Fuldaer Zeitung
Monats-Beilage:
s Eiebtmgsliften »er preußisch-süddeutschen Kfafftn-Ielttrie. —
s s Wochen-Veilage: z z
Illustrierte Sonntagszeitung
«rfdwtM toflM) mR Ausnahme »er Sann- und ßeiertage. vierte«- Ehrlicher Bezugspreis ahne vringerlahn und Bestellgeld in Zulda |dwI* auswärts 1-50 Mark. — Rotationsbrudt und Verlag der t s Zuldaer fldienbrudterei In $ul6a. Zernsprecher Nr. 9. s s
c«loney«tt'. 47 mm breit, taflet 13 Pf».
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■^tttrie. - «aldjöhrlich Taschenfahrplan. s n*T "* $°'SÄ t,10*,^Ubr
Nr. 73
Crstes Blatt:
Montag den 3l. Märr 1913
40. Jahrgang.
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einem bespannten Beobachtungswagen, die Batterien des niederen Etats aus sechs Geschützen und einem Beobachtungswagen (bespannt). Die reitenden Batterien haben vier Geschütze und vier Munitionswagen bespannt. Auch die Fußartillerie und die Pioniere erhalten Etatserhöhungen.
Ueber die Wehrvorlage und die neu veröffentlichte Denkschrift über daS Marineluftschifswesen rft noch folgendes zu berichten.
Im einzelnen werden 1913/15 neu geschaffen:
Ü. a. 1 Armeeinspektion, 2 Festungsgouverne- inents, 1 Festungskommandantur, 1 Inspektion der Maschinengewehrtruppen, 4 Kavalleriebrigadestäbe, 1 Fußartilleriebrigade, 1 Pionierinspektion, je eine
bis an ihr Lebensende. Ich könnte ja dreimal des Tages zu ihr kommen und Frühstück, Mittag- und Abendessen mit ihr entnehmen. Aber ich zweifle, ob sic völlig damit einverstanden sein würde. Sie will menschlicher Berechnung nach mit mir am Hellen Tage spazieren gehen und sich brüsten mit dem Besitze des viclbegehrten Bixio. So was kann ich aber nicht zugcben, lieber würde ich mein ganzes Leben lang gekochte Stiefelsohlen essen."
„Am besten ist s, ich lasse die Zunge von dem Brei, er ist zu heiß. Neigung mutz doch auch sein, wenn ich aber mit ihr allein auf der Welt sein würde, und sie würde mir das erste Mal begegnen, ich wette ein Königreich gegen ein ungewaschenes Hemd, daß ich zu ihr sagen würde: Gehe Du nach Westen, mein Weg führt gen Osten! Ich muß jetzt anfangen, kälter gegen sie zu werden, damit sie Lunte riecht und die Hoffnung auf mich aufgibt. Ich will ihr ihr Unglück tropfenweife beibringen, wie die Katze ihrem Gesicht das Wasser. Kommt es zum Schlimmsten aber, dann ist sie selbst schuld an der ganzen Geschichte, denn in ihrem vorsündflutlichcn Alter hat sic nicht den Schatten eines Rechtes gehabt, mich, Bixio, bei nächtlicher Stunde in ihren Garten zu laden mit der kaltblütigen Nachschrift „Harret und hoffet!"
„Reizt Euch der hohe Sold, Herzallerliebster?" fragte die Witwe.
"„Hoher Sold mich reizen? mich? Ich habe mich mein Leben lang nicht ums Geld gekümmert. Ueb- rigens besitze ich von diesem Stoffe mehr, als ich brauch:. Der Jsidoro Baruch hat siebzigtausend Dukaten für mich in Verwahrung — fragt ihn selbst."
Die Alte blickte ihn etwas zweifelnd an, sie hatte olche Antwort nicht erwartet. „An dem Tage, da unser Ehekontrakt unterzeichnet wird, verschreibe ich Euch, herziger, liebster Mann, das Gut San Lorenzo als freies Eigentum."
