Fuldaer Zeitung
intern» tOgfld) mit Ausnahme der Sonn- und Seiertoge Viertel, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In $ulöo jo wie auswärts 1.30 Hlorlt •••• Rototionsbrudi und Verlag der e s Sulbaer flctienöruckerel in Julöa. $em|pred)et Nr 9. ::
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Illustrierte Sonntagszeifung | Zuldaer Seschichtsblütler
S Eiebungslilten der preutzisch-süddeurschen Klefftn-totttrie. — Haldjihrlich Laschenfahrplan, s
firnetgen: Cer ficom eteer flnfpatfigen Celoreheite, 47 mm tret», tonet U Dftu Miamni; Cer Raum dher Coloneheile. 74 mm »teil, ko fiel 40 Pfg. Bet Wiederholung« Rebeti $6r Offert- uni fluskunflcnirleen 20 Df. extra. 3n Konkursiatlra wird der leBlllloie Rebell hlnftlllg. Crfüllunpsort für bas en. klag« eee $orteru*g« Ift Suite, flnielgen-flnnahme bis 10 Uhr »ornultaas. s s Crttcn Arbeiten erbitten wir en* tags vorder. s »
fir. 7j.
€rftes Blatt.
Freitag den 26. HTärz 1913.
40. Zahrgang.
□ 60. Genera-Versammlung ver Katholiken Tentschlanos in Metz
vom 17. bis 21. August 1913.
Sei-tdem am 5. Dezember 1912 sich das Lokal- fonütee im Metzer Rathaussaale konstituiert hat, ist schon manche Arbeit geleistet worden. Die Kom- missonen, von denen damals nur die Vorsitzenden und die Schriftführer bestimmt worden waren, haben sich ergänzt, sodaß^etwa 300—400 Personen im Komitee tätig sind. Tic H a l l e n f r a g c ist eine derjenigen, die das Zentralkomitee seit Jahren am weiften beschäftigt. Man hatte gehofft, schon für dieses Jahr einen Vertrag mit ein und derselben Firma zur ständigen Beschaffung einer Halle für die Katholikentage abschließen zu können. Allein daraus ist einstweilen noch nichts geworden. Metz wird selbst für seine Halle zu sorgen haben. Herr Hochbauinspektor Teures hat den Plan entworfen, und der Vertrag mit der Baufirma ist auch bereits abgeschlossen. Die Lage der Halle wird sehr günstig werden, nahe beim Bahnhof und unweit der übrigen Versammlungslokale. Tie Versendung der Mitgliedskarten wird anfangs Mai erfolgen, damit die Finanz- und Anmeldekommission für die letzten Monate entlastet wird. Zu diesem Zwecke wird das ausführliche Programm einer spätern Zusendung Vorbehalten bleiben. In etwa 14 Tagen wird jedem ständigen Mitglicde eine Ankündigung darüber zugehen. Die Tatsache, daß der Festbericht öfter,'wie z. B. dieses Jahr, so spät erscheint, hat zu durchgreifenden Veränderungen Anlaß gegeben. Die stenographische Aufnahme und die Uebertragung während der Tagung wird von einem ganzen Parlamentsbureau in der Weise erfolgen, daß unmittelbar nach der Generalversammlung die Drucklegung beginnen kann und die Versendung des gedruckten Berichtes vor Weihnachten abgeschlossen ist. Eine harte Aufgabe wartet der Wohnungskommission; doch ihre Leitung ist in so bewährten Händen, daß für Quartiere schon in genügender Anzahl und in zufriedenstellender Weise gesorgt werden wird. Die Bahnverhältnisse sind in dem Neubau des Metzer Bahnhofes durchaus günstig, zumal in der Festungsstadt schon wegen des Militärs für Ein- und Ausladung von Massen besondere Vorkehrungen getroffen sind? Herr Generalsekretär Tr. Donders ist kürzlich in Metz gewesen, hat sämtlichen Kommissionssihungen beigewohnt und hat sich von dem Fortschritt der Vorbereitungen überzeugen können.
