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4. Natt.

Druck »et Selbcet actientrucerei fe

*5* Fuldaer Leitung. «*■

JVo 62.

Samstag 15. Mürz 1915.

ebenso Wohl hätte sie einen Berg von der Stelle rücken können. Sie fürchtete sich vor ihm, und sic fühlte sich hingezogen zu ihm mit unwiderstehlicher Gewalt. Dabei empfand sie deutlich, daß er ihr Unheil bringen werde und Verderben, aber sie der-

H. Nochmals unsere Diasporaschulen.

Einem Diasporapfarrer, der fast ein Dezennium den Nmullanschulbelrieb mit durchlebt hat, sei es vergönnt, einige Ausführungen zu machen.

Ich stelle an die Spitze meines Artikels die durch die schrecklichsten Erfahrungen erhärtete These: Wenn wir auch die größten Opfer bringen müssen zur Erhal. tung der katholischen Bonifatiusschu!en, es hieße die Seelen der Kinder in die größten religiösen Gefahren hineinzwingen, wenn wir sie den Simultanschulen preis« gäben. Für diese These führe ich folgenden Tat­sachenbeweis:

1. In den Stadtparlamenien und Schuldeputationen der Industriestädte sitzen der Mehrheit nach meist liberale und sozialdemokratische Mitglieder. Was für Lehrer werden von diesen sehr oft gewählt? Glaubenstiene werden adgelehnt als ultramontan, dem Glaubensleben entfremdete werden hergeholt von Nord und Süd, Ost und West. In einer liberalen Stadtschuldeputation wurde einstimmig gegen den Geistlichen beschlosien, einen katholischen Religionsichrer anzustellen, der in Mischehe lebte mit evangelischer Kindererziehung und offen erklärte, daß er nicht mehr an die Dogmen der Kirche glaube; und einstimmig wurde dem katholischen Geistlichen vor­gehalten, daß ein solcher Lehrer doch einen warmen Religionsunterricht geben könnte, wenn er auch nicht wehr alles glaube. Katholische Gemeinden unserer Diaspora! Wenn ihr die Simultanschulen für die katho­lischen Sinder zugebt, werden einst Religionslehrer solchen Geistes vor euren Kindern stehen. Hier trifft zu, was einmal ein alter Pfarrer sagte: In keiner Sache arbeitet die internationale Loge so planmäßig, wie in der Be­setzung von Lehrerstellen an exponierten Posten.

2. Selbst wenn infolge heißen, fortgesetzten Kampfes bet Geistlichkeit auch in der einen oder anderen Stadt gläubige katholisch« Lehrer in den Eimnltanschulen wirken, so leben trotzdem die katholischen Kinder acht | Jahre lang in der Simultanschvle in einer Welt von Gefahren. Wie hart muß es da? katholische Kindesherz empfinden, wenn ihm am Morgen vor der ersten Stunde verboten wird, vor dem Gebete das Kreu Zeichen zu machen! Welch katholikenfeindliche Bemerkungen hört das Kind oft im Unterricht des Deutschen und der Geschichte, sodaß selbst andersgläubige Kinder dieses I arme, im Glaubensleben verwaiste Kind bedauern! I Welches Zerrbild von der Geschichte unserer hl. Kirche I wird den katholischen Kindern oft gegeben! Tie Er- I fahrung zeigt, daß der Geschichtsunterricht an Simultan- I schulen fast immer in Händen nichtkatholischer Lehrer I liegt. Von 10 Lehrern einer solchen Stadt gaben zu I meiner Zeit nur 2 Geschichte, und von diesen zweien I hatte die liberale Schulverwaltung nichts zu fürchten. I Daß nun im Thüringerland, der Hochburg des Kaiho- likenhafleS, in den Simult infchulen ein anderer Geist I »ehe» wird, ist nicht zu erwarten. Unter Tränen zeigte I mir eines Tages ein thüringischer katholischer Geistlicher I '>as wahren Katholikenhaß atmende Geschichts« und I Leutschbuch einer solchen thüringischen Simultanschule I end sprach: Ich darf mich tot arbeiten, hier gehen alle I meine Kinder verloren.

