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2. Blak.

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Fuldaer Leitung. ***

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Zrettag 28. Mürz 1915.

Kleives Feuilleton

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worden. Auch die Akkumulator« und Benzol-Trieb­wagen sollen dunkelgrün gestrichen werden. Die äußeren Aufschriften und Zeichen werden ebenfalls in den neu vorgeschriebeneu Farben ausgesührt werden.

®<mt Spargel an! Diese Mahnung gilt für I«en, dem daran gelegen ist, aus seinem Garten oder Feld einen guten Ertrag zu erzielen. Heutzutage geht man bei der Kultur des Spargels ganz anders zu Werke, als ehedem, wo man noch große Gruben in die Eü>e machte, einen Meter tief und tiefer, und wo vmn mit dem kostbaren Dünger eine unsinnige Ver­schwendung trieb. Jetzt macht man alles einfacher, rationeller, und darum ist der Ertrag um so größer, um so sicherer, sodaß nun jedermann, der einen grö­ßeren Itutzgarten zur Verfügung hat, sich auch mit dem Spargelbau beschäftigen kann. Die Rentabilität der Kultur ist vorzüglich. Man rechnet auf einen preußischen Morgen — 25 Ar 2500 Pflanzen, also auf jeden Quadratmeter eine Pflanze. Der Er­trag hängt natürlich wesentlich von der Bodenart ab, «nn diese bedingt hauptsächlich die Qualität des Spargels. Im Durchschnitt rechnet man pro Mor­gen einen Ertrag v»n 750 Kilogramm, wovon 60 Prozent erster, 25 Proz. zweiter Qualität und 15 Prozent Suppenspargel sind. Hierfür bezahlen die Konservenfabriken je nach Marktlage durchschnittlich 45, 25 und 8 «5 pro Pfund. Sonach würde man bon einem Morgen Land eine Einnahme von min­destens 520 Mark haben. Die Unkosten stellen sich pro Morgen auf jährlich ca. 250 Mk., und man hätte 5*]° einen Reingewinn von 270 Mark mindestens. Dieser kann aber natürlich auf das Doppelte steigen, wenn man seine Ernten nicht an Fabriken abgibt, sondern an Händler oder noch besser an Konsumenten wrekt, Restaurateure, Kasinos, Hausfrauen usw. Bei der Anlage einer Spargelkultur mutz man damit rechnen können, das Land 20—25 Jahre lang ver- Mbar zu haben; so lange währt die Erntezeit einer E"tage. Vom vierten Jahre ab ermäßigen sich ?drigens die Unkosten, und man kann dann auf einen stetigen, jährlichen Reinertrag rechnen, der einer Ver- hrnsung von 50 Prozent des Anlagekapitals ent- ipricht, wobes die Auslagen für Pacht, Betriebslei- usw. schon abgezogen sind. Kommen auch mal geringer Ernte so steigen die Preise, iroenfalls ist die Rentabilität ganz einwandfrei, be- pnbtts im Hinblick auf die minimale Arbeit und

totales.

Fulda, 28. März 1913.

S Hostüg«. Heute früh 4.43 Uhr paflierte Prinz snb Prinzessin Eitel auf der Fahrt von Berlin nach Frankfurt mittels Eonderzugs die hiesige Station. — um 7.81 Uhr durchfuhr der Hofzug des Kaisers auf b«t Fahrt nach Bad Homburg den Bahnbok Fulda.

*y Der Ofterverkehr auf der Station Fulda war ht diesem Jahre bedeutend stärker als im Vorjahre. An den Tagen vpm 19. bis 27. März einschl. wurden über 20 000 Mark für Fahrkarten eingenommen. Sowohl die Eisenbahnbeamten als auch die Postbe- irmlen können auf arbeitsreiche Tage zurückblicken.

(*) Kaiserhof. Herr Karl Helder aus WatterS- hausen übernimmt mit dem 1. April d. Js. das Restaurant zum Kaiserhof.

