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Fuldaer Zeifun

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a Zitbungsliflen der preußisch-fflddeustchen Klaffen-Lottert*. — Holdjätzrllch lafchenfahrplan. n

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Donnerstag den 20. HTärz 1913

40. Jahrgang

Erstes Blatt.

! Nr. 66

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Wegen deS hl. Karfreitag wird die ftächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am tzamStag auSqegeben

rand. Alle würdigen die Verdienste des Königs Georg als König uno Mensch. In gewissen Zwischenräu­men stimmen die Glocken Trauergeläute an und wer­den Schüsse vom Nymphenhügel abgegeben.

** Berlin, 19. März 1913. Ter preußische Hos legt für den König von Griechenland auf drei Wochen Trauer an. Für die Armee und die Marine, denen der König angekörte, ift achttägige Trauer angeordnet worden. Die,Nordd. AUg. Ztg/ veröffentlicht einen Nachruf für den unglücklichen König, indem es heißt:

„Wir tei’en die Trauer des giiechischen Volkes, dessen Herren sich be|onoer6 unter den erbebenden Eindrücken der letzten Monate in Liede und Treue dem fo jäh da­hingeschiedenen Herrscher zugewandt baden. Die Hellenen werden nichi vergessen, dak m>l der Regierung des Königs Georgios ihre nationale Wiedergeburt verbunden bleibt, die Europa bewundert. Sie werden sich patriotischen Sinnes um Se ne Majeitäl den König Konstantin scharen, der in schwerer, aber großer Zeil das Erbe des Vaters übernommen bat."

* Wien, 19. März 1913. Die „Neue Freie Presse"

f Die Tage des Kreuzes.

In diesen Gedenk- und Dankjahren sollte das deutsche Volk die heiligen Tage der Karwoche ntit hesonderem Ernst begehen. Von hoher Stelle ist be­reits mehrfach daraus hingewiesen worden, daß es die religiös-sittlichen Kräfte des Volkes waren, die seine Errettung und seinen Aufschwung herbeiführten. Die Religion mutz der Nation erhal­len werden, wenn sie selbst erhalten bleiben soll. Das Kreuz auf dem Reichsapfel ist nicht bloß eine Zier, sondern Hort und Herl.

| In diesem selben Jahr begeht die Welt die Er­innerungsfeier des konstantinischen Sieges, der das alt-römische Heidenreich in ein christliches Reich umwandelte. „In hoc signo Vinces". Im Zeichen des Gekreuzigten wirst du siegen! Daran gedenken wir an dem Tage, wenn in der Kirche die wehmütige Kreuzesfeier begangen wird. Der Sieg stammt vom Opfer; das Heil kommt vom Leiden. Selig wird, wer das Kreuz aus sich nimmt und dem Erlöser Gefolgschaft leistet: Das gilt für den Ein- !einen und die Familie, für den Staat und die Ge- cllschaft, für die Welt in allen Teilen und in ihrer Gesamtheit.

Der Kreuzweg — es ist der rechte Weg zum Frieden und zum Glücke. „O, wenn du es doch er­kennen wolltest an diesem deinem Tage", am Kar­freitag, der zur Besinnung, zur Buße und Besserung - ermahnt!

Tie modernen „Weltverbesserer" wollen den Weg des Kreuzes nicht mehr gehen. Sie suchen die Welt glauben zu machen, daß man ohne Opfer und Leiden zur Glückseligkeit gelangen, daß die Menschheit sich selbst erlösen könne, ohne auf Gottes Hilfe und eige­ner Entsagung angewiesen zu sein. Wir dürfen uns darüber nicht' täuschen, daß der Widerspruch gegen den Kreuzesglauben und die Kreuzestugend immer lauter, weiter und wilder wird. Es ist kein Zufall, daß die antichristliche „Aufklärung" mit den Um- ! sturzbestrebunqen Hand in Hand arbeitet. Der Un- . glaube bedroht zugleich die christliche und die soziale -.Ordnung, den Altar und den Thron, den Frieden Der Her-cn und den Bestand der Familie. _ Wenn vor 100 Jahren die religiös sittlichen Volkskräfte geweckt werden mutzten, um den äußeren Feind abznweh- - ren, so bedürfen wir heute ebenso dringend der Kraft des Kreutes, um vor den inneren Gefahren uns und das Vaterland zu retten.

