hier wurden in letzter Zeit von der Arbeitsstelle bet jüngst errichteten Neubauten H-mbwerkszeuge unb eichene Pfosten gestohlen. Man ist dem Diebs auf ber Spur.

* Kirchhain, 2. April 1913. Unter dem Vorsitz des Herrn Landrat von Gilso hat sich hier ein Aus­schuß für Jugendpflege gebildet, dem 11 Her­ren verschiedener Stände angehören. — Zum letzten­mal wurden gestern die ortsüblichen Bekannt­machungen mit blumenbekränzter Schelle den Bürgern zu Gehör gebracht.

* Gilsa, 2. April 1913. Der Aufsichtsrat der hiesigen Spar- und Darlehnskasse beschloß, vom 1. Juli d. I. ab für Spareinlagen 414— Prozent, je nach Kündigungsfrist, zu geben. Im Jahre 1912 wurden an Spareinlagen 4200 Mk. er­zielt, an Waren wurden für 15 300 Mark bezogen, tm ganzen wurde ein Jahresumsatz von 137 754 Mark erreicht. Anstelle des satzungsgemäß ausschei­denden VorstandMitgliedes, Bürgermeisters Vieh­mann, wurde Lrndwirt Schmidt-Gilsa gewählt. Sollte die Beteiligung aus den umliegenden Ort­schaften eine reaere werden, bann soll nächstes Jahr auf Bahnhof Glsa ein Lagerhaus errichtet werden.

* Brfse, Kr Fritzlar, 2. April 1913. Bei der Neuverpachtung der hiesigen Feld- und Wald- jagd für die nächsten neun Jahre wurden statt der bisherigen 850 Mark ein Höchstgebot von 2511 Mk, erzielt.

sicht zu schlagen, dessen Finger mehr wert rst, wie Deine ganze Haut mit allen Knochen und den Fleisch­teilen. . . . Die Sache schreit zum Himmel!" Er hatte den Baron, der sich verzweifelt wchrte, nun hilf­los wie ein Kind in der Ecke und würgte ihn derge­stalt am Halse, daß diesem fast die Zunge aus dem Halse hing.

„Eine Reitpeitsche her", rief er, „und ich will ihn züchtigen, bis er auf seinen Knien um Verzeihung bittet!"

Unbemerkt schlüpfte Jacobo aus dem Raume, um das Gewünschte herbeizuholen.

Der Prinz von Indien stand nach dem Schlage wie zu Stein erstarrt. Aus dem schönen, männlich ernsten Gesichte war für einen Aloment lang jeder Blutstropfen gewichen. Seine Augen schienen Feuer zu sprühen, dann nahmen dieselben den Ausdruck eisiger Starrheit an. Er glich in diesem Augenblicke einem Toten, der die Augen nicht geschlossen hatte. Er schien die ganze Umgebung nicht zu sehen, den Vorgängen völlig entrückt zu sein. . .. Dann tauchte plötzlich in dem bleichen Gesichte ein roter Fleck auf — es war die Stelle, wo der Faustschlag getroffen. . . . . Nun schien die Gestalt größer zu werden, sie fing an, sich zu bewegen und langsam mit gemesse­nem Schritte aus die Gruppe in der Ecke zuzu­schreiten.

Auf die Schulter des Vicomte Birio legte sich eine Hand. Erstaunt hielt dieser inne in seiner Beschäf­tigung und erlaubte dem Baron einige freie Atem­züge.

„Dieser Mann ist mein allein!" sagte der Prinz mit dumpfer, rauher Stimme.

„Hoheit, ich wollte nur —"

Der Vicomte vollendete den Satz nicht, mit einem sichtlichen Bedauern in seinen Zügen ließ er die Hände von seinem Opfer und trat zurück.

Der Prinz stand einen Moment schweigend vor dem Baron. Emer schaute dem andern in die Augen, der eine mit eisiger, starrer Ruhe, der andere mit Blicken der Furcht und brennenden Hasses.

„Mein Herr, Sie haben mich ms Gesicht geschla­gen!" begann der Prinz, „im gewöhnlichen Leben gilt dies als ein Schimpf, nicht aber in diesem Falle —

es war der Schlag eines Banditen! — Trotzdem Will ich Ihr Blut!"

Der Prinz war wie auch heute noch viele seiner Standesgenossen aus adeligem Geschlecht der verwerf­lichen Ansicht, daß für Leute wie er das fünfte Ge­bot nicht existiert, und die nicht zu wissen scheinen, daß der ewige Richter gesagt hat: Mein ist die Rache! Auch in unserer Erzählung huldigte der Beleidigte ganz den Vorurteilen und falschen Ehrbegriffen seiner Zeit. Der Wahn hielt ihn gefangen, daß der ihm angetane Schimpf nur durch den allem göttlichen, moralischen und staatlichen Gesetz widerstreitenden Zweikampf gesühnt werden könne.

„Unmöglich!" riefen der Herzog und Fürst Gua­stalla wie aus einem Munde. „Man schlägt sich nicht mit einem Falschspieler," setzte der letztere hinzu.

Der Vicomte Bixio pfiff leise durch die Zähne. „Ah, also deshalb," murmelte er.

„Ich stehe zu Diensten," keuchte Meneville auf die Aufforderung des Prinzen.

„Es ift, wie meine Freunde sagen," das Blut eines Mrlosen keine Satisfaktion — trotzdem bestehe ich auf meinem Willen!"

Befremdet fchauten sich die anderen an, sie begrif­fen den Prinzen nicht.

„Meine Herren, wollen Sie sich gefälligst erin­nern. was ich in Rom gesagt," fuhr der Prinz fori, „ich sagte, ich habe in diesem Lande eine Mission zu erfüllen, und dann werden Sie mich erkennen in mei­nem innersten Wesen. . . . . Ich bitte, werden Sie nicht irre an mir, wenn Sie mich heute auch nicht oanz verstehen." Nun wandte er sich wieder an den Baron.

„Der Kodex der Ehre verbietet mir, den Degen mit Ihnen zu kreuzen, trotzdem will ich's tun, denn man hat mir gesagt, Sie stammen von einem ehren­werten Vater, einem echten Edelmanne."

„Schön gesagt, Herr Abenteurer", zischte Mene­ville, „nächstens werden Sie wohl behaupten, Sie hat­ten mit meinem Vater in einem anderen Leben ver­kehrt . Man kennt nachgerade Ihren Hokus­pokus, aber man kennt nicht das Recht, mit dem Sre sich einen Prinzentitel anmaßen."

(Fortsetzung folgt.)