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Fuldaer Leitung.

,AH,

Herz letzte Mal

„Niemals! Ihr seid die Erste, die mein schneller schlagen läßt, und werdet auch die sein — die echte Liebe kommt nur ein einziges im Leben."

Ihre Hand erzitterte leise auf seinem Arm.

wenn es wahr wäre — ich bin Euch gewogen —" „Es ist die Wahrheit, süßes Mädchen, die reine, unverbrüchliche Wahrheit —"

Sie blickte glücklich und vertrauensvoll zu dem schönen Kavalier, auf. Er schaute ihr tief in die Augen, daß sie dieselben verschämt zu Boden schlug. „Schönste Jungfrau, ich bin der Glücklichste unter den Sterblichen, nachdem Ihr mir bekannt, daß Ihr mir gewogen seid, wie schade, ich sehe, Eure Base winkt Euch, zu ihr zu kommen, mein einziges Lieb auf Erden, kann ich Euch morgen irgendwo treffen?

Sic wurde brennend rot. Aergerlich blickte sie

habe ich Schöneres geschaut, als Eure Gestalt," ver­sicherte er ihr schmeichelnd. „Nie hat eine Jungfrau in dieser Stadt solchen Eindruck auf mich gemacht —"

„Ach, Herr Vicomte, wenn man Ihnen glauben dürste," entgegnete sie leise, mit vor Vergnügen ge­rötetem Gesicht. „Ihr seid ein junger Herr und habt sicherlich schon Bekanntschaft mit mancher jungen Maid gemacht, die Euch Wohlgefallen hat."

Er blickte schmerzlich aufseufzend zur Decke des Saales. „Ah, wie bitter unrecht Ihr mir doch tut," sagte er in trauervollem Tone. „Manche Maid habe ich Wohl kennen gelernt, da bäht Ihr recht, schöne Jungfrau, aber jede hat mein Herz kalt gelassen. Erst vorhin sähet Ihr mich in Unterhaltung mit ver­schiedenen Mädchen auf und ab wandeln, das war nur Erfüllung meiner Pflicht, nichts weiter. Im Vertrmlen, der Prinz hat mich und etliche Freunde von mir gebeten, den jungen Mädchen alle Aufmerk­samkeit zu schenken, damit keine sich langweile. Es ist hart, das dürft Ihr mir glauben, solchem Wunsche nachzukommen, nachdem ich nun gesehen und kennen gelernt. Wie gern würde ich mich mit Euch, Holde, in einen stillen Winkel zurückziehen und Eurer süßen Stimme lauschen. Ich habe nie geliebt —"

„Wirklich?"

2. Blatt.

vr«ck der Silben Xttitnbnicerei k» gell»

Aus Gberhefien u. den hefi. Remtern

♦ Marburg, 19. März 1913. Zu dem lOOjäh- rigen Jubiläum des hiesigen Jägerbataillons sind schon über 3000 ehemalige Jäger angemeldet. — Ein Einwohner von Kölbe hat dort eine sogen. Autofalle eingerichtet, mittels deren er die Fahr­geschwindigkeit aller den Ort pasiierenden Autos sest- stcllt, um die Besitzer derjenigen Fahrzeuge, die die zulässige Fahrgeschwindigkeit überschritten haben sol- sen, zur Anzeige bringen zu können. Aus Grund einer solchen Anzeige war ein hiesiger Autobesitzer vom Schöffengericht zu 15 Mark Geldstrafe verur- teilt worden. Er legte hiergegen Berufung ein und erzielte gestern vor der Strafkammer Freisprechung.

△ Mai bürg, 19. März 1913 In der Aula der Elisabethlcbule sand heute die diesmalige Prüfung der Landwirtichastsschüler statt. Die Anstalt,

Ami Geisa und Umgebung.

