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Fuldaer Zeitung

öamstag 29. März 1915

= Die Großstädte der Wett.

ren.

Neber die frrlsische Eheflesetzgeburrg im 18. Jahrhundert Dr. Joieph Hohmann-Fulda.

Vkillion Einwohner haben die Chinesenstädte Hsiang- tan und Hsingan und das indische Bombah. Es fol- gen Kanton mit 900 000, Hankau a. I. mit 826 000, Tientsin mit 800 000, Peking, dessen Einwohnerzahl früher sehr überschätzt wurde, mit 693000 Einwoh- nern «'Zählung 1910), Schanghai und Bangkok je mit 650 000, Futschou mit 520 000, die Chinesenstädte Tschantschou und Stttsckou und dar indische Haidera- bad je mit 500 000 Einwohnern. Australien bat zwei Städte von mehr als einer halben Million Einwohnern, nämlich Sydney mit 606 000 und Mel­bourne mit 562 000 Einwohnern, während in Afrika nur Kairo eine Einwohnerzahl von 680 000 erreicht.

4- Blatt.

uidaer Scfitrlnictut

A. Ueber die Ziegenmilch.

(Nachdruck verboten.)

Der Fettgehalt der Ziegenmilch ist weit größer als derjenige der Kuhmilch. Der Durchschnittsfettgehalt der Ziegenmilch beträgt etwa 4,5 Proz. und der höchste 7,5 Proz. Ein Kubikmeter Kuhmilch (von verschiede­nen Rassen) enthält im Durchschnitt 3910 Millionen Fettkügelchen, Ziegenmilch nahezu die doppelte An-

Allerkei.

— Allerlei Weisheit. In jeder Minute macht dec Puls bei einem erwachsenen Elefanten nur 30 Schläge, bei einem Pferd 40, bei einem Manne 70, bei einem Hunde 90, bei einem Kaninchen 200, bei einer Maus sogar 670 Schläge. — Der Kohlenrecchtmn Japans wird auf 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Gegenwärtig wer- den aber nur etwa 15 Millionen Tonnen im Jahre ge» fördert. — Mit derselben Kraft, die zum Fortbewegen einer Last von 10 Zentnern auf einer Landstraße er. forderlich ist, kann man die achtfache Last auf dem Schienenweg« und die vierunddreitzigfache Last auf dem Wafferwege transportieren. — Der größte bis jetzt ge- fangen« Walfisch hatte eine Länge von 19% Meter und ein Alter von schätzungsweise 800 Jahren. — Ananas, fruchte, die man bei uns pfundweise kaust und teuer bezahlen muß, wachsen in Natal in Südafrika so maf. s en haft, daß man sie teilweise als Schweinefutter der» wendet. — Die Sonne bewegt sich in jeder Sekunde 19 Kilometer in gerader Linie nach dem Sckrnbild des Herkules zu.

Hohenlohe Reismehl ab Zusatz zur Kinder» milch hervorragend be­währ. '48 nagen- u Oarmerfcrankungen der Säuglinge mit gutem Erfolge ärzti. verordnet

I licht und anderen .Handelsplätzen mitgeteilt, sodaß eine internationale Besttmmung des Preises möglich wurde. Sämtliche Börsen des 16. Jahrhunderts waren reine Warenbörsen; Geldbörsen entstanden erst, nachdem der italienische Geldverkehr die Möglich­keit eines Kompensationsverfahren, d. h. von Kapital- Umsätzen ohne effektive Erfüllung, geschaffen hatte.

Im 17. Jahrhundert entstand von Amsterdam aus, das damals die Führung auf dem Weltmarkt hatte, ein neuer Zweig des Börsenverkehrs. Der stän­dig wachsende überseeische Handelsverkehr hatte zur Gründung von Gesellschaften gefühtt, die zu ihren Unternehmungen großer im Wege der Subskription aufgebrachter Kapitalien bedurften. So entstanden die Borläufer der modernen Aktiengesellschaften, darin den heutigen gleich, daß sie ihr Kapital in gleiche über bestimmte Summen lautende Anteile zerlegten. Diese Anteile wurden bald Gegenstand des Börsenverkehrs, und zwar sowohl bei Kassa- wie auch bei Termins­geschäften. Damit war die Börse zu ihrer heutigen Bedeutung aufgerückt.