3. Vielleicht fetzen manche ihre Hoffnung in solchen I Verhältnissen auf den Rvligionsunterricht. Ich batte an I meiner Simultanschule treureligiöse Lehrer zur Seile, I die ihre ganze Kraft einsetzten, um das Unkraut auszu- I reißen, daS der Simultanschulbetrieb in die j -gendlichen I Herzen streute. Das Resultat dieser sauren Arbeit war: I Bon 10 Schulentlassenen zeigten sich mindestens 7 auch I ans der Kirche entlaffen. Gut wäre es, wenn biet über I diesen Punkt einmal em Religionslehrer der Simultan- I schule schreiben würde, der das Elend der armen Kinder- teelen geschaut hat.

4. ES könnte fein, daß der Liberalismus für den I Anfang den katholischen Gemeinden große Versprechungen I "acht. Vielleicht gibt er die Zusicherung, die katholischen I Kinder möglichst in einer Abteilung zu unterrichten, für Religionsunterrtcht Sorge zu tragen ufro. Aber wie wird eS, wenn dieser Liberalismus erst einmal die katholischen Kinder hat? Vor einiger Zeit erzählte mir I »in Konfrater folgendes: In einem größeren städtischen kimultanschulbctrieb waren die katholischen Kinder zu- meist für jede Klasse in Abteilung A, und von dieser I Abteilung war ein kaiho'ischer Lehret Ordinarius, sodaß

I die Abteilung A aller 8 Klaffen fast nur siahtolische Schüler halte. Kaum hatte daS die liberal -sozialdemo- krattsche Stadtvertretung gemeldet, als ein noch heute gellender Beschluß gefaßt wurde, daß die katholischen Schulkinder auf alle drei Abteilungen verteilt und eine konfessionelle Absperrung verhütet werden solle.

Wie schwach ist die religiöse lleberzeugung der katholischen Jugend, die in Simultanschulen groß ge­zogen wird, Gewiß gibt tS Ausnahmen. Diese aber bestätigen die Regel. Im allgemeinen sind die Simultan­schulen die beste Pflanzstätte des religiösen Jndifferen- tismus. Das wird uns ja auch klar, wenn wir uns sragen: Wer kämpft für die Simultanschule? Nicht die orthodox« Richtung des Protestantismus, nicht das Papsttum, das di« schärfsten Bestimmungen erlaffen, daß katholische Ellern ihre Kinver katholischen Schulen zu- führen sollen, nein der Liberalismus und die Sozial­demokratie. Wehe den armen Kindern, wenn sie die en Geisterströmungen auSgeliesert werden, wehe aber auch solchen, die die hilflosen Seelen diesen religionsfeindlichen Strömungen preisgeben.

5. Wie dornenvoll und trostlos ist. endlich das Amt eines solchen Pfarrers in solchen Gemeinden. In welche Kämpfe wird er hineingedrängt, wenn er zu retten sucht, was für die Jugenderziehung zu retten ist. Es wird nicht die Spur von Rücksicht genommen auf die Werk- tagsmesse. Der eine Rektor beginnt den Unterricht um 7, der andere um 8, der andere um 1I»9 Uhr, ohne vor­her mit der Geistlichkeit zu verhandeln Die Qurttalk- beichten müssen in schulfreien Stunden gehalten werden, ’ür den Erstkommunionunterricht werden nur den 13 und 14jährigen zwei Schulstunden freigegeben. Eine plan­mäßige Seelsorgerarbeit auf all' diesen wichtigen Ge­bieten ist in solchen Städten ausgeschlossen. Em feelen- eifriger Psarrer sagte mir einmal: „Wenn ich diese Schulkämpse zehn Jahre zu führen habe und trotz meiner Bemühung sehen muß, wie meine Juge d in Masse ver- i loten geht, dann bin ich im kräftig en Mannesalter dienstunfähig.'

