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Fuldaer Zeitung

s Zieljungsliften 6er preußisch-sLddeuttchen Ktaffea-Ietterle. — halbjährlich raschen fahrplan. a

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Erstes Blatt.

Mittwoch den 2. April 1913

40. Zahrgang

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Abg. Hoff (53p.): Wir erwarten bei der inneren Kolonisation ein schnellerer Tempo, um der Verödung ganzer Gegenden durch die Landflucht, sowie der Gesahr der Slavisikrung und Polonisierung des Ostens entgegen­zuwirken. Unser Ziel der inneren Kolonisation tft die Aufteilung des Großgrundbesitzes, an dessen Stelle ein leistungsfähiger Bauernstand zu setzen ist. Durch die Vorlage wird der Fleischnot nicht abgeholfen- Das kann nur durch die Beseitigung der Futtermittel­zölle und der Einfuhrzölle erreicht werden.

Abg. v. Saß-Jaworski (Pole): Für die Linderung der Fleischnot kann Bte Bollage nicht in Betracht kommen. Wir haben gegen die Vorlage nichts einzuwenden Schließlich wird sie aber darauf hinauslaufen, die polnische Bevölkerung zu benachteiligen.

Abg. Leinert (Soz.): Die Vorlage enthält keine Angaben darüber, in welcher Weise die geforderten Mittel verwendet werden sollen. Bedenken haben wir auch gegen andere Punkte der Vorlage.

Die Vorlage wird der verstärkten Agrarkommission überwiesen.

Mittwoch: Kultusetat.

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Illustrierte Sonnfagszeifung

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Zuldaer SeschlchtsblLtter

„Ich nehme Ihre Wette an, Hoheit," sagte schmunzelnd der Baron, „aber es scheint mir, daß Sie mit Absicht Ihr Geld los werden wollen." Wie­derholt griff der Baron zum Pokale, ehe er die Kar­ten zu mischen anfing.

Der Prinz antwortete ihm nicht. Er wandte sich an die anderen Anwesenden mit einem gleichgültigen Gespräche, als wolle er die Aufmerksamkeit vom Bankhalter ablenken, während dieser die Reihen der Blätter legte. Keiner außer dem Prinzen hatte dies- mal einen Einsatz gemacht.

Der Baron hatte die Reche für Schwarz gelegt neununddreißig! 1 * * * V

„Eine respektable Ziffer, Hoheit," sagte Fürst Guastalla, „ich glaube, das Glück wendet sich Ihnen zu — wer wird auch solche Wetten abschließen! Sehen Sie, Rot hat bei fünf Karten erst elf; — zwei — vier zwei — vier— sieben — Diabolo, Sie gewinnen, mein Prinz, sehen Sie, günstigere Chancen hat es nie gegeben; eine Karte noch — nun wette auch ich, daß Ihre Erwartung, zu verlieren, nicht in Erfüllung geht —"

„Tun Sie es nicht, lieber Fürst, ich weiß, was nachkommt," sagte der Prinz in lässigem Tone, „ge­ben Sie acht, meine Herren, es folgt Herz-Aß!"

Die letzte Karte war bereits abgehoben, noch nicht niedergelegt und umgewendet. Herr von Meneville hatte bei dem Ausspruche: Es folgt Herz-Aß! unwill­kürlich die Farbe gewechselt, der Blick, den er nun aus den Prinzen richtete, war scheu und unsicher.

Nun fiel das Blatt, langsam w;ndete der Bank­halter es um; Herz-Aß!

Mit verächtlicher Miene schob der Prinz die Rol­len vor ihm dem Bankhalter zu. '

,Zch wußte, meine Herren," sagte er, „das Aß mußte kommen, um mich verlieren zu machen — und sie kam! Herr von Meneville ist ein sehr ge­schickter Mann und versteht die Chancen zu seinen Gunsten zu gestalten."

(Fortsetzung folgt).

ist, für die Zubilligung deS SteuerprioilegS nur der­jenige Teil der Familienangehörigen in Betracht kommt, der dem in der Wohngemeinde versteuerten Teile des Einkommens entspricht.