Freilich waren es im 17. und 18. Jahrhundert | nur wenige Börsen, die im internattonalen Verkehr eine Rolle spielten, außer Amsterdam hauptsächlich London, Paris und Wien. In Deutschland sind Fondsbörsen erst im 19. Jahrhundert entstanden. Wechselbörsen von lokaler Bedeutung gab es bereits zil Anfang des 17. Jahrhunderts in Frankfurt a M. Hamburg, Augsburg, Nürnberg, Leipzig, Lübeck und Bremen. Die Gründung der Berliner Börse geht in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurück; sie erfreute j ft* tu den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens der besonderen Unterstützung durch die Könige Friedrich Wilhelm T. und Friedrich den Großen. So überließ der erstere, den Berlins Kaufleuten ein ihm gehöriges in der Nähe des Schlosses gelegenes Haus zur Ab- bnn regelmäßigen Börsenversammlungen.

Aftch 1815, als fast alle europäischen Staaten ihren I Finanzen durch größere Anleihen aufhalfen, begann I eine wilde Spekulation in Staatspapieren und' mit ibr ging die Entwicklung der einzelnen Börsengeschäfte Hand in Hand. In den dreißiger und vierziger Jah­ren des vorigen Jahrbunderts wurde das allgemeine Interesse auf die vielen neuqegründeten Eisenbahn- gefellschasten gelenkt, deren Anteile zeitweilig schwin- delnde .Kurshöhen ereichten. Freilich blieb der Rück­schlag nicht aus, und erst nach einer Reihe von kritt- schen Jahren kam es zu einem neuen Anwachsen der Spekulation, die in den sogenannten Gründerjahren nach dem deutsch-französischen Kriege ihren Höhepunkt fand. Der neuesten Zeit War es endlich Vorbehalten die Rechtsverhästnisie der Börsen, insbesondere durch Feststellung der gebräuchlichsten Geschäfte, gesetzlich zu regeln.

I zahl. Die äußerst feine Verteilung des Fettes in der I Ziegenmilch, der Zustand vollkommener Emulsion, I hindert die Abrahmung beträchtlich, denn es werden I nur die großen Fettkügelchen aufsteigen und einige von den kleineren, die mit fortgerissen'werden. Dieser Uebelstand kann durch die Zentrifuge, die auf dem Gesetz der Trennung spezifisch verschieden schwerer Flüssigkeiten berußt, vollkommen gehoben werden, so­daß die Magermilch, je nach der Leistungsfähigkeit der Zentrifuge, bis auf ein Mindestmaß (etwa 0,2 Proz.)

I fettfrei wird.

Dei der Butterung macht sich die große Zahl klei- I ner Fettkügelchen für die Erlangung eines genügen- den Ausbutterungsgrades abermals bemerklich. Der Prozeß der Butterung, der in mechanischer Einwir- kung auf die in unterkühltem Zustande befindlichen I Fettkügelchen besteht, so daß sich diese nach ihrem Fest­werden zusammenballen und eine Ausscheidung be­wirken, geht bei den größeren Kügelchen natürlicher- Werse am schnellsten vor sich, während die kleineren viel mehr Zeit brauchen und nicht ausgebuttert wer­den. Wer also Ziegenbutter in größerer Menge ge­winnen will, benutze eine Milchschleuder der neuesten zweckdienlichsten Bäuart. Wenn die einen angeneh­men Geschmack habende Ziegenbutter Marktware werden sollte, dann müßte die reine weiße Farbe durch emtvandfreie Buttersarbe ausgeglichen werden.

