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Fuldaer

tügllch mu r.usnubfüc -Ci 5uui>- unö jtienuyt Uimii- lObdi^jor Bezugspreis ohne Bringerloljn unö Bestellgels In Hulda joolt auswärts 1.50 Mark. Rotallonsörud unö Verlag der t 8 Zuldaer flctienbnidterd bi Hulda. Zernsprecher Nr. S. s S

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Illustrierte Sonntagszeitung | Zuldaer Seschichtsblätler

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fir. 59.

Erstes Blatt.

Mittwoch den 12. Marr 1913.

40. Zahrgang.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenha«?.

-r Sitzung vom 11. März 1918.

Vizepräsident Dr. Porfch gedenkt mit begeisterten Worten, welche die Mitglieder des Hauses mit Aus­nahme der Sozialdemokratie stehend anhörten, der denk­würdigen Gedächtnisfeier des gestrigen Tages, der Befreiung aus fremdem Joche. Er gedenkt dabei der Stiftung des »Eisernen Kreuzes", der „Schaffung der Lanhwehr", der AufruK »An mein Volk" und „An mein KriegSheer", der Helden und Freiheitsdichter und schließt mit den Worten Blüchers an seine siegreichen Truppen: „Rie wird Preußen i ergehen, wenn Eure Söhne und Eure Enkel Euch gleich kommen!" Mögen alle Geschlechter dessen stets eingedenk sein! Wir, das lebende Geschlecht, wollen von Neuem uns geloben« des­sen stets eingedenk zu sein. Zum Ausdruck dieses Ge­löbnisses, zum Ausdruck unserer Hingabe an König und Vaterland, an Kaiser und Reich, Wilhelm II. lebe hoch! (Die Anwesenden stimmen dreimal in den Ruf ein. Die Sozialdemokraten sind auch bei dem Hoch sitzen ge- blieben, von rechts ertönen lebhafte Rufe: Raus mit denen! Die Polen erscheinen erst jetzt im Saale.)

Der Gesetzentwurf betr. Veränderung der Grenzen der Kreise Calbe und Jerichow im Regierungsbezirk Magdeburg und Nenderungen der Amtsgerichtsbczirke Gommern und Schönebeck wird in 2. und 8. Beratung erledigt.

Es folgt die Beratung de§ Etats der AnsiedlungS- kommission für Westpreußen und Posen und in Ver­bindung damit die erste Beratung der neuen Ostmarken­vorlage. In dem Gesetzentwurf werden 235 Millionen Mark neu angefordert.

Landwirtschaftsminister Frhr. v> Schorlemer begrün- bet die Vorlage. Außer den allgemeinen Einwendungen gegen die Ansiedlungspolitik der Regierung wird man zweifellos die Kosten der Ansiedlung zu hoch und dem­gegenüber ihre Erfolge auf wirtschaftlichem und natio­nalem Gebiet für unbedeutend halten. Die Zunahme gerade der deutschen Güter in den Regierungsbezirken Bromberg und Marienwerder, wo die Ansiedlungskom­mission besonders eifrig ihre Tätigkeit entfaltet, spricht zweifellos jür ihren Einfluß auf die Zunahme der deut­schen Bevölkerung. Der Ansiedlung ist es gelungen, in hervorragender Weise die Deutschen wirtschaftlich er- starken zu lassen und die deutsche Regierung hat die heilige Verpflichtung, das Deutschtum im wirtschaftlichen und nationalen Kampfe gegenüber den Polen in der Ost- mark zu stützen. Ein Stillstand in der Ansiedlungs­politik kann ohne Gefährdung nicht herbeißeführt werden. Nach den jetzigen Bewilligungen wird die Ansiedlungs­kommission weiterer Mittel bedürfen und in späteren Jahren die Ausgaben aus den eigenen Ein- fünften decken können.

Abg. Dr. KrieS (kons.) wünscht in der Ostmarken- Politik keinen Stillstand. Die Besitzfestigung sei ungleich wichtiger als die Ansiedlung und müsse daher als das wichtigste Werk der Ostmarkenpolitik betrachtet werden. (Sehr richtig! rechts.)

