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3. Statt.

Druck d«r xuidarr Zelicirtmtrei in Jnlba.

Fuldaer Zeitung. «•

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Samstag 22. Mürz 1913.

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vorderhand zum Nachgeben bereit zu sein. Daß die von den Balkanstaaten der Türkei gestellten densbedingungen stark übertrieben sind und auf keine Erfüllung in dieser Form rechnen können, ist den Balkanvölkern in den letzten Tagen durch die bet« schieden en Acußerungen von Staatsmännern der Großmächte und durch Aeußerungen der offiziösen Presse. deutlich zum Bewußtsein gebracht worden. Daß die siegreichen Balkanvölker einen Anspruch auf eine gewifie Beute haben, ist ohne weiteres klar, aber man wird am Balkan noch ziemlich viel Wasier in den Wein gießen müssen, denn schließlich liegt das letzte Wort doch bei den europäischen Großmächten.

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— Babylonische Zahnplomben. Falls man einer im Museum zu Konstantinopel befindlichen Tafel Glauben schenken darf, war das Plombieren kranker Zähne schon im grauen Altertum bekannt. Es heiß dort nämlich: Du sollst Bilsenkraut in kleine Atome zermahlen und davon mittels Kitt eine feste Masse machen. Dann sollst Du dreimal eine Beschwörungs­formel hersagen und die Masie in die Höhlung des Zahnes stecken". vs.

— Nicht kompetent. Herr fzum Nachtwächter): „Dort drüben liegt ein Betrunkener, schaffen Sie ihn doch in seine Wohnung." — Nachtwächter: „I täts schon, aber er liegt zwei Zentimeter außer meinem Rayon!"

das Leben zu genießen. Aber es ist nicht wahr: mit dem „einmaligen" Lebenslauf von der Wiege bis zur Bahre ist die Sache nicht abgemacht. Im Gegenteil, nach dem sog. Tode fängt das wahre Le­ben, das Dauerleben erst an. Der kurze Aufenthalt im Kreise der irdischen Genosien ist nur ein kleines Vorspiel znm Dasein in der Ewigkeit. Allerdings ein sehr wichtiges, entscheidendes Vorspiel. Die Oster­glocken "lassen die Verheißung des ewigen Lebens an unser Herz klingen, und neben der tröstlichen Hoff­nung hören wir auch die ernste Mahnung heraus: Bestehe die Probe gut, denn wenn du sie nicht bestehst, so kannst du sie niemals wiederholen. Jetzt sind noch die Tage des Heiles. Jeder ist seines Glückes Schmied. Das gilt nicht allein für die irdische Glückseligkeit, sondern auch für das Heil, das wir jenseits des Gra­bes und nach dem allgemeinen Ostertag erwarten. Jeder ist seiner Auferstehung Schniied.

„Der Friede sei mit euch", lautet der Oster- gruß. Der Friede steht vor der Tür des Herzens; manmuß aber aufmachen und ihn eintreten lassen. Wer in seinem Innern den Frieden sich gesichert hat, der wird die äußeren Bedrängnisse des Erdenlebens zu tragen wissen, der wird seine Karsamsiaasruhe auf einem wahren Friedhose finden, bis der Morgenruf zum ewigen Ostern ihn weckt.

Deutsches Neich.

.'. Der unersättliche Besihsteuerhunger der Volks- Partei. In einem Rechenschaftsbericht, den der Atg. I Müi ler-Meiningen am Sonntag seinen Wählern I in Meiningen erstattete, führte er über die dauernden I Ausgaben der Heeresverwaltung folgendes aus:

„Wenn die Abllcht der Kriegssteuer die ist, eine I ständige Neicbsdesrtzsteuer zu verhrndern, fo wird man I sich sehr täuichen. So wenig als die Deckung durch I Schulden, darf wider die Deckung durch Verkehr?« oder I Massenkoniumstenern eingefübtt werden. ES kann stch I nur um die Reichserbschaftssteuer oder die I ReichsvermögenSstener oder um beides banbelu. I Es sei höchst bedauerlich, wenn ieht im ..Ovserjahr" die I Drückebeigerei der Großgrundbesitzer f*on wieder be- I ginnt. Der bürgerliche und gewerbliche Mittelstand I müßte möglichst geschont, die großen beweglichen wie I unbeweglichen Vermögen aber in richtiger Weise zu den I Lasten herangezogen werden. Selbsteinschätzung, auch I beim Immolulicuvermögen auf Grund des Verkehrs- I wertes, würde die Einrede der Steuerhinterziehung 6e8 I Mobiliarbesitzes beteiligen."

