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2 Blatt.

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«• Zuldaer Leitung. ---

M 62.

Samstag 15. Marz 1915.

) Die Tätigkeit der Handelskammer in Hanau

jgttr auch tm Jahre 1912 auf den verschiedensten Ge- bieten wieder eine recht umfangreiche. Sie nahm Stel­lung zu Fragen der Gesellenprüfung für Lehrlinge der Industrie und erstattete dem Minister für Handel und Gewerbe ein Gutachten über den vorläufigen (Enttour; eine? Gesetzes über die Sonntagsruhe im Han- telsgewerbe. Sie berichtete sodann dem Minister über die Feststellung der Gctreidepreise in Fulda. Üeber den Entwurf einer neuen Baupolizeiordnung ver­anlaßte sie eine Besprechung der beteiligten Gewerbe- treibenden. Dem deutschen Handelstag erstattete sie ein Gutachter, übe: den Verkehr mit Seife und der Han­delskammer zu Lahr ein solches über die Genehmigung von Ilcberarbeit in der Zigarrenindustrie. Auf die Ein­ladung des Regierungspräsidenten nahm die Handels- kammcr an einer Besprechung über die Statistik der Fleischpreise.

Auf dem Gebiete der Rechtspflege ist zu erwähnen, daß die Handelskammer der Rechtsauskunftstelle in Gelnhausen wieder einen Zuschuß gewährte. Im Stcuerwcsen stellte sie Ermittelungen an wegen Er­richtung einer Zollabfertigungsstelle am Bahnhof Fulda und war dem Provinzialverein der mittleren Beamten für direkte Steuern behilflich zur Besichtigung indu­strieller Betriebe.

Auf Grund eingehender Erhebungen äußerte die Handelskammer sich gutachtlich über die Einrichtung einer Handels-Jahresschule, sowie eines Kursus für Ver­käuferinnen an der städtischen kaufmännischen Fortbil­dungsschule zu Hanau. Ferner befürwortete sie die Beibehaltung des Französischen als obligatorischen Spraö,rackes an dieser Anstalt.

Tie Errichtung einer eigenen Berufsgenossenschaft für den D e t a i l h a n d e l hat die Handelskammer trotz gewisser Bedenken befürwortet. Die Vertrauensmänner» Wahlen zur Slngestellten-Versicherung hat die Handelskammer in umfassender Weise mit vorbe­reitet und einen Delegierten zu einer Versammlung in Berlin entsandt, welcher die Vorarbeiten für die Wah- len dieses Versickerungszweiges zu leisten hatte. An den Bestrebungen zur Jugendpflege beschloß die Handels- kammer sich zu beteiligen.

Im Eisenbahnverkehr war die Handels­kammer zur Abänderung oder Verbesserung des Fahr­planes oder der Anschlüsse für folgende Strecken tätig: Hanau—Heldenbergen—Windecken, Hanau—Großau­heim—Hanau—Bad Nauheim, Frankfurt—Hanau—Kahl, Frankfurt—Elm—Fulda, Frankfurt—Elm—Schlüchtern, Frankfurt—Hünfeld—Bebra, Tann—Mansbach, Frank­furt—Bayern—Wien, Hanauer und Bad Order Klein­bahnen. Auch trat sie für die Errichtung einer Halte- stelle am Tistelrasentunnel ein.

Bezüglich des Post- und Fernsprechwesens beschäf- tigte sich die Handelskammer im Berichtsjahre wieder­holt mit der gesetzlichen Regelung des Postscheckverkehrs. Außerdem befaßte sie sich noch mit folgenden lokalen Angelegenheiten: Briefbestellung in Großauheim, Er­weiterung der Diensträume in Fulda und Abfertigung von Auslandspostanweisungen daselbst, Postbestellung in Somborn, Fernsprechdienst in Salmünster. Auf Antrag der Handelskammer wurde der Fernsprechver­kehr Hünfeld—Heidelberg zugelassen.

Lokales.

Fulda, 15. März 1913.

