Fuldaer Zeitung
Nr. 67
Erstes Blatt.
Samstag den 22. HTärz 1913.
40. Zahrgang
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Gcsamtheit noch nicht
<rf«hdnl tügüch mit flusnuijmt Oci Sonn- unO ZcicNoge. Qicrtel- jährlicher Baugsprtii ohn, Bringerlohn und Bestellgeld in $ulbo Joeie auseoärts I JO IRork. Rotattonsbrudi und Verlag der 6 x Sulboer fldtendnufcerd bi Julba. Fernsprecher Nr. S. SS
Wegen des hl. Osterfestes wirb die nächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am Dienstag ausgegeben.
nur, daß der anfängliche Plan der Regierung, einen Teil der Mehrkosten durch eine Reichsv ermö- genszu wachs st euer bezw. die Witwen- und Waisen st euer zu decken, endgültig fallen gelassen ist, nachdem sich über keine der beiden
stürzte mit mehreren Knochen- und Rippenbrüchen zu Boden. Darauf richtete man an den Schwerverletzten die Frage, ob er nun unterschreiben wolle. Er antwortete: „Nein! Ich verlasse meinen Glau» ben nicht!" Er erhielt nun neuerlich zahlreiche Kolbenschläge, bis ein Bajonettstich durch die Lunge seinem Leben ein Ende machte.
Entweder orthodox oder tot!
* Wien, 20. März 1913. Wie die Abendblätter melden, ist am letzten Sonntag die Frist, die Montenegro in Djakowa einigen katholischen Stämmen Albaniens wegen des Uebertrittszurortho- doxen Kirche gestellt hatte, abgelaufen. Die Drohungen der Montenegriner haben ihre Wirkung ntät verfehlt. Am verflossenen Sonntag zogen vierhundert Sta» tholiken, laut klagend und weinend, zur orthodoxen Kirche. Sechs katholische Dörfer traten bereits zum orthodoxen Glauben über; der Uebertritt anderer steht bevor. Montengro gab die Parole aus: Entweder orthodox oder tot! Auch Mohammedaner werden gewaltsam zum Uebertritt gezwungen.
* Wien, 20. März 1913. Nach neuerdings vorliegenden Nachrichten ist die Uebertrittsbewegung katholischer Albanesen zur Orthodoxie in der Umgegend von Dschakowa unter Androhung von Gewalttätigkeiten und Todes, drohungen seitens der Montenegriner im Wachsen begriffen.
Deutsches Reich.
+ Z«r Lösung der Deckungsfrage.
gerte die Herausgabe. Blazjch ging auf das Schiff und machte nun der ganzen Sache dadurch ein Ende, daß er mit Volldampf nach Fiume abdampfte.
Das Schicksal SkutariS
* Wien, 21. März 1913. Die,Reichspost' meld« aus Skutari: Skutari soll sturmreif fein. Ein seit drei Tagen währendes Bombardement dauert an. Der allgemeine Sturm soll unmittelbar beoorstehen. König Nikolaus soll erklärt haben: »Entweder ziehe ich als Eroberer in Skutari ein oder ich kehre nicht als Lebender nach Cetinie zurück!"
t Zum Osterfeste.
Als Weihnachten unter dem Zeichen des Krieges blieb, hofften wir doch wenigstens bis iD st e r n den Frieden abgeschlossen zu sehen. Aber auch in das Festgeläute der Osterglocken mischt sich noch Kanonendonner und mörderisches Flintengeknatter. Ehrgeiz, Eigensinn und Habsucht sind die lmchristlichen Triebkräfte, welche die Rückkehr zum christlichen Friedensstande heillos verzögern. Der schlimme Eindruck der fortdauernden Kriegswirren wird noch verstärkt durch den Meuchelmord der letzten Tage, der eine wahrhaft antichristliche Verwilderung des Denkens und Fühlens in den internationalen Reihen der Umsturzpartei bekundet, sowie durch die hochpolitische Spannung unter den Großmächten und das damit im Zusammenhang stehende Wettrüsten. Hier .Kriegsnot, dort steigende Rüstungslast, überall Unsicherheit und Sorgen. Wie weit ist noch die Welt entfernt von dem Osterfrieben und Osterqlück, zu dem der Erlöser den Grund gelegt hat?