Abg. Herold (Z.): Unsere Stellung zu der Vorlage ist die gleiche wie früher: wir lehnen sie ab, weil sie der Gerechtigkeit und der Verfassung widerspricht und weil es nicht angängig ist, einen Teil der Bevöl­kerung mit zu den Lasten beitragen zu lassen und sie bann sozusagen auf eigene Kosten zu bekämpfen. (Sehr richtig! und Beifall im Ztr. und bei den Polen.) Aber es kommt noch hinzu, daß die bisherige Polenpolitik sich als vollständig fruchtlos erwiesen hat. Werden big Polen vom Lande und aus der Stadt in Posen und Westpreutzen vertrieben, ziehen sie nach anderen Pro­vinzen. So haben wir denn auch tatsächlich gerade im Westen ein riesiges Anwachsen der polnischen Bevölke­rung. Infolge des Kampfes der Regierung schließen sich die Polen enger zusammen, werden immer radikaler und oppositioneller bis zum Uebergang viel, leicht in das Lager der Sozialdemokratie. Statt des Kampfes sollte man eine Aussöhnung mit den Polen herbeiführen, damit Preußen und Deutschland nach außen einig und geschlossen dasteht. Bei der Ent. eignuhg liegt Gefahr vor, daß man, um neues Ansied, lungsland zu schaffen, allen Grundbesitz in einer Hand über 1000 oder 5000 Hektar oder über irgend eine Zahl hinaus der Enteignung unterwirft. (Sehr richtig! ttn Ztr. und bei den Polen.) Die Geldmittel sollte man nicht für den Kamps im Innern aufwenden, wo erheb- liche Anforderungen gestellt werden, um unsere Wider­standskraft nach außen zu stärken. Trotz der Anfeindung und Schäden für unsere Stellungnahme zur Polenpolitik werden wir stets auf dem Boden des Rechts beharren unb: für das eintreten, was wir im Interesse des Staatswohles für richtig erkennen, aber die feste Ueberzeugung haben wir auch, daß man eS später in der Geschichte als ein hervorragendes Verdienst der ZeutrumSpartei bezeichnen wird, daß diese Partei, welche im Eintreten für Vaterland und Königshaus von keiner Partei übertroffen wird, in dieser schwierigen Zeit den Mut und die Entschlossenheit gehabt hat, immer für daS Recht einzutreten. Nur auf dem Boden des Rechts kann da» Vaterland gedeihen, und wir sind über- zeugt, daß unsere Stellungnahme auch im Interesse deS Vaterlands und Preußens ausschlagen wird.

Finanzminister Dr. Lentze: Der Kampf gegen die Polen ist der Regierung aufgezwungen. (Große Unruhe bei den Polen, Pfuirufe.) Die Polen haben erst wirtschaftlich von unS gelernt und halten sich dennoch völlig fern von Preußen. Wir dürfen nicht zugeben, daß wenig Meilen von Berlin ein neuer Staat im Staate entsteht. Woher die Mittel kommen, muß uns gleich­gültig fein. (Ohorufe, Lärm bei den Polen.) Mit der Aussöhnungspolitik kommen wir nicht wei­ter. Es ist auch nicht richtig, daß die bisherigen Maß. nahmen verfehlt sind. Wir wollen und müssen ansiedeln. Dafür find die Mittel gut angewendet. (Beifall und Zischen.)

