Fuldaer Zeitung
(•) Sport. Bei den EröffnungSspielen deS Spiel» verein? Germania am Ostermontaq konnte deren erste Mannschaft gegen die erste Mannschaft der Spielvereinigung 1909 Würchurg ein unentschiedenes Resultat mit 3:3 derausbringen. GermaniaS zweite Mannschaft schlug die ^rste Mannschaft deS Fußballklubs „Britannia"-Lämmeripiel mit 5:0 Toren.
X Konzert Die 80 Mann starke GesangSabteilung der evangelischen Arbeitervereins (Dirigent Herr Hauptledrer Hofmann), veranstaltet am 20. April ein größeres Konzert im evangelischen Gemeindehause. B'i den anerkannt vorzüglichen Leistungen der wackeren Eängerschar steht den Besuchern dieser Konzerte- ein hoher Kunstgenuß bevor. Näheres durch Inserate.
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StHtoe«, 26. Mir, M3.
2. Blatt.
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* Bevölkerungsentwicklung in Deutschland nnd im Ausland.
Die geplante deutsche Heeresvermehrung, die größte in den letzten vierzig Jahren, läßt einmal wieder einen Blick tun auf die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und im Ausland. Denn immer- hin sind es die Stärke der Bevölkerung und die ihr innewohnenden Entwicklungstendenzen, in denen die Heeresvermehrungen ihre Möglichkeiten, an denen ste aber auch ihre Schranken finden.
Deutschland zählte nach der Volkszählung gern Jahre 1910 auf einem Areal von 540 858 Quadratkilometer 64 926 000 Menschen, Frankreich auf einer nicht viel geringem Fläche, nämlich 536 463 Quadratkilometer nur 39 600 000 Einwohner; dagegen hatte Großbritannien und Irland auf einem wesentlich kleineren Areal, 313 607 Quadratkilometer, 44 902 000 Einwohner. Die starke Zunahme der deutschen Bevölkerung beruht lediglich auf dem Geburtenüberschuß d. i. darauf, daß die Zahl der Geburten die der Todesfälle übersteigt. Der Geburtenüberschuß betrug 1910 bei uns 13,6 Prozent, in Großbritannien und Irland 11 Pro. £ent, in Frankreich nur 1,8 Prozent. Der Geburtenüberschuß ist in Deutschland größer als der aller andern Staaten mit ähnlicher industrieller Entwicklung. Diesem Geburtenüberschuß steht als eine Folge der verbesserten Hygiene und der ärztlichen Wissenschaft einer Abnahme der Sterblichkeit S- ziffer gegenüber. Diese letztere belief sich 1910 in Deutschland aus 16,2, in Großbritannien und Irland auf 13,9, in Frankreich auf 17,9, Österreich 21,1, Rußland 31,4, Italien 19,6 und Spanien 23,3 Prozent. Ihre Abnahme ist in allen Ländern in den letzten 20 Jahren am größten wieder in Deutschland, nämlich 33,3 Prozent gegen 28,4 Prozent in Großbritannien und 21,8 Prozent in Frankreich und nur 2,5 Prozent in Rußland.
Die günstige Bevölkerungsvermehrung in Deutschland uns zu erhalten, muß eine Aufgabe weiser Regierungskunst .sein.
entzündeten Kerzen; gleich einer Wolke steigt ihr Rauch in die Höhe und vermischt mit dem Gejubel des Volkes und dem Klang der Glocken macht der Sanze Vorgang einen feierlich-großartigen Eindruck, loch lange ergötzen wir uns an dem für uns neuen, ergreifenden Schauspiele und begeben uns nach dem Hotel zurück, wo wir uns durch ein frugales Mahl von den Mühen und Beschwerden des Vormittags er. holen. Ein Ritt nach dem Oelberge und der Himmelfahrtskirche und daran anschließend eine Besichti- gung des Grabes der hl. Maria beendete den Nach- mittag.