-5- GaSautomaten. Um die Versorgung mit Licht und Heizkrast den Hausfrauen für chre Börse recht schmerzlos zu gestalten, sind in den letzten Jah­ren viele Städte und Gasanstalten dazu überge­gangen, den Gaskonsumenten Automaten zu stellen, die ihnen für einen einzigen Groschen den nötigen Bedarf für Beleuchtungs- und Kochzwecke für die nächste Zeit liefern. Auch in Fulda hat diese neue Einrichtung sich schnell eingeführt. Sind doch be­reits etwa 200 Automaten mit annähernd 1000 Flammen aufgestellt. Die Gasautomaten stammen aus England, wo sie auch heute noch außerordentlich verbreitet sind. Ihre Zahl beträgt in London über 1 Million. In ganz England sind rund 3 Millionen Automaten in Gebrauch. In Deutschland konnten die Gasautomaten zuerst keinen rechten Eingang fin­den. Noch im Jahre 1908 hatten nur 27 Gaswerke über je 1000 Münzgasmesser im Betriebe. Dann setzte auch hier ein lebhafter Auflchwung ein. Im Oktober v. Js. hatten von 675 deutschen Gaswerken 605 Werke 3 345 878 angeschlofsene Gasmesser gegen 3 039584 im Oktober 1911. Von diesen 605 Wer­ken hatten wieder 384 Werke Gasautomaten und zwar im Oktober 1912 547 507 gegen 378 235 im Oktober 1911. Wie die Gasautomaten in England eine viel bedeutendere Verbreitung gefunden haben als bei uns, so ist auch der Gaskonsum dort bedeutend größer. In England (außer Schottland und Irland) tft.ber Gaskonsum auf die gewaltige Höhe von 5,24 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gesteigert worden und in einer ganzen Reihe von Städten beträgt der Konsum pro Kopf der Bevölkerung über 300 Kubik- meter. Demgegenüber beträgt das Maximum des Gaskonsums tit Deutschland nur 130 Kubikmeter, 'm Fulda sogar im letzten Jahre trotz der enor­men Steigerung des Gasverbrauchs gegen die Vor­jahre nur etwas über 60 Kubikmeter pro Kopf der Bevölkerung. Unzweifelhaft hängt jener große Gas­verbrauch in England und auch dessen Steigerung in Fulda mit der Verbreitung der Gasautomaten zu­sammen.

♦ Die Genossenschaftsbank für Heflen-Naflau hielt gestern m Wiesbaden ihre diesjährige Generalver­sammlung ab. Der Gesamtumsatz beziffert sich auf 38 Mill. Mark, der Reingewinn hat die Höhe von 11 900 Mark gegen 17 000 Mark im Vorjahr Die Verminderung um 5000 Mark ist auf den sinkenden Kurs der Reichsanleihen und preußischen Konsols zuruckzuführen Verluste aus der Kreditgewährung hat die Genosienschaftsbank wie in allen Vorjahren nrcht zu verzeichnen. Mit 200 Mitgliedern, darunter 176 Genossenschaften, trat die Genoosienschaftsbank m das Jahr 1913. Die Verwendung des Reinae- wrnns wurde in der Weise festgesetzt, daß nach Spei- fnng des Reservefonds und der Betriebsrücklage mit ke 10 Prozent 4 Prozent Dividende verteilt werden sollen.

* Der UmzugStermin steht wieder vor der Tür. Es fet deshalb auf die Meldepflicht bingewiesen, wo­nach jeder Wohnungswechsel innerhalb der Stadt drnnen drei Tagen beim Einwohner-Meldeamt zu melden ist. Auch gilt dies für alle Personen, welch« von außerhalb hier zuziehen. Weiter wollen Woh- nungSinhaber, Dienstherren, Arbeitgeber ufro. streng darauf achten, daß alle bei ihnen wohnhafte Per- sonen richtig gemeldet sind, da erstere auch für diese Meldung verantwortlich sind und im Falle unter« lafsener Meldung bestraft werden können.