Ter Vicomte machte mit der Hand eine wegwerfend: Bewegung. „Ihr seid ztft gütig, mir eines von Euren Gütern anzubietcn, aber mein Sinn trebt nach Höherem."
„Es ist doppelt so viel wert, als die Mitgift der Chigi —"
Die Witwe kämpfte mit gich selbst. „Ich gebe Brief und Siegel, Liebster, seid Ihr zufrieden?": sagte sie.
Bixio blies die Backeu auf. „Sie wird weich? wie ein Eidotter", sagte er zu sich selbst, „um mich zu erringen, sagt sie sich vom Teufel der Habsucht los, und ein kranker Spatz kann erkennen, daß das Herz ihr dabei blutet. Ah, wenn das in früherer Zeit gewesen wäre, als ich noch auf die paar Goldfüchse einer mitleidigen Tante angewiesen war. Aber der Wert eines Mannes, wie ich bin, ist im Steigen begriffen. — Ich habe die Auswahl und kann mir meine Zeit nehmen. Damals hätte ich ange-i biffen, ohne Frage, seitdem ist aber mein Wett fabelhaft in die Höhe gegangen. Bleiben wir bei unserem Entschlüsse, die abgetragene Alte wird bei- sette gelegt, sie mag murren darüber, so viel sie will. Mer delikat muß die Sache verrichtet werden, damit ihr der Sprung vom lauen Frühling in den eisigen Winter nicht die Zähne klappern macht."
„Herzensschatz, Ihr antwortet mir.nicht? Ueber« Haupt seid Ihr so ganz anders —"
„Daran ist der Türkenkricg schuld", entgegnete er bedächtig. „Ich fühle, daß ich daran teilnehmen muß, denn der Gedanke, jeden Tag ein Dutzend Muselmänner zu schlachten, läßt mich freier atmen, meine Gesundheit erfordert es. Der ganze männliche Teil der Türkei muß ausgerottet werden. Diese Leute haben die Gewobnbeit, gefangenen Christen die Nasen und sämtliche Obren abzusckncidcn, das fordert mein Rachegefühl heraus. Als Kapitän ziehe ich in den Krieg, als Feldmarschall kehre icb zurück. Schon bei meiner Geburt hat eine würdige Frau ge- weissagt, es stecke in mir das Zeug zu einem berühmten Heerführer . . ."
„Liebster, bester Mann, trauter Herzensschatz, Ihr tut mir wehe. Es ist Wahnwitz, was Ihr sprecht Bleibet bei der Gegenwart, denkt an einen häuslichen Herd und an eine sorgsame Hausfrau, die äu Euch paßt —"
Ter Vicomte wurde plötzlich von einem Husten-, cmfalle befallen.
(Fortsetzung folgt.)
Ueber die Verwendung der einmaligen Ausgaben, die auf 884 Mill. Mk. angejetzl sind, wird mitgeteilt, daß bei Preußen, Sachsen und Württemberg entfallen auf: Mill. Mk.
Magazin-Verwaltung . . 4 4 . t Bekleidung und Ausrüstung . . . . Unterkunft...........
Truppenübungsplätze und Schießstande Trainwesen (Feldküchen usw.) . , . Medizinalwesen ........
Pf rdebeschaffung usw. . . . . . Artillerie- und Waffenwesen . . . . Ingenieur-, Pionier-, Verkehrswesen . Luftfahrwescn ....... 4 . Festungen..........
Vorübergehende Unterkunft . . . . Verschiedenes.........