* Geisa, 19. März 1913. Bom 1. April d. I. ab sollen ungenügender Benutzung halber u. a. die Arbeiterfahrkar'ten von Geisa nach Lieben­stein- Schweina und von Leimbach-Kaiseroda nach Vacha wieder aufgehoben werden. — Das Großher­zogtum Sachsen ist zurzeit derjenige deutsche Bundes­staat, der die mersten Wasserleitun.gen besitzt. Von 621 Gemeinden sind rund 300 mit Wasserlei­tungen versehen, von denen etwa 220 solche mit Hochdruck darstellen. Von seilen der Staatsregierung sind aber auch von 1890—1910 über 700 000 Mark an Unterstützungen gezahlt worden. Im Jahre 1911 wurden sieben Gemeinden, 1912 sogar 32 Gemeinden mit 93 280 Mark unterstützt. Der gesamte Aufwand der 39 Gemeinden betrug 1 800 490 Mk. Im Jahre 1913 sind 14 Gemeinden mit 29 970 Mark zum Teil unterstützt worden.

* Vacha, 19. März 1913. Unser Städtchen Vacha bekommt nun auch seinen ständigen „K i e n t o p p" Zu diesem Zwecke sind die beiden im Erdgeschoß ge­legenen großen Gastzimmer in Fehrs Erholung von dem Unternehmer Geißen aus Meiningen gemietet. Dieser beabsichtigt, hier wöchentlich 3—4 Vorstellun­gen, deren Dauer je 2% bis 3 Stunden beträgt, zu geben. Außerdem sind noch besondere Schülervorstel- lungen geplant.

♦ Tiefenort, 19. März 1913. Da die hiesige Ein­wohnerzahl ständig im Steigen begriffen ist, trägt man sich mit dem Plane, zwei neue Lehrerst eilen zu gründen.

Der Graf von Tarent.

69] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Herden von Vieh waren angekauft worden. Hun- berte von gebratenen Lämmern, Geflügel ohne Zahl wurden verteilt und an die Menge gegeben. Tau­sende kamen, Tausende gingen, gesättigt und getränkt. 9« jedem der sieben Höfe war eine Tribüne errichtet, btc von Musikanten besetzt war, welche lustige Weisen aufspielten. Dutzende von Pagen in weißen Samt­kleidern gingen umher mit Dienern an der Seite, welche ungeheure Körbe, beladen mit den köstlichsten Früchten, trugen. Die Pagen teilten aus, so viel leder wollte.

, An den sechs großen Toren des Palastes standen le zwölf Wachen in roten, von Gold strotzenden Uni­formen, die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Oben in den Sälen bewegte sich die feinere Welt, beute, die eigens geladen waren. Alle adeligen Fa- wilien waren da, aber es war nicht des Prinzen Ab­sicht gewesen, nur die bevorzugten Stände heute um sich zu haben. Auch der Bürgerstand war zahlreich w den glänzenden Räumen vertreten. Der Gast- öebcr wollte ja die Stadt ehren, die ihm ein so herz- "ches Willkommen bereitet vor kurzem, und die Bür- gkrschast bildete den Kern der blühenden, großen Handelsstadt.

Sieben den adeligen Damen mit alten, stolzen Jiümen bewegten sich die Bürgersrauen und Töchter md übertrafen nicht selten die vornehmen Ge- chlcchtsgenossinnen an Glan; und Pracht der Ko­mme. _ Großer Reichtum hatte sich angesammelt in en Händen des Handels und auch des Gewerbe- landes, hwr wurde der Reichtum gezeigt. Die Zeit ~r -trauer und des Peides war ja vorbei, das große gerben war schrecklich gewesen, aber es lebte nur _ ehr in der Erinnerung, bisher hatte man der r oten gedacht, mit dem heutigen glänzenden Abend begann eine neue Zeit. Eine Zeit der Lebenden, der «---de b» h. .Beranüaens

Die junge Mädchenwelt wußte dem Prinzen von Indien Dank, daß er die Tore des Palastes Guastalla aufgetan. Ein solches Fest war nie gesehen worden, solche Pracht war unerhört, der sagenhafte Mann hatte sich selbst übertroffen. Der Ruf, der ihm vor- ousgegangen war, hatte nicht genug gesagt. Hun­derte von Mädchen- und Frauenaugen hingen an der Gestalt des Gastgebers, der, angetan mit schwarzem Samtkostüm, den berühmten Diamantengürtel um die Hüfte, mit daranhängendem Sarazenendolch, ein jedes freundlich, mit gewinnendem Lächeln empfing. Für jeden der Gäste hatte er freundliche Worte, jeder suhlte sich zu ihm hingezogen.