= Neuerung bei der Eisenbahn. Der gleichmäßige bunkelgrüne Außenanstrich der Personenwagen alltt Klassen ist auch für die in den Personenzügen laufenden Gepäck- und Heirkeffelwagen voraeschrieben

Aus dem Nachbaraebiete.

h Steinau, Kr. Fulda, 28. März 1913. Zwei hiesigen Einwohnern wurde das seltsame „Gluck" zuteil, das seit dem vorigen Herbst gemähte Grum­met, welches die liebe Märzensonne jetzt getrocknet hat, in die schon etwas lichter gewordene Scheune bringen zu können.

(*) Bad Salzschlirf, 27. März 1913. Herr Kunst­maler Gustav Iller-Fulda hat jür Bad Salz­schlirf ein Wappen entworfen. Es besteht aus einem längsgespaltenen Schilde und führt in Feld 1 auk blauem Grunde (Farbe des heiteren Himmels) eine silberne (heraldische) Pflugschar als Sinnbild der alten Bauernschaft, dem wichtigsten Faktor in der älteren Geschichte Salzschlirfs; in Feld 2 auf schwarzem Grunde (Farbe des Ernstes und der Vor- nehmhei) einen gold.nm A skulapstab (Heilkraft der Kurbrunnen), aus dessen oberem Ende nack beiden Seiten je eine silberne Quelle springt, ein Symbol der zwei ältesten Soolquellen Salzschlirfs, lieber dem Schilde schwebt die für Dorfschaften vorge­schriebene rot' dreizmnige Mauerkrone, welche mit einem silbernen 8 belegt ist. — Salzschlirf, das schon im Jahre 885 genannt wird und auf eine interessante OrtSgeschichte zurückblicken kann, hat wohl ein Anrecht auf ein Ortswappen und die zur Führung des Wappens erforderliche Genehmigung dürste wohl erteilt werden. Dem Herrn Iller wird für den wohl­gelungenen Entwurf die vollste Anerkennung seitens der Gemei' de gewiß sein.

* Aus dem Vogelsberg, 27. März 1913. Heute mittag brach in der Scheune des.Landwirts Gauß in Crarnfeld Feuer aus. Trotzdem die Feuer­wehren von hier und Grebenhain gleich zur Stelle waren, konnte das Gebäude nicht gerettet werden. Das Vieh und ein Teil des Mobiliars wurden ge­rettet. — Fast um dieselbe Zeit brannte ein junger Fichtenbestand von etwa 2 Morgen oberhalb Ober-Moos ab. Die Feuerwehr verhinderte ein wei­teres Umsichgreifen des Feuers.

* Bebra, 27. März 1913. Die Baufirma Sch ei­lt e r hat Konkurs angemeldet. Forderungen sind bis zum 14. April anzumelden. Die erste Gläubiger­versammlung findet am 21. April statt.

* Bettenhausen, 27. März 1913. Ein junger Land­wirt von hier verletzte seinen Vater durch Messer­stiche so schwer, daß dieser längere Zeit darnieder» lag. Die Strafkammer Gießen verurteilte den Messer­helden zu 9 Monaten Gefängnis.