Die Gegner des Glaubens sagen, das Christentum habe nicht die Fähigkeit, die Sünden und Uebel der Welt zu heilen. Aber die Schuld liegt nicht am Arzt, sondern am Patienten. Wenn alle, die Christen heißen, auch christsich sein wollten in ihrem Denken, Fühlen und Handeln, so würde auf Erden ein wahrer Ostermorgen anbrechen. Die Menschheit ist erst zum Teile äußerlich christianisiert, zu einem nach viel kleineren Teile innerlich. Die Leidenschaffen der Menschen und die daraus erwachsenen Unsiffen schleppen sich als Vermächtnis einer roheren Vorzeit noch immer fort, gleich einer ansteckenden Krankheit, deren Bazillen "der sorgsamsten Heilkunst und Gesundheilslehre immer wieder zu iroüen toiffeu. Die Zeiten sind wirr und schlecht, weil die Menschen zum großen Teil noch unvernünftig und schleckt sind. Was an guten Erscheinungen imb hoffnungsvollen Keimen in der Welt zu finden ist. das verdanken wir jenem Seilswerke, das am Oftertage seine glorreiche Krönung empfing.
Wenn in die Welt neue Lebenskraft und Öfter» sefiakeit ein liehen soll, dann muß sie christlich werden durch und durch. Dann muß dos herrfiche Leitwort aus dem Munde de« obersten Hirten zur Verwirklichung gelangen: Omnia instaurare in Christo, alles erneuern und ordnen in Christus! Welch eine neue Aera der Kultur und der Wohlfahrt würde an- Behen, wenn alle Nationen und Staaten als gleich« strebende Bruder in Christus sich zufammenschlössen zu einer christlichen Welffamilie, an deren heisig»n Herd Frieden und Freundschaff, Treue und Liebe herrschten! Im Evangelium stehst das Gleichnis von dem Weihe, das den Sauerteig unter ihr Mehl mischte, bis alles durchsäuert war. Der rechte Sauerteig des Christentums muß das ganze Mehl durchdränaen, das MM des öffentlichen und de§ privaten L°bens, das Mehl der Staatskunst und der sozialen Ordnung, das wirtfchaftfiche Leben und Streben sowie die Hausgemeinschaft. In der Hohe und I in der Breite und in der Tiefe muh das Christentum I wirken, oben und unten, um die Mäckitiaen vor dem I Mißbrauch ihrer Macht und die Mallen vor dem I Aufbruch roher Triebe zu behmhren. Die Harmonie I zwischen den Rängen und Ständen und Klaffen I würde blühen und gedeihen, wenn alle Teile sich I fühlten und betätigten als lebendiae Gffeder an dem I einen Leibe, dellen Sauvt der Auferstandene und I dessen Herzblut die christliche Liebe ist.
Ob wir es noch erleben, daß einmal die ganie I Welt ein wirkliches, allgemeines und beseligendes Osterfest begeht? Wenn wir es nicht mehr im Dies- I seits erleben, so dürfen wir doch hoffen, daß wir von I oben unsere Nackcknmmen einst beglückwünschen bür« I fett zu dem Aufschwung der wahren Kultur, zur I Erneuerung der Menschheit in dem durchdrungenen I Geist des Christentums. Es aibt nichts blöderes als I der moderne Protest gegen die sogen. „Verguickunq I van Religion und Politik". Die Religion und die I Borne für das Gemeinwohl bürfen nicht bloß „ver- I qnickt" werden, sond-wn sie müllen unb sollen eine I organische Einheit bilden, der religiöse Sinn unb die I christlichen Tunenden sollen die Grundlage aller I Ctaatskunff und Wghsfahrtsvffeqe bilden. Der I Glaube wälzt den schweren Swin von der Gruft I fort, und die H-nlskraft des ChrfftentumS läßt nettes I Leben bervorgehen au? dem. was die ungläubige I Neff als tot und begraben hinstellen wollte.
