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Zuldaer Leitung.

Vonnerrlag 21. Mär; 1913.

2. Blatt.

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totales.

Fulda, 27. März 1913.

# Personalien. Amtsgerichtssekretär Stingel beim Amtsgericht Neukirchen wurde an das Amis» gericht Marburg verletzt. — Dem Rechnungtzsübrer und Sekretär bei dem Königl. Landgestüt Dillenburg, Wilhelm Gaedke, ist der Amtstitel Geitütrendant beigelegt worden. — Regierunasassessor Falch aus Oppeln ist dem Landrate des Kreises Marburg zur Htl'eleistung in den landrä.lichen Geschäften zugeteilt worden.

# Verliehen wurde dem Postsekretär Weis in Hanau der Kronenorden 4. Klasse, dem Oberpolt« schaffner Stroh in Hanau das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens, dem Obcrbriefträger Schneider in Fronhauien aus Anlaß seiner Verletzung in den Ruhe­stand das Allgemeine Ehrenzeichen tn Silber.

# Militärprrsonalten. v. Baumdach, Major und Äbteitungs>Kommandeur im 2. kurhess. Feldart - Regiment Nr. 47, wurde in Genehmig»«: seines Ab­schiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Uniform deS Lehr-Regi- menls der Feldartillerie-Schießschule zur Disposition gestellt; gleichzeitig ist derselbe zur Dienstleistung bei der Mustersammlungder Artillerie-Prüfungskommission kommandiert. — Oberst Engelhart, Kommandeur des Feldartiüerie-Regiments Nr. 26 (früher AbteilungS- kommanveur in Fulda) wurde unter Verleihung deS Charakters als Generalmajor zur Disposition gestellt. — Befördert wurden Breisig, Kommandeur der Pioniere des 18. Armeekorps zum Oberst, Vtzefeld- wedel Rumpf-Hersseld zum Leutnant der Reserve, die Oberärzte der Reserve Dr. S t e b o ld-Mardurg und Dr. Roth-Hanau zu Stabsärzten und die Assistenz­ärzte Dr. Gerhartz-Hanau und Dr. Rabe-Marburg zu Oberärzten.

(] Jubiläum. Auf eine 25jährige Tätigkeit als Reisender der Weingroßhandlung Joseph Schmitt kann in diesen Tagen Herr Konrad Ahlhaus zu­rückblicken. Zu Ehren des allgemein beliebten Jubi­lar» veranstaltete die Firma gestern abend eine kleine Feier im Parkhotel.

(*) Für die KreiStagSfitzung am 29. März ist außer der bereit» mitgeteilten Tagesordnung nachträglich al» weiterer Beratungspunkt die Wahl der Aus- Hebungs- und Adschätzungskommisfion sür Kraftwagen und Flugzeuge für d,e Mobllmachungsjahr« 1913/14, 1914/15 und 1915/16 festgesetzt worden.

tni Todesfall. Allgemeine Teilnahme erweckt der Tod eines einfachen, biederen Handwerkers, des Echlosiermeisters Hermann Alexander Böschen, bet noch bei der Karfreilagsprozession das große Kreuz durch die Straßen der Stadt tragen half. Schon am Ostersonntag warf ihn eine Lungenentzündung aus das Krankenbett, der er gestern abend erlag.

iQ? Die Zweipfennig-Postkarte kommt nicht wie­der. Das Reichspostamt hat die Anträge auf Wie­dereinführung der Zweipsennigkarte soeben wieder abgelehnt, nachdem schon, vor Jahr und Tag der Staatssekretär im Reichstage erklärt hatte, daß mit zwei Pfennigen die der Post aus der Beförderung der Karte entstehenden Unkosten nicht gedeckt wür­den. Man hofft nun, daß sich vielleicht ein mittlerer Weg als gangbar erweist. Zwei Pfennige für die. Karte sind der Post zu wenig, fünf Pfennige dem korrespondierenden Publikum zu viel. Mit 3 Pfen­nigen würde vielleicht allen Teilen im Interesse des Verkehrs wie der notwendigen Reichseinnahme ge­dient sein.