Abg. Dr. Drebt (frei'ons.): Tie Vorlage darf nicht etwa den Schlußstein in der Ostmarkenfrage bilden. Weitere Bedürfnisse erfordern auch weitere Schritte. Die A n s i e d l u n g ist ein Kulturwerk aller- ersten Ranges. Wir müssen dem Deuischtum in den Stadien durch einen Ansiedlerkranz ein Hinterland schaffen. Ten allergrößten Wert legen wir auf die Setz, haftmachung ländlicher Arbeiter. Wir haben schon ge. nug Domänenbesitz, da kann vom Ankauf Abstand ge­nommen werden. Die Ansiedlungskommission muß mehr Bewegungsfreiheit erhalten. Mit der Versöhnungspolitik tat man leider nur schlimme Erfahrungen gemacht. UuSrotten wollen wir die Polen nicht, aber im Sinne tat Jahrhundertfeier aus Preußen einen einheitlichen Staat machen. '

. Abg. Glatzel (natl.): Wir wollen eine ruhige und stetige Fortsetzung der Ansiedlungspolitik. Die bisheri- gen Erfolge waren auch in politischer Beziehung günstig, ^urch diese Politik wird die Sicherheit des preußischen Staates ectoöHrleittat.

Abg. Dr. Pachnicke (fortschr. Volksp.): Der eigent- liche Zweck der Polenpolitik ist nicht erreicht worden. Wir werden um der Vorlage den politischen Charakter zu nehmen, beantragen, statt der geforderten 230 Mil­lionen zunächst 800 Millionen für innere Kolonisation in Preußen zur Verfügung zu stellen.

Abg. b. TrampezynSki (Pole): Angesichts der Mög- lichkeit eines Weltkrieges ist <_5 wenig angebracht,' die Kluft zwischen den einzelnen Teilen des Volkes un­überbrückbar zu machen. Die Sicherheit deS Truppen- aufmarscheS an den Grenze wird dadurch nicht gefördert. Tiefe AnstedlungSpolitik wird sich noch böse rächen. Un­ser einziges Verbrechen ist, daß wir eintreten für unser Volkstum! Gegenüber dem Boykott muß man bedenken, daß wir jahrzehntelang von Staats wegen boykottiert worben find.

Abg. KlepPkiiborg (Däne): In der preußischen Po- lenpolitik häuft man Unrecht auf Unrecht. Sie ist ein Schandfleck auf den preußischen Namen. (Vizepräsident Kraufe ruft den Redner zur Ordnung.) Mit dieser Politik erfüllen Sie eine Gruppe von Staatsbürgern mit Haß und beflecken den deutschen Namen in Gegenwart und Zukunft.

Abg. Stiöbel (Soz.): Wie stellt sich die Regierung zu dem Beschlutzantrag der Mehrheit im Reichstage, daß die Enteignung einen Bruch der Ve -fassung bedeutet? Angesichts der jetzigen politischen Sage ist das Vorgehen gegen die Polen nicht unbedenklich. Lassen wir ob tun dieser Pclitik, die ein Denkmal der Schande ist. (Vizepräsident Krause ruft den Redner zur Ordnung.)

Nach Annahme eines Schlußantrages wird der Ge­setzentwurf der BudgetkomMission überwiesen und der Etat der Ansiedlungökommission angenommen.

Die Etatsberatung wird beim Etat des Herrenhauses fortgesetzt.

Abg. Hoffmann (Soz.): Wir Bebanem, daß das Herrenhaus überhaupt existiert. Die Mißstände in der Verwaltung sind noch viel schlimmer, als ich sie früher dargestellt habe.

Der Etat des Herrenhauses wird bewilligt. Es folgt der Etat des Abgeordnetenhauses.

Der Etat wird nach einem Rededuell zwischen dem Abg. Hoffmann (Soz.) und Hammer (kons.) bewilligt.

Mittwoch: Eisenbahnanleihegesetz, Etat beS Finanz­ministeriums, Anträge.

:: Die politische Lage.

Russisch-österreichische Abrüstung.

Im englischen Unterhause hat Premierminiiler Asquith Erklärungen abgegeben, die unter gewöhn- liehen Derhältniffen eine beruhigende Wirkung aus­üben müßten. Wir haben aber nicht gewöhnliche Verhältnisse.