3 Freisinn und Sozialdemokratie.
Was der Freisinn in Preußen treibt, ist zwar mrchaus nicht von Wichtigkeit für uns, aber doch nicht Knz ohne Interesse, da diese Partei auch in kurhessi- en Kreisen sich bemerklich macht und jetzt vor den Wahlen in der besten Gestalt sich zu präsentieren bemüht. Besonders beachtenswert ist das Verhalten des Freisinns zur Sozialdemokratie. Beide Parteien suchen möglichst gute Beziehungen zu einander aufrecht zu erhalten. Dräut einmal irgend ein Wölkchen, das störend wirken könnte, gleich ist man auf beiden Seiten eifrigst bemüht, es zu verscheuchen.
Als der Berliner Freisinn im Stadtparlament mit der Sozialdemokratie wegen der Jahrhundertfeier in Streit geriet und dieser Streit sich auch auf das preußische Abgeordnetenhaus übertrug, erklärte Herr Cassel, am Schlüsse einer langen Philippika gegen die Sozialdemokratie, natürlich habe dieser „Zwischenfall" auf das künftige Verhältnis zwischen Freisinn und Sozialdemokratie keinen Einfluß. Im Hause war man erst verblüfft, dann gab's stürmische Heiterkeit. Die schneidige Rede des Herrn Cassel gegen die Sozialdemokratie war nur Brillantfeuerwerk, das der Freisinn ab und zu zum besten geben muß, um eine Anzahl Wähler,
ver Gras von Tarent.
Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
Der Prinz von Indien deutete nach der Richtung des Saales. „Dieser Mann da draußen hat ein Herz von Stein, er hat den Instinkt des Schakals und der Hyäne! Ein Unwetter braut sich zusammen über seinem Kopfe. Madame, lassen Sie ihn daran glauben, bis die Minute schlägt, wo er mit Ihnen den Gang zum Altäre antreten will. Rufen Sie die Ust des Weibes zu Hilfe, es gilt gutem Zwecke. — j-aiien Sie den Dingen jetzt ihren Lauf, was zwi-
»ns besprochen ist, sei begraben in Ihrer Brust, xlch will Ihnen helfen! Mein Auge wird über Sie wachen! Wollen Sie mir vertrauen?"
Er reichte ihr die Rechte, und ihre kleine feine Hand legte sich in die seine
Von der Türe her erklang ein Räuspern, Herr von Meneville trat eben ein, und in seinen Augen 8«ctte es, da er die beiden so allein fand.
»Ah, mein lieber Baron, wie gut, daß Sie kom- ^n", — fagte der Prinz lächelnd, „ich habe mir eoen erlaubt, einer glücklichen Braut ein Angebinde wr die kommende baldige Hochzeit zu machen." ■ Der Baron sah das Kästchen und trat näher. fUaunende Bewunderung, befriedigte Habgier leuchten aus seinen Augen bei dem Anblicke des unge- " Uer wertvollen Halsbandes.
»Hoheit, es ist bekannt, daß Sie der Reichste ***er den Reichen sind, doch wenn Sie so fürstlich 8fbcn- müssen Sic mit der Zeit verarmen." Der fprocl" ^atte tief verbeugt, als er die Worte ge-
0„ ''Damit hat es keine Gefahr", entgegnete der An- r*tSLCtc liebenswürdig. „Vorläufig habe ich noch
et)! als ich bevorß und das Geben macht mir. Cchmtz'« übrigen bin ich ja stark in Ihrer r-n "AKe meinen Sie das, Hoheit?" fragte Baron "ieneville.
die von wegen ihrer Eigenschaft. als Kapitalisten nicht viel von der Sozialdemokratie wissen wollen, bei der Stange zu halten. Im übrigen aber: den guten Beziehungen tut das keinen Abbruch und ist auch kein Hindernis, daß sich die Beziehungen mit der Zeit noch besser gestalten.