E Die neuen Mustersatzungen der Krankenkaffen sind vom Reichskanzler nunmehr im Zentralblatt für das Deutsche Reich (Berlin W. 8, Mauerstr. 43/44) veröffentlicht worden. Gleichzeitig sind ebenda auch wieder Fosioausgaben auf Schrewpapier erschienen, so daß die Kassen jetzt endlich in die Lage kommen, chre Satzungen der Reichsversicherung anzupaflen und zur Genehmigung einzureichen.

* Maßregel gegen Maul- und Klauenseuche. Die­jenigen Landwirte, die ausländische Saison­arbeiter beschäftigen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß es sich wegen der drohenden Gefahr einer erneuten Einschleppung der Maul- und Klauen­seuche durch diese Arbeiter dringend empfiehlt, Klei­dung, Schuhzeug usw. der Saisonarbeiter sofort nach ihrem Eintreffen vor Betreten der Arbeitsstätte einer gründlichen Reinigung und Desinfektion zu unter­ziehen. Die Desinfektion ist am besten mit dreipro- zenttger Bazillol-Lösung vorzunehmen.

*♦ Militärisches. Die Scharfschießübungen der Maschinengewehrabteilungen des 11. Armeekorps auf dem Truppenübungsplatz zu Ohr­druf, zu denen eine große Anzahl Mannschaften der Reserve und Landwehr eingezogen worden sind, er­reichen in den ersten Tagen des Monats April ihr Ende. Auch die seit Anfang März auf. dem Trup­

penübungsplatz übenden Reserveoffiziersaspiranten aus dem Bereich des 11. Armeekorps werden eben­falls in eingehender Weise mit der Handhabung der Maschinengewehre vertraut gemacht.

Briefe nach außereuropäischen Orten werden fast immer mit den letzten Bersendungsgelegenheiten aufgegeben, während über das Bestehen der regel­mäßig schon einen Tag früher abgehenden Borve r- sande, selbst in den nächstbeteiligten Handelskreisen kaum etwas bekannt ist. Da die letzten Beförde­rungsgelegenheiten infolge von Störungen im Gange der Eisenbahnzüge nicht selten in den Hafenorten den Anschluß an die"abgehenden Dampfer verfehlen, em­pfiehlt es sich dringend, die Briefsendungen möglichst zeitig aufzulieferu, damft sie mit den Vorversanden Beförderung erhalten, die auch bei Verspätungen der Eisenbahnzüge die Schiffe in den Abgangshäfen rechtzeitig und sicher erreichen.

(•) Für den Radfahrverkehr werden nachstehende Be­stimmungen in Erinnerung gebracht: Jedes Rad muß versehen sein mit einer sicher wirkenden Hemmvor­richtung, mit einer helltönenden Glocke zum Ab­geben von Warnungszeichen und während der Dunkel­heit und bei starkem Nebel mit einer hellbrennenden Laterne mit farblosen Gläsern, die den Lichtschein nach vorn auf die Fahrbahn wirft. Jeder Radfahrer ist zur gehörigen Vorsicht bei der Leitung seines Fahrrades verpflichtet. Auf den Haltruf oder das Haltzeichen eines als solcher kenntlichen Polizeibeomten hat jeder Rad. fahrer sofort anzuhalten. Die Fahrgeschwindigkeit ist jederzeit so einzurichten, daß Unfälle und Verkehrs­störungen vermieden werden. Innerhalb geschlossener OrtSteile darf nur mit mäßiger Geschwindigkeit gefah­ren werden. Der Radfahrer hat entgegenkommende, zu überholende, in der Fahrrichtung stehende oder die Fahr­richtung kreuzende Menschen, insbesondere die Führer von Fuhrwerken, Reiter, Viehtrecher ufto., durch deut­lich hörbares Glockenzeichen rechtzeitig auf das Nahen des Fahrrades aufmerksam zu machen. Zweckloses oder belästigende? Klingeln ist zu unterlassen. Der Gebrauch von Signalpfeifen, Huppen und beständig tönenden Glocken, sowie von sogenannten Radlaufglocken, sofern sie dergestalt in Verbindung mit der Hemmvorrichtung stehen, daß sie ertönen, wenn und solange diese in An- Wendung gebracht wird, ist untersagt. Das Einbiegen in eine andere Straße hat nach rechts in einer ,kurzen Wettdung, nach links in weitem Bogen zu geschehen. TaS Vorbeifahren an eingeholten Fuhrwerken, Reitern, Radfahrern, Fußgängern, Viehtransporten oder der­gleichen hat auf der linken Seite zu erfolgen. An un­übersichtbaren Stellen, sowie überall, wo die Fahrbabn durch Fuhrwerke usw. verengt ist, ist das Ueberhsten verboten. Das Radfahren ist nur auf Fußwegen ge- stattet. Außerhalb der geschlossenen Ortschaften darf es auch auf den neben den Fußwegen hinführenden, nicht erhöhten Banketten stattfinden. Der Verkehr der Fuß­gänger darf dabei aber nicht gestört werden. Ter Rad­fahrer muß das Bankett bei Annäherung von Fußgängern rechtzeitig verlassen, oder, wenn ihm das nicht möglich ist, absteigen. Das Wettfahren und die Veranstaltung von Wettfahrten auf öffentlichen Wegen und Plätzen ist verboten.

