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2. Blatt.

Druck fett .Wfeett Xetieetniemi in Seife«.

» Fuldaer Zeitung. «•

Samstag 29. März 1915.

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d« Zwinger fein, die sie den Unannehmlichkeiten, wie Se mit der jedesmaligen Anmeldung der Aenderungen n Hundebestande verbunden sind, überhebt. Außer» dem gilt die Steuer als eine Prämie für die Züchtung wertvoll« Hunderasien. Die Abänderung der KreiS-

Hundefteuerordnung wurde genehmigt.

Der Gastwirt Wilhelm Hildebrandt ist für die Nebernahrne der Stadtfaal» Restauration zu einer Wirtschafts-Erlaubnissteuer von 600 Mark veranlagt worden und beantragt die Ermäßigung der Steuer auf 300 Mark. Der Kreistag stimmte diesem An- trage zu.

Die KreiSkommunalkasfe hat für daS Jahr 1911 einen Ueberschuß von 20400 Mk. Davon sind 3000 Rtk. für em Krankenautomobil bewilligt und 6500 Mk. zur Erhöhung des Betriebsfonds dereitgestellt worden. Der Kreisausschuß stellt den Antrag, den Rest int Betrage von 10900 Mk. ver­zinslich anzulegen, um lür besondere Bedürfnisse des Kreises Mittel zur Verfügung zu haben. Ein Antrag des Herrn Ernst Kramer geht dahin, einen Teil deS Heber schuft es zur Anlage von Plätzen für das Aufschichten und Einbauen von Rollsteinen und zur Schaffung von steinernen Ruhebänken zu verwenden. Der Kreistag nahm nur den zweiten Teil des Antrages des Herrn Kramer an, indem er den Kreisausichuß beauftragte, an den von der Wegekommiftion bezeich­neten Punkien Ruhebänte anzubrtngen, wofür jährlich 1000 Mk. ausgegeben werden sollen. Herr Blspink regt an, für die Ausbesferung der Verkehrswege im Kreise 10000 Mk. auszuwerfen. Die Herren Halb- leid und Oberbürgermeister Dr. Antoni halten diefen Vorschlag, der nicht 10000 Mark, sondern 100000 Mark erfordern würde, für viel zu weit« Sehend. Auch der Vorsitzende ist der Auffassung, aß die Anregung des Herrn Bispink eine schwere Belastung des Kreises darstelle, sagt jedoch zu, daß die Angelegenvett im Kreisausschuß einet Prüfung

Kreistag.

J Fulda, 29. März 1913.

Kn bfTheutigen Sitzung de» Kreistages nahmen «niet dem Vorsitz des LandratS Frhr. v. Doernberg «z jkreiStagSmitglieder teil.

Die im November vorigen Jahre» «folgten Er- aänzungS- und Neuwahlen haben die Zahl der Kreis» lagsmittzlieder von 24 auf 26 «höht. AlS neue Mitglieder geböten dem Kreistag seit den letzten Dahlen an: Weingroßhändler Eduard Schmitt, aärtn« Hermann Breitenborn, Metzgermeister Karl Sunkel-Fulda, Apolhek« Dr. Köster-Neu'iof, Guts- brfltzer BiSpink-Trätzhof, Landwirt Anion Seuring- WchelSrod, Bürgermeister H«bert-Zirkenbach und Aflttn« Adam August Brehler-Bad Salzschlirf.

* Der Vorsitzende begrüßte die neuen Mitglieder mit dem Ausdruck d« Hoffnung, daß sie recht oft Gelegenheit haben möchten, sich den Verhandlungen mit viel Eif« und Erfolg zu widmen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung wies der Vor­sitzende aus den schmerzlichen Verlust hin, den der Kreistag durch daS am 15. Dezember v. IS. «folgte Hinfcheiden des Herrn AmtsgerichtSrateS Greib-Nen« hof «litten habe. Dank fein« Liebenswürdigkeit und feine» Pflichteifers halte sich d« Verstorbene des höchstens Vertrauen? des Kreistages zu «freuen. Wie die Verwaltung des KreiseS, so werde auch der Kreistag dem Dahmgefchiedenen ein treues Andenken bewahren. Die Versammlung ehrte ihn durch Er­heben von den Eitzen.