Der britische Premier sprach über die Balkanfrage einigermaßen zuversichtlich; man hat die Empfindung, daß er an die baldige Herstellung des Friedens glaubt und eine europäische Verwicklung für unwahrscheinlich hält. In Deutsch and muß namentlich angenehm berühren, was er über die Bezieh mgen zwischen 1 London und Berlin sagte. An der Freundschaft mit Frankreich und Rußland hält das Jnfelreich fest, wer hätte daran gezweifelt? Aber Mquith bezeichnet es zugleich als hervorstechenden und sehr angenehmen ; Zug der jüngsten Geschichte, daß England mit Deutschland einmütig zusammen arbeite. ; Dieses Zusammenarbeiten habe gegenseitiges Derlrauen erzeugt, .die zwischen den beiden großen Nationen andauern wird." Eine solche Sprache hätte man in London vor zwei Jahren, vor einem Jahre schwerlich vernommen.

Was Asquith wester über die Gruppierung der Mächte sagte, sei zur Ergänzung unserer gestriaen auSzugSweisen Meldung nachgetragen:

Die politische Gruppierung der Mächte ist unv et ändert geblieben. Weder zu Frankreich noch zu Rußland sind unsere Beziehungen weniger herzlich oder weniger innig, als sie eS vorher waren. Wir halten an diesen Freundschaften fest und werden daran feflbalten. Die Aenderung, die eingetreten ist, ist diese: Während jede Mächtegruppe, um diesen AuSdruck zu gebrauchen, in bezug auf ihre eigenen Mitglieder ungeschmälert ge­blieben ist, sind die Beziehungen zwischen der Gruppe selbst zusehends herzlicher geworden. Die Mächte — und ich rechne auch unser Land dazu —, deren Inter­essen durch die Veränderungen im nahen Osten weniger unmittelbar berührt werden, haben ernstlich zusammen- aearbeitet, um einen Weg der Verständigung für alle zu finden. DaS ist ein hervorstechender und ein sehr an­genehmer Zug der jüngsten Geschichte der Politik ge­wesen. In dieser Angelegenheit Haden wir mit ein­mütigem Wunsche mit Deutschland zusammengear- beitet. Dieses Zusammenarbeiten hat nicht nur den Weg der Diplomatie angenehmer gestaltet, sondern eS hat — daS ist unsere feste Ueberzeugung — auch gegenseitiges Vertrauen hervorgerusen, das zwischen den beiden großen Nationen andauern wird. Nach Ansicht der britischen Regierung ist dies alleS durch die Botschafter­konferenzen in London sehr erleichtert worden. Wir haben diese Botschafterkonserenzen als ein Zeichen deS Veitrauens von feiten der anderen Regie­rungen ausgesabt.

Der englische Premierminister Bat alle? hervorgc- hoben, was die Botschasterkonserenzen erreicht oder gefördert hat. lieber das, was noch nickt erreicht ist, glitt er in der Fortsetzung seiner Rede hinweg mit dem AuSdruck der Hoffnung oder mit der Ver­sicherung, der Rest habe keine vitale Bedeutung. Daß die (Strittlung eines autonomen Albanten „im Prinzip" angenommen ist, preist er sehr; die praktische Ausführung der Idee, die Abgrenzung des neuen Staates Albanien, hält er fogegen tüt nebemachlich. Ader gerade jetzt drängt sich diese Gienzsrage in den Vordergrund. Nachdem die Griechen tm Süden Zantna erobert haben, wollen die Montenegriner durchaus Stutari m thre Gewalt bringen, und die -erden eilen tdnen dabet zu Hille, worüber man in Oesterreich begreiflicher Weise sehr verichnupst ist. Die serbischen Ofhiöten sagen, L>e Hilfeleistung sei ihre selbstverständliche Pflicht als Bundesgenosse und Nachbarn. Da4 wirkt aber in Wien nicht be­ruhigend; denn man sagt sich dort, daß Nuß land hinter diesem Vorstöße gegen 6o5 fünft, e Albanien stecke, wenigstens insofern, als die bet»en begehrlichen Slavenstaaten die lleberzeugun« bsben, Nußland werde nicht zugeben, daß ihnen 6hur t, falls eS ein» ' mal erobert sei wieder y' mmm werde.

