Fuldaer Zeitung
Monats-beilage:
«rndjeni ter Raum rinn <!n;pclttstn Coloneticilr, 47 mm breit. Holtet 15 Pfo.
D" nR?U» Ä" Celonrlitlle, 74 mm breit, koflet 40 Pfg. Bei uJietxrholunnm «nhoft <fir a..___»/ -In »4,
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« Ziehungsliften der preußisch-süddeutschen Kleffen-Letterie. —
Nr. 74
Erstes Blatt
Dienstag den l. April 1913
40. Zahrgang.
der
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Höhe wird die Leistungsfähigkeit noch besonders wirksam berücksichtigt. Schon allein dieser Wehrbeitrag mit seinem iviilliardenertrag wiegt 15 bis 20 Jahr- gänge der voriges Jahr geplanten Besitzsteuer auf.
Daneben stehen nun noch die 80 Millionen | jährlich, die durch Vermittelung der Einzelstaaten von dem Vermögen, Einkommen, Erbanfall re. aus- pcbracht werden sollen. Auch das ist eine Besitzsteuer. Ob der Steuererheber die ReichSkokarde oder die LanveSkokarde trägt, macht in der Sache selbst, für den wirtschaftlich und sozialen Charakter der Steuer keinen Unterschied. Als Lückenbüßer ist daS Gesetz über die Abgabe vom VermögenSzuwachS in Reserve gestellt. Auch das ist eine Besitzsteuer; aber es ist vorläufig nicht nölig, auf diesen Entwurf näher einzugehen, da von diesem Notanker wahrjcheinlich kein Gebrauch gemacht zu werden braucht.
D e angeschnittene Frage läuft also darauf hinaus: Stnd wir verpflichtet, neben dem Wehrbeitrag noch eme unmittelbare Reichssteuer auf Vermögen oder Erbanfall einzuführen, oder kann das Reich die fortlaufende Besitzsteuer durch Vermittlung der Einzelstaaten durchführen lassen, indem es die Erträge von den Einzelstaaten nach einem verbesserten Matrilnlarbeitragsfuß einzieht? Einen grundsätzlichen Widerspruch gegen dieses zweckmäßige Verfahren kann nur derjenige erheben, der seine politische Spekulation auf Ausdehnung der Reichssteuergewalt und Abschaffung der Matrikular- betträge in den Vordergrund stellt. DaS darf aber jetzt nicht geschehen, da in der außerordentlichen Lage des Vaterlandes alles Sinnen nnd Trachten sich richten muß auf den einen Zweck: Die Heeresver- starkung sofort sicher zu stellen und die dazu notigen Mittel auf dem gangbarsten Wege schnell und glatt herbeizuschaffen.
Also Verzicht auf Liebhabereien, Eigensinn und Nebenzwecke, bis die gebotene Sammlung und Ver» ständiuung der gutwilligen Parteien das große Werk tn den Hafen gebracht hat.
gierung beleidigenden Weise Wiede,.-gegeben werden Der tiefere Grund des Verbots liegt aber zweifellos in der ganzen in der letzten Zeit sich in verschärftem Matz äußernden deutschfeindlichen Richtung des Pariser Blattes, die zuletzt ihren Ausdruck in der gegen die deutsche Industrie eingeleiteten Bohkottbewegung
4r|diemi tügllch mit Ausnahme Oer Sann- anö Feiertage. Olertel- sahrNch« Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In ßulda joggte auswärts I.J0 mark. Rotatlonsöru» unö Verlag 6er e S Suioaer flctienbrudierei In Sulöa. Zernlprecher Nr. 9. ;;
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Illustrierte Sonntagszeitung
