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Zuldaer Zeitung

<n**winl tflgfid) mit Ausnahme 0« Sonn- und $eicrtagc Oiertcl- |flbriid)er Btiugiprtis obnt Bringerlobn und Bestellgeld In Julöa jowit ausmärt« t JO Mark. Rototlonsbru» und Verlag der 1 « Zuldaer fldienbnidterd bi Zuldo. Zrmsprecher Nr. S. SS

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Illustrierte Sonntagszeitung | Zuldaer Seschichtsblütler

S Liehungsllsten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — tzaldjährlich koschenfahrplan. s

Donnerstag den 27. HTärz 1913.

€rftes Blatt.

Nr. 70

ü"'"»«» tm puitu.ii iL.ü. . , 4? mm breit, lofiet IJ PfJ.

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40. Zahrgang.

e Abschaffung vor Remunerations­fonds.

Kurz bevor das Abgeordnetenhaus in die Oster­ferien ging, hat es noch zu mehreren bedeutsamen Beamtenfragen Stellung genommen. So auch zur Frage der Abschaffung oder Beibehaltung der Re- muncrationsfonds für untere und mittlere Beamte.

Wie in der Angelegenheit der Altpensionäre und der Erziehungsbeihilfen für mittlere und untere Be­amten das Zentrum die Initiative ergriffen hat, so beantragte es auch den Fortfall der Remune- rationssonds und die Verwendung der durch den Fortfall freiwerdenden Mittel für Wohl- fahrtseinrrchtun ; e n der Beamten, wie Krankenkassen, Sterbetagen, Hinterbliebenenfürsorge- tasscn usw.

Witt diesem Antrag hat das Zentrum einen alten Wunsch der Beamten zur Geltung gebracht. Die Remunerationen haben in der Beamtenschaft stets das größte Aergernis erregt, da es ein Ding der Unmöglichkeit ist, einen gerechten Maßstab für die Verteilung zu finden. Sie bilden so eine Quelle fortwährender Unzufriedenheiten. Nicht selten haben sie auch noch die üble Nebenwirkung, das Kollegiali- tätsverhältnis der Beamten zu trüben. Bei den höheren Beamten sind die Remunerationen schon vor langen Jahren abgeschafft worden. Was aber den höheren Beamten recht ist, muß den unteren und mittleren Beamten billig sein. Die Beamten fordern mit immer mehr Nachdruck auf ihren Verbandstagen die Beseitigung des Remunerationsfonds.

Der Zentrumsantrag will nun den Remune­rationsfonds gänzlich beseitigen. Da, wo be­stimmte Beamte in besonderen Stellungen, wie z. B. die Obersekretäre bei den Amts- und Landgerichten, aus dem Fonds jetzt schon jährlich feste Zuwendun­gen erhalten, können diese Zuwendungen in Stellen­zulagen um gewandelt werden. Die fortschrittliche Bolkspartei hat den Kern des Zentrumsantrages aufgegriffen: sie beschränkt sich aber darauf, eine Verringerung der Remunerationsfonds zu ver­langen. Die hierdurch erzielten Ersparnisse sollen zu Erziehungsbeihilfen verwendet werden. Im Zen­trum war man mit Recht der Ansicht, daß die dadurch freiwerdenden Mittel doch viel zu gerinn seien, um ausreich mde Erziehungsberhilfen zu gewähren. Zu diesem Zweck müssen besondere Mittel bereit gestellt werden, wie es auch das Zentrum in einem beson­deren Initiativantrag Dr. Porsch und Genossen fordert.

In einzelnen Etats sind für Wohlfahrtseinrich­tungen der Beamten dauernde Fonds neu eingestellt. Solche Fonds sind jetzt nur für die Betriebsverwal­tungen vorgesehen. Sie für alle Verwaltungen einzuführen, entspräche nicht nur der ausgleichenden Gerechtigkeit, sondern würde mit der Zeit auch zu einer wesentlichen Verringerung der Unterstützungs­fonds führen. Aus diesen Fonds bekommen die Be­amten auf ein besonderes Gesuch bin Unterstützun­gen. Es ist aber nicht jedermanns Sache, ein Unter­stützungsgesuch einzurcichen, namentlich wenn der unmittelbare Vorgesetzte das Gesuch zur Be­gutachtung erhält und sich auch noch über die Wür­digkeit des Bittstellers zu äußern hat. Die Beamten sind deshalb in ihren Verbänden vielfach dazu über­gegangen, Krankenkassen ins Leben zu rufen. Hier haben sie im Krankheitsfälle einen Rechtsan­spruch gegenüber der Kasse und brauchen kein Peinliches Unterstützungsgesuch einzureichen.

