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Zuwaer Zeitung

s Ziehungsliste» der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — tzaldjShrlich Laschenfahrplan, a

40. Zahrgang

Mittwoch den 26. Hlärz 1913

Erstes Blatt.

Nr. 69

3U

■

Leere.

K

ein Entgelt, das den Verzicht auf bestimmte Ortschaf­ten aufwiegt. Daß Rußland diese Vereinbarung ernst meint, geht auch daraus hervor, daß die erste Nach« richt davon nicht von Wien, sondern von Petersburg über London bekanntgegeben worden ist

<h<hrmi »«glich ml« Ausnahme der Sonn- und Zelertage viertel- Ehrlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zuldo fbwu auswärts 1.50 Mord. Rolotionsöru* und Verlag der t $ juldaer Acfien&nidterci (n Zulda. Zernsprecher Nr. S. ::

L “ Wochen-Vellage: z z

Illustrierte Sonnlagszeifung

Jeder sah, daß es keine glückliche Braut war. Es waren ihrer nicht viele, welche Gratulationen dai brachten: man schaute sich einander betrofsen an, man lächelte, leise Bemerkungen wurden ausqe- tauscht. Die Wissenden — und es waren die meisten — wunderten sich, daß der Gastgeber nichts zu wissen chien von dem Verhältnis, in dem die beiden ;u einander stehen — längst war es ruchbar geworden, daß die Frau einst den Grafen betrogen, der Freund den Freund — cs war ein Skandal, der bereits an allen Straßenecken besvrochen wurde! Die Frau hatte erst kürzlich ihr Kind verloren — es wurde gemunkelt, daß die ungetreue Frau auch eine chlechte Mutter gewesen.

Der junge Fürst Guastalla, der nahe Verwandte deZ verstorbenen Grafen von Tarent, aratulierte der

z z Monats-Vellage: z z

Zuldaer Seschichtsbliitter

gen darf!"

Der Prinz beugte sich zur Gräfin nieder und reichte ihr die Hand — automatisch legte sie die ihre hinein, aber die Augen der unglücklichen Frau blick­ten dabei trauernd ms Leere.

daransetzen, um bei den kommenden Wahlen das eine erreichen: Hinweg mit dem G r o ß b l o ck!

= Sturm auf Asrianopel.

Der Krieg geht unverkennbar seinem Ende zu, daS hat aber die Bulgaren nicht abgehallen, noch jetzt, unmittelbar vor Toresschluß, einen Slurm auf Abrianopel anzusetzen. Wir erhalten folgende Mel­dungen:

W. Sofia, 25. März 1913. Heute früh wurde vor Adriqnopel der Generalsturm von allen Seiten gegen die vorgeschobenen Stellungen der Türken und alle befestigten Punkte unternommen. Die Ostforts wurden im Sturm genommen.

W. Sofia, 25. März 1913. Zu dem neuen Kampf um Adrianopel wird noch gemeldet: Heute um 1 Uh, früh unternahmen di« bulgarischen Truppen gleichzeitig einen Generalsturm gegen die vor efchovenen Po­sitionen der Festung Ädrianopel. Gegen 3'/, Uhr früh gingen die bulgarischen Truppen trotz des erbitterten Widerstandes des Feindes mit dem Bajonett vor. Es gelang ihnen, im Osten alle Positionen vor den Be­festigungen zu besetzen. Die Festungswerke von SJlaS» lak mit dem Fort gleichen Namens und alle unmittelbar im Osten der Festung liegenden befestigten Punkte sielen in die Hände der Bulgaren, die 12 Geschütze mit allem Material und 4 Mitrailleusen erbeuteten, so­wie ein Bataillon Türken gefangen nahmen. Die bulgarischen Vorposten besetzen jetzt Serwandern, das ungefähr einen Kilometer von den Festungswerken entfernt liegt. Auf den westlichen und südlichen Sek­toren warfen di» bulgarischen Truppen den Feind aus seinen vorgeschobenen Positionen und rückten bei seiner Verfolgung merilich vor. Bei Tschataldscha warfen die Bulgaren den Feind auf der ganzen Linie zurück und besetzten die Linie Ormanly—Epivatos.

Die Bulgaren hätten sich den Sturm auf Adria» nopel ersparen können, da ihnen in dem Friedens­programm der Mächte diese Stadt ja zugeda bt war. Die unnötigen Opfer sind zu bedauern; aber Europa hot keinen Anlaß, sich hier einzumischen. Ter Fall AdrianopelS würde die polilifche Lage nicht ver­schlimmern.