Alle angeführten Argument« sind Taisachen, die sich durch Versprechungen nicht aus der Welt leugnen lassen. Darum katholische Mitbrüder, katholisches Volk, helft retten unsere katholische Jugend, unsere katholischen Bonisaliusschulen in der DiaSpora.

sie ein Wort, das dumpf in das Ohr drang und sie erschaudern machte: „Ja!"

Tie junge Frau schien plötzlich zu frösteln, denn sie zog das lose um ihre Schultern hängende Spitzen- getoebe dicht an sich. Sie beugte den Kopf und blickte schweigend nieder zur Erde. Sie forderte den fremden Mann nicht auf, sein Wort wahr zu machen.

In diesem Moment erwachte in ihr ein Be­dauern darüber, däß sie ganz anders geartet war, wie andere.

„Sie sind ein seltsamer, ganz außergewöhnlicher Mann", sagte sie leise.

Er schien die Worte nicht gehört zu haben, träu­merisch blickte er wieder in bte Ferne. Die junge Witwe bemerkte es, sie dachte unwillkürlich des an­deren, der dieselben Gewohnheiten gehabt hatte im Leben. Ihr Gatte war oft mitten im Gespräche verstummt, und seine melancholischen Augen hatten ins Leere geschaut für lange Zeit. Sie hatte diese Gewohnheit an ihm nie leiden mögen, merkwürdig, ganz merkwürdig, daß dieser sagenhafte Mann an ihrer Seite dieselben Gewohnheiten hatte. War es sticht eine sonderbare Laune der Natur, daß die bei­den sich auch hierin so ähnlich sahen. Auch im Cha­rakter waren sie gleich. Enrico von Tarent war auch ein so ideal veranlagter Mann gewesen, sein Fühlen und Denken war stets anders gewesen, wie das ihre.

Ging -er denn immer noch nicht? Der Zweck sei­nes Besuches war erfüllt, er hatte ihr sein Beileid ausgedrückt, was wollte er mehr? Dabei fühlte si< sich hingezogen zu diesem so außerordentlicher. Manne, der so alt war an Jahren und doch so junc an Körper und Kraft. Während dieses Stillschwei, a-'ns empfand sie ganz deutlich wieder, daß eine ge­heimnisvolle, magnetische Kraft von ihm ausging, sie fit Hk diese Gewalt im innersten New. Sie ver­suchte da Taen anzukämpfen, vergeblich, ein fremder Wille hielt sie gefangen, gefeffelt, willen- und kraft­los. Diese Gewalt abzuschütteln, war unmöglich,

* Wirtschaftlicher Niedergang der katholische»» Völker.

I .Wer kennt ihn nicht, diesen alten Kriegsschimmel, I auf dem die oberflächlichste Bekämpfung des Katholi- I zismüs ihre Attacken reitet gegen die katholische Kirche.

Um nämlich die kulturelle Minderwertigkeit wenn nicht Unbrauchbarkeit des Katholizismus darzutun, wird die „Kulturbilanz" der katholischen Kirche an dem wirtschaftlichen Niedergang der „katholischen" Völker aufgemacht, und natürlich als Unterbilanz. Das ist eine sehr bequeme Beweisführung, aber auch eine, die nur möglich ist bei der unglaublichsten Vergeßlich­keit, bei der einfach alles vergessen wird, was als wich­tigster Umstand berücksichtigt werden müßte.

