Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Leitung

*$*

Ausland.

ge-

ein

** Der Kampf um die Schule in Spanien. Die Protestbewegung gegen den Schulgesetzentwurf des Ministerpräsidenten Romanones hat bekanntlich die Zurückziehung der Vorlage zur Folge gehabt, nach­dem der Rat für das öffentliche Unterrichtswesen einen Antrag angenommen hatte, wonach der Reli­gionsunterricht in den Volksschulen obligatorisch ' 71™* Die Frauen von ganz Spa - n i e n haben sich dieser Protestbewegung, die von

* Die Vermögensabgabe für die Reichsverteidi-- bleiben soll gung und die „tote Hand". Nicht Übel Lust zu einem I r1 - ' '

Möge der Gedenktag der Erstkommunion Jungbrunnen sein!

JM6 72.

Samstag 29. März 1915.

„Wenn ihr nicht werdet wie die K i n d l e i n . .!« Es gibt kein besferrs Mittel, sich in die kindliche Seelenverfassung zurückzuversetzen, als der Gedenk­tag jener Feier. Körperlich mit jung zu wer- den, ist ein unerfüllbarer Wunsch. Auch die Be­lastung unseres Verstandes mit der dornigen Erfahrungsweisheit läßt sich nicht glatt abschütteln. Und wenn die Schuld, die wir auf unser Gewis­sen geladen haben, auch ernstlich bereut und nach Kräften gesübnt ist, es bleibt doch die drückende Er­innerung haften. Wo soll denn nun die wiederzu­erwerbende Kindlichkeit Platz findm? In dem Herzens, das sich von neuem mst jener reinen lautern, rückhaltlosen Gottes- und Nächstenliebe füllt, die damals uns so warm und triebkräftig durch, drang. Die edlen Gefühle muffen in ihrer alten Frische wieder aufleben, der gute Wille muß in der alten Einfalt und Ehrlichkeit auferstehen. Dem guten Willen ist der Friede verheißen; er bringt auch die Iugendfreude zurück: die innere Harmonie und Sicherheit, die frohe Zuversicht und die immergrüne Hoffnung.

Es ist dieselbe Sonne, die den Jungen an ihrem Ehrentage und den Alten an ihrem Gedenktage scheint. Ob wir nach der Erdenzeit von Morgen­oder Abendsonne reden, macht im Wesen nichts aus. Denn hier auf Erden kommen wir über die Morgen­dämmerung überhaupt nicht hinaus. Der wirkliche Tagesanbruch ist erst dann, wenn die Posaunen zur Auferstehung erklingen und die Sonne der Ewigkeit

o. oiaftc

Druck der Fuldaer Acnendroverei in 5»Ida.

Ans Kirche und Schule.