Leider baben aber die Wohlfahrtseinrichtunocn der Beamten vielfach einen schweren Stand, wnl sie nicht genügend Geldmittel zur Verfügung haben. Um die Kranken- und Sterbekassen der Beamten auf eine breitere und gesichertere Grundlage m stellen, wüßten daher allgemeine Staatsmittel flüssig ge- wacht werden. Den Weg dazu weist der Zentrums-

Der Graf von Tarent.

^3] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Während der Vicomte draußen in den Marmor­galerien weilte, nahm in den Sälen das Fest seinen Fortgang. Anatole von Meneville hatte die Ver­böte nach dem Feste zuni Tanze aufgefordert, sie hatte abgelehnt und Kopfschmerzen vorgeschützt. Tic ^csteskönigin stand nun in einem der Seitenge- wächer und blickte durch die Fenster hinaus in die ^acht. Der Verlobte tanzte drinnen mit einer an­deren, wie gleichgültig fühlte sie darüber! Mit Ver­kündigung der Verlobung batte Meneville den Gipfel feiner Wünsche erreicht ■— sie konnte nun nicht mehr zurück. In letzter Zeit hatte ihm öfter gebangt. «Rita hatte sich so sehr verändert. Die beiden hatten sich wenig gesehen — es war alles so ganz anders geworden mit ihr. Nun aber war alles gut, sein ®Hicf war ihm treu geblieben, das Ziel war erreicht. -Sie Hochzeit würde in kürzester Zeit statt finden!

Anita von Tarent trauerte, sie bereute — es war Zu spät

Trostlos starrte sie ins Leere — wie sollte sie das ~e6en ertragen mit einem Manne, den sie verachten 8"ernt. — Sie würde mit ihm vor den Altar treten und^würde bekennen, ja — es war ja alles gleich. ~~ Tas kommende Leben war ja noch schal und öde, der andere Mann hatte in ihrer Seele gelesen und hatte sie nicht aufgerichtet — er hatte sogar die Ver­ödung verkündet. Sie hatte nichts mehr zu hoffen, nichts —

Ein leiser Tritt ertönte hinter der einsamen otau. Sie hörte ihn nicht, wendete sich nicht um. ^er Prinz war eingetreten, und stand nun neben lhr und schaute in ihr bleiches, schönes Gesicht.

"Frau Gräfin, Sie sehen aus, wie eine Trauernde, Awohl Sie an der Pforte zu neuem Glück stehen?" sagte die Worte lanü -u und bedeutungsvoll.

, Ihr Busen wogte, sie rang nach Worten, sie Wryte nach einer höflsi' ■: Antwort — nicht einen *01* konnte die junge Frau hervorbringen

antrag, der für die Regierung um so annehmbarer fein muß, als er feine besonderen Mittel flüssig machen will, sondern nur bereits vorhandene Mittel, nämlich die für Remunerationen vorgesehe­nen, für die Wohlfahrtseinrichtungen der Beamten verwenden will.

Wird dem Zentrumsantrag stattgegeben, dann wird alle aus der jetzigen Verwendung der Mittel sich ergebende berechtigte Unzufriedenheit der Be­amten schwinden. Außerdem wird aber noch erreicht: daß die Wohlfahrtseinrichtungen, welche die Be­amten aus eigener Initiative ins Leben gerufen haben, dauernd sicher gestellt werden.

M Fall Ser MiW ASrinWei.

W. Sofie, 26. März 1913. (Id) „Die Agen-, Telegraphique Bulgare meldet: „Die Bulgaren haben Adrianopel eingenommen. Schukri Pascha hat sich um 2 Uhr nachmittags dem General Iwanow ergeben."