Am Ostersonntage morgens erscheint pünktlich unser Führer vom vorhergehenden Tage, um uns zu einem Besuche nach der Omar-Moschee zu geleiten. Diese erhebt sich am Berge Moria, dem Platze, wo Abraham seinen Sohn Jsak opfern sollte und wo der Tempel Jemsalems stand. Die Moschee wurde un- ter der Regierung des Kalifen Omar von den Arabern erbaut, mehrere Jahre nach der Eroberung Palästinas an eben derselben Stelle, die Salomons Tempel einnahm. Sie bildet nach außen ein Achteck, nach Innen einen Kreis. Die Außenwände sowie der Boden der Moschee sind mit Marmor bedeckt und bevor wir eintreten, müssen wir Pantoffeln über unsere Schuhe ziehen. Die Araber ziehen ihre Schuhe ganz einfach aus und stellen sie vor die Türe. Uns blieb das glücklicherweise erspart, was uns im Voraus den Besitz unserer Schuhe sicherte. Tie Wände schmücken in goldenen Buchstaben Sprüche aus dem Koran. Die Kuppel ist mit Metall gedeckt, über welcher der Halbmond aus massivem Silber glänzt. Dem Gebäude zur Seite steht ein Minaret. Acht in der Umfassungsmauer angebrachte Fenster werfen durch ihre bunten Scheiben ein sanftes Licht in das Innere. Die Kuppel wird von zwei Säulenreihen getragen, die mit Mosaik-Figuren aus massivem Golde verziert sind. In der Moschee hemmsitzende Araber machen uns noch auf verschiedene Sehenswürdigkeiten aufmerksam, wobei es ihnen jedoch weniger auf das Glaubwürdige ihrer Aussage an- kommt, als auf den zu erwartenden Bakshish (Trink- gelb). Durch toeriebicbene, massiv gebaute unterirdische
totales.
Fulda, 26. März 1913.
# Personalien. Eisenbahnlavemeister Joseph Herzig wurde zum 1. April von Fulda nach Frankfurt versetzt.
* Verliehen wurde dem Staatsanwalt Dr. Lecker zu Frankfurt a. M, dem Leutnant a. D. Siebter zu Hanau und dem EisenbahnobersekrelSr Sellin zu Frankfurt a. M. der Kronenorden vierter Klaffe, dem bisherigen Eisenbahnmaler Getstenberg zu Aue im Kreise Eschwege das Allgemeine Ehrenzeichen.
(*) Militärisches. Anstelle des a tf längere Zeit beurlaubten Adjutanten, Oberleutnant Kale, ist Oberleutnant Uhde zum Regimentsadjutanten des hiesigen Regiments ernannt worden. — Der Pächter der Kantine, Herr Stube, hat sein Vertragsverhältnis mit der Militärverwaltung gelöst. In der 2. Abteilung wird der Gendarm a. D. Göbel die Kantine übernehmen.
— Ernennung von Bau-Sachverständigen. Der Regierungspräsident hat zu Sachverständigen in der Zeit vom 1. April 1913 bis zum 31. März 1916 die folgenden Herren ernannt: Für handwerksmäßige Betriebe: Maurermeister Müller und Zimmermeister Eckhardt in Kassel, Maurermeister Hermann Hobes in Fulba, Steinmetzmeister Kreis in Gelnhausen, Maurermeister Reifing in Marburg. Für nichthandwerksmäßige Betriebe: Architekt Potente und Bauunternehmer Friede in Kassel, Kgl. Baurat H e u s ch in Fulda, Landes-Bauinspektor Baurat Wohlfarth in Hanau und Bauunternehmer Maurermeister Reising in Marburg.
§ Konfirmation. Am nächsten Sonntag werden hier in der evangelischen Kirche 44 Knaben und 39 Mädchen konfirmiert.
= Viehsonderzüge. Da der morgen hier statt- finbenbe Vieh markt sicherlich stark befahren sein wird, so hat die Station Fulda je einen Viehsonder- ;ng nach Gießen, nach Bebra und nach Sachsenhausen vorgesehen.
