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Hr. 62»
€rftes Blatt.
Samstag den 15. HTärz 1915.
40. Zahrgang.
Preußischer Landtag
HrrreahauS.
Sitzung bom 14. März 1913.
Der Entwurf einer Hinterlegungsordnung wird debattelos in der bom Abgeordnetenhause beschlossenen Form angenommen.
Eine Petition bon Haus- und Grundbcsitzerbereini- gungen in schlesischen, rheinischen und westfälischen Industrie- und Kohlenbezirken fordert eine Aenderung des Berggesetzes im Sinne einer Erweiterung des Schutzes des Grundeigentums gegen Beschädigung durch den Bergbau.
Die Kommission beantragt, die Regierung zu ersuchen, eine liberale Auslegung der Bestimmungen über die Einsichtnahme der Grubenbilder im Wege einer Instruktion der Rebierbeamten in Erwägung zu nehmen, tm übrigen über die Petition zur Tagesordnung überzugehen.
Tas Haus schließt sich dem Beschlüsse der Kommission an.
Etliche Gesetzentwürfe, betreffend Schaffung neuer AmtZgerichtsbezirke, werden dcbattelos angenommen.
Damit ist die Tagesordnung erledigt.
Nächste Sitzung unbestimmt.
Je* Der Aufschwung Der konservativen Partei.
Den praktischen Wert von großen Parteitagen darf man nicht zu hoch schätzen. Sie machen eigentlich n cht die Politik, aber sie bekunden die Willens- richlung und die Willenskraft in der Partei, und je besser diese Demonstration gelingt, desto größer ist die änseuernde und weroende Nachwirkung.
Der „Allgemeine deutsch-konservative Parteitag", der am Donnerstag in Berlin statlfand, darf als eine wohlgelungene Veranstaltung bezeichnet werden. Sein Verlauf bekundete nicht bloß die Eintracht der konservativen Partei und die volle Harmonie zwilchen Führer und Gefolgschaft, sondern auch einen sehr hohen Grad von Entschlossenheit, Arbeitslust und Zuversicht. Die Versammlung wurde von dem Gefühl beherrscht: Es geht vorwärts mit der konservativen Sache!
Obschon wir nicht mit allem übereinstimmen, was da geredet und beschlossen wurde, müssen wir doch auettennen, daß die zuversichtliche Stimmung tn den konservativen Reihen eine gewisse Vcrcch'.igun-g hat. Die vorjährigen Reichstagrwahlen, die unter dem verwirrenden und vergistenden Einfluß der Eteuerh tze standen, waren eine sehr ernste Prüfung für die Rechtsparteien. Aus dieser Gefahr ist die konservative Partei »mit einem blauen Auge* heraus- gekommen, und das war nach Lage der Verhältnisse schon ein Erfolg. Seitdem hat die konservative Sache sich gedeihlich weiter entwickelt, namentlich in Süddeutschland, so daß die Rechtsparteien künftigen Wahlen mit größeren Hoffnungen entgegensetzen können.
Woher kommt daS? Die Konservativen werden selbst nicht leugnen können, daß die Hilfe des Zentrums ihnen schon wesentlich zugute gekommen ist. Auf der andern Seite haben sie auch von den Fehlern der Liberalen profiliert. Im Zusammenhang damit steht die schwere Besorgnis, die das starke Anwachsen der Umsturzpartei in den bürgerlichen Kreisen hervorgcrufen hat.
Die Hilfe der Zentrumspartei bei den ReichStags- wahlen hat bekanntlich dazu mitgewirkt, daß die Deutschkonservativen dabei verhältnismäßig viel besser abschnilten, als die Freikonjervaliven. Auf dem Parteitag wurde besonders der Erfolg der Konservativen in Württemberg heroorgchoben. Wieweit zu diesem glänzenden Ausstieg in Württemberg das Zentrum initgewirkt hat, ist ja bekannt genug. Mancher könnte nun die gebührcnde Anerkennung des Zentrums auf dem konservativen Parteitag vermißt haben. Doch wollen rou darüber nicht rechten. Alan weiß ja, daß der Evangelische Bund aut der Lauer steht, um jedes freundliche Wort an die Zentrumsadresse auszubeuten zur Auipeitschung der leider noch bestehenden Vorurteile im protestanischen Volke. Unter diesen Umständen muß man es schon als gutes Zeichen buchen, daß die konservative Partei im Reichstage sich nicht unbedingt und rückhaltlos auf die Verweigerung des Jesuitengesctzes festgelegt, sondern, mit einem ..so lange tudjt* den Weg zum Ausgleich offen gehalten hat. Im übrigen hundelt die Zentrum Spartei nicht um der schönen Augen der Konservativen willen, sondern rinsach nach ihrer Ueberzrugung von dem, was das Gemeinwohl erheischt.