** Aüg. Klocke f.
Der Landtagsabgeordnete Regierungsrat Anton Klocke (Ztr.) der, wie schon kurz gemeldet, in der Nacht zum Sonntag gestorben ist, war zu Brilon am 14. Juni 1864 geboren, hat also nur ein Alter von 49 Jahren erreicht. Die Nachricht von seinem Hinscheiden kommt überraschend. Wohl hatte Regicrungs- rat Klocke in den letzten Wochen über Ohrenschmerzen geklagt und Aerzte zu Rate gezogen, aber niemand hielt den Fall für so ernst und er selbst arbeitete noch bis in die letzten Tage in gewohnter frischer Weisem Heute, zum Beginn der Sommertagung des Abgeordnetenhauses, hätte er noch ein Referat in bet Kommission zur Vorberatung des Entwurfs betreffend Innere Kolonisation erstatten sollen., Gerade die Fragen der inneren Kolonisation, der Moorkultur usw. waren sein Spezialgebiet, bei dem er mit ganzer Seele mitarbeiiele. RegierungSrat Klocke war auch in den weitesten Kreisen geschätzt und beliebt als vortrefflicher Volks- redner. In Fulda ist er wiederholt in Volksvereins- versammlungen aufgetreten, und die Teilnehmer erinnern sich noch gern seiner frischen, volkstümlichen und überzeugenden Sprechweise. Für seine unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit im Dienste des Volksoereins ist ihm das katholische Volk großen Dank schuldig. Sein Andenken wird in Ehren bleiben.
Zu den LandtagZwahle».
♦♦ Marburg, 31, März 1913. Der hiesige natio. nallrberale Verein beschloß, die Kandidatur des bis- hertgen Abgeordneten Prof. Bredt (Freikonservativ) wiederum zu unterstützen. Die rechtsstehenden Par- leien haben zur Kandidatensrage bisher noch nicht definitiv Stellung genommen.
Ausland.
* Die Unterschleife beim Bau des römischen Justizpalastes. Der jetzt in den Hauptzügcn veröffentlichte Untersuchungsbericht über den Bau des Justizpalastes ruft starke und peinliche Aufregung hervor. Eine Reihe bisher einflußreicher und angesehener Abgeordneten wird amtlich bwßgcstellit, darunter der frühere Unterstaatssekretär Pozzi, unter dessen Leitung die unerhörten Treibereien der Bauunternehmer erfolgten, die mit Hilfe befreundeter Abgeordneter immer neue Summen von der Regierung herausschlugen. Schwer belastet sind auch eine Anzahl weiterer Abgeordneter, darunter der Kassationsrat Moscg, Mitglied des Schiedsgerichtes. Es ist bezeichnend, daß die Helden dieser Unredlichkeiten die schärfsten Angreifer des Justizministers Nasi waren. Die Angelegenheit dürfte noch fatale Nachspiele haben.
A DaS klassische Land der Fahnenflüchtigen ist zweifellos Frankreich. In der französischen Kammer stellte biejer Tage bet Kriegsmimster fest, daß seit dem Jahre 1908 die Zahl der Deserteure zirka 2500 und bie Zahl derjenigen, die sich nicht stellten, zirka 10000 beträgt.
△ Katholikenseindliche Kundgebungen in Spanien. Vor einigen Tagen haben in 'Madrid die Katholiken- teinde 11 Versammlungen abgehallen, in denen zugunsten der„Gewlssenslreiheit" und der Neutrali- lät in der Schule gesprochen wurde, d h. zugunsten der freimaurerischen Angriffe aus den christlichen Charakter ret Schule.
'+' lieber einen „längeren Kamps" im Bunde s r a t e weiß die „Tagt. Rundschau" zu berichten. "~'ct »lungere Kamps" soll fich um die Vermost e n s z u w a ch s st e u e r und die Veredelung Matrrkularbciträge abgespielt haben. b/N' das eine Verteilung nach der Kopfzahl festge- 'E wissen sollte, sei nach kurzem Widerstand den ,,Angriffen der Thüringischen Staaten, denen Sachsen und die süddeutschen Bundesstaaten beigesprun- gen, erlegen. Ob diese Mitteilungen richtig sind, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Daß die „Tägl. Rundschau aber mit diesem, aus reiner Sensationslust erfolgten Ausplaudern von Dingen, die sich hinter den Kulissen abgespielt haben'die sie nur durch eme grob: Indiskretion erfahren haben kann, dem Ansehen dos Bundesrats nichts genützt hat, steht außer Zweifel. Was die „Tägl. Rundschau" schrieb, ist wohl sensationell, aber nicht — national.