Ans dem Nachbargebiete.

= Bronnzell, 26, März 1913 Heute vormittag scheuten die Pterde deS Herrn Obersörsters Derichs­weiler von Fulda in der Nähe der Hüttenmühle bei Ziegel und rasten in wildem Galopv davon. Der Kutscher verlor die Gewalt übet die Ti re, wurde zu Boden geschleudert und erlitt einen Beinbruch. Der Verunglückte wurde in das Landlrankenhaus zu Fulda gebracht. Die Pferde mit dem Wagen wurden erst bei Neuhof augehalten.

* GerSseld, 25. März 1913. Die diesjährigen FtÜhjahrskonttollversa mm lungert im Streife GerSseld finden statt: in Poppenhausen am 16. April, vorm. 9 Uhr, für die Gemeinden Abtsroda, Sieblos, Tränkhof, Ebersberg, Gackenhof, Poppen­hausen, Rodhotz und Steinwand; in Gersfeld am 16. April, nachm. 2 Uhr, für die Gemeinden GerS- felD, Kippelbach, Maiersbach, Mosbach, Obernhause», Rengersfeld, Rodenbach, RommerS, Landberg und Schacken; tn Schmalnau am 17. April, vormittags 81/« Uhr, für die Gemeinden Altenfeld, Altenhof, Dalherda, Gichenbach, Hettenhausen, Lütter, Ried, Schmalnau, Stellberg, Thalau und Weyhers; in Kleinsassen am 17. April, nachm. I1 /» Uhr, sür die Gemeinden Bieberstein, Danzwiesen, Dörmbach, EltetS, Kletnsaffen, Rupsroth, Steens, Tblergarten, Wittges und Wolferts; in Tann am 18. April, votm. 91/« Uhr, sür die Gemeinden Friedrichshot, Günthers, Habel, Hundsbcch, Lahrbach, Neuswarts, Schlitzenhausen, Tann, Theobaldshof und Wenders­hausen; in HtldetS am 18. April, nachm. 21/« Uhr, für die Gemeinden Batten, Brand, DietgeS, Eckweis- bach, Hilders, Liebhards, Neuschwambach, Simmers­hausen, Thaiden und WickerS; in Wüstensachsen am 19. April, norm. 9l/s Uhr, für die Gemeinden Melperts, Reulbach, Seiferts und Wüstensachsen.

* Frankfurt, 26. März 1913. Der 18jährige, aus Laudenbach bet Weinheim gebürtige Buchdrucker Leber, welcher am 14. Januar seine Geliebte, di« Spenglers- toduer Eva Fink von Laudenbach, auf deren Ver­langen im Isenburger Walde durch zwei Revolvet- schüffe tötete und bann die Waffe gegen sich selbst lentte, ohne lebensgefährlich verletzt tu werden, wurde beute von d-r hiesigen Strafkammer zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. — Am Sonntag abcyd wurde ,am Schauspielhaus ein Automobil gestohlen. Gestern morgen wurde e? bet Usingen total zertrümmert aufgesunden. Tie Diebe sind nicht bekannt. — In der Nacht zum Dienstag sprang ein Dienstmädchen, das einen Streit mit seiner Schwester gehabt hatte, an der Obermainbrücke ins Wasser. Ein Monteur rettete sie.