* .Ab" den katholischen Gefcllenverein sprach sich I Erzbischof Dr. v. H a u ck in Bamberg auf einem Fest­abend anläßlich seiner Uebernahme ches Protektorats m sehr sympathischer Weise aus. Er wies hin aus das überaus segensreiche Wirken dieser Vereine, die den in der fremde schaffenden Gesellen ein schützendes Heim boten, die ihnen das Vaterhaus ersetzten. Außer­ordentlich groß sei der Gewinn und Nutzen, der ins­besondere entströme dem Fundamente des Vereins der hehren Devise Religion und Tugend. Der Erz- bischof be»totc§ dann auf die wirtschaftlichen Einrich- ümgen der Gesellenvereine, von denen insbesondere hervorzuheben seien die Unterrichtskurse denen rei- I Segen entsprieße. Auch heute noch gelle der Satz daß das Handwerk einen goldenen Boden habe Aber der Handwerker müsse auch die Erfordernisse und Be- seiner Zeü verstehen, er müsse tüchtig durch- geoildet sein, er müsse etwas kennen von der Buch­führung, von der Technik und nicht zuletzt von der Kunst: er müsse Kunsthandwerker sein, wenn der Handwerkerstand sein altes Ansehen in der Welt be­haupten und auskömmliches Brot liefern solle. Wert­voll sei auch die gut ausgebaute Svarkasse der Mit­glieder Der Geselle, der in seiner Jugend das Spa- ren gelernt habe, der werde auch im späteren Leben sich em gutes Auskommen zu verschaffen wissen und em sorgsamer, fleißiger und braver Hausvater wer­den. Nicht zuletzt sei es aber die Freude, die mit Recht von den katholischen Gesellenvereinen gepflegt werde, das Vergnü^n in den rechten Schranken, die wcchr- hast innere Fröhlichkeit und die reine, rechte Freude. Der Oberhufte schloß, indem er namentlich an die jungen Gesellen den Appell richtete, auch für alle Zullmft dem Vereine treue Mitglieder zu sein und zu bleiben und ihm allezeit ihre fleißige, überzeugte und unentwegte Mitarbeit zu widmen. Eine Organisa­tion, bm der die Arbeit in den Händen von einzelnen, von nur wenigen liege, werde niemals in der rich- hflen Weise sich entwickeln. Der Erfolg gehöre der Vereinigung, in der die Gesamtmitgliedschaft mit- wirke und Mitschaffe an den Aufgaben und den Fielen ihres Vereines. Niemals rückwärts, immer vorwärts.

△ Die Jahrhundertfeier des Begründers der Bin- zenzvererne. Im April wird in Paris die Jabr- hundert eler Friedrich O z a n a m s festlich begangen. Aus diesem Anlasfe werden Vertreter aller Vinzentius- dereme nach Paris kommen. Die katholische Univer­sität gibt ihnen zu Ehren am 25. April einen großen Empfang. Auch der Protellor der Vinzentiusvereine Kardinal Vinzenz Vanutelli wird als Legat des Pap­stes zur Teilnahme an der Feier in Paris eintreffen und abwechselnd mrt dem Kardinalerzbischof Amette

en Jubiläen der Erstkommunion soll man i r Kameraden von damals gedenken. Wie

Unter den erwachsenen Festgenossen regen sich ver­schiedenartige Gefühle.

„Ich f r e u e m i ch", denkt der eine, „daß ich den hoffnungsvollen Nachwuchs sehe."

„Ich sorge mich", grübelt der andere, „denn die grüne Saat ist arg bedroht und vieles wird ver­loren gehen."

.'•W sch uni e m ich",seufzt der dritte; „wo ist meine Unschuld geblieben?"

„Ich raffe mich auf", beschließt der Vierte, „denn noch ist die Zeit, wo man sühnen und wirken kann.

Jeder hat recht zu seinem Teile. Auf Erden steht immer neben der Freude di- Wehmut, neben der Hoffnung die Sorge, und in die Erinnerung mischt

fesswnellen Krankensuppen", und die ganze liberale Tagespresse würde sich entrüsten über das „System der ultramontanen Abschließung und nationalen Zer­klüftung", das sich sogar bis auf den Kochtopf er- Itrecke. Wenn aber protestantische Diakonif- Kn ihren „konfessionellen" Kochtopf für sich und ihre Pflegebefohlenen haben wollen, und wenn protestan- tische Kirchenvorstände den konfessionellen Kochtopf sogar mft dem drohenden Hinweise auf eine Störung des konfessionellen Friedens einmütig verlangen, und wenn eine Diakonissenanstalt den konfessionellen Kochtopf mit der Androhung des Streikes verteidigt und wenn liberale Magistrate den konfessionellen Kochwpf einmütig bewilligen, dann ist alles in Ordnung und im liberalen Blätterwald regt sich kein Lüstchen.

sich die Reue. Wenn nur an die Reue sich überall die tatkräftige Besserung anschließen wollte!

Die edlen Gefühle sind wie Gold und Silber Man muß sie nutzbar machen, sie ausmünzen und in Um­lauf bringen.