Die geforderten 18 neuen Bataillone werden bei folccnden Regimentern amgestellt: 5. Garderegiment zu Fuß, Garde-Grenadier-Regiment Nr. 5, Jnkanterie- regiment 152, 153, 154, 156, 157, 158, 159, 162, 164, 167, 168, 169, 170, beim 22. und 23. bat)et. Infanterie-Regiment und bei einem württembergischen Regiment. Bemerkenswert ist der hohe Betrag für das L u f t s a h r w e s e n, das die bisherigen Schätzungen weit übersteigt. Der Ausbau der Festungen erfordert 210 Millionen; wofür diese im einzelnen verwandt werden sollen, wird nicht gesagt. Sie sind aber hauptsächlich zum Ausbau unserer Ostfront bestimmt. In erster Linie kommt Graudenz, Posen und Breslau in Betracht. Der Bau zahlreicher Festungswerke bedingt auch die Vermehrung der Fußartillerie.
Bei der neuen Militärvorlage muß berücksichtigt werden, daß darin nicht diejenigen Forderungen enthalten sind, die durch den regelmäßigen Etat für 1913 bereits eingebracht worden waren. Es handelt sich dabei um 2 Bataillone, 95 Mafchinen- gewehrkompaanien, 1 Kavallerieregiment, 10 Feldbatterien, 1 Fußartilleriebataillon zu drei Batterien, 11 Scheinwerferzüge, 1 Etsenbahnbataillon zu drei Kompagnien und eine württembergische Eisenbahn- kowpagnie, eine Kraftsahrkompagnie, fünf Train- kompagnicn.
Die Marin-lustschiffvorlage. —
Nach der von der,Nordd. Allg. Ztg/ veröffentlichten Denkschrift über das Marineluftschiffwefen fordert der Ergänzungsetat 3 Millionen Mark für das Luftschiffs, und Flugwesen der Marine. Geplant find zwei Luflschiffstaffeln von je vier in Dienst befindlichen Luftschiffen und einem Luftschiff als Materialreserve. Für beide Staffeln ist ein Standort geplant mit vier Doppeldrehhallen für die in Dienst befindlichen Luftschiffe und zwei festen Hallen für die Materialreserve. Für die durchschnittliche Gebrauchsdauer der Luftschiffe sind vier Jahre angenommen.
Für die Flugzeuge sind eine Mutterstation und sechs Außenstationen mit zusammen 50 Flugzeugen, von denen 36 in Dienst gehalten werden, vorgesehen.
Die Luftschiffe erfordern während der Jahre 1914 bis 1918 35 Millionen Mark. Hiervon entfallen 11 Millionen Mark auf tue Beschaffung der Luftschiffe, 14 Millionen auf die Herstellung der La> danlagen und 10 Millionen Mark auf laufende Kosten. Da für 1914 und 1915 bereits vier Millionen zu Luftschiffzwecken ausgeworfen waren, beträgt der Mehrbedarf in den genannten fünf Jayren 31 Mill. Mark.
.Die Beschaffung der Flugzeuge erfordert 3 Millionen, dte Landanlagen dafür 4 'Millionen und der Betrieb 2 'Millionen Mark.
An Personal sind 1452 Deckoffiziere, Unter- offiziere und Mannschaften erforderlich, deren Besoldung und Verpflegung für fünf Jahre etwa 6 Millionen Mark erheischt. Die Gesamtkosten de- laufen sich demnach auf 50 Millionen Mark, die Jahresraten betragen durchschnittlich 10 Mill. Mark.
J? Wie kann der Reichstag fertig werde» ?
Ein riesiger Stoff mit tausend Schwierigkeiten! Wenn die Beratung im Stile der Etatsdebatten ge- führt werden sollte, würde der Reichstag in einem Jahre nicht fertig werden. Das Ansehen des Reiches in der Welt und fein inneres Wohl erfordern aber eine schnelle Erledigung. Ist die möglich, ohne daß die Beratung oberflächlich und leichtfertig wird?
Ja wohl, aber unter.zwei Voraussetzungen.