Ein deutliches Symptom für die Linksentwicklung des Freisinns ist die Art und Weise, wie man im freisinnigen Lager den Vorschlag des früheren Vorwärtsredakteur Wilhelm Schröder für die preußischen Landtags w ah len aufnimmt. Analog dem „Block von Bassermann bis Bebel", wie man den Großblock im Reiche nennen will, schlägt Genosse Schröder für Preußen den Block „von Liebknecht bis Friedberg", also einen Block der gesamten Linken, vor. Schröder geht von dem Ergebnis der Landtagswahl in Teltow-Beeskow aus, wo die Sozialdemokraten den freisinnigen Pfarrer Traub gegenüber einem konservativen Eisenbahnobersekretär haben durchfallen lassen. Schröder erklärt,
datz in Teltow-Wilmersdorf die leilenden Personen anfänglich geneigt waren, Traub zu unlei stütze«; aber schließlich habe die Rücksicht aus die Stimmung der Masse überwogen. Schröder erscheint es aber zweifeltmtt, ob die in Teltow bettiebenc ioüaldemofraliscke „Straltaltit" tüt die Sozialdemokratie leibst wirklich rätltch ericheine: „lins liegt es ob, über Gefühlswallungen hinweg die Stimme der politischen Bemuntt zu (Seiet zu bringen, lind diele eilotöert unbedingt ein Zuiammengehen der lozialistischen mit der geiamien bürgerlichen L nken von Liebknecht bis Friedberg. StiteUei t gelingt es noch unserer faxtet (die als die poliNsch feuere und geschulte Organisation m erster Lmie die Pflicht dazu halte' in letzter Stunde, über alle Erllärungen hinweg Die Brücke zur Bercündigung zu bauen."
Im freisinnigen Lager hat man diese Sirenentöne nicht ungern gehört. Mehr oder minder offen gibt man feiner Freude über diesen „vernünftigen" Genossen Ausdruck. Gelegentlich fließt dann nachträglich nochmals ein Tadel wegen Teltow-Beeskow mit ein. Aber int großen ganzen herrscht aufrichtige Freude im Freisinnslager. Sie werden also Wohl doch noch zusammeitkommen, der preußische Freisinn und die „preußische" Sozialdemokratie. Weichen Vorteil sich der Freisinn davon verspricht, ist nicht recht klar. Tic „Stimme der politischen Vernunft" müßte den Freisinn eigentlich von der Sozialdemokratie weg und zu den bürgerlichen Parteien rufen. Es ist ja möglich, daß die Sozialdemokratie dem Freisinn ba§' eine oder andere Mandat in die Hände spielt. Aber das waren Danaer-Geschenke. Die Sozialdemokratie würde gewiß nicht den Vorteil des Freisinns dabei im Auge haben. Auch der badische Ltberalismus hat einmal eine zeitlang triumphierend darauf hingewiesen, welch gute Geschäfte man doch mit der Sozialdemokratie machen könne. Und heute ist der badische Liberalismus der lackierte! Dem preußischen Freisinn würde es um nichts besser gehen. Den Vorteil aus einem liberal-sozialdemokratischen Bündnis würden einzig und allein die Sozialdemokraten haben. Möglich, daß der Freisinn in Preußen sich zu dieser befferen Erkenntnis durchringt. Wahrscheinlicher ober ist es, daß auch er über kurz oder lang sich der Sozialdemokratie ansgeliefert haben wird.
Churchills Flotteurede.