© Die „Bayerische Staatszeitung", richtet erneut die eindringliche Mahnung an Presse und Parteien, sich tn ihrer Kritik an den Entwürfen von der Ueber- zcugung leiten zu lassen, daß die verbündeten Regierungen in Erkenntnis einer nationalen Notwendiq- keit handeln, wenn sie das deutsche Volk zu solch einer gewaltigen Sctfhnig aufrufen. Es sei dringlich zu wünschen, daß die Kritik sich nicht in Ge- daiikengänge verliere, welche den Anschein erwecken konnten, als stünde die Reichsleituna, als stünden die verbündeten Regierungen den Wünschen des deutschen Volkes fremd gegenüber, als deckten sich ihre Forderungen und Vorlagen nicht mit den vitalsten Interessen Deutschlands. — Daß ein Blatt wie das „Berl. Tageblatt" an einer solchen Aeußerung des bayerischen Regierungsorgans abfällige Kritik ubt, ist weiter nicht verwunderlich. Ein Blatt aber
Der Gras von Tarent.
17] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
„Bleibet hier im Lande und denkt nicht mehr daran", fuhr die Witwe fort. „Wie schön ist's doch am warmen Kamin, wenn draußen der Sturm durch die Luft braust. Jetzt sind wir noch jung, aber die alten Tage bleiben nicht aus —"
Bixio mußte dreimal nacheinander meßen.
. „Dann tut es Euch gut, Herzensschatz, Vnn Ihr °we liebende Hand um Euch habt, welche für das wrperliche Wohl sorgt. Ich habe einen Balsam, der hust gegen Rheumatismus und viele Gebrechen, und an meinem guten Willen soll's niemals fehlen —" : Bixio begann mit der Linken einen Kriegsmarsch ?Uf der Seitenlehne der Bank zu trommeln. Wenn ich wieder heimkehre," schrie er ihr in's Ohr, „bann A . sicher, daß ich auf Windesflügeln zu Euch eile Mein Herz lasse ich zurück als Pfand."
«Bester, einziger Mann, redet nicht so wahnwitzige <sorte. Ihr macht mich unglücklich über alle Maßen, -olctbet bei mir, wenn Ihr es verlangt, ich verschreibe Ui*, ein zweites Gut, das jährlich siebzehntausend ^owtkudi abwirft, Ihr könnt ein herrliches Leben s>°ben, vergeßt das nicht."
» Aufmerksamkeit des Vicomte hatte sich in den
Minuten auf zwei gegenüber liegende Fenster Mtchtet. Er sah darin den Prinzen sitzen, den Herzog Testa, Grimaldi, den Marchese Tejano, vorne an be <r^e e*n:r Tafel den Baron Mencville, wie man utüch sehen konnte, mußte ein Spiel arrangiert d er®*- ^iu. Der Vicomte wunderte sich, wie kam ^^.^iuz dazu, sich vom Fenster zurückzuzieben?
«m *'te bejahrte Witwe beurteilte das Äbweigen des »mte unrichtig. Sie dachte, er nehme ihre Worte 44 'Msten und denke darüber nach.
y. ''"^e Männer von heutzutage handeln selten zu bossl" ^stenen Wohle," begann sie von neuem, „ich Sckr.rfr ma^t eine Ausnahme. Der Krieg ist etwas ve§' und wer daran teilnimmt, spielt mit ”KCt eigenen Leben. Wie loscht wäre es möglich.