, Zweitens kämen den Konservativen die Fehler des Liberalismus zugute. Bonden Freisinnigen, die ich durch ihre rote Stoiec geradezu abschreckend geflacht haben, brauchen wir weiter nicht zu reden. Aber auch die Linke der nationallibcralen Partei lat durch die Unterstützung mancher sozialdemokratiicher meichstagstandidaten, durch die Teilnahme an süddeutschen Großblock-Verirrungen und durch die Stimmabgabe für Bebel und Scheldemann, als Reichstags- präsidenien vielen staatstreuen Bürgern Aergernis geseben und die Werbetraft der konservativen Partei verstärkt. Wollen die besonnenen Nalionalliberalen dem enigegenwirten, so müssen sie entschieden einen Schnitt machen durch die letzten offei en oder geheimen ffäoen, die ihre Partei zur Sozialdemolraiie noch Unübe führen.
. Tas starke Anwachsen der Sozialdemokratie bringl als natürlichen Rückschlag die Volts!ümlichleU der konservativen Partei mit sich. Wir billigen v>cht die koniervatwe Neigung zu Zwangs- und Kampfmitteln gegen die Souatdemokratie, da es stch doch um mehr, als eine materielle Macht «raue fandest. Aber begreiflich ist diese .reaktionäre' Strömung, u b' wer sie einjchränken will, der wirke Mr eine Sammlung? Politik, die bei den nächsten Wahlen die Umsturzparlei wieder aus ein ertrag iches 8<rß zurück) ührt.
Deutsches Mch.
$ Berlin, 14. Mäiz 1013 Der Kaiser machte einen Spaziergang tm Park des Schlosses Bellevue und nahm bietauf den Vortrag des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts, v. Jagow, entgegen. — Landwirtschaflsminister Frhr. v. Schorlemer hat eine Oäerurlaubsreise nach Italien angetreten.
* Zum Neiperuiigsjubilinun des Kaisers ist den Seginargen über die Absichten des Monarchen hinsichtlich dec Feier folgendes kundgegeben worveit. Am Sonntag den 15. Juni, als dem Todestag Kaiser Friedrichs, soll von jeder öffentlich n Feier abgesehen werden. Rur soll bei den Gotlesdiensten tm allgemeinen Kirchengebet der Bedeutung des Tages durch eine besondere Fürbitte für den Kaiser gedacht werden. Am ■Montag, den 16. Juni, sollen Schiil'eiern abgehalten tind die öffentlichen Gebäude beflaggt, von einer Illumination abgesehen werden. In soweit von den einzelnen Behörden, ©cmetnbcn und Vereine ein? defonddte lokale Fner geplant wird, soll diese tunlichst am 16. Juni statlfinden. 7000 Berliner Schulkinder weiden dem Kauer an einem der Festtage auf dem Hofe des Berliner Schlosses eine Huldigung in Form eines Moigcnstänbcheus barbringen.
4- Der Aufruf zu Beitrügen für eine Nalionalspenbe für die christlichen Mi sionen in unsein Kolonieit und Schutzgebieten, dir dem Kaiser bei dem bevorstehenden 25jährigen Re gierungsj ubilkum überreicht werden soll, hat, wie aus veischiedenen Anzeichen erkennbar, tm evangelischen Bolksieil gewaltigen Widerhall gesunden; schon ganz bedeutende Summen sind für den genannten Zweck von einzelnen wie von Körperschaften gezeichnet worden. Nicht zuletzt ist dies dem sofort nach Erscheinen des Ausrufs einsetzenden regen- und tat« krustigen Wirken der in den einzelnen Teilen des Reiches in Tätigkrit getretenen OrissomUees zu danken. Wenn es noch eines Anstoßes sür die Katholiken bedürfte, auch eifrigst zu dem hohen Zweck beizuiragen, so muß es das Gefühl deS edlen Wettbewerbs sein, in Opferwilligkeit sich von niemanden übertreffen zu lassen, zumal wenn es eine solch große, gleichmäßig im Jntereffe der Kirche wie des Vaterlandes liegende Sache gilt. Der Kaiser hat die Annahme der Spende davon abhängig gemacht, daß auch der katholische Vollsteil sich an ihr beteilige. Also auf an dle Arbeit in allen katholischen Kreisen! Versäumen wir die Gelegenheit nicht, außergewöhnliche Mittel unwrm Glaubensboten draußen über dem Ozean zuzuwenden und ihnen ihre schweren Sorgen etwas zu verringern. ES sei noch bemerkt, daß die Spenden der Katholiken nur für katholische Missionen verwendet werden. Hat ein Geber den Wunsch, einer ganz bestimmlen Mission seine Spende zuzuwenden, so genügt diese Angabe bei der Ablieferung des Geldes.