Da? /Berliner Tageblatt hat wohl Grund zu I folgender Anmerkung: „Man kann nur wünschen, daß stch die Fortschrittliche Volkspartei bei der Beratung der kommenden Sleuervorlagen nach den hier an­gedeuteten Richtlinien orientiert." Das kann man I freilich wünschen, denn die ,Volsische Zeitung^ uiw die .Frankfurter Zeitung' schreiben sich die Finger wund, damit die Kriegssteuer nicht erhoben wird. Man steht schon das alte Spiel der Volks­partei: Die Blätter der besitzenden Volksparteiler werden sich gegen die Vermögensabgabe; die Redner der Volkspartei in den ärmeren Gegenden dagegen entwickeln einen wahren Heißhunger nach Besihsteuern.

Eine köstliche Illustration zur Zrsititenängst in protestantischen Kreisen hat vor kurzer Zeit der Jeiuiten« pater Dr. Lieber, ein Bruder des verstorbenen Zentrumssührers, in einer Rede in Mülheim a. Rh. nach dem Bericht der ,Mülheimer Volkszeitung' in folgender persönlicher Erinnerung geliefert:

Er habe 1870—71 u. a. Verwundeten auch zwei schwerverletzte Soldaten aus Pommern gepflegt. Diese hätten ihre Kameraden gefragt, was denn das für merk­würdig gekleidete Pfleger seien. Ihnen sei die Antwort geworden: Das sind Jesuiten! „Um Gotte? willen, dann sind wir verloren!", meinten darauf die biederen Pom­mern, „denn die Jesuiten müssen ja, wie wir schon in der Schule gelernt haben, jeden An­dersgläubigen vergiften." Beruhigt wurden die Pommern in etwa, als sie hörten, das Essen werde nicht von den Jesuiten hergerichtet. „Tann müssen wir aber aüfpassen, daß die Iesuiten uns nichts z u trinken geben," wurde weiter gesagt. Und der Schluß: Als die Soldaten, kriegsuntauglich allerdings, aber sonst geheilt entlasse» wurden, > kamen die beiden Pommern eigens zu Pater Lieber und erklärten fol­gendes: Sie hätten den guten Patres sehr, sehr viel I abzubitten. Und dann erzählten sie, wie in ganz! Pommern jedes Kind und jeder Erwach. I jene die Jesuiten für die größten Scheu. I sale halte. Pater Lieber meinte, dann könnten die ! beiden Soldaten in Pommern ja erzählen, was denn | eigentlich der Jesuitenorden sei und wie sich dessen Mit- I glieder betätigen. Und die Antwort: „Ja, lieber Herr I Pater, das ist ja alles schön und gut, aber das! glaubt uns in Pommern ja doch kein! Mensch; die Leute werden uns sagen: Ja, wenn das I so ist, dann waren e§ eben keine Jesuiten!"

Wenn schon diest Auswüchse her Jesuitenangst I 1870 - 71 möglich waren, so werden sie heute durch I die Jesuitenhetze des Evangelischen Bund s erst recht I verbreitet. Die braven Pommern und auch andere gute Protestanten kennen nun einmal die Jesuiten nicht und lassen sich deshalb von der gegenwärtigen Epidemie der Jesuitenangst leicht infizieren. Im I Auslande, wo man die Jesuiten und ihre Tätigkeit aus eigener Anschauung kennen lernt, lacht man ! über diese .dummen Deutschen". Und doch herrscht I dort der konfessionelle Friede mehr als in Deutschland. I

* „Erwerbt die preußische Staatsangehörigkeit!" Angesichts ‘ der bevorstehenden Landtagswahlen sei I daran erinnert, daß der Besitz des preußischen Staats bürgerrechts die unerläßliche B o r-

Für Erholungsbedürftige und leichtere

Nei‘ven-Kriinl,e-

11 VI t 111 Kuranstalt Hofhelm 1. Tannas

V» Stunde von Frankfurt a. M.

—Prospekte durch Dr. SchUlre-Kaloyss Nervenarzt.

Unpolitische Seitlöufe.