# Verliehen wurde dem Oberrealschuldirektor Dr. Schmidt in Hanau der Adler der Ritter des Hausordens von Hohenzollern, den Professoren Forst und Lohmann in Hanau sowie dem Ritt­meister Wolfgang Sch w a r tz im Thür. Ulanenregi­ment Nr. 6 und dem Fabrikbesitzer E Y s s e n zu Frankfurt a. M. der Rote Adlerorden vierter Klaffe, dem Lehrer Liese in Hanau und dem Oberleutnant v. Bopelius und Wätjen im Thür. Ulanenrgt. Nr. 6 der Kronenorden vierter Klasse.

* Versetzt wurde der Förster o. R. Kniese in Wallenstein, Kr. Homberg a. d. Efze, zum 1. April

Kleines Feuilleton.

— Der Frühling will kommen! Diesmal bringt er uns das fröhliche, liebliche Fest der Ostern mit, aber ob er bei seiner Ankunft auch selber lieblich sein wird, der Frühling, wer kann's wissen! Dem Ka­lender allein möchte man nicht trauen, nachdem er von Jahr zu Jahr immer mehr unser Hoffen getäuscht hat. Und die Wettermacher? Ach, ja, diese schauen ja auch nur zum Fenster hinaus und prüfen ine Wolken, die Winde, und rechnen und berechnen und tüfteln — und dann wird's dennoch erstens im­mer anders, zweitens als man dentt. Besser ist fthon, man fragt die Natur. Die sagt's uns genau: Jwvohl, der Frühling kommt! Schneeglöckchen und Primel stecken schon die Köpfchen hoch, die Weiden­kätzchen blühen schon lange, die Bienchen summen, me Vöglein probieren ihr Waldkonzert. Aber der beste Prophet ist doch — das Menschenherz selber! Das alte Sehnen und Suchen nach der warmen, son- mgen Zeit regt sich mächtig: mag den Schnee, der diesmal gar nicht kam, der Kuckuck holen; haben wir ^" solange entbehren muffen, so brauchen wir ihn auch fürderhin nicht, noch weniger das Eis und den i’rroft Denn besagtes Sehnen will heraus in die Welt, will jubilieren, will alle Kümmernisse bannen, mm aufwachen zu neuem Leben! Ja, es will Früh- ung werden! Freuen wir uns dieser Gewißheit, die tetn Nachwinter zu zerstören vermag! mo.

— Die^ Feldmütze unserer Soldaten kann in ihrer heutigen Form, ebenso wie die Schirmmütze, in die-

Jahre ihr lOOjähriges Jubiläum feiern, wenn »ewe im Laufe der Zeit auch noch verschiedene Wand­lungen durchgemacht haben. Allerdings hat der be­rühmte preußische Soldatenkönig Friedrich Wil- helm I. schon vor 200 Jahren eine Mütze für das ^.lslar eingefübrt, doch sollte dieselbe als „Schlaf-

t haub.tsächlich zum Schutz der Frisuren dienen d- die Form einer regelrechten Zipfelmütze;

Arpfel wurde erst zum Beginn des vorigen Jahr­hunderts abgeschafft. Eine Zeit lang batte die Mütze

.eure Ohrenklappe, die heute gesondert zur Feld- '^rustung eines Soldaten gehört. Die Feldmütze, »JL? der Soldatensprache auch den Namen „Feld- W n/C1V- oder den wenig schmeichelhaften „Fett- fuhrt ist heute ein unentbehrliches Ausrü-

In Preußen hat sie 1842 die Kokarde halten, yr her später noch die deutsche körn.

nach Wölkersdorf, Kr. Fraukenberg, der Steuersekre­tär Schulz bei der Steuer-Beranlagungskommis- sion in Schmalkalden zum 1. April an die Einkom- mensteuerveranlagungskommisiwn in Hanau, der Steuersekretär Binde an der Steuerveranlagungs­kommission in Burg Ranis zum 1. April an die Ein- kcmmensteuerveranlagungskommission in Schmal­kalden.

— Die Gesellenprüsimg für das Schmiede- Handwerk findet am 8. April ds. Js. statt. An­meldungen zu dieser Prüfung müssen bis zum 22. ds. Mts. bei dem Vorsitzenden der Prüfungs-Kom- nussion, Herrn Hofsckmiedemeister Auch, Scklotzftr. 6, eingereicht fein, wo auch die erforderlichen Formulare zu erhalten sind. Später eingehende Anmeldungen finden keine Berücksichtigung.