Die Befitzsteuerfrage
wird im Reichstage wohl noch zu lebhaften Ausein- andersctzungen und Kämpfen Anlaß geben. Wie die „N. G. K " mitteilt, wird der Führer der Natwnal- liberalen, Abg. Bafsermann, im Namen der . liberalen Parteien bei der Beratuna der Hccresvor- lage und der für sie aufzubringenden Mittel im Reichstage die Einführung der Erbschaftssteuer beantragen. Auch die parteioffiziöse Natio- nalltberale Korrespondenz macht bereits scharf gegen die von der Regierung vorgeschlagene Lösung der Besitzsteuerfrage. Sie meint, das Zuwachssteuergesetz entspreche kemeswegs der Besitzsteuer, wie sie durch den bekannten Antrag Bassermann-Erz- berger vom Reichstag verlangt worden sei Dieses Gesetz werde auch nicht dadurch schmackhaft, daß als Vermogenszuwachs auch der durch Erbschaften erzielte gelten soll. Für besonders bedenklich wird der Plan der „Veredelten Matrikularbciträge" erklärt.
Wir wollen hoffen, daß diese Auslaffung nicht das „letzte Wort" der gesamten nationalliberalen Partei bilden wird. Aus den politischen lieber» lieferungen und Zielen der nationalliberalen Partei erklärt es sich ja, baß man dort wenig Vorliebe für das System der Matrikularbeiträge und mehr Vor- liebe für eine unmittelbare Besteuerung des Be- fitzes von Reichswegen hat. Im gegenwärtigen Augen- blick aber, wo das Reich vor so ungeheueren militärischen und finanziellen Aufgaben steht, müssen alle Parteien und also gewiß diejenigen, die sich „national' nennen, ihre parteipolitischen Stimmungen und Be- strebungen zurückstellen und nichts anderes im Auge haben, als die zweckmäßige Befricbiguna der brennenden Reichsbedürfnisse. Auch für irgend welche Revanchegelüste ist in dieser kritischen Lage des Reiches kein Raum. Ebensowenig ist es gerechtfertigt, den Reichstagsbeschluß wegen der Besitz- steuer, der auf einen vereinbarten Antrag der National- liberalen und des Zentrums gefaßt wurde, so auszu- legen und auszunutzen, als ob er das vorgeschlagene, viel weiter greifende Deckungsversahren verbiete.
Der Antrag Basser nann.Erzberger forderte eine allgemeine Besitzsteuer, ohne die Art genau« zu bestimmen. Es wurde nur verlangt, daß sie den verschtedenen Arten des Besitzes gerecht werbe. Ob sie als regelmäßige Abgabe von Besitz oder als Abgabe beim Erbfall erhoben roetoen sollen, ließ man dahingestellt. Ter Zweck des Antrages war, die Deckung des damals vorhandenen Bedarfs nicht abermals auf den Verbrauch oder Verkehr zu legen, sondern vielmehr auf den Besitz, auf die letstungsfähigeren Schultern nach dem Maßstab bet Leistungsfähigkeit. Als Ziel des Antrages war bte Aufbringung von 50—60 Millionen jährlich gedacht, zur Deckung bes Bedarfs, der vor der jetzt geplanten Rüstungsverstärkung sich im Reichs- haushalt ergab.
Inzwischen hat fich nun die Sachlage vollständig verändert. Statt eines Schocks von 60 Millionen werden jetzt 200 Millionen für das Jahr gefordert, und außerdem sind noch weitere 1000 Millionen f-"r einmal aufzubringen. Kann man behaupten, baß
Regierung ober der Reichstag sich verpflichtet hätten unb gedunben seien, auch diesen kolossalen Neubedarf durch eine „allgemeine Besitzsteuer" aufzubringen? Nein, ein rechtlicher Zwang besteht nicht. Trotzdem hat die Regierung auch bei dieser riesig erweiterten Aufgabe sich an den Grund- 9ebanten des Antrages Ba,sermanu-Erz- berget gehalten. Es sind lauier Besitzsteuern, die zur Deckung herangezogen werden, keine Massen- oelastung. Der Wehrbeitrag kommt iogar dem Ideal einer allgemeinen Besitzsteuer nahe und ist sogar eine unmittelbare Reichssteuer. Er wird von allen leistungsfähigen Vermögen erhoben und durch die Heranziehung des Einkommens von gewisser
Deutsches Reich.