Dieser Mann mit dem ergrauten Haare und dem schwermütigen Blicke war der Zielpunkt aller Augen. Kein Mädchen, das ihn nicht mit Interesse beobach­tete. Merkwürdig, wie elastisch seine Bewegungen waren. Er schien alt und doch so jung. Keiner konnte sich mit ihm meffen, auch der schöne Vicomte Bixio nicht. Der Vicomte besand sich heute in seinem Elemente, seit einer halben Stunde hatte er vier Stelldicheins verabredet mit verschiedenen Töchtern des Landes und im Stillen wiederholte er sich die Na­men der armen Jrregesührten und die Orte des Zu­sammentreffens, um Verwechslungen und Irrtümern vorzubeugen. Dabei hatte er noch Verschiedenes im Sinne, der Abend hatte erst begonnen und wohin auch seine blitzenden schwarzen Augen sich richteten, überall sah er anmutige, junge Gesichter, die aus thn, den schmucken Kavalier, im wohlgesälligen Augen schauten.

Eben hatte er ein schlankes, anmutiges Mäd­chen am Arme, das kaum achtzehn Jahre zählen mochte. Die Zöpfe des kastanienbraunen Haares waren reich mit Golddraht durchwunden, echte Bra­banter Spitzen dekorierten das schwere, seidene Kleid, an dem Halse und an den Handgelenken befand sich reicher Schmal. Selbst an den langen, schmalen Schnabelschuhen zeigte sich Goldarbeit. Mit schwär­merischem Blicke schaute sie auf zu ihm und lauschte seinen Worten. •

zReuenber Enaek nie in meinem a-utien Leben

«o« Blinder Alarm. Gestern abend gegen 9 Uhr wurden Mitglieder der Sanitätskolonne zu einem schwer Verwundeten gerufen. Er befinde sich, so hieß es, in der Leipzigcrstraße beim Bahnübergang. Als mehrere Mitglieder der Kolonne mit Wagen und Verbandszeug eintrafen, war kein Verwundeter zu sehen. Auf der Straße lag dagegen ein anschei­nend betrunkener etwa 70jährtger Handwerksbursche, der voq etnem Schutzmann zur Wache gebracht wurde. Daß in solchen Fällen, was nun schon wiederholt vorgekommen ist, die Sanitätskolonne alarmiert wird, ist geradezu ein Unding. Auf diese Weise sollte man eine Wohltätigkeitseinrichtung nicht chikanieren.

Es Zugverspätungen bis zu % Stunde und mehr sind fett gestern nachmittag bei" Personen- und Schnellzügen auf der hiesigen Station zu verzeichnen.

* Studierende Landwirte. Nach einem Bericht der Universität Halle wurde diese im abgelaufenen Wintersemester von 446 Landwirten besucht: davon waren 190 aus Preußen, 4 aus Hessen-Nassau.

-T- Ostern. Nur ein paar Tage n.ch trennen uns vom Osterfeste, das vielleicht nie wieder im März gefeiert werden wird, wenn die schon feit längerer Zeit geführtin Verhandlungen betreffs Festlegung des Ostertermins Erfolg haben. Dann dürfte es nur noch den einen ,0'tetmonat* April geben. In den Schau­fenstern verrät sich die Nähe des Osterfestes durch das Austauchen der Ostcrhasen, der giftfreien Eier­farben und — der Frübjabrslostüme; denn zu Ostern will doch jedes weibltche Wesen im neuesten Früh- jahrSdreß paradieren, unbeschadet der Gefahr, sich bei Der rai-ben Märzluft einen Schnupfen, Katarrh oder noch schlimmeres aufzuloden. Denn nach der durch das Gewitter hervorgerufenen Abkühlung und dem Schneetreiben der letz'en Tage dürfen wir keine sonnig- warmen Ostertaae erwarten. Aber auch in den Haus- Haltungen merkt man die Nähe des Osterfestes an den Vorbereitungen zum großen Fcühjahrsputz, jener beliebten Extraarbeit, mit der sich unsere Hausfrauen aus Prinzip jedes Fest zu verderben pflegen.