Die Sorge um das künftige Schicksal des hoff­nungsfrohen Nachwuchses schneidet das große und hochwichtige Kapitel der I u g e n d p f l e g e an In neuerer Zeit tut man manches für die körper- l i ch e Pflege der Heranwachsenden Jugend. Ob für die Pflege des Gemüts und der Sittlichkeit nicht noch mehr geschehen müßte und könnte, das ist eine sehr ernste Frage. Dor allem sollten die Eltern . Lehrherren und alle, die sonst Einfluß auf ein M^es Menschenkind haben, an diesem Tage sich reif- ftch überlegen, was sie zur Bewahrung'des Nach­wuchses m den kritischen Uebergangsjahren tun kön­nen Zum wenigsten muß doch der feste Enffchluß gefaßt werden, den zarten jungen Seelen kein

C<n "t geben. Wir vergessen oft auf die scharfe Beobachtung, welche die jungen Leute dem Tun und Treiben der älteren widmen. Wir lassen uns gehen, ohne an die jungen Augen zu denken, und ehe wir es uns versehen,haben wir ein böses Beispiel gegeben, das Verderben anrichtet. Besonders gefähr- lich Md die leichtfertigen Reden, die bis an das Ohr öci Unschuld klingen. So wird mancher, der es im Gninde nicht böse meint, zum Gehilfen des Teufels. „Wehe demjenigen, der einen von diesen Kleinen är­gert!" An diesem Tage möge der Respekt vor der Unschuld, die Rücksicht auf die Schwachen, die Pflege der lieben Jugend zu neuem Aufschwung kommen.

Die Jungen sollen in Ehren alt werden, und die Alten sollen sich jung fühlen:

I lung bedarf durchgreifender Renovation. ES wurde darum wiederum die Auflassung der beiden AbleitunaS-

I suchen und die Schaffung einer ZentraUochküche für 750 ^eifonen in Aussicht genommen. Die Führung derselben sollte den Barmherzigen Schwestern übertragen werden o“ diesem Vorschläge nahm der Ausschuß Stellung, weil Um- und Ausgestaltung der beiden AbteilungS. kuchen SO000 und 52000 Mk. = 132000 Mk., dagegen >ur die Einrichtung der Zentralküche nur 90000 Mark gefordert worden waren und weil außerdem der Betrieb einer Zentralküche billiger und einfacher wäre, alS der» lenige von zwei Küchen. Mit diesem Vorschläge stieb man aber bei den Diakonissen auf entschie- be"fn Widerspruch. Die Verwaltung der evan» gel,scheu Diakonissenanftalt erklärte nämlich, daß in allen Krankenhäusern, die von Diakonissen bedient würden, im Interesse der Einheitlichkeit und des ungestörtes Betriebes der Krankenverjorgung ihnen ausnahmslos auch die Küche und nicht nur die Pflege der Kranken übertragen fei. Von diesem grundsätzlichen Standpunkt könne nicht abgegangen werden. Die Aufgabe der Küche bedeute für die Diakonissen eine Schädigung der diSher auf Grund des Vertrages innegehabten Position und damit eine Zuruckfetzung der protestantischen Abteilung im Kranken» baus. Es haben sich auch die vereinigten protestan» tischen Krrchenverwallungen und Kircheuvor» stände dieser Angelegenheit beu.Schtigt und den kon­fessionellen Frieden für gefährdet erklärt, wenn dem Verlangen der Diakonissen nicht entsprochen werden würde. Die Mehrheit der Krankenhausausschuß- mitglieder vertrat die Anschauung, daß die Einrichtung einer Zenlralkochküche aus finanziellen, ärztlichen und wirtschaftlichen Gründen der Beibehaltung und Um­gestaltung der bisherigen Abteilungsküchen vorzuziehen fei. Es sei ein Unding und unverständlich, zwei Küchen nebeneinander weiterzuführen. Im Hinblick auf die Ver- HSltmffe aber und zur Vermeidung eines unter Umständen ernsten Konfliktes mit den Diako- nisten und der protestantischen Bevölkerung Augsburgs sprach sich die Mehrzahl der Ausschußmit- I glieder sur die Beibehaltung und entsprechende Ver- I besserung der beiden Abteilungsküchen aus. Der Ober­bürgermeister bestätigte ausdrücklich, daß die Diako- ntsfenanstalt erklärt habe, sie ziehe die Diako- nisslnnen zurück, wenn ihnen die Küche entzogen wurde. Er wolle es nicht aus sich nehmen, die Diako­niffen ausziehen zu lassen. Die geltenden katholischen und protestantischen Küchen wurden schließlich mit allen Stimmen gegen die des sozialdemokratischen Magistrats­rates beibehalten.