& Der Bauverein für den Kreis Fulda, der im Jahre 1900 seine Tätigkeit begann, vollendete im Jahre 1912 den Häuserblock Nr. 29, 31 und 33 Georgstraße und übergab damit weitere 9 Arbeiterwohnungen zur Vernuetung. Bis zum Jahre 1912 sind von der Genossenschaft in der Georgstraße (auf dem Grnndstück „Am Zickengarten") insgesamt 27 Wohngebäude errichtet worden, darunter 4 Doppelhäuser. Die Wohngebäude Nr. 5, 8 und 11 sind an Mitglieder der Genossenschaft verkauft worden; z. Zt. befinden sich noch 24 Wohngebäude mit 79 Wohnungen
Dstern in Palästina
Von Anton Schmied.
II.
Am Karsamstag wohnen wir einer sehr intet» Mnten Feier in der Grabeskirche bei. Unbeschreiblich fit das Gedränge in den Straßen Jemsalems an diesem Tage. Scharenweise strömen die Pilger aus allen «egenden nach der hl. Stadt, die Mühen und Beschwerden einer oft Tage langen Reise nicht scheuend. ^>ese Feier, genannt die Entstehung des hl. Feuers, besteht nach dem Glauben der Griechen darin, daß all» lahrlich am Karsamstage ein Engel aus dem Felsen m'. Grabes Feuer entfache, welches, von einem Priester in Empfang genommen wird. Zu diesem Zwecke bringen die Pilger ganze Bündel von Kerzen wü, die an diesem Feuer angezündet werden und als "aourch geweiht in ihre Heimat mitnehmen. Viele ussdere wieder tragen dieses Licht in einer Laterne, um
w ihren Dörfern weiter zu geben. Wir nehmen -e Hilse des österreichischen Konsuls in Anspruch, ourch dessen Freundlichkeit wir einen Chawassen, d. h. •ftnen bewaffneten Konsulatsdiener, zur Führnng be- ,wmen, da es einem Fremden an diesem Tage fast unmöglich ist, in die Kirche zu gelangen. Diese ist 'im ersten Morgengrauen schon so überfüllt, daß lemand mehr eingelassen wird, der sich nicht im Be- einer besonderen Erlaubnis befindet, ober als f*u’’ling eines Konsulates eingeführt wird. Bei sonderen Festen werden die Logen, die unter der ^ppel das Kirchenschiff umschließen, von den Äon» n ^serviert. Es werden für die Fremden Kar- frr A^llegeben, die zum Eintritte berechtigen. Un» L Begleiter in der schmucken Landestracht eines rcomenegriners, den Gürtel mit Waffen wohlver- k»i» ' erweckt das Vertrauen, daß wir uns unter L ent Schutze sicher fühlen können. Schnell kommen
-r vorwärts, unter Vorantritt des Führers, welcher hpnkCtn-Ttt schweren, messingbeschlagenen Stocke dröh-
auf den Boden schlägt/was wie ein Zauberschlag t p’c Menge wirkt, die uns ungehindert durchläßt. ipS-angm wir bis vor die Tore der Kirche, wo wir " s buntesten und ungeduldig auf Einlaß warten. Es
nieder. Die schnell zur Stelle geeilten beiden freiwilligen Wehren konnten den Brand aus ven Herd beschränken, doch stürzten bei den Löscharbeiten drei Feuerwehrleute ab, von denen zwei sich mehr oder minder erheblich verletzten.
* Frauensee, 25. März 1913. Auf Schacht .Dönges P stürzte am Samstag der Schachtarbeiter Jßteib aus Kieselbach 50 Meter in den Schacht ab, schlug auf den Fangbock auf und fiel in den Sumpf. Er war sofort tot. Der Verunglückte stand im Alter von 30 Jahren. Er war verheiratet und Vater von drei Kindern.