. * Aus Thüringen, 18. März 1913. In der letzten Sitzung des Gemeinderats zu Wasungen machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß in letzter Zest ver­schiedentlich anonyme Beschwerden über städtische Ver­hältnisse b«i ihm eingegangen wären. Er geißelte in scharfen Worten die Feighett der Einsender, chren Na­men zu verschweigen, und erklärte öffentlich, daß er alle derartigen ihm zugehenden Schriftstücke unbeachtet lasten und dahin befördern werde, wohin sie gehören, in den Papierkorb. So ist's recht. — Nachdem Kra­nichfeld nun ganz meiningisch geworden ist, hat man feftgefteöt, daß das Bismarck-Denkmal auf dem Riech- Heimer Berg, das früher ganz meiningisch war, jetzt halb meiningisch und halb weimarisch geworden ist. Die Landesgrenze läuft gerade durch das Denkmal. — An einem Tage mußten in K o b u r g vor dem Amtsgericht 25 Personen den Offenbarungseid lei­sten. — Der Gemeinderat in Greiz beschloß die Ausnahme eines Darlehus von 300 000 bis 400 000 Mark zur Errichtung eines Wasterwerks. Die Thü­ringische Landesversicherungsanstalt in Weimar soll darum angegangen werden. — Auf einen von Gera nach Saalfeld fahrenden Personenzug wurde geschos­sen; ein Arbeiter aus Crimla wurde dabei im Nacken verletzt. — Nach dem „Hildburghauser Kreisblatt" er­eignete sich in Neustadt bei Koburg kürzlich ein Akt unglaublicher Roheit. Dort wurde eine Soldatin der Heilsarmee buchstäblich gesteinigt. Unter lautem Johlen und Höhnen hagelte es Steine auf die arme, vor Angst weinende und vor Aufregung fast zusam­menbrechende Frau. Wenn dieser Bubenstreich un­reifen Rangen anzurechnen ist, deren Ungezogenheit das schlechteste Licht auf ihre Eltern wirst, so verdient öffentlich gebranbmarft zu werden, daß Erwachsene die Fenster öffneten und sich hohnlachend an dem mit­telalterlichen Schauspiel beteiligten. Dieses ist um so empörender, als es sich um ein hilfloses Weib han­delte, das im Dienste einer edlen Sache wirkte. Aber nicht ein Mann fand sich, der dieser unendlichen Roheit Einhalt gebot. Vielleicht nimmt der Evangelische Bund Veranlassung, hier im Koburger Ländle einmal wirkliche Kulturarbeit zu leisten.

Aus dem Nachbargebiete.

? Hilders, 19. März 1913. Die Wahlbewegung im Wahlkreis Gersfeld-Hünfeld wurde am Sonntag mit einer im Hohmann'schen Felsenkeller Hierselbst «Itenen Versammlung eröffnet. Der Vorsitzende ahlausfchufses, Herr Pfarrer Atzert, eröffnete die Versammlung, die aus dem ganzen Bezirk sehr zahlreich besucht war, und wies kurz auf die Bedeu­tung der bevorstehenden Landtagswahlen hin. Zum Vorsitzenden der Versammlung schlug er Herrn Pfar­rer Breitung vor. Dieser gab unter allgemeinem Beifall den Beschluß der Vertrauensmännerversamm- lung bekannt, wonach der seitherige Landtagsabg. Drinnenbera wieder ausgestellt worden ist. Herr Drin- nenberg verbreitete sich daraus in einer längeren Rede über bte Tätigkeit des Abgeordnetenhauses in der zu Ende gehenden Legislaturperiode. In der sich an­schließenden Diskussion hob Herr Pfarrer Atzert die Bemühungen des Herrn Abgeordneten ®rinnenberg für das Zustandekommen der neuen Rhönbahn hervor. Nach Erörterung verschiedener den engeren Bezirk betreffenden Angelegenheiten, an der sich die Herren Pfarrer Breitung, Pfarrer Atzert, Pfarrer Kehl und Bürgermeister Seifert beteiligten, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf den Herrn Abgeordneten.