Vergessen wird zuallererst, nach den w i r t s ch a f t- lichen Lebensbedingungen der „katholi­schen" Völker zu fragen, solche einmal vorausgesetzt! Man sollte erwarten dürfen, daß, wo man von der wirtschaftlichen Lage eines Volkes redet und diese mit der eines andern Volkes vergleicht, nicht die Reli­gio n als Äergleichsobjekt hervorgehoben würde, son­dern das, was für den wirtschaftlichen Fortschritt die unerläßlichste Bedingung ist, die Wirtschaft- lichen Faktoren: z. B. die geographische Lage an den großen Welthandelsstraßen, das Klima, die Bodenerzeugnisse, die Fruchtbarkeit usw. eines Landes, in dem ein Volk wohnt. Wer würde z. B. nicht hell auflachen, wenn die Religion der Eskimo mit der der Nordamerikaner verglichen und als minderwertig be­zeichnet würde, weil Nordamerika einen großen Ge­treideexport hat, das Gebiet der Eskimos aber nicht. Um kein Haar vernünfiger ist der so beliebte wirtschaft­liche Vergleich der „katholischen" Völker mit den pro­testantischen. Solange das Mittelmeer die große Welt- Handelsstraße bildete, waren die katholischen Handels­städte Italiens die wirtschaftlich reichsten, nicht weil sie katholisch waren, sondern weil sie die gute, aus­gezeichnete Geschäftslage hatten. Als die Handelsstraßen sich verschoben nach dem Atlanttschen Ozean, kamen Spanien und Pottugal an die Reihe nebst England und Holland. Und in einem Zeitalter der Maschinenkultür, wo es in erster Linie auf den Besitz von Kohlen ankommt, hatten die Länder, welche große Kohlenlager besitzen, es leicht, eine Vorrang­stellung zu gewinnen. Daß in einem solchen Falle ein katholisches Volk hinter keinem andern zurücksteht, zeigt das industriell so hoch entwickelte Belgien, das selbst­redend bei diesen Vergleichen auch — vergessen wird.

Vergessen wird aber weiter, daß das rasche Zusam- j menraffen eines großen Vermögens nicht immer das Zeichen einer gesunden Volkswirtschaft ist. In dieser Beziehung wird ja jüdischer Geschäftssinn ge-

Der Graf von Tarent.

65] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Beide schwiegen. Sie hatte ihm ihr Gesicht zu- zewandt und sinnend betrachtete sie ihn. Aufs neue fttl ttr auf, daß er so Ungemein ähnlich war mit dem -«erstorbenen. Auch hatte sie vorher schon die Wahr- wchmung gemacht, daß die Haltung des Besuchers lebe seiner Bewegungen anders war, als bei 3Ren« Wen tn seinem Alter. Da war nichts Müdes, Kränk- ucheS, nichts, was auch nur im mindesten auf den Niedergang der Lebenskraft schließen ließ. Im Herbste des Lebens stehend, schien dieser seftsame Mann die Elastizität und Kraft der jungen Mannes- lahre zu besitzen.

'Hoheit, Sie schauen immer so ernst, so trauer* Li 'JQ9te fie' „man möchte glauben, Sie hätten «o? Ihrer Jahre nie die Freuden des Lebens kennen gelernt. Sie sehen aus, tote ein Mann, dem schweres

auf der Seele liegt. Alle Welt weiß, daß Sie ^stncksgüter besitzen, wie kein anderer, mit Geld läßt stch alles erkaufen und genießen."

»Mcht alles, Gräfin, nicht Liebe und Treue!"

„Ah, eine Frau hat Sie getäuscht im Leben?" ., „Ja, sie hatte eine schwarze Seele, und ich em- s-Uk eS öu spät." Anita von Tarent fühlte eine Sympathie in sich erwachen für diesen me- h»rS’‘,'c$en' geheimnisvollen Mann. Eine mag- i l'jche Kraft, die alles durchdringt, besiegt, unter* her r verglich ihn im Geiste mit dem Manne, ne hebte und den sie geliebt. Hier die ungezügelte wenschast, der rohe Willen, der Egoismus, der -.oste Unglauben an alles, was göttlich ist und

et °Q ker Glaube an das Ideale, das Reine, die r und Stärke ohne die Brutalität, dazu der > genhafte Nimbus, die Kraft des Geistes und des oh-* 5" - Bild des Geliebten verblaßte im Ver- E-ic ' Farben schwanden, dieser Mann an ihrer . le wog Hunderte seinesgleichen auf — sie fühlte t.-1™ 5llnerftert des Herzens. Hätte dieser sagen- tVj" Anim bic Arme um sie geschlungen und ge-