Gut wäre eS freilich, wenn die Botschafter in London nun endlich Volldampf aussctzlen und schnell die Friedensgrundlagen mit Einstellung der Feind­seligkeiten zur Geltung brächten. Dann würde das Morden bei Ädrianopel aufhören, und das Morden bei Skutari brauchte nicht wieder zu beginnen.

Die Reste der mazedonischen Armee gefangen.

W. Cettinje, 25. März 1913. Amtlich wird gemeldet, daß Dschavid Pascha sich mit 1 50l0 Mann am Flusse Skumbi den Serben ergeben hat.

Diese 15000 Mann sind die letzten Llebenefte der großen rnazedoniscken Armee, die seit Beginn des Krieges die einfallenden Serben vor sich herlrieben. Nach der großen Schlacht von Kumanowo ging der Rückzug der Türken über Uesküb nach 'AUonaitir und Wodena, wo sie von den Griechen angegriffen wurden. Von dort wandten sich die Trümmer bet Armee nach Janina, bei dessen Fall sie wieder in Albanien nord­wärts gingen, wo sie sich jetzt endgiltig den Serben übergeben mußten. Damit schließt em wenig rühm- volles Kapitel dieses Feldzuges.

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Der Graf von Tarent.

72] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner

Wenige nur konnten das laute Lachen unter­drücken bei der drolligen Rede. Im Gesichte des Ba­rons wechselte die Farbe, wenn Blicke töten konnten, würde Bixio, der ewig heitere Mann, tot vom Stuhle gesunken sein.

„Mein lieber Herr Bicomte, Ihre Zunge ist wirk­lich so scharf als Ihr Degen," fiel der Prinz ein, „Sie bedürfen dringend der Besserung. Wollte Herr von Meneville mir erlauben, ein mir anvertrautes Ge­heimnis bekannt zu geben, könnte ich Sie überzeugen, daß er nicht nötig hat, nach Gänseblümchen und be­scheidenen Veilchen zu trachten, denn er hat sich bes­tes gewählt und errungen — wie steht z Herr von Meneville, darf ich meinen Gästen das Geheimnis Preisgeben?"

Ter Angcredete verbeugte sich freudig.

„Monseigneur, es liegt kein Grund vor, die An­gelegenheit länger geheim zu halten", sagte er.

Des Prinzen fragender Blick traf nun die junge Gräfin.

. Sie war geisterbleich geworden. Eben hatte sie das Glas mit dem Weinc zum Munde führen wol- r *' !LUn erzitterte plötzlich die zarte Hand, und der r ♦ Perlte über den Rand des Glases. Der

. ’n auf dem Weißen Damast erschien ihr plötz- 'ch wie Blut. Wie konnte er so grausam sein? Las J denn nicht in ihrer Seele? Warum wollte er es whausruren in die Welt, daß einer ihrer begehte, ’t dem sie niedergestiegen war in den Schlamm der ^--unde. Tas war früher gewesen, ehe er, der fremde, ! genhafte Mann, ins Land gekommen war. Ihm frn 'hre Seele allein! Warum blickte er sie so LJu, dn? Er, der in der Vergangenheit und Zü­rnst lesen konnte?

Prinz von Indien schien ihr Schweigen für Sitze Eigu^g h"Ken. Er, erhob sich von seinem

Umsitzenden erkannten, daß plötzlich eine Sana n”eP,n9 mit. diesem seltsamen Manne vorge- seit, daß er mit einer Gemütserregung zu kämp-

V Badisches.

In Baden hat bekanntlich jüngst die fortschritt­liche V o l k s p a r t e i beschlossen, bei den bevor­stehenden Landtagswahlen gleich im erften Wablgange ihr Geschick in die Hand der Sozial- demokratie zu legen. Das früher erst für den zweiten Wahlgang getroffene Abkommen mit der So­zialdemokratie soÜ diesmal bereit« für den ersten I Wahlgang geschlossen werden.

Daß dies die Bankerotterklärung des Freisinns bedeutet, braucht kaum noch gesagt zu werden. Der Freisinn erklärt sich in aller Oeffent- lichkeit für unfähig, aus eigener Kraft seine Stel­lung auch einigermaßen zu behaupten. Nicht einmal die Unterstützung der Nasionalliberalen genügt ihm; er bedarf auch noch der roten Krücken, um mit Mühe und Not wieder in die badische Zweite Kam­mer zu kommen!