uns bestrahlt, die niemals sinken und untergehen kann. Ob wir bei dem kurzen Vorspiel auf Erden einige Jahre mehr oder weniger alt geworden sind, macht nichts aus. In das ewige Leben treten auch die Greise als Kinder ein, quasi modo geniti, wie der Sonntagsname besagt: gleich wie neu geboren. Der kindliche Sinn ist das Beste, was wir auf die Fahrt in das Jenseits mitnehmen können, und wer den kindlichen Sinn erneuern will, der versetze sich zunächst in die Stimmung, die chn am Tage der Erstkommunion erfüllt hat. Der vollkrästige Mensch und der gebeugte Greis, sie sollen mit den Kleinen und Wachsenden gemeinsam sprechen: Vater un­ser! Das Wort Vater wird nicht immer so be­dacht, wie es sollte. Ja, wir alle, auch die vermeint­lich ausgewachsenen Menschen, wir haben einen V a- t e r, von dem wir abhängig sind; wir sind K i n d e r, schwache Kinder, angewiesen auf die väterliche Gunst und Gnade. Warum sollten wir nicht werden wie die Kindlein, da die paar Lebensjahre unsere Hilfsbe- dürstigkeit nicht vermindert, sondern eher noch steigert haben!

I Madrid ausging, angeschlossen. Ueber 8000 Dame« der vornehmen spanischen Gesellschaft haben am 13. März durch eine Kommission dem Ministerpräsiden­ten den Protest des katholischen Spaniens gegen

| seine kirchenfeindlichen Pläne ausgesprochen, und die Presse bespricht in eingehenden Artikeln die Wichtig­keit des Ereignisses. Die über 8000 Namen, die unter dem Dokumente stehen, stellen die ersten Fami­lien des Landes vor, die klangvollsten Namen der Ariswkratie, die Frauen der angesehensten Politiker, die einflußreichsten Namen aus ganz Spanien. Ro­manones hatte schon vor einigen Tagen gesagt, er fürchte die Männer weniger, über die spanischen Damen könnten chm große Ungelegenheften bereiten, wenn sie das Wahlrecht besäßen. Aber auch ohne Wahlrecht verstehen es die wackeren Spanierinnen, ihren Wünschen Ausdruck zu verleihen, ganz beson- ders, wenn es sich um die heiligsten Güter handelt. In Spanien ist die Lage eine andere als in Portu­gal, und wenn es den katholischen Männern hier und da am nötigen Mute fehlt, so wissen die spa­nischen Frauen mft um so größerer Entschiedenheft aufzutreten. Ihnen gelang es im Jahre 1905, den Gesetzentwurf von Canalefas gegen die Orden zu Fall zu bringen, als sich in ganz Spanien ein ge­radezu einstimmiger Protest der Frauenwelt erhob. Die katholischen Zeitungen Spaniens hoben dieser Tage hervor, wie viel das Land den eifrigen katho­lischen Damen verdanke, deren Organisationen auf caritativem und sozialem Gebiete sich -immer weiter entfalten, die in den Großstädten im großen Maß­stabe den Kindern Religionsunterricht erteilen und für die Verbreitung guter Lektüre und guter Zei­tungen sorgen. Sogar auf dem Gebiete des Theater- Wesens macht sich dieser Einfluß geltend, und wenn in den letzten Jahren sich das spanische Theater wieder in erfreulichster Weise zu heben beginnt, so ist dies eine Wirkung der Haltung der Damenwelt, d:e sich hier in geschickter Weise betätigt. Hoffentlich erfert der Mut dieser edlen Svanierinnen auch die. Männerwelt zu größerem SelbsMvußtsein an.