(*) Vermehrung der Offiziere für die Reservefor­mationen. In der „Post" wird darauf hingewiesen, daß nach den Bestimmungen der neuen Heeresvor- lage in Zukunft für die Reserveformationen eines je­den Infanterieregimentes ein Oberstleutnant, drei Stabsoffiziere und drei junge Hauptleute vorgesehen sind, was eine Vermehrung der Stabsoffiziere und Hauptleute um das Doppelte bedeutet. Auch bei den Feldartillerieregimentern tritt eine Vermeh­rung in dieser Hinsicht ein. Künftig sollen bei jedem Feldartillerieregiment ein Oberstleutnant, ein älterer und ein junger Hauptmann als „überzählig" vorhan­den sein. Bei den Kavallerieregimentern soll in Zu­kunft noch ein Rittmeister als „überzähliger" hinzu­treten. Es ist also bei den Hauptwaffen in <>:sgiebi- aer Weise für ältere Offiziere vorgesorgt, die zu den Reserveformationen übertreten.

<5 Um der Gerechtigkeit willen! Unter diesem Titel hat der frühere Abg. Georg Heim im Auf­trage der Zentralstelle der Bayerischen Bauernver­eine in Regensburg eine Broschüre erscheinen lassen, die sich mit einer im Hinblick auf die kommende Heeresverstärkung überaus aktuellen Frage beschäftigt, der Frage der Benachteiligung des flachen Landes durch die erhöhte Mi­litärtauglichkeit. Auf Grund eingehender statistischer Erhebungen weist Dr. Heim nach, daß das flache Land und insbesondere der Bauernstand durch die Stellung einer unverhältnismäßig großen Zahl von Militärtauglichen gegenüber den anderen Volksschichten schwer benachteiligt ist. Wer sich mit dem in der Broschüre verarbeitenden Material etwas vertraut macht, wird der Forderung eines gerechten Ausgleichs unbedingt zustimmen müssen.

Die Last der Dienstpflicht, führt Dr. Heim auS, ver­schiebt sich immer mehr auf dir kleinstädtische und länd­lich» Bevölkerung, und mit jeder neuen Vermehrung des stehenden Heeres wird die Last für diesen Teil der Be­völkerung immer größer und immer einseitiger und un­gerechter. Der Bauernstand, der nur 28 Prozent der Bevölkerung zählt, stellt rund den d o p p e l t e n P r o z e n t- satz an Soldaten. Jeder Sohn in der Kaserne kostet dem Bauern jährlich mindestens 500 Mark. Die neue Heeresvorlage bedeutet nichts anderes, als dem flachen Lande jährlich an Arbeitskräften 40000 Mann zu entziehen und ihm eine weitere Extralast von jährlich 20 Millionen Mark auszubürden. Der Stute« menget auf dem Lande wird sich wesentlich verschärfen. Denn die Fälle sind nicht selten, in denen Soldaten als Invalide zurückkehren, oder überhaupt den Weg in die Heimat nicht mehr finden, sondern sich zu den groß­städtischen Arbettermasien gesellen. Es mangelt auch nicht an Beispielen, daß der Sohn alS einziger Ernährer einer Familie nach dem Tode deS BaterS trotz aller Vorstellungen vom Militär nicht freigegeben würbe und ganze Familien daran wirtschaftlich zu Grunde ge­gangen sind.

Man kann nicht leugnen, daß Dr. Heim hier eine Frage von weitesttragender Bedeutung aufgerollt, und es ist verwunderlich, daß die amtlichen Stellen dieser Frage bisher nur so geringe Aufmerksamkeit gewidmet haben. Bei den Steuerprojekten zur Deckung der neuen Militärvorlage hätte sich Gelegen­heit geboten, den ersten Schritt zur Herbeiführung eines gerechten Ausgleichs zu tun. Allein die Reichs­leitung hat hier vollständig versagt. Unter diesen Umständen wird es Pflicht des Reichstages sein, im Zusammenhang mit der Rüstungsvorlage auch die Frage der Benachteiligung des flachen Landes durch die übergroße Militärtauglichkeit zu würdigen und bisher Versäumtes auf diesem Gebiete nachzuholen.