0h$> An daS Ferniprechnei; wurde unter Nr. 558 Herr Gustav Kurze, Frstcur«, Paruimerre- und Toiletieartikelgeschäft, Borgiasstr. 2, angeschlofsen.

~ Ab nach Hanau! lautete gestern die Parole für r en Revolverhelden Müller au§ Seelow bei Berlin, der am 15. Dezember v. I. hier auf dem Bahnhof auf den Schutzmann Crost einen Schuß ab­gab. Er wurde gestern mittag geschlossen von zwei Sckiltzleuten zur Bahn gebracht und mit dem Zuge 3 15 Uhr nach Hanau transportiert, wo er in der am 7. April beginnenden SchwurgerichlSperiode wegen TotschlagsverfuchS abgeurteilt werden wird.

r*I Strafkammer. Der schon dreimal vorbestrafte 46jahrige Handelsmann und Piehhändler L. A. I mn Heubach hatte sich wegen Nebertrelung des § 74,3 des Reichsviehsenchengefetzes zu verantworten. Er hatte, trotzdem im August 1912 der Handel mit Klauen­vieh ohne vorherige Bester.ung in Bcitstembach ver­boten war, daselbst ein Stück gekauit. Der erste Staatsanroalt hatte eine Geldstrate von 100 Mark beantragt, das Gericht verurteilte den Angetlaatcn zu 50 Mark Geldstrate. — Gegen deS gleichen Ver­gehens hatten sich auch der Sljätjriae, wiederholt vor« bestreite Handelsma-n und Viehhändler L. All! von Scklüchtern und dessen 14jähriger Sohn B. zu ver­antworten. Die Uebertrctunge» wurden im Ausust 1912 in den Orten Keutzelbuck, MagdloS und Rückers, welche damals ein Sperrgebiet bildeten, begangen, obwohl dem Angeklegien daS Handeln von den Bürg rmeistern der beiden lch'genannten Orte wieder­holt verboten wurde. L. A. II wurde "egen Hebet» tretung deS Hansiersteuergesetzes — et war nicht tm Besitze eines WandergewerbejcheineS — im September v. I. zu einer Geldstrafe von 48 M. und im Januar v. I. abermals wegen deS gleichen Vergehens zu 16 M. Geldstrafe verurteilt. Der erste Staatsanwalt beantragte gegen ihn eine Geldstrafe von 250 Mark und gegen feinen Sohn eine folcbe von 30 Mark. DaS Gericht verurteilte ersteren zu 100 M. einschließ­lich der 48 M. wegen Vergehens gegen daS Hausier» steuergeietz. Der Sohn B. wird freigeiprochen, da er das bilttose Werkzeug feines Vaters ro r. — Die Ehesrau S. K. von hier hatte gegen ein Urteil des hiesigen S öffengerichts, nachdem sie wegen Beleidigung zu drer Tagen Gefängnis verurieilt worden war, Heruhrnp eingelegt. Die Strafkammer mrwandelie die drei Tage Geiängnis in eine Gclostra'e von 30 Mark. Auch mit diesem Urteil war die Angeklagte anscheinend nicht recht einoerftanoen.

■+• Das Institut der Englischen Fkänlcin zu Fulva gibt foeben seinen Jahresbericht heraus. 4ie Zahl der Schülerinnen betrug zu Anfang des Winter» und Sommer-Halbjahres 305, am 1. Februar d. I. 306. Diese oertcrlten sich auf die Vorschule im Som­mer-Halbjahre mit 87 (tm Winter«Halbjahre auch 87), aus das Lyzeum mit 180 (182) und auf das Ober-Lyzeum mit 38 (36). Von den am 1. Februar d. I. vorhandenen 306 Schülerinnen waren 305 katho­lisch, 1 war evangelisch, 257 stammten au8 dem Schul» orte selbst, 49 waren von auswärts, 12 waren Nicht­preußen, die Übrigen Preußen. Der Unterricht wurde erteilt von insgesamt 27 Lehrpersonen, darunter 13 Schwestern. AuS der Schul-Chronik sei herv>.rgeboben, daß Schwester M. Antonia Muth und Fräul.Kälhe Wen st er im Herbste ihre akademischen Studien be­gannen. Die Vertretungen wurden von Fräul. Klara Schulte tm Hofe und Fräulein Gertrud Goebel übernommen. Fräul.Helene Jaeger, die im August tn den ©taatSmenft trat, wurde durch Schwester M. Raabana Willms ersetzt. Bedürftige Schülerinnen wurden durch Sitpendien oder teilweisen Erlaß der Sckulge des unterstützt. Die Gesamliumme der Unter«