— Reingefallen. „Aber Fritz, warum weinst Du denn so? Ist Dir etwas zugestoßen ?* — ,Ja, mein Zwillingsdrnder hat mich gehauen, da hab ich's meinem Freund erzählt, der sollte ihn an der Ecke abfangen und wieder hauen! Und da... da... hat er uns verwechselt!"

ist die Schar, die damals in Reih und Glied in das Gotteshaus zog, einhellw den Taufbund erneuerte und gemeinsam zum Tisch des Heiles und der höchsten Ehre schritt, — wie ist sie auseinandergesprengt, wie ist sie gelichtet worden durch Unglück und frühzeitigen Tod. Wenn du den silbernen oder goldenen oder gar einen noch höheren Gedenktag in Geistesfrische begehen kannst, so gehörst du zu den Bevorzugten. Der Vorzug verpflichtet; der Auszeichnung muß man sich würdig erweisen.

I Raubzuge auf das K i r ch e n v erm ö g en scheinen I die Freisinnigen und ihre Freunde vom I Evangelischen Bunde zu haben. In der I „.Tägl. Rundschau" und in der „Vossischen Zeitung" I liest man über „die Milliardensteuer und das Bi- I schvfsvermögen", nnd wie es denn eigentlich mit der I Beisteuer der toten Hand gehalten werden solle. Die »Boss. Ztg." sagt:

I »BeUpirlsweife die Kirche verfügt über ungeheure I Vermögen. Einzelne Bischöfe erfreuen sich eines I fürstlichen Einkommens. Welchen Eindruck sollte es auf I das Volk machen, wenn eine Witwe, die von den Zinsen I ihres Kapitals notdürftig lebt, einen Teil dieses Kapi- I tals an das Vaterland abgeben müßte, ein Mann von I dem Riesenreichtum des Breslauer Fürst- I bischofs aber steuerfrei ausginge! Nun freilich ist I mcht zu verkennen, daß die Heranzcehung der Geistlich- I feit, der Orden, der Kirche, der toten Hand zur Ver- I mögenSabgabe mannigfachen Schwierigkeiten begegnen I zumal angesichts der Frage, wem im Einzelfalle I das Gut gehört. Aber diese Schwierigkeiten sind nicht I größer, alS bei der Feststellung anderer Vermögen. Wie I groß »st das Vermögen eines Geschäftsmannes, der große I Warenvorräte, große Außenstände hat? Wie sind Ge» I mäld» und andere Kunstschätze in die Bermögens- I bilanz rinzustellen? Wie ist das Vermögen eines Haus- I brsihers, wie der Wert eines Fideikommisses festzustellen? I Schwierigketten über Schwierigkeiten. Was von dem I Grübchen Vermögen gilt, das großenteils ebenfalls nicht I der Person, sondern dem Herrscher!»'ttse gilt, das muß I auch von dem geistlichen Vermögen gelten. Es ist I anzunehmen, daß dieser Grundsatz im Reichstag An. 1 erkennung finden wird Ob er die Zustimmung des I Zentrums zu dem Gesetzentwurf erleichtern wird, ist I allerdings zweifelhaft."