Der engl. Marineminister Hal feine mit Spannung er» warnte Floltcnreve im Unterbaute gehalten. Es war e ne l nge unb gewunvene Rcoe, der knappe Auszug, den wir gestern noch veröffentlichen konmen, enthält aber ab es Wesentliche. Des Pudels Kern ist:
England und Deutschland tonnten einmal beide für das. aht 1914 oder 1915 ihre Schiffs, bauten em ft eilen; in diesem .Feueojahr* würden 4 englische und 2 deutsche S chlacht schiffe ausfaßen. Tas Stänevertiäitnis der beiden Flotten würde da»
„Haben Sie denn Ihren Unglücksabend in Rom vergessen?" sagte der Prinz lächelnd. „Ich habe Ihnen unlängst, als ich in der Burg Tarent meinen Besuch abstattete, baldige Gelegenheit versprochen, Ihren recht ttennenswerfen Verlust wett zu machen. Wie wäre es, wenn wir heute noch Fortuna an- riefen, ob sie Ihnen oder mir günstiger gestimmt sei? Das Fest neigt dem Ende zu, die Gäste werden es mir nicht verübeln, wenn ich mich etwas zurückziehe, denn ich bin ein Mann bei Jahren. Eine sonderbare Aufregung ist heute in mir, Herr von Meneville, ich möchte erproben, ob das Glück wirklich Ihr Sklave ist! Sie haben einst gesagt, das Glück fei Ihnen hold in der Liebe und im Spiel — tn der Tat hat noch kein Mann um eine schönere Braut mit Erfolg gefreit! Messen wir uns im Spiele, vielleicht will Ihnen das Glück darin auch heute wohl!"
„Sie kommen meinen Wünschen entgegen, Hoheit", sagte der Baron, „doch gebt man nicht zu einem Feste mit Taschen voll Gold."
„Darüber machen Sie sich keine Sorge", sagte der Prinz lächelnd, „Gold habe ich genug im Hanse, und wer von meinen Freunden nicht versehen ist, mag aus sein Wort spielen."
In den Augen des Barons leuchtete es auf. Er hatte lange auf diese Gelegenheit gewartet. Er fühlte sich sicher, daß er seinen in Rom erlittenen Verlust zurückerhalten würde, er hatte längst feine Pläne hierfür fertig, die Gräfin wußte es, sie schaute ihn jetzt so sonderbar an. . - Die junge Frau wußte, er würde unehrlich spielen . . . wie verächtlich, wie klein war er doch. . . . . Sie wendete das Auge von ihm ab.
Der Prinz öffnete eine nebenan befindliche Türe. „Ich will nach meinen Freunden sehen und dieselben zum Spieltische laden", sagte er. „Der Herzog von Tesia wird des Festes herzlich müde sein, ich bin überzeugt, er ist mir mir zuliebe so lange geblieben. Er wird mir's danken, wenn ich ihn in diesen stillen Winkel einlade. Der junge Fürst Guastalla ist trotz seiner Jugend kein Freund des Tanzes, aber er liebt das Spiel, Marchese Tejano und Marquis Grimaldi hesglndien und auch V-contte Bixio. Machen Sie W>=< b-qu«n hier, Be-rm», arrnnuiertn Sie dV*
durch nicht verschoben, aber die Rüstungslast für beide Teile ei leichtert werden.
Das klingt recht nett und bieder; wenn man ober die Sache näher prüft, so ist der Gedanke undurchführbar. Hi ir haben sogar den Verdacht, daß Herr Churchill selbst die Undurchführbarkeit deS Vorschlages -rtannt hat. Tenn wenn man sich von einer berat n gen Anregung einen sachlichen Erfolg verspricht, so platzt man nidit gleich mit einer häufen Rede tn der Oeffentltchkeit heraus, sondern Irin erst in einen oertraultchen Meinungsaustausch mit der anderen Regierung. Da gcgenwärtig die Beziehungen zwischen London und Berlin bester sind, a!S feit langem, so stand einer diplomatischen Full, agnahme nichts im Weg. Aber der englische SHarmemmiftet geht nicht diplomatisch, sondern agitatorisch vor" «Ziel» bewußf erscheint seine verzwickte Beredtfamkeit nur bann, wenn er den Zweck verfolgt, die Schuld an den fortdauernden Flolienrüstungen auf Deutsch lands Schultern zu idneben.