Erstens muß sich im Reichstag eine Arbeits- Mehrheit bilden, die entschlossen ist, eine rein sachliche Behandlung der Fragen nicht bloß selbst durchzuführen, sondern auch von der Linken zu er- zwingen. D. h. die Linke an den üblichen agitato- rischen Reden und Demonstrationen zum Fenster hinaus sowie an den parteipolitiichen Quertreibereien zu hindern. Solche Gefahren kündigen sich bereits jetzt an. Nicht allein in der sozialdemokratische» Presse, die alles verneint und vernichten möchte, londern auch in linksliberalen Blättern, die trotz allem Entgegenkommen der Regierungsvorlagen ihre alte Hetze wegen der .Besitzsteuer" und der direkten Erb- fchaftssteuer fortsetzen und namentlich der Landwirt» schäft, die so wie so schon durch die stärkere Rekrutierung vorwiegend belastet wird, noch besondere Saften; auspacken wollen.
Wenn nicht eine zielbewußte Mehrheit die Zügel in der Hand hält, so wird der Karren im Sumpf stecken bleiben. Da muß die nationalliberale Partei, wenigstens ihre defferen Elemente vom rechten Flügel, sich der Verantwortlichkeit bewußt zeigen, die ihnen den alten Namen und die gegenwärtig ausschlaggebende Stellung im Reichstag auferlegt.
Zweitens aber muß auch die Regierung das ihrige tun, um die Beratungen flott und frucht- bar zu machen. Aut ben verhängnisvollen Gedanken, mit der einen Mehrheit die Wehrvorlage und mit der anderen Mehrheit die Deckungsvor» lagen zu erledigen, darf sie sich keinen Augenblick und auch in keinen Einzelheiten einlaffen. Was wirk- lich notwendig ist, darf und muß die Regierung! mit Festigkeit aufrechterhalten, ober sie darf nicht au§ Liebhabereien oder um Nebenzweck willen den Begriff der Notwendigkeit überspannen, sonderst muß in dubiis libertus, in allen zweifelhaften Dingen die Freiheit gelten lassen, d. h. den Ansichten und Wünschen der Volksvertretung soweit entgegenkommen,! alS es die vaterländischcn Interessen überhaupt gestatten. Das gilt besonders hinsichtlich der Steuerfragen; aber in gewissem Maße auch für dK Einzelheiten der Wehr Vorlage.
Wenn die Notwendigkeit der Heeresverstärkung grundsätzlich leicht nachzuweisen ist, so muß doch noch, wer sich auf den Grundgedanken der Vorlage stellt, den Beweis der Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der ausgestaltenden Einzelheiten verlangen. Können wir die Mehreinstellung bis auf 63000 Mann jähr- lich steigern, ohne daß halbtauglicher Ballast in die Truppe gerät? Wird das bejaht, dann erhebt sich die weitere Frage, ob diese ganze Menge von neuen Kommando- und Verwaltungsbehörden, von sonstigen! Neueinrichtungen und Bauten re. allzumal in dieser
Der Gras von Tarent.
»6] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
Bixio hatte während ihrer Rede seine Kaltblütigkit wieder gefunden. Er fühlte, daß er es in der Hand hatte, die Situation zu beherrschen. Sofort glug er zur Offensive über.
„Im allgemeinen pflichte ich Euch bei bezüglich der Mädchen von heutzutage", sagte er unbefangen, "fte wollen zu schnell unter die Haube kommen und gehen stracks auf ihr Ziel los."
Das Gesicht der Witwe wurde anscheinend um mren Zoll länger; sie war sprachlos. Bixio bemerkte, daß ihr der Atem nicht normal, sondern stoßweise 9tog und kam.
„Das Beste wird fein, wir beschleunigen die An- Nelegenheit, damit dieses leichte Weibervolk sieht, daß vffr zu mir gehört", sagte sie.
. Er pfiff leise durch die Zähne. „Es naht Gewähr", sagte er zu sich selbst. „Bixio halte Augen und Ohren offen!" Dann näberte er sich ihrem Lhre.
, „Was meint Ihr denn mit dem Beschleunigen?" 'eagte er.