* £>anau, 19. März 1913. Die Typhus.Epi- bewtie beim Eisenbahn>Regiment ist noch immer nicht ganz erloschen, obwohl ein beständiger Rückgang tu verzeichnen ist. Die Zahl der Kranken beträgt 35, von denen 2 schwer krank sind.

* Frankfurt, 19. März 1913. Gegen den Lotterie« kollektenr Schäfer aus Düsseldorf der sich bei der Frankfurter Lotterie die beiden größien Gewinne be­trügerischerweise in die Hand gespielt hatte, ist jetzt die Anklage wegen BetruoS erhoben worden. Das Verfahren gegen feinen Mitunternehmer Hederich wurde eingestellt.

* Witzen Haufen, 19. März 1913. An dem Bau der Eiienbahn Eichen derg - Bellmeben ist mit Den Arbeiten bei Laudenbach bereits begonnen worden Die Werrabrücke wird anfangs Mai in Angriff ge­nommen.

* Mecklar. 19. März 1913. Gestern starb hier die älteste Person unsrer Gemeinde und rooitl auch der weiteren Umgegend, die Witwe tmna Martha Fey tm angefangenen 94. Lebensjahre. Sie war zweimal verheiratet. Bis zum vorigen Jahre war sie noch eifrig tätig. Krank war sie niemals.

Lokales.

Fulda, 20. März 1913.

!! Die FrühjahrSgeseklenprüsung für daS Maurer- h and werk findet am 16. April statt. Gesuche um Zulassung hierzu sind schriftlich an den Vorsitzenden -er Prüfungskommission, Herrn Maurermeister Hein- rid) Rommel hier, bis zum 30. März ds. I». zu richten, von dem die Anmeldeformulare überlasten werden und der auch jede gewünschte Auskunft er- teilt Später eingereichte Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden.

B. Eine Gehilfinnen - Prüfung für daS Damen- Ichneider-Gewerbe findet am 11. und 25. April , Fulda für die Streife Fulda, Hünfeld, Hees­feld und Gersfeld statt. Die hierzu nötigen Papiere sind umgehend an den Vorsitzenden, Schneidermeister Herrn Geora Bolender in Fulda, einuireichen.

»y. Purim fest Gleichzeitig mit unseren Öfter» Feiertagen begehen die Israeliten das Purimfest, eine knnnerungsfeier an die Errettung der Juden durch Esther und Mardochai.

* Zw ckmatztge Avreffiernng. Der Herr Landrat Frhr. v. Dörnberg weist die KreiSemgesestenen Darauf hm, daß sämtliche amtliche Schreiben, auch solche, die Angelegenheiten des Krvtsausschuffes betreffen, zwecks schnellerer Erledigung mit der einfachen Adreste ,’Jln oas Kgl. Landratsamt" oder „An den Hetrn Kgl. Landrat in Fulda" ohne jede Namensnennung zu »ersehen sind, auch dann, wenn die Mitteilungen ver­traulicher Art find. Nur empfiehlt es sich, in letzterem Falle, Den Vermerk .vertraulich" oder .eigenhändig" zuzusetzen.

