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2. Blatt.

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Zuldaer Leitung. ->

X 67.

Samstag 22. Marz 1915.

Apostolischer Brief Papst Pitts X. zur Ankündigung eines allgemeinen Jubiläums in Er­innerung an den der Kirche durch Kaiser Koustantiu den Großen verliehenen Frieden.

Pius X-, Papst, allen Christgläubigeu, die gegen­wärtiges Schreiben lesen, Gruß und Apostolischen Se- gen!

Tie Erinnerung an das große und glückliche Er­eignis, durch welches vor 1600 Jahren der Kirche endlich der Friede zuteil geworden ist, erfüllt olle ka­tholischen Völker mit dem Gefühl der höchsten Freude und bewegt ihr Herz, Werke der Frömmigkeit zu voll­bringen. Uns aber besonders bewegt diese Erinne­rung, die Schätze der himmlischen Gnaden zu erschlie­ßen," damit aus dieser erhabenen Feier auserlesene und reichliche Früchte erspricßen mögen. In der Tat erscheint es sehr angebracht, die Verkündigung des Edikts zu feiern, das Konstantin der Große in Mai­land verkündete, nachdem er den Sieg über Maxentius unter dem Zeichen des Kreuzes davongetragen hatte. Durch das Edikt machte der Kaiser den grausamen Verfolgungen der Christen ein Ende unb führte letztere der Freiheit entgegen, deren Preis dos Blut des gött- lichl n Erlösers und der Märtprer gewesen ist.

So erlebte die strestende Kirche den ersten jener Triumphe, welche zu jeder Zeit alle Verfolgungen noch sich ziehen, und von diesem Tage ab trug sie in immer verstärktem Maße bei zu den Wohltaten, die der gan­zen menschlichen Gesellschaft erwiesen werden. Tenn die Menschen wandten sich von dem abergläubischen Götzendienst allmählich ab und bekannten sich mehr und mehr zu den Gesetzen, Sitten und Einrichtungen des christlichen Lebens. So geschah es, daß die Gerech­tigkeit und die Nächstenliebe in gleicher Weise auf Erden blühten. Wir erachten es daher al-, passend, bei dieser würdigen Gelegenheit, die aus den: erhabenen Ereignis entspringt, Gott, die heilige Gottesmutter und "Jungfrau Maria und die übrigen Heiligere, vor allen- die Apostel, inrmer inbrünstiger cmzuflehen, daß alle Völker, zur Zierde und Ehre der Kirche int Schoße der Mutter Zuflucht suchen mögen: daß sic die Irr­tümer, durch deren Verbreitung die Glaubensfcinde den Glanz der Kirche in Dunkel hüllen wollten, mit allen Kräften bekämpfen, daß sie dem Heiligen Vater die höchste Achtung entgegenbringen und in der katho­lischen Religion den Schutz und Schirm aller Tinge erblicken mögen. Die Hoffnung wird man auch hegen dürfen, daß die Menschen, den Blick aufs Kreuz gehef­tet, in diesem Zeichen des Heils die Hasser des Namens Christi und die aufwalleitden Begierden des Herzens immer und überall bezwingen mögen. Damit die de­mütigen Gebete, welche m der "ganzen katholischen Welt aus Anlaß dieser Jahrhundertfeier verrichtet werden, den Gläubigen zum größeren geistigen Wohle gereichen werden, wobei Wir verfügt, daß sie durch einen vollkommenen Ablaß in Gestalt eines Jublläums bereichert werden, wobei Wir die Gläubigen der Kirche ernstlich ermahnen, daß sie mit Unseren Gebeten und Werken der Frömmigkeit die chrigen vereinigen mö­gen, damit ihnen aus der dargebotenen Dankfeier des Jubiläums der gleiche Nutzen sowohl für das Heil chrer (Seele als auch zum Nutzen der Religion entspringen möge.

Hierauf folgt dann die Ankündigung des vollkom­menen Ablasses. (Veröl. Nr. 64 dieses Blattes.)

Gegeben zu Rom bei St. Peter, unter dem Fi­scherring, am 8. März 1913, im 10. Jahr Unseres Pontifikates.