Allst Du mein sein und mit n.'r meine Le- rvahn wandeln? Sie w bekennen mit ja, ja

। rühmt, aber ist es deshalb jemand, der die „katholi­schen" Völker des wirtschaftlichen Rückgangs anklagt, I jemals eingefallen, daß sich aus diesem Umstand das I I u d e n t u m als die beste Religion empfehle? Und I doch müßte diese Folgerung gezogen werden. , Der I Volkswirtschaftsprosessor Sombart hat von diesem I wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus dem Judentum ein 1 großes Loblied gesungen, und er schließt seine Schil­derung mit dem glänzenden Bild: „Wie die Sonne I geht Israel über Europa: wo es hinkommt, sprießt I neues Leben empor, von wo es wegzieht, da modert alles, was bisher geblüht hatte." Aber er muß sich sagen kaffen, daß er damit einen ursächlichen Zusam­menhang konstruiett, wo gar keiner ist, und daß er den I äußern Teilerfolg der Juden über den Gesamterfolg des Volkes stellt.

Man vergißt ober in dieser so beliebten Beweis- I führpng die Hauptsache, nämlich die Antwort auf die Frage: wo denn diese „katholischen" Völker I eigentlich sind? Man hat sich ganz daran gewöhnt, I von einem „protestantischen" Deutschland zu reden, I und dieses dann mit den romanischen Ländern in Ge­gensatz zu bringen, als ob ganz Deutschland nur von Protestanten bewohnt wäre und nicht auch von 23 I Millionen Katholiken, und diese nicht auch beteiligt I ir iren an der wirtschaftlichen Bedeutung etwa der Rheinlande und Westfalens. Und will man denn wirklich Spanien und Portugal, mit denen diese Po­lemik ständig paradiert, als „katholische" Völker aus- I geben, als ob dort die katholische Kirche stets unge- I hindert chren Einfluß hätte entfalten können, und nicht feit fast 200 Jahren dort durch kirchenfeindliche I Regierungen gehemmt und gehindert würde?

Man vergißt ober vor allem auch die Geschichte I und die Ausplünderungen, welche der katho- I Ilsche Volksteil über sich hat ergehen lassen müssen. I Das einzige Wort Irland redet hier eine überlaute

I Sprache.

„Es gibt," sagt hierzu M a u s b a ch , „eine Rückstän. I digkeit katholischer Länder, die vorn geschichtlichen Stande punkt keine Diakel für die einheimischen Katholiken, wohl aber eine furchtbare Anklage wider ihre protestantischen Bedrücker bildet; die Geschichte Irlands mit der rohen und raffinierten Aussaugungspolitik der protestantischen Landlords, dem Räumungsshstem, der Verdrängung der katholischen Bevölkerung war bis 1881 ein derartiger Hohn aus alle Kultur und Menschlichkeit, daß noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts G. de Beaumont schreiben konnte, die Luge des irischen Bauern sei schlim­mer, als die des Sklaven an der Kette und des Indianers in der Wildnis" (Religion, Christentum, Kirche III 108, Vertag Küsel, Kempten).