* Sofia, 26. März 1913. Nach privaten Nach­richten, die hier eingetroffen sind, sollen besonders beim Beginn des Sturmes auf die östlichen Forts die anstürmenden bulgarischen Jnfanterie- regimcnter durch das Feuer der Türken geradezu niedergemäht worden sein. Ganze Kompagnien wurden völlig vernichtet, bevor sie an den Feind hercmkoiumen konnten, der sie mit Gewehr- und Maschinengewehrfeuer über­schüttete. Als dann die Bulgaren sich der östlichen Forts bemächtigt hatten, und die erbeuteten Kanonen auf die fliehenden Türken und die übrigen türkischen Stellungen -richteten, er­litten die türkischen Truppen ebenfalls schreckliche Verluste, die durch die Explosion der Munitions­lager noch erhöht wurden. — lieber die Verluste der Bulgaren wird von der Heeresleitung nichts ver­öffentlicht, und diese Zurückhaltung verstärkt den Eindruck, daß die Zahl der Toten und Verwundeten sehr groß ist. Ein Generalsturm auf eine große Festung fordert stets furchtbare Opfer unter den Stürmenden, die die Verluste der Verteidiger weit übertreffen.

* Sofia, 26. März 1913. Aus Adrianopel wer­den grauenhafte Einzelheiten über den letzten Verzweiflungsakt der Türken berichtet. Die l^Lplvsion der Depots erfolgte mit ungeheu­rer Gewalt. Riesige Feuergarben schossen gegen den nächtlichen Himmel, an dem von Osten her gerade die Morgenröte heraufzog. Der sich ent­wickelnde Pulverdampf hüllte die Stadt in dichte Wolken. Durch umherfliegende Mauerstücke wurden zahlreiche Personen getötet oder gräßlich verstümmelt. Alle Kasernen und öffentlichen Gebäude ließ Schükri- Pascha anzünden. Bald glich die Stadt einem Flammenmeer, dem die Bewohner in wahnsinniger Angst zu entrinnen suchten. In den Kanonendonner der aus türkischen Geschützen schie­ßenden Bulgaren mischten sich die markerschüttern­den Schreie der Verwundeten und der von den Flam­men abgeschnitteneu Flüchtlinge. Die Hungers­not war in den letzten Tagen bereits auf das äußerste gestiegen. Brot Ivar auch für die höchsten

Nun bemerkte sie, daß der Prinz einen Gegen­stand trug, es war ein Schmuckkästchen mit Silber an den Enden beschlagen. Er öffnete den Deckel.

Das Kästchen enthielt eine Kette von Perlen von ungeheurer Pracht. Jede der Perlen war vollstän­dig gleich, dieselbe Farbe, derselbe matte träumerische Glanz — jede eine war von so seltener Größe und Reinheit, wie die unglückliche Frau sie nie gesehen hatte im Leben. Es war ein fürstliches Geschenk, das er ihr darbrachte, man konnte damit ein Schloß erkaufen und Feld und Wald und Wiesen und Gründe.

„Ich bitte Sie, den Hals der schönsten Braut zu schmücken, wenn Sie zum Altar schreiten!" sagte er.

Schweigend nahm sie das ungeheure Geschenk, schweigend starrte sie auf den Geber, aus diesen Augen schaute ein Meer von Jammer und Scelen- lcid. Er erkannte es. Dann plötzlich erbebte die zarte Gestalt, ein leiser Laut des Schluchzens und Tränen perlten aus den Augen der schonen Fran und fielen nieder auf die in geheimnisvollem Glanze schil­lernden und schimmernden Perlen. —

Der Prinz nahm ihr das Kästchen aus den Hän­den.

„Madame, Sie sind unglücklich!"

Keine Antwort.

„Sie lieben diesen Mann nicht!"

Nun sand sie Worte. „Nein, nein — tausendmal nein!" —

„Warum wählen Sie ihn zum Manne?" Seine Stimme klang hart, wie Stahl.

Sie rang mit sich selbst. Sie fühlte den starren Blick wieder, dieser Blick drang in ihr Innerstes, sie konnte nichts davor verbergen.

Sie antwortete nicht, wie seltsam scheint es — „warum ketten Sie sich au diesen Mann, den Sie nicht lieben?"

„Ich bin an ihn gebunden."

„Gebunden? — Wie soll ich das deuten?"

Er beugte sich nieder zu ihr und schaute ihr in die Augen,

Preise nicht mehr erhältlich. Die Bevölkerung mußte zu den äußersten Mitteln greifen, um ihren Hunger zu stillen. Zahlreiche Männer und Frauen starben an Entkräftung. Schükri-Pascha feuerte unermüdlich die Bevölkerung zum Ausharren an. Mit großer Kaltblütigkeit trat er der Panik, die sich bei der Erstürmung des Ostforts entwickelte, ent­gegen und konzentrierte seine Truppen nach den west­lichen Teilen der Festung.