Ter deutsche Marinesekreiär hat die zarte Frage des »Wettrüstens* nicht mit einem großen Wortschwall behandelt, sondern zur Beruhigung die kurze Erklärung abgegeben, dost von deutscher Seite das Stärke« Verhältnis 16:10, d. d. 8 englische Geschwader gegen 5 deutsche, als annehmbar betrachtet werde. Damit wurde den (Snglänbem klar und bestimmt versicheri, daß wir nicht ote Absicht haben, die dortige Flotte emzuholen oder gar zu übertrumpfen, sondern die nölige Sicherheit gegen einen Angriff schon erreicht zu haben glauben, wenn Deutschland fünf Kampf» embeiten gegen 8 gegnerische setzen kann.
Wenn nun England sich mit der zugestandenen Uebetlegcnbett von 16:10 dauernd begnügen wollte, so konnte und wußte die Antwort von London lauten: Gut, wir wollen den briti|rf>en Flottendau fortan so emricfaten, daß wir der deutschen Flotte höchstens im Verhältnis von 16 zu 10 überlegen find! Run schlägt aber der englische Marineminister nicht in die Hand, die ihm entgegengestreckt worden ist, sondern macht einen ganz n uen „Vorschlag", der die ganze Sache auf einen anderen Weg (und nach unserer Ansicht in eine Sackgasse) führt.
Herr Churchill will sich tatsächlich nicht mit der Ueberlegenbeit von 16 : 10 begnügen. Er gibt selbst zu, daß schon 18 englisaie Riesenschiffe am 10 deutiche kommen. An anderer Stelle rechnet er 45 gegen 24, was schon nadezugleich 19 : 10 wäre. Ueberhaum will er als Gegenwert gegen die ganze deutsche Fio te nur die eml-fche Heimatflotte gehen lassen. iaS mittel ländische Geschwader und die bei Gibraltar heimische Kolonialf lotte kvon wenigstens 5 Großichiffen) sollen außer der Rechnung bleiben, obschon sie im Ernstfälle dem Mutterlande hellen tonnen. Obendrein wird Englands Ueberlegenheit noch verstärkt durch die größere Reserve an brauchbaren Schiffe aus der Vordreadnought »Zeit.
Unter solchen Umständen riskiert England so gut wie gar nichts,wenn es wirklich mal für ein Jahr auf vier neue Schiffe verzichtete, während Deutschland zwei ausfallen ließe. Um so weniger, als England das ausgefallene viel leichter und schneller nachholen tonnte, als Deutschland.
England braucht nur zwei Baujahre, Deutsch, land drei. England hat ein hochentwickeltes Werst» wesen, das auch dann genügende Beschäftigung behält, wenn mal die eigne Admiralität em Jahr Ferien macht In England werden fortwährend Kriegsschiffe für ircmoc Rechnung gebaut; tm Bedans alle kann tLnglano diese Schiffe seiner Flotte emverleiben.
In Deutschland liegt die Sache ganz anders. Wir haben ein geietzlich f.stgclegtes Bauprogramm, auf dessen Einhaltung die Techniker, die Verwaltung, as milrtärische Ersatzwesen, die Eigentümer und die Ih batet der Wersten an eivtejcn sind. Ein Ferien- ,ahr mit Einstellung aller Schiffsbauten würde en, Jahr der Veririiruiiii und her Lähmung. Em wahret
Sie finden in der Kassette dort in der Ecke Kartenspiele im Uebersluß. Ich bin in wenigen Minuten zurück. Madame la Komtesse, wenn Sie nach Hause wollen, die Sänften stehen bereit, doch möchte ich Ihnen empfehlen, hier noch in diesem Raume der Ruhe zu pflegen. Sie sehen wirklich leidend aus. Ich werde dafür sorgen, daß Sie nicht gestört werden. . ."