Mit der Urbarmachung der staatlichen.Hochmoore in Hannover dürfte sofort begonnen weiden, sobald die Mittel, die in der soeben dem Abgeordnetenhause zugegangenen Kreditvorkaae enthalten sind, in der Höhe von 12 Millionen Mark bewilligt worden sind. Es wird damit gerechnet, daß innerhalb eines Jahres 900 bis 1000 Ma k Hochmoorfläche wird kultiviert werden können. Die Flächen sollen nicht in Selbstbewiuschastung genommen werden, sondern es ist geplant, sie an Besitzer zu mäßigen Sätzen zu verpachten, die ihr Vieh auf die Weide gehen lassen.
+ Im Jntereffe der Zentrumspartei unternimmt gegenwärtig das Mitglied des Abgeordnetenhauses, Generalleutnant z. D. Freiherr v. Steinaeüer eine Vortragsreise. Die bisherigen Vorträge in Köln, Mülheim und Krefeld find mit großem Beilall aufgenommen worden. Die Kölner Windt- horstbundc konnten nach dem glänzenden Vortrage nicht weniger wie 97 Neuaufnahmen verzeichnen, ein Beweis dafür, daß Exzellenz v. Steinaecker den Eifer der jungen Garde des Zentrums mächtig gestärkt hat. In seinen Vorträgen behandelt Freiherr v. Stein- accker hauptsächlich die Zeit vor 100 Jahren unb diejenige von 1870/71, worüber er bereits zwei von der gesamten Presse mit grobem Beifall aufgenommene Werke („Kampf und Steg vor 100 Jahren* und „Unter den Fahnen Hohenzollerschen Füselier-Regi- ments Nr. 40 tm Kriege 1870/71*, Verlag Bachem, Köln) verlaßt bat. Besonders aus den Tatsachen des Krieges 1870/71 sucht Exzellenz v Steinaecker Lehren zu ziehen für die jetzige Generation.
(*) Die neuen Stenern. Der ,Berl. Lokal-Anz/, der bekanntlich öfters offiziös bedient wird, schreibt:
Alle Meldungen von bestimm-en Beschlüssen über die dem Reichstage vorzuschlagenden Steuerarten eilen den Ta fachen vo.au r. D:e Finai-zniiniilertonferenz, die übrigens noch am Mittwoch eine inoffizielle Fort- letzung in zwanglosen Beivrechuugen emzelsiaailicher Minister, die ihren hiesigen Aufenthalt verlängert hallen, tm Reichslchatzamt gesunden halte, war hinsichtlich der Deckung der laufenden Heeresausgaben noch zu keiner endgi'ltigen Entscheidung gelangt. Auf Grund der eingehenden Besprechungen werden gegenwärtig im Reichsschatzamt verichiedene Sie. erenlwürle weiter ausgeardeilet, um alsbald dem Bunvesral unter« breitet zu werden. Tort erst wird enischieden weide», welcher dieser Entwürfe dem Reichstag vo> gelegt werden loU. Bis dahin entbehren alle Meldungen hierüber der festen Unterlage.
„Gegen den Riistunfswahnsinn. Die ftan basischen und deutschen Sozialbemokraten haben bekanntlich gemeinsam einen Protest gegen oen „Aii- stungs-Wahnsinn" veröffentlicht. In dem „Manifest", welches der „Vorwärts" in Nr. 51 in deutscher und französischer Sprache bekannt gibt, erhebt die Sozialdemokratie in ihrer bekannten Bescheidenheit den Anspruch darauf, als „Wortführerin des deutschen Volkes" angesehen zu werden. Es wird gegen die unaufhörlichen Rüstungen protestiert und eine schiedsgerichtliche Einigung über alle Streitigkeiten zwischen den Völkern gefordert. Weiter wird gefordert die Beseitigung des'stehenden Heeres unb Einführung einer Volkswehr auf demokratischer Grundlage. Dann heißt es wörtlich:
„Wenn aber trotz ihres entschlossenen Wtdcistcindk» den Böllern neue mtliläniche Ausgaben auserlegt werben, Io wird die S vaiCemofratte beider Länder mit aller Energie dafür lampten, daß die finanziellen Lasten auf die Schullern der Wohlhabenden uno Reichen abgewälzt werden."