W Sofia, 26. März 1913. Man spricht bei der siegreichen Belagerungsarmee mit großer Bewunde­rung über Schükri-Pascha, der bis zum letzten Augenblick die Seele der Verteidigung gewesen ist ““ vie türkischen Truppen zu heldenmütigem Wi- ocr,lande getrieben hat. Als die Bulgaren bereits in die Stadt eingebrungen waren und die Hauptforts in ihrer Hand hatten, sammelte er, was er an Trup­pen noch zusammenraffen konnte, um sich in den Westforts zum letzten erbitterten Kampfe festzusetzen. Seitdem ist über seinen Verbleib nichts bekannt — Schrecklich müssen die Leiden der Bevölkerung gewesen sein, die sich buchstäblich in drei Feuern hesand, den Flammen der eigenen Stadt sowie den feuerspeienden Schlünden der beider­seitigen Geschütze.

W Sofia, 26. März 1913. Die Einnahme Adria­nopelz wurde hier durch 21 Kanonenschüsse verkün­det und mit großer Begeisterung ausgenommen. Eine ungeheure Menschenmenge bewegt sich durch die Straßen und alle Kirchenglocken läuten. General Iwanow teilte dem Generalissimus Sawow tele­graphisch mit, daß sich Schükri Pascha und dessen Keneralftab ihm ergeben hätten. Morgen wird Iwanow seinen Einzug in Adrianopel halten. Kö­nig Ferdinand ist in Begleitung des Kronprin­zen Boris und des Prinzen Kvrill nach Adrianopel abgereist.

* Belgrad, 26. März 1913. Hier eingelaufene Meldungen geben an, daß die serbische Artillerie an dem großen Artilleriekampf, der den Sturm ein­leitete, hervorragenden Anteil genommen habe. Eben­so hätte die sei bische Infanterie an dem Sturm großen Anteil, und ihre Reiterei sei mit der bulgarischen in die Stadt eingedrungen.

W Sofia, 26. März 1913. Nach Informationen aus nichtamtlicher CiieHe hat ein bulgarisches Regiment heute morgen Adrianopel betreten. Nach weiteren Meldungen aus glaubwürdiger Privatquelle soll die bul­garische Kavallerie heute vormittag in Adrianopel ein­gezogen fein. — Die Türken in Adrianopel haben alle Depots in 5 Stadtteilen, das Arsenal und das Artillerie» depot, ferner die kleinen Kasernen zwischen Janik, Kischla sowie die Kasernen im Norden der Stadt in Brand gesteckt. Die Flammen verheeren an zahl­reichen Punkten die Stadt. Die Bevölkerung flüchtet in wahnsinniger Aufregung längs der Befeftigungs- linien. (Wiederholt, weil nicht in allen Blättern der gestrigen Auflage enthalten.)

Der blutige Schein des Untergangs von Adria- nopcl in Rauch und Flammen beleuchtet, so hofft alle Welt, das Ende des Krieges.

Seit Ende Oktober belagerten die Bulgaren im Verein mit den serbischen Hilsskeästen die von Schükri Pausta auf das rühmlichste verteidigte Festung an der Maritza. Sclüilri Pascha iül rte einen verzweifelten oder ausstchtelo'en Kainzst, um die Ehre der türkischen Waffen bis ams äußerste zu wahren. Es ist dem Inibei mutigen Genei al nicht deschieden gewesen, Adrianopel «einem Volke zu retten, wenn er auch seine ->anze Tatkr tt ein esetzt hat, nm sich zu ballen, bis oer Friede geschlossen fei. Unter den schwierigsten Perhäl mffen bat et Monate hindurch Anstalt am Ausiall gemacht, jeden Zoll Boden dem Gegner teuer " r kaust und 6 e Bulgaren gezwungen, zur Nieder» ti gung des zähen Widerstandes die Hilfe der .r uschen Bundesgenossen zu eib’t'en. Dadurch wurden

lieber ihr bleiches Gesicht breitete sich langsam ein verräterisches Rot— das Bekenntnis der Schmach, tiefer senkte sich das Haupt, das Gesicht mit dem Be­kenntnisse der Schuld zu bergen. Immer tiefer drang dieser Blick in ihre Seele — schien diesem frem­den, geheimnisvollen Manne nichts verborgen? — Nichts? — Sie konnte doch das Wort nicht sprechen, das sie niedersinken machen würde in den Staub — warum verlangte er darnach?