♦ Eschwege, 26. März 1913. Groß feuer zer- störte diese Nacht in Grebendorf eine mit Stroh- und Heuvorräten gefüllte Scheune. Der Ortsfeuerwehr gelang es, das Nachdargcbäude zu schützen. Der Schaden ist nur zu einem geringen Teil durch Ver­sicherung gedeckt.

♦ Erfurt, 25. März 1913. Der Direktor der in Konkurs gera enen Spar- und Tarlehnskasie St. Joseph, Robert Hartmann, der in vergangener Woche verhaftet worden war, ist mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand wieder auf freien Fuß ge­legt worden. Das gegen Hartmann schwebende V r> fahren wird nicht eingestellt.

Ami Geisa und Umgebung.

♦ Geisa, 26. März 1913. Gesten, tagte in Jena die Gcnerat-Vcrsammlung des bienen wirtschaft­lich en Haupt Vereins Thüringen. Drei Zweig­vereine, darunter zwei au- dem Grüßherzogtum Sach­ten, konnten als neue Glieder der Organisation be­grüßt werden, sodaß die Zahl der angeschloffenen Vereine auf 90 ang-wachsen tst; darunter befinden sich 33 Vereine aus dem Großherzögtum Weimar. Die Ein- und Ausgänge beliefert sich auf mehrere Tau- sende. Für die diesjährige Hauptversammlung und Ausstellung, die in den Tagen vom 3. bis 5 August statlstndenioll, wurde Ronneburg gewählt Für die nächstjährige Ausstellung wurde Bad Sulza ins Ange gefaßt. Der Hauptte r-Kursus wird nach einem Bc- schlufsein derPfingstwoche zu Hilders (Rhön) fta t« finden. Kleinere Kurse sind für Gölchw'.tz, tiobeuflein uno Wurzbach geplant. Fabrikant Plärre in Debsch­witz wurde zum Ehreninitqliede ernannt.

♦ Kaltennordheim, 26 März 1913. Mit dem 1. April ist Rechnungs - Assistent Stemmler von hier als Ministerial-Revisor nach Weimar versetzt. St. war auch vom Eisenacher Oberlande in den Landtag gewählt.

Aus Gberhessen u. den Hess. Aemtern

* Marburg, 26. März 1913. Das bisherige or­dentliche Mitglied der Akademie für praktische Me­dizin in Köln, Professor Dr. Iores, Direktor des Pathologischen Instituts der städtischen Krankenan­stalten daselbst, wurde zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg ernannt.

* Leidenhssen, Kr. Marburg, 26. März 1913. Nachdem im Lause des letzten Winters Dreihausen und Ebsdorf den Antrag zur Verkoppel u n g ge­stellt haben und nunmehr auch Wermertshausen und Roßberg diesem Beispiel gefolgt sind, ist auch in Lei­denhofen die Stimmung sehr im Wachsen. Hofsent- lich führt sie recht bald zur Antragstellung, damit alle Dörfer des Ebsdorser Grundes gleichzeitig mit der Zusammenlegung der Grundstücke beginnen können.

* Cttro (Kr. Ziegenhain), 26. 'Marz 1913. Der Wilderer I., der am Karsreitag durch Förster Wehnes im hiesigen Revier ertappt wurde, ist flüch­tig. Er hat noch eine fünfmonatige Gefängnisstrafe zu verbüßen.

* Sterzhausen, 26. März 1913. Gestern fiel hier­ein etwa 7 Jahre altes Kind in die gegenwärtig stark angeschwollcne Lahn und wurde etwa 300 Meter- weit fortgetriebe«. Zwei Männern gelang es bann, das Kind den Fluten zu entreißen.