N. «Berlin, 20. März 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Früher, als der Gottesacker noch an der Kirche ging man über die Gräber hinweg, wenn man 9ch zur Auferstehungsfeier begab. Das war öet richtige Weg, denn das Grab ist der Vorhof zttm !LCUen Leben. Vor dem frohen Ostertag liegt der stille "arsamstag.

i Unter dem Drange der Geschäfte, die noch vor zwei Feiertagen zu erledigen sind, hat der Kar- '«nnstag zu leiden. Das ist schade. In der Erinne- 2^9 an die vierzigstündige Grabesruhe liegt so viel Köstliches und Erbauliches; es ist ein Tag der Sammlung und Erwartung, des Friedens und der Öffnung. Da sollten wir eigentlich alle nach dem ss^ahos wandern und den Vorausgegangenen sagen: sshr habt euren Todestag überstanden und schlummert H>t dem großen, allgemeinen, letzten Osterfest ent- »gen. Eure Grabesruhe wird etwas länger dauern, 's dte des Erlösers, aber wenn ihr in seinem Na- gestorben seid, so werdet ihr auch einst teilhaben

°er frohen Auferstehung. Auf Wiedersehen am lunosten Tage!

». ®er nicht körperlich zum Gottesacker wandern Kn, der versetze sich wenigstens im Geiste an die It»!« r! too das heilige Grab fein menschliches Seiten.

ftnbet. lind dabei soll er den Gedanken nicht .schlagen: So werde auch ich meinen Karsamstag jj./dwachen, wenn ich den Leidens- und Todestag rstanden habe und den Öfterruf erwarte! Auch TCIncr Grabstätte werden sie sagen: Er ruhe in e3e? si"d das ewige Licht leuchte ihm. Ob der

sich erfüllen wird? Nun, dafür muß ich »ie m r®en' und da ich noch lebe, so kann ich auch ttie6?'°Il°^e treffett- Wer Frieden int Grabe ge- feip J* An, muß fein Leben in Frieden mit Gott und froh-» Gewissen geführt haben. Zu einem hoffnungs- herZ/V Karsamstag geht der Weg durch einen treu Ebenen Karfreitag.

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Jahren über ihn hereinbrachen. Vor dem Ewigen sind tausend Jahre noch weniger als ein Tag. Wir wissen nicht, auf welchen Zeitpunkt er den Wecker der Weltuhr, den Termin der gegenwärtigen Schöpfung eingestellt hat. Es können "Millionen ober Milliar­den von Jahren fein, und dagegen wären die 1900 Jahre unserer Zeitrechnung nur als eine Minute des Welttages zu betrachten. Wir stehen also noch immer in der Morgenfrühe des Christentums, in den ersten Strahlen der kaum aufgegangenen Ostersonne. Wann die christliche Aera ihren Mittag erreichen und wann die Weltentwicklung zur Katastrophe des jung- ften Tages treiben wird, — wir wissen es nicht und müssen es geduldig abwarten itf dem Karsamstags- schlummer. Den Plan der Vorsehung können wir nicht begreifen, aber wir müssen uns fügen und nach besten Kräften anvassen an das, was uns von dem Willen des Schöpfers offenbart worden ist.

■ Dreifach ist der Schritt der Zeit, und nach drei Richtungen wirkt das Osteraehcimnis: nach der Ver­gangenheit als gläubiger Rückblick, nach der Gegen­wart als Antrieb zur inneren Auferstehung, nach der Zukunft als hofinUngsfrohen Ausblick auf die allge­meine^ Auferstehung des Fleifches. Die Bergan- g e n b ei t ist zeitlich genau abgegrenzt: kaum 1900 Jahre oder 63 Menschengeschlechter sind vorüberqe- gangen feit dem Tage, als die Jünger rieten: Der Herr ist auferstanden und dem Simon erschienen! Der Ausblick in die Zukunft findet keine ersichtliche Be­grenzung: es ist verkündigt, d a ß Er kommen wird, aber es ist nicht aesaqt, wann Er kommen wird zu richten dft Lebendiaen nnd die Toten. Bereit fein ist Weisheit und Pflicht. Darum ist die Hauptsache die Ausnutzung des Festes für die Gegenwart: die Vorbereitung der seligen Auferstehung des Flei­sches durch die Auferstehung der Seele, die Auf- frischung des geistigen und sittlichen Lehens unter den Glaubens- und Gnadenstrahlen der Ostersonne, „Skeh auf und wandle!" —