Fm Kreuze ist Seil, denn das Kreriz führt die Menschen zu der Pflichttreue, die allein die gedeihliche Entwicklung sicher der Welt sichern kann. Wer das Zeichen des Kreuzes nicht allein auf die Brust, sondern auch i n die Brust, auf das Gewissen genommen bat, der tut, was er soll. Der Frei­geist folgt seiner Neigung, seinem Wahn, seinen Lei­denschaften. Der Christ folgt den Geboten und dem Beilviel seines Erlösers und wird so ein wirksames, fruchtbringendes Glied in der großen menschlichen Ge­meinschaft, die den Willen des Schöpfers auf Erden ausgestalten soll.

, Das Kreuz lehrt Opfer bringen, und die Auf­opferung des Ick fÜT eine heilige Idee und ein ge­meinsames Ziel ist die Grundbedingung jeder wah­ren Kultur. Man braucht nicht seine berechtigte Einen art zu kreuzigen, wohl aber den Eigensinn und den Eigennutz. Seine unordentlichen Gelüste mutz man opfern, aber dafür erntet man die wahre, be­seligende Lust: das Bewußtsein, daß man seine Pflicht und Schuldigkeit nach bestem Können getan hat und fick als ein nützliches Zweiglein am großen Rebstock bewährt hat.

Das Kreuz lehrt leiden, aber es versüßt auch das Leid, das uns in diesem Jammertal beschert wird. Die moderne „Weltweisheit" schlägt einen oerhängnisvollen Jrweg ein, wenn sie der Mensch­heit vorredet, das Leid könye aus der Welt geschafft werden und der Mensch sei berufen, die ungemischte Freude auf Erden zu genießen. Das erweckt uner­füllbare Hoffnungen, maßlose Ansprüche. Und die nawrnotwendiqe Enttäuschung führt zu einer U n - Zufriedenheit, die dem Menschen den letzten Rest von Behagen und Frieden raubt. Es geht nicht ohne Leid und Kreuz. Wer sie in Geduld und Hoff­nung auf sich nimmt, als guter Christ und treuer Nachfolger des Erlösers, der trägt das Unvermeid­liche viel leichter, als der störrische Murrer, und für 'ene wird das Leid zu einer Quelle des Segens und der Kraft, während dieser immer tiefer in Bitternis and Verneinung gedrückt wird.

Durch Ovfer zum Sieg, durch Leid zur Freud! <öaz ist die Parole dieser heiligen Tage. Wer daraus oie Nutzanwendung zieht für seine eigene Lebens­führung, der arbeitet zugleich mit für das Gemein­wohl, für das Vaterland und die Kultur. Denn vom Kreuze ist das Heil ausgegangen, das uns die 'Bätet vererbt haben, und vom Kreuze Christi, das über dem wirbelnden und sich wälzenden Erdkreis wststeht, hängt das Heil der Zukunft ab. Die Welt kann nur zu beglückenden Ostern gelangen, wenn sie 'n treuem Opfergeist den Karfreitag recht begeht.

Sich««« ttgfld) mit flutnobmt der Sonn- und Seltrfogt Dlertet- |ahriid)<r Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda jptDi* auswärts 1.50 mark. Rotattonsbrudi und Verlag der A , Julboe» fldienDmdterd bi Zu Ida. Jemfpredjet fit. 9. 3 s

[] Tie Ermordung deS Königs von Griechenland.