* Gelnhausen, 27. März 1913. Für eine mit Be­ginn deS neuen Schuljahres an der hiesigen A ugusta- Schule zu besetzende Mittelschullehrerin-Stelle wurde in der letzten Sitzung des Kuratorium» unter 36 Be­werberinnen Fräulein Elise Mittmann auS Berlin- Lichterfelde einstimmig gewählt.

eh. Frankfurt, 26. März 1913. Im Karlshanse begann heute ein von etwa 40 Teilnehmern besuchter sozialer Kursus für Gebildet«, der vom Sekretariat sozialer Studentenarbeit in M.«Gladbach geleitet wird. — In Eschersheim wurde auf einem städtischen Lagerplätze einem Schuljungen durch eine plötzlich umstürzende Bretterplanke ein Bein ab­geschlagen. Die Eltern des Verunglückten machen die Stadt für den Unfall haftpflichtig. — Der vor­bereitende Ausschuß für die vom 6.-9. April hier stattfindende Frühjahrs • PferdeauSstellung lehnte den Antrag mehrerer Mitglieder, die für die Lotterie erforderlichen Wagen, Geschirre und Ge« brauchsgegenstände direkt aus Fabriken zu beziehen, mit großer Mehrheit ab. Auf dem am 6. April festgesetzten Vorfahren und Reiten über Hindernifle soll zum erstenmal ein« Abteilung von 10 Reitern auf deutschen Remonten gezeigt werden, um den Pferdezüchtern das von der Heeresverwaltung benötigte Material vorzuführen. Bei späteren Gelegenheiten beabsichtigt man, falls die Geländeverhältnisse eS zu­lassen, auch Rennen für hervorragend« Traber ins Leben zu rufen. Die diesjährige Ausstellung wird eine der bedeutendsten werden, da jetzt schon alle ver­fügbaren Stallungen vergeben sind.

ab. Griesheim a. M., 27. Mär, 1913. Die Ge­meindevertretung beschloß, den Bedarf an Milch für die Einwohner nicht mehr im freihändigen Ein­kauf zu bewirken, sondern in mehreren Losen auf dem Submissionswege zu vergeben.

persönliche Mfthilfe, welche die Sache erfordert. Die

Kultur des Spargels ist verschieden. Man kennt z. B. eine Horburger, eine Schwedische und eine Braun­schweiger Methode, ferner haben verschiedene Züchter ein eigenes Verfahren ergründet. Die Fachleute geben der neuen, einreihigen Kultur-Methode de» Vorzugs weil hierbei die Ernte von Spärgel erster Qualität am reichsten ist. Die Beete bringen zwar bis zum vierten Jahre weniger Ertrag als die mehr­reihigen, dann aber ist das Verhältnis für 16 bis 20 Jahre gerade umgekehrt! ig.

— Der Honig als Mittel gegen Zahnweh. Was Sibt's doch alles an Mitteln, die gegen Zahnschmerzen elfen sollen! Das einfachste und biüigfte aber, den Honig, läßt man unbeachtet, teils, weil man's noch gar nicht kennt, teils weil man sich sagt: Honig? Der macht's doch bloß schlimmer! Aber man versuche nur einmal das treffliche Mittel in gegebenen Fallen und wird Wunder erleben! Das Zeug „schießt" aller­dings in die Zähne, wie man sagt, der Schmerz stei­gert sich, aber nur auf eine kurze Zeit; bei jedem wei- teren Löffelchen Honig, den man anwendet, wird der Ausfluß der Speicheldrüsen geringer, und in ein paar Minuten ist der Schmer; vollständig gestillt! Wie hat man sich diese überraschende Wirkung zu er­klären? Leute, die alles gehörig kauen» haben selten schlechte Zähne und also auch selten Zahnschmerzen, bei solchen aber, die viel von Suppen und Kaffee leben und alle feste Speisen in großen Bissen hinun­terwürgen, haben die Speicheldrüsen nichts zu tun, infolgedessen setzt sich der Speichel, das Wasser, am Zahnfleisch an und bringt Rheuma, Fisteln und Ge­schwüre zuwege, die wieder die Nerven schädigen und so den Schmerz Hervorrufen. Honig aber reizt die Drüsen gewaltig zur Abgabe des alten, schlechten Speichels, es wässern einem ordentlich die Zähne, und der Speichel wird immer neu ersetzt. Die An­strengung aller Organe ist ja eine Hauptbedingung für unsere Gesundheit; denn sie bewirkt den notwen­digen Stoffwechsel. Zudem reinigt der Honig das Blut, wodurch ebenfalls besonders dem Zahnleiden vorgebeugt wird. Daß dieses angenehme und ein­fache Mittel aber nicht bloß vorbeugend, sondern auch heilend wirkt, liegt in der fäulniswidrigen, antisep­tischen Eigenschaft des Honigs! Ein Arzt sagte ein­mal: Wenn alle Menschen reichlich Honig äßen, müß« ten Tausende von Aerzten brotlos werden! gf.