Das führt uns dazu, einmal im eignen Va­terland Umschau zu halten und zu erinnern an die ungeheure Umwälzung nach den napoleonischen Kriegen und der S ä k u l a r i s a t i o n, die der ka­tholischen Kirche eine unermeßliche Einbuße ge­bracht hat und selbstredend für den Wettbewerb der Katholiken auf allen weltlichen Kulturgebieten über­aus verhängnisvoll werden mußte und geworden ist. Wem aber kam das zugute als dem Protestantismus, der jetzt durch Ucbernahme katholischen Besitztums sich leicht aufschwingen konnte. Aus einen andern Punkt weist Mansbach hin in folgenden Worten:

„Von den Höfen und ihren zahlreichen Beamten gehe« Erweise der Gunst und praktischen Förderung aus, bte sich nicht statistisch nachweisen lassen, aber in den bevor, zugten Familien und Schichten naturgemäß die Anvart- schäft aus leitende Stellen im Staate lebendig erhalten Bismarcks sarkastischer Ausspruch: .Gibt's denn noch einen unversorgten von Mähler?' mag uns diese Kon- nexionen beleuchten, die den Katholiken in fast allen Bundesstaaten sozusagen verschlossen sind, zumal dort, wo katholischer Adel sich aus Pietät gegen frühen dynastische Beziehungen lange vom Hof- und Staatsdienst ferngehalten hat. Einzelne Staaten zeigen bis heute ihren protestantischen Charakter durch rückständige und intolerante Rechtshestimmnngen. Preußen hat sich tra­ditionell als Vormacht des Protestantismus gefühlt und selbst im neuen Reiche haben führende Politiker wieder­holt daS Schlagwort vom.evangejischen Kaisertum nach, gesprochen, wogegen Bayern im höfischen und politischen Leben dem Protestantismus mehr als paritätisch ent- gegenkam" (S. 215).

Nicht vergessen fei der Hinweis auf das Bildungs­defizit der deutschen Katholiken, das immer wieher hervorgehoben wird, insofern die Katholiken zu den gelehrten Berufen nicht die ihrer Zahl entsprechende Quote von Leuen stellen. Man vergesse auch hier nicht, wie die Säkularisation durch ihre brutale Auf­hebung der Klöster und Orden so manche Bildungs­anstalt vernichtet hat, für die ein vollwertiger Ersatz bis zur Stunde nicht gegeben worden.

„Wer Deutschland aufmerksamen Auges durchwan­dert," sagt Mausbach in der angezogenen Untersuchung „erblickt in allen Landesteilen Hunderte von herrlichen

! xPolengesetz nnd innereKolouisaiion.

Im MbgeordnÄenhaufe zeigte die erste Lesung der neuen Ostmarkenzulage, die in dieser Woche stattfand, auch bei denjenigen Parteien, die dem Ge­setzentwurf zustimmten, keine Spur von Begeiste­rung. Vielmehr konnte man aus den Reden des Landwirtschaftsministers wie der Konservativen und Nationalliberalen heraushören, daß sich dje Herr­schaften in ihrer Lage gar nicht so recht wohl fühlen, und daß sie den Weg nur darum fortsetzen, weil er nun einmal eingeschlagen ist.

Daß er nicht zum Ziele führen kann, darüber dürfte sich eigentlich niemand im unklaren sein. Schon die Begründung des Gesetzentwurfes allein bringt die schlagendste Widerlegung gegen den zurzeit be­liebten Polenkurs, indem sie nachweift, daß nicht nur nicht eine Zurückdrängung des Poloniums in den Ostmarken ftattgefunben, sondern daß dieses auch noch einen Zuwachs und eine Kräftigung auf den verschiedensten Gebieten erfahren hat. Die Begründung des neuen Gesetzentwurfes ist eine Kronzeugin für die Behauptung, daß gerade diese Polengesetze direkt und indirekt eine Verstärkung der polnischen Nationalität zur Folge haben werden. Ausdrücklich heißt es in den Motiven:

„Infolge des wirtschaftlichen und kul­turellen AuffchwungS, den die beiden Provin­zen durch die außerordentliche Förderung der Staatsverwaltung genommen haben, konnte das Polentum einen leistungsfähigen und tatkräftigen M i t t e l st a n d hervorbringen, der an Stelle des pol- nifchen Adels Träger des Wider st andes gegen das preußisch-deutsche Staatsleben geworden ist. Stärker als zuvor lebt in der gesamten polnischen Bevölkerung der Glaube an ihr Volkstum."