— Mit dem Umpfropfen alter Bäume beschäftigt sich der prakt. Ratgeber im Obst- und Gartenbau. Es stehen in den Obstgärten so viele alte Bäume, die ioenig oder schlechtes Obst tragen, weil es schlechte Sorten sind. Mit Hilse des Umpfropfens würde es möglich sein, an Stelle der schlechten Sorten bessere und fruchtbarere Sorten zu setzen. Diese Arbeit führt viel schneller zum Ziele als das Aushauen alter und Neuanpflanzen junger Bäume. In der Schweiz, in Tirol, in allen Gegenden, in welchen blühender Obst­bau vorhanden, wird die Verbesserung des Obstbe­standes durch Umpfropfen schon lange in ausgedehn­tem Maße geübt. Der Praktische Ratgeber in Frank­furt a. O., der diesen Fortschritt auch bei uns ein­führen möchte, verwendet eine Anleitung zum Um« pfropfen an alle Obstbaumbesitzer kostenftei.

— Entfettungskuren tm Frühjahr. Die lange Winterzeit läßt sehr viele Menschen allzuviel körper­lich untätig sein, so daß sie nicht unbeträchtlich zu­nehmen an des Leibes Umfang. Besonders solche, die ohnehin zur „Fettleibigkeit" neigen, wie man sich wenig geschmackvoll auszudrücken beliebt, fühlen sich recht unbehaglich in der wärmeren Jahreszeit. Was sie im Sommer durch Marschieren, durch Spiel und Sport, durch Badekuren usw. abnehmen, das wird im Winter wieder angesetzt, und dann geht das La­mento von neuem los. Da hllft natürlich nur eine geregelte Lebensweise und entsprechende Körper­pflege, von der nie abgewichen werden darf. Zu Beginn einer solchen vernunftgemäßen Behandlung seines eigenen Jchs empfiehlt sich eine kleine Ent- ettungskur, mit der man vorteilhaft im Frühjahr beginnt. Ein englischer Arzt gibt ein Rezept an, mit tvüchem er zwei Patienten binnen sechs Monaten von 116 auf 82 bezw. 126 auf 85 Kilo herabge­magert hat. Die Patienten befanden sich allerdings in einer Anstalt, wo sie nicht gut den ärztlichen An­ordnungen entgegen handeln konnten. Die Haupt- ache war natürlich die Diät, die auch quantitativ geregelt war und wochentägig 570 Gramm feste Nahrung nicht übersteigen durfte, wahrend Sonntags 40 Gramm mehr bewilligt wurden. Den Patienten wurde verabreicht: zum Frühstück eine Suppe «ch- gerahmte Milch, gekochtes Obst und Wasserkresse. Zum Mittag: mageres Fleisch mit einem Stück Brot (ohne Sauce und Kartoffeln!) oder ein Stück Fisch oder Begctabilien. Zum Abend: gekochtes Obst und Brot, Tee, Wasserkresse *nb Lattich, öküa&t bei« uchen auch inbett rfefe TM.?

stützunaen überstieg noch die des Vorjahre?. Das neue Schuljahr beginnt am 3. April. Die Aufnahme« Prüfung für das Ober-Lyzeum findet am 3. und 4. April statt.