* »ab Homburg, 27. März 1913. Der M ar« stallzug mit 45 kaiserlichen Pferden traf gestern von Berlin hier ein. Ein Zug mit Automobilen folgt heute noch.

♦ Tarmstadt, 27. März 1913. Der Kath. Leh- rereerein im Großherzogtum Hessen hielt gestern hier seine Telegiertenversammlung ab. Nachdem von Herrn L. Schmitt-Darmstadt erstatteten Jahresbericht zählt der Verein gegenwärtig in 18 Bezirken 1340 Mitglieder. Die mit dem Verein verbundene „Für­sorgekasse" weist ein Barvermögen von 83,000 Mark auf. Ihr gehören 533 Versicherte an. Nach einem gestern angenommenen Anträge können zukünftig auch Lehrersfrauen in die Sterbekasse des Vereins aufge­nommen werden.

* Born Eichsselde, 26. März 1913. Ein größeres Schadenfeuer hat das Dorf Wingerode <Kr. Worbis) heimgesuckk. Das Feuer war in der Scheune deS Landwirts Slih entstanden. Scheune, Stallungen und Wohnhaus brannten nieder. Durch Funken wurde auch das benachbarte Banksche Haus in Flam­men gesetzt. Auch dies Haus und die Wirtschafts­gebäude brannten in kurzer Zeit nieder. Sechs Schafe und ein Teil des Federviehes kamen in den Flammen um. — Bei Heiligenstavt wurden durch Wald­brände an einem Nachmittage 2* 1/« und 8 Morgen große Waldbestände vernichtet.

* Bus Franken, 26. März 1913. In Neustadt a. S. feiert die Witwe Margareta Fritz ihren 94. Geburtstag in geistiger und körperlicher Rüstigkeit. — Die Anhöhe zwischen Thundorf und Theinfeld, die sog. „Hundsleite', hat sich im Laufe der Zeit be­deutend gesenkt. Vor 20 Jahren iah man vom Kirch­berge aus bloß die Spitze des Kirchturmes von Thein­feld, und heute sieht man bereits den ganzen Ort. — Am Ostermontag abends geriet die 79 Jahre alte ZimmermannSfrau Barb. Bieier von Drosendorf beim Aussteig n in der dortigen Station unter die Räder des wieder anfahrenden Zuges der Lokalbahn Bamberg-Scheßlitz. Der Frau wurden beide Beine und e n Arm abgefahren. Sie starb gleich darauf. — Die bcioen jungen Leute, welche am Ostersonntag bei einer Kahnfahrt ihren Tod un Maine landen, standen in Aschaffenburg in Arbeit. Der eine beißt Adam Dierlein und stammt aus AnSbach, der andere, namens Willy Tickepper, ist von Bielefeld.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 26. März 1913. Heute mittag brannte ein Strohschober bei Kranlucken an der Straße nach Motzlar, sodaß die dortige Feuerwehr eingreifen mußte. Wie vermute» wird, hat ein Schuljunge durch Spielerei mit Zündhölzern den Schaden verur­sacht. Zwei Stunden später brannte eine junge A ». Pflanzung in der Größe von etwa einem Hektar am Schleidsbrrge nieder. Waldarbetter hatten, um sich Kaffee kochen zu können, ein Feuer angezündet. Dadurch war das dichte dürre Gras der Anpflanzung in Brand geraten. Zur jetzigen Jahreszeit kann man hier tagtäglich brennende Feldraine beobach­ten. Es nimmt Wunder, daß dadurch bis jetzt noch nicht größeres Unglück entftanben ist.