Die Religion ist der ztmerlässige Wegweiser und I «'gleich di" wirksamste Triehkroff zu allem ernten und I schönen. Wer im Siebte der Ostersontte wandelt, der I scheut nicht vor Todesschatten und kennt kein .Ver- I Sagen: er strebt unverdrossen unb hoffnungsfroh, I »m zu feinem bescheidenen Telle mitzuwirken an der I Erneuerung der Welt in Christus.
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Illustrierte Sonnfagszelhtng | Zuldaer Seschichtsblätter
# Liehirngsttfie» der prenßisch-swdeuffche» Ktafcn-Setterlt. — halbjährlich Taschenfahrplan. S
Der Thronwechsel in Griechenland.
W. Athen, 20. März 1913. König Konstantin ist heute früh um 8 Uhr hier eingetroffen. Der König wurde ehrfurchtsvoll von der schwetgmden Menge begrüßt. Alle Minister hatten sich nach Phalerorr begeben, um dm König zu empfangen.
W. Athen, 21. März 1913. Seit 7 Uhr früh drängte sich eine große Menschenmenge in der Umgegend der Kammer, wo die Eidesleistung des neuen Königs staltfinden sollte. 101 Kanonenschüsse kündigten den Aufbruch des königlichen Zuges vom PalaiS an. Die Menge begrüßte den Zug mit de« geisterten Hochrufen, die Militärkapellen fpielten die Volkshymne. 10 Uhr 30 Minuten betraten König Konstantin und Königin Sophie, begleitet von dem Kronprinzen Georg und dem Prinzen Alexander, den Saal, wo di« Abgeordneten bereits versammelt waren. Der Metropolit sprach ein Gebet und verlas dann den Eid, den der König mit lauter Stimme wieder« holte. Darauf unterzeichnete der König die Eides« forme!, welche die Minister und der Metropolit gegenzeichneten. Die Minister, Abgeordneten und die übrigen Anwesenden brachen in langanhaltende Zurufe aus. Als daS KönigSpaar die Kammer verließ, wurde es von einer ungeheuer« Menschenmenge stürmisch begrüßt.
* Athen, 21. März 1913. Die Ueberführung der Leiche König Georgs findet Mittwoch statt, die Ankunft in Athen am Donnerstag. Das Begräbnis wird vorausfichtlich am 30. März unter militärischer Ehrenbezeigung staltfinden. Wiewohl offiziell noch nichts fettsteht, betrachtet man es als sicher, daß mehrere Mitglieder europäischer Dynastien beim Be- gräbnie anwesend find.
Wien, 20. März 1913. Wie die „Neue Freie Preffe" aus unterrichteten Kreisen erfährt, erstrecken sich die Verfolgungen von Katholiken und Mohammedanern nicht nur auf den Bezirk Dsck»kowa, sondern auch auf Dibra. Täglich ereignen sich zahlreiche Morde. Die Bevölkerung flüchtet massenhaft, unter Zurücklassung von Hab und Gut. Die Verfolgung richtet sich nicht nur gegen Albanier, sondern auch gegen katho- lisch«- und mohammedanische Slawen.
Der Balkan gehört sozusagen noch zu Europa. Des großen Publikums mag sich die Verwunderung darüber bemächtigen, daß derlei, was aus Albanien gemeldet wird, heutzutage noch in Europa möglich ist, wer sich aber eingehender mit Balkanvorgängen beschäffigt, dem ist bas alles nicht neu. Was jetzt dort geschieht, war bis in die allerletzte Zeft das tägliche Brot der nationalen Banden im europäischen Orient, und niemand wirb zu behaupten wagen, baß nach ben Siegen der Verbündeten in den von ihnen eroberten Provinzen ein Wandel darin eintreten wird. Das erste, was der Bandenchef tat, dem es gelang, ein ftembnationales Dorf zu überfallen, war eine Kundgebung an die Einwohner, daß sie sich binnen einer bestimmten Frist zu seiner Nafion unb zu seinem Glauben zu bekehren haben, widrigenfalls man sie mit Feuer und Schwert ausrotten werde. Was denn auch wirklich geschah, wenn die Bedrohten sich weigerten, dem Beseh! zu gehorchen. In bie Hunderte sind solche Droh- und Brandbriefe mit Unterschrift und Siegel in Broschüren im Faksimilie abgebildet. So wurden Bulgaren zu Griechen, Griechen zu Bub- garen, Bulgaren zu Serben, und so weiter umgewandelt. Wer sich nicht umwandeln ließ, wurde kurzerhand erschlagen. Dieses Spiel wird jetzt mir fortgesetzt. Die wildeste Barbarei herrscht dort jetzt wie früher, nur bietet der Krieg Gelegenheit, Europa darüber aufzuklären, was es von de» Balkanchriften zu halten hat. Man befindet sich da unten noch hinter dem Mittelalter zurück. Was man da jetzt tut, nennt man „Kreuzzug". Man nennt es auch Verbreitung der Zivilifatton und Gewiffensfreiheit in den bisher türkischen Ländern, wo angeblich Barbarei und Gewissenszwang herrschten.