Auf besonderen Befehl Sr. Heiligkeit

R. Kard. Merrh del Val, Staatssekretär.

Ein Hirtenschreiben derBischöfe Dentsch- lands zum Konstantinischen Jubiläum wird in der Diözese Fulda an einem der Osterfeiertage von den Kanzeln verlesen werden. Wir werden es in der nächsten Woche veröffentlichen.

Lokales.

Fulda, 22. März 1913.

△ Ausstellung von Schülerarbeiten der gewerblichen Fortbildungsschule.

Auch in diesem Jahre hat die hiesige gewerbliche Fortbildungsschule eine Ausstellung von Schülerar­beiten in den Zeichensälen des Stadtschulbaues ver­anstaltet. Eltern und Lehrherrn ist dadurch wieder Gelegenheit gegeben, die Fortschritte der Schüler in ihrer theoretischen Ausbildung feststellen zu können. Es ist wohl heute kein Wort mehr darüber zu ver­lieren, welch hoher Wert den Kenntnissen, die in der gewerblichen Fortbildungsschule unfern jungen, an­gehenden Handwerkern mit auf den Weg gegeben

Der Gras von Tarent.

/0] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

„Gewiß kenne ich den Platz, es ist der schönste Spaziergang rund um Genua — so, so, einen besse­ren Fleck Erde gibt es nicht zu einem Stelldichein . . . aber Ich kann leider um die siebente Abendstunde nicht kommen — ich habe eine Einladung für diese Zeit angenommen und kann mein Wort Nicht mehr zurück- nehmen. Nachmittags zwischen drei und fünf Uhr würde mich keine Pflicht nach irgend einer Seite bin­den, liebstes, bestes Mädchen."

Einen Augenblick überlegte die Arglose. „Dann um vier Uhr — die Base trinkt muiycn um diese Zeit Kaffee bei ihrer Schwester — werdet Ihr oo- stimmt kommen, lieber Herr?"

„Welche Frage? Wäre ich gefangen in einem fin­steren Turm, ich würde die Manern durchbrechen, zu Euch zu gelangen, Liebste, glaubet mir."

Das Mädchen ging zurück.

„Das war Nummer Fünf," sagte der Vicomte zu lick selbst. „Im Falle es so weiter geht diesen Abend, wird es ein volles Dutzend. Gut, daß das Hinkebein dom Eulenhof in weiter Ferne ist, wäre sie hier, sie würde Essig in meinen Wein gießen. Ah, es geht was w>r am Hauptcingange, durch den nur hochadeliges ■Blut hereintritt, es muß eine Person von Wichtigkeit fern, denn der Prinz wird soeben benachrichtigt und Eckt selbst nach der Türe. ... Ei, der Tausend, die schöne Gräfin Tarent ist's. Ein Faß voll mit unge- wchtcn Bohnen will ich anffreffen, wenn unter dem ganzen geputzten Weibervolk hier, das so zahlreich ist, wie ein Heuschreckenschwarm, eine ihr das Waffer reichen kann , . - Das Gesicht scheint schmäler ge­worden, seit ich sie das letzte Mal gesehen. Ich ver­stehe nur nicht, daß sie sich wegwirft an einen Men- Ichen wie dieser Meneville! Dieser Kerl steht neben wr wie ein aufgeblasener Truthahn , , . ich könnte wm die tödlichen Gifte eßlöffelweise in den Mund gwßen . . . Ah, Bixio, das wäre eine Witwe für Dich gewesen! All die anderen sind nur, was Sternschnup- ”ett sind im Verhältnis zur Sonne! Wie galant der

werden, zuzufprechen ist. Durch eingehende Betrach­tung der ausgestellten Arbeiten muß ja jeder zti die­ser Ueberzengung kommen. Selbst den Schülern der Fortbildungsschule, wenigstens den reiferen unter ihnen, wird wohl mehr und mehr zuni Bewußtsein kommen, daß die praktische Ausbildung allein nicht mehr genügt; durch den Unterricht wird ihnen vor Augen geführt, wie vielseitig die Kenntnisse eines tüchtigen Handwerkers sein müssen, wenn er den hohen Anforderungen, die das Leben heute stellt, gerecht werden will. Nur derjenige, der die ihm ge­botene Gelegenheit zur Aneignung von Kenntnissen mit Fleiß und Eifer roabrnimmt, wird mit Aussicht auf Erfolg den immer schwerer werdenden Kampf ums Daseins aufnehmen können.