* Wetzlar, 25. März 1913. Für die Wertschätzung, deren sich die deutschen Erzeugnisse auf dem Gebiete der Optik in der ganzen Welt erfreuen, spricht wohl am besten die Tatsache, daß die Firma Ernst Leitz hier kürzlich das 150000. Mikroskop vollendet hat. Die Firma ließ dasselbe Prozessor Dr. Ehrlich in Frankfurt a. M. al8 Dedikalion überreichen. Tas 100000. Leitz-Mikroskop wurde seinerzeit dem Begründer der modernen Bakteriologie Robert Koch,, gewidmet. •
d. Cronderg, 25. März 1913. In einer Tannen- schonung am Altkönig wurde am Sonntag eine stark verweste Leiche aufgefunden, die als die des Kaufmanns Salli Geisel aus Neuwied a. Rh. erkannt wurde. Der junge etwas schwermütige Mann war in Frankfurt in Stellung und wurde seil Anfang Januar vermißt. Auf die Auffindung Geisels, der sich erichossen hat, war von den Eltern eine hohe Belohnung ausgesetzt.
• Mainz, 25. Rärz 1913. Die hiesige .Volks- zeitung' gibt bekannt, daß Sternidel eingestanden habe, vor acht Jahren ein hiesiges Dien st mädchen ermordet zu haben.
* Erfurt, 24. März 1913. Der dreißigjährige Zigarrenhändler Lehmann feuerte am Ostersonntag auf seine Ehefrau nach einem Streite eine Revolverkugel ab. Die Kugel traf die Lunge. Der Tod trat sofort ein. Der Mörder durchschnitt sich die Pulsader und gab einen Schuß auf sich selbst ab. Er starb nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Das Ehepaar hinerläßt vier kleine Kinder.
• AuS Franken, 25. März 1913. In Unterfranken macht sich ein reges Interesse für die Fischzucht be- merkvar. Bezirksfischervereine wurden in letzter Zeit ins Leben gerufen für die Bezirke Haßfurt, Hofheim und Miltenberg. Fischereigenossenschaften wurden gegründet für das Gebiet der großen Sinn, Brend, Els, Streu, sowie für die Saale in den Bezirken Hammelburg, Gemünden und Neustadt a. S. ES ist beabsichtigt, das ganze Gebiet der Saale genossenschaftlich zu organisieren. Auch für den ganzen unterfränkischen Main ist die Gründung einer Fischereigenossenschaft für die Länge von 318 Kilometer in die Wege geleitet. Die Stadtgemeinde Kihingen hat eine mustergiltige Teichanlage mit über 15 Tagwerk Flächeninhalt errichten lasten, welche demnächst in Bewirtschaftung genommen werden soll. — Der älteste Bürger von Kitzingen, Privatier Kohl, beging seinen 95. Geburtstag. — Die im Vorjahre eingeführten Auto-Ellfahrten Kissingen« Hammelburg werden auch in diesem Jahre wieder in den Monaten Juni, Juli und August ausgelührt werden. Der Fahrpreis, der im vergangenen Jahre 4 Mark betrug, ist für Heuer ungefähr auf die Hälfte ermäßigt. Die Eilfahrten finden am Montag und Donnerstag statt. — In der außerordentlichen gemeinschaftlichen Plenarsitzung der Distriks - Räte Hammelburg und Euerdorf wurde beschlossen, von der Errichtung von Landkrankeu kaffen mangels Bedürfnisses abzusehen, dagegen eine allgemeine Ortskrankenkasse für den ganzen Amtsbezirk zu errichten. Im Anschluß an diese Sitzung wurde ein „Verein für Wohlfahrts- und Heimatspflege im Bezirksamt Hammelburg' gegründet, dem sofort die 36 Gemeinden deS Amtsbezirkes und 42 Einzelmitglieder beitraten.
Gebäude, die Abrahams Ställe genannt, verlassen wir die Moschee.