* Für die Schulpolitik der preußischen Regierung ist folgende Gegenüberstellung bezeichnend. Z s ch e r n= dorf-Deutschgrube (Prov. Sachsen) hatte Ostern 1911 57 katholische Kinder, Kempen

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Deutsches Reich.

* Berlin, 1. April 1913. Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer und Handelsminister Dr. Sydow sind vom Urlaub zurückgckehrt. — Santo» lagsabg. Lichtenstein (Vp.) hat sein Mandat niedergelegt. Er war seinerzeit als Nachfolger des verstorbenen Abg. Gyßling gegen den Widerspruch einer starken Minderheit aufgestellt worden. — Nach Erkundigungen in Windsor entspricht die Meldung, daß der König und tote Königin von England in diesem Jahre mehreren europäischen Höfen Besuche abstatten würden, nicht den Tatsachen. — Wie amt- lich betanntgegeben wird, ist Admiral Pohl zum Chef des Admiralstabes der Marine ernannt und Admiral v. Heeringen, der bisher diesen Posten be­kleidete, mit diesem Zeitraum unter Enthebung von dieser S ellung zur Disposition gestellt worden.

4- Kaiser und Pächter. Das Zerwürfnis der kaiserlichen Verwaltung Kabinen nut dem Guts­pächter Sohst, das die Oeffenlichkeit in den letzten zwei Monaten viel beschäftigte, ist nun endlich in be­friedigender Weise beigelegt worden. Der Pächter ist zurückgetreten, der Pachtvertrag in einer beide Teile voll befriedigenden Weise gelost worden. Das Zivilkabinett des Kaisers hat dem Cadiner Pächter eine Schadloshaltung im Betrage von 120 000 Mk. zugebilligt, und vom Kaiser ist ihm der Krone norden IV. Klasse verliehen worden. — Damit ist eine immerhin peinliche Angelegenheit aus der Welt geschafft worden, denn wäre der Kaiser gewissenhaft unterrichtet worden, hätten sich beide Teile die unangenehmen Vorfälle ersparen können. Es zeugt jedenfalls von der ritterlichen Gesinnung des Kaisers, daß er nach Kenntnis des wahren Sach­verhalts nicht gezögert hat, seinem Pächter vor aller Oeffentlichkeit Genugtuung zu geben.

)( Der Kronpliuz bleibt in Danzig. Das Kom­mando des Kronprinzen als Kommandeur des 1. Leib« Husaren-Regiments in Danzig-Langfuhr, toeffen Dauer anfangs auf zwei Jahre berechnet war, wird ver­längert werden. In Uebereinftimmung hiermit sind die gesamten Gebäude, die dem kronprinzlichen Paare, dem Hofstaat und der Dienerschaft zur Unterkunft dienten, noch für ein weiteres Jayr gemietet worden.

s. Der Seniorenkonvent des Abgeordnetenhauses trat am Dienstag vor der Sitzung des Hauses zusammen, um den Arbettsplan für die nächsten Tage festzustellen. Am Mittwoch soll die zweite Lesung des Kultusetats beginnen. Man rechnet damit, ihn in 8-9 Sitzungen beenden zu können. Die gesame Etatsberatung soll am 17. April beendet sein.

** Das Kinderptivileg bei der Steuerveranlagung. Das Oberverwaltungsgericht hat neuerdings ent­schieden, daß bei Personen, deren Einkommen in der Gemeinde ihres Wohnsitzes nur teilweise steuerpflicht'g

Auf Schwarz standen Zweitausend und zweihun­dert, auf Rot Hundertundfünfzig — Rot gewann.

