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Fuldaer Zeitung

Monats-Vellage:

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breit, tofWUPm, hoffet 40 Pf». Bd

S Ziebungsliften der preußisch-süddeutsche» KtafTtn-totterU. —

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|6briid)er Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda sowie auswOrts 1.50 Mark. — Rofofionsörudt und Verlag der 8 1 Zuldaer fldienbru*ertl bi $ul6«. Zernsprecher fit. 9. - -

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Illustrierte Sonntogszeifung

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Nr. 6S.

Erstes Blatt

Dienstag den 25. Marr 1913.

40. Zahrgang.

doxen SBaHanftaaten, aber es wird seine bisherige Zu­rückhaltung gewiß nicht brechen wollen aus einem Anlaß, der als Begünstigung Von offenbaren Frevel­taten erscheinen würde. Es wird denn auch gemeldet, daß der russische Gesandte in Cetinje sich förmlich und nachdrücklich der österreichischen Forderung ange- schlossen hat, der Zivilbevölkerung in Skutari freien Abzug zu gewähren und bis dahin das Bombardement einzustellen. Ebenfalls hat Rußland sich beteiligt an der erneuten Erklärung, daß Sku­tari nach dem Willen der Mächte unter allen Um­ständen bei Albanien verbleiben soll.

Unter diesen Umständen darf man hoffen, daß Montenegro noch rechtzeitig einlenkt oder daß wenig­stens, wenn Oesterreich Waffengewalt anwenden müßte, keine andere Macht sich einmischte. Zweifel­haft ist allerdings die Absicht Frankreichs; doch werden die Pariser Politiker nichts vermögen, • so lange Rußland auf dem Wege des Friedens und der Vernunft bleibt.

Es ivar die höchste Zeit, um den Balkanhelden mal handgreiflich klar zu machen, daß ihre Spekula­tion auf die russische Hilfe doch nicht ins maßlose gehen darf und daß sie die Gesetze der Menschlichkeit und des politischen Anstandes nicht ungestraft ver­letzen dürfen. Wie lange die Lehre in der Zukunft Vorhalten wird, ist freilich noch sehr unsicher. Rohen und Uebermut werden nicht mit einem Schlage kuriert. Oesterreich wird nach wie vor auf der Wacht bleiben müssen, um die wilde Gesellschaft an seiner Grenze in Zucht zu halten.

Und w i r müssen Oesterreich den Rücken decken. Tic Frevler am Balkan sind eine Hauptursache un­serer neuen Rüstungslasten.

Ueberreichung der Vermittlungsnote der Großmächte.

* Belgrad, 23. März 1913. Am Samstag Über­gaben die Vertreter der Großmächte dem Minister­präsidenten die Note, in der sie, ihrer bereits gemel­deten Ankündigung zufolge, die Bedingungen für die neuen Friedensverhandlun­gen mitteilten: 1. Die Grenzlinie führt von Media nach Enos. 2. Kreta wird Griechenland übergeben. Für die übrigen Inseln behalten sich die i Mächte die Entscheidung vor. 3. Eine Kriegs­entschädigung wird den Balkanverbündeten nicht zuerkannt, dagegen werden ihre Delegierten zu der Konferenz zugelassen, die die Regelung der tür­kischen Staatsschuld übernehmen soll. 4. lieber die Grenzen Albaniens werden die Mächte bestimmen. Ter Ministervertreter erklärte den Ver­tretern, die serbische Regierung werde mit den ver­bündeten Regierungen sich ins Einvernehmen setzen und dann antworten. Besondere Schwierigkeiten be­reiten die Fragen des Schicksals der Inseln und der Kriegsentschädigung, auf der, wie hier verlautet, die Verbündeten vollinhaltlich bestehen werden. (Eine Note gleichen Inhalts wurde, wie ein Telegramm I aus Sofia meldet, dort dem Ministerpräsidenten Geschow überreicht.)

Die „Nordd. Allgemeine Zeitung" über die Vorgänge am Balkan.