Sehr zu begrüßen ist es deshalb auch, wenn die Leitung unserer Schule immer mehr bestrebt ist, den Unterricht so zu gestalten, daß den Schülern wirklich ciu brauchbares Rüstzeug in die Hand gegeben werden kann. So verdient hervorgehoben zit werden, daß auf die Anfertigung von Werkzeichnungen großes Ge­wicht gelegt wird. " Diesen Zeicknungen liegen vorher anzufertigende freihändigende Skizzen nach Augen­maß zugrunde, und gerade diese Skizzicr- ü b u u g e n sind von nicht zu unterschätzender Be­deutung. In der Praxis wird es sehr oft an der nötigen Zeit fehlen, eine maßstäbliche Werkzeichnung anzufertigen, eine schnell hingeworfene Skizze mit allen für die Ausführung in Betracht kommenden Maßen wird sie ersetzen müssen. Auch die ausgeleg- ten schriftlichen Arbeiten lassen ersehen, daß h-er nichts versäumt wird. Die jungen Leute werden nicht nur in Buchführung und Geschäftskorre­spondenz geübt, sondern auch in dem für den Hand­werker so wichtigen Veranschlagen und in der Preis­kalkulation. Gerade den Arbeiten auf bic*:m Gebiete werden die Gewerbetreibenden lebhaftes Interesse entgegenbringen; ivird doch dadurch schon beim Lehr­ling Verständnis dafür geweckt, daß der tüchtige Mei­ster den Preis seiner Arbeit nicht willkiirlich schätzt.

lieber die alljährlich veranstalteten Ausstellungen ist in d<»r „Fuldaer Zeitung" schon des öfteren be­richtet worden, es erübrigt sich deshalb Wohl, in die­sem Jahre auf die vielen ausgelegten Arbeiten im einzelnen einzugehen. Es veranschaulicht die dies­jährige Ausstellung wieder in recht erfreulicher Weise, wie die Leitung der Schule auch im vergangenen Schuljahr bemüht war, ihrerseits dazu beizutragen, damit die Schüler später im Konkurrenzkampf ihren Mann stellen können.

Das Augenmerk des Besuchers richtet sich natur­gemäß in erster Linie auf die mannigfaltigen, in übersichtlicher Weise in den vier großen Zeichensälen und auf den Gängen ausgestellten Zeichnungen, unter denen in sämtlichen Abteilungen viele durch saubere und korrekte Ausführung sowie durch bewiesenes Ver­ständnis für Farbengebung angenehm auffallen und wirklich Anerkennung verdienen.

Daß sich unter der großen Zahl der Zeichnungen natürlich mich manche vorfinden, die weniger gut ge­lungen sind, ist wohl eigentlich bei dem so verschiede­nen Schülermaterial selbstverständlich. Der Laie mag nun dazu neigen, sich sein Urteil über die Ar­beiten der Schüler und vielleicht auch über die Fähig­keit oder den Eifer der Lehrer nach der Kunstfertig­keit. die in den Zeichnungen mehr ober weniger zum Ausdruck kommt, zu bilden. Mancher Schüler, dem die Hantierung mit feinem Werkzeug noch leichter fallt, als der Gebrauch des Zeichenstiftes und der Ziehsedcr, bei dem das Können hinter dem Wollen noch zurückstehl, wird bei solcher Grundlage des Ur­teils nicht allzugut abschneiden. Es ist wohl ange­bracht, diese Besucher durch einige Worte daraus hin­zuweifen, daß das Zeichnen nicht um feiner selbst willen betrieben wird. Es kommt nicht so sehr dar­aus an, daß der Schüler mit mehr oder weniger Ge­schick zeichnet, sondern der ganze Zeichenunterricht verfolgt nur den Zweck, den Schüler in den Stand zu setzen Werkzeichnungen richtig zu verstehen und womöglich solche für die einfacheren Arbeiten seines Berufes selbständig unfertigen zu können. Es wäre nur zu verurteilen, wenn der Lehrer auf Aeußerlich- feiten zu großen Wert legen unb alle Kräfte baran fetzen würde, möglichst faubere Zeichnungen heraus- zubringen, vielleicht nur zum Zweck, um bei der Aus­stellung recht gut abzuschneiden. Auf das Verständ­nis der Zeichnung unb auf bie Fähigkeit, eine Preis­berechnung darach aufstellen zu können, kommt es bei den Schülern einer Fortbildungsschule an, weniger auf bie äußere Aufmachung.