Für die Neuwahl eines Mitgliedes de» KreiSauS- fchufteS anstelle deS verstorbenen Amtsgerichtsrats Areiv schlug Herr Obttbürgermeister Dr. Antoni im Namen einer Reihe städtischer Mitglieder deS Kreis­tage» Herrn Karl Arnd vor. Dies« wurde durch Zuruf gewählt.

Für folgende Gemeinden wurden die SchiedS« »in ner und deren Stellvertreter neugewählt: Hof­bieber, Armenbos, Rex, Welkers, Harmerz, Neuenberg, Lehnerz, Marbach, Maberzell, Ünt«bimbach, Großen­lüder, Hainzell, Hosenfeld, Hauswurz, Flieden, Opperz ianb Zillbach.

| Die Vertrauensmänner für den Ausschuß zur Auswahl der Schöffen und Geschworene für das Kalenderjahr 1918 wurden wiedergewählt. — An Stell« de» Herrn Karl Rübsam tritt Herr Franz Sauer in die Kommission zur Prüfung der Kreis- tagsergänzungs- und Neuwahlen ein. In die Kreis- wegekommifston wurde Herr Karl Sunkel gewählt.

Nach dem Vorbilde der Stadt Fulda soll auch in die KreiS-Hundesteuerordnung ein Paffus eingefügt w«den, der eine Hundesteuer für Zwinger vor­sieht. Di« Stadt «hebt 20 Mark für den Zwinger, bet Kreisausschuß schlägt eine Steuer von 6 M. vor. Die Steuer soll eine Erleichterung für die Besitzer

Der Gras von Tarent.

;T6] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner, f Ein Gemach tat sich vor Anitas Augen auf. Hier machte bet Weiße Schatten Halt und deutete auf zwei ^Menschenkinder.

L Das eine war ein Kind, ein kleiner Knabe. Er mg in seinem Bettchen und schlief. Neben dem Bett- chen saß eine wunderbar schöne Frauengestalt, jung

Jahren. Sie war in Weißes Sinnen gehüllt, die H?are hingen h«ab über die Schultern bis zu den Husten.

Anita erkannte chr Kind im Traume. Niemals hatte sie so am Bettchen des Knaben gesessen, wie ^ese Fremde. Welche Liebe strahlte aus diesen Augen, als die zarten Hände dem schlafenden Kinde "le. üppigen Haarlocken von der Stirne sanft zurück» strichen. Und diese Augen blickten so starr, als wunten dieselben nicht sehen. — Tas Herz der Träu­merin krampft» zusammen — die Fremde war schö­ner, als sie selbst.

War es die andere?

. Jene, von der der sagenhafte Mann gesprochen, önB er sie liebte mit aller Kraft eines Männerher- Khs . . .? Welches Anrecht hatte diese auf ihr Kind? rle selbst war doch die Mutter, nicht jene. Anita o.eute sich, war überglücklich, daß der kleine Knabe sucht tot war, nun konnte sie das Vergangene an Am wieder gut machen, nun wollte sie eine rechte •£iutter fein. Sie bückte sich und wollte den kleinen Schläfer aufnehmen.

Der weiße Schatten beugte sich zu ihrem Ohre. . "Tu's nicht", hauchte er, „mit dem Kinde wirr« est Du ihr das Glück ihres Lebens nehmen — der n^be ist ihr gegeben als Pfand der Liebe!"

er Gestalt am Bette erhob sich, drückte dem Int*f'en einen sanften Kuß auf die Stirne, dann ichte sie die Astrallampe.

fort °r£ntn'" flüsterte der Schatten und schwebte ' Traurig folgte Anfta. Die beiden verließen «tatte und kehrten zurück, von woher sie gekom­

men. Dann begann der Schatten sich von ihr zu lösen, er entfernte sich, er schwebte in weite Femen, die junge Frau wollte ihn zurückrufen — schon sah sie nichts mehr als einen weißen Nebel — auch dieser schwand.