Als Geschworene für die am 7. April be­ginnende Schwurgerichtsperiode in Hanau wurden folgende Herren auSgelost: Rentner Hock-Großauheim, Schornstelnfegermeister Link-Langenfelbold, Landwirt Uhl II . Flörsbach, Kaufmann Sandsost - Steinau, Bürgermeister Jmkeller-Oderdorf, Fabrikant Walter- Bad Orb, Landgräflicher Hosgärtner Löcher-Pmltpps« ruhe, Mühlenbesitzer Traudt-Steinau, Domänenpächter Schwarz-Klnzigheirnerhof, Landwirt Lehr V..Roßdorf, Bijouteriesabrckant Eckhardt-Hanau, Landwirt Böckel- Gronau, Apotheker Dedolph-Großauhetrn, Rltierguis- desitzer Freiherr von Seckendorff-Gutend zu Buchenau, Bauer und Gemeinderechuer Volz-Unterreichenbach, Kaufmann Ehlers-Hanau, Paplerfabrlkant Dr. pihl. Fues- Hanau, Landwirt Staaf«Wallrath, Salpeter Senzel-Bieber, Landwirt Renting - Rüdigheim, toein» Händler Küdn-Fechenheim, Kaufmann Drescher-Hanau, Metzgermeister I. H a m b a ch - Fulda, Rentner Bache- nau-Gelnhausen, Kaufmann Grün-Hanau, Oberland- meffer Schubbeus. Fulda, Kunst« und Handels- gärtner Breitenborn - Fulda, Bauer Schumann- Gundhelm, Kaufmann Neuhaus-Salmünster.

§ Vorzüge. Anläßlich des Osterverkehrs verkehren folgende Vo.züge: In der Richtung nach Bebra: am 21., 22., 25. und 26. März v-Vorzug 1—3. Kl. ab Fulda 8,03 vorm., am 20. und 22. März Pers.» Vorzug Fulda ab 6,22 abends, am 20., 22. und 29. Rtärz Pers.-Vorzug Fulda ab 6,34 abends. In Der Richtuni nach Frankfurt: am 21., 22 und 26. März v-Vorzug 1.—2. Kl. Fulda ab 4,44 früh, am 23. 'März Pers -Vorzug Fulda ab 2,56 irüh, am 21., 22. und 24. März Eilzug 1.—3. Kl. ab Fulda 5,08 nachw., am 22., 25. und 26. März v-Vorzug 1.—3. Kl. ab Fulda 9,42 abends, am 25. und 26. März Pcrs.-Vorzug ab Fulda 8,42 vorm., am 25. und 26. März Per,.«Vorzug ab Fulda 2,53 vorm., am 25. März Pers.-Vorzug ab Fulda 6,36 abends. Nach Gießen wird am 25. und 26. März um 2,01 nachm. hier ein Vorzug abgelassen. AuS Der Richtung von Biegen trifft am 20 unD 22. März um 8,39 abenDS ein Vorzug hier ein. Von Bad Salzschlirf nach Schlitz verkehrt am 22. unb 25. März um 5,53 nachm. em Vorzug und ton Schlitz nach Bad Salzschlirf wird am 22. und 25. März um 5,05 nachm. ein Vorzug gefahren. — Tie Reuenden werden ersucht. Die Vorzüge zu be­nutzen, da dte,e die Anschlüsse sicherer erreichen, als die meist stark besetzten Hauptzüge.

■+■ Der 20 März. Heute meldet der Kalender die Frühjahrs-Tag- und «Nachtgleiche, d. h. nach der Auslegung des Agronomen: die Sonne geht am Mot­zen um 6 Uhr auf und am Abend um 6 Uhr wieder unter. In alten Zeiten aber glaubte man auch noch andere E.tennungszelchen für das Aequinoctium zu haben. Von einem solchen berichtet Der aus Dem Alter­tum e ftam nenoe und tm Mittelalter sehr verbreitete ,Pi ysiologuS", indem er erzählt: »Der wilde Siel brüllt niemals, wenn er sem Futter fordert; aber am 20. Tage des Märzen brüllt er 12 Stunden bei Tag Und 12 Stunden bet Nacht. Daraus kann man wissen, daß dann Tag und Nacht gleich lang find."

M 66.