„Was habt Ihr gesagt, liebster Mann? Ich habe nicht verstanden."
Bixio machte ein verzweifeltes Gesicht. „So eine ^eetur hat die Courage, die Hand nach einem ■scanne, wie ich bin, auszustrecken", sagte er grim- “!’& "sie ist alt wie Abrahams Sarah, hinkt wie ein ?°k!Etriebener Sandgaul, und wenn man mit ihr föTicfji, muß man schreien, daß die Leute in einem Stoäcn Stadtteil vom Schlafe aufschrecken." , .'-8ch wollte wissen, welche Angelegenheit Ihr veschleunigen wollt?" schrie er.
R Sie schaute ihn verwundert an. „Was sonst, I^?"sschah, als unser baldiges Eintreten in den .cstand", sagte sie in weichem Tone. „Heute abend ^are es eigentlich passend, zu verkünden, daß wir „ E ""ander versprochen haben. Die Gräfin Tarent ^?0dr Baron Mencville haben es auch so gehalten. Aieoet Irrtum wäre dann ausgeschloffen."
x Die neue HllkMklW.
Die am Freitag abend in der ,Nordd. Allg. Ztg.' ^ngetünoigien Gesetzentwürfe über die Heeresverstärkung and über die Deckung der Kosten sind bereits am Samstag dem Reichstage zugegangen. Am Samstag ver- Sffenlltchte die .Nordd. Allg. Ztg/ den Wortlaut der Deckungsvorlagen mit Begründung sowie die Denkschrift über das Marineluftschlffwesen.
Die Mitteilungen, die wir aus den D e ck u n g s v 0 r - tagen nach dem ersten osfi, töten Auszuge veröffentlichten, gaben ihren Inhalt erschöpiend wieter, sodaß nur noch Einzelheiten nachzutragen sind:
Der Wehrbeitrag (die einmalige Bermögensab- libgebe) wird vom Vermögen erhoben. Sils Vermögen bezeichnet der Gesetzentwurf: 1. Grundstücke einschließlich des Zubehörs (Grundvermögen); 2. das dem Betriebe der Land- ober Forstwirtschaft, des Bergbaues oder eines Gewerbes dienende Vermögen (Betriebsvermögen); 3. das gesamte sonsttge Vermögen (Kapitalvermögen). Zu letzterem werden Möbel, Hausrat und dergleichen in der Regel nicht gezählt. Nach § 11 der Vorlage sind beitragspflichtig alle Angehörigen des deutschen Reiches.
Zur Abgabe der Vermögenserklärung ist verpflichtet, wer em Vermögen von mehr als zehntausend Mark besitzt. Außerdem sind die Einkommen über 50 000 Mark ebenfalls dieser Steuer unterworfen. Die Steuer, dre ohne Rücksicht auf die Höhe des die bezeichneten Grenzen übersteigenden Vermögens bezw. Einkommens ein halbes Prozent, i>ezw. 2 Prozent beträgt, ist zur Hälfte binnen einem Monat nach Zustellung des Veranlagungsbeschcides, zur anderen Hälfte bis spätestens zum 31. März 1915 zu entrichten. Sie kann, wie bereits berichtet, bis auf drei Jahre gestundet und auch in Teilbeträgen erstattet werden. Der Anspruch der Staatskasse auf den Wehrbeitrag verjähtt in vier Jahven.
Wer bei der Vermögenserklärung unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zum zwanzigfachen Betrage der gefährdeten Wehrbeiträge bestraft. — Das Vermögen von Eheleuten wird zusammengerechnet, sofern sie nickt dauernd getrennt von einander leben
Bei der Besitzsteuer, die, wie schon berichtet, als Eventualgesetz vorgeschlagen wird, betragen die Steuersätze bei einem steuerpflichtigen Vcr- mögenszuwachs von 25 000 Mark an ein halbes und wachsen Ms 1,5 Prozent des Zuwachses bei einem Zuwachs von mehr als einer Million Mark. Außerdem erhöht sich die Steuer von 0,1 Prozent des Zuwachses bis 1 Prozent desselben, in dem Maße, in dem der Gesamtwert des steuerbaren Vermögens sich von 100000 Mark an bis auf 10000 000 Marl erhöht.