△ Rach dem Jahresbericht der Oberrealschule wurde die Anstalt im abgelauftnett Schuljahre von insgesamt 296 Schülern besucht, am 1. Februar d. IS. beitua ihre Zahl 283; hiervon waren 122 katholischer, 98 evangelischer und 63 jüdischer Religion; 208 waren Einheimische, 75 Schüler waren von auswärt?. Die Zahl der Vorschüler betrug 59 (32 katholische, 25 enor—Mfdie und 2 jüdsscke). An der Anstalt wirken 22 Lehrer. Herbst 1912 bestanden 2 Schüler die Reifeprüfung, zu Ostern 13. Das Zeugnis für den einjährtg-ftciwilligcn Militärdienst erhielten ' vorige Ostern 26 Schüler der Untersekunda und zu Herbst 1 Schüler; von diesen ergriffen 16 Schüler einen praktischen Beruß — Das neue Schuljahr beginnt am 3. April. Das Schul elb beträgt für die ein* beimtfchen Schüler der drei oberen Klaffen 150 Mk., für die der übrigen Klassen 130 Mk., für auswärtige Schüler aller Klassen 180 Mk. und für die Vor­schüler 120 Mk.

-r- Eine Ermittelung der landw. Äidenbennhung wird in d efent Jahre wieder ftatifinben. Nach einem Bundesratsbeschluß v. I. 1892 sollten derartige Er­mittelungen zuerst i. 1.1893 und dann weiterhin alle 10 Jahre erfolgen Die zweite wurde mit Rücksicht auf die Vorbereitungen zu den Handelsverträgen 'chon 1900 veranstaltet, so daß seit 13 Jahren schon keine Ermittlung mehr stattgefunden hat. Die Er- dcbunuen dieles Jahres erhalten dadurch besondere Bedeutung, daß einmal im Hinblick auf die wachsende Bedeutung des feldmäßigen ®emüiebaii6 eine ein- aehende Erfassung der Gemüseerzeugung erreicht werden soll, und daß fernerhin die Zählung der Ob ft bäume gegenüber der letzten Ermittelung aus­gedehnt wird. D efe erstreckte sich auf Aepfel-, Birnen-, Pflaumen», Stttidhbäume, während in diesem Jahr auch die Aprckozen-, Pfirsich» und Walnußbäume gezählt werden. Dadci soll unter schieden werden zwischen ttagfähiaen und nicht tragfähigen Bäumen. Auch das Spalier- und Zwergobst wird bet der Zählung berücksichtigt. Weiterhin soll die Ermitte­lung auch dazu dienen, die Flächen der unkulti­vierten Moore festzustellcn, welche bisher mit dem Oed- und Unland zusammengefaßt waren. Um Unter­lagen für die Moorkultivierung zu gewinnen, sollen die Moore diesmal besonders nachgewiesen werden. Im Anschluß an die Ermittelung des Areals der Forsten werden auch Erhebungen über den Besitz­stand, den Ertrag, die Bestands- und Betriebsarten der Forsten oorgenommeit. Die Erhebungen über die Hauptnutzung des Ackerlandes werden im Juni ftattfinben, die der Nebennvtzung im September.

Bk. Deutsch-englische Ausstellung. Von London aus wird zuizcit Propaganda gemacht für eine von Mai dis Oktober im dortzgen Krystall-Palast ftatt- finde- de wgena nte Deutsch-Englische Ausstellung. Alsbald nach B'kanniwcrden der ersten Nachrichten haben w r in einer cniftircchenden Veiöffentlickung deutschen Gewerbekreisen äußerste Zurückhaltung emp>o len. Dies umsomehr, als bei der im vor­liegenden Falle aänzlich übethaftelen Vorbereitung, durch die an sich schon alle wichtigen Teile der deutschen Jndutirie ausaeschallet werden, tue btm- genbe Gefahr besteht, daß nur Minderwertiges gezeigt und im kovkurrrerenden Ausland ein verzerrtes Bild deutschen Könnens geboten wird. Zudem bat der Londoner Betreiber des Projektes mit unserer In- dustrie vorher keine wie immer geartete Füylnng ge­nommen.