Für den Nachmittag war ein Ausflug mach Bethlehem geplant. Jerusalem durch das Jaffator verlassend, gelangen wir in das Tal Gibeon. Einen Hügel in südwestlicher Richtung hinansteigend hohen wir einen schönen Rückblick auf die Südseite der Stadt. Ungefähr in der Mitte des Weges kommen wir an dem Grabe Rachels vorbei, einem kleinen Gebäude mit einer Kuppel. Zahlreich sind in dieser Gegend die Erinnerungen aus der hl. Schrift. Hier war eS, wo David die Schafe seines Vaters weidete, und hier erschien ein Engel den Hirten, ihnen die Botschaft bringend, über bte Begebenheit, die sich in ihrer nächsten Nähe zugstragen. Das Panorama Bethlehems, wenn man es von der Straße aus kommend erblickt, ist lieblich und schön. Im Gegensätze von Jemsalem erfreut es durch größere Reinlichkeit und auch seine Einwohner, zum größten Teile Christen, zeichnen sich durch eine gewisse Eleganz in ihrem Aentzeren auS. Die Männer haben etwas Freies und Vornehmes in ihrem Auftreten. Ein aus weißer Leinwand bestehender langer Rock mit weiten Aermeln wird in der Mitte durch einen farbigen Stoffgürtel umfchttüri; ein Tarbufch oder Fez auf dem Haupte vervollständigt ihre Kleidung. Die Tracht der hübschen Frauen besteht in einer roten Pumphose, über welche em blauer, weitärmeliger Rock herabfällt. Unter der mit Münzen verzierten Kopfbedeckung fällt ein langer Schleier herab, der bei den christlichen Frauen jedoch das Antlitz nicht ver- deckt. _
— Sine rnfiische Delikatesse. Die aroßen Samenkeime in den Zapfen der sibirischen Zirb Ikiefer (Pinus Cembra eibirlca) haben einen feinen aromaiiicbtn Geswmack und re erben in Rußland als Delikatesse genoffen. Die Zirbelkiefer läßt sich, wie wir dem praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. O. entnehmen, auch in Deutschland an« bauen. ES ist ein schöner Saum, der 10—20 Meter hoch wird, mit ansehnlichen Zapfen. D.e Kerne schmecken ähnlich rote Haselnüsse.
ist 9 Uhr. Heiß brennt die Sonne auf uns nieder und macht das schreckliche Gedränge noch unerträglicher. Da endlich wird nach einer Stunde langen Wartens das Tor geöffnet, und mit ungestümer Gewalt wälzt sich die Menschenmasse dem Etugange zu, zurückgedrängt von dem Militär, welches von den Gewehrkolben eifrigen Gebrauch macht. Wir betreten als die ersten die Ktrche und eilen durch einen dunklen Gang, in dem sich schon eine große Anzahl Pilger be« finden. Die außen stehende Menge hat den Militär- Kordon durchbrochen und drängt hinter uns her, zu der größten Eile antreibend, wollen wir von ihr nicht zu Boden gerissen werden. Erleichtert atmen wir auf, als uns eine Treppe nach den Logen führt, von wo aus wir den Kirchenraum übersehen und das Schauspiel zu unseren Füßen beobachten können. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, denn wir mußten noch volle drei Stunden auf den Beginn der hl. Handlung warten. In der Zwischenzeit wird unten in der Kirche Limonade und Wasser von Händlern verkauft, was uns Abmdländer komisch berührt. Doch auch wir verschmähen den von unserem Führer dargereichten Trunk nicht. Die Ungeduld der wartenden Menge steigerte sich von Minute zu Minute. Endlich gegen 1 Uhr lassen anhaltender Jubel und Freudenrufe erkennen, daß die hl. Handlung ihren Ai fang nehmen soll. Ter Patriarch hält mit seinem Gefolge Einzug in die Kirche. Nachdem er dreimal den Rundgang um das hl. Grab vollendet, betritt er nach vorheriger Untersuchung durch einen türkischen Offizier, ob er kein Feuerzeug bei sich führe, das Innere des Grabes. In diesem Momente tritt lautlose Stille ein und ein Ausdruck der gespanntesten Erwartung lagert auf der Menge. Auch wir können uns eines Gefühles der Neugierde nicht erwehren und aufmerksam verfolgen wir den Vorgang unter uns. Ein Priester nimm4 vor der Türe beS Grabes Aufstellung. Da plötzlich öffnet sich c' ’ r ’ne Lucke in der Türe und eine Hand reicht ein brennendes Feuerbündel heraus, das von dem Priester in Empfang genommen wird. Unbeschreiblicher Jubel erhebt sich in der tausendköpllg-- Menschenmenge. Im nächsten Momente erstrahlt die Kirche im hellen Scheine der
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 25. März 1918. Am 1. April 1913 wird der zwischen Dietlas und Stadtlengsfeld neuerrichtete Haltepunkt Menzengraben für den Personenverkehr eröffnet werden.