♦ Dermbach, 27. März 1913. JnS Krankenhaus wurde ein Italiener eingeliefert, der int Basaltstein­bruch am D«trichsberg bei Sprengarbeiten schwere Verletzungen im Gesicht, besonders am Auge davontrug.

* Vacha, 27. März 1913. In Unterbreizbach hat­ten drei Schulknaben während der Monate Dezember und Januar aus Zucker-Automaten durch Einwurf von Bleistücken Waren gestohlen und waren schließ­lich ertappt worden. Zwei der Missetäter wurden wegen Mundraubs zu 3 Mark Geldstrafe bezw. zu einem Verweis verurteilt, der Dritte mußte wegen Strafunmündigkeit freigesprochen werden.

* Stadtlengsfeld, 27. März 1913. In der katho­lischen Kapelle dahier fand am 2. Ostertag die Feier der ersten hl. Kommunion statt. Seit Jahr­hunderten war dies hier die erste betartige Feier unb so gestaltete sie sich um so eindrucksvoller. Die Ka­pelle, und besonders der Altar prangten in reichem Blumen- und Kerzenschmuck. Mit den Kindern gin­gen auch die Eltern und Verwandten zum Tische des Herrn. Mitglieder des kath. Kirchenchors „Cäcilia- Dermbach" trugen durch ihren erbaulichen Gesang zur Erhöhung der Fesffeier bei. — Der Gemeinderat setzte den Steuersatz auf 3 Pfg. von einer Mark des Einkommens fest.

* Dietlas, 27. März 1913. Der Herzog hat für unfern Ort eine große Glocke geschenkt, während Frau von Buttler eine kleinere stiftete. Die Glocken sollen in dem Türmchen, welches die neue Schule erhält, aufgehängt und bei Leichenbegängnissen usw. geläutet werden, da unser Ort keine eigene Kirche hat.

Aus Gderheffen u. den Hess. Aemtern.

ä Marburg, 28. März 1913. Die Gerichtsver­handlungen gegen die ermittelten Hauptbeteiligten der studentischen Demonstration zu Fastnacht auf dem Marktplätze nehmen langsam ihren Fort­gang. Heute stand vor dem Schöffengericht ein Korps­student unter der Beschuldigung, in der fraglichen Nacht einen Polizeiwachtmeister durch heftiges An­schreien beleidigt zu haben. Er war dazwischen ge­treten, als der Wachtmeffter den Namen eine» an» derer- Studenten feststellen wollte, indem er be­hauptete, diesen zu kennen. Wie der Beamte ver­sicherte, hätte der Angeklagte damals noch nicht ein­mal die Wohnung des Betteffenden, der sich mittler­weile im Menschmgedränge verloren, gewußt. Er sei noch niemals in einer solchen Weise angeschrien worden. Während der Arittsanwalt 100 Mk. Geld­strafe beantragte, ging ba§ Gericht darüber hinaus und erkannte auf 150 Mk. Geldstrafe oder 15 Tagen Gefängnis, sowie Publikation des Urteils am schwar­zen Brett und in den hiesigen Zeitungen.

* Frankenberg, 27. März 1913. Der hiesige Leh­rerverein veranstaltet im April eine Anzahl wissen­schaftlicher Vorlesungen über deutsche, beson­ders hessische Mundarten. Als Vortragender ist Professor Wrede aus Marburg gewonnen.

* Biedenkopf, 27. März 1913. Während man früher beabsichtigte, eine Bahn von hier über Frohn­hausen nach Battenberg zu bauen, ist man neuerdings zu der Ansicht gekommen, daß die Linie über Eisa nach Hatzfeld empfehlenswerter sei. Auch die Stadtver­ordneten gaben der letzteren Linie den Vorzug.