Jacobo hustete ärgerlich, als er neue Rollen dem Kasten entnahm. Baron Meneville griff nach einem Pokale Wein und leerte denselben auf einen Zug. Sein Gesicht glühte vor Freude, mit einem Blicke der Habsucht streifte er den Kasten mit den Gold­rollen. Ein hübscher Berg Gold war vor ihm auf­getürmt, den er gewonnen hatte, und er hätte ge­wünscht, daß die Äätze gegen ihn sich steigern sollten. Warum verdoppelte heute der Prinz nicht?

In diesem Augenblicke geschah etwas Sonder­bares. Der Prinz brach eine der Goldrollen an und setzte nur fünfzig Dukaten. Er, besten niedrigster Einsatz heute fünfhundert gewesen! Guastalla schaute ihn verwundert an, die anderen Spieler konnten ebenfalls kaum ihr Erstaunen verbergen.

Baron Meneville traute kaum den eigenen Augen. „Ah, Hoheit, Sie beginnen niederzusteigen in den Staub", sagte er in einem Tone, dem man eine Bei­mischung von Hohn anmerfen konnte. „Der Be­sitzer der Schätze Indiens pointiert plötzlich mit armen fünfzig Dukaten, wie ein Landedelmann, der ein paar Dutzend Stück Vieh aus seiner Herde an den Metzger verkauft hat. Wenn das der Vicomte Bixio sehen würde, er wäre sprachlos." Mit einem Blicke übersah Meneville die Einsätze, auf Rot stand diesmal ungleich mehr als auf Schwarz. Dann ließ er die Karten durch die Finger rascheln und bedäch­tig legte er die Reihen.

Diesmal gewann Schwarz.

Ein aufmerksamer Beobachter hätte sehen können, daß für einen Moment ein schwaches Lächeln die Lippen des Prinzen umspielte. Keiner hatte es be- merft. Meneville griff wiederholt nach dem Weine, mit einem Blicke überzählte er den heute gemachten Gewinn, dann schaute er zur Uhr, die auf der mar­mornen Konsole stand: Es war nahe an Mitter­nacht, wenn der Prinz nicht hohe Einsätze machte und vielleicht verdoppelte, wie damals in Rom, bann war keine Aussicht, den damaligen großen Perlust

V p- erobern Unmut1 naow er o» bei Unter­

lippe. Sein Gewinn bis jetzt ftanb in keinem Ver­hältnis zu den Hoffnungen, bie er gehegt.

„Monseigneur, wie hoch soll Ihr Einsatz diesmal sein? Fünfzigtausend?" fragte der Bankhalter.

Ueberrascht schauten der Herzog Tesia und die anderen Herren auf. Die Worte des Barons waren spöttisch gemeint gewesen.

Nicht ein Zug im Gesichte des Gastgebers verriet, daß er sich beleidigt fühlte. Einen Moment lang schaute er dem Baron schweigend in das vom Weine rotglühende Gesicht.

„Fünfundzwanzig, meinen Sie?" sagte er mit vornehmer Ruhe. „Nein, ich probiere es diesmal mit einer höheren Ziffer, Herr Baron, Fünftausend! Zu­gleich schlage ich Ihnen eine Wette vor, Herr von Meneville, Sie haben sich vorhin eine spöttische Aeußerung erlaubt über meine Gabe, in bie Zukunft zu schauen. Oftmals schon habe ich Ihnen Beweise gegeben bavon, vergessen Sie bas nicht. Ich wette fünftausend Dukaten gegen eintausenb von Ihrer Seite, baß ich biefe fünftausend, die ich hiermit auf Schwarz setze, verlieren werde!"

Baron Meneville blickte verwirrt. „Das ist ein sonderbares Angebot, Hoheit —"

„Bei dem Sie nichts verlieren können, Baron," entgegnete dieser. „Ich bin sicher, daß ich meinen Einsatz verlieren werde und ich vertrete meine Mei­nung mit fünftausend Dukaten. Stellt es sich her­aus, daß ich ein falscher Seher gewesen, dann ver­lieren Sie an mich eintausend Dukaten. Was sagen Sie zu dem Vorschläge?"