Bei den Nationalliberalen ist man z. Z. noch uneinig, ob man sich das erstemal noch ohne die rote Unterstützung in den Wahlkampf wagen soll oder nicht. Die Auseinandersetzungen, die hierüber in der natwnallib. Presse stattfinden, sind äußerst heftig, haben auch ost einen recht heiteren Beige­schmack. Immer häufiger werden die Klagen aus na­tionalliberalem Lager, daß die Partei sich soweit nach links entwickelt habe. Dts bedauern ja nicht nur die rechtsstehenden Nationalliberalen, das be­dauern auch die Konservativen und insbesondere das Zentrum. Der Kamps des Zentrums hat, wie kürz­lich noch sein Führer Wacker ausführte, nur dem radikalen Nationallismus gegolten. Nun bringen es 'nationalliberale Blätter fertig, zu behaupten, nicht »ie e i g e n e Schuld habe die Nationalliberalen soweit gebracht, sondern nur Wacker mit seiner blindwütigen Politik gegen die nationalliberale Partei. Erst auf dem von Wacker geschaffenen Trümmer­feld sei der wirkliche Radikalismus emporgewachsen. Der Vergleich der nationalliberalen Partei mit einem Trümmerfeld dürfte — nebenbei bemerkt — nicht ganz unzutreffend sein. Wenn es aber soweit ge­kommen ist, dann trägt daran einzig und allein die blindwütige Kulturkampf svolitik der Na­tionalliberalen die Schuld; die Kulturkampfspolitik, r welche die Scheidewand zwischen den Nationallibe­ralen und den rechtsstehenden Parteien bildete und die Nationalliberalen nebst den Freisinnigen der So­zialdemokratie in die Arme trieb und sie ihrer Gnade auslieferte.

Tiefes Abhängigkeitsverhältnis ist man in weiten nationalliberalen Kreisen schon lange über; schon oft hörte man, wie rechtsstehende badische Nationallibe­rale — meist in außerbadischen Blättern; in Baden selbst steht ihnen fast keines zur Verfügung — den förmlichen Notschrei ausstießen: zurück vom Großblock! Aber ihre Stimme verhallte meist unge­hört.

Leider wird sie wohl auch diesmal vergeblich ge­wesen sein. Herr Rebmann, der immer noch das Heft der nationalliberalen Partei Badens in der Hand hat, wird so leicht von seinen sozialdemokra­tischen „Zöglingen", die ihm aber längst, längst über den Kopf gewachsen sind, nicht abrücken. Zur Zeit läßt die Rebmannpressc kein Mittel unversucht, den illationalliberalen die unbedingte Notwendigkeit des Großblocks darzulegcn. Von den hundett und mehr „Gründen", welche diese Presse Tag für Tag bei- zubringen sucht, sei nur einer erwähnt: ohne Rotl-lock werde H e r t l i n g s Position tm Bundesrat gestärkt, wenn nach Württemberg auch Baden noch blau- schwarz werde! Das muß doch ziehen! Gegen das Ministerium Hertling — die Parole des Großblocks m Baden!

fen schien. Seine Augen starrten wie in weite Fer­nen. Stillschweigen trat ein, atemloses Stillschwei­gen. Tann begann er mit der an ihm gewohnten heiseren Stimme:

„Liebe und werte Gäste! Sie alle kennen das traurige Geschick, welches unsere Festeskönigin, die Frau Gräfin von Tarent, betroffen hat in der letzten Zeit. Schweres Leid hat sie ertragen, und daß sie nicht zusammenbrach unter der Last so vielen Schmer­zes, ist einem Manne zuzuschreiben, der hier in un­serer Mitte weilt. Er und der verstorbene Graf waren Freunde, fast Brüder. Unser vortrefflicher Herr von Meneville ist ein Mann, wie es wenige gibt. Er stand zu der trauernden Witwe nach dem Tode ihres Gatten tröstend, stützend und helfend. Die Herzen der beiden fanden sich. Herr von Meneville ist ein sehr glücklicher Mann, denn die schönste Frau ist bereit, an seiner Seite neues Glück nach düsteren Tagen zu suchen. Ich verkünde hiermit die Ver­lobung der Frau Gräfin Anita von Tarent und des Herrn Baron Anatole von Meneville. Ich schätze mich glücklich, der Erste zu sein, welcher den beiden Verlobten hiermit seine besten Glückwünsche darbrin-