Schade, daß die deutsche Reichsregierung diesen Gedanken auch gehabt hat und dabei ist, ihn in Wirklichkeit zu übersetzen. Noch mehr schade, daß die französischen Genossen auf die französische Regierung so wenig Einfluß haben, um ihr die gewünschte Ab- rüstungspolitik zu diktieren. Und doch ist der französische Ministerpräsident B r i a n b bcrselbe Brianb, ber einst Generalsekretär b e r Sozialdemokratie Frankreichs war. Unb ber bisherige Kriegsminister M i l l e r a n b ist gleichfalls S o- zialbemokrat.
* W imar, 14. März 1913. Der Lanbtag ge- nehmtgte heute die Regierunosvorlage über den Neubau des Gocihe-Nattonalmuseums in Weimar, der 114,000 Mark eriordert. Für den Neu au der chirurgischen Klinik in Jena wurden als 2. Nate 550000 Mark einstimmig bewilliat.
* Aus dem Bezirk Trier, 14. März 1913. Man schreibt der „Köln. Ztg.": Nach den Reichstagswah- lea von 1907 wurde int Bezirk Trier durch den damaligen Regierungspräsidenten, der £tiäter nach Arnsberg versetzt, wurde und dort kurz nach seinem Amtsantritt neunzehn katholischen Geistlichen die Ortsschnlinspektion entzog, verschiedenen katholischen Geistlichen „wegen Mangel an politischem Wohlverhalten bei den Wahlen" die „O r t s s ch u l i n s P e k- tion entzogen. Diese Entfernung ber, Geistlichen aus ber Ortsschulinspektion wirb jetzt im Bezirk Trier burch d:u Regierungspräsibenten Dr. Bald wieber aufgenommen. Denn in ber letzten Z" würben brci Geistliche als Ortsschulinspektoren c gesetzt, einer im Kreise Ottweiler unb zwei im Kreise Saarlouis. Mit diesem Verfahren gegen katholische Geistliche vergleiche man die Worte, die derselbe Rc- gicrungspräsibcnt auf der ersten Generalversammlung der geistlichen katholischen Ortsschulinspektoren in der Aula des bischöflichen Konviktes zu Trier htt Juli v. I. sprach, "nämlich:
Meine Heucn, ich möchte von vornherein darüber keinen Zwesiel lassen, daß tch grundsätzlick unbedingt von der Notwendigkeit der neiftlichen Ortsschulmspellion durchdrungen bin. Wir können und wollen unter keinen Umstünde» auf die tatkräftige und lebens» lle Mitwirkung der Kirche, und ihrer Diener in unterer Volksschule verzichte».
Die Absetzung ber geistlichen Orisschulinspcltoren stimmt mit vorstehenden Worten nicht überein.
* Langenburg, 14. März 1913. Die Bestattungsfeier des Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg fand in Gegenwart der Kaiserin, der Nichte des Verstorbenen und des Prinzen August Wilhelm von Preußen stait. Die Kaiseiin kehrte noch abends nach Berlin zurück.
♦ Breslau, 14. März 1913. Die Zentrumspartci Oberschlesiens beschloß, das Landtagswahlkomprorniß mit den Polen nicht zu erneuern. Die Zentrums- abg. Pfarrer Bresler (Kosel-Leobschütz). Architekt Giemsa (Kaitowitz-Beuwen) unb Stadtpfarrer Peter (Gleiwttz-Tost) lehnten die Wiederaufstellung ab.
Anhand.
♦* Neber die französische Wahlresorm wird gegenwärtig im Senat verhandelt. Ein beträchtlicher Teil der Mitglieber des Senats steht dem Gesetzentwurf ablehnend gegenüber. Man rechnet daher mit der Möglichkeit einer Ministerkrise, die man aber mit allen verfügbaren Mitteln zu verhüten sucht. Wahrscheinlich wird sich tchlicßlich im Senat doch eine Mehrheit finden, weil man augenblicklich um einen Nachfolger sür Br-and in Verlegenheit wäre.