_ Natürlich wird auch jeder Lehrer seine Schüler, besonders die zeichnerisch befähigten, zupl sauberen Zeichnen anhalten, unb baß in dieser Hinsicht nichts versäumt worden ist, dürften die vielen gefälligen

Prinz sie geleitet, er sieht aus, als hätte er Feuer ge­fangen an der Flamme unb ber Windhund, dieser Meneville, macht ein Gesicht hierzu, als hätte er einen rostigen Nagel verschluckt . . . Zum Teufel, Bixio, warum stehst Du hier wie ein Weidenbaum, statt nach dort zu eilen, wo die Sonne aufgegangen ist? Vielleicht fällt ein Lächeln für Dich ab, ein fünfter Händedruck, ober bergleidjen mehr. Man kann nie wissen, was nachkommt in solchen Fällen."

_ Bixio schloß das bei ihm unvermeidliche Selbst­gespräch und näherte sich langsam der Gruppe, deren Mittelpunkt der Prinz von Indien unb bie schöne Gräfin bildeten. Als er näher kam, hörte er den Prinzen sprechen:

„Tausend Dank, Madame, daß Sie Ihr Wort eingelöst und zu meinem kleinen Feste erschienen sind. Ohne die Schönste ber Frauen hätte dasselbe jeden Reizes entbehrt. Herr von Meneville, auch Ihnen sühle ich mich recht verpflichtet für Ihr Kom­men, wir sind nachgerade alte Bekannte geworden. Teure Gräfin, Sie sehen aus, wie ein Engel, der plötzlich hcrniedergestiegen ist zu uns Erdenmenschen, ber Herr Vicomte wird dies zweifelsohne bestätigen. Ah, Sie kennen ja wahrscheinlich meinen lieben Freund nicht, erlauben Sie, Madame, daß ich Sie und ihn bekannt mache: Frau Gräfin von Tarent — Vicomte Bixio, ein junger Sausewind, ein Herzens­brecher ohnegleichen, ber selbst im Traume Siebes« schwüre murmelt. — Gutes, römisches Blut, aber leichtsinnig über alles Maß! Sein Wort bem Manne gegeben, ist gut wie Gold, aber das schwächere Ge­schlecht ist betört, wenn es auch nur einer Silbe seiner Rede Vertrauen beimißt."

Die junge Gräfin lächelte und reichte Bixio die Hand. Dieser verneigte sich tief und berührte mit seinen Lippen die schmale, weiße Hand.

„Madame la Comtesse, Hoheit stellt mir ein Zeug, nis aus, das mich gleich im Anfang in Mißkredit bringt", sagte er, die zarte Gestalt mit unverhehlter Bewunderung betrachtend'. ,',Wenn Sie mich näher kennen würden, würden Sie mir beipslichten, wenn ich sage, daß in diesem Erbenleben auch ber Ge­rechteste unverbient mamf^’««1' ut Schaden kommt.

Zeichnungen in sämtlichen Abteilungen beweisen. Sie logen Zeugnis von dein Fleiß ber Schüler, aber auch von bem Eifer unb ber Hingabe der Lehrer ab, mit der sie sich der Ausbildung ihrer Schüler gewid­met haben.