..(*) Die Ausbildung und Zukunft unserer jungen Mädchen. Die Frage: Welchen Beruf sollen unsere Töch­ter ergreifen?, tritt zu Ostern an viele Eltern heran. Haben die Mädchen nur die Volksschule besucht, so ist die Berufsmöglichkeit gering. Für fast alle Berufe wird eine höhere Bildung erfordert. Um sich als Kindergärt- uerin, Hauswirtschafts-, Handels- und Gewerbeschul­lehrerin, als Turn-, Zeichen-, Musik-, Gesang- und Wissenschaftliche Lehrerin ausbilden zu können, wird das Reifezeugnis eines Lyzeums oder doch eine gleich­wertige Bildung erfordert. Vielen, die die Reform des höheren Mädchenschulwesens in den letzten Jahren nicht verfolgten, ist es nicht klar, was das hiesige Lyzeum mit seinem Aufbau, dem Oberlhzeum, für die Ausbil­dung unserer Mädchen bedeutet. Das Lyzeum, früher Höhere Mädchenschule genannt, hat 10 aufsteigende Klas­sen. Klasse 10, 9 und 8 unterrichten nur in den Ele­mentarfächern, gehen aber schon über das Ziel der Volks­schule hinaus, besonders im Deutschen und Rechnen.

Sie müssen das, denn sie sollen den Boden vorbereiten für die 7. Klaffe, in der fchon eine Fremdsprache an die kleinen Schülerinnen herantritt; sie können es aber auch, da sie gewöhnlich mit kleinerer Schülerzahl sowie mit gleichmäßigerem Schülcrmaterial arbeiten. Hier drängt sich von selbst die Frage auf: Wann soll das Kind dem Lyzeum zugesührt werden? Am einfachsten und sickersten ist es wohl, dies sofort mit Beginn der Schulpflicht zu tun. Kinder, die nach dreijährigem Be- such der Volksschule in das Lyzeum eintreten, kommen bei der Aufnahme öfters ein Jabr zurück. Es kommt immer noch vor, daß eiiizelne Schülerinnen noch später, z. B. im Alter von 12—13 Jahren für die Klassen der Mittelstufe angemeldet werden. Davon ist in vielen Fällen abzuraten. Warum? Sieht man nämlich von privater Vorbereitung ab, fo müßte die Schülerin in die 7. Klasse gesetzt werden und einem Unterricht fol­gen, der für 9—10jährige Kinder zugeschmtten ist, also ihrer Altersstufe nicht entspricht und sie zu wenig för­dert. Hätte man vor, das Kind doch vielleicht schon nach Aufhören der Schulpflicht, also mit 14 Jahren, wieder vom Lyzeum wegzunchmen, so wäre es entschieden besser gewesen, es in der Volksschule zu lassen; denn dann hätte cs doch einen einheitlich abgeschlossenen Bildungs­gang. Rühmliche Ausnahmen machen manche auswär­tige Schülerinnen, denen der Besuch der höheren Schule in zartem Alter bisweilen unmöglich ist. Einer Anzahl solcher Schülerinnen mit guter Begabung ist es gelungen, durch Nacharbeit, wenn auch nicht ohne einigen Zeitver- lüft, in höhere Klaffen aufgenommen zu werden und diese durch treuen Fleiß mit Ehren bis oben durchzu- machen. Das wissenschaftliche Oberlyzeum besteht aus 3 Klassen, die der Vorbereitung auf das höhere Lehrerinnenexamen dienen. Nach Absolvierung dieser Klassen findet eine Prüfung statt, die sich auf die wissen, schaftlicken Fächer erstreckt. Darnach tritt die Kandidatin in die Seminarklas.se ein, wo sie zwar noch Wissenschaft- licheu Unterricht, doch hauptsächlich praktische Anleitung zum Unterrichten empfängt. Den Abschluß bildet eine Lehramtsprüfung, durch die die Kandidatin befähigt wird, an Volks-, mittleren-, höheren Mädchenschulen und Lyzeen Unterricht zu erteilen.

[] Diebstahl. Einem auswärtigen Landwirt wur­den heute vormittag aus seinem Wagen am Fran­zosenwäldchen mehrere Paar Schuhe und ein Teppich gestohlen.

? Cacilia. Wie uns aus musikalischen Kreisen mitgeteilt wird, dürfte sich die morgige Aufführung des Requiem von Verdi durch die „Cacilia" den früheren glänzenden Aufführungen des Vereins würdig anreihen. Das Dresdener Soloquartett war bereits in der gestrigen letzten Klavierprobe anwesend und überraschte durch ferne vornehm ausgeglichene Gesangskunst, prachtvolles Stimmaterial und äußerste musikalische Sicherheit, die gerade in diesem eminent schwierigen Werke von höchster Bedeutung ist. Die morgige Aufführung wird daher Stunden reinster Erhebung und hehrster musikalischer Weihe bringen, würdig tn der ernsten Karwoche. Das herrliche Werk wird hier zum crstenmale aufgeführt. Kein Kunstkenner sollte den Besuch des Konzertes ver­säumen.