" Berlin, 3l.März 1913. Der,Rei ch'Sanzeiget I veröffentlicht die Bedingungen für die Vergebung von Arbeiten uns Lieferungen in der Staatsbauverwaltung. I ** Nach der Osterpause. An diesem Dienstag tritt I da? Abgeordnetenhaus, am Mittwoch der I Reichstag zum erstenmale wieder nach den Öfter» I fetien zusammen. DaS Abgeordnetenhaus wird zu- I nächst über den Gesetzentwurf, betreffend die Bereitstellung der Staatsmittel zur . inneren Kolonisation, der Reichstag über den fortschrittlichen Fideikommiß- antrag beraten.
* Eine Kundgebung Evangelischen Bundes gegen die Aufhebung d-S Jesuiiengeffejes. In den Tagen vom 25. bis 27. März hat der Gesamtvorstand des Evangelischen Bundes in Eisenach seine alljährliche I Frühjahrsversammlung abgehalten — natürlich unter I vollem Ausschluß der Oeffentlichkeit — und habet I folgende Resolution gegen die Aufhebung beS I Jefiiitenaesehes angenommen:
I „ ~cr Jn Eisenach zur Frühjahrstagung versammelte Gc,amtvorstand des Evangelischen Bundes zur Wah- I rung der deutsch-protestantischen Interessen spricht unter Hinweis auf die zahlreichen Kundgebungen aus evangelischen Volkskreisen die bestimmte Erwartung aus, daß der BundeSrat dem Beschluß des Reichstages betreffend die Aufhebung des Jesuitengesetzes, die Zustimmung versagen wird.
Der Gesamtborstand erblickt in der vom Zentrum und Polen erhobenen, von den Sozialdemokraten, nicht aber von den übrigen Parteien unterstützten Forderung völliger Bewegungsfreiheit des in seinem Wesen unveränderten Jesuitenordens eine Kampfansage an den protestantischen Volksteil, die konfessionellen Frieden und die [ nationale Wohlfahrt ernstlich gefährdet.
In bte,er erniten Zeit, wo an bte Einigkeit aller bürgerlichen Parteien und an bi« Stärkung ihrer Opserwilligkeit die höchsten Anforderungen gestellt werben, da muß her Evangelische Bund auf» neue den Samen her Zwietracht säen. Es ist widerliche teuchelei, wenn her Gesamtvorstanb des Evangelischen unheS bie gerechte Forherung beS katholischen Volkes nach Aushebung beS Jesuitengesetzes, eines Ausnahmegesetzes, baS sich gegen bie katholische Kirche richtet, als „eine Kampfansage an den protestantischen Volksteil" hinzustellen sucht. O nein, die Kampf- anfage, bie in dem Jesuitengesetze enthalten ist, war I von Anfang an unb ist jetzt noch gegen bie katholische Kirche und gegen bas katholische herrische Volk gerichtet, und bie Fortdauer des Jeiuitengesetzes ent« Friedens* f°£t0e^te’ Störung des konfessionellen
* ®eta, 31. März 1913. DaS Beileidstelegramm des Kaisers an den Fürsten Heinrich XXVII. von Reuß gelegentlich des Ablebens Heinrich XIV. ist in sehr herzlichen Worten gehalten. Es gedenkt des nahen Verhältnisses des Verstorbenen zum Vater deS Kaisers unb wünscht dem Fürsten eine gesegnete Regierung.