Das Erbrecht des Staates tritt ein, wenn jemand ohne Hinterlassung eines Testamentes gestorben ist und weder Kinder, noch Geschwister, noch Geschwisterkinder, noch Großeltern vorhanden sind. Sind nur die einen Großeltern nicht mehr vorhanden, so wächst das Erbteil, das sie erhalten hätten, nicht etwa ihren Erbberechtigten zu, sondern an ihre Stelle tritt der Fiskus, so daß er neben dem vorhandenen Groß- elternteil erbt. Bon den Einnahmen, die der Staat aus dem Erbrecht des Fiskus erzielt, bekommt das Reich drei Viertel, der betreffende Bundesstaat ein
Inspektion der Telegraphentruppen, der Luftschiffer- truppen, der Fliegertruppen, des Festungsverkehrswesens, 12 Landwehrinspektionen, 4 Kommandanturen für Truppenübungsplätze.
Infanterie: 15 Bataillone, 14 Radfahrerkompagnien, 14 Maschinengewehrkompagnien, 15 Festungs-Maschinengewehrabtcilungen, Etatserhöhung bei 465 Bataillonen und 9 Maschinengewehrabtei- lugen, Vermehrung der Stabsoffizier- und Hauptmannsstellen.
Kavallerie: 6 Regünentsstäbe, 30 Eska- drons, Etatserhöhung bei sämtlichen Regimentern, Verstärkung der Reitschulen, Vermehrung der Ritt- meisterstellen.
Feldartillerie: Etatserhöhung bei sämtlichen Batterien und dem Lehrregiment der Feldartil- lerieschießschule, Vermehrung der Oberstleutnant- und Hauptmannsstellen.
Fußartillerie: 3 Regimentsstäbe, 6 Bataillone, 4 Bespannungs-Abteilungen, darunter zwei mit niedrigem Etat, Etatserhöhung bei sämtlichen Bataillonen, bei drei Bataillonen unter Errichtung fehlender vietter Batterien, und beim Lehrrcgiment der Fußartillerieschicßschule, Teilung der Bespau- nungsabreilungen mit niedrigem Etat, Vermehrung der Oberstleutnants-Zulagen und der Stabsoffizierstellen.
Pioniere: Ein Kommando der Pioniere eines Armeekorps, 2 Bataillone, Umwandlung der 8 Kommandos der Pioniere eines Armeekorps und von 8 Bataillonen in 8 Regimentern zu je 2 Bataillonen, 8 Scheinwerferabteilungen, Etatserhöhung bei 19 Bataillonen, Umwandlung der Schemwerferzüge in Scheinwerferabteilungen, Vermehrung der Offiziere usw. bei den Festungsbehörden.
Verkehrstruppen: Umwandlung des selbständigen Eisenbahnbataillons in ein Regiment, Etatserhöhung bei den Eisenbahnbataillonen, 1 Lehrabtci- lung bei der Funkerschule, 2 Luftschifferbataillone, Umwandlung der Fliegertruppe in 4 Fliegerbataillone.
Train: 1 Kommando des Trains, 1 Bataillonsstab, 20 Kompagnien, Etatserhöhung bei allen Bataillonen.