[:] R-uftadt, 26. März 1913. Endlich, nach langer Winterruhe, wird zur allgemeinen Freude der betei­ligten Gemeinden der Kraftwagenbetrieb Neu­stadt-Alsfeld am 1. April wieder ausgenommen. Der Fahrplan ist wie folgt festgesetzt: Ab Neustadt 5.35, 11.30, 5.45Uhr; an Alsfeld 7.05, 1.00, 7.15 Uhr; ab Alsfeld 7.30, 355, 8.10 Uhr; an Neu- stadt 9 00, 5.25, 9.40 Uhr. Da auch der Betrieb der Linie Neustadt —Widingshausen wie seit­her bestehen bleibt, werden mit obigem Termin zwei Autos der FirmaOstheim-Marburq Hierselbst stationiert.

vermischtes.

* Sicherheitsmaßnahmen sür städtische Kaffen. Einige ungetreue städtische Kastenbcamten sind daran schuld daß die beim Berliner Magistrat angestellten Kassenbe antten, 1750 an der Zahl, Pho t o- graphiert werden sollten, damit die Bilder im Archiv der städtischen Verwaltung für etwaige Ver- solgungsmaßnahmen aufbewahrt bleil' t. Der Ver­ein Berliner Stadtsekretäre hatte gebeten, von diesem amtsmäßigcn Photographieren Zlbstand zu nehmen. Der Magistrat hat sich damit msofern einverstanden erklärt, als die Beamten selbst ihre Photographien einreichen, sodaß die Zwangsphotographie in Fort­fall kommt.

* Ter rettende Einfall. In Krefeld hat sich dieser Tage ein amüsanter Vorfall auf der Straße ereignet, über den die „Krefelder Zeitung" solaendes berichtet: Ein vierjähriges Bürschchen hatte sich ver­laufen und konnte den Weg nach Hause nicht znriick- finben. Ströme von Tränen vergießend, stand der kleine Reisende an einer Straßenecke und hatte bald ein großes Publikum um sich. Mitleidige Fronen forschten den Kleinen aus, tote er heiße, too sein Elternhaus sei, doch der verlorene Sohn tonßte^tocdcr Namen der Eltern noch die Straße. Tie Frauen standen schon im Begrisfe, den kleinen Jrrsahrer zur allwissenden Polizei zu bringen, als ein Mann sich durchdräugte und dem Kleinen folgende Frage vor­legte: „Nu sag' einmal, Mäimeken, too holst du für deine Vatter dät Bier?" — Einen Augenblick schluckste das Bürschchen noch, dann anttoortcte es prompt: „In de Ros!" Man brachte den Jungen in die an­gegebene Wirtschaft und von dort sand er sich ohne Mühe heim.

* Ter Kaiser und jtin Pächter. Vor einigen Tagen ging durch die Presst die Mitteilung, daß der Shiver auf eine Eingabe des Pächters Solist wegen der Aus- lührungen des Kaisers vor dem r entlegen Landwirt- f4ialt?rate bisher nicht geamwortet habe und eine Antwort auf diese Eingabe abgelehnt habe. Neuer- dings beißt e-?, daß das letztere n dit uurifft. Die An­gelegenheit liege augenblicklich im Zivil-Kabinett des Kaisers, und es werde als sicher angenommen, daß der Kaiser auf die Eingabe antworten lassen wird.

* Das Großseuer in Ludwigshafen. Bei dem bereits gemeldeten Brand eines dem bayerischen Staat gehörigen Lagerhauses in Ludwigshafen ver­brannten nach Auskunft der beteiligten Firma Zim­mern u. Co. in Mannheim rund 80 000 D.-Ztr. Ge­treide im Wer-te von etwa zwei Millionen Mark Ter Gebäudeschaden beträgt rund eine Million Mark.

* Ein Huldigungszug de- Handwerker. Die Innungen in Berlin beabsichtigen das 25jährige Regierungs-Jubiläum des Kaisers gemeinsam zu feiern. Es ist geplant, einen Huldigun.gszug des Berliner Handwerks durch die Straßen Berlins zum Schlosse zu veranstalten. Die einzelnen Gewerbe sollen Gruppen in historischen Trachten dem Fest- Wagen vorongehen lassen.