Auf dem englischen Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose ist aus den Nutzen, von Ziegenmilch in «anatorren hingewiesen worden. Ein Berliner Medi­ziner sagt:

.. "Der Vorzug der Ziegenmilch vor der Kuhmilch be- j neht darrn, daß die Ziegen weit seltener als Kühe an der Tuberkulös« (Perlsucht» erkranken. Dazu kommt, daß d,e Ziegenmilch ganz besondere Beachtung bei Darmkrank- beiten der Säuglinge verdient, weil sie der Muttermilch ähnlich ist, leichter als Kubmi'ch vertragen und bester

Der Käsestoff der Ziegenmilch ist dem Käsestoff der Muttermilch weit ähnlicher als dem der Kuhmilch. Ferner enthält die Ziegenmilch im ganzen über- I Haupt weniger Käsestoff und wird vom Kindermagen sehr I gut vertragen." ” ’ M I

SJiBfer Arzt teilte 15 Fälle von Verdauungsstörun- I gen und Darmkatarrh bei künstlich mit Kuhmilch er­nährten Kindvrn mit, die sich bei Ernährung mit Zie­genmilch bald besserten, darunter 8 Fälle ohne jedes Arzneimittel. Je nach dem Alter der Kinder soll die Ziegenmilch in verschiedenen starken Verbindungen mit Wasser genommen werden. Auf dem letzten in- ternattoualen medizinischen Kongreß in Rom hat der berühmte Kinderarzt Marsan zu Patts der Ziegen- I milch den Vorzug gegeben:

.Kegen sind fast immun (seuchenfest, unem- pfanglich) gegen Tuberkulose; die Ziegenmilch braucht also nicht, gekocht (stettlisiert) zu werden. Durch Kochen wird die Milch im Geschmack verändert und das Eiweiß nachteilig beeinflußt.

2. Die Ziegenmilch gerinnt im Magen zu leichten Flocken, tote die Muttermilch, und ist deshalb der Verdauung leichter zugänglich, toie He in dicken Klumpen gerinnende Kuhmilch.

Die Ersabruno hat gelehrt, daß mitunter der herbe Geschmack hauptsächlich davon herrührt, daß ^^ere in dumpfigen Ställen gemolken toerden oder I bte Milch nicht sofort in einem gut gelüsteten Raum untergebracht totrb."

Zur Geschichte der Börse.

| Das Wort „Börse" ist erst im 15. und 16. Jahr, ^dert zu seiner heutigen Verbreitung gelangt. Es führt von einem in Brügge, einer der bedeutendsten ; Handelsstädte des Mittelalters, befindlichem Hause her, das nach seinem Eigentümer, der Bankiers- wnilie van der Burse, „de Kurse" hieß und zur Ab­wicklung von mannigfaltigen Handelsgeschäften, ins- x ^sondere des Geld- und Wechselverkehrs, diente, selbstverständlich gab es schon vorher, im frühen Mit Walter, in allen größeren Handelsstädten bestimmte Platze, auf denen die Geldwechfler ihre festen Stände Wen und wo sich der Hauptverkehr abspielte, so den lliialto in Venedig, den Mereato nuovo in Florenz Uud viele andere mehr.

Alle diese Plätze waren aber infolge der schleckten V ^erkehrswege, des unzureichenden Nachrichtenbien. steS und der Unsicherheit und vielfachen Beschränkun- gen des Verkehrs meist nur auf den Lokalhandel an­gewiesen. Eine Krirsbildung fand daher kaum statt und wurde vorkommendensalls von anderen Ho -dels- Uioben nicht berücksichtigt.

. All dies änderte sich mit dem Umschwung, den 16. Jahrhundert in kultureller und handelstech- Wcher Beziehung brächte. Es bildeten sich große öentralhandelsplätze, an denen sich die Güter häuf- ) i?' um nach Prüfung ihrer Qualität zu einem an J* ®ötfe gebildeten Preise verkauft zu Werder. Bald H "urden diese Veile der .Weltbörsen" auch veröffent-

* Die Schere in der Bauchhöhle.