So führt der Weg über Skutari zu dem Kern­punkt der gegenwärtigen Schwierigkeiten und Ge­fahren: die Demobtlisterung auf Gegenseitig­keit, die Oesterreichs Kaiser beim Zaren angeregt hatte.

Das Abtüstungsaökommen ist jetzt endlich per­fekt. Die Petersburger Telegraphen-Agcntur teilt folgende gleichlautende Erklärung der russischen und österreich-ungarischen Negierung mit:

„Der Brief wechsel, der in der letzten Zeit zwischen dem Kaiser Franz Joseph und dem Kaiser Nikolaus stattgefunden hat, hat von neuem den Beweis erbracht, baß die Ereignisse auf der Balkanhalb­insel den freundschaftlichen Gefühlen zwischen den bei­den Souveränen keinen Eintrag getan haben und daß die Erhaltung des Fried en s fortgesetzt das Ziel ihrer Bemühungen bildet. Demgemäß sind die beiden Regierungen zu dem Schluß gelangt, daß gewisse Maß­regeln rein defensiver Art, welche in den Grenzprovin­zen der beiden Staaten ergriffen worden waren, durch die Umstände nicht mehr erfordert zu werden scheinen. Daher ist die Herabsetzung der Stärke der Truppen Oesterreich-Ungarns in Galizien auf den normalen Stand soeben beschlossen worden. Ebenso wird die Entlassung der russischen Reservisten derjenigen Jahresklasse, die im Herbst vorigen Jahres hätte entlassen werden sollen, verfügt werden."

Damit ist die langersehnte, für Oesterreichs Volks­wirtschaft kaum noch aufschiebbare Maßregel der schrittweisen Abrüstung zwischen Rußland u. Oester­reich-Ungarn vereinbart worden. Der große Aft der europäischen Entspannung ist eingeleitet und der Sieg der auf Frieden gerichteten Tendenz Europas deut­lich markiert, Natürlich Hai auch Rußland unter der Last der Mobilmachung geseufzt, zumal sie dort sehr viel länger schon, seit dem September vorigen Jah­res, unter dem Decknamen einer Probemobilmachung bestand und ungeheure Summen verschlang. Gleich­wohl ist der in Rußland verursachte Schaden nicht annähernd so groß, wie der österreichische, da nicht der direkte, sondern der indirekte Schaden, das Sto­cken von Handel und Verkehr, die ruinöfen Folgen nach sich zieht. Rußland, das Ackerbauland, wird davon in weit geringerem Maße betroffen als Oester­reich-Ungarn, das bereits sehr stark industrialisiert ist und von dem fast völligen Aufhören der Geschäfte aufs fchwerste bedroht wird. Ganz abgesehen davon, daß Handel und Industrie schon durch das Entziehen der Menschenkräfte teilweise brachgelegt werden.

Hoffen wir, daß es bald möglich sein wird, die Demobilisierung an den Grenzen in eine völlige Ab­rüstung umzuwandeln, nachdem Oesterreichs notwen­dige Forderungen von den Balkanstaaten als berech­tigt anerkannt worden sind.

Ein Alarm-Artikel.

Seit geraumer Zeit hat man gehört, die dcuische Heeresverstärkung sei nötig, weil sich alles auf der Balkanhalbinsel verändert hat, weil das Slaventum mächtig angewachfen ist, weil Oesterreich-Ungarn, Deutschlands Bundesgenosse, dadurch eine erhebliche Schwächung erfährt, weil Rußland angeblich drei neue Armeekorps aufstellt, weshalb auch dir deutsche Wehroorlage besonders Verstärkungen im Osten bringen müsse. Mit einem Rial versickert jetzt ein viel Aussehen erregender Artikel in der,K ö l n. Z t g." einem Blatt, dem man sonst nahe Beziehungen zur Regierung zusckreibt, mit dem Orient sei es nicht so schlimm, der Balkanbund sei nicht für die Ewigkeit gemacht, die Balkanstaaten seien erschöpft und brauchten Jahre, sich zu erholen, Rumänien stehe noch unberührt da, unb kurz und gut, von Frank­reich komme die Gefahr, nicht vom Osten, Frankreich allein sei der Störenfried. DaS Blatt lagt:

Wir unterschätzen die Momente nicht, die aus der Neuordnung am Balkan erstehen, aber wenn man Opfer fordert, wie es jetzt geschieht, so müsse man deutlich dahin zeigen, von wo uns die nächste Gefahr droht. Und das fei Frankreich. Nie ist das Verhältnis zu un­serem westlichen Nachbar so gespannt gewesen, wie heute, nie hat sich dort der Nachegedanke fo un- verhüllt gezeigt, und die russische Bundeshilfe, die englische Freundschaft nur zu dem Zweck beansprucht, um Elsaß-Lothringen zurückzuerobern. An welcher Ecke daher die Welt auch Feuer fangen mag, wir, das ist ganz sicher, werden mit den Franzosen die Klinge zu kreuzen haben. Wann das geschehen wird, kann niemand wissen.

Es darf wohl mit aller Bcsftmmtheit angenom­men werden, daß es sich bei dem Artikel der „Köln. Ztg." um eine private Arbeit handelt. Soweit die Kölnische Zeitung nicht offiziös ist, ist sie Organ der nationalliberalen Partei, einer Partei, die gewiß nicht zu übersehen, aber keineswegs ausschlaggebend oder gar herrschend und im übrigen — leider — chauvinistischen Einflüssen sehr zugänglich ist. Unter der Voraussetzung nicht offiziösen Ursprungs erscheint *er Artikel als ein Symptom der Spannung. Freilich sind gerade solche Symptome der Spannung geeignet, die Spannung zu vergrößern und zu her» schärfen. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen!

Daß in Frankreich neuerdings der Chauvinismus gewachsen ist, läßt sich nicht verkennen. Daß ein Teil der französischen Presse gegen Deutschland einen hef­tigen Ton anschlägt, ist leider Tatsache. Mit der Mög­lichkeit, mit den Franzosen die Klinge zu kreuzen, muß das deutsche Volk hinnehmen, nicht erst seit gestern. Deshalb wird kein Freund des Vaterlandes verweigern, was zur Verteidigung und Sicherung des Vaterlandes notwendig ist. Aber daß sich die aus­wärtige Lage in jüngster Zeit so w e s e n t l i ch ver­schlechtert habe, um den Krieg in nahe Sicht zu bringen, ist durch nichts b c w i es e n. Eher könnte die Erklärung, daß England sich zu keiner Ausschif­fung von Truppen auf'dem Festland 'verpflichtet hat und die Fortdauer des Vertrauens zwischen England

und Deutschland wünscht, den französischen CHauvi- nismus mäßigen und dämpfen.

Im übrigen hat man alles, was jetzt über Frank­reich als Störenfried geschrieben wird, seit Jahrzehn­ten recht oft lesen können. ' Wie nahe glaubte man sich zu Zeiten Boulangers und des Schnäbelesalls dem Kriege? Unb doch haben wir seitdem ein Viertel­jahrhundert Fried» gehabt. Denn die Möglichkeit, daß wir mit Frankreich die Klinge zu kreuzen haben, ist noch keine Sicherheit.

Die freisinnige „Voss. Ztg." sieht in dem Artikel der „Köln. Ztg/' und in Artikeln ähnlichen Charak­ters in anderen Blättern ein Spiel mit verteilten Rollen. Das Ende werde sein: beispiellose Verstär­kung des Heeres, beispiellose Anforderungen an die Steuerzahler. Tas Blatt meint: Eine Beruhigung über die auswärtige Sage wird man für die nächste Zeit nicht zu erwarten haben, selbst wenn sie in den Tatsachen begründet wäre. Denn die nationalen Wellen müssen hoch gehen, um die Schiffe der Re­gierungen in den Hafen zu bringen. Und deshalb wird man bald über die Gefahr vom Osten, bald über die v o m Westen alarmiert werden; die verschiedene Richtung braucht nicht zu bedeuten, daß oben etwas in Unordnung ist und rollenwidrige Sei­tensprünge erfolgen. Erst wenn die Militärvorlagen wie in Frankreich, so in Deutschland, angenom- m e n sind, kann sich das dunkle Gewölk verziehen und der Himmel aufheitern. Und daß er das dann wenigstens tue, das ist unser Wunsch und unsere Hoff­nung.