König Georg ist in einem Augenblicke ermordet worden, tpo das von ihm regierte Land und Volk ^'egerische und politische Erfolge davonzutragen im griffe steht, die es sich vorher wohl nie hat träu- !"au lassen; in einem Augenblicke ferner, wo die im t?ten Türkenkriege <fo arg beschädigte militärische •l;re des griechischen Heeres wiederhergestellt wor- ,"n ist. Um so tragischer, daß der König jetzt von der «and eines Griechen fallen muhte. Hätte ein ckremder die Kugeln abgesandt, die den König nieder­

• Berlin, 19. März 1913. Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Staatssekretärs v. Tirpitz, wel­cher seinen 61. Geburtstag feierte. — In der Sitzung des Bundesrats wurde der Vorlage betr. das Abkommen zwischen dem deutschen Reiche und Italien über Arbeiterversicherung die Zustimmung erteilt.

* Ter Besuch der Ciimbeiläuver tzeizo.zspaaieS in Potsdam für oen Die Tage vom Donnerstag bis Samstag nach Ostern vorgesehen waren, ist infolge des Königsmordes in Salomki in Frage gestellt worden. Der ermordete König Georg ist der ältere Bruder der Herzogin Tyra, der Gemahlin des Her­zogs von Cumberland. Wenn der Besuch ipäter fta tfinoen soll, müssen die bisherigen Reisedispost- tionen des Katserpaaies geändert werden.

4- lieber die Gewährung von Diäten an Schöffen und Geschworene wird zurzeit eine Vorlage tn oem zuständigen Bundesralsausschug beraten und in nächster Zeit dem Bundesrat zur Beschlußsassung vorgelegt werden. Es Dürfte sich dabei um Tages- jätze in der Höhe von 3 bezw. 5 Mark handeln, und außerdem würden gegebenenfalls auch noch Diäten für das Nach quartier zu berechnen fein. Die Kosten, die dem preußischen Staat entstehen würden, sind auf etwa eine Million Mark jährlich zu berechnen.

-W Gewissensfreiheit im Lichte deS Evangelischen Bundes. Immer wieder kommt die,Tägl. Rundschau' zurück auf den längst abgetanen Fall des spanischen Matrosen Pablo Fernandez, der sich als Protestant bei einer katholischen Fe'er dienstlich weigerte, das 'ttlerheiligste zu grüßen und deshalb mit Gefängnis beft oft wurde. Daß es aber den Fanatikern des iLvangelischen Bundes nicht um wirkliche Gewissens- ireihett zu tun ist, geht aus der Tatsache hervor, daß sie tn den kleinen deutschen Bundesstaaten, wo sie doch Herr und Meister sind, den Katholiken noch immer nicht die volle und freie Ausübung ihrer Religion gestatten. Gewisiensfreiheit gibt es nach ihnen bloß für ProteNunten. Zugunsten der Prote­stanten müssen auch alle Landesgeictze geändert werden, auch da, wo sie ihrer Zahl nach, wie tn Spanien, kaum in Bewacht kommen. Hingegen und es ,p ol i t i s che Ucbergrif fe des Ultramontanismus", wenn sich Millionen Katboilken wehren gegen Gesetze, die ihre Gewilfensfreihelt unterdrücken. Sehr bemerkens­wert ist tn dieier Hinsicht ein Artikel der.Wartburg' vom 7. März: ..Wilhelm, der erste protestantische Kotier". Nachdem der Artikel daran erinnert, daß .beireit von den Sch lacken des heiligen, römischen Unsegens ein an Haupt uns Gliedern re|irmtcitc§ Reich beroorgefttegen", fährt er fort:

„8m Preußen seine staatsrechtliche Selbständigkeit zu erhalten, mutzte die Verfassung vom Jahre 1850, die dem llltramontanismus Tür und Tor öffnete, revi­diert trciDcn, und so erschiene» denn 1873 die Mai­ses e tz e Aber die Vorbildung und Anstellung der Geist­

Muslanö.