Nun schlug sie die Augen auf und blickte traum­verloren um sich. Sie befand sich, wo sie vorher ge­wesen. Sie war allein. Die Müdigkeit hatte ihr Recht geltend gemacht. Auf der Konsole stand eine Uhr — über eine Stunde hatte sie geschlafen in dem fremden Hause.

Nun erinnerte sie sich — sie hatte geträumt. Ah, wie schön war doch dieser Traum gewesen! — Das Kind hatte sie gesehen, chr Kind! Bei einer anderen hatte sie dasselbe gefunden Wie hatte doch der Schatten zu ihr gesagt? — es ist ihr gegeben zum Pfände der Liebe! Unmutig preßte sie ihre Lippen zusammen. Aber es war nur em Gebilde der er­regten Sinne gewesen — ein Traum! Die Gräfin stnch die Haare zurecht und erhob sich, es war nahe an Mitternacht, das Fest mutzte zu Ende gehen, denn das Geräusch draußen in den Sälen war schwächer geworden. Sie wollte aufbrechen und ihre Sänfte efteigen. Immer konnte sie doch nicht hier bleiben unter diesem Dache. — Sie seufzte.

Plötzlich glaubte die Gräfin Stimmen zu hören. ES waren Männerstimmen, die sprachen, deutlich klang jedes Wort an ihr Ohr. Sie blickte um sich. Dort in der Ecke war ein kleines Fenster, versteckt durch eine seidene Draperie. Leise ging sie nach der Stelle und schob die Falten der Draperie beiseite.

Da drinnen saß am grünen Tisch der Prinz von Indien und seine Freunde. Meneville, ihr Verlob­ter, hielt Bank. Haufen von Gold lagen vor ihm. Vor ihm, der ohne Gell) in dieses Haus gekommen war. Sein Gesicht glühte, die Augen glänzten, er muhte sehr im Glücke sein. Bitter lächelte die junge Frau. Ihr Blick blieb an dem Prinzen haften, der wie ein Träumender dasaß und für die Goldreihen keinen Sinn zu haben schien. Hinter ihm stand ein Diener, der früher ein ganzes Leben lang in der Burg Tarent gelebt, es war Jacobo, der gleich nach dem' Unglück mit dem Kinde selbst feine Entlassung

mtterzogen werden solle. He« Jona S-Rex wünscht, daß die Ueberschüffe auS dem Wegebau-Etat auch dem Wegebau-Etat verbleiben. He« Oberbflrg«» meist« Dr. Antoni warnt, sich hier irgendwie fest­zulegen, empfiehlt vielmehr, die Ueberschüffe auS dem Wegebau-Etat für außerordentliche Zwecke deS Kreises zu reservieren. D« Antrag des Kreisausscbuftes, betreffend die Verwendung des Restes des lieber- schuftes auS der Kommunalkaffe, fand Annahme.

Der KreiShauShaltsetat für 1913, der in Einnahme und Ausgabe mit 256000 Mk. abschließt, wurde en bloc genehmigt. Für Volksbüchereien wurden auf Antrag des Herrn Oberbürgcrmelsters Dr. Antoni 800 Mark mehr eingestellt. £er Etat deS KreiSspr»tzenverbandeS wurde auf 3900 Mark, der deS Fonds zur Hebung der Rindviehzucht auf 1230 Mark und der Etat des Kreissiechenhaufes auf 33500 Mark f-stgestellt.

Für den Kaufmann Richard Mechold, der eine Wahl in die Einkommensteuer-Veranlagungskommission mit Rücksicht auf feine Stellung alS Bücherrevisor abgelehnt hatte, wurde Kaufmann Fritz Gries sei gewählt.

Die Wahl d« AushebungS- und Abschätzungs- kommisfion für Rraftroagen und Flugzeuge «folgte in geheimer Sitzung.

* totales. a

1 Fulda, 29. März 1913.

‘ ' A Ueberlandzentrale Fulda.