Mög auch im neuen Schuljahr die Leitung der Schule auf den errungenen, schönen Erfolgen nicht stehen bleiben, sondern eine immer vollkommenere Ausgestaltung des Unterrichtes .zu erreichen suchen. Ten Besuch der Ausstellung aber möchten wir allen, die Interesse für beit Handwerkerstand haben, an­gelegentlich empfehlen.

X Auszeichnung. Herrn Kanonikus Dr. phil. et theol. Joseph Sa mm erj er aus Fulda, z. Z. in Mitwitz in Oberfranken, ist infoloe seiner Verdienste um die fnri|d)«unierte Kirche der Titel unb die Wurde eines Chorbischofs von Antiochien vom syrisch-katholischen Patriarchen verliehen worden. _

-itz Personalien.GeneralsuperintendentDr.P fciffcr- Kassel wird am 1. Juli in den Ruhestand treten. —- Dr. Cron, zurzeit Lehrer an der höheren Schule in Treysa, wird anstelle des von hier scheidenden Seminar- lehrersKarl Schmidt alsHilfslehrer an dasLehrerseminar kn Fulda versetzt. — Ernannt wurden der Lehrer Felix Menzel von Fulda, seither in Gotthelp, Kreis Komtz, zum Lehrer von Marienhausen, Untcrroefter» waldkreis und zum Mitglied des dortigen Schulvor­standes, der Landrat v. H u a o-Kassel zum Landesrat, der Sekretär Hinners-Kaflel bei der Zentralver­waltung zum Landessekretär, der Hilfslehrer Müller bei der Taubstummenanstalt zu Homberg zum Taub- stummenlehrcr, der Regicrungsaffessor Bock v. Wül­fingen in Worbis zum Landrat des Kreises Worbis, die Regierungs- und Forsträte Kieke und Rhenius bei der kgl. Regierung, Abteilung für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Kassel, za Geheimen Re- gierungsrätcn, Gerichts-Refereitdar Ellenberger aus Beiseförth nach Ablegung der großen juristischen Staatsprüfung zum Gerichts-Affessor im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Kassel unb der Kanzleigehilse Braun, welcher feit langen Jahren bei verschiedenen Abteilungen des kgl. Amtsgerichts Kassel beschäftigt worden ist, wurde zum Kanzlei-Diätar ernannt und an die kgl. Staatsanwaltschaft versetzt.

*** Dom. Beim Bischöflichen Amte morgen a n hohen Osterfeste gelangt die Missa in honarum L. Servatii für vierstimmigen Männerchor mit Orgel- bcgleitung von Bartholomäus zur Aufführung. Nach dem Pontifikalamt wird der päpstliche Segen feierlich erteilt.

L- Die Zahl der Erstkommunikanten (11- und 10- jährige Kinder) beträgt hier in diesem Jahre ins­gesamt 592, und zwar 258 Knaben und 334 Mädchen. Der große Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern kommt daher, daß die Erstkommunikanten der höheren Lehranstalten an anderen Tagen zum Tische des Herrn geführt werden. In der Dompfarrei be­trägt die Zahl der Ecstkommunikanten 251 (110 Knaben, 141 Mädchen), in der Stadtpfarrei 319 (137 Knaben, 182 Mädchen), in der Hospital- pfattei 22 (11 Knaben, 11 Mädchens In ber Stadtpfarrei wird die Erstkommunion auf zwei Tage verteilt, am Ostermontag werden 137 Kinder (60 Knaben, 77 Mädchen), am Weißen-Sonntag 182 Kinder (77 Knaben, 105 Mädchen) zum Tische des Herrn geführt.