Zu den Redensarten, die wie abgegriffene Müu-cn Herumlaufen, gehört die verdächtige Bemerkung: Man lebt nur einmal! Das soll eine Anfeuerung sein

I beding ung ist für die Ausübung des San d- I tagswahlrecht s. Wer als Sohn eines Preu­ßen geboren ist, besitzt dadurch von selbst die preußische Staatsangehörigkeit. Wer jedoch als Reichsangehöri-

I g_er aus einem andern Bundesstaate nach Preußen I einwandert, erwirbt dadurch nicht ohne weiteres die I preußische Staatsangehörigkeit, sondern diese muß eigens nachgesucht werden. Die Aufnahme in den

I Staafsverband eines Bundesstaates kann den Ange- I hörigen eines andern Bundesstaates nicht verweigert I werden, fie_ muß erfolgen, und zwar kostenfrei.

In die Aufnahme sind mit einbegriffen, soweit nicht I audrücklich ein anderes beantragt wird, die Ehefrau und die lebenden, minderjährigen Kinder des Antrag- I stellers. Durch den Erwerb der Staatsangehörigkeit I eines andern Bundesstaates geht die bisherige Staats' angehörigkeft nicht verloren; man kann also das Staatsbürgerrecht in mehreren deutschen Bundes­staaten besitzen. Ein entsprechender Antrag ist zu stel­len beim Bürgermeisteramt unter Beifügung der Heimatspapiere (Heimatsfchein, Geburtsfchein, Füh­rungszeugnis). Der Antrag ist rechtzeitig zu I stellen, da die Erledigung immer einige Zeit in An- I sprnch nimmt.

— Tie paritätischen Zustände tut Osten Preu­ßens gewinnen ein immer lieblicheres Aussehen, je I näher man sie betrachtet. Das Danziger „Westpr. V'ksblatt", das sich ein besonderes Verdienst dadurch erwirbt, daß es diese Zustande von allen Seiten be- I leuchtet, läßt wieder mal einige neue Streiflichter j aus sie fallen. Diesmal nimmt es sich die höhe­ren Schulen in Westpreußen, Gnesen und Schle- I sien vor und bringt folgende Angaben:

Es ünd Schüler gm Kgl. Vrogymnaüum in Neu« I matt: fath. 64, etmngel. 47, jüdisch 14, von den 7 Ober» I lebrern sind 2 k-tth.; am Kgl. Gymnassum Gnesen sind I Schüler: kath. 268, evana. 168, jüdisch 42, von 15 Ober« I lebrern 5 fatb.; :Kal. Gymnasium Kempen: Schüler I fatb. 124, evang. 74. jüdisch 23, von 6 Oberlehrern 1 I tath.; KLnigl. Realschule Pieschen: Schüler kath. 55, I evang. 41, jüdisch 9, beide Oberlehrer evangelisch; Kgl. I Gymnasium Vosen: Schüler falb. 240, evang. 185, I jüd. 16, von 23 Oberlehrern 1 lach.; Kgl. Gymnasium I Ro gasen: Schüler kath. 92, evang. 75, jüd. 26, von ! I 10 Oberlehrern 2 kath.; Kgl. Gymnasium Schrimm: I Schüler fatb. 143, evang. 45, jüd. 12, von 10 Ober» I lebrern 2 fach.; Kgl. Gymnasium Kattowitz: Schüler I fatb. 320, evang. 156, jüd. 63, von 17 Oberlehrern 8 I fatb.; Kgl. Gymnasium Ratibor: Schüler falb. 894, I evang. 85, jüd. 30, von 19 Oberlehrern 5 fatb; Städt. Propymnasium Ko ' e 1: Schüler fach. 119, enang. 27, jüd. 9, von 6 Oberlehrern 4 fach.; Stadt. Realschule Oppeln: Schüler kath. 95, evang. 92. jüd. 6, von 7 Oberlehrern 5 fatb.; Stadt. Realgymnasium Ratibor: Schul.r fatb- 137, evang. 6t, jüd. 6, von 8 Oberlehrern I 4 fatb.; in den beiden letztgenannten Städten ist die Zahl der evangelischen Emwohner gegenüber den fatho- I lischen verschwindend flein. Der Direktor an allen An- I ftalten ist evangelisch.

Wir glauben diesen Angaben nichts weiter Hin- I zufügen zu dürfen. Sie reden für sich selbst, und jedes weitere Wort würde ihre Wirkung nur ab- I schwächen.