Anschließend an die Mitteilungen, welche kürzlich in der Stadtverordnetensitzung gemacht wurden, nach welchen die Ausführung einer Ueberlandzentrale für den Kreis Fulda fit absehbarer Zeit nicht zu getoär» tigert fei, und davon ausgehend, daß unsere verehr­ten Les« ein Interesse daran haben, in der Ent- Wicklung ber Sache auf dem laufenden zu fein, haben wir uns an maßgebender Stelle näher erkundigt. Wie wir erfahren, ist dieses Projekt als eins der großzügigsten anzusehen, die gegenwärtig ernstlich be­arbeitet toerben. Die sämtlichen Gemeinden und Städte der benachbarten zirka 12 Landkreise des Reg.- Bezirks Kastel und der Provinz Oberhessen sollen nach einheitlichen Grundsätzen und modernen Prinzipien mit Elektrizität für Kraftübertragungs- und Belench- tungs-Zwecke versorgt werden. Die Interessenge­meinschaft mit benachbarten Groß-Kraftwerken, z. B. dem Edertalfperren-Kraftwerk, welches sich im Bau befindet, wird angestrebt, sodaß sich die Werke gegen­seitig ergänzen.

Die zur Ausführung der Arbeften erfordttlichen Vorarbeiten sind im Gange, doch ist zu berücksichtigen, daß sie mit Rücksicht auf den Umfang der Anlagen eine gewisse Zeit erfordern. Die Kreisbehörden be- Sn sich gegenwärtig mit den von der Allgemeinen rizitäts-Gesellschast in Berlin eingereichten Ver­trägen; hoffentlich werden die Verhandlungen recht bald ein Ergebnis haben, damit das Bedürfnis nach Elektrizftät auf dem Platten Land in der hiesigen Gegend befriedigt werden kann. Jedenfalls besteht die feste Absicht, das Projekt möglichst schnell zur Durchführung zu bringen. Durch den Ban dieser Ueberlandzentrale wird der Elektrizitätsindustrie und den Maschinen-Fabriken, die solche Maschinen fabri­zieren, welche auf dem Lande elektrisch angetrieben werden können, ein neues Absatz-Gebiet erschlossen. Auch die im Gebiet ansässigen Jnstallationssirmen und bie liefernden Spezialfabriken sind interessiert, da die Ausführung der Anlagen der Anschlußnehmer ber freien Konkurrrenz überlasten bleibt. Wenn bie Zeft für die Bestellung solcher Anschlußanlagen ge­kommen ist, sollen rechtzeiig die Bekanntmachungen durch bie Bürgermeisterämter erfolgen.

# Personalien. Der Reg.- und Eewcrberat, Geh. Reg.-Rat Siebert in Kassel ist nach Stade ver­setzt worden, und der Reg.- und Gewerberat Dr. Löwenstein in Stade wurde von dort nach Kassel versetzt. Der Forstaffeffor Aßmann bei der Re- aterung in Kassel wurde zum Hilfsarbeit« in bie Forstabteilung des Ministeriums lür Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Berlin berufen. — Fol­gende Hilssunterbeamte wurden zu Landbriefträgern resp. zu Leitungsaussehern ernannt und an auswär­tige Postämter versetzt: Rettz nach Ziegenhain, Pfeiffer nach Großalmerode, Salze und Becker nach Neukirchen, Lau dach nach ®unterlaufen, Keßler nach Felsberg, Engelhardt nach Harles- hausen, Flach nach Klosterhaina, Har du sch nart Homberg, Laudert nach ©unterlaufen, Schen t nach Gudensberg, Peter nach Ungedanken und Jakob nach Malsfeld.

A Ronrreise. Der Hochw. Herr Bischof Dr. Damian Schmitt wird am künftigen Dienstag den 1. April feine Pilgerfahrt zu den Gräbern der heil. Apostelfürsten antreten. Gewiß werden bie Diöze­sanen bie Wallfahrt ihres Oberhirten mit ihrem Ge­bete begleiten. Während der Dauer der Reise ist laut Verordnung im Kirchl. Amtsblatt an den entfallenden Sonntagen nach der Predigt ein besonderes Gebet zu verrichten.