Eine alte luftige Geschichte erzählt uns von einem verträumten Geigenbauer, der eines schönen Tages feinen Lttmtopf vermißte und ihn erst nach langem Suchen im Innern einer soeben fertiggestellten Baß- geige wiedersänd. An Hefe Anekdote wurde man erin­nert, als lürjlid) die Nachricht durch die Zeitungen ging, daß in Berlin einem Kranken durch einen chirur- Bfchen Eingriff eine_ 6ei einer früheren Operation in ber Bauchhöhle zurückgelassene Schere entfernt wor­den sei.

Es ist leicht begreiftich, daß der mit ber Opera- ttonstechnik nicht vertraute Laie einem solchen merk­würdigen Vorfall völlig verständnislos gegenübersteht und daz Zurücklaffen irgendeines Gegenstandes bei Bauchoperationen ohne weiteres als eine unbegtetf« liche Nachlässigkeit des Arztes auffaßt. Aber ganz so schlecht, wie es auf den ersten Blick den Anschnn hat, steht es in einem solchen Falle um die Gewissenhastig, feit und Sorgfalt des Operateurs doch nicht. Wenn man auch nicht soweit gehen wird, diesen unbedingt von jeder Schuld freizusprechen, so wird der Sach­kundige doch geneigt sein, ihm mildernde Umstände im weitesten Umfange zuzubilligen und das uner- wünschte Ereignis in erster Linie aus das Konto bet auch bei der größten Vorsicht niemals ganz zu ver­meidenden unglücklichen Zufälle zu setzen.

Um diese Stellungnahme auch dem Laien ver­ständlich zu machen, genügt es, ihm die näheren Um­stände vor Augen zu führen, unter denen der Chirurg seinem schwierigen Berufe obliegt. Da liegt ber Kranke, an dem eine Bauchoperation ausgeführt wer den soll, auf dem Operalionsttsche in sogenannter Beckenhochlagerung; der Kops ist tief nach unten ge­senkt, die Beute bochoeleatt damtt die E'naeweid ber»

Es versteht sich von selbst, daß von ärztlicher Seite allez geschieht, um solche traurigen Unfälle nach Mög­lichkeit zu verhüten. So ist es ht jeder ordnungs­mäßig geleiteten Klinik neuerdings zur stehenden Re­gel geworden, daß sämtliche Instrumente und Gaze- tücher vor und nach der Operation gezählt werden. Zum Ueberfluß befestigt man noch jedes Tuch an einem langen, am Ende mit einer dicken Glasperle oder etwas ähnlichem versehenen Faden, um so das Verschwinden einer Kompresse in der Bauchhöhle ganz unmöglich zu machen, und bet Erfolg zeigt, daß diese Maßnahmen durchaus zweckentsprechend wirken: die Fälle von zurückgelaffenen Fremdkörpern sind in den letzten Jahren weit seltener geworden und gehören jetzt geradezu unter die Kuriositäten. Aber ganz aus der Welt zu schaffen sind sie auch bei der größten Vorsicht nicht, denn der Mensch arbeitet nun einmal nicht mit ber Unfehlbarkeit einer Maschine, am aller- wenigsten unter so schwierigen Verhältnissen, toie sie bei ber chirurgischen Tätigkeit manchmal vorsiegen

An der Spitze steht 8 o n b o n mit 7 252 963 Ein- Polizeidistrikt (Zählung 1911) und mit 4 523 000 Emtoohnern als County. Den Ruhm bis zweitgrößte Stadt Europas zu fein, darf noch Paris mit feinen 2 888 000 Einwohnern (Zahlung 1911, ohne Vororte) beanspruchen, aber Groß-Berlin ™ (1912) mit Vororten schon