Hier wird also klar und deutlich das Vorschretten des Polentums als Folge der preußischen Polen- polittk bezeichnet. Welchen Nutzen dabei diejenigen, gegen die sich die Gesetzgebung richten soll, gehabt haben, das weist die Begründung gleichfalls mit be-

Er schaute ihr voll ins Gesicht, schaute sie so son- , ..... ..

betbar an, ton roch keiner vor ihm getan, wie sie es mochte nicht zu entrinnen — sie konnte es nicht! noch bei fc’ Menschen oefcbc- ut< dann hörte I (.^ortfetiuno folgt.)

„Ich begreife die Frau nicht, die Sie getäuscht", sagte sie langsam, „es wäre mir wissenswert, zu er­fahren; trauern Sie noch um den Verlust? Haben Sie nicht wieder lieben gelernt?"

„Ja, 'ich habe wieder lieben gelernt, ich liehe un­säglich, mit aller Kraft des Männerherzens."

Anita von Tarent wandte den Blick von ihpt und schaute zu Boden. Ein heißes, nie gekanntes Gefühl stieg in ihr auf, sie haßte die Unbekannte.

„Jene andere betrauere ich nicht", fuhr er fort, „sie hat einen Körper ohne die Seele mit dem Göt­terfunken, mein Sein ist von ihrem Sein getrennt für immer. Eine Welt steht zwischen chr und mir, zwischen ihrem Denken und Fühlen und dem meinen. Bon der Natur mit der Schönheit ausgestattet, er­scheint mir ihr Gesicht im Wachen und im Traume nur als grinsende Sarbe, hinter der die Sünde ver­borgen ist und die Schmach."

„Ist viel Zeit vergangen, seit dieses unglückliche Weib Sie getäuscht, Monseigneur?"

„ Ich war noch ein junger Mann!"

Sie begriff ihn nicht mehr. Es war also vor langer Zeit gewesen, Jahrzehnte waren darüber hin, wie konnte das noch an feiner Seele nagen?

„Nachdem Sie einmal sich getäuscht fanden, Ho- hett, glauben Sie nun an Liebe und Treue bei der anderen?" Die Gräfin hatte die Wotte in lauernden» Tone gesprochen.

Ter Prinz wandte ihr das Gesicht voll zu und schaute sie verwundert an. „Gewiß, glaube ich dar­an, wie ich an alles glaube, was gut, rein und schön ist. Hat ein Weib in meinem Leben sich als Sünderin bewiesen, so bedingt das nicht eine Ver­urteilung aller, die ihres Geschlechtes sind. Sprießt nicht Unkraut hervor im sorglich gepflegten Blumen­garten? Der Gärtmr jätet das Unkraut aus und schont die Blume. Ich hoffe noch ein glücklicher Mann zu werden aus dieser Erde, ich weiß, daß Gott nicht die Herzen zusammengeführt nur zum Leiden und Entsagen. Ich harre und warte."

Tie junge Frau vermochte nichts zu antworten. Das Fühlen und Denken dieses Mannes war so ganz, ganz anders, wie bei ihr. Sie konnte ihn be­wundern, aber nicht ihm ähnlich werden im Geiste. Sie fühlte daß eine tiefe unüberbrückbare Kluft ztoi- I