♦ Stadtlengsfeld, 25. März 1913. Für die am 1. April von der Deutschen Schachtbaugesellschast be. ginnende Niederbringung des Schachtes „G r o ß- herzogin Sophie" werden jetzt die nötigen Vor- bereitungen getroffen. Es wird jetzt eine Zuweguno von der Chaussee auS geschaffen, ferner sollen noch Schuppen und Baracken gebaut werden. Es wird sich also demnächst eine äußerst lebhafte Tätigkeit hier entfalten und mancher Arbeiter der Rhön wird hier lohnende Beschäftigung finden.
* Tiefenort, 25. März 1913. Beim Wenden eines Wagens bei Kaiseroda kam gestern die älteste
Aus dem Nachbargebiete.
E Petersberg' b. Fulda, 25. März 1913. Bei der heutigen Jagdverpachtung der Jagdnutzung im Gemeindebezirk Petersberg von etwa 631 ha, wozu auch der forstfiskalische Waldort Rauschenberg mit ea. 27 ha gehört, waren die drei Höchfibietenden Ingenieur Ernst Sopp-Fulda mit 231 Mk., August Scdeel-Pelersberg mit 252 Mk. und Stent» er Gottfried Wegner-Fulda mit 253 Mk. Der seitherige Pachtpreis betrug 239,16 Mk. In etwa 14 Tagen erfolgt der Zuschlag.
• Hersseld, 25. März 1913. Auf der MengS- baufer Feldmark erschoß sich am Oftertage der elfjährige Gymnasiast Eichmann, weil er zu Ostern nicht versetzt worden war.
* Aus der Wetterau, 22. März 1913. Die fest 14 Tagen in den Gemarkungen der Wetterau mit Eifer betriebene Vergiftung der Mäuse hat den Verlust unzähliger Vögel zur Folge gehabt, die sich hungrig auf den Giftweizen stürzten und bald darauf verendend niederfallen. Die jetzige Witterung erhält die Giftkörner tagelang wirksam. In den Gemarkungen Niederweisel und Griedel liegen zahlreiche tote Krähen, zum Teil auch Rebhühner, auf dem Boden. Jin allgemeinen dürfte die Schuld dem gleichgültigen Legen des Gistweizens beizumessen sein, der oft wahllos über die Felder gestreut wird.
* Elm, 25. März 1913. In der der Portland- zementfabrik Elm gehörenden Kohlenzeche «Kohlenhof drangen zur Nachtzeit Einbrecher in das Bureau deS Obersteigers und schleppten den eisernen Geld- schrank in den Wald, wo er erbrochen und seines Inhaltes von 600 Mk. betäubt wurde. Die Täter sind noch nicht ermittelt.
# Hanau, 25. März 1913. Die 45. Jahresversammlung der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens findet hier am Pfingstmontag statt. Lehrer Schaumberg-Neukirchen hält einen Vortrag über »Gesetzliche Stellung der jüdischen Schule".