o Sperret* und Montenegro.
Recht scharf fvitzt sich bas Verhältnis zwischen Vefl-i-rk-ich itnb Montenegro zu.
Montenearo kannte ben einmütigen Beschluß ber Großmächte, daß Skutari dem künftigen Albanien ^nv"rleibt werben soll. Unb bie Antwort? — Ein jombarbement, nicht etwa lediglich auf die ncrtiftfaticnen, sondern auf bie wehrlose Stadt Und bie Zivilbevölkerung! Waisenhaus, Aanziskanerkloster, Kathedrale, bas ganze christliche Hertel wirb bombardiert und zum großen Test zer- Itort: Parlamentäre, bie ben Belagerern einen > wiest sämtlicher Konsuln Skutaris gegen die völ- arrechtswidrige Beschießung überbittgen sollen, wer- 0k.n überhaupt nicht empfangen! Die Montenegriner Elfsen, baß Skutari niemals ihr Besitz wirb, deswegen
t o I Ito ü t i g e Zerstören.
.Das sie veranlaßt hat, bie Parlamentäre ber Bewerten nicht zu empfangen, ist ein Düffel. Es müßte
Tie Haltung Italiens.
* Rom, 21. März 1913. In ber österreichisch- montenegrinischen Frage kann Italiens Tätigkeit dahin charakterisiert werden, daß eS Oesterreichs als berechtigt anerkannten Unwillen in der Umsetzung in die Tat zügelt, um nicht eine gefährliche Situation entstehen zu lassen, in der es kein Zurück mehr gäbe. Die ,Tribuna' schreibt anschließend an gewiffe im Ausland verbreitete Gerüchte: Italien habe kein Ultimatum gestellt, ebenso glaube man nicht, daß Oesterreich dies getan habe. Unwahr sei auch die Meldung, daß Truppentransporte bereitständen, nach Albanien abzugehen.
Der Zwischenfall mit dem Dampfer „Skobra*.
* Budapest, 20. März 1913. Nach in Fiume eingeholten authentischen Informationen ist das Ungarische Telegraphen - Korrespondenz - Bureau in der Lage, den Zwischenfall mit dem Dampfer der Ungarisch-kroatischen Dmnpfschiffahrtsgesellschaft .Skodra" genau darzustellen: Die .Skodra" kam unter dem Kommando des Kapitäns Blazjch nach San Giovanni di Medua und wollte dort chre Ladung löschen. Als der Hafenkapitän und der Platzkommandant von dem Kommandanten des Dampfers verlangten, er solle mit seinem Schiffe vor bex Hafen kommen, und dort von den sieben griechischen Schiffen, die mit serbischen Soldaten und Ausrüstung für Kavallerie und Artillerie aus Saloniki eingetroffen waren, die Ladung in den Hafen bringen, weigerte sich der Kapitän, das zu tun. Hierauf drohte der Hafers kommandant dem Kapitän Blazjch. Den Drohungen machte die Ankunft des türkischen Kreuzers .Harnt» d i j e" ein Ende. Durch das Bombardement des Kreuzers wurden vier griechische Transportschiffe zum Sinken gebracht und drei Schiffe schwer beschädigt. Die .Skodra" war an einem günstigen Platze und blieb unbeschädigt. Als die .Harnidije" unter dem Horizont verschwand, kam neuerdings der Hafenkapi- tän und verlangte von Blazjch, daß er mit seiner Mann, schäft die inS Wasser gefallenen serbischen Sol- baten rette. Blazjch verwies darauf, daß die Rettung sehr schwierig sei, und weigerte sich, der For- derung Folge zu leisten. Hierauf erschien der Platzkom- Mandant und erklärte, et werd«, wenn Blazjch sich weigere, die ganze Mannschaft der .Skodra" füsi. Heren. Gleich darauf erschien ein montenegrinischer Gendarm auf dem Schiff und zwang den Heizer und den Maschinisten mit vorgehalteuem