3852 000 Menschen umschließt, dürste Groß-PariS bererts überholt haben. Berlin selbst wird steilich nur von 2 084000 Personen bewohnt, doch seine Vororte (Charlottenburg mit 320 000, Neukölln mit 2^3000, Schöneberg mtt 178 000, Wilmersdorf mit 121000, Lichtenberg mit 87 000, Steglitz mit 71000, Boxhagen Rummelsburg mit 52 000, Pankow mit 51000 Emtoohnern ufto.) sind zahlreiche und bevöl­kerter als bte Vororte von Paris, unter denen nur bret (St. Deniz 72000, Levallois-Peret 69 000 Bou. togne für Seine 51 000) mehr als 50 000 Einwohner enthalten. Wien, die viertgrößte Stadt, zählt 2 065 000 Einwohner, dann kommen die beiden rus­sischen Millionenstädte Petersburg mit 1908 000 I und Moskau mit 1617 000 Einwohnern (Zählung 1912). An siebenter Stelle steht schon Hamburq, das allein enganschließenden Altona aber bereits 1132 000 Einwohner zahlt. Etwas kleiner Ht Kon. stanttnopel mit 943000 Einwohnern, deren Zahl durch die Hinzurechnung der asiatischen Vororte auf 1106 000 anwächst. Die nächste Anwartschaft auf den Rang einer Millionenstadt haben die Haupt- städte Ungarns und Ruffisch-Polens, deren Entwick- lung m den letzten Jahrzehnten wirklich riesenhaft zu nennen ist, beim Bubapest hatte 1910 880 000 Warschau 856 000 Einwohner. Es folgen Glas­gow mit 784000, Liverpool mit 747 000, Neapel mit 723000, Manchester mit 714 000, Brüssel mit 629000, München mit 615 000, Leipzig mit j 604 000, Mailand und Madrid mit je 600000, Kopenhagen mit 588000, Barzelona mit 587000, Amsterdam mit 574 000, Dresden mit 558000 Marseille mit 551000, Rom mit 540 000, Birming­ham, Breslau, Köln je mit 526 000, Lyon mit 524 000 und Prag mit 514 000 Einwohnern.

Die zuverlässigsten statistischen Zahlen in den an- deren Erdtellen bietet Amerika, das aber nur zehn Städte mit über einer halben Million Einwoh­ner besitzt. ES find dies Groß-Neuhork mit 4 767000, Chikago mit 2185 000, Philadelphia mit 1549000, Buenos Aires, dessen ungeheurer Aufschwung in der I neuesten Zeit dem von Newhork und Chikago eben­bürtig ist, mit 1400000, Rio be Janeiro mit 900000, St. Louiz mit 687000, Boston mit 671000, Clevelanb mit 561 000, Baltimore mit 558 000 unb PittSburg (einschließlich Alleghany) mit 534 000 Ein- wohnern. Astens größte Stabt ist Tokio mit 2 186 000 Einwohnern. Gleich groß sind Osaka unb Kalkutta mtt 1230 000 Einwohnern. Rund eine

Im 18. Jahrhundert zielte die Ehegesetzgebung vielfach darauf hin, Ehen ohne eine gesicherte finan­zielle Grundlage unmöglich zu Machen. Auch die ful- dischen Gesetze stellten sich auf diesen Standpuntt, und das Heiraten wurde den Bewohnern unserer lie­hen Vaterstadt nebst zugehörigem Territorium gar nicht so leicht gemacht.