Sonstiges: 1 Kriegsschule, Vergrößerung des Kadettenkorps, Verstärkung der Unteroffizierschulen und Vorschulen, Verstärkung des Kriegsministeriums, des Generalstabs, der Adjutantur, der Traindepot- direttionen, der Artilleriedepots, des Zeug- und Fcucr- werkspcrsonals usw., 1 Sanitätsamt, Veränderungen und Verstärkungen bei den Sa n ilä ts ofsi ztercr, Verstärkung der Militärvcterinär-Akademie, Vermehrung und Verstärkung der Bezirkskommandos, Vermehrung der Hebungen des Beurlaubtenstandes, Erweiterung des Rahmens der größeren Truppenübungen, Berit- tenmachung von Verpflegungsoffizieren im Manöver, Verbesserung der Verpflegung von Mann und Pferd, Maßnahinen im Interesse der Krankenbehandlung und der Gesundheitspflege, freie Urlaubsreifen der Mannschaften in ihre Heimat. — Nach Turchführung dieser Maßegeln sind die sogenannten „kleinen" Regimenter vollkommen verschwunden. Es besitzen dann alle Regimenter drei Bataillone.
Bei den bayerischen, sächsischen und württembergischen Kontingenten treten ähnliche Vermehrungen ein.
Etatserhöhungen: Die Infanterie hat einen neuen hohen Etat und den bisherigen hohen, künftigen niederen Etat. Der erstere, dcr für die Grenz-Regimenter bestimmt ist, beträgt Pro Bataillon 721 Mann, der neue niedrige Etat entspricht dem bisherigen hohen Etat. Der hohe Etat der Kavallerie wird um 5 Unteroffiziere, 25 Mann, und 30 Pferde heraufgesetzt. Bei der Feldattillerie bestehen die Batterien des neuen hohen Etats aus sechs bespannten Geschützen, drei bespannten Munitionswagen und
Der Vicomte war sprachlos. „Ich will big-51t meiner Todesstunde keine andere Speise zu mir nehmen, wie Lebertran, wenn dieses würdige Frauenzimmer nicht mein Unglück bei den Haaren herbci- ziehen will. Dis Idee — ich Bixio, der Vielbegehrtc und diese Pergamentene Dame sollten uns als Liebende da Präsentieren! Lieber zimmere ich mir einen Galgen und lasse mich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang hinauf- und, wenn ich halb tot bin, immer wieder hcrunterziehcn." Wie gewöhnlich, hatte er diese Epistel zu sich selbst gesprochen. Nun wandte er sich zu ihrem Ohre, das sie ihm bereitwillig zuneigte.
„Gut Ding braucht lange Weile", sagte er, „große Eile schadet oft."
„Nicht in diesem Falle", erklärte sie bestimmt.
„Der Krieg ist zwischen den Veneiianern und den Türken ausgvbrochen, man hat mir ein Kapitäns- Patent und reichen Sold versprochen — wenn ich Ja sage, umarmt mich vielleicht bald die Todesbraut."
Die Witwe starrte ihn an mit angsterfüllten Blicken. Sic faßte feinen Arm am Handgelenk und hielt ihn fest. „Trauter, liebster, bester Mann, denkt nicht daran", bat sie, „ich lasse Euck> nimmer ziehen gegen die Türken, welche mich bereits einen Mann gekostet haben Hier ist Euer Platz."
„Die Sache reizt mich stark", sagte er hartnäckig, „ich lechze nach Türkcnblut. Gerne würde ich das Morgenland schauen und die Frauen, die dort leben. Man hat mir gesagt, sic gehen immer verschleiert, diese Türkensrauen. Würdet Ihr mir zuliebe das Gleiche tun?"
Er harrte gespannt auf die Antwort.
„Wie drollig Ihr redet, Herzallerliebster, wisset, daß ein Schleier im Winter ganz erträglich, in der Sonnenhitze aber recht lästig ist. Wer ein ehrliches Gesicht hat, darf es zeigen, das ist meine Meinung."
Er ließ enttäuscht den Kopf auf die Brust sinken. „Tiefe alte würdige Tarne scheint einen starken Willen zu besitzen", sagte er sich, „wenn sie sich nicht einmal dazu entschließen kann, ihr Gesicht vor den Leuten zu verbergen, dann bliebe nichts übrig, als die ganze Person in einen dunklen Turm zu stecken