Revolver, das Schiff unter Dolldampf zu setzen. Der Komman. dant der .Skodra" wendete sich nochmals an ben Hafen- kommandanten und ersuchte um die Erlaubnis, nach Fiume abgehen zu dürfen. Der Kommandant gab nun die Erlaubnis, doch mußte Blazjch eine Erklärung unter. chreiben, in der er in serbischer Sprache bescheinigt, daß er keine llngerechtigkeit erlitten habe und unbehelligt ge- blieben sei. Kaum war der Erlaubnisschein ausgefüllt, da erschien der Platzkommandant, ein Montenegriner, den Erlaubnis,schein an sich und verweb
1 I bcnn sein, baß eine He raussorb er ungOe st erreich s b irekt beabsichtigt sei. Unwahr- ' I scheinlich ist das keineswegs. In ber Umgebung von I Dschakowa wurden von den Montenegrinern und ! chren serbischen Freunden 7 0 katholische Alba- I ne [en, Männer unb Frauen, nie berge- I macht, weil sie nicht zur serbischen Kirche übertreten : I wollten. Der bortige katholische Kurat, ein Franzis- I kanerpater, wurde ermordet. Als der österrei- ; I chisch-ungarische Konsulatsvertreter die Einleitung einer Untersuchung zur Bestrafung der Schuldigen
I verlangte, wurde ihm von ben montenegrinischen Be- I Hörden bedeutet, daß Montenegro bas Protektorats- I recht Oesterreich-Ungarns über die Katholiken in Al- I bauten nicht anerkenne.
Auch in L u m a unb in ber Umgebung von Uesküb metzelten serbische Solbaten katho- I wische Albanesen nieber, weil sie nicht zur I orthodoxen Kirche übertreten wollten. Die serbischen I und montenegrinischen Behörden erklären zwar ber« I artige Nachrichten für absolut unwahr, aber ba man I schließlich auch auf bie übereinftimmenben Berichte I zahlreicher Konsuln hören muß, hat Oesterreich-Un- I gern schon vor einigen Tagen gegen dieses völker- I rechtswidrige, barbarische Treiben Protest erho- I ben.
Ein eklatanter Bruch be§ Völkerrechts I liegt endlich hu Fall Skobra vor, wo bie serbische I Militärverwaltung in Durazzo ben Kapitän be§ ber I ungarischen Handelsschiffahrtsgesellschaft Hungaro- I Groata gehörenden Schiffes Skobra zwang, Truppen I nach Medua zu schaffen.
An den Protest des Kapitäns wegen Mißachtung I ber österreichisch-ungarischen Flagge unb bes Rechtes I ber Neutralität kehrten sich bie Serben nicht. Auch I seitens ber montenegrinischen Truppen in I Medua ist die österreichisch-ungarische Flagge auf der | Skobra schweren Verunglimpfungen ausgesetzt gewe- I se». Begreiflich, daß Oestereich-Ungarn endlich der I Geduldsfaden reißt, daß es die ©enugtuungSfrage er» I hebt und ein Geschwader nach ber albani« I scheu Küste schickte. Die Ausfahrt bes Geschwaders I wird zwar von den amtlichen Wiener Stellen als eine I „Uebungsfahrt" bezeichnet, ist aber in Wirklichkeit I unverkennbar eine Flottendemonstration gegen Mon- I tenegro ober kann doch jeden Augenblick ben Charakter I einer solchen annebmen. Die Sprache ber vom Wie- I ner Auswärtigen Amt moirierten Blätter läßt keinen I Zweifel daran zu, daß Oesterreich zum ! A e n ß e r st e n e n t f d?l offen ist, falls Mon- I tenegro für die von seinen Organen verübten schweren I Verstöße gegen das Völkerrecht nicht ausreichende I Genuatuung gibt. Trotzdem hat Montenegro Oester- I reich-Ungarn eine glatte Absage erteilt.