(*) Eine Stadtverordnetenversammlung findet am Montag, den 81. März 1913, abends 71/» Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Formelle Zustimmung Seinem Grundstücksankauf (Weber), 2 Wahl eines ahlmaunes zu der stattfindenden Neuwahl eines Vertreters und eines Ersatzmannes zu der landwirt­schaftlichen Beruisgenostenschaft (Kapp), 3. Freigabe­urkunde (Singer), und für die geheime Sitzung: 4. Ankauf von Grundstücken (Breitenborn).

F Schulanfang. Die Aufnahme ber schulpflich­tigen Kinder erfolgt in den Fuldaer Volksschulen am Montag morgen um 8 Uhr. Es sxi ausdrücklich her- vorgehoben, daß entgegen den Vorjahren die Knaben und Mädchen zu gleicher Zeit zur Schule ge­bracht werden müssen. — In der Seminarübungs- schule beginnt der Unterricht am 3. April.

X Fulda als Flugplatz. Wie man uns mitteilt, wird Milte ober Ende des Monats April He« Georg Mürau aus Gelsenkirchen auf dem Exerzierplätze bei Haimbach ein Schaufliegen veranstalten. Ter Flieger weilte gestern hi«, um das Gelände zu be­sichtigen und die ersten Vorkehrungen zu treffen.

(*) Für die Vieh- und Schweinemärkte hi« kommt vom 1. April d. I. folgender Gebührentarif zur Anwendung; es werden erhoben: für ein Pferd, ein Foi len, ein Esel ober ein Rindvieh 20 Pfg., für ein Kalb, ein Schaf ober eine Ziege 10 Pfg., für ein fettes oder überjähriges Schwein 20 Pfg., für ein Läuferschwein 10 Pfg , für ein Ferkel 5 Pfennig.

— Verladen wurden anläßlich des Viehmarktes am Donnerstag nur 88 Waggons Vieh gegen 110 Waggons beim vorletzten Markte.

-t. Skelettfund. Gestern nachmittag stieß man bei Ansschachlungsardeften an der Frankfurterstraße, Ecke Schildeckstraße, in einer Tiefe von nur 30 Zenti­metern auf zwei männliche Skelette, die noch ziemlich gut erhalten waren. Ein Skelett lag mit dem Schädel nach Norden, das andere nach Süden. Bei einem Skelett fand man zwei Knöpfe mit der Zahl 84. Sicherlich handelt es sich um zwei ehemalige fran­zösische Soldaten an» den Befreinngskriegen.

K Die Brunnengesellschaft Fulda G. m. b. H. wird am Samstag den 12. April 1913, nachtn. 5 Uhr im Stadtverordneten-Sitzungssaal ihre Generalver­sammlung abhalten. U. a. soll über die Auf­lösung der Gesellschaft beschlossen werden.

ü Verunreinigung des gnldaflufses. Gestern abend gewahrte ein Wann in der Fulda etwa 100 Meter unterhalb des Rofenbades eine große Menge (schätzungs- roeife 1 Zentner) Schellfische, die etwas mft Stroh bedeckt waren. Die Fische, wahrscheinlich unverkäuf­liche Waie von der Karwoche her, sind jedenfalls von einem Händler in das Wasser geworfen worden. Gegen eine Verunreinigung der Fulda auf diese Weise muß entschieden Verwahrung eingelegt werden. Die Fische wären besser als guter Dünger vergraben worden.

§ Ausgabe von Denkmünzen. Bei der Königl. Kreis- kaffe und bei der Eltenbahn wurden heute vormittag Denkmünzen zur Erinnerung an die Befreiungskriege im Werte von zwei und drei Mark in kleiner Anzahl ausgegeben. Die Münzen zeigen auf einer Seite eine Rcliefdarstelluna des Einzuges Friedrich Wilhelms HI. in Breslau. Oben steht die Inschrift «Der König rief und Alle Alle kamen/ unten die Worte „Mit Gott für König und Vaterland" sowie das Datum 17. 3. 1813. Die andere Seite der Denkmünzen trägt die bei zwei und drei Markstücken übliche Inschrift, zeigt aber in der Mitte einen fliegenden Adler, der eine züngelnde Schlange in den Fängen hält.