* „Bankier" Sattler als Mode-Zeichner. Der vielgenannte Animierbankier Otto Sattler, der am Samstag, wie wir berichteten, zu fünf J^jiren Ge­fängnis und 82 000 Mark Geldstrafe verurteilt wur­de ’toirb im Gefängnis Gelegenheit erhalten, sich als Modezeichner zu betätigen. Er besitzt eine starke zeichnerische Begabung, von der er früher oft wohl­gelungene Probe abgelegt hat. In der Beweisauf­nahme seines Prozesses kam auch zur Sprache, daß er sich eine besondere Atelierwohnung gehalten hat, in der Sattler, nach seiner Behauptung, kÜNstlerischc Studien trieb. Während seiner Strafhaft wird nun Sattler voraussichtlich Modezeichnungen für seine Frau anfertigen, die eine „Werkstätte für Kinder­moden" eröffnet hat. Voraussetzung für Sattlers zeichnerische Tätigkeit in Plötzensee ist natürlich, daß bi.- Strafvollstreckungsbehörde ihre Zustimmung er­teilt und die für solche Falle bestehenden Vorschriften innegehalten werden. Die Behörde ist in dieser Vc- ziebung nicht engherzig. —1 Vor einer Reihe von Jahren wurde sogar einmal einem Maler, dem Pro­fessor Dvorak, in Plötzensee ein geräumiges Ate­lier eingerichtet. Dvorak schuf darin »to ei Bil­der von hohem künstlerischen Wert: „Der Meineid und „Der verlorene Sohn". Die Akodelle zu diesen Gemälden entnahm er dem Kreise seiner Mitge­fangenen. Beide Gemälde schmücken die Anstalts­kirche des Plötzenfeer Strafgefängnisses.

* Folgen eines Ehezwistes. In der Krautstraße in Hamburg begoß eine verheiratete Frau nach borauf gegangen ent Streit mit ihrem Manne ihre Wohnung mit Petroleum und zündete sie an. Als die Feuerwehr erschien, warf sie ihren neunjährigen Knaben aus dem Fenster des vierten Stocks aus die

das öde und kahle Gebirge Juda windet sich die Berg­straße durch eine wilde, zerklüftete Gegend in dauern­dem Gefälle, kurz vor Jericho in eine Ebene aus­laufend. Ungefähr zwei Stunden von Jerusalem liegt an der Fahrstraße das Haus des Barmh. Sama­riters. Rechter Hand der Straße liegt das alte unb verfallene ruinenhafte Haus. Ihm gegenüber befindet sich ein einstöckiges, aus Lehmziegeln roh zusammen­gesetztes Gebäude mit einem großen Hofe von einer Mauer umgeben. Hier machen alle Wagen eine kleine Rast, um Menschen sowie Tieren etwas Ruhe zu gönnen. Bon der heißen Sonnenglut, die während der Fahrt auf uns herniederbrannte, ermattet, neh­men wir einige Erfrischungen, und werden bei Be­gleichung unserer Schuld an eine Stelle in der Bibel erinnert, die da lautet: Es ging ein Mensch von Je­rusalem nach Jericho .... Um 1 Uhr kommen wir in Jericho im Hotel Bellevue an, das uns auch für die Nacht Unterkunft gewähren sollte. Es gibt dort zwei Hotels unter einem arabischen Besitzer. Man ist hier bei bescheidenen Ansprüchen ganz gut aufgeho­ben. Heimischer jedoch wird sich derjenige fühlen, hoffen Gaumen an arabische Kost gewöhnt ist.