L Der gestrige Karfreitag verlief ruhig und ernst. Um 8 Uhr zogen viele Hunderte von Gläubigen zum Frauenberg, um der Kreuzwegandacht beizuwohnen. Nach der Predigt auf dem Kalvarienberge zog gegen 10 Uhr unter Führung des Franziskanerkonvents eine Prozession, gebildet ans den kathol. Vereinen und zahlreichen Gläubigen, zu den »Gräbern' in den ver­schiedenen Kirchen der Stadt. Auch der Hochw. Herr Bischof und der Stadtklerus nahmen an der Grab- sahrt teil. Von der Stadtpfarrkirche aus zog dies­mal die Prozession auf abgekürztem Wege nach der Benediktiner-Nonnenkirche, wo sie ihr Ende nahm. Bei günstigem Wetter wurden tagsüber die Kirchen außergewöhnlich stark besucht.

a Viehmarkt. Auf Anordnung ber Polizeidirek­tion erfolgt künftig der An- und Abtrieb des Viehes von und zu der Bahn vor den Biehmarkttagen unb an diesen selbst durch den Ausgang der Oberhessischen Laderampe an der Unterführung des Zieherser Weges nach dem Marktplatze.

|!| Bohrungen. Seit Donnerstag sind am Künzeller­weg unmittelbar vorder Eisenbahnbrücke Bohrmaschinen in Tätigkeit. Es handelt sich augenscheinlich um eine Untersuchung des Bodens für die Bahnerweiterung.

-u- Submission. Beim Eisenbahnbetriebsamt Fulda wurden im Dezember vorigen Jahres die Glaser-, Schreiner- und Schlosserarbeiten für dm Erweite-

Monseigneur sagten vorhin, Sie sähen ans wie ein Engel unter Erdenmenschen, ich bin bereit, diesen Ausspruch mit meinem Blute zu unterschreiben."

Anita von Tarent lächelte. Der schmucke, junge Kavalier war an ihrem Fenster borbeigeritten, sie erinnerte sich seiner Wohl. In früherer Zeit hätte sie ihn ihres Interesses wert befunden, heute war das vorbei. Ihr Sinn hatte sich geändert.

„Herr Vicomte, es ist mir recht angenehm, Sie kennen gelernt zu haben," sagte sie, „hoffentlich tref­fen wir uns öfter und mit ber Zeit werde ich mir ja mein eigenes Urteil bilden können, ob Ihr Rus be­rechtigt ist, ober nicht." Nach biefen Worten schien er bei ihr vergessen zu fein, ihre ganze Aufmerksam­keit schien bem vornehmen, sagenhaften Gastgeber ge- toibmet. Bixio rechnete im Stillen barauf, nun, da sie am Arme des Prinzen den Gang durch die Säle antrat, einen Seitenblick zu erhalten, ber ben Eindruck verriet, ben er gemacht — nichts dergleichen . ., Un­mutig nagte er an der Unterlippe.

„Sohn meiner Mutter, ich wette hundert voll­wertige Dukaten gegen eine Leberwurst, dieses schöne Geschöpf behandelt Dich schlecht gleich im allerersten Anfang," begann er das bei ihm übliche Selbstge­spräch. „Zum Henker, sie hat mich gesehen in all meiner Pracht und geht eiskalt weiter, ohne mir mehr Aufmerffamkeit zu schenken, als einem Maccaroni- händler . . . Auf einem glühenden Roste lasse ich mich braten, wenn mir da nicht bitteres Unrecht zu­gefügt ist von dieser Dame. Sonderbar, das junge Geschöpf schaut auf den Prinzen, als hätte es ihn trotz, feiner grauen Haare zum Fressen gern — viel­leicht erleben wir was Neues . . . Ter Meneville scheint auch derartiges zu riechen, denn er schleicht hinter den beiden her mit glühenden Augen. Der Schleicher — würde ihm ganz recht geschehen, ber tote Tarent würbe sich im Grade freuen . . . Die Frau eines anberen zu verführen, ist eine Schlechtigkeit, nimmer wäre ich solcher Infamie fähig. Noch war dazu Tarent sein Freund — Schande, Schmach! Das ist eines echten Mannes unwert."