* Im Briefkasten des Mannheimer „General-An- I geiger" Nr. 122 kann man lesen:

„Abonnent B. Der Jesuitenorden ist seinerzeit zur I Befämp'img des Protestantismus gegründet worden. I . Seine Betätigung ist daher in Deutschland im Interesse I des konfessionellen Friedens, auf dessen Erhaltung das I Deuts te Reich als paritätisches Staatswesen unbedingt I ballen muß, durch da? bekannte Reichsgefetz auf S8era.it» I lassuna Bismarcks verboten worden." I

Ist der Briefkastenonkel des General-Anzeigers ein solcher Ignorant, daß er nicht weiß, wozu der I Jesuitenorden gegründet worden ist, dann möge er | gefälligst sein Geschäft als Brieflastenonkel aufstecken I und zuerft etwas lernen.

Wenn wir einen Mitmenschen zu Grabe geleiten, so überwiegt der Gedanke an Trennung und Vergäng­lichkeit; der Friedhof scheint uns in A b e n d d ä m- m e r un g zu liegen. In diesen Tagen aber wiegt die Hoffnung vor: was da aufleuchtet am Horizont, das ist Morgenrot, das ist der Vorbote der Öfter« sonne. Es wird' Licht werden über den dunklen Grüften und neues Leben wird aus der Saat des Todes hervorsprietzen.

Zu Weihnachten erschien der Stern, dessen Licht nur die kundigen Augen der Weisen zu erleuchten vermochte. Zu Ostern aber geht die Sonne auf, die auf die ganze Welt Licht und Wärme ergießen soll: auf all die Lebenden, die noch sterben sollen, und auf all die Toten, die wiederum leben sollen.

Die Morgensonne berflärt die Arbeitsstätte der Ringenden, die Schmerzensstätte der Leidenden, die Ruhestätte der Borausgegangenen. Sie erhellt den Weg znm Frieden und zum Glück, und wenn der Weg auch eng nnd steinig und steil ist, er ist gangbar und führt die Getreuen sicher zum Ziel, zur ewigen Oster- feligfeit und Osterherrlichkeit.

Der Mensch in seiner Kurzsichtigkeit und Eng­herzigkeit verliert gleich die Geduld. Er möchte gleich hinter der Saat die Ernte sehen und fassen. Wenn vor 1900 Jahren die Ostersonne aufgegangen ist, warum ist bann nicht längst die ganze Welt von dem Licht des Glaubens und von der Wärme der christlichen Liebe durchströmt? Woher die lange Verzögerung, die vielfachen Rückschläge? Warum geht ein Geschlecht nach dem anderen dahin, ohne die Vollendung des Heilswerkes zu erleben? So fragen die beschränkten Kinder gegenüber dem Allweisen und Ewigen, der mit einem ganz anderen Maßstab mißt, als wie die sterblichen Zwerge fassen können. Die Legende vom Mönch von Heisterbach ist sehr lehrreich. Vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag. Das konnte der gute Mann nicht begreifen. Er wurde in einen Schlum­mer versetzt, der 300 Jahre anhielt. Ms er aus dieser vorzeitigen Grabesruhe erwachte, glaubte er, nur ein paar Minuten geschißen zu haben, und verwunderte sich nun entsetzlich, als die Veränderungen von 300

Anhand.

** Neue Schandtaten der Portugiesischen Republik. Die öffentliche Meinung in Portugal beschäftigt sich seit einigen Tagen viel mit Vorkommnissen bei der Polizei von Guimaraes (Provinz Minho), die allge­meine Entrüstung erregen. Einem Gefangenen wür­den die Hönde in eine Presse gesteckt, um ihn zu einem Geständnis zu bringen. Er wurde von den Polizisten geohrfeigt und mit einer Nilpferdpeitsche der­artig geschlagen, daß man nach einem Monat noch die Spuren sah. Man ließ den Unglücklichen drei Tage ohne jede Nähru'ng und sperrte ihn — ohne Urteil! — lange Zeit in die Dunkelzelle. Ein an­derer Verhafteter, ein Greis von siebzig Jahren, wurde ebenfalls tagelang geschlagen. Ein anderer Fall wird ebenfalls aus Guimaraes gemeldet. Auf dem dortigen Friedhof steht eine Gruft, die von einem begüterten Einwohner vor langer Zeit gestiftet wurde,