In dem Verehelichungsgesetz von 1789 (einer Er­neuerung des Gesetzes von 1715) heißt es, die Hei­rat zwischen dürftigen oder doch der Dürftigkeit nahen Personen sei eine Hauptquelle der Armut. Um nun die Ehen solcher Leute zu verhindern, wurde den Pfarvern befohlen, keine Trauung vorzunehmen, be­vor ein amtlicher Bermögensschein von den Braut­leuten vorgelegt sei. Den Heiratenden wurde der Nachweis einer Mindestsumme vorgeschrieben. Diese betrug im Jahre 1789 für die Bürger Fuldas 350 Gulden. Für die Bewohner ber Hinterburg, des Lltenhofes. ber Dörfer unb ser kleinen Städte (Hün­feld, Geisa) war sie um 100 Gulden niedriger. Der Wert des Geldes war damals ein wett höherer als heute. Eine gewiffe Erleichterung war es, daß dieses nicht völlig in bar vorhanden zu sein brauchte. Vieh, Früchtevorrat, entbehrliche Mobilien, Flachs, Tuch ufto. dursten in Anschlag gebracht werben. Dagegen war es kein en falls gestattet, die nötige Ausstattung, Wie Hausgerät, erforderliche Kleidungsstücke ufto. ein. Ebegreifen. Hatte weder Braut noch Bräutigam

! nötige Ausstattung für den zu gründenden Haus- stand aufzuweisen, so wurden die Anschaffungskosten der fehlenden nötigsten Gegenstände der gesetzlichen Summe zugezöhlt. Es war nicht gestattet, Erbschaf­ten zu berücksichtigen, mochten sie auch noch so gewiß sein. Das Vermögen sollte, wie ausdrücklich betont totrb, gleich zu Beginn ber Ehe vorhanben sein. Zünftige Handwerker konnten ihr Handwerk mit 100 Gulden veranschlagen. War einer noch Geselle, so nutzte chrn der Hinweis auf seine Kunst und die Mög- lichkett, durch die Kraft seiner Arme eine Familie ernähren zu können, gar nichts. Auch nicht das min­deste wurde ihm von ber gesetzlich vorgeschriebenen ßeiratsfumme erlassen. Bei den Meistern, welche bte s-P. Freikünste ausübten, gemeint sinb Golb- unb Stlberschmiebe, Uhrmacher ufto., war es bem Er­messen des Richters überlassen, ihr Hanbwerk zu einem Teil in Anschlag zu bringen; benn es seien Hanbwerke, auf benen keine feste und beständige Nah­rung haste. Die Instrumente und alles Handwerks­gerät dursten bei keinem Meister berechnet werben.

War schließlich von einem Brautpaar bie borge- schriebene Summe nachgewiesen worben, so stand es immer noch in des fürftl fulb. Beamten Macht, die Bescheinigung zu verweigern. Er hatte die Pflicht, auf daz „moralische Betragen" und die „persönliche Beschaffenheit" der Brautleute einen prüfenden Blick zu werfen. Fand er sie in dieser Beziehung nicht ein- toanbfrei, so durfte er den Schein nicht ausstellen. Den Zurückgrwiesenen stand jedoch hiergegen ber Be­schwerbeweg offen. Ein weiter s Hindernis hatten die Lehrer zu überwinden, wenn sie in den Hafen der Ehe einfahren wollten. Sie bedurften nämlich einer besonderen kirchlichen Erlaubnis. Beim Nachweis des Mindestvermögens durste chr Gehalt in billig- mäßigen Anschlag gebracht werden.

I Für die Juden war die gesetzliche Heiratssumme ehte wett höhere als für die Christen. Sie bewegte sich für bie Juden Fuldas zwischen 1500 unb 2000 Gulden. Der Landesherr bezog von den Juden Schutzgelder. Er hatte darum ein besonderes In­teresse daran, daß bie jübischeu Haushalte auf einer guten finanziellen Grundlage errichtet wurden.