„Sind Sie an ihn gebunden durch Schuld?"

Das junge Weib zuckte zusammen. Die Stimme klang ihr wie der Posaunenton des jüngsten Gerich­tes. Sie wollte ihm das innerste Geheimnis ver­bergen, gerade ihm, sie konnte nicht. Ein Saut er­tönte leise und bebend.

„Ja!"

Nun wußte er es, er, dem ihre.Seele gehörte, nun würde er sich von ihr wenden in Abscheu?

Nein — er blieb; wäre er schweigend von ihr gegangen, Sie wäre gestorben. Nun, da sie bekamst hatte, fühlte sie sich leicht. Er hatte alles gewußt, nun, da die Lippen es aussprachen, die er so oft ge­küßt, stieg eine Blutwelle in das ernste Männer­antlitz. Sie sah es und erschauerte.

„Sie hatten einen Gatten? Er war jung, wohl­gebildet, reich; der Gatte hat Sie geliebt!" Tie Stimme klang nun plötzlich weich.

„Ich habe ihn getäuscht!"

Sie fühlte, als seien Bergeslasten von ihr ge­wichen, als das Wort gesprochen war. Sie fühlte innere Befriedigung. Mochte er nun richten! Nein — er wußte nicht genug — er verlangte mehr!

„Dem Bunde mit einem ungeliebten Gatten ent­sprang ein Kind", sagte er, „hilflos kommt das Kind in diese Welt, es spricht nur nut den Augen, denn der Mund kann nur lallen. Nach dem ersten Atem­zuge sucht das Kinderauge in dieser Welt umher, und hat es dir Mutter gefunden, dann genießt es sein erstes Erdenglück. — Madame, Sie sind ein Weib Ihr Kmd haben Sie doch geliebt?"

Wie Keulenschläge trafen die Worte auf das

der bulgarischen Feldarmee wertvolle Streitkräfte wochenlang entzogen und der Türkest, die Möglichkeit gegeben, sich wieder aufzuraffen. Aber die Hoffnung auf Entfatz, die Schükri Pafcha seinen Leuten immer wieder vor führte, wenn er selbst sie vielleicht auch lchon lange nicht mehr hegte, war trügeriich. Alle Anstrengungen der P orte, eine erfolgreid e Offensive zu beginnen, blieben sruck tlos, denn die lltzicn Nach, richten zeigen, daß auch bei Lfstataldscha der türkische Vorstoß gegen die dülgariiche Ostarmee gescheitert ist.

Es wäre ein Irrtum, anzunehmen, daß Adrianopel ein großer Waffen platz nach dem Muster moderner Festungen geroeieu sei. Die alten Werke, tue nach dem rmsisch-türkiichen Krieg entstanden, batten gegen heutige schwere Geschütze keine genügende W Verstands, kraft, und zu einem Umlau nach den Forderungen der heutigen Zeit fehlte die Zeit und, ro e sich mehr und mehr derausgestellt hat, auch das richtige Ver­ständnis bei den maßgebenden türkischen Steilen. Noch im Herbst 1910 war nach Angabe des Feld« rnarschalls v der Goltz Adrianopel wehrlos und nur von verfallenen Erdwerken umgeben. Die Werke, bi« io lange Dem Ansturm stand gehalt.n haben, muß man mehr eine doibereitete Feldstellung als eine Festung nennen. Panzerbatterien, betonierte Schutz, räume sind entw.der gar nicht oder nur in ganz geringer Zahl vorhanden gewesen. Die Besatzung bestand nur zum Teil bei Beginn der Einschließung aus wirklich felDDienftfähigcn Truppenteilen, die Ge- icbutzzahl war gering, dagegen hat Schütt) Pascha, dis oie Verbindung nach Süden verichlossen wurde, von Tebeagalsch Massen von Lebensmitteln heran« gezogen. Die beste Waffe der Verteidigung war b.e Per'önlichkeit bes Kommanbanten. Bis zum letzten Augenblick hat er ausgehalten. Er war in Adrianopel der richtige Mann an der richtigen Stelle. Daß de» überlegene Fund schließlich doch den Sieg errang, kann den Ruhmeskranz Schükri Paichas nicht verkleinern.