* Straßburg, 31. März 1913. Die elsaß-lothriu- glsche Regierung hat für Elsaß-Lothringen das deutschfeindliche Hetzblatt Mat in verboten. Der Anlaß zu diesem Verbot dürfte in einem der letzten Artikel des Matin über Elsaß-Lothringen zu suchen sein, in welchem Ereignisie der letzten Wochen und Monate entstellt, gefälscht und in einer für die Re-
Finster wurde es auch in dem Herzen der Frau vom Eulenhofe.
Das Fest schien beendet.
Lieber Leser! Folge dem Autor in das Spiel- I zimmer des Palastes Guastalla und sieh, was sich I hort ereignete, das den Vicomte Bixio in rasender I Eile herbeistürzen machte. Folge mir zum Schlußakte I des Dramas.
10. Entlarvt.
Das Spiel war längst im Gange. Die wenigsien der Anwesenden waren an dem heutigen Abend mit Geld versehen und hatten von dem Anerbieten des Prinzen, leihweise von ihm nach Belieben zu entnehmen, Gebrauch gemacht. Spielschulden galten in jener Zeit schon als Ehrenschulden, die unter allen Umständen bezahl! werden mußten.
Baron Meneville saß wieder wie damals in Rom an der Spitze des Roulettetisches. Er hielt wiederum Bank und genau wie am selben Abend begünstigte ihn das Glück im Anfänge in ausfallender Weise. Er hatte fünf Geldrollen zum Anfänge vorn Prinzen entlehnt, und nun lagen Haufen von Gold vor ihm. Manchmal Ijatte die Bank verloren, wenn niedere Einsätze standen, bei hohen Summen war der Bankhalter aber stets soweit der Gewinner gewesen.
„Ich soll die einzige Hand, die ich noch übrig habe, vom Spiele lassen," sagte der Marquis Grimaldi, „ein gutes Ding, daß die Ungläubigen mir den anderen Arm abgehauen haben, sodaß ich wenigstens nicht mit zwei Händen ausgeben kann. Monseigneur, wenn Sie so fortfahren, hat Baron Meneville begründete Hoffnung, zu einem guten Teile den Verlust hereinzubekommen, den er an jenem unvergeßlichen Abende in Rom erlitten. Nehmen Sie sich in acht, Hoheit, und setzen Sie nicht immer auf Schwarz, das unerhörte Glück, das Ihnen damals in dieser Farbe zur Seite stand, scheint Sie heute verlasien zu haben. Sehen Sie — was habe ich gesagt — die -I fünfhundert Dukaten, die Sie eben gesetzt, sind, den Weg allen Fleisches gewandelt. Auch der Herzog von \
das, wie die „Tägl. Rundschau", sich „Zeitung für nationale Politik" nennt, sollte doch eigentlich die recht notwendigen Mahnungen der „Bayerischen Staatszeitung" begrüßen. Zum mindesten sollte es schweigen, wenn ihm sein Auti-Hertling-Rappel eine zustimmende Aeußerung nicht gestattet. Doch nicht einmal das bringt die „Tägl. Rundschau" fertig. Es »cigt sich wieder, wie „sachlich" die Gesichtspunkte aussehen, nach denen die „T 'gl. Rundschau" selbst in den wichtigsten Fragen entscheidet.
Tesia ist um ein wohlgezähltes Hundert ärmer unb Fürst Guastalla wird gleich wieder eine neue Anleihe machen müssen."
Der Prinz von Indien hatte in der Tat den ganzen Abend hindurch verloren. Mit gleichgültiger Mine saß er da und sah Rolle um Rolle von Gold zur Bank hinüber wandern.
Hinter ihm stand der alte Jacobo, neben sich das Kästchen mit Rollen, das bei früherer Gelegenheit schon fein Erscheinen gemacht. Der alte Diener bebte vor Zorn, so oft er neue Rollen ans dem Kasten nehmen mußte. Er hätte laut weinen mögen vor Slerger, nicht des Geldes wegen, sondern weil Baron Meneville es fast unfehlbar nach wenigen Minuten in Empfang nahm.