; Vier französische Unterseeboote wegen Mannschasts- mangels außer Dienst gestellt. Aus Verfügung des Mariiieministcriurns werden die Unterseeboote „Alose*, „Anguille*, „Bonite* und „Dorade* sofort bis auf weiteres außer Dienst g-stellt, da sich ein erheblicher Mangel an Mannschaften bemerkbar gemacht hat. Die Besatzung der außer Dienst gestellten Schiffe wird vorläusig zur Dienstleistung auf den großen Schlachtschiffen herangezogen werden, deren Besatzung zur Zeit nur sehr gering ist.
** Englands neue Rüstungen. Der Flottenetat Großbritanniens für 1913-14 beläuft sich auf 46,3 Millionen Pfund Sterling (über 900 Miktionen Mark) gegen 45 Millionen Piund Sterling des laufenden Jahres. Der Etat siebt eine Vermehrung ae§ Personalbestandes um 8500 Mann vor. Dieser soll bis zum März 1914 insgesamt 146000 Offiziere und Mannfckaflen erreichen. Eme Summe von 2052400 Pfund Sterling wird angefordert für den Beginn dcs Baues der Schiffe des neuen Programms, das 5 Schlachtschiffe, 8 kleine Kreuzer, 16 Torpedobootszerstörer und eine Anzahl von Unterseebooten unb HiUsfcbiffen nm faßt.
** Tie 24-Siundenzeit. Der Bund Zratder Schweiz bat beicblossen, dem Antrag seines Eiienbahndeparle- ments auf Einführung ber Stundenzahl 24 unter der Vorausfetzuiig zuzustimmen, daß auch in Deutschland und Oesterreich diese Stundenzählung zur Einführung kommt.
ZN VnIkVkrieg.
T.e Kriedensbedmflungeu der Balkanmächte.
Endlich ist die lcmgerwattete Anlwort der Ber- bünbeten auf den Vermilttungso rschlag dec Mächte erfolgt. Die Balkanstaalen hatten ihre Zustimmung zwar wo fiuell schon vor acht Tagen zu verstehen gegeben, doch hatte die Aufstellung ihrer Bedingungen, die als Grundlage der Friedensveihandlungen dienen sollen, die Neberreichung der Note verhindert. Wir erhalten über bas wichtige Ereianis, das die ^liebens»
frage wenigstens wieder in Fluß bringt, folgend« Meldung:
Sofia, 14". März 1913. Die Bulgarische Telegraphenagentur meldet: Die Regierung hat den Gesandten die Antwort auf den Vermitilungsvorschlag der Mächte üLcrniitelr.
In derselben wird erklärt: Die Verbündeten Balkan. Mächte nehmen die Mediation unter folgenden Bedingungen an:
1. Als Grundlage für die Verhandlungen zur territorialen Abgrenzung zwischen der Türkei und den verbündeten Staaten wird die Linie Rodosto-Kap M a l a t r a mit Ausschluß der Halbinsel Gallipoli, die der Türkei verbleiben wird, angenommen werden. Alle westlich von dieser Linie gelegenen Gebiete, Adria» nopel und Skutari inbegriffen, müssen von der Türkei an die Verbündeten abgetreten werden.
2. Die Türkei wird die Inseln im Aegäischen M e e re obtreten.
3. Sie wird bezüglich Kreta ihr vollständiges Desinteressement zu erklären haben.
4. Die Pforte wird im Prinzip der Zahlung einer Kriegsentschädigung an die Verbündeten, deren Höhe bei dem endgültigen Abschluß des Friedens festge. setzt wird, sowie der Zahlung besonderer Entschä. d i g u n g e n für Schäden zuzustimmen haben, deren Ursache in die Zeit vor dem Kriege fällt. Die verbündeten Siaaien werden an den Beratungen über die Eni« schäl igungcn teilnehmen.
5. Die Verbündeten Balkanstaaten behalten sich vor, im endgültigen Friedensvertrag die Behandlung ihrer StaaiSiNigehörigen und ihrer Kaufmannschaft im Otto- manischen Reiche sowie die Nationalitätenfrage lind die Garantie bezüglich der Privilegien der ortho- doxen Kirche und der staatsrechtlichen Stellung ihre: konnaiionale» ottonianischcn Staatsangehörigen zu regeln.