Dis Vermutung der Gelehrten der „Vossischen Ztg. , das Riesenvermögen des Fürstbischofs von I Breslau könne bei der Beisteuer frei ausgehen be- weist sonnenklar, daß die weisen Herren k e'i n e Ahnung von der Steuergesetzgebung haben. Eine solche „Vermutung" ist, wie die „Schlesische Volks- M. sagt, lächerlich! Wohin die Freisinnigen und ihre Freunde, die Apostaten, zielen, ist aber doch Ar interessant, die „Kun st sch ätze" in den K t r ch e n stechen ihnen in die Augensterne, inson- derheft die, welche dem gottesdienstlichen Gebrauche bestimmt sind! Die Herrschaften möch­ten sich an dem, was die Säkularisation übrig gelas­sen hat, die Hände noch einmal waschen, und dabei 1 Me immer noch etwas für die Wäscher ab. Neber das Vermögen der „toten Hand" gibt die „Voss. Zeitung" sich übrigens einer großen Täuschung hin, wenn sie der Kirche ein ungeheures Vermögen zu- schrmb-t. Das große Vermögen, das die katholische Kirche ehedem besessen hat, ist vor mehr als 100 Jahren säkularisiert, d. h. vom Staate einge- äo gen und zum Teil an protestantische Familien geschenkt worden. Auch im Fürst- I blstum Breslau „prenß. Anteils". Uns wundert I nur, daß die weisen Herren vom Freisinn und vom | Evangelischen Bunde sich nicht erinnern, daß es auch I pro test an tische Domkapitel und Damen- stiste gibt, die nicht schlecht fundiert sind. Zu D 0 m- kapitularen und Dompröpsten in Brau- I berbürg, Merseburg und Naumburg ernennt man I ja ehemalige Generale und Minister I « 8U tun haben, als die Einkünfte dieser ans katholischer Zeit stammenden Stiftungen einzustrei- I chen. Auch gibt es in Hannover, Hessen, Mecklen­burg und Schleswig-Holstein — vielleicht auch noch anderswo — aus katholischer Zeit stammende Stifte I und Klöster, die lediglich zur Versorgung protestan- I tischer Damen und Herren beftimmt sind. An der Spitze mancher derselben stehen sogar noch „Siebte" und „Aebtissinnen". Diese ursprünglich katholischen, aber später in protestantische Hände über gegangenen I

Ä« I

®ia^ Schulpforta Roßleben nsw. "dieln? welfach kfte“

^ungsfonds, deren Stipendien sogar Söhnen I und Vettern von Ministern zugute kommen. Der I Griff nach der „toten Hand" würde also nach der protestanttschen Sefte hin wohl erfolgreicher ausfal­len als nach der katholischen.

Deutsches Reich.

= Konfessionelle Küchen sind im Städtischen Ktankenhause der Stadt Augsburg auf Wunsch von Protestanten eingeführt und werden auf Wunsch Protestanten beibehalten. Die liberale „M.-Augsb. Abendzeitung" berichtet über Verhand- tangen im Schoße des Augsburger Magistrats, wie foigt:

m ST* 5°bre 1904 regte die $tranfenbau5oerroaltung ote Einrichtung einer neuen Zentralküche an, mit «kremigung ber bisher nach Konfessionen getrennten $8e» Mro!'JLe^e.,Dld,e Bereinigung erstrebenswert sei.

i.HtT.V30 Vnsonen ausgearbeitete bauamtliche Pro- M sah für diese Küche inSaefamt 26 000 Mk. vor. Der Magistrat genehmigte diesen Betrag, das Kollegium ver- I WM« °^r seine Zustimmung. Die Zustände auf ber Me der .acholischen Abteilung sind aber jetzt nicht mehr tzastbar, und auch die Küche der vrotestantischen Abtei»

I Unpolitische SettlSuse.