* Schlierbach, Kr. Fritzlar, 27. März 1913. Dem hiesigen Darlehnskassenverein, der erst vor einem Jahr gegründet wurde, sind fast 11000 Mk. an Sparkassengeldern zugeflossen. Zur Verteilung an die Mitglieder wurden für ca. 40000 Mk. Dünger­und Futtermittel angekaust und den Mitgliedern da­durch recht erhebliche Vorteile zugewandt. Der Jah­resumsatz belief sich auf fast 152 000 Mk.

vermischtes.

♦ Ter Todessprung eines Reiters. Eine auf­regende Szene spielte sich dieser Tage in der eng­lischen Stadt Reading ab. Auf dem Hose einer unmittelbar an dem Themse-Nebenfluß Kenet ge­legenen großen Brauerei ritt ein junger Mann ein etwas unruhiges Pferd, um ihm Bewegung zu verschaffen. Das Tier scheute plötzlich und setzte mit seinem 91 eiter über eine ziemlich hohe Mauer hin­weg in den Fluß. Der gewaltige Sprung von Mann und Roß wurde von mehreren Personen gesehen. Einer dieser Augenzeugen, ein junger Schreiber in einem Büro der Brauerei, warf nur schnell seinen Rock ab und sprang aus dem Fenster, das nahezu sechs Meter über dem Wasserspiegel liegt, in den Kenet. Es gelang dem beherzten Jüngling auch, den des Schwimmens unkundigen Stallburscheu am Haar zu erfassen. Der Ertrinkende entglitt ihm jedoch wieder, und obwohl Sydney Turner noch mehrere Male nach dem jungen Menschen tauchte, konnte er sein Rettungswerk doch nicht vollenden. In völlig erschöpftem Zustande mußte er selber aus dem Was­ser gezogen werden, während man den andern nur als Leiche bergen konnte. Der vierbeinige Unheil­stifter war inzwischen lebend ans Ufer getrieben worden. .

* Ter Hirt «IS Millionär. In dem französischen Dors« Liter ne ist ein einfacher Hin namens Bon- nand durch eine Erbschaft von 37 Millionen Francs überrascht worden. Der Hirt, der in den ärmlichsten Verhältnissen lebte, war bei fremden Leuten erzogen worden und hatte keine Ahnung, wer sein Vater war. Dieser, ein reicher Mann, hat jedoch seinen Sohn nicht vergessen und ihm sein gesamtes Vermögen vermacht. '

* Ein lustiges Schmugglergeschichtchen svielt« sich dieser Tage in dem ttalienischen Hasenort Porlezza am Luaaner See ab. Die Uhren sind in der Schweiz viel billiger als in Italien und so kaufte sich eme feine Italienerin auf Schweizer Boden ein ebenso jemcS Wcckerührchen, das sie behutsam unter ihren Röcken versteckte, um nicht Zoll zahlen zu müssen. Der Schmuggel wäre der Dame sicherlich gelungen, hätte ihr nicht ein fatales Mißgeschick bös mitgespielt. Gerade in dem Moment, als sie die Zöllner passierte und eben gesagt hatte, sie habe nicht« zu verzollen, fing der Wecker unter den Röcken zu klingeln an und .weckte" die Zöllner! Wohl oder übel mußte sich die Dame zu einer nicht unbedeutenden Strafe herbeilassen.

* Die neue Hauptstadt Australiens. Vor kurzem wurde in Australien in feierlicher Weise eine Stadt begründet, die bestimmt ist, Australiens neue Metro« pole zu werden. Die Stadt erhielt den Namen Camberra und ihr Bauplan ist das Resultat einer internationalen Konkurrenz. Camberra soll eine ideale Stadt werden, in der von Anfang an alle Möglich« leiten der Entwickelung berücksichtigt worden find und in der die Anlage der Straßen und Plätze in der sinnvollsten Weise unter der Berücksichtigung der heutigen Erfahrungen ersolote.