Die Vorschrift, daß die Trauung nur nach Dor- leigung eine« amtlichen Trauscheins erfolgen dürfe, toar für viele fufluschen Landeskinder ein Stein des Anstoßes. Man suchte manchmal dieser Bestimmung dadurch au- bem Wege zu gehen, baß man sich von j einem guten Freund Geld Vorstrecken ließ. Die fürst- uche Regierung suchte das durch Androhung schwerer Strafe zu verhindern. Derjenige, der Brautleuten Geld geliehen hatte, konnte nicht auf Zurückgabe Ha­jen. Soweit das Geld noch im Besitzer Verheirate­ten war, verfiel es der Armenkasse. Was von der geliehenen Summe nicht mehr vorhanden war, mußte «r Verleiher zustrecken. War alles schon aufge. »raucht, so mußte er die ganze Summe noch einmal phlen und zwar an die Armenkasse. Derjenige, ber pch das Gelb hatte vorstrecken lassen, sollte zu einem I Fahr Zuchthaus, verbunden mit Prügelstrafe, verur- teilt werden. Auch bet Richter, ber den Vermögens« I schein ausgestellt hatte, toar zu bestrafen.

I ». Dem Fuldaer Ehegesetz lag gewiß eine gute Ab- W zugrunde. Doch ist sicher, daß es den minder- Und unbemittelten Volksschichten gegenüber eine so- I state Härte barstellte. Ich bezweffle, ob das Gesetz I die erstrebte gute Wirkung gehabt hat.

I möge ihrer Schwere möglichst in ber Brusthöhle ver­schwinden und nicht durch fortwährendes Hervorquel- len aus der Bauchwunde bte ärztliche Arbeit erschwe- ”n: Archer den ganzen Körper ist zum Schutz gegen ^rtferttonen ein keimfrei gemachtes Leintuch gedeckt, das nur bte Operationsstelle freiläßt. Unb nun be­ginnt bte Operation. Da werben Messer, Scheren, I Pinzetten unb zahllose anbere Instrumente gebraucht; ej sind Gazetücher zum Abdecken hinderlicher oder zu schützender Organe der Bauchhöhle erforderlich: durch­schnittene Adern spritzen und müssen schnell aba-, klemmt werden, damit Blut gespart wird. Es läßt sick gar nicht vermeiden, daß ber Operateur bei ber gebotenen Eile eine Anzahl oft gebrauchter Jnstru- mente auf bas keimfreie Leintuch legt — etwa zwi- | schen bie Knie bes Patienten, bamit er sie jeden Augenblick zur Hand hat. Und nun plötzlich ein auf­regender Zwischenfall: die Narkose wird schlecht' bie Atmung, ber Herzschlag stockt. Unwillkürlich wendet sich bte Aufmerksamkeit ber Aerzte für einen Moment von der Bauchwunde bem Operkörper bes Kranken I ber vielleicht eine unruhige Bewegung macht. Es war nur ein einziger kaum bemerkbarer Ruck, aber er genügte vielleicht gerade, ein Instrument von bem I Leintuch in bie Bauchhöhle gleiten zu lassen, wo cs unter ben Darmfchlingen verschwindet. Ein anderes Bild. Der nicht tief genug narkotisierte Patient preßt; geblähte Därme quellen aus der Wunde hervor unb es ist Aufgabe bes Arztes, durch schleuniges Auflegen unb Hineinschieben einer Anzahl von Gazetüchern bas Operationsgebiet wieder steizumachen. Diese Kom- pressen tränken sich langsam mit Blut und ballen sich tm Laufe einer stundenlangen Operation immer mehr zusammen; einzelne von ihnen gleiten, unter bem Drucke ber arbeitenden Hände aus ihrer Sage ge­schoben, schließlich in Gegenden der Bauchhöhle wo man sie nicht vermutet. Endlich tft das schwierige Werk beendet; durch die enge Operationswunde zieht | der Arzt vor dem Anlegen der schließenden Bauch.

deckennaht eine Kompresse nach der andern aus bei ! Diese wieder hervor. Ein einziger kleinerer, in einer Ecke ber Bauchhöhle versteckter Gazetupfer entgeht fernem tastenden Finger; die Wunde wird geschlossen — bas Unglück ist geschehen.