— — Oben in ben Prunksälen ertönten nun rauschende Weisen. Die Paare ordneten sich zum Tanze. Alle Augen richteten sich auf den Prinzen

rungSbau des Bahnhofes Sterbfritz ausge­schrieben. Es wurden folgende Offerten eingereicht: I. I. Webncr-Fulda6401.54Mark,HahnerundLöffert- Flieden 7235 80M.,Hohuiann-Sterbfritz7238.75Mark, Herzig-Fulda 8194.40 M., A. Böscheu-Fulda 8920.60 Mark. Als der Wenigstsordernde den Zuschlag er­halten sollte, erklärte er, die Preise seien zu niedrig und er könne die Arbeit nicht mehr zu diesen Preisen liefern, zumal die Zuschlagsfrist von 3 Wochen ab­gelaufen sei. Daraufhin wurden die Arbeiten noch­mals ausgeschrieben. Es wurden jetzt folgende Angebote gemacht: I. I. Wehner-Fulda 6919.49 M., Hohmann-Sterbfritz 7599.76 M., Schickenbanz 7874.25 M., Herzig-Fulda 8083.35 M., Hahner und Söffet!« Flieden 8292.74 M., Karl Traut und Schnarr-Fulda 8556 47 Mark.

(♦) Ein Obstbankursus soll in der Zeit vom 31. März bis 5. April d. Js. einschließlich in den Räumen dcr landwirtschastlichenWinterschule hierselbst abgehalten werden. Die Teilnahme am Kursus tft unentgeltlich. Mit den Vorträgen wird am Montag, den 31. März morgens 9 Uhr begonnen. Samstag, den 5, April nachmittags ist Schluß. Den früheren Schülern der landwirtfchaftlichen Winterschule ist gestattet, in den Räumen der Anstalt zu schlafen. Belten ohne Bettstellen sind mitzubringen. Anmel­dungen sind an den Direktor der landwirtschaftlichen Winterschule, Herrn Schoppmann hier, zu richten, der mich zu jeder Auskunft bereit ist. Im Interesse ber Hebung der Obstbaumzucht im hiesigen Kreise dürfte es liegen, daß eine recht rege Beteiligung an dem Kursus staltfindet.

a Privatbauunternehmer, b. h. Unternehmer von solchen Bauarbeiten, bie auf eigene Rechnung und nicht geiverbsmäßig ausgeführt werden, sind nach § 24 des Bauunfallversicherungsgesetzes bei Ver . meibung einer Ordnungsstrafe bis zu 300 Mk. ver pflichtet, der Ortspolizeibehörde längstens binnen 3 Tagen nach Ablauf eines jeden Monats eine Nach Weisung einzureichen, aus welcher die in diesem Monate bei Ausführung der Arbeiten verwendeten Arbeitstage und die von den Versicherten dabei ver­dienten Löhne und Gehälter ersichtlich sind. Die vor- geschricbenen Formulare sind in der Uthschen Buch­handlung zu beziehen.

X Vermögensbildiilig in Hessen-Nassau. Ange­sichts der Absicht der Regierung, die Kosten der Wehrvorlagen durch eine einmalige Abgabe vom Vermögen zu decken, interessieren in besonderem Maße die jüngsten statistischen Erhebungen über die Vermögensverhältnisse in Preußen. Einen lieber- blick über die derzeitigen Vermögen gibt die letzte für die Jahre 1911—13 gültige Veranlagung zur Er- gänzungssteuer, die bekanntlich eine Vermögenssteuer ist, nur die phhsischen Personen trifft unb die Ver­mögen unter 6000 Mark freiläßt. Das Ergebnis dieser auf Schätzungen beruhenden Veranlagung be­trägt für die Periode 1911—13 und den Umfang der preußischen Monarchie rund 104 057 Millionen Mark Gesamtvermögen gegen 91 653 Millionen Mark der Steuerperiode 1908—10 und 63 857 Millionen Mark bei der ersten Veranlagung im Jahre 1895. In der Provinz Hessen-Nassau ergab die Voran-' lagung 138 359 (bei der vorletzten Veranlagung 118 516) Zensiten mit einem Vermögen von 10 659' Millionen Mark. Davon kamen auf die Städte 8604 Millionen Mark unb ber Rest auf die ländlichen Gemeinden. Die Besitzenden verteilten sich auf die einzelnen Vermögensstufen in folgender Weise: Es. wurden gezählt mit einem Vermögen von 6000 bis 20 000 Mark 67 234 (54 674) Zensiten, von 20 000 bis 32000 Mark 23 367 (20 646). Von 32 000 bis 52 000 Mark Vermögen gab es 17 592 (15 870) Zen­siten, von 52 000 bis 100 000 Mark 13 981 (12 616) Znsitcn. Auch die Zahl der Besitzenden mit . einem Vermögen von mehr als 100 000 Mark ist in der Provinz Hessen-Nassau recht erheblich; so waren mit einem Vermögen von 100 000 bis 200 000 Mark ver--. anlagt 8005 (7372) Personen, mit einem solchen von 200 000 bis 500 000 Mark 5111 (4733), mit 500 000 bis 1 Million Mark 1655 (1545). Aber auch dar- über hinaus kann sich Hessen-Nassau mit seinen gro­ßen Vermögensträgern sehen lassen. Nicht weniger als 695 (649) reiche Leute mit einem Vermögen von. 1 bis 2 Millionen Mark weist die Statistik für Hessen-. Nassau nach. Vermögensträger mit mehr als 2 Mil­lionen Mark wurden immer noch 449 (411) gezählt. Unter diesen befanden sich 331 Personen mit einen! Vermögen von 2 bis 5 Millionen Mark, mit einem solchen "von 5 bis 10 Millionen Mark 78 (71), von 10 bis 15 Millionen Mark 15 (18) und von 15 bis 20 Millionen Mark 8 (10). Selbst ht der Ver­mögensstufe über 20 Millionen Mark hatte Hessen-, Nallau noch 17 (13) Veranlagte aufzuweisen, so daß