Für die Türkei zeigt sich jetzt, daß der letzte Teil des Balkan.rieges, den die jungtür tischen Ränke­schmiede an den Waffenstillstand noch angefügt baten, nicht nut überslüs|ig, sondern direkt nachteilig für sie war. Ohne die unselige Revolution in Son« fiantmupel hätte Europa schon seit Monden sich des wiederhergestellten Friedens er reuen können. Die blmöeifrige Hernchsucht der jungiütksichen Partei be« schwor eine neue Kraftprobe herauf, bei der unter ungeheuren Optern an Gut und Blut die Betratti- gung dessen herauskam, was schon vorher handgreiflich war: die Unfähigkeit bet Türkei. Auch unter Enver Bcy und seinen großmündigen Genossen hat das türkl|che Heer nichts erreichen können. Nach der Parole „Adrianopel oder den Tod" bürte man wenigstens einen kräftigen Versu zur Entsetzung Abrianopels erwarten. Aber bie Hauptarmee blieb in ben Tschatalbschawerken stecken, die Lanbrrngsver« suche auf Gallipoli oder im Rücken der Bulgaren verunglückten jämmerlich, bie Besatzungen von Adria- nopel, Skutari und Janina blieben ohne alle Hilfe gegenüber der Ueberinacht. J-rmna und Adrianopel fielen, und wenn Skutari nicht ebenfalls genommen wurde, so ist das nur dem Eingreifen Oesterreichs zu verdanke''.

Die Türkei hat also durch die Vereitelung des ersten Fricbensprogramms ihre Lage nur ver­schlechtert, sowohl in moralischer als in materieller Beziehung.

Wer hat nun ben Vorteil gehabt von diesem letzten Teil des Krieges? Die Bulgaren triumphieren wegen ihres Erfolges in Adrianopel, aber die Stadl und Festung hätten sie auch w erhalten, ohne viele Tausende in dem blutigen Sturm zu opfern. Die Griechen können in Bezug auf Janina eine ähnliche Rechnung auimachen. Die Serben haben tm Schluß, fapitel weder Ruhm noch etwas reelles hi. zugewonnen. Und bie Montenegriner haben unter gewaltigen Op'ern sich eine Demütigung erworben, nämlich

junge Weib. Es rang die Hände. Ein tiefer, stöh­nender Laut — ein krampfhaftes Schluchzen — Ströme von Tränen gossen sich über das schöne bleiche Gesicht. i

„Nein, nein", — bekannte es. „Ein böser Dä­mon wohnte in mir, die Bestie im Walde beschämte mich! Gott hat mich gestraft und nahm das Kind, als —" /' — - - *—

Sie stockte.

„Als--?" fragte er. --

„Auf mir ruht ein Fluch!" schrie sie laut. „Ich liebe mein Kind, seil es tot ist! — Zu spät, zu spät!"

Beide schwiegen. Von außen erklang Musik, Töne, welche zur Freude riefen und zur Lust — hier trauerten zwei Herzen über verlorenes Erdenglück. Ein tiefes Erbarmen überkam den Mann, der Funke von Rachegefühl erstarb in ihm.

„Sie werden diesen Mann nicht ehelichen!" sagte der Prinz im Tone des Befehles.

An Demut schaute sie auf zu ihm. Willig ordnete ’ie sich feinem Willen unter.

„Nein, ich werde diesen Mann nicht ehelichen", hauchte sie.

„Ich will es so!" fuhr er fort.

Anita beugte das Haupt mit den goldfarbigen Haaren — feinem Willen zu gehorchen, erschien ihr riße Lust. Hätte er es verlangt, sie hätte ihr Leben ür ihn gegeben.

„Soll ich es ihm sagen? — jetzt in dieser Stunde?^

„Nein, er hat so sehr getäuscht, daß er verdient getäuscht zu werden! Wie em Blinder soll er am Abgründe wandeln! Bewahren Sie das Geheimnis, er soll nichts ahnen und zur Hochzeit rüsten!"

Fragend, verständnislos schaute das unglückliche Weib auf ihn.

Ein Zittern durchlief ihren Körper. Sie fühlte sich plötzlich seltsam glücklich, wie nie zuvor. Sie ühlte, daß dieser außerordentliche Manu ihr Geschick in ferne Hände nahm, nun war alles, alles gut (Fortsetzung folgt.)