Noch manche anbere Sage ließe sich ausmalen in ber eine Häufung toibriger Umstände das Zurückblei­ben emes Fremdkörpers in der Bauchhöhle in hohem Grabe begünstigt. Es ist daher nicht verwunderlich, daß Fälle dieser Art in ber medizinischen Speziallite- ratur nicht gerade selten beschrieben worden sind. Messt sind es Gazetücher, zuweilen aber auch Arie- rienklemmen, Pinzetten ober Scheren, von denen in diesem Zusammenhänge berichtet wird. Das weitere Schicksal ber Kranken, denen ein solches Unglück zu- stößt, gestaltet sich sehr verschieden. Oft verfallen sie nach einer kurzen Zeit des Wohlbefindens schwerem Siechtum und sogar dem Tode, wenn nicht durch eine zweite Operation das Versehen gut gemacht wird. Mit welchen Schwierigkeiten der Arzt dabei zuweilen zu kämpfen hat, lehrt der Fall eines hervorragenden englischen Frauenarztes, ber trotz richtig gestellter Diagnose bei bem von ihm ausgeführten zwetten Bauchschnitt in dem Gewirre der miteinander ent­zündlich verklebten Därme ben Fremdkörper nicht fin­den konnte; einige Tage später ging dieser dann auf natürlichem Wege ab, leider zu spät für den Kranken, der kurze Zeit daraus an Erschöpfung starb. Erfreu­licherweise hilft sich die Natur ziemlich oft so, daß sie den Fremdkörper mtt der Zeit in den Darm hinüber- treten läßt und ihn so an die Außenwelt befördert, aber begreiflicherweise fft dieser günstige Ausgang stets an eine lange Kette von Krankheit unb Serben geknüpft.

Auch unrichtige Fütterungstoeise, bie man leibet »och beute bei den meisten Ziegenhaltern wahr- nimmt, muß beschuldigt werden. Man wasche mit retnen Händen das Euter rasch ab und melke nicht rm Stall, weil die schlechte Suft in bie Milch schlägt. In der Schweiz finbet man an ben Krankenhäusern Ziegenstalle mit guten Ziegen. Es wird auch bei uns bie Zeit kommen, wo wir btefes nachahm Aber nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwach­sene sst die Ziegenmilch in gesundheitlicher Beziehung sehr wichtig. Ste totrb auch gegen Rachitis (Knochen, weiche), Skrofeln unb Blutarmut ärztlich berorbnet. Besonders in Italien toürbigt man den Nutzen der Ztegenmilch. Denken wir z. B. nur an bie Riviera, an Meutone. Wichtiger als bie Zitronenpflanzungen für bie Lungenkranken sind in diesen Orten bie Zie- gen. Sie werben gleich an bet Haustür gemolken ja sogar an verschiedenen Stellen an bet Promenade' hto ein großer Verkehr von lungenkranken Personen ist und Tiere aufgefteHt sind. Die Konsumenten tarnen also bie Milch warm unb frisch vom Euter weg. Die Tiere kennen bie Häuser, wo man ihrer bebarf, fe6r gut. Auch in Neapel, Palermo, Caprivi Rom und in ben eghptischen Städten besteht die Sitte ben Kunden die Ziegenmilch in „Originalfül- lung" vors Haus zu bringen.

Ziehen wir aus diesen kurzen Bettachtimgen ben Schluß, so müssen wir zugeben, baß bie Ziegenmilch unter ben Nahrungmitteln eine hervorragende Stelle entnimmt; für jung unb alt ist sie von größter Be- beutung. (Man lese bte preisgekrönte Schrift über „D f - Ziegenzucht unserer heutigen Zett" von Sandwirischastslehrer von Ren esse, 3. Auflage 1913, Coppenrats Verlag, Münster i. W. Sie ist tn allen Buchhandlungen für 50 Pfg. zu haben und sollte bei keinem Ziegenhalter fehlen.)

Siefs v.onälig bei: Job. Berllofr, Lefpzigerstrasse 76,

ärztlich

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