Der österreichische Gesandte in Cetinje I hatte nämlich den Auftrag erhalten, bei ber moutene- I arinischen Regierung wegen bes Bombarbements von I Skutari und wegen ber Vorkommnisse in San Gio- I vanni bi Medua und in Dschakowa vorstellig zu I werden, lieber die Antwort Montenegros gibt nun I folgendes Telegramm Auskunft:
= Wie«, 21. März 1913. Die Antwort Monte 1 negtoB auf den österreichisch-ungarischen Schritt ist | heute hier eingetroffen, wird aber alS in allen Punkten I unbefriedigend bezeichnet. Die Forderung, Skuta- I ris Zivilbevölkerung ab ziehen zu lassen, ist abgelehnt I worden. König Nikolaus spricht fein Bedauern au?, daß Skutari unter dem Feuer so gelitten habe und sagt nur zu, künftig die Beschießung nur regen Festungswerke richten taffen zu wollen. Bezüglich der Ermordung deS Franziskaners P a l i t s ch und der Zwangsbekehrungen erklärt Montenegro, daß eS die geforderte Untersuchung dieser Angelegenheit durch einen österreichisch-ungarischen Beamten als mit seiner Souveränität in dem besetzten Gebiet unvereinbar nicht zulasfen könne. In der Skodrafrage lautet Montenegros Antwort ausweichend. Halbamtlich wird ein weiterer energischer Schritt Oesterreich- angekündigt, wahrscheinlich in Form einer befristeten Note, um Oesterreich - Ungarn? Forderungen volle Geltung zu verschaffen. Die gesamt« österreichische Preffe, außer der sozialdemokratischen, tritt für em energisches Borgeben gegen Montenegro ein.
Es wäre zu bedauern, wenn die Zuspitzung des Verhältnisses zwischen Oesterreich und Montenegro- Serbien wieder neues Oel in den Brand des Balkankrieges gießen würbe, wenn weitere Verwickelun- Sit sich ergeben würben. Aber es muß etwas ge- ehen, ben Schandtaten der Serben und Montenegrinern gegenüber. Sollte auf bie befristete Note Oesterreichs, in ber nochmals bie Erfüllung ber erhobenen gorberungen energisch verlangt wirb, keine befriebigenbe Antwort erteilt werden, muß man mit ber Möglichkeit eines Ultimatums rechnen.
Ter Märtyrertod Palitschs.
* Wien, 20. März 1913. Wie die „Neue Freie Preffe" meldet, hat sich nach Berichten hiesiger kirchlicher Kreise die Ermordung des Franziskaner-PaterS Angelos Palitschs am 7. März in Djakowa folgendermaßen vollzogen: Palliffch ist ein geborener Albanier, 43 Jahre alt, und erfreute sich großer Beliebtheit. Am genannten Tage vereinigten sich in Djakowa selbst und in der Umgebung serbische und montenegrinische Soldaten mit fanatischen orthodoxe» Geistlichen, um die Bevölkerung gewaltsam zum Uebertritt zum orthodoxen Glauben zu zwingen. 300 Personen, Männer, Frauen und Kinder, unter ihnen Palitsch, wurden mit Stricken gefesselt und unter Todesdrohungen zum Uebertritt aufgefordert. Ein orthodoxer Priester zeigte aus die Soldaten, welche mit ihren Gewehren bereitstanden, und sagte: „Entweder ihr unter, schreibt, daß ihr übertreten werdet, oder diese militärischen Gottesstreiter werden Eure Seelen in die Hölle befördern." Darauf unterschrieben die Gefangenen den Bogen. Als Letzter kam Palitsch an die Reihe. Er war der einzige, der sich ruhig und würdevoll weigerte. Nach dreimaliger Aufforderung beharrte er bei seiner Weigerung, und nun fielen auf einen Wink eine» orthodoxen Popen die Soldaten über ihn her, rissen ihm die geistlichen Gewänder vom Körper und begannen, mit den Ge-w^^rtilbeu auf ihn emzuschlagen. 5Bclitfc6