-y- Rasche Fortschritte machen die Auffüllungs- arbeiten am Bahndamm an der Kurfürstenstraße. Die arbeiten sind bereits so weit vorgeschritten, daß der neu angelegte Teil des Dammes mit dem schon früher aufgeschüttcten und bepflanzten Teile saft in gleicher Richtung stehl. In aller Kürze wird der neue Dammteil mit Mutterboden beschüttet und mit Akaziendäumchen bepflanzt werden.

△ Flottenfahrt. In der Pfingstwoche, also einer weniger arbeitsreichen Zeil, beabsichtigen die j tzigen und ehemaligen Schüler der landw. Wmterfchulen im Reg.-Bez. Kassel eine Flottenfahrt zu unternehmen. An der Fahrt können sich auch andere Personen be­teiligen. Anmeldungen für bie Fahrt wolle man um­gehend bei den Herren Wmterschuldirektoren Schopp« mann-Fnlda ober Dr. Schäfer-Eschwege uni« An­gabe ber genauen Adresse anbringen. Der erfordert

genommen. Sie hatte ihn vergessen gehabt, also hier bei dem sagenhaften Manne, den sie lieben ge­lernt, hatte der alte Manu ein anderes Obdach, anderes Brot gefunden? — Wie sonderbar, sie hatte den Alten früher nie leiden gemocht, nun blickte sie mit warmem Herzen auf ihn. Die anderen kannte sie nicht alle, mehrere hatte die junge Frau heute zum ersten Male gesehen.

Sie wandte sich zu gehen, sie fühlte Sehnsucht nach Hause. Das Fest hatte für die Festeskönigin keinen Reiz mehr. Unbemerkt verschwand sie aus dem Paläste und beftieg unten am Fuße der Treppe ihre Sänfte.

9.

Bixio in Nöten.

Lieber Leser! Ist Dir schon einmal mitten in des Lebens Freude ein Ziegelstein auf den Kopf ge­fallen? Wenn das ber Fall war, bann konntest Du nicht überraschter unb unangenehmer berührt fein, als der Vicomte Bixio, als die früher erwähnte Ge­stalt unter dem Eingänge der Grotte auftauchte und auf ihn zuschritt.

Er hatte nichts Arges gedacht, hatte soeben be- schloffen, mit sich selbst Umkehr zu haften auf seinem Pfade, und nun ereilte ihn fein Verhängnis.

Das- Hinkebein vom Eulenhof war es, das so plötzlich auftauchte unb ihm auf ben Leib rückte.

Wie ein Geistesabwesender starrte er auf sie, wiederholt reinigte er sich mit dem Bctttisttuche die Stirne von den Tropfen, die herunter perlten. Lang­sam suchte er seine Geisteskräfte, deren er nun so dringend bedürftig war, zu sammeln. Endlich machte die Qual in seinem Innern sich Lust, das Gehirn fand Worte, der Mund sprach sich aus:

„So was ist einfach unmenschlich."

Bedächtig schlürfte die vom Eulenhofe die letzten Schritte, sie schien sich an feiner Seelenqual zu wei­den, die graugrünen funkelnden Augen bohrten sich in sein Inneres.

„Guten abend, Herr Vicomte!" »agte sie in schnei­dendem Tone.