In ihrer Wochenrundschau schreibt die ,Nordd. I Allg. Ztg.' (Nr. 69):

Die einstimmig beschlossenen Bedingungen für die I den Balkanstaaien angeborene Friedensvermitte- I lung der Großmächte werden in den Hauplstädten I des Balkanbundes durch eine amtliche Mitteilung über­reicht. Die Großmächte dürfen darauf eine Antwort I erwarten, die es möglich macht, endgültige Friedensver- I Handlungen einzuleiten. Ein baldiger Beginn und eine I ungestörte Durchführung solcher Behandlungen liegt im I Interesse der Kriegführenden.

Die Botschatterversammlung hat ferner einmütig I beschlossen, in Belgrad und Cetinje zu erklären, daß dre I Großmächte die Entscheid ung über das Schick- I sal Skutiris wie überhaupt die Abgrenzung

kann. Mer mit dem Trotz, den schwere Schicksals­schläge manchmal erzeugen, sagte ich mir: und wenn Gustav nicht da ist und wenn das Haus auch ver- schlofsen ist wie eine verwunschene Burg, ich komme hinein! Meist Blick fiel auf ein halb offenes Fenster im ersten Stock. Wenn ich jetzt eine Leiter hätte! Keine zu finden! Mer schäme dich, Junge! Für einen Menschen, der in früheren Jahren ein tüchtiger Tur­ner war, bei dem die grausame Zwangslage den un­günstigen Umstand größerer Körperfülle mehr wie ausgleicht, für den ist das Abflußrohr eine Kletter­stange comme il saut, zumal da die tiefen Fugen zwi­schen den Steinen seinen Füßen Halt geben. Das Kunststück gelang, ich huschte in ein dunkles Zimmer und lehnte mich erschöpft gegen die Fensterbrüstung, aber jubelnd brach es aus übervollem Herzen: „Ge­rettet!"

Das Schicksal schien endgültig Friede mit mir ge­schloffen zu haben. Schon der erste tastende Griff brachte mich in den Besitz eines Feuerzeuges. Auch eine Lampe fand ich. — Eben hatte ich begonnen, im Zimmer Umschau zu halten, da drang das Geräusch eines leichten Schrittes und das leise Rauschen eines Frauenkleides an mein Ohr. Die Türe geht auf, und das Licht der Lampe fällt auf eine schlanke Mädchen­gestalt. —

Ohne Hut, Rock, Weste und Stiefel, Gesicht und Hände mit Staub und Schweiß besudelt, aber mit ausgestreckten Händen und meinem liebenswürdig­sten" Lächeln — so ging ich auf die Schwester meines Freundes zu. Ach, ich muß gestehen: der erste Ein- druck, den sie von mir gewann, war der denkbar schlechteste. — Das Mädchen stand bei meinem An­blick einige Sekunden wie sestgebannt in Todcsschre- cken. Dann stieß es einen gellenden Angstschrei au3 und stürzte davon.

O, die Weibernerven! Wäre sie nur eine Minute stehen geblieben, daß ich sie hätte aufklären können! — Was wird sie jetzt tun? Ihren Bruder rufen? Das wäre mir recht. Wie aber, wenn Gustav nicht in der Nähe, wenn er gar nicht im Städtchen ist? Sie wird die ganze Nachbarschaft zusammentrommeln. Mit Sensen und Heugabeln rückt das Aufgebot an. |

b. Savianh in der Sitzung vom 12. März die schwersten Bedenken geltend: der nationaliberale An­trag schneide eine große Beamtenklasse, die d"r Asi^en- ten (welche ein Gehalt bis zu 3300 Mk. beziehen) mit­ten durch, große Mißhelligkesten würden deshalb die tfolge des nationalliberalen Antrags sein. In der Tat ist dem so, führen doch jetzt schon die Eisenbahn­assistenten bittere Klage wegen der unterschiedlichen Besoldung im Reich und in Preußen. Bei der Ab­stimmung wurde der Dermütlungsantrag des Zen­trums abgelehnt, der Kommisiionsbeschluß dagegen mit dem nationalliberalen Antrag angenommen. Der P r i n z i p i a l a n t r a g des Z e n t r u m s, den un­teren und mittleren Beamten Erziehungsbeihilfen zu gewähren, wurde an die Kommission zurückvcr- wiesen. Dort wird der Antrag nach Ostern noch­mals zur Beratung kommen.