rebten Zahlen nach. Die Polen haben chren Land­besitz in Westpreußen und Polen in den 17 Jahren von 1896 bis 1912 um 994 Quadratkilometer ver­mehrt. (Ein Reingewinn, den die Deutschen tm Jahre 1912 erzielt haben, ist nur durch zwei ganz ungewöhnliche Einzelfälle hervorgerufen worden.) Sodann sind im Jahre 1911 zu den am Schluffe des Jahres 1910 vorhandenen 24 polnischen Parzellie­rungsbanken sieben neue hinzugetreten, ferner im ersten Halbjahr 1912 eine Kommanditgesellschaft und drei Gesellschaften mit beschränkter Haftung zum An- und Verkauf von Gütern und Grundstücken und zu ihrer Parzellierung sowie zum Betteiben bankmäßi­ger Geschäfte. Auch die Entwicklung der deutschen Bevölkerung steht in gar keinem Verhältnis zu dem Aufwande von 725 Millionen Mark, der bisher ge­leistet worden ist. In den Regierungsbezirken Ma­rienwerder und Bromberg ist wenigstens ein geringes Vordringen des Deutschtums bemerkbar. Im Dan­ziger Bezirk dagegen hat die deutsche Bevölkerung trotz ihrer beträchtlichen Ueberzahl geringere Fort- schritte gemacht als Polen und Kaffuben, und im Regierungsbezirk Posen ist das numerische Bevöl­kerungsverhältnis zwischen Polen und Deutschen ebenfalls schlechter geworden.

Daß mit einer Summe von drei Viertel Milliar­den etwas geschaffen werden kann, liegt auf der Hand, und daß in den gemischtsprachigen Gebieten des Ostens auch wirklich etwas geschaffen worden ist, kann man ruhig anerkennen. Wo das Geld derartig mit vollen Händen ausgegeben wird, da muß schon wirtschaftlich und kulturell in mancher Hinsicht Nutzen gestiftet werden. Aber immer wieder ist zu beachten, daß der p o l i t i s ch e Zweck des ganzen Ansiedlungswerkes absolut nicht erreicht ist, ja, daß man dem Ziele ferner ist als je.

schen ihm und ihr gähnte. Sie empfand, daß dieser ideal angelegte, sagenhafte Mann, dem die Natur den Stempel der Wahrheit ins Gesicht gegraben, fie nicht lieben konnte, denn sie bekannte sich, daß sie seiner nicht wert wäre. Dabei stieg aber ein Be­dauern in ihr auf, daß sie ihn nicht früher kennen gelernt, zu einer Zeit, da fein Herz vielleicht noch frei war von dem Bilde der Unbekannten.

„Werden Sie mich unbescheiden finben, Gräfin, wenn ich frage nach dem Namen des Freundes, der zu. Ihnen stand in den Stunden Ihres schwersten Leides?" Der Prinz hatte die Frage in ruhigem, gleichgültigem Tone gestellt, er blickte dabei, wie sie gewahrte, wie traumberloren ins Weite.

„Sie kennen ihn, Hoheit und haben in Rom, vielleicht auch schon hier mit chm verkehrt, es ist Baron Auatole von Meneville."

„Ah, in der Tat, ich habe mit ihm verkehrt, nun erinnere ich mich auch, daß man ihn im Gespräch mit Ihnen in irgendeiner Weise in Verbindung brachte. Die Sache ist mir etwas aus dem Gedächt­nis. Dabei fällt mir eben ein, daß ich es war, der den Baron zum Staunen brachte, indem ich alter Mann ihm Vorfälle ins Gedächtnis zurückrief, die sich zwischen dem berftorbenen Tarent und ihm zu- getragen."

„Das ist entsetzlich, man möchte sich fürchten vor Ihnen, Hoheit."

„Mich fürchten?" antwortete der Prinz lächelnd. „Sie tun meinem Rufe als Geisterseher und Wahr­sager zu viel Ehre an, teure Gräfin."

„Mein Gott, jeder Mensch hat Geheimnifle in sei­nem Leben — vor Ihnen schnitt aber keines sicher. Der Wahrheit die Ehre,' Monseigneur, ich habe ganz Schauderhaftes mir von Herrn von Meneville erzäh­len lassen über Ihr Wissen und Können — könnten Sie zum Beispiel in mein vergangenes Leben zurück- schauen?"

„Schöne Frau, zügeln Sie Ihre Neugierde!"

„Ich bestehe auf einer Antwort — könnten Sie mir, wenn ich darauf bestände, meine Verganqenhett enthüllen?"