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Heber die Steuerpläne bet Reichsregierung sind in den letzten Tagen zahlreiche zum Teil sich toiber« sprechende Angaben in bet Presse gemacht worden, die jedoch den über den Steuerplänen der Regierung liegenden Schleier nicht zu lichten vermochten. Wenn wir cs uns bisher versagt haben, zu all den gemachten Angaben Stellung zu nehmen, so geschah das, weil wir unL nicht bau Vorwurf aussetzen wollten, burch vorzeitige Angaben über bie Deckungspläne ber nationalen Aufgabe ber Wehrfiorlage Schwierigkeiten zu mache». Nachdem aber Blätter, die, tote bie „SägL Rundschau" (Nr. 133), nationale Gesinnung für sich allein in Anspruch nehmen zu können glauben, es nicht über sich zu bringen vermocht haben, zu schweigen, sondern aus Sensaüonslüsternheit das bisherige Stillschweigen gebrochen haben, ist es nicht mehr möglich, noch weiter Zurückhaltung zu üben.
Vorweg möchten wir betonen, daß eine Entscheidung des Bundesrats über die Deckungsfrage in chrer ' mtheit noch nicht gefallen ist. Fest steht daß der anfängliche Plan der Regierung, einen
Steuern eine größere Mehrheit in der Finanzministerkonferenz ergeben hat. Der Bundesrat hat bezüglich der Befitzstenerfrage zu einem Ausweg ae- gnffen. Er hat entsprechend dem Vorschlag der Finanzministerkonferenz einen Steuerplan wieder ausgenommen, der bereits bei ber letzten Reichsfinanzreform im Reichstag eine erhebliche Rolle spielte, aber schließlich an bem Wiberstanbe einiger Parteien scheiterte. Wir möchten es uns vorerst versagen, nähere Angaben über bie Art bieses Steuervorschlages zu machen und «nS damit begnügen, zu betonen, daß zur Beunruhigung kein Anlaß vorliegt, daß vielmehr der gefundene Ausweg durchaus zu be» grüßen ist. Man erwartet von dieser Besitzsteuer einen Betrag von 80 Millionen jährlich.
Daß außer dieser Besitzsteuer die Hinausschiebung, der Ermäßigung der Zuck er st euer und der Grundwertzuwachs st euer vorgeschlagen werden wirb, ist bereits mehrfach gemelbet worden. Der durch diese Maßnahme zu erwartende Bettag wttd auf etwa 60—65 Millionen geschätzt. Für die Deckuna des Restes der lausenden Mehrkosten, bie sich auf rund 200 Millionen Mark belaufen werben, liegen eine Reihe von Vorschlägen vor. Es werben u. a. genannt eine Kali- unb Kohlenabgabe, ferner Teile bez Schwerin-Löwitzschen Vorschlages bett, bie Uebertragung ber Stempelabgaben von den Etnzelstaaten auf bas Reich. Es bürsten da, soviel wir wiffen, die Uebertragung des Gesellschafts- sttmpelS und bes Grundstücksstempels in erster Linie m Frage kommen. Außerdem kommen noch einige weitere Vorschläge in Bettacht, bie jeboch weniger Wahrscheinlichkeit haben, angenommen zu werben. Deichen von ben vorstehenden weiteren Steuerplänen und unter welchen Voraussetzungen ber Bundes- rat ferne Zustimmung geben wird, darüber läßt sich noch gar nichts sagen, ba über biesc Einzelheiten noch leinte Beschlüsse o"'ißt sind. Uebcr die Erhebung der einmalige1; Vermögensabgabe zur Deckung ber emmalitffn Kosten ber Wchrvorlage macht bie „Tägl. Rundschau" Nr. 133 folgende Angaben:
.Die einmalige Abgabe der Besitzenden soll staffel- toeije m drei JahreSzahlungeu erfolgen. Zu.