I um die sterblichen Reste der Krankenschwe- ft e r n aufzunehmen, die im Dienste des Spitals an dort zugezogenen Krankheiten sterben. Es handeft sich, wie man sieht, um eine Huldigung für Mitbür­gerinnen, die auf dem Felde der Pflicht fielen, und daher vor Verfolgungen sicher fein sollten. Jetzt hat die radikale Verwaltmigskommission der Stadt Gui­maraes eine Bekanntmachung erlassen, wonach die Angehörigen bet in dem Ehrengrab beigesetzten | Schwestern, 30 an der Zahl, die Reste innerhalb 30 Tagen zu entfernen haben, widrigenfalls sie in das Massengrab geworfen werden! — Eine solche Brutalität ist selbst liberalen Blättern zu arg. „DaS heißt denn doch Wohl," so erklären sie, „den Haß ge­gen die geistlichen Orden zu weit treiben." Die Ge­benden wurden ausgewiesen, und jetzt sollen auch noch die Toten ihre Plätze verlassen!"

** Katholikeuverfolgung in Rußland. Seit eini­gen Jahren hat sich in Petersburg eine kleine Bewe­gung hin zur katholischen Kirche bemerkbar gemacht. Es waren hauptsächlich Angehörige der gebildeten Stände, aus denen sich die kleine Gemeinde zusam» mensetzte, und selbst in der nächsten Umgebung des Zaren und im höchsten Adel gewann die Kirche An­hänger. Waren ihr auch die Hände gefesselt, ein Höherer wirkte für sie, und feine Gnade zog jene an, die guten Willens und reinen Herzens waren. Ohne Lärm und ohne jede Propaganda war die kleine Ge­meinde auf etwa dreitausend Seelen angewachsen. Doch reichte diese Zahl hin, die mssisch-„örthodoxe" Kirche erzittern zu machen, und so erschien denn vor einigen Tagen in der kleinen, mit vielen Opfern er­richteten katholischen .Kirche der russische Erzbischof Nikander, hielt eine donnernde Standrebe unb ver­fügte im Einverftändnis mit dem Oberprokurator des „heiligen" Synod Sabler die Schließung des Gotteshauses — wegen Feuergefährlichkeit; einen Rechtsgrund mußte man anstandshalber doch haben. Dann ging man gegen die Konvertiten selbst vor. Der katholische Priester, Bürger, Kaufleute und Beamte, Männer in allen Lebensstellungen, wurden kurzerhand zu Jesuiten erklärt, und nun hatte man eine Handhabe, sich ihrer durch Ausweisung zu entledigen. Die russische Jesuitenangst, die in ähnli­cher Unverfälschtheit nur noch im deutschen Evange­lischen Bunde gedeiht, trieb die tollsten Blüten, und kein Katholik, ob Russe ober Auslänber, war mehr vor ber Ernennung zum Jesuiten sicher. Es wurde geschnüffelt und geschnobert, und endlich hatte man sogar einen — schwedischen Jesuiten entdeckt! Ein schwedischer Jesuit! Slatürlitf? wurde der „schwe­dische Jesuit" ausgewiesen. Drei Hofdamen der Kai­serin, einem Adjutanten des Zaren, sowie einem Offi­zier ber Leibgarde wurde wegen ihrer „Aufführung" — sie waren Katholiken geworden und hatten dem katholischen Gottesdienst beigewohnt — ber Tadel des Zaren ausgesprochen. Der ganze Toleranzedikt­schwindel Rußlands, seines Kaisers und der Regie­rung kann nicht besser beleuchtet werden als durch diese Vorgänge.

wochen-Rundfchau.

s:s Fulda, 21. März 1913.

Das Rätselraten darüber, wie die dauernden Ausgaben der neuen Wehrvorlage wohl gedeckt gerben möchten, geht immer noch weiter. Tag für Tag fast wissen Blätter von einem neuen Steuer- proftkt zu berichten, über bas ber Bunbesrat beim nächst beraten werde. Alle diese Meldungen beruhen faft durchweg auf bloßen Vermutungen. Am besten täte man daran, derartige Erörterungen einzustellen, gßenn der Bundesrat sich einmal darüber einig ge­worben ist, welche Vorschläge er dem Reichstag zu machen gedenkt, wird immer noch Zeit genug sein, diese Vorschläge einer Kritik zu unterziehen. Das wäre vernünftiger und im Hinblick auf das Ausland, dem es nur lieh sein kann, wenn ber Verabschiedung der Wehrvorlage und der Deckungsvorlage möglichst viele Schwierigkeiten bereitet werden, auch im In­teresse der Sache gelegen. Wenn wir das Milliarden­opfer bringm, so hoffen wir, daß diese Tatsache allein schon im Auslande eine solche Wirkung erzielen wird, daß es niemand mehr wagt, uns zu nahe zu treten. Dieser politische Erfolg kann aber durch unnütze Er­örterungen, die den Anschein der Uneinigkeit im deut­schen Volke erwecken könnten, sehr leicht vereitelt toerben.