In der Mitte stand ein großer, grüner Tisch. Ter Baron öffnete die ihm bezeichnete Kassette und entnahm derselben mehrere Spiele. Vorsichtig spähte er um sich. Er war allein. Niemand sah ihn. Dann öffnete er zwei Spiele und ließ die Blätter durch die Finger rascheln. Zwei davon steckte er zu sich. Er überzeugte sich, daß sämtliche Spiele von einem Drucke waren, keines unterschied sich von dem anderen. Die zwei Spiele, denen er Blätter entnommen, wickelte er zusammen und schleuderte bicfelben in den großen marmornen Kamin. Dann ging er mit gekreuzten Armen auf und nieder in dein Gemache. Er lächefte zufrieden, denn er wußte nun, das Gluck werde zu ihm stehen.
Die Braut war fein, nun lockte das Gold, er wußte, er würde es erringen! In feiner Tasche befanden sich zwei Herz-Asse. Er hatte gewisse Kunststücke gelernt in vergangenen Jahren von einem herumziehenden Magiker, und feine Finger waren gelenkig geblieben und batten nichts vergessen.
Stille herrschte um die junge Frau. Die Augen in dem blassen Gesichte schlossen sich. Sie fühlte sich recht müde. Ihr war, als beginne ein neues Leben, weit lag die Vergangenheit hinter ihr. Sie fühlte sich leicht, frei, los von allem, was war. Das Gestern und Vorgestern war vergessen, es hatte nicht existiert. Ihr war zu Mute, als sei sie durch eine unsichtbare Hand losgelöst von allen ihren Banden, von aller Erdenschnld. Der Kopf war tief in die famtnen Kiffen gesimken, der Mund lächelte — das schöne Weid war eingeschlafen, Bilder des Traumes umschwebten es.
Ein weißer Schäften kam geflogen und nahm
Ruin für alles, was amtlich oder wirtschaftlich beteiligt ist. Es würde lange dauern und riesiges Geld tosten, bis die Sache wieder tn den alten Gang ae» bracht märe.
Das .Ferienjahr" wäre für England erträglich und sogar vorteilhaft, da man dann alle Kratt auf die Kolonialschisfe und auf die recht schwierige iRefrutterung der Mannschaft konzentrieren könnte. Deutschland aber kann eine solche Unterbrechung nicht ertragen, sondern muß in Stetigkeit sein Programm durchführen. Um so mehr, als unser Flottenziel durchaus nicht auf England allein zugeschnitten ist.
Churchills Vorschlag ist nicht ernst gemeint; den Trick hätte man sich sparen sollen.
veuyches Reich.
* Berlin, 27. März 1913. Da? Kaiserpaar mit der Prinzessln Viktoria Luise reifte soeben von Wildpark nach Bad Homburg ab, wo der Zug Freitag früh IO1/« Uhr eintnfft. Der Prinz von Wales verabschiedete sich Donnerstag vormittag in Karlsruhe von dem Großherzog und der Großherzogin und reifte im Automobil nach Stuttgart ab, wo er abends eintraf. — Das Abkommen zwischen dem Deutschen Reiche und dem Königreich Italien übet Arbeiteroersicherung ist nunmehr von beiden Teilen ratifiziert worden und wird am 1. April d. I. in Kraft treten.
Nene Schwierigkeiten bei den Deckmrgsvorlagen. Der Bundesrat hat seine enttcheidende Plenar» s'tzung zur endgültigen Feststellung der Wehr» und Deckungsvorlage von Donnerstag auf Freitag verschoben. ES sollen sich in den Bundesralsausschüffen neue Schwierigkeiten ergeben haben. Die Veröffentlichung der Vorlagen ist demnach erst am Samstag zu erwarten. — Rach der ,Köln. Zig.' ist der Satz der einmaligen Wehrabgabe jetzt endgültig auf fünf Ze ntel Prozent ohne Staffelung festgesetzt worden. Zunächst waren sechs Zehntel vorgesehen gewesen.