*♦ Der Kabinettswechsel in Frankreich. Den älißeren Anlaß des Sturzes des Ministeriums bildete die Mahlreformvorlage, die eigentlichen Gründe, welche die Gegner der Regierung zu ihrem Vorstoß im Senat veranlaßten, sind jedoch, wie der „Deutsch. Tagesztg." gemeldet wird, anderswo zu suchen. Es ist die Milrtärvorlage, als deren Opfer das Kabinett fällt! Dies erscheint um so erstaunlicher, als die Weltlage keineswegs so ungetrübt ist, als daß sich Frankreich gerade jetzt einen Kabinettswechsel leichten Herzens erlauben könnte, allein so sehr die bürgerliche Presse mit Hochdruck die Bevölkerung bearbeitete, um

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Illustrierte SonntagszeUung

fln) eigen: Der Kaum ein« einspaltiger Cotoneheite, 47 mm breit, taflet U pttz, Reklamen: Per Raum einer Coloneijelk, 74 mm breit, topel 40 Pfg. Bei Wirterbohingen Rabatt $6r 0fiert- unb flustunficrjelcen 20 Pf. extra. 3» Kontur»fallen wirb bet bewilligte Rabatt hinfällig. Crftttuncrcrt für bas tn» Klagen ton Sortierungen Ist Julba. Anzeigen-Annahme bl» 10 Uhr Vormittags, u u Crbtcn Rn,eigen erbitten wir uns tag» carba. s X

meldet: In Saloniki sind der Erregung über die Ermordung des Königs Georg 13 Türken und Juden zum Opfer gefallen. Sie wurden getötet oder mehr oder weniger schwer verletzt. Jetzt ist die Ruhe wiederhergestellt.

streckte, etwa ein Mohammedaner oder ein Bulgare, fo würden schwere politische Folgen des traurigen Ereignisies nicht ausgeblieben sein. Sie sind jetzt nicht zu befürchten; der Köni- bleibt aber für das Hellenen­tum ein Märtyrer, der oas gelobte Land der Einigung aller Griechen sein Leben hindurch von ferne sah, aber von bannen gerufen wurde, als er den Fuß erhob, es zu betreten.

Der Mörder, den die griechischen Meldungen, wahrscheinlich aus Gründen nationalen Schamge­fühls, als geistesgestört bezeichnen, gibt sich selbst für einen Sozialisten aus. Ein Sozialdemokrat freilich kann kein Verständnis haben für den Ruhm der Na­tion, für ihre Ehre und für sie selbst. Es ist überaus bezeichnend, daß dieser Angehörige dieser in­ternationalen Gilde als Erklärung für die Motive seiner Tat einfach geantwortet hat, er sei Sozialist! Diese Worte werfen ein Licht auf das Individuum nicht nur, sondern auf die „Gattung".

* Athen, 19. März 1913. Nach einer Privatmel­dung aus Saloniki hatte König G e o rg mit seinem Adjutanten Oberstleutnant Frangudis, wie sonst täglich, einen Spaziergang nach dem Weißen Turm gemacht. Er kehrte in vorzüglicher Laune in die Stadt zurück. Unterdes unterhielt sich der Monarch mit feinem Begleiter anhaltend über die Einnahme von Janina und der Triumph der griechischen Waf­fen. Vormittags hatte der König den Kommandanten des im Hafen liegenden deutschen Panzerkreuzers G v e b e n empfangen und wollte heute den Besuch erwidern. Er sprach seine Freude darüber aus, daß fo die Gelegenheit zur Begrüßung der griechischen Flagge durch ein Kriegsschiff einer Großmacht gege­ben fei. An der Kreuzung zweier steilabfallenden Straßen in der Nähe des Meeres lauerte der Mör­der. Er schoß auf zwei Schritt Entfernung aus einem Revolver und wollte nach begangener Tat fliehen, wurde aber sofort von Frangudis gefaßt. Frangudis hinderte die herbeieilenden kretifchen Gen­darmen daran, den Verbrecher niederzustechen. Das Geschoß das aus einem alten montenegrinischen Re­volver abgefeuen war, drang dem König in den Rü­cken in der Nähe des Schulterblattes, durchbohrte das Herz und kam an der Brust heraus. Der König wurde sterbend in einen benachbarten Kaufladen geschafft, ohne ein Wort hervorbringen zu können, und dann von Soldaten in das Krankenhaus Theogenia ge­bracht. Der König kam während der tbberfübrunn nach dem Lazarett nicht mehr -zum Bewußtseinp-.er starb, ehe das Lazarett erreicht war. Der Leichnam wurde von zwei Militärärzten einbalfamiert und dann auf einer Bahre, die von Offizieren getragen wurde, in den Palast gebracht. Dieser Ueberführung wohnte Prinz Nikolaus mit den meisten Militärbe­hörden bei. Auf Befragen, warum er das Verbre­chen begangen habe, antwortete der Verbrecher: Wir haben Tribunale. Ich werde, wenn ich abgeurteilt werde, sagen, warum ich ihn getötet habe. Man bringe mich zur Polizei, damit die Volksmenge mich nicht mißhandelt. Dort werde ich sprechen.