A Fußballsport und Beteranenspende. Der Deutsche Fußballbund Hit mit seinem Beschluß betreffs beS Veteranenfonds eine Tat geschaffen, dte nur zu be- grüßen ist. Der Futzballsport, der sich im Laufe der Zeit zu dem populärsten in Deutschland entwickelte, trägt damit bei zu einem edlen nationalen Werke. Auch Fulda bleibt nickt zurück. Durch zahlreichen Besuch der Wett­spiele auf den Sportplätzen am Wallweg und auf der städtischen Bleiche werden die Einwohner Fuldas dazu beitragen, daß eine möglichst große Summe dem Veteranenfonds zugeführt wird. Das Spiel der Bo­russen beginnt nachmittags um 3 Uhr, das des Fuldaer Fußballvereins um 3.20 Uhr. Nach dem Spiele veran­staltet Borussia im Vereinslokal zur Traube zu Ehren der Veteranen, wozu alle Veteranen und Mitglieder anderer Vereine eingeladen sind.

□ Schwerathletik. Bei dem anläßlich des Stiftung?, festes des 1. Fuldaer Athletik-Sportklubs „Viktoria" am Oster-Scnntag im Restaurant „Hohenzollern" ftatt- findenden Variete-Abend wird der Weltmeisterschaft?. Stemmer Ruland aus Höchst a. M. seine Höchstleistun­gen im einarmigen Stemmen bon 210 Pfund und in beidarmigen bon 295 Pfund vorführen. Außer einem sonstigen auserlesenen sportlichen Programm, welches in den Pausen durch Couplets und Musikstücke der hie­sigen Feuerwehrkapelle ausgefüllt wird, sind cs beson­ders die griechisch-römischen Ringkämpfe, bei denen sich erstklassige Frankfurter und hiesige Ringer gegenüber, stehen.

2lus dem Nachbargebkte.

ö HilderS, 14. März 1913. In da? dem prcuk. 'llbgeorbnefenhaufe zugeoanoene Eisenbahn«

— Die Erhaltung alter Straßenbrunnen. Eine Verfügung des Düsseldorfer Regierungspräsidenten an die Landräte und Oberbürgermeister behandelt die Erhaltung alter Straßenbrunnen und die Anlage neuer Brunnen. Die hier gegebenen Anregungen sind so wertvoll, daß sie auch anderwärts Nach­ahmung finden sollten. So heißt es zum Beispiel in dem Erlaß: „Ungefähr um die Mitte des vorigen Jahrhunderts laßt sich verfolgen, wie in der Brun- ncnkunst mit allen Heberlieferungen gebrochen wird. Hier werden alte Brunnen als Verkehrshindernisse beseitigt, dort hält man sie nach Einführung der Hauswasserleitungcn für entbehrlich, ja, man geht sogar dazu über, durch ihre Enffernung die Verzin­sung der letzteren zu erzwingen. Allmählich wird so der Oeffentlichkeft jede freie Trinkgelegenheit entzo- gen. Tausende zwingt ihr Beruf zum Leben auf die Straße; diesen, dem spielenden Kindervolk, den Wan­derern, nicht zu vergessen der Tierwelt, sollte man die Möglichkeit eines Labetrnnkes nicht versagen. Auch sprechen geschichtliche und künstlerische Gründe gegen die Beseitigung schöner, alter Trinkbrunnen, die oft dem ganzen Stadtbilde den Charakter gaben, und de­ren Einfluß auf die Gestaltung der Platzanlage man noch heute in süddeutschen und schweizerischen Städten bewundern kann. Da gesundheitliche Gründe nicht widersprechen, kann daher die Erhaltung dieser Denk­mäler aus vergangener Zeit nicht warm genug em­pfohlen werden." Der Regierungspräsident beschäf­tigt sich dann des weiteren mit den Monumentalbrun­nen des 19. Jahrhunderts, die als Nutzbrunnen we­nig Zweck haben, und fordert dazu auf, wie dies schon an mehreren Stellen geschehen ist, neue Brunnen zu sckaffen, die allen Anforderungen der Gesundheits­pflege entsprechen, feine unnötig! Wasserverschwen- diinq treiben, das Straßenbild beleben und vor allem wieder Gelegenheit zum Trinken bieten. tf.