Verwundert und erstaunt schauten die anderen auf den Prinzen. So was war noch nie dagewesen, daß ein Spieler eine hohe Summe setzte und Fünf zu Eins wettete, daß er verlieren werde. Dieser Prinz war doch wirklich ein seltsamer Mann!

Der Herzog schob seinen Fauteuil zurück und poin­tierte nicht. Er betrachtete schweigend den Gastgeber, dessen Charakter er zu kennen glaubte. Testen selt­same Wette gab ihm zu denken, er hatte nun die Ueberzeugung, daß die noch etwas Neues, Außeror­dentliches brinoen werde

Der Graf von Tarent.

?8] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Die Anwesenden richteten sämtlich ihre Blicke auf «n Prinzen. „Vielleicht, lieber Baron," entgegnete «Ufer, „halten Sie sich stets zur Abwehr bereit, denn sch habe eine Ahnung, als sollte sich heute noch be­sonderes ereignen."

„Nur eine Ahnung, Monseigneur? Sie sind der Mann, der ja die Vergangenheit kennt und bie Zu­kunft, da sollte nicht von Ahnung, sondern von Be­stimmtem die Rede sein."

, Der Prinz antwortete nicht, er hatte eben wieder $ne Rolle Gold gesetzt und das Fallen der Blätter tonm beachtet. Erst als der Bankhalter seine Ge- fontne einzog, wurde er auf den Verlust aufmerk­sam.

Der Marchese Tejano, ein sehr reicher Mann, krhob sich mißvergnügt. Er hatte fast alle Einsätze yetloren, da er stets dieselbe Farbe gehalten hatte, ®le der Prinz. Er hatte dessen Glücksstern vertraut ^nd war enttäuscht.

^„Hoheit, ich werde irre an Ihnen", sagte er, „ich Ihren Einsätzen gefolgt und habe teuer dafür Whst. Ich habe selten im Leben gesehen, baß bas Muck einem Manne so zur Seite steht, wie bem jboron Meneville heute abend. Ich mache einen Men Einsatz, aber ich gehe auf Rot über. Der ohivarzen Farbe traue ich nicht mehr."

. Marchese Tejano setzte fünfzig Dukaten auf Rot, er Herzog Tesia hundert auf bieselbe Farbe, ber pointierte mit Eintausend. Rot gewann, der >"nz war toieber ber. Verlierer.

. „Wie gut, baß ich bie Farbe geänbert", meinte f/sano' ^inen Einsatz unb den Gewinn stehen las- * . Auch ber Herzog verdoppelte. Marquis Gri-

r atm, ber schweigend eine Zeit lang zugesehen, qv, auch wieder fünfzig Dukaten und zwar auf n. ., 'fürft Guastalla machte einen Einsatz von Abwundert auf Schwarz. Der Prinz pointierte

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 1. April 1913.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung mit einer Begrüßung und gedenlt des Ablebens des Königs Georg von Griechenland.

Das Ableben des Abg. Klocke <Ztr.) teilt der Präsident mit folgenden Worten mit: Nun habe ich noch eines ichmerzliqen Verlustes zu gedenken die Mitglieder erheben sich), der in den allerletzten Tagen das Haus betroffen hat. Am 30. März verschied der Abg. Klocke. Er hat dem Hause seit 1908 angehört und an den Arbeiten tätigen und regen Anteil genommen. Er hat noch in den allerletzten Tagen einen Bericht eingereicht, ein neuer Beweis seiner freudigen Arbeitskraft. Ich sehe, daß Sie sich von Ihren Plätzen erhoben haben. Ich stelle das fest.

Aus der Tagesordnung steht die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Förderung der Landeskultur und der inneren Kolo­nisation.