* Gelnhausen, 25. März 1913. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers will man in Gelnhausen ein Erholung?« und Kurheim für die geistigen Arbeiter Deutschlands, nicht nur einzelner Berufe, errichten. Nach umfangreichen Vorarbeiten, die besonders Dr. Edgar Holzapfel hier geleitet bat, sollen jetzt verschiedene Ausschüsse gebildet werden, und für de» Jubiläumstag ist die Grundsteinlegung vorgesehen.
0 Gelnhausen,25.März 1913. DieFreigerichter Klelnbahn A.-G. wird für daS abgelaufene Ge< fchäftsjahr wieder eine Dividende von P/i Prozent in Vorschlag bringen. — Die Bad Order Kleinbahn A.-G. schlägt eine Dividende von 21/» Prozent (wie tm Vorjahre) vor.
-ff- Homberg, 25. März 1913. Der hiesige im Jahre 1889 gegründete Vorschuß« und Sparkassenverein hatte im vergangenen Jahre einen Gesamtumsatz von 700419 Mk. Der erzielte Reingewinn betrug 27245 Mk. ES konnten 8 Prozent Dividende verteilt werden. Die Mitgliederzahl betrug Ende des Jahres 545.
♦ Kassel, 25. Marz 1913. Am Karsamstag wurde in einer Wohnung in der Wilhelmshöher Allee ein frecher Einbruchsdiebstahl verübt. Dem Diebe fielen eine Herrenuhr mit Kette, eine goldene Damen- uhr mit Kette, sowie eine Anzahl Kleidungsstücke in die Hände. — Am Nachmittag des Ostersonntags wurde in der Karlsaue ein junger Mann, der mit feiner Brant spazieren ging, von einem Nebenbuhler überfallen und durch einen Stich in die Brust so erbebli ,i verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. — In Rothenburg erhielt beim Fußballspiel ein Lehrling von einem Mitspieler einen io wuchtigen Tritt gegen den Unterschenkel, daß daS Bein brach.
* Gießen, 25. März 1913. DaS LupuSheim wird noch tn diesem Jahre vollendet werden; eS ist die erste Heilanstalt dieser Art in Deutschland. Der Bau wird 26 Krankenbetten enthalten. — Am ersten Ofterfeiertage abends brannte eine HolzfachwerkS- scheuer, die mit Heu- und Strohvorräten gefüllt war.
im Besitze der Genossenschaft. Die Wohnungen sind sämtlich vermietet und von 367 Personen bewohnt. Die Bautätigkeit der Genossenschaft hn Kreise erstreckte sich bis jetzt auf die Errichtung von 11 Arbeiterwohnhäusern, die an Mitglieder verkauft wurden. DaS Grundstück der Genossenschaft in der Gemarkung Fulda „Am Zickengarten" hat, soweit es noch im Besitze der Genossenschaft if, eine Fläche von 2,47,73 Hektar, hiervon sind zurzeit bebaute Fläche 1,03,69 Hektar. DaS Grundstückskonto beträgt laut Bilanz 9437,96 Mk. und das Quadratmeter unbebauter Fläche steht noch mit rund 63 Pf. zu Buch. Die Mitgliederzahl am Schluffe des Jahres betrug 163, das eingezahlte Mitgliederguthaben 13 375,84 Mk. Die Reservefonds betragen 10027,66 Mk. Die Bilanz des Jahres 1912 schließt ab in Aktiva und Passiva mit 315 906,36 Mk. Der Gewinn beträgt 2098,27 Mk. Der Bauverein für den Kreis Fulda, dessen Zweck ausschließlich darauf gerichtet ist. minderbemittelten Personen und Familien gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten oder angekauften Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen, steht, wie die Bilanz des Jahres 1912 zeigt, auf gesunder Grundlage. Heute abend hält der Bauverein im Stadtverordnetensitzungssaale des Stadtschlosses seine Hauptversammlung ab.