Der erste Eindruck.

Humoreske von Gerhard Henner.

(Nachdruck verboten.)

„Bravo!" riefen mehrere besonders jüngere Da­men. Aber der Hausherr schüttelte das leicht ergraute Haupt.

„Ich kann dem nicht beipflichten. Der erste Ein­druck ist in der Liebe nicht immer maßgebend Nicht wT” ^eht, wie der Herr Doktor so schön gesagt, Mese allgewaltige, alles besiegende Königin der Ge­fühle mit Blitzesschnelle in unser Herz. Als ich mit meiner Frau zum ersten Male zusammentraf, da floh roie vor einem Verbrecher und hetzte eine roiüie äReute auf mich, und chr Bruder, Onkel Gu- irav, hat mich sogar durchgeprügelt."

„Das war aber bei mir nicht die Folge des ersten ^vrucks denn wir zwei kannten uns schon lange," nef Onkel Gustav. a '

„Um so schlimmer!" sagte der Hausherr lachend; oenn ihr beiden übrigens nichts dagegen habt, will cy unsern lieben Gästen die Geschichte erzählen. Ich Mft, der Herr Doktor wird dann wohl Ausnahmen für leinen Satz gelten lassen, — Also geben Sie acht: t..,7 ^nem heißen Julitage erwachte ich nachmit-

gegen sechs Uhr hinter einem Strauche, in des- gr ?tten mich niedergelegt hatte, um mich von '/ Anstrengungen einer fünfstündigen Fußtour zu ftn etL sah ich etwas, das mir das Blut er» i L„ren dachte. Ein zerlumpter Kerl hatte sich mei- itürhneuen Sommerhut auf das struppige Haupt ge- M LP1 und war in aller Gemütsruhe damit beschäf- bie J?1(l*nen ..^ck, meine Weste und meine Schuhe, in sürchterlichen Hitze wegen abgelegt hatte, b'" Mündel zu schnüren.

„Holla!" rief ich und richtete mich auf.

be>>"s)?0C1'" tiei der Kerl, raffte das Bündel unter

• ' *"chhte mir eine spöttische Verbeugung und ei»:'„ ™ weiten Sätzen dem nahen Walde zu. Nach Mei» " Augenblicken hatte ihn das schützende Dunkel fü». cn Dicken entzogen. Eine Verfolgung des leicht- ich" ,uner§ schien mir aussichtslos, und so blieb i k- ettn m dumpfer Verzweiflung hinter meinem ।

Sch werde wie ein Verbrecher gefesselt und durch die traßen der Stadt zum Spritzenhause geschleppt. — I Kalter Schweiß brach mir aus allen Poren. Ich rannte in wilder Hast davon. Die Treppe herunter, heraus aus dem Hause, heraus aus dem Städtchen. I Im Dunkel des Waldes will ich mich niederlegen und — sterben.

Der Mond war inzwischen hoch gestiegen und be- lcuchtete mit seinem kalten, mitleidlosen Lichte die fliehende Jammergestalt. Einige tausend Schritte vom Städtchen entfernt blieb ich stehen, um Atem zu schöpfen. Da hörte ich in der ftiHen Nacht ein Ge­töse wie von laufenden und schreienden Menschen Ich wandte den Kops. Richtig! Man ist hinter mir her Schon kann ich die Rotte der Verfolger erkennen. Handfeste Kerle mit Mordinstrumenten aller Art. Allen voran ein Mensch mit anscheinend großer Ge­wandtheit, denn er entfernt sich sichtlich vom Gros und nähert sich mir in demselben Maße. Unter fürchterlichen Drohungen schwingt er einen Dresch­flegel wirbelnd durch die Luft. — Ich bin verlohn! Warum bin ich Esel vorhin aus dem Hanse gelaufen. Eine Nacht tm Spritzenhaus zu sitzen ist doch immer- hin besser, als von erzürnten Spießbürgern totqe- schlagen zu werden wie ein toller Hund.