Tie Sache hat eine heitere Seite, aber auch eine tiefernste Kehrseite. Es ist bislang noch nicht dage­wesen, daß in einem deutschen Bundesstaat von einer großen bürgerlichen Partei der Wahlkampf unter dem Gesichtspunkt geführt wurde,, wie die Position eines fremden Ministeriums im Bundesrat geschwächt werden könne. Würde in natioualliberalen Kreisen Badens diese Frage nicht ernsthaft erörtert, man würde sie für einen schlechten Scherz halten. Die badische Regierung hat bis jetzt noch dazu geschwie­gen. Sollten aber derartige Erörterungen in der badischen Prsse noch weiter gepflogen werden, so wird sie nicht gut daran vorbeikommen, ein energisches Wort zu sprechen. Zum mindesten aber darf die Badische Regierung dem Rotblock gegenüber nicht mehr dies Pc Haltung einnehmen, wie früher, wo sie manchmal auf eine direkte Begünstigung hinaus lief. Die Karlsruher Zeitung, das amtliche Organ der Badischen Regierung, hat es unlängst ge­wagt, die nationalliberalen Kundgebungen gegen den Großblock abzudrucken. Für badische Verhältnisse will das etwas heißen. Hoffentlich. bleibt die Regieru. g hierbei nicht stehen.

Die rechtsstehenden Parteien aber mögen alles

Montenegro gibt nach.

Die montenegrinische Regierung ist dem Verlangen Oesterreichs nacdgekommen und hat, wie schon kurz gemeldet, in einer Zirkularnote an die Mächte erklärt, sie werde Maßnahmen treffen, um den Abzug der Zivilbevölkernng aus Skutari zu ermöglichen. Was die vielen diplomatischen Worte und'Noten nicht erreichten, das hat also im Handumdrehen die erste Tat Oesterreich-llnqarns zu Wege gebracht; dem Erscheinen der österreichischen Kriegsflotte im Adria« tischen Meere ist, das Einlenlen Montenegros zu danken. Aussührlichrc wird über die Zirlularnote gemeldet:

W. Cetinje, 26. März 1913. In ihrer an alle Groß­mächte gerichteten Zirkularnote beklagt sich Mon» tenegro über das Vorgehen Oesterreich-Ungarns, durch daS die Einstellung des Bombardements von Stvtari bis zum Abzüge der Ztviwevötternng gejorderk und tm Falle der Ablehnung Gewaltmaßnahmen angedioht werden. Die Regierung betrachte die Aktion Oesterreich- UngarnS als eine Bresche in die Neutralität und teile mit, daß sie die zum Abzüge derZivilbevölkerung aus Skutari notwendigen Maßnahmen treffen werde. Zu gleicher Zeit mit dieser Zirkular­note hat die Regierung auf der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft eine Note überreicht, in der sie von ihrem Entschluß und von ihrem Protest gegen die Haltung Oesterreich-Ungarns bei den Mächten Mitteilung macht.

Die große Bedeutung der Nachgiebigkeit Monte­negros liegt darin, daß Rußland sich getreulich auf die Seite Oesterreichs und des Friedens gestellt hat. Die russische Politik wurde auf eine ernste Probe gestellt. König Nikita ist d:r Schwiegervater des italienischen Königs und zweier russischer Großfür­sten. In Italien konnte bei den obwaltenden politi­schen Verhältnissen die verwandtschaftliche Stellung nicht so stark ins Gewicht fallen. In Rußland aber sind die großfürstlichen Einflüsse nicht ohne Bedeu­tung, namentlich wenn sie mit den panslavistischen Ueberliefenmgen und Agitationen Zusammenwirken. Für den Zaren und sein Ministerium war tatsächlich die Versuchung nicht gering, dem Könige Nikita, der früher als der „einzige Freund" gepriesen und fort­gesetzt als Schützling und Kostgänger Rußlands er­wähnt worden war, in der Eroberung des heißbe-