Schöffengericht. Der ehemalig» Kand. med. V. M. früher in Jena soll am 2. September v. Js. in ungebührlicher Weise ruhestörenden Lärm und groben Unfug sowie de n Schutzmann K. Widerstand geleistet haben. An jenem Tage kamen mehrere Studenten von der „Bachmühle' der und verprügelten am Fran, zosenwäldchen einen 16jährigen Gärtnerlehrung. : nun plötzlich ein Auge des Gesetzes auftauchte, ergriffen einige Beteiligte die Flucht. M. blieb stehen. Der Schutzmann mußte ihn mehrmals auffordern seinen Namen zu nennen und dann tat er es erst ganz .tropfenweise'. Der Schutzmann vermutete, daß die Angaben beS Studenten fabel) feien und forderte er ihn auf, ihm zur Wache zu folgen. Hierbei leistete M. wiederholt Widerstand. Der Amtsanwalt beantragte Freisprechung von der Anklage auf groben Untug und Lärm, da dies durch die Verhandlung nicht erwiesen war, und wegen Widerstandes gegen den Schutzmann 30 Mark Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf 15 Mark. — »Ich beantrage einen anderen Vorsitzenden!' Mit diesen Worten führte sich der 51jährige Arbeiter H. hier ein, als er sich wegen öffentlicher Beleidigung des Schachtmeisters G. hier verantworten sollte. Zur Begründung seines Antrages führte er an, daß der jetzige Vorsitzende in einer früheren Sache gegen ihn damals auch den Vorsitz geführt habe. Nachdem sich die lebhafte Heiterkeit auch im Zuhörerraum gelegt hatte, wurde er gefragt, ob er feinen Antrag aufrechterhalten wollte, worauf H. mit „nein" antwortete. Da H. gegen G. eine Widerklage wegen Beleidigung angestrengt hatte, endete der Streit der Parteien mit einem gütlichen Vergleich, indem beide sich in die entstandenen Kosten des Veriahrens teilten.
g. Die neuen Knegsbeorderungen für 1913/14, welche kurz vor Ostern an die Mannschaften des Beurlaubtenstandes für den Mobilmachungsfall versandt worden sind, haben vielfach Beunruhigung hervorgerufen. Anlaß dazu waren die beigefügten Bescheinigungen, die für den Kriegsfall nach Unterstempelung durch den Truppenteil oeS zur Fahne Einberufenen die Familienangehörigen des Einberufenen berechtigen, die gesetzlichen Unterstützungsbeihilfen bei den Gemeindebehörden zu erheben. Diese Neuerung hat aber mit Kriegsvorbereitungen an sich nichts zu tun. Die neue Einrichtung ist schon seit längerer Zeit beschlossen worden und stellt eine Vereinfachung des bisherigen Geschäftsganges dar. Durch die neue Einrichtung werden die Farnilienunter- stützungsangelegenheiten im Falle der Mobilmachung schneller geregelt werden können, als bisher, wo tm Falle eines Krieges erst Nachfragen bei den Truppenteilen notwendig geworden wären, wenn über Unterstützungsanträge zu entscheiden gewesen wäre. In militärischen Kreisen wird entgegen den Kriegs- Krüchten im Publikum mit kriegerischen Verwick- ngett in nächster Zeit nicht gerechnet.
** Der Mitteldeutsche Viehhändlerverein hielt bei sehr starker Beteiligung besonders von Mitgliedern aus den Regierungsbezirken Wiesbaden unb Kassel, aus Oberheffen und Rheinhessen in Gießen eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, ein Konsortium zu gründen, das Anteilscheine von je 150 Mark an die Mitglieder ausgibt. Die so erhaltenen Beträge sollen dafür bereitgestellt werden, eine größere Anzahl Kühe und junge Rinder aufzukaufen für den Fall, daß der Frankfurter Viehmarkt starken Auftrieb zeigt, um sie sofort auf einen anderen Markt zu werfen. Man hofft dadurch, die Preise auf dem Viehmarkt in Frankfurt stabil zu halten.