— Eine mebijinifcfie Enideckuna von großer Trag­weite ist dem dirigierenden Arzt des ©mttgarter Bürger« hofpita!?, Dr. Fanfer gelungen. An? gewissen For- ickungSergebniffe»- und Methoden deS PiychiatikerS Abdcrhadicr hat Dr. Fauler an zahlreichen Verfuckcn nachgewie e», daß bei der sogenannten dementia prae- cops, eine der gesürchtetsten Gcisteskrankheiwn, die ven Menschen meist s > on in jungen Jahren befällt, im Blute des Kranken fremde Bestandteile kreisen, die auf bas Gehirn vergiftend wirken. Diese fremden Bestandteile sind im Blute weder indirekt noch direkt nachzuweisen, sondern nur durch eine Art Geaengift,

das im Blute des Kranken erzeugt wird und die Eigenschaft hat, jene vergütende Benandteste auizu- löjen und zu „verbauen'. Mit dieser wissenschaftlichen Erkenntnis der Ursache der dementia praecops ist auch der erste Schritt zu einer rationellen Bekämpfung getan. Anch bet anderen schweren Geistesstörungen, Störungen wegen Schilddrüsenerkrankungen, pro­gressiver Paralyse und anderen hat Dr Facher charakteristische Bestandteile im Blute nadigcroiejen.

— Die neue Vorrichtung gegen Seekrankheit, eine Erfindung des Ingenieurs Frahm, wird demnächst in den neuen Turbinendampfer des englischen Staates auf der Ueberfcchrt Dover-Ostende eingefirhrt. Die Vorrichtung besteht aus zwei großen Wasserbehäl­tern, die an den beiden Langssnten des Schiffes, so weit wie möglich von der Kiellinie entfeint, angebracht sind. In diefen Behältein, die duich Leitungen mit­einander verbunden sind, befindet sich eine gewisse Menge Wasser, das unter dem Eindruck des Schlin- gerers hin und her fließt. Das Wasser, das immer nach der niedrigen Seite abzieht, läuft nicht plötzlich von einer Seite zur anderen, sondern zeigt die Wir­kung des Schlingerns erst nachträglich und erhält da­durch das Gleichgewicht so aufrecht, daß aus den ge­wöhnlichen SeitwärtShebunoen von 10 bis 20 Proz. nur solche von zwei bis drei Proz. werden. Das Schlingern wird also kaum wahrgenommen. =a.

_ — Allerlei Weisheit. Ein mittlerer Eichbaum trägt ungefähr 800 000 Blätter und entzieht dem Boden während einer Zeit von fünf Sommermo­naten etwa 2500 Zentner Wasser. — Künstliche Augen wurden schon im alten Aegypten hcrgestellt, und zwar aus Gold, Silber oder Kupfer, oft auch ans Elfenbein. Im spaten Mittelalter fertigte man sie aus Porzellan an, später aus Glas und jetzt aus Emaille. — Von allen Kulturvölkern der Erde haben die Spanier die kürzeste Lebensdauer. — Im Jahre 1712 wurden die ersten Briefträger zum Abtragen der Briefe in Berlin eingestellt. Sie lebten aus­schließlich von den „Briefdreiern", die die Empfän­ger ihnen bezahlen mußten. — Eines der prächtig­sten Gebäude in Bcnarcs in Indien ist — der Affen­tempel. Den Derchrcrn Brahmas ist der Affe ein heiliges Tier, das er wie eine Gottheit verehrt. — Tic Ausbeute an Wachs verhält sich gegenüber der von Honig wie 1 zu 15. — Der russische Kaiser ver- ugt über rund 500 Besitzungen mit ca. 30 000

Mcncrn und Angestellten aller Art. mo.