Zu einer machtvollen Kundgebung des konservati­ven Parteilebens gestaltete sich der d e n t s ch k o n - servative Parteitag in Berlin. Die Fragen des Tages: Rüstunqsvorlaaen und das dafür ver­langte Milliardenopfer, standen natürlich im Mittel­punkt der Debatte. Fast ohne Einschränkung bekannte sich der konservative Parteitag, man kann sagen freudig, dazu. Auffallend war, daß aus allen Reden ein starkes Mißtrauen gegen die jetzige Regierung herausklang. Man glaubte sich im Kampf gegen die Sozialdemokratie von der Regierung im Stich ge­lassen, die nach Ansicht der Konservativen doch die Führung darin übernehmen sollte. Ob freilich der Weg der Ausnahmegesetze, den die Konservativen in dem Kampf gegen den Umsturz beschreiten wollen, der richtige ist, scheint uns doch zweifelhaft. Im Kul­turkampf hat Bismarck eingesehen, daß er sich auf abschüssiger Bahn befand und hat die Politik der Ausnahmegesetze gegen die Katholiken eingestellt: mit I ihren Ausnahmegesetzen gegen die Polen macht die jetzige Regierung tagtäglich die trübsten Erfahrun­gen. Das sollten die Konservativen doch bedenken, ehe sie neue Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemo­kratie verlangten. Alles in allem darf man von dem dentichkonservativen Parteitag sagen: er stand im Zeichen des Aufschwungs her konservativen Partei.

In Frankreich ist das Kabinett über die Wahlrechtsfrage gestolpert und gefallen. Der neue Präsident der französischen Repuhlik, Herr Poincars, muß sich jetzt nach neuen Männern umsehen. Das Ministerium wäre vielleicht über die gegensätzlichen Anschauungen der Wahlresorm nicht gestürzt, wenn statt des Herrn Briand ein anderer Herr Minister­präsident gewesen wäre. Bei den bürgerlichen Par- > teien war Herr Briand wenig beliebt und auch die ; Sozialdemokraten brachten ihm keinerlei Sympa­thien entgegen, weil Briand, ber seiner Zeit wütender Sozialist war, nach Besteigen des Ministersessels mit allen sozialistischen Ueberlieferungen gebrochen hatte. Ter Gegensatz, der zwischen den Anhängern und den Gegnern der Minderheitsvertretung, bei der Wahl- «form bestand, und als unausgleichbar von vielen angesehen wurde, hat das Ministerium Briand nun hinweggefegt. Aber es ist nicht das erste Mal, daß ein Ministerium Briand demissioniert. Herr Briand besitzt darin schon eine gewisse Fertigkeit, da es das dritte Mal ist, daß er dem Präsidenten das Porte- ienille zurückgibt. Der Rücktritt des Ministeriums bedeutet eigentlich auch eine Niederlage Poinearss, denn er hat sich schon seit Monaten mit aller Kraft für die Wahlreformvorlage eingesetzt, die ihm nun sein erstes Ministerium kostete.

Der König von Griechenland ist der tob» bringenden Kugel eines Mordbuben zum Opfer ge­fallen und zwar gerade in dem Augenblicke, als sich die kühnsten Wünsche der Griechen zu erfüllen schei- «n. Noch in diesem Jahre hätte er sein 50jähriges Regierungsiubiläum feiern können. Der jetzige König Konstantin ist ein Schwager unseres Kaisers. Durch seine strategische Tüchtigkeit, die er in diesem Heldzuge gegen die Türkei bewiesen hat, hat sich König Konstantin die Sympathie seiner Untertanen nt hohem Grade erworben.

f Auf dem Balkan schleppt sich ber Krieg von I Tag zu Tag, von Woche zu Woche fort. Daß auf »eiben Seiten Kriegsmüdigkeit herrscht, ist nur allzu bekannt, aber keiner ber kriegführenden Teile scheint