Landwirtschaftsminister v. Schorlemer: Beiden, vor­liegenden Gesetzentwurf handelt es sich insbesondere um eine Förderung der heimischen Viehzucht und die Ver­mehrung der Flelscherzeugung, forote um die Ver- tnehrung des mittleren und kleinen Grundbesitzes. Dazu jo i die Urbarmachung der fiskalischen Moore in Oft» sriesland und Schleswig-Holstein, sowie die Melioration von Domänen-Grundstücken dienen. Durch das Vor­gehen der Staatsregierung wird eine rasche Erschließung der Moore ermöglicht. Später werden dann Kolonisten auf -en kulttvierten Flächen angesiedelt werden. Ich erinnere daran, daß in den letzten sieben Jahren jährlich durchschnittlich 1205 Rentengüter mit 13186 Hektar ge­schaffen sind. Dafür sind bisher etwa 300 Millionen Mark vom Staate aufgewendet worden. Von privaten EiedelungSgesellschasten, bie vom Staate unterstützt werden, find in den letzten Jahren 3000 Rentengüter errichtet worden. Als ein wesentliches Moment in der inneren Kolonisation ist auch die Gründung von Arbeiter­rentenstellen zu betrachten. Der Staat hat eine Reihe von Domänen $ur Aufteilung für Ansiedelungs- zwecke hergegeben. Freilich körnen wir nicht an eine Aufteilung des gesamten Domänenbesitzes gehen. Die Staatsregierung wird jetzt das Werk zur Vollendung bringen, das in der großen Zeit vor hundert Jahren begonnen wurde, die Schaffung einesumfangreichen, kräftigen und gesunden deutschen Bauern­standes. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Frhr. v. Marenholtz (kons.): Wir begrüßen die Vorlage. Bei dem Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande sind wir erfreut darüber, daß auch die Ansiede­lung von Arbeitern beabsichtigt wird. Bei der prak­tischen Ausführung der Vorlage werden sich allerdings Schwierigkeiten ergeben. Wir beantragen lleberroeifung der Vorlage an die verstärkte Agrarkommission.

Abg. v. b. Hagen (Ztr? hätte lieber gesehen, wenn im Gesetze nicht nur für die Hochmoorkultur der fis­kalischen Moore in Ostsriesland und Schleswig-Holstein 12 Millionen angesetzt wären, sondern auch für die Unterstützung für Ansiedelung der nichtfiskalischen Oed- ländereien. Die Ansiedelung der Moore nn Privatbesitz, insbesondere das Bourtangermoor, soll die auf dem Lande in ber Nähe der Moore wohnenden Arbeiter von der Landflucht abhalten. Dazu bedürfe es aber der Auf­schließung der Moore durch kleine Kanäle und Wege, und hier wäre der Staat verpflichtet, die ersten Kosten zu tragen oder mindestens vorzuschießen. Da die in Frage kommenden Kreise finanziell nicht kräftig genug sind, um auS eigener Kraft die nötigen Gelder beizu- bringen, wäre es erwünscht gewesen, daß die Regierung jetzt die Gelegenheit ergriffen hätte. Der Minister hat eben Zahlen für die Ansiedelungstätigkeit im Osten mit­geteilt. Die Frage bleibt noch offen, ob zwischen den Konfessionen die Parität gewahrt tft oder nicht. (Bei­fall im Zentrum.)

Abg. Glatzel (ntl.) stimmt für die Vorlage und wünscht «eben den provinziellen Besiedlungsgesellschaften eine Zentralstelle zur Förderung der inneren Soloniiation.

Abg. Dr. Jberhoff (freit): In Ostfriesland ist man enttäuscht über die Vorlage. Man verlangt dort eine sofortige Abgabe der Moore. Das geschieht aber nicht, obwohl ein roabrer Landhunger bei be^ bodenständigen Bevölkerung vorhanden ist. Die Folge sind Abwanderung und Auswanderung.

a. Rhein hat Ostern 1913 57 evangelische Kin­der. Die Gemeinde Zscherndorf-Deutschgrube be­schloß 1911 eine konfessionelle katholische Schule zu errichten. Dasselbe tat die Stadt Kempen im- März 1913 für die protestantischen Kinder. Was geschah nun? In Zscherndorf-Deutschgrube, wo die katho­lische Schule errichtet werden sollte, führte die Rv- gierung einen anderen Beschluß der Gemeinde herbei und ließ die katholischen Kinder in die evan­gelischen Schulen einschulen; in Kempen a. Rh. hat man von einem ähnlichen Verfahren nichts ge- hört. Im Gegenteil wird wahrscheinlich, wie ge­wöhnlich, die Kgl. Regierung die Uebernahme der evangelischen Schule durch die Stadt warm befür­wortet haben. Preußische „Parität"!