Die KriegZopera'tionen werden nicht unb terbrochen.
Die Forderungen lauten im allgemeinen so, wie sich nach den Meldungen der letzten Zeit erwarten ließ. Nach der ganzen Sachlage kann man aber nut anuchmen, daß diese Forderungen schwerlich das letzte Wort der Balkanstaaten bleiben werde::; si« sind so unerhört Hari und drückend für die Türkei, daß sie die Pforte auch in ihrer verzweifelten Lage kaum annehmen kann. Mehrere der Forderungen widersprechen scharf den Zugeständuiffen, die die maßgebenden Diplomaten, insbesondere die Wortführer Englands, den Vertretern der Balkanvölker als billig und der militärischen sowie der internationalen Lage entsprechend bezeichnet haben. So ist bekannt, daß z. B. die Forderung der Abtretung von Skutari an die Verbündete!! im unlösbaren Widerspruch steht zu wiederholten Erklärungen der Großmächte, wonach diese die Mgrenmng Albaniens, mit der auch die Frage der Zugehörigkeit Skutaris zu- sarnmenhängt, sich selbst Vorbehalten. Ebenso war in der Gesamtnote der Großmächte in bezug auf die Inseln des Aegäischen Meeres der Passus enthalten, wonach die Pforte die Entscheidung dieser Frage in die Hand der Großmächte legen würde. Ferner fiele durch eine Abgrenzung des türkischen Besitzes, wie er hier verlangt wird, Bulgarien ein Küstenstteifen am Marmarameer zu; es würde also neben der Türkei künftig als Mitbesitzer der Wafferstraße zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer auftreten. Die Eigenart der Dardanellenfrage lag bisher wesentlich darin, daß die Türkei allein Besitzerin der Landesteile zu beiden Seiten der Engen war. Eine Veränderung in dieser Gestaltung zieht allgemeine politische Interessen in Mitleidenschaft, da die Mächte als Unterzeichner der verschiedenen internationalen Abkommen über die Dardanellen- durchfahrt zu jeder Veränderung der Besihverhält- nisse ihre Zustimmung zu geben haben. So zeigt schon ein flüchtiger Blick, daß in der Antwort der Balkanmächte Ansprüche erhoben werden, die nicht nur die Türkei, sondern auch die Mächte in ihrer Gesamtheit wie.einzelne besonders angehcn.
Vielleicht darf man hoffen, daß die Großmächte des grausamen Spiels endgültig überdrüssig >,ewor- den und entschlossen sind, der Begehrlichkeit der Balkanvölker ein Halt zuzurufen. Besonders in London macht sich ein von Tag zu Tag steigender Unmut gegen die Balkanstaaten geltend. Die konservative Times" hat erst jüngst — und überallher antwortete ihr ein zustimmendes Echo — das eigenwillige Verhalten der Balkanvölker gegenüber dem einmütigen Willen Europas einen europäischen Skandal genannt, der nicht länger geduldet werden könne. Die Großmächte dürften sich nicht als Briefträgerdiensten für Montenegro und seine Verbündeten mißbrauchen lassen, und müßten, wenn cs nicht anders ginge, zu einer tatkräftigen Intervention schreiten. Voraussichtlich werden sie jetzt ^nächst versuchen, beide Parteien auf gütlichem Wege zur Nachgiebigkeit zu bestrmmon. Andernfalls aber werden sie ffo wird wenigstens in London und Wien versichert) energische Schritte unternehmen, um eine Fortsetzung des Krieges unter allen Umständen zu verhindern. Leider hat bisher noch niemand verraten, welcher Art diese Schritte sein sollen. Aber die Diplomaten scheinen endlich einzusehen, daß sie die vielen Blamagen der letzten Zeit nicht noch durch neue überbieten dürfen, wenn sie nicht den letzten Rest allen Ansehens verlieren wollen.' Europa muß die Macht haben, den Frieden zu erzwingen, bett, es für gerecht unb für unumgänalid; notwenbig hält.
♦ Wien, 14. März 1913. Die morgige Botschaft terräunion wirb sich mit ber Antwort ber Balkan- floaten unb ber Albauienfrage befassen. An mciß- gcbenber Stelle hält man bie Bebingungen ber Balkanstaaten für unannehmbar.
♦ Paris, 14. März 1913. Tie Antwort ber Bal- fanftaaicn ruft in hiesigen maßgebenden Kreisen nn- verhüllte U n r r i e l> e n h c i t hervor und man