Das heutige Jericho ist neuen Ursprunges, und zeigen nur noch einige Trümmerhaufen die Mauern, die ehemals die alte Stadt umgaben. Nach dem Mit­tagessen im Hotel setzten wir die Fahrt_ nach dem Jordan durch eine sandige, unfruchtbar? Gegend fort. Schon von weitem sehen" wir da; tote Meer, von Hü­geln'umgeben, deren Abhänge hell, im Sonnenscheine glitzern, was aus die Salzschichten zurückzuführen ist, die auf der Oberfläche lagern. Der Jordan bildet kurz vor feinem Einflüsse in das tote Meer eine Furt, und spärliche Vegetation fristet hier ihr Dasein. Tot und stille, wie seine Fststen selbst, ist es an den Ufern des toten Meeres. Ein Bad in den salzigen Fluten - erfrischt uns angenehm. -Gerade zur Abend­zeit treffen wir wieder im Hotel ein.

Schon beim ersten Morgengrauen erheben wir uns und treten die Rückreise an, um noch vor b:r Mittagszeit Jerusalem zu erreichen und so eine Fahrt in der größten Hitze zu vermeiden. Wir müs­sen jetzt bis Jerusalem beständige Steigungen über«

Ostern in Palästina

Von Anton Schmied.

III.

Die Geburiskirche in Bethlehem, ein alter, massiver Steinbau, gleicht in seiner äußeren Einfachheit einem Kloster. Auf einem großen freien Platze erheben sich jtoet Gebäude, die sich in einem Winkel aneinander- schließen. Ein einfacher Eingang führt in das Kir­chenschiff. Die flache, von Libanon-Zedern errichtete Decke wird von vier Reihen riesiger Marmorfäulen getragen, von denen viele aus dem Tempel Jerusa­lems stammen sollen. In einer großen, unterirdi­schen Gruft zeigt man uns unter anderem das stei- uerne Ruhelager des hl. Joseph, als ihm der Engel wi Traume erschien, sowie eine große, tief liegende Höhle, die als Grab der von König Herodes ermorde­ten Kindlein bezeichnet wird. Doch uns hält es hier >ncht lange, ein anderer Ort ist es, der unser Inter­esse fesselt: es ist die Geburtsgrotte. Ueber viele Stu- stn hinab führt uns ein" steinerne Treppe in einen büsteren Raum. Dumpfes Licht silberner Lampen, die an den Wänden hängen, und deren Schein von ben mit roter Seide geschmückten Wänden zurückge- worfen wird, lassen die Grotte in magischem Däm- werlicht,-' erscheinen. In einer Nische befindet sich ein w ben Boden eingelassener silberner Stern von 15 ^-‘Iberlamben, beständig erleuchtet, die Stelle, wo •he Krippe stand, bezeichnend. An einer Marmor­nste lesen wir die lateinische Inschrift: Hier wurde aus Maria der Jungfrau Jesus Christus ge- kir^' weiheboller Stimmung verlassen wir die

Äm Ostermontag morgens um 8 Uhr unternah- . fn einck Wagentour nach I e r i cho und dem ten Meere. Diese beansprucht beinahe 2 Tage, wo- f ? ,Quf die Hinfahrt fünf Stunden und auf die Rück- N "st^fähr acht Stunden entfallen. Es waren ge- mit Über 40 Personen, die diesen Mor-

Dan?hne ^Q^rt antraten. Ter Weg sührt uns außer- bnrh • Swdt an den Mauern Jerusalems entlang, tv ?et. am Damaskus-Tore, Stephans-Tor und am Wj^^esGarten Gethsemane nach Bethanien. Durch

winden und teilweise Strecken zu Fuß zurücklegen. Um 1 Uhr sind wir wieder in Jerusalem.

Von den Eindrücken und Erlebnissen unseres Osterausenlhaltes im hl. Lande vollkommen befrie­digt, verlasien wir am Mittwoch nach Ostern Jerusa­lem mit der Bahn nach Jaffa. Diesmal war uns jedoch der Wettergott nicht so günstig und erfolgte die Einbootung nach dem weit außen^gelegenen Dampfer Elektra bei äußerst stürmischem Seegange. Nach acht Tagen erreichten wir den Ausgangspunkt unserer Reise, Port-Said, von wo aus uus der Dampfer „York" des Norddeutschen Lloyd nach Italien brachte.