* Paris, 19. März 1913. Nach hierher gelangten Meldungen hat der Attentäter einen an den ermorde­ten König gerichteten B i 11 b r i e f vor wenigen Ta­gen in einer Matrosenkneive von Saloniki abgefaßt. Seine Schriftzüge kaffen sehr deutlich erkennen, daß er nur geringe Bildung befiftt. Einige Ausdrücke, die sich auf die „gerechte Verteilung der Güter und aus die Förderung des Proletariats" beziehen, scheinen aus einer sozialdemokratischen Agitationsbroschüre ab- geschrieben zu sein. Die Behörden bleiben bei der Ansicht, daß man es mit einem Geistesgestörten zu tun habe und daß keinerlei direkter Antrieb seitens seiner Genossen vorlag. Nach Mitteilungen ans politischen Kreisen soll er dagegen ein bekannter Anarchist fein.

*♦ Athen, 19. März 1913. In Athen herrscht große Trauer bei der Bevölkerung, die betrübt vor dem Schloß und in den Straßen in dichten Grup­pen »nsarnmensteht. Besonders niedergeschlagen ist das Volk durch die Tatsache, daß die Hand eines Kriechen die Waffe gegen den jetzt höchst beliebten König gerichtet bat. Beim Bekanntwerden der Nach­richt wurden alle Geschäfte geschlossen. Das Voll ergoß sich in die Straßen, wo es mit Entrüstung und Abscheu die Mordtat besprach. Der Königin, die heute aus dem Epirus zurückgekebrt ist, hat man das Ab­leben ihres Gemahls mit Rücksicht auf ihren kränk­lichen Zustand vorläufig geheim gehalten. Sie glaubt an eine schwere Verwundung und reist heute abend mit dem ruffischen Kriegsschiff Uraljez nach Salo­niki ab.

♦ Athen, 19. März 1913. Der Kronprinz Kon­stantin, der die byzantinische Herrscherreihe fortsetzend

Deutscher Keich.

O Dir Heerrs- und Steuervorkageu.

Die Ausschüsse des Bundesrates berieten Diensiag die Heeres- und Steuervorlagen, soweit letztere bereits serttggestelll sind. Tie Verhandlungen sollen aber, wie der ,Bert. Lokalanz/ (Nr. 143) hört, noch nicht so weil gediehen sein, daß die Sieueivor- lage an das Plenum des Bundesrats juiüdgelangen und dort verabschiedet werden kann. Inzwischen sind die beteiligten Behörden eifrig beschäftigt, die Äusführungsbeflimmungen für die einmalige Ver­mögensabgabe auszuarbeiten. Die Taisache, daß eine ganze Reihe von Bundesstaaten eine Vermög nr- tteuer nicht eingeführt hat, läßt, rote eine offiziöse Korrespondenz schreibt, die Annahme gerechtlirtigt etidieinen, daß bei Erhebung der Besitzsteuer, die zur Deckung der iVliluätoorlage dienen roll, die Dekla- ralionspslicht allgemein zur Turchsührung ge­langen muß. Man würde deshalb wohl annchmen können, daß gleiche Anweisungen sür alle Bundes- liaaten erlassen werden.