Während ich so da stand und meine Dummheit verwünschte, merkte ich plötzlich, daß der Mann mit bem Dreschflegel seine Eile stark gemäßigt hatte. Auch das Gros schien langsamer vorzurücken.

, „Schlag ihn auf den Kopf, Schneider!" brüllten letzt die Verfolger. Der Schneider blieb stehen und schwang feine Waffe mit einer so wütenden Schnellig­keit, daß ich mein letztes Stündlein gekommen wähnte. — Da durchblitzt mich ein Gedanke. Ich will auf den Mann zugehen und ihm mein Mißgeschick erzählen. Vielleicht läßt er mich leben, wird gar zum Fürspre­cher für mich. Mit erhobenen Händen ging ich auf den Schrecklichen zu. Er wich einige Schritte zurück.

„Jetzt will -r Raum zum Schlage gewinnen," dachte ich in Todesangst.

„Schneider, paß auf, er schießt!" rief's da plötzlich aus dem Gros, lind im selben Augenblick wandte sich die ganze Schar, der Schneider warf seinen Dresch-

| Albaniens sich selbst vorbehalten, daß daher der Ve» such, auf albanischem Boden durch Akte der Kriegßführung Rechie für Serbien und Montenegro zu begründen, hin, fällig und weiteres Blutvergießen zwecklos bleiben muß.

I Entgegen der an dieser Stelle ausgedrückten Hoffnung hat Montenegro die Angriffe gegen Skutari fort­gesetzt ohne Schonung für Eigentum und Leben der Fremden und Nichtkampfer. Dazu kommt die äugen»

I scheinlich völkerrechtswidrige Behandlung des öfter, reichischen Dampfers Ekodra und das unchriftliche Borgehen gegen katholische Albanesen. Wenn Oesterreich-Ungarn entschloffen ist, von Montenegro für solche Uebergrtffe Rechenschaft zu fordern, so handelt es zur Wahrung feiner verletzten Rechte und Interessen, mit der zugleich der Schutz des Völkerrechtes und Der, Grundsätze europäischer Gesittung zusammeniällt. 1

Von unserer Ankündigung eines Ausgleichs zwischen I Oesterreich und Rußland in der albanrshchen Frage haben wir nichts zurückzunehmen. Wir find niete I mehr überzeugt, daß eine endgittige Einigung auch über den letzten bisher streitigen Punkt gesichert ist.«

Diese Kundgebung der ,Nordd. Allg. Ztg/ ist hocherfreulich. Die Befürchtung,daß die Großmächte doch nicht so ganz einig seien, den Balkanstaaten gegenüber, ist nunmehr nicht mehr am Platze. Augen, scheinlich hat auch Rußland sich nicht dazu bereit I gefunden, die letzten .Taten" ferner montenegrinischen und serbischen Freunde zu verteidigen und feine schützende Hand über sie zu halten.

Die Einigkeit der Mächte

wird auch durch weitere Meldungen bestätigt:

w. London, 24. März 1913. (Tel.) Wie Reuters Bureau meldet, sind sich die Mächte heute über die Grenzen Albaniens einig geworden. Skutari und Dschakova werden ,u Albanien gehören. Damit sind sämtliche Hauptschwierigketten erledigt, und da die Mächte nicht verfehlen werden, den Verbündeten klar zu machen, daß alle weiteren Kriegserfolge an diesen Entschlüssen nichts ändern werden, ist die Einstellung der Feindseligkeiten in allernächster Zeit zu erwarten. Auch .wenn die Verhandlungen über Einzelheiten noch längere Zeit dauern sollten, sind ernsthasle Schwierig, leiten nicht mehr zu erwarten.