«. Berlin, 27. März 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Wir feimr mancherlei Jubiläen: Alters-, Hei- rach-, Berufs-Jubiläen usw. Aber wenig beachtet wird em Gedenktag, der wahrlich eine Feier verdient silberne goldene, diamantene und ''lerne Jubiläum des Tages ber Erstk 0 m - t£n,n'"• Wenn nach 25 Jahren das hoffnungs- icbo» Ätnb zu einem ausgereisten vollkräftigen Men- ss/?. ^worden ist, dann sollte es sich einmal den die rnb Sorgenschweiß vom Gesicht wischen, aus h^teMcn Haude waschen und das Auge richten s.T °as Andenken, das es damals erhalten hat, um . Zurück zu versetzen in jene heilige Feier- Lund sich ernstlich zu fragen: Was ist aufdem fon ; 9£n Ämbe don damals geworden, und was ' u im absteigenden Teil des Lebens aus ihm wer- dann fHnb ?ar 50 J°hre verflossen sind, ber ® bte Vesperzeit des Lebens gekommen, < ..tonb langer, wie die Schatten am ff- v* . bie Gedanken werden ernster, denn kurz

Zett, die noch zum Nachholen, zum Ausglei- tor 'ßn B"^n und Bessern bleibt. — Wer aber ft0 '. °ber Jahre zurückdenken muß, um sich als Sens- "^aukmd kdflderzufinden, der steht unter dem IbcTbo r’ ' erT' ^eibe bei uns, denn es will Abend dem Hnb bc.r Tag hat sich schon geneigt! Wohl bur*v^-ei’e' benen Herz noch von dem Kindessrmiüt fitti'T, lvird. Zum Abschied vom irdischen Leben er ?T0P und Stärke an derselben Quelle, wo kraft a^. Kmd seine Hoffnung und seine Trieb- kuüds UNi Guten geschöpft hat. Sein Jlibiläum Oer» Sun t Erstkommunion mit der Wegzehrung.

b?tnen Diener in Frieden fahren; wo das Lewal-tt^" ^i, habe ich doch den guten Willen

Die große Mehrheit der Augsburger Bevölkerung (mmdchens drei Viertel) ist katholisch. Der Magi- I strat »st jedoch in seiner Mehrheft liberal. Aber auch bte ber Zentrumspartei angehörenben Mitglieder ha­ben für den Wunsch der protestantischen Minderheit gesttmmt. Wenn wir uns auch keinen fach- Ilchen Grund für die Gefährdung des konfessionel­len Friedens denken können, falls eine Zentralküche eingerichtet worden wäre, so können wir es doch ver- stehen, baß die protestantischen Diakonissen in ihrer Abteilung selbständig sein wollen, und daß dieser Wunsch selbst mit finanziellen Opfern erfüllt wurde. Wir Katholiken reden nämlich nicht bloß von To­leranz, sondern wir üben sie. Wir üben sie selbst bann, wenn sie uns selbst versagt wird oder versagt worden ist. Das war in Augsburg selbst ber Fall. Als dort der Gerbermeister Henle dem Krankenhaus etne größere Summe vermacht hatte, mit ber Be­engung, daß die Barmherzigen Schwestern nicht bloß die Pflege, sondern auch bie Beköstigung ber katholischen Kranken übernehmen sollten, wei­gerte sich ber damals ausschließlich liberale Magistrat 14 Jahre lang, die Stiftung anzu­nehmen, und mußte schließlich von der Regierung dazu gezwungen werden. Aber damals handelte es sich eben um Barmherzige Schwestern und nicht ww letzt um Diakonissen! Welches Geschrei über „katholische Engherzigkeit und Jnwleranz" würde in der gesamten „vorurteilslosen" Presse entstehen, wenn k a t holische Schwestern irgendwo ihre über-

wochen-Rundschau.

stf Fulda, 28. März 1913.

Die' neue Militärvorlage, deren Entwurf gsammen mit den Deckungsgesetzen Ende dieser oche veröffentlicht werden soll, wurde im Laufe der Woche im Bundesrat beraten.