Ter »Köln. Zeitung' wird au? Berlin berichtet: Iicherm Vernehmen nach Hal sich der Bundesrat bet der einmaligen Vermögensa gäbe für einen festen, unbeweglichen Abgabesatz ausgesprochen und einen solchen in Der Höhe von Prozent in Aus- licht genommen. Der Gedanke einer progressiven Heranziehung der Vermögen zu der Milliardenabgabe hat also im Bundesrat keine Gegenliebe gefunden. Es wird deshalb Sache des Reichstags sein, vielem Gedanken, der im Volk lebhaft beiürroortet wird, Geltung zu verschaffen. Bei einer progressiven Be­steuerung Der Vermögen könnte auch dir untere Grenze, Die bet Den Vermögen von 10000 Mark vorgeiehen ist, zur Entlastung Des kleinen Besitzes herausgesetzt werden.

sich vielleicht KonstantinderZwölfte nennen wird, ist gestern in Janina vom Ableben seines Vaters unterrichtet worden. Er war tieferschüttert und lange sprachlos. Er erließ dann einen Tages­befehl an die Armee, worin er das traurige Ereignis mitteilt. Heute kehrt er über Missolongi zurück, von dort mit dem Schiff nach Athen. Nach seinem Ein­treffen wird die Kammer ihre Sitzungen wieder auf­nehmen und der neue König den Eid leisten. Die Leiche des Königs Georg wird nach wenigen Ta­gen nach Athen übergeführt werden. Tie Beisetzung findet wahrscheinlich nach acht Tagen statt. Zahl­reiche fürstliche Perfonen werden dazu hier erwartet.

• Sämtliche Zeitungen erscheinen heute mit Trauer­

lichen, über die kirchliche Disziplinargewalt, über die Grenzen des Rechtes zum C brauche kirchlicher Straf­mittel und über den Austritt aus der Kirche, die di« Verfassi-ngöartikel regelten. Diesen Gesetzen felgten zwei Jahre später noch die über die Ausschließung der Orden mit Ausnahme der in der Krankenpflege tätigen, und über die Vermögensverwaltung in den Kirchen, gemeinden, sowie über die Rechte der altkatholischen Kirchengemeinden."

Zum Schlüsse heißt es dann:

„Dir haben nun 42 Jahre protestantisches Kaisertum gehabt, und will's Gott, bleibt es un­serem deutschen Volke erhalten, trotz krampfhafter An- strengung des alten bösen Feindes, es zu stür. zen und zu vernichten, denn nur unter protestantlscher Herrschaft kann sich das deutsche Volk frei entroitfeln und seine Gaben und Kräfte entfalten. Wir werden es mit Ro m noch einmal ernstlich a u f n e h m en müssen, alle Zeichen deuten darauf hin. In diesem Kampfe wird unser Volk nur dann siegen, wenn der protestantische Kaiser die Zügel in der Hand behält und protestantischer Geist das deutsche Volk frei, reif und stark macht. Gott erhalte uns ein starkes, nacke^steifes, bewußt protestantisches, im deutschen G e i st e und im reinen Evangelium tief wur- zelndes Kaisertum, dann brauchen wir Rom nicht zu fürchten."

□ AuS der Frühjahr svetjawmlnng deS Vereins deutscher Gioßhändker tn Dünge- uno Futtermittel, die am Montau tn Beilin statt'anb, ronD an» geiimeben:

AIS wichtigster Punkt stand eine Eingabe gegen den von drei Parteien im Reichstage auf Veranlassung der Landwirtschaftskammern eingereichten Antrag betr. Erlaß eines Gesetzes über den Handel mit Düng, stoffen, Futtermitteln und Sämereien auf der Tagesordnung. In der Diskussion äußerte sich hier­zu Herr Edmund Dietrich i. Fa. Gebr. Dietrich, Fritzlar, wie folgt: Der Verein deutscher Großhändler in Dünge- und Futtermitteln soll, seiner Natur nach, dem Schutze und der Förderung unserer wirtschafllichen Interessen bienen. Bei derartigen wirtschaftlichen Ver­einigungen muß selbstverständlich jeglicher Partei» politische Angriff ausgeschlossen spin. Nun findet sich aber in unserer Zeitschrift „Der Saaten., Dünger- und Futtermarkt" nach der wörtlichen Anfüh­rung des Antrages auf Einführung eines Gesetzes zum Schutze der Landwir,srbaft und des Handels folgender Passus: .Eine Begründung ist dem Anträge, der ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Mittelstands- freundlichkeit des Zentrums wirft, nicht bei­gegeben. Und so wird man vermuten dürfen, daß er die Folge einer Petition der Brandenburgischen Landwirt- sckiasiskanimer an den Reichstag vom 31. Januar d. I. ist." — Es ist also auf Grund einer bloßen Vermutung die Mittelstandsfreundlichkeit des Zen- trumS, und zwar nur des Zentrums, nicht auch der beiden anderen antragstelleiiden Parteien, in starker Weise angezweifelt worden. Ein derartiges Vorgehen erscheint mir nicht gerechtfertigt, und es liegt jedenfalls nicht in unserem wirtschaftlichen Interesse, die größte bürgerliche Partei des Reichstages in solcher Weise öffentlich zu verdächrigen. Ich gestatte mir deshalb die Bitte auszusprechen, in unserem Fachblatte fernerhin jegliche unberechtigten parteipolitischen An. griffe zu vermeiden. Im übrigen betrachte ich auch den von einer Anzahl Mitglieder gewünschten Bei. tritt unseres Vereins zum Hansabund mindestens als einen taktischen Fehler. — Zur Sache selbst gab dann Herr Dietrich anheim, neben der Eingabe an den Reichs- tag sich möglichst direkt auch mit den betreffenden An. tragstellern und sonstigen Reichstagsabgeordneten per. sönlich in Verbindung zu setzen, um rechtzeitig vollstän. dige Klarheit zu schaffen. Wenn dann der Reichstag den Antrag auf ein besonderes Gesetz über den Handel mit Düngemitteln und Futterartikel in irgend einer Form doch annehmen sollte, bann dürfte gewiß zu hoffen fein, daß das auch zum Segen des Handelsstandes gereichen werde. — Nach weiteren Erörterungen wurde, obwohl der Wortlaut des Entwurfes noch nicht bekannt ist, be­schossen, jetzt schon eine Agitation gegen das Gesetz in die Wege zu leiten.

Herr Dietrich yak recht getan, sich gegen die unbe­gründeten und unsachlichen parteipolitischen Angriffe Der Fachschrift zur Wehr zu setzen. Sein Beispiel verdient qeaebenenfall* Nachahmung.

— Breslau, 19. März 1913. Für die Landtags­wahlen haben die Konservativen dem Zentrum ein Landtagsmandat im Wahlkreise Breslau-Land abge­treten. Der Zentrumskandidat hierfür wird dem­nächst ausgestellt. An bisherigen Abgeordneten stellte die Zentrumspartei wieder aus in der Grafschaft Glatz: Dr. P o r s ch, Amtsvorsteher Geisler, Pfarrer Richter: in Frankenstein-Münsterberg: Amtsgerichtsrat M a i ß, Rentier Berndt; in Groß-Sttehlitz-Lublinitz: G 1 o w a tz k i-Wvffoka und Graf Strachwitz; in Ratibor: Dechant Stanke- Hustschin; in Beuthen-Tarnowitz: Graf Henkel von Donnersmarck.

d" München, 19. März 1913. Schriftsteller Dr. Kausen wurde gestern nachmittag auf doch Wald­friedhofe zu München zur letzten Ruhe bestattet. Un­ter den zahlreichen Leidtragenden befanden sich Erz­bischof Dr. v. Bettinger, Oberbürgermeister Dr. Borscht, viele Abgeordnete und Gesinnungsgenossen, Vertreter der Preffe usw. Ansprachen hielten unter Niederlegung von Kränzen: Geschäftsführer Ham­melmann namens des Verlages der Allgem. Rund­schau» Slbg. Gichrl namens der Zentrumsfraktion, Frhr. v. Freyberg als Vertreter des Jnterkonfeffio- nellen Männervereins zur Bekämpfung der öffent­lichen Unsittlichkeit, Chefredakteur Osterhuber für den Augustinusverein, schließlich Vertreter kaufmänni­scher Bereinigungen und Studentenkorporationcn.