Donnerstag 20. Mürz 191L.

welche nach dem Ableben ihres langjährigen Leiters Oekonomierat Dr. Heste, Herrn Direktor Schlick!? unterstellt ist, zählte in diesem Winter 54 Schüler! Davon waren 37 au8 Dem Kreise Marburg, 9 auä Dem Kreise Kirchhain, je 3 aus Den Streuen Franken» berg unD Fritzlar unD je 1 aus Den Kreisen Bieden­kopf und Potsdam. — Das Gymnasium Philippinum zählte im letzten Schuljahre 238 und die Oberrealschule 545 Schüler.

♦ Kirchhain, 19. März 1913. Im Kreishause sand gestern eine Sitzung des Kreistages statt. Die Wiederwahl der Herren Frhr. Schenk zu Schweins­berg in Kaffcl, Rittergutsbesitzer F. v. Goldammer- Plausdorf, Oberstleutnant a. D. Frhr. Schenck zu Schweinsberg in Kaffel, Landwirt Joh. Schmitt in Allendorf, Landwirt Peter Römershäuser in Ernst- Hansen, sowie die der neugewählten Herren Mühlen­besitzer Prediger in Kirchhain, Rentier Scheffer in Rauschenberg, Landwirt Becker in Schweinsberg, Landwirt Herbener, Brückehos in Großscelheim, Land­wirt Ried in Roßdorf, Landwirt Kräuter in Mar­dorf wurden für giltig erklärt. Die bisherigen Ver­trauensmänner zur Bildung der Ausschüffe behufs Auswahl der Schöffen und Geschworenen wurden wiedcrgewählt, gleichfalls die beiden bisherigen Kreis­ausschußmitglieder, Gutsbesitzer Bopp-Kleinseelheim und Landwirt Schmitt-Allendorf. Ferner wurde die Errichtung einer allgemeinen Ortskranken­kasse für den Kreis Kirchhain beschloffen. Der Kreishaushaltsetat wurde auf eine Ein­nahme und Ausgabe von 151 600 Mark festgesetzt. Es werden erhoben 50 Prozent allgemeine Kreis­steuern und 10 Prozent Bezirkssteuern, insgesamt bringen die Steuern 85 509 Mark ein.

* Ziegenhain, 19. März 1913. Zur Förderung des Sparsinns unter der Jugend sind von der Kreis- sparkasse aus in vielen Orten des Kreises Ziegenhain unter Mitwirkung der Lehrer Schulsparkassen eingerichtet worden.

* Neustadt (M.«W.«B.), 19. Mär, 1913. Herr Lehrer Markus babier tritt nach 51 jähriger Amts­tätigkeit, wovon er 39 Jahre in der hiesigen Stadt verbrachte, am 1. Juli in Den Ruhestand.

* Wabern, 19. März 1913. Wir berichteten ver­gangenen Herbst über das unbotmäßige Be­nehmen mehrerer Arbeiter aus der hiesigen Zucker­fabrik. Es handelte sich damals um Lohnerhöhung, die sie unter Drohungen vom Direktor der Fabrik er­zwingen wollten. In diesen Tagen standen nun die Arbeiter wegen Hausfriedensbruchs und dergl. vor dem Schöffengericht in Fritzlar. Tas Gericht beur­teilte die Sache recht milde, sodaß die Leute mit ver­hältnismäßig geringen Strafen davonkamen: wegen Hausfriedensbruchs erhielten sie 4 bezw. 2 Tage Ge­fängnis; die Kosten müssen sie natürlich auch tragen.

Handel imb Industrie.