** Frankfurt a. M., 1. April 1913. Eine Ju­gendkonferenz der Fortschrittlichen Bolkspartei hat hier am Samstag und Sonn­tag getagt. Die Jung-Forffchrittler wollen es den Jung-Liberalen nachmachen, wobei fieilich die Ge­fahr enffteht, daß die Jugendvereine der Fortschritt­lichen Bolkspartei der Gesamtpartei ebenso gefährlich werden können, wie es die jungliberale Bewegung der nationalliberalen Partei geworden ist. Wohl im Hin­blick darauf hat denn auch der eine der Referenten erklärt:,„Wir wollen bewußt alles vermeiden, — was den Keim einer neuen Pavteibildung in sich trägt", aber ein anderer Referent betonte wiederum: der Forffchrittliche Jugendverein werde in seiner £ätig= feit „uneingeschränkt selbständig fein" und zwar „als Unterverein innerhalb des Hauptvereins stehen", aber seine Mitglieder sollen stimmberechtigte Mitglieder des Hauptvereins sein, und der Jugend-^ verern soll auch eine Vertretung im Vorstand des Hauptvereins haben. In diesem Sinne gehaltene Re­solutionen gelangten denn auch zur Annahme. — Ob der Vorstand der Fortschrittlichen Volkspavtei sich mit diesen selbständigen Bestrebungen der Forffchrittliche» Jugendvereine einverstanden erklären wird, steht noch dahin.

d* München, 1. April 1913. Bemerkenswerte. Geständnisse legt der bayerische radikale Lehrerführer B e h h l in seiner Fr. Bayer. Schulztg. ab. Er fin­det nämlich, daß der liberale Bayerische Lehrer- Verein infolge Ueberwucherns schulpolitischer De- strebnngen auf dem Gebiete der beruflichen Fort­bildung des Lehrerstandes gegenüber dem ka­tholischen Lehrerverein und der Organisationi der geistlichen Schulinspektoren ins Hintertref- f e k geraten ist. Nach seinen Beobachingen hat das geiftige Leben und Streben der BolkSschullehrer nicht gleichen Schritt gehalten mit der äußere» Wachstumserscheinung. Dagegen sei beim K l e - rus ein ganz entschiedener Fortschritt in der Päda­gogischen Bildung zu verzeichnen. Er sagt:

„98er bie katholische Literatur, bie pädagogisch-kirch­liche Bewegung, bie Bildungsbestrebungen im katholische» Lehrerverein und in verschiedenen Verbänden auch nur oberflächlich prüft, bem nötigt ber neu auftauchende Ernst in ber pädagogischen Zurechtfindung und Be­lehrung nur Achtung ab.' Wir müssen, ruft Beyhl auS, „bem erlahmenden geistigen Leben im bayerischen Lehrer- stanto die gesteigerte Teilnahme der Gegner auf bem Schulgebiete gegenüberstellen."

Wir quittieren dankbar diese interessanten Ge­ständnisse, die ein ehrendes Zeugnis bilden für die katholischen Organisationen der Lehrer und die geist­lichen SchulinsPettoren. Es ist schon früher darauf hingewicsefl worden, daß der liberale Bayer. Lehrer­verein die Pflicht zur berufswissenschaftlichen Fort­bildung seiner Mitglieder infolge anderweitiger In­anspruchnahme (Kampf gegen die geistliche Schulaus-' sicht, Hetze gegen das Zentrum usw.) gröblich yer- nachläffigt hat.