ger weinen später und klappern mit den Zähnen vor Herzeleid, da Du doch als Christenmensch nur eine Frau heimführen darfst. — Wahr ist, daß ich in meinem achtzehnten Jahre schwer getäuscht wurde. Ich flötete Nacht für Nacht meine süßen Weisen vor ihrem Fenster, und jedesmal erschien das Geschöpf, streckte die Nachthaube heraus, grinste mich an, wie wenn sie mich zum Fressen gern habe, und warf Rosen auf mich herunter, um mich zum Wiedcr- kommen zu verleften. Dann — als der Mond ein» und einhalbmal gewechselt hatte, gehe ich ohne Arges zu denken an einer Kirchentüre vorbei, und da kommt das Frauenzimmer heraus mit einem Myrihenkranz auf dem Kopfe und einem vierschrötigen Mannsbild am Arme. Damals hatte ich zu wählen unter den verschiedenen Arten des Selbstmordes und entschied für keinen! — Aber das ist lange her, liebster, bester Bixio, Dein Schnurrbart ist seitdem herangewachsen, und Du bist zum gesetzten Mann geworden. . . Du hast Dich genug gerächt, und mußt die Friedens­pfeife rauchen. Auch wird meine Basis eine un­sichere; ich spinne an. dielen Fällen und schließlich kann'S passieren, daß Du kopfüber in den Sümpf S, die Stiefelsohlen nach oben, auf denen sich

Frösche und Unken luftig machen. Sei ein Mann, Bixio, gehe von Stund an durchs Leben, ge­rade wie ein Tannenzapfen. Dein Ja sei ein Ja, Dein Nein ein Nein! — Ein wabres Schandglück, daß das Hinkebein vom Eulenhof über allen Bergen weilt."

In diesem Augenblick ereignete sich etwas Seit- san'es, Unerhörtes, Entseßliches--

Der Vicomte hatte wäbrend seines Selbstgesprä­ches: hinauf zum Sternenhimmel geblickt, hatte nicht bemerkt, daß ein Schatten am Eingang einer Grotte erschienen war — langsam trat der Schatten näher, entsetzt starrte der junge Mann darauf. — Er fühlte, wie das Blut in seinen Adern langsam gerann — große Schweißtropfen sammelten sich an seiner Stirne, mit der Hand klammerte er sich krampfhaft an die Seitenlehne der Bank, der Atem kam kurz — stoßweise.

Er erschauerte unter dem Funkeln zweier grau­grüner Augen. — --- (Forts, folgt)

gehrten Skutari freie Hand zu lassen. Und doch hat sich die russische Diplomatie dem österreichischen Schritte in Cetinje angeschlossen. Die monte­negrinische Regierung gewann offenbar die Ueber- zeugung, daß es der russischen Regierung wirklich ernst sei mit dieser Mahnung, und daß ein Um­schwung der Zarenpolitik nach der panslawistischen Seite hin vorläufig nicht zu erwarten sei. Monte­negro hätte gewiß nicht nachgegeben, wenn überhaupt noch Hoffnung auf die Hilfe Rußlands gegen die an» gedrohte österreichische Waffengewalt möglich gewesen wäre. Daraufhin darf man annehmen, daß zwischen Rußland und O e st e r r e i ch wirklich ein festes Abkommen über die Abgrenzung von N o r d a l b a- nien besteht, und zwar auf der zuerst gemeldeten Grundlage, daß Dschakova den Serben zufällt, dagegen Skutari dem neuen albanischen Staate Vorbehalten bleibt. (Vergl. unten.)

König Nikita, dem sowohl der Krieg als die Diplo­matie so schmerzliche Enttäuschungen' gebracht haben, hat bisher nur versprochen, das Notwendige für den Abzug der Zivilbevölkerung aus Skutari zu tun. Es steht ihm also immer noch frei, nach diesem Abzug die Festung wieder zu beschießen oder gar zu erstür­men. Aber auch seine Soldaten werden jetzt wissen, daß die weiteren Opfer umsonst fein wür­den, da Montenegro auf keinen Fall Skutari behalten wird. Die Serben, die mit Dschakowa abgefunden werden sollen, dürften es sich gewiß zweimal über­legen, ehe sie ihr Hilfskorps noch weiter für nichts und wieder nichts vor Skutari sich verbluten lassen. Im ungünstigsten Falle, wenn Skutari wirklich noch erobert werden sollte, wird Rußland gegen ein nach­trägliches Eingreifen von Oesterreich sich gewiß ebenso wenig erheben, wie jetzt gegen die angedrohte Waf­fengewalt.