X Zur Durchführung der preußischen Laudtagswahlen ist vom Minister des Innern em Ruuderlau amtlich veröffentlicht worden, der die Behörden auffordert, mit den Vorbereitungen zur Durchführung der Wahlen überall unverzüglich zn beginnen. Angesügt ist eine Anweisung darüber, welche Punkte des Wahlgesetzes und deS Reglements besonders zu beachten leien, namentlich bet der Abgrenzung der Urwahl, bezirke und der Anrechnung der Steuern. Eine ausreichende öffentliche Auslegung der Listen w«rd zur Pflicht gemacht.
** Für die preußischen Landtagswahlen. Die bereits angekündigte, im Auftrage des Landesaus- schufses vom Sekretariat des Landesausschusses der preußischen Jentrumspartei herausgegebene Wahl- agftationsschrift ist nunmehr erschienen unter dem Titel: Das Zentrnm und die preußischen Landtagswahlen, Leitfaden für den Wahlkampf 1913. 48 Seiten. Preis einzeln 40 Pfg. Partiepreise: 10 Stück 3 Mk., 20 Stück 5 Mk., 100 Ssück 20 Mk., 1000 Stück 180 Mk. Alles portofrei zugesandt. Die Broschüre gibt in übersichtlicher Anordnung und gemeinverständlicher Darstellung einen U überblick über die Arbeiten der Zentrumsfraktion des Preußischen Abgeordnetenhauses in der zu Ende gehenden Legislaturperiode 1908 bis 1913. Ans der Lektüre wird jeder unbefangen Urteilende die Erkenntnis, schöpfen, daß das Zentrum auf allen Gebieten, die der parlamentarischen Behandlung unterliegen, auch jetzt wieder seine volle Schuldigkeit getan und sich als echte Volkspartei bewährt hat. Nicht nur den Führern im Kampfe, sondern jedem Wähler will die Broschüre ein zuverlässiger Führer und Berater sein. Für Redner und Versammlungsleiter, aber auch für jeden Freund der Zentrums-
Platz an ihrer Seite. Er küßte sie aus die Stirne und lächelte sie an. Die Schläferin fühlte sich glücklich, unaussprechlich glücklich.
„Du gehörst nun zum Lichte?" fragte der Schatten leise.
„Ja, ich gehöre dazu!"
„Du wirst bei uns bleiben?" '
„Ja, für immer!" . . ,
„Das ist gut — bann geleite ich Dich zum Glücke." „Ich war recht unglücklich, meine Seele kannte keinen Frieden", sagte die Schlummernde.
„Ich weiß e§ , hauchte der Besucher, „nun, do Du umgekehrt, kommt Friede über Dich!"
„Mein Kind! Mein Kind. Ich habe es verloren!"
Da blies ihr der Schatten seinen Atem ins Gesicht.
„Komm!" sagte er.
Sie erhob sich und folgte ihm. Eine unsichtbare Hand schien sie zu tragen, sie fühlte sich gelöst von der Erde, denn sie wandelte nicht, sie schwebte durcki die Lüfte. Unter ihr war das Meer, vor ihren Augen entschwand die Stadt mit ihren Türmen, Straßen und Häusern. Die beiden schwebten über die Gewässer und auf einem kleinen Felfeneilande, das die Schlafende niemals betreten, da machte der Schotten Halt. ■ Die beiden gingen nun Hand in Hand. Sie schritten einen schmalen Pfad entlang. Ein Bach gurgelte und rauschte. Am Bache standen Weiden und Erlen, deren Zweige neigten sich, bewegt vom Winde der Nacht, wie zum Gruße. Dann folgten grüne Matten, neugierig schauten die Blumen und Blüten auf die Wandelnden und mit ihren Düften begrüßten sie dieselben. Dann schritten sie unter Bäumen mit schattigen Kronen und die Kronen rauschten. Laut auf jubelte die Nachtigall ihren Gruß.
Ein Hans tauchte auf im Dunkel der Büsche und Bäume. Die Türe war verschlossen. Die beiden schritten hindurch, Bohlen, Schloß und Riegel, gefertigt von Menschenband, hmren fei» Hindernis.
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