Nach einet Wiener Meldung vom 22. März sollte dagegen Oesterreich unter dem Drucke sämtlicher Mächte der Abtretung Dschakowas an die- Balkanstaaten zugestimmt und dafür das Ver- sprechen der Gleichberechtigung der Katholiken in allen Balkanstaaten und die rusttsche Zusicherung eilige» tauscht Haden, Skutari unter allen Umständen den Albanern zu beiaffen. Was richtig ist, wird sich ja »ohl bald anSweisen. Sicher scheint zu sein, daß Rußland mit der Zugehörigkeit Skularis zu Albanien sich ausgesöhnt hat. Auch der Forderung Oesterreichs auf Abzug der Zivilbevölkerung hat es sich ange« schloffen:

W. Cetinje, 24. März 1913. Laut amtlicher monte­negrinischer Quelle unternahm derrussischeGefandte v. Giers im Auftrage seiner Regierung eine Demarche beim Minister des Aeußern und verlangte nachdrücklichst, daß die Zivilbevölkerung von Skutari die Er. laubnis erhalte, die Stadt zu verlassen und daß bis zudem vollzogenen Abzüge die Beschießung ein» gestellt bleibe.

OesterreichischeS Ultimatum wegen Skutari?

W. London, 24. März 1913. Das Reuterscht Bureau erhielt aus Cetinje ein Telegramm, dcmzu' folge Oesterreich.Ungarn an Montenegro gestern vormittag 11 Uhr die telegraphische Auf. forderung ergehen ließ, die militärischen Ope. rationen vor Skutari einzustellen, bis der Abzug der Zivilbevölkerung vollständig bewerkstelligt worden sei. Im Weigerungsfälle werde gegen Mon> tenegro Waffengewalt angewendet werden. (Dazu

Die Erziehung der Balkanvölker.

Die schleichenden Friedensverhandlungen sind in den Hintergrund gedrängt worden durch bb- Maß­regeln, die durch die montenegrinischen Ausschreitunsen notwendig geworden sind, I HP1 om Balkan die elementarsten Forderungen der Menschlichkeit und des Politischen Anstandes wieder zur Geltung zu bringen.

Es sind schon unbeanstandet eine Menge von Grausamkeiten während dieses Krieges verübt wor­den; was auf dem Kriegsschauplätze vorgeht, pflegt sich der Untersuchung und Aburteilung durch einen Dritten zu entziehen. Die Greueltaten von Dscha- kowa sind nun ober offenkundig geworden, und --esterreich, das auch sonst unter der Tollwut der Montenegriner zu leiden hatte, hat mit Fug und Recht von seinem Protektorat über den albanischen Jiatf)oliji§mu?. Gebrauch gemacht, um eine unpar- I tensche Untersuchung zu fordern.

. Dse. Zwangsbekehrung der kathol. Albanier unter den Mündungen der geladenen Gewehre und die Er­mordung des glaubenstreuen p. Palitsch beleuchten grell die Kulturrückständigkeit dieser Emporkömm­linge, und man muß sich mit Schrecken ftagen, was denn aus den Balkanländern werden soll, wenn solche bösartigen Elemente dort die ungeschmälerte Herr­schaft erlangen. Es fehlt ihnen vollständig an sitt­lichen Hemmuugen. Kein Mitleid mit den Wehr­losen. die ihnen in die Hände fallen, und im aber­gläubischen Bertrauenaus die russische Hilft (ein Re- spekt vor den bereinigten Großmächten und erst recht kein Respekt vor dem Nachbar Oesterreich Wenn da nicht eine wirksame Zuchtrute eingreift; dann kommt Europa aus dem Regen in die Traufe; und der vielberühmte Wetterwinkel wird nach Beseitigung der türkischen Beamtenschaft erst recht zu einer Quelle bon “lergerniffen, Unruhen und Herausforderungen.