4 Berlin, 19. März 1913. Trotz der sich noch immer geltend machenden Geldnot herrschte an Der Börse eine zuversichtlichere Stimmung, als an Den vorhergehenden Tagen. Die Preisbefferu-igen am Montanmarkte betrugen durchschnittlich 0,5 Prozent. Banken fest bei stillem Geschäft; sie konnten sich ,u« meift um Bruchteile bessern. Den Anstoß gab der beute erfolgte Dividendenabfchlag bei Den Anteilen Der Diskontogefellschaft in Höbe von 10 Prozent. (Stfenbahnroerte (nut Kanada 0,75 Prozent besser) und Schchahrtswerte ruhig. Von deutschen Anleihen büßten 31/s»pro,entige und 3pro,entige Retchsanleihe 0,10 Prozent, 3^/e-prozenltge Konsuls 0,20 Prozent em. Der Kasfamarkt verkehrte in geteilter Haltung. Der Privatdtskont blieb mit 6 Proz. unverändert.

§§ Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf zu Salzschliff. In Der am Mittwoch abenD in Kaffel abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung waren 962000 Rik. Des 2 Mill. Pik. betragenden Aktien« lapitols vertreten. Das Ergebnis des Geschästsjahres 1912 wurde als zuirtedenftellenD bezeichn t; infolge des für alle Badeorte ungünstigen letzten Sommeri stellten sich Die Einnahmen aus Kurtaxe und Bädern nur unwesen lich höher als tm Vorjahre. Der Wasferversand konnte um über 90 000 Flaschet gesteigert werdm. Der planmäßige wettere tiusbai ces Badehotels wurde im abgelauienen Geschaftsiahr« begonnen, nachdem bte hierzu erforderlichen Rillte durch Ausgabe von 500 neuen von Der Dresvnei Bank-Filiale Kaffel übernommenen Aktien beichaffl worden waren. Im Zusammenhänge mu Dielet Aktienbewegung ist nunmehr Die bisher auf dem iSrunooermögen Der Gesellschaft ruhende »weite Hypo­thek in Höhe von 400000 Ri., Die am 1. Juli 1914 kündbar geworden wäre, in eine tn TellschutDoer- ftbreibungen zerlegte, durch Stcherheitshyvothek ge-

St Base, welche ihr von einem Tische mit dem Ta- entuche winkte, unter ihre Fittige zurückzukehren.

Die glänzende Erscheinung an der Seite der Tochter mochte der Matrone Bedenken einslößen. Scheu blickte das Mädchen um sich, ob kein Lauscher in der Nähe sei.

„Kennt Ihr den Ort, wo das Denkmal des Dogen Pietri Gerardi steht am Ende der Promenade?" hauchte sie.

„Gewiß kenne ich den Ort. Wenige nur ver­irren sich dahin — in dem alten Gemäuer der Der» sallenen Kirche in der Nähe stehen veffchiedene Stein­bänke. „Ich werde abends um die siebente Stunde dort fein; die Base macht um diese Zeit Besorgungen."

Bixio biß sich in den Schnurrbart. Genau um dieselbe Zeit hatte er vorhin mit einer anderen ein Stelldichein am selben Orte verabredet.

„Teuerste, ich muß bekennen, der Platz, den Ihr vorgeschlagen, floßt mir doch Bedenken ein," sagte ei in gedehntem Tone.

„Bedenken? Ich verstehe Euch nicht, trauter, lie­ber Herr."

„Es spukt an dem Platze," sagte Bixio in düsterem Tone.

„Spuft?" fragte sie verwundert. „Ich habe nie davon gehört.

„Ich weiß es aus bester Quelle," entgegnete er, „der Geist eines Ermordeten geht dort um — er bringt Unglück allen denen, die von Liebe sprechen in seiner Nähe. In seinem Erdenleben war der Geist nämlich übermütig gewesen und hatte fein Herz an zwei Frauen weggegeben. Er verriet die eine der anderen halber und Die hatte ein rachsüchtiges Herz und stach den Ungetreuen an derselben Stelle zu Tode."

„Wie schrecklich'" sagte sie leise. „Ich werde den Ort nie wieder betreten. Ich erwarte Eua;

besser au der Rückseite unseres Gartens im Som- merhäuschen. Wißt Ihr das einsame Haus neben dem Walde, eine Viertelstunde von hier? Ich meine, die Flußscite, außerhalb der Stadtmauer."■

(Fortsetzung folgt.)