* Das Vermögen des Eisenbahnkönigs Harryman, der im Jahre 1909 in Newhork starb, ist jetzt genau festgestellt worden. Es beläuft sich auf insgesamt 340 Millionen Mark. Das Vermögen von Jakob Aswr ist um 50 Millionen höher. Bei seinem Tode befand sich in Harrhmanz Besitz ein Barvermö­gen von 7161210 Mark.

* Ein tätiget Vulkan in Deutsch-Ostasrika. Wie die Usambara-Post meldet, ist der Oldonyo l'E n g a i in dauernder Tätigkeit. An der Nordseite der Bergspihe rinnt ein weißer Schlammstrom herab bis zur Hälfte des Berges, anscheinend Natron­schlamm, der aus dem etwa 75 Meter hohen Neben­krater kommt. Durch Kristallisierung bildet sich an der Austrittsstelle ein hoher, nabelartiger Krater. Auffallend sind die sporadisch aus dem Krater em- porgepufften Dampfwolken. In ber_ Gegend von Engorongero wurden infolge der Tätigkeit dieses Vnllans häufig Erderschütterungen und dumpfes Dröhnen in der Erde vernommen.

— Vertauscht« Rollen. Frau: .Hermann, heute sind es fünf Jahre, daß Du mich zum Altar geführt haft!' — Mann: .Ja, das war das letzte Mal, daß ich Dich führte, nachher hast Du die Führung übernommen!'____________

Literarischer.

Pius X. und die frühe „Erst Kommuniou'. Ein Büch« lein für Eltern und Eizieher von F. M. de Zu. lueta S. J. Autorisierte Urbersetzung aus dem Englifchen. PaulinuS-Druckerei in Trier. Preis 50 Pfg

Pater sss . M. de Zulueta 8. J., der Verfasser oben« genannten Büchleins, das hier zum «rstenmale in deutscher Sprache erscheint, ist in England bekamt als einer der eifrigsten Vorkämpfer für die rasche und allgemeine Durchführung de» Dekretes „Quam Singtflan“, das die frühe Zulassung der Kinder zur ersten hl. Kommunion betrifft. Seine vielen hierauf bezüglichen Schriften find weit verbreitet nnd hochgeschätzt.

Handel unb Industrie.

♦ Berlin, 27. März 1913. Die Zuversicht der Börse wurde durch die Ungewißheit über die Wir­kungen der bulgarischen Erfolge beeinträchttgt. Die Montanwerte gaben 0,5 bis 1 Prozent nach. Bank­aktien still. Bon den Eisenbahnwetten zogen Kanada 1,75 Proz. an, Schantungbahn büßten 1 Prozent, Öttentbahn 1,25 Prozent ein. Die Preisbesserungen der Schiffahrtsaktien betrugen 0,5 bis 1,75 Prozent. Elektrizitätswette nicht einheitlich. Bon den deutschen Anleihen gewannen 3proz. Konsols 0,30 Proz., 3,5- proz. 0,15 Proz., 3proz. und 4proz. Reichsanleihe 0,10 Prozent. Der Kassamarkt zeigte eine feste Haltung. Der Pttvatdiskont notierte fünfsiebenachtel Prozent für lange und sechs Prozent für kurze Sichten

■RcHatttetu «nd Anzeigenteil.

Besser als Lebertran.

An Stelle des gewöhnlichen Lebertrans sollt« man besser Scotts Emulsion nehmen. Sie ist nicht nur fchmackhaster als reiner Tran, sondern auch bedeutend leichter per« baulich, daher ausnutzungsfähiger und

zuverlässiger tu der Wirkung.

Man muß aber bei Scotts Emulsion bleiben und sich keine der jetzt so häufigen Nachahmungen ausreden lassen.