Als die Balkanverbündeten als Ritter des „K r u u z e s" in den Eroberungskrieg zogen, haben die wirklichen Christen von Europa mit Recht diese E'M°s.e Mission bezweifelt. Das Verhalten der „christlichen" Soldateska hat den Widerwillen gegen diese Kreuzritter nur zu sehr gerechtfertigt. Sogar die heidnischen Japaner haben sich in ihrer Krieg­führung menschlicher benommen, als die christlich drapierten Balkanhelden Für Oesterreich er­wächst eine sehr schwierige Aufgabe, da es durch seine Lage und durch die Verwickelungen der Dinge be­rufen ist, hier als Rächer und Erzieher einzugreifen.

Zum Glück ist vor der Hand keine Gefahr eines Konflikts mit einer anderen Großmacht ersichtlich. Denn Italien kann trotz der Verwandtschaft seiner Dynastie mit der montenegrinischen nicht in den stra­fenden Arm fallen, da es durch die Interessengemein­schaft in der Adria und durch besondere Abmachungen mit Oesterreich eng verbunden ist. Rußland frei- lich ist der alte Gönner der slawischen und orthv-

+ Zentrum und Beamte.

Man schreibt uns aus Berlin:

Daß die Beamten, insbesondere die unteren und mittleren, durch die ungünstiger gewordenen Lebens- verhältniffe vielfach in eine recht schwierige Sage ge­kommen sind, wird kaum noch bestritten. Bei Verab­schiedung des Besoldungsgesetzes ließ sich die Teuerung nicht vorausshen; die Besoldungsordnung ist also recht schnell veraltet.

Nun hat die R e g i e r u n g erklärt, es gehe nicht an, das Besoldungsgesetz von heute auf morgen wie­der umzumodeln, erkannte aber die Berechtigung der Forderung des Zentrums, angesichts der teu­rer gewordenen Lebensbedürfnisse zugunsten der Be­amten entsprechende Maßnahmen zu ergreift», an. Aber sie dachte sich diese Maßnahmen nur in Form von Unterstützungen. Unterstützungen haben aber immer etwas Mißliches an sich, und wo sie sich vermeiden lassen, sollte man nicht zu ihnen greifen. Sie setzen in jedem Einzelfall ein Gesuch des Beamten voraus, worin die Notlage eingehend begründet wer­den muß. Das Gesuch hat der unmittelbare Vorge­setzte zu begutachten, der sich auch über die Würdigkeit des Bittstellers zu äußern hat. Begreiflich, daß viele Beamte auf die Unterstützung verzichten und lieber darben, als ihren Vorgesetzten ihre Familienverhält­nisse bis ins Kleinste darzulegen, sich dazu noch der Gefahr auszusetzen, abgewiesen oder mit einem „Trink­geld" von 20 Mk. abgespeist zu werden.

Das Zentrum hat deshalb beantragt, daß den Beamten Teuerungszulagen gewährt werden, und zwar ohne Antrag nach festen Grundsätzen. Der Abg. Bartscher, der namens der Fraktion diesen Antrag in der Sitzung vom 31. Oktober 1912 begründete, wies darauf hin, daß die Beamten immer mehr von der Sozialdmokratie umworben werden; wenn alle an­deren Gründe für die Regierung nicht genügend wä­ren, den berechtigten Wünschen ihrer Beamten wenig­stens in etwa nachzukommen, so sollte sie doch wenig­stens diese traurige Tatsache veranlassen, etwas für die Beamten zu tun. Um seiner Forderung größeren Nachdruck zu verleihen, brachte das Zentrum am 28. Febr. d. I. folgenden Initiativantrag ein:

Die Königliche ©taalSiegietung zu erfuchen, noch „i dieser Session dem Landtag eine Vorlage zugeben ,u I lassen, durch welche für die unteren und mittleren Be­amten mit kinderreicher Familie mit der Zahl der Kinder steigende feftnoimierte Erziehungsbethilfen eingeführt werden. I

Dieser Antrag kam am 9. März in der Bud-! aetkom Mission zur Behandlung, wurde aber leider gegen die Stimmen des Zentrums a b ge­lehnt. Dagegen stimmten auch die Nationallibera­len und Fortschrittler. Die Budgetkommiffion faßte nun folgenden Beschluß, für den natürlich auch das | Zentrum stimmte, nachdem sein weitergehender An­trag, der sich ja auch auf die mittleren Beamten er» streckte, abgelehnt worden war.