Von der Auslandspolitik stand in den letzten acht Tagen bas Vorgehen Oesterreich-Ungarns #gen Montenegro im Vordergründe des Inter­esses. Erfreulich war hierbei das einige Zusammen­wirken ber Großmächte. Das Verlangen ber öfter- reichischen Regierung, baß die montenegrinisch-ser­bische Belagerungsarmee die Beschießung Skutaris einstelle, bis die Zivilbevölkerung die Stadt verlassen habe, wurde von Rußland und Italien energisch un­terstützt. König Nikita konnte denn auch nicht um­hin, auf diese Vorstellungen hin nachzugeben. Frei­lich beklagte er sich in einer an alle Großmächte ge­richteten Znkularnote über das Vorgehen Oester- reichs, doch dürfte dieser Protest des Häuptlings ber schwarzen Berge in Anbetracht dessen, daß die Lon­doner Boffchafterkonferenz das Verlangen Oester- reichs unterstütze, wohl wirkungslos verhallen.

Die Sage auf dem Balkan hat durch die Ein­nahme Adrtanopels durch die bulgarische Belage- rungsarmee etne entscheidende Wendung genommen Fünf Monate lang haben mit kurzer Unterbrechung wahrend ber ergebnislos verlaufenen Londoner Frie- bensverhandlungen bte Bulgaren ihre Geschosse in bie Festung unb bie Stadt geschleudert, und so lange hat sich ber tapfere Kommandant Schükri-Pascha gehal­ten Nur auf die völlige Erschlaffung der Türken i wwo die letzt geschehene Erstürmung der Stadt zurück- gefuhrt werden können. Es hieß ja schon immer, daß bte Lebensmtttcl zu Enbe gingen und daß ansteckende Arankhetten unter der Besatzungsarmee grassierten Jetzt kann der Friede nicht mehr lange ausbleiben' juntal auch an der Tschataldschalinie bie Bulgaren wieder tm erfolgreichen Vordringen begriffen sind Hmzu kommt, daß b:» Großmächte unter keinen Um- standen etner weiteren Fortführung des türkischen Derzwetflungskampfes müßig zusehen werden. Für

Durk« haben sich die Dinge jetzt ungünstiger ge= Üaftet, als sie noch vor einem Vierteljahre waren wo bte siegreichen Balkanstaaten in London der Pforte thre ,yneben§bebtngungcn diktieren wollen, diese aber sie als unannehmbar zurückwies und somit die Ver- handtungen ergebnislos verliefen. Nunmehr wird außer Konstantinopel nur noch ein kleines Gebiet, das durch die Linie Midia-Enos nach Norden abae- gren;t wird, türkisch bleiben, und die Landkarte der I Balkanbalbinsel wird binnen kurzem ein ganz verän- I berte§ Bich aufweifen. Alle großen Städte der euro-

Türkei befinden sich mit Ausnahme der Hauptstadt und Skutaris, das die Türken noch halten fteil'.ch nutzlos, da es dem neuen Fürstentum Alba- | nten einverleibt werden soll, im Besitz ber siegreichen I Soanar.ftaaten. Das jahrhundertelange Vordringen I ber christlichen Volker gegen bie Türken hat jetzt wie­der einen großen Erfolg zu verzeichnen. Wie lange totrb es noch dauern, daß ber Chronist bie Existenz des Osmanenreiches auf europäischem Boden' als ber Vergangenheit angehörig bezeichnen kann und daß die Kuppel der Hagia Sophia wieder wie vor 460 Jahren I ftatt des Halbmonds das christliche Kreuz krönen totrb?

.Frankreich ist jetzt wieder ein neues Ministerium am Ruder. Sein erstes Auftreten in der Kammer war wenig versprechend. Das Per- I trauen^otum, das ihm am Dienstag erteilt wurde sah schon mehr nach einem Mißtrauensvotum aus. §0 es Herrn Barthou, ber das Präsidium des neuen Kabmetts mnehat, gelingen wird, die Mlitärvorlage glücklich durchzubringen, erscheint noch keineswegs als