Zwischen Oesterreich und Montenegro bleiben nun noch die Angelegenheiten der Schiffsvergewal­tigung in M e d u a und die Untaten gegen die kath. Albanier und den Pater Palitsch in Dschakova zu regeln. In dem ersteren Punkte lenkt die montenegrinische Regierung jetzt schon ein. Sie ordnete eine Untersuchung an und versprach eventuell Schuldige strenge zu bestrafen. Der zweite Punkt ist aber viel wichtiger und anscheinend schwieriger zu er- ledigen. An ihn schließt sich die Forderung, daß für die Gewissensfreiheit in den Balkanländern ausreichende Garantien gegeben werden. Hof- ftensich wird Rußland trotz seiner „orthodoxen" Nei­gungen in dieser ernsten Rechts- und Külturfrage auf seinem bisherigen friedlichen Standpunft ver­harren.

DaS Friedenswerk ist zu Ostern ein Stück vor- w ä r t s gekommen. Doch bleiben noch Schwierig­keiten genug übrig.

Skutari und Dschakowa.

Wien, 25. März 1913. Nach neuen Erkundigun­gen kann der Korrespondent der „Köln. Zig." fest­stellen, daß die Einigung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland über Albanien vollkommen ist. Rußland hat seine unbedingte Zustimmung dazu ge­geben, daß Skutari unter allen Umständen Albanien zufalle, und Oesterreich-Ungarn hat dafür seinen Wi­derspruch gegen die Zuteilung Dschakowas an Serbien aufgegben, dafür aber das Zugeständnis er­halten, daß die religiöse und nationale Freiheit der nichtorthodoxen Bevöllerung des ge­samten Montenegro und Serbien zufallenden Gebiets durch, internationale Bürgschaften sichergestellt werde. — Dieser Entschluß ist Oesterreich-Ungarn gewiß nicht leicht geworden, da es damit alle vier ostalbanischen Grenzstädte, die es ursprünglich für Albanien als un­entbehrlich beansprucht hatte, den Serben preisgibt. Da es aber dafür den Schutz der Nichtorthodoren in den besetzten Gebieten durchsetzt, erlangt es damit schönen Witwe nicht, er schien von alledem nichts gehört zu haben. Bixio nagte unmutig an seinem Schnurrbart. Er ärgerte sich grimmig über das vor Freude glänzende Gesicht Menevilles, als er dankend die wenigen Glückwünsche in Empfang nahm. Am liebsten hätte er ihm ein Glas in das Gesicht ge­worfen.

„Wie der Kerl grinst vor Freude", murmelte er, „das schöne Geschöpf mag gefehlt haben, aber eS dauert mich. Man kann den Seelenkummer aus den Augen lesen. Ich glaube wahr und wahrhaftig, die- ses Frauenzimmer kann den Kerl nicht mehr riechen, und ttotzdem fehlt ihr die Kraft zu sagen: Nein, mache, daß Du wegkommst. Wenn sie nur so viel Verstand hätte, sich an mich zu wenden und mir ins Ohr zu flüstern: Liebster bester Bixio, schaffen Sie mir den Menschen vom Leibe! Ich würde ihm so­fort drei Maulschellen in geordneter Reihenfolge ver­abreichen und ihn dadurch zwingen, mich auf Leben und Tod zu fordern. Na, was dann nachfolgen würde, weiß jeder Nachtwächter.

Das Bankett war zu Ende. Mißmutig und un­zufrieden mit der Welt, entfernte sich Bixio vom Festestaumel in den Sälen und ging draußen in den Marmorgalerien, von denen man in die Höfe blicken konnte, auf und nieder. Die angekündigte Ver­lobung der schönen Gräfin ging ihm im Kopfe her­um, eine seltsame Sympathie für diese junge Frau und Neid gegen Meneville stritten mit ihm um die Oberhand.

Gedankenvoll ftarrte Bixio ins Leere, als er sich allein befand Wie gewöhnlich fiel er in Selbstbe­trachtungen und redete mit sich selbst.

„Bixio, es wird Zeit, daß Du in Dich gehst", be» tnnn er. „So wie bisher darf ez nicht weitergehen. Schande, Schande über Dich! Welches Recht hast Du, so zu handeln? Wahr ist allerdings, daß ich mit diesen Evastöchtern nur spiele, nie aber eine verdorben habe. . . . Ich bin nicht geschaffen, wie dieser Höllenhund, der Meneville. Immerhin — es bleibt doch genug auf Deinem Schuldkonto, Bixio! Da drinnen im Saal wimmelt ein wohlgezähltes halbes Dutzend herum, dem du Honig unter die Nase geschmiert hast. Warum denn? Diele armen Tin- !