„Lieber Herr Marquis, das Glück hat seine Launen, die respektiert sein wollen," entgegnete der Prinz, „die Hauptsache ist, daß man immer kaltes Blut dabei behält. Sehen Sie auf den Herzog von Tesia, der nicht mit viel weniger im Verluste sich befindet, als ich — keine Muskel in feinem Gesichte bewegt sich. Mich ermüdet das Spiel leicht, ich wollte, mein Freund Bixio wäre da. Der lose Vogel muß in irgend einem Winkel fitzen und Liebesschwüre austauschen, denn ich habe ihn überall suchen lassen, um ihn an den Spielfisch zu ziehen, aber meine Diener konnten ihn nirgends finden."
„Wollen Sie wieder ein Kompagniegeschäft mit ihm gründen?" fragte der Baron Meneville in lauerndem Tone.
„Vielleicht." entgegnete der Prinz in müdem Tone, „ich liebe feine" Nähe und schätze ihn hoch. Ich bin überzeugt, daß er zur rechten Zeit unter uns erscheinen wird."
„Er würde sicher hier fein, Hoheit, wenn er wüßte» daß ihm ein zweites Vermögen in den Schoß fällt." Baron Meneville hatte diese Worte in einem hämischen Tone gesprochen, ans denen der Haß gegen den Abwesenden hervorklang. „Werden Sie mich auch heute zum Halten der Bank treiben, Hoheit?" setzte er hinzu.
(Fortsetzung folgt.)
daß Ihr, herziger, lieber Mann, als Krüppel nach Hanfe kommt. O, wie schrecklich wäre das!"
Seine Aufmerksamkeit über die Vorgänge da drüben wurde nun reger und reger. Ihm schien, daß etwas vor sich ging, denn die Mienen aller waren erregt. Bixio hörte auf die Worte der Alten nur mehr mit halbem Ohre.
„Wer sollte Euch pflegen, wenn Ihr nachts verwundet auf dem Schlachfelde liegt?" fuhr sie unverdrossen fort. „Ich, die ich das meiste Recht hätte, bin weit entfernt — was ist Euch, Liebster, Ihr achet nicht darauf, was ich spreche?"
„Ich glaube, daß eine Türkin mich finden würde und —
Er hatte die Worte in der Zerstreutheit gesprochen, denn seine ganze Aufmerksamkeit war auf da drüben gerichtet. Er vollendete den angefangenen Satz nicht. Sprachlos blickte sie dem Manne ins Gesicht. Sie gewahrte, daß eine Veränderung mit ihm dorging.
So war es auch. Etwas Ungewöhnliches schauten seine Augen — etwas Unerhörtes. Er konnte die Worte nicht vernehmen, die da drüben gesprochen wurden, aber die Geberden und Bewegungen sagten alles. Bixio glaubte, in einem wilden Traume befangen zu sein. Seine Augen hatten sich west geöffnet und blitzten, seine Nüstern blähten sich vor Zorn die Hand ballte sich zur Faust.
„Was ist Euch, Herzensmann? — Ich —" Tie Fran vom Eulenhofe vollendete ihre Rede nicht, denn der Vicomte war plötzlich aufgesprungen.
„Holle und Teufel' Der Schurke wagt es —“
Birio hatte die Worte in höchster Erregung aus- oestoßen. In der nächsten Sekunde stürzte er aus her kleinen Grotte und eilte in weiten Sprüngen hinüber .nach der andern Ssite des Palastes.
Die liebestolle Witwe war allein. Verwirrt schaute sie dem jungen Manne nach.
Unten in den Höfen standen die Sänftenträger in langen Reihen, die heimkehrendcn Gäste nach Hause zu bringen. Oben am Himmel schob sich eine Wolkenbank vor den Mond unb verfinsterte die Nacht. |