— Ter Bei band der Freien Bereinigungen katho­lischer Studenten, der auf dem letzten Kaiholikentag in Aachen gestiftet wurde und die katholischen, keiner Korporation angeborenden Studierenden in losen Or« aanisaiioncn zur Pflege ihrer Weltanschauung, sozialer Betätigung und der Geselligkeit sammeln will, hat leitbem rasche Fortschritte gemacht. Zu den Vereini­gungen in Berlin, Bonn, Freiburg und München wurden weitere in Münster und Gießen gegründet. Die Mitgliederzahl stieg von 164 im Sommer aus 280 im WintO'-. allo um 70 Prorcnt «h

— Kraftfahrzeuge, die der von ihnen aufgewir­belten Staub aufnehmen. Ein Ingenieur -in Man­chester soll eine Vorrichtung konstruiert haben, die vollkommen das Auftreten von Staubwolken verhin­dert, welche Kraftwagen und auch andere Gefährte bei trockener Witterung hinter sich zuiücklassen. Der sehr einfache und billige Apparat sammelt. den Staub gleich bei seinem Entstehen. Dieser wird nämlich in eine Art Rauchfänge eingesaugt, die dicht hinter den Vorder-, ebenso wie hinter den Hinterrädern weit offen und durch Rohren miteinander verbunden sind und in einen geschlossenen Raum münden, in den der Staub beim Fahren getrieben toirb. Der Staub stiegt in hie Rguchfängc entweder schon allein oder kann auch durch einen von der Achse des Wagens in schnelle Bewegung gesetzten Zentrifugalsächer da hineinge­trieben werden. Ter angesammelte Staub laßt sich schließlich an der Vorderseite des Wagens aus dem erwähnten Raume entfernen. x -a-

— Die Gefahren der drahtlosen Telegraphie. Bei Düsseldorf soll demnächst ein Turm von 500 Meter Höhe errichtet und aus seiner Spitze soll eine Meteorologische Station eingerichtet werden. Zugleich soll der Riesenturm dem drahtlosen Telegrammverkehr dienen. Der drahtlose Funkenspruch hat allerdings beute noch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die größte Gefahr ist, daß die drahtlosen Telegramme von unbefugter Seite aufgefangen und mitgelesen werden können. So hat z. B. der Ingenieur der Versuchsanstalt des ReichSpostamtes in Berlin, Dr. Kriebitz, in der Nähe von Beelitz mit Hilfe eines Drahtzaunes, der einen Wald umichloß, Telegramme ausgesangen, die in England abgegeben wurden. Man kann also friedlich am Waldessaum liegen und zugleich zv hören, was irgend jemand von England auf den Ozean ober nach Afrika ruft. Es gibt noch zayllos« Mittel, um die Wellen aufzusangen und die Wege zu belauschen, die tonlos und blitzschnell durä, den Selber fliegen. Das einzige Mittel, um „Wege­lagerern" und unbequemen Lauschern zu entgehen, ist die Geheimschrift. Mit dem weiteren Ausbau dcr drahtlosen Telegraphie wird man auch an die Sicherung des drahtlosen TclegrammgehcimmsseZ denken müssen.

— Das Meer der Töne. Tic menschliche Stimme ist bloß neun vollkommener Töne (in verschiedenen Oktaven natürlich), babet aber 17 592 186 044 415 verschiedener Laute fähig, eine Anzahl, die man arith­metisch genau berechnet Hai, von deren Vielheit sich aber hie großartigste arithmetische Phantasie keine an- nähernde Vorstellung machen kann. vierzehn biretten Muskeln, mit denen man Laute hüben kamt, können einzeln oder in Verbindung nur 16 383 Laute er-cugen, di- dreizehn indirekten Muskeln einzeln oder in'Verbindung 171t 711823 unb die 27 Muskeln zu­sammen die obige ungeheure Summe, wobei natür­lich die verschiedenen Grade von Stärke, deren jeder einzelner Laut sähig ist, nicht mitberechnet sind. Tas Meer der Tone und Laute, durch die, her Mensch seine Seele strömen läßt, besteht aus mehr Wellen und Wogen, als alle Meere zusammengenommen besitzen.