von Indien. Würde er sich beteiligen am Tanze?, Keine war im Saale, die nicht gegeizt hätte nach bet Ehre, von ihm aufgeforbert zu werden. Hunderte von Augen richteten sich nach ihm. Nach altem Brauche! war jene die Königin des Festes, die vom Gastgeber zum ersten Male zum Tanze geleitet wurde. Der Brauch existierte in der Hütte unb im Paläste, ge­wöhnlich war es bie Regel, daß bie Königin auch die Schönste fein müsse. s

All bie abeiigen Damen unb Mädchen aus dem Sürgerftanbe, jebe eine war bereit, einen Tag vom Leben zu opfern für diese Ehre, da —

Anmutig, wie ein junger Mann, hatte sich ber' Prinz vor ber Gräfin verbeugt, ein jeber hatte es ge-! sehen unb ein Getuschel ging von Mund zu Mund.' Nun schlang er seinen Arm um ihre Hüfte, brausend! erschollen die Klänge der Musik, und wie zwei glück­lich Liebende schwangen die beiden sich im Reigen.,' Mit Neid schauten die Geschlechtsgenossinnen :ufi Anita von Tarent. Sie lag hingegossen in feinen. Armen, als gehöre sie zu ihm . . . Und er — merk­würdig —! Was war denn geschehen mit diesem ernsten, schwermütigen Manne? Welch plötzliche Ver-; Wandlung! Jede seiner Bewegungen verriet Jugenb-j lüft unb Jügendmut, Keiner tanzte mit solcher- Grazie und Eleganz.

Aller Augen hingen an ihm. Die schöne Tänzerin in seinen Armen hatte die Außenwelt, sich selbst, die. Vergangenheit vergessen. Wenn dieser Moment doch fortbauern mochte, immer unb immer!

Viele hielten erschöpft inne im Tanze, andere, Paare begannen. Der Prinz tanzte weiter. , Anatolc von Meneville stand in einer Ecke, unb’ mit vor Haß glühenden Augen schaute er auf den; Mann, der ihm Unglück in allem brachte, in allem . . , Die schöne, junge Frau hatte ihn so sehr ge-f liebt, hatte seinethalben alles geopfert, Ehre, Treue,; Gewiffen — und nun hatte dieser fremde Mann ihre; Sinne gefangen genommen. Alle im Saale merkten; es, von Mund zu Mund ging leise, hämische Rede,, nicht eine der anwesenden Frauen und Mädchen, die der jungen Gräfin in diesem Augenblicke sicht' bitterböse war- (Fortsetzung folgt.) ;