liche Betrag, ber jedem Teilnehmer noch näher be­kanntgegeben wird, ist an bie gleiche Adresse zu zahlen unb übersteigt nicht 45 Mark, womit alle ent­stehenden Unkosten gedeckt werden. Die Fahrt beginnt unb endet in Bebra unb Eichenberg als Zwsichen- ftation, wohin sich die Teilnehmer auf eigene Kosten zu begeben haben. Die Fahrt, bie eoentL noch Aenbe« rungen erfährt, ist folgenbermafjen gebacht: 1. Tag: Abfahrt in Bebra mit Sonberzug gegen 11 Uhr abenbs. In Hamburg 7 Uhr. 7—8 Gang durch die Stadt zum Hasen (dabei Besichtigung ber Alster, einiger Hauptstraßen, bes Rathauses, bes Kaiser- Wilhelm-Denkmals, des Bismarck-Denkmals; 8—10 Hafenrunbsahrt unb Besichtigung eines großen Ozean« dampiers; 10—1 Besuch bes Hagenbeckstchen Tier­parks in Stellingen; 1—3 Rückfahrt nach der Stadt, Miltageffen — Abfahrt nach Elmshorn; 3—7 Be­sichtigung ber Reit- unb Fahrschule zu Elmshorn, Vor­führung ber dort stehenben Pferbe im Wagen unb unter dem Reiter, Besichtigung einer großen Schweinemästerei; 7 Uhr Weiterfahrt nach Kiel, Abendefsen, Heber« nachten (Maffenquartier). 2. Tag: 7 Uhr Frühstück, Gang durch die Stadt, Besichtigung der Weift — eines Kriegsichiffes, 12 Uhr Mittagessen, 3 Uhr Fahrt im Hasen, in See unb in den Kaiser-Wilhelm-Kanal, 7 Uhr Abendessen, Uebernadjten (wie am 1. Tag). 3. Tag: 5 Uhr Frühstück, Abfahrt nach Hamburg ober Brunsbüttel zum Schiff, Fahrt nach Helgoland, Frühstück borifelbft, Rückfahrt nach Hamburg, Abend« elfen, Uebernachten (in Turnhallen). 4. Tag: Be­sichtigung von Hamburg. Gegen 11 Uhr Abfahrt nach Bebra, woselbst die Fahrt endet. — Damen können sich auch beteiligen, doch zahlen dieselben Zu­schlag für Uebernachten im Hotel, ebenso Herren, bie im Hotel wohnen wollen. Die Fahrt findet nur statt, wenn sich genügend Teilnehmer melden. Auskunft erteilt auch Herr Direktor Schoppmann-Fulda.

* Husbeschlag-Prüfungskommtssia«. Der zum kom« missartzchen Departemems-Tlerarzt bestellte Kreistier- arzt Oelterich in Kassel ist an Stelle des mit dem Tode abgegangenen Departements-Tierarztes Buch zum Vorsitzenden der Staatlichen Kommiffion zur Abhaltung ber Hufbeschlag-Prüfungen für ben Reg.- Bez. Kassel ernannt worden. Ferner ist derselbe auch zum Vo> sitzenden ber Prüfungskommission ber Huf« befchlag-Lehrschmieben in ben Städten Kassel, Fulda unb Kirchhain, sowie im Dorfe Weißenborn im Kreise Rotenburg a. b. F. ernannt worden.

* Mord und Totschlag in Hessen-Naffau. Im Jahre 1911 kamen im preußischen Staat 734 Per­sonen (491 männliche und 234 weibliche) durch Mord und Totschlag ums Leben; außerdem wurden 19 Per­sonen hingerichtet. Was die soziale Stellung der Getöteten anbelangt, so weisen die Gehilfen, Ge­sellen usw. die größte Zahl auf. Dann folgen die Tag. arbefter; diesen schließen sich die Selbständigen im Be­sitz usw. und die Dienstboten an. Es starben durch Mord und Totschlag im Jahre 1911 in Hessen-Nassau 34 Personen, und zwar 18 männliche und 16 weibliche gegen 29 (23; 6) im Jahre 1910. Was die Häufig­keit der Fälle im Verhältnis zur Bevölkerung anbe­langt, steht Hessen-Nassau unter den preußischen Pro­vinzen an viert letzter Stelle.