Tie Königliche Staalsregierung zu ersuchen, in einem Nachtragsetat für das Jahr 1913 eine ausreichende Summe zur Gewährung von Teuerungszulagen an kinderreiche Unteibeamte in allen Verwaltungen unter I Abstufung nach der Zahl der Kinder anzuiordein.

Dieser Kammffswnsbeschluß stand im P l e n n m am 12. und 13. März zur Beratung, nud gleichzeitig damit der oben erwähnte weitergehende Zentrums- antrag. Aus den Kommissionsverhandlungen hat das Zentrum entnommen, daß für seinen Antrag eine Mehrheit nicht zu gewinnen war. Es brachte deshalb emeu Eventualantrag ein, daß die Zulagen auch den mittleren Beamten gewährt werden sollten, soweit diese ein Gehalt in Höhe von nicht 4500 Mk. “Sögen. Aber selbst für diesen Vermittlungsantrag | sand sich keine Mehrheit! Die Nationalliberalen be­antragten, nur den mittleren Beamten eine Zulage zu gewähren, deren Gehalt 3000 Mk. nicht übersteigt. Hiergegen machte der Wortführer des Zentrums abg.

Strauche sitzen. Dann begann ich zu überlegen: Meine Tour kann ich vorläufig nicht fortsetzen, obschon 1 ich in einer starken Stunde am Ziel sein würde. Was sollten die Leute dazu sagen? Was würde Gustavs Schwester, die mich noch gar nicht kennt, von dem seltsamen Besuch denken? Es bleibt mir nichts übrig, als hinter diesem Strauche den Untergang der Sonne ahzuwarten. Dann kann ich mich zu Gustav schlei­chen, ohne von den Bewohnern des Städtchens ge­sehen zu werden. Bleibt allerdings noch die Begeg­nung mit der Schwester. Aber das wird Gustav ins Reine bringen. Vielleicht fügt es ein glücklicher Zu­fall, daß sie gar nicht zu Hause ist.

So wartete ich denn auf den Untergang der Sonne. „Aber endlich schwand das Gestirn und die Dämme­rung wob ihre Schleier über die sommerlichen Ge­filde," wie die Dichter sagen. Ich machte mich auf den Weg . . .

Und ich kam glücklich im Städtchen an. Wenn ich jetzt nur ungesehen das Haus meines Freundes erreiche! Mit zirsammengebissenen Zähnen und sto­ckendem Atem schlich ich durchs Stadttor. Zum Glück hatte mir Gustav Lage und Umgebung des Hauses schon oft beschrieben. Jetzt im Winkel von neunzig Grad nach links! An der rechten Seite. Richtig! Ein großes Haus, allein in stolzer Reserve. Drei Bäume davor, sechs Stufen bis zur Haustüre. Die aufsteigende Mondsichel beleuchtete das Ziel meiner Sehnsucht. — Ich drucke auf die Klinke. Verschlossen! Ich taste nach einem Schellenzuge. Keiner da! Auch das noch. Klovfen darf ich nicht, sonst könnten Nach­barn mich sehen. Ich überlege. Vielleicht hat das Haus einen zweiten Eingang an der Rückseite. Be­hutsam steige ich die sechs Stufen hinab und schleiche nach links. Eine hohe Mauer starrt mich an. Nach -«6t§! Ein Pförtchen! Ich drücke dagegen, es gibt nach. Gott sei Tank! Ich bin auf dem umschlossenen Hose, Jetzt kann ich's wagen, halblaut zu rufen.

Aber o weh! Ein viertelstündiges Rufen über­zeugte mich mit grausamer Gewißheit: Gustav war nicht da! Ich Esel! Das kommt davon, wenn man jemand überraschen will. Schon Fritz Reuter warnt davor, weil nichts Vernünftiges dabei raus kommen