** Portofreiheit für Soldatenpakete. Die Reichs­postverwaltung untersucht gegenwärtig, ob es möglich ist, einem vorn Reichstage wiederholt ausgesprochenen Wunsche auf Einführung der Portofreiheit für Sol- datenpakete zu entsprechen. Der Reichstag hat sich wiederholt infolge von Zentrumsanträgen mit dieser Frage beschäftigt und dahingehende Resolutionen an­genommen. Die erste Resolution vom Jahre 1904 wollte die Portover gunstigunq auf alle Briefe und Paketsendungen an Soldaten und von Sol­daten ausdehnen. Dieser Forderung gegenüber ver­hielt sich die Reichsregierung ablehnend. Im Jahre 1906 wurde eine zweite Resolution angenommen, die Portofreiheit nur für Paketfendungen von Soldaten und an Soldaten wünschte. Auch diesem Wunsche gewährte die Postverwaltung lerne Erfüllung. Der Grund hi«für lag in erster Linie in der Unmög­lichkeit der Kontrolle, um einem etwaigen Mißbrauch i tiefer Portofreiheit entgegenzutreten. Dann hat der Reichstag seine Wünsche noch weiter eingeschränkt, indem er Portofreiheit für Postpakete bis zu 5 Kg. an Soldaten im Verkehr mit ihren Angehörigen for­derte. Ueber diese Frage schweben nun Erwägungen zwischen dem Reichspostamt und dem Kriegsmini- terium, von denen man hoffen darf, daß sie in einem der Resolution des Reichstags günstigen Sinne enden werden. Gegenwärtig beträgt die Gebühr für Sol­datenpakete für 3 Kilogramm 20 Pfg. Zu diesem er« mäßigten Satz werden jährlich 5 Millionen Soldaten« takete befördert.

0*^> Postkreditbriefe sollen im ganzen Reichsgebiete eingeführt werden. Man kann erwarten, daß noch in

„Guten abend", erwiderte er. Ein wilder Trotz begann in ihm aufzusteigen.

„Schöne Dinge muß ich erleben", begann sie von neuem, „sagte ich's nicht, bie Mädels strecken bie Hälse nach Euch —"

„Beste Jungfrau — Ihr täuscht Euch —"

„Eure Anrede ist nicht passend, lieber Herr, ich bin eine ehrsame Witwe."

Sie hatte sich neben ihn gesetzt, ohne seine Auf- forberung abzuwarten. Ihr Ohr neigte sich zu sei­nem Munbe.

„Ganz recht, ich erinnere mich, baß Ihr brei tote Männer beweint", schrie er ihr in bie Ohren. Dann schwieg er entsetzt stille, bei ein« längeren Konver­sation mit ihr würbe alles herbeieilen, angelockt burch ben Tonfall feiner Stimme. Im Flüstertöne mit ihr zu verhandeln, war unmöglich. Wenn man ihn in dieser Situation sah, war es getan um ihn.

„Ich dachte, Ihr bliebet zwei Wochen ferne, so habt Ihr doch selbst gesagt", begann er schmeichelnd.

„Das hätte Euch wohl gepaßt", entgegnete sie, «ich hatte eben bie Zeit über keine Rast und keine Ruhe und kehrte schneller nach Hause, als ich ge­plant hatte. Auf den letzten Stationen gab ich dem Postillon reiches Trinkgew, damit « die Pferde an« treiben solle —"

„Ich drehe dem Kerle den Hals um", murmelte Bixio grimmig.

Zn Hause angekommen, fand ich bie Einladung zum großen Feste bes Prinzen — ich hörte, daß bie halbe Stadt eingeladen war, unb dachte mir, da ist Feuer unter dem Dach. Ah, diese jungen Frauen­zimmer, kaum daß sie aus der Schule sind, wollen sie heiraten, es ist eine Schande! — Ich kam hierher ziemlich unbemerkt und hielt mich im Hintergründe, und da habe ich gesehen, daß Ihr mit den jungen, geputzten Dingern scharwänzelt und getanzt habt. Es schreit zum Himmel, wie diese halb erwachsenen Geschöpfe, die kaum trocken sind hinter den Ohren, sich an Euch hängen! Pfui, dreimal Pfui über solch junges, leichtsinniges Volk!

Sie konnte nicht mehr weiter reden, die Stimme zitterte chr vor Auftegung. (Forts, folgt.)