Deutsches Reich.

+ Tft -lonserenz der bandesstaatlichen Finanzmia stcr wurde am Dienstag bei Abwesenheit des Reichs­kanzlers fortgesetzt. Mir wir erfahren, ist bezüglich der einmaligen Vermögensabgabe eine Einigung unter den Mitgliedern der Konferenz dahin erzielt worden, daß die kleineren Vermögen — etwa bis zu 30000 Mk. — von der Abgabe freibleiben sollen, dafür aber die Abgabequote nach oben hin gestaffelt werden soll. Ueber die Frage, ob auch die größeren Einkommen zu der Abgabe herangezogen werden sollen, ist z. Zt. noch nichts beschlossen. Bezüglich der Deckung der laufenden Kosten der Wehr- Vorlage erfahren wir, daß die Aussichten der Ber­ni ögenSzu wachs st euer sich gebessert haben Bayern soll in der Konferenz große Zurückhaltung beobachtet haben, sodaß es nicht ausgeschlossen ev scheint, daß es seinen Widerstand gegen die Der mögenszuwachssteuer aufgeben wird. Wenn dies btt Fall fein sollte, werden zweifellos die in der Minder- heit bleibenden widerstrebenden Bundesstaaten unt die Vermögenszuwachssieuer vom Bundesrat be­schlossen werden. Wie wir weiter hören, entfalten die sächsischen Vertreter eine lebhafte Agitation zu gunften der Schwerin - Löwitzschen Vorschläge. Das bedeutet insofern eine Aenderung in der bisherigen Haltung Sachsens, als es damit die Erbanfallsteuer, die es bisher als Deckung für die laufenden Kosten der Wehrvorlage forderte, nunmehr den Einzelstaatei' als Ersatz für die von Sachten vertretene Hebet, tragung der Stempelsteuern auf das Reich überwiese" wissen will.

)( Tas neue Eisenbahnanleihegesetz

ist dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen. Darin sind vorgesehen zur Herstellung der Eisen­bahnen, und zwar: Für den Bau von Houpteisen- bahnen und Diebenbahnen und zur Besckaffung von Fahr,engen infolge des Baues dieser Eisenbahnen 134075 000 Mark, zur Herstellung von zweiten und weiteren Gleisen auf verschiedenen Strecken 109 979000 Mark, für Bauaussührungen 100966 000 Mark, zur Beschaffung von Fahrzeugen für bestehende Staats­bahnen 190 000000 Mark und zur weiteren Förde­rung des Baues von Kleinbahnen 7 500000 Mark, insgesamt 542 520000 Mark.

Es werden u. a. verlangt zum Bau einer Neben­bahn von Haiger nach Güsternhain 6110 000 Mark, zur Herstellung eines dritten und vierten Gleises auf der Strecke Haiger-Dillenburg 1705000 Mark, für die Herstellung einer Verbindungsbahn bei Hanau-Ost 917 000 Mark, für die Herstellung einer Verbindungsbahn bei G i e ß e n 3 180 000 Mark, zur Deckung der Mehrkosten für die bereits ge­nehmigten Bauausführungen der Eisenbahn von Oberscheld nach Wa11au 550 000 Mark, bei E.senbahn von Weidenau nach Dillenburg 8 694000 Mark, zur Gewährung eines weiteren Zu« schuffeS zu den Grunderwerbskosten der Eisenbahn von Hilders nach Wüstensachsen an den Kreis GerSseld 27 000 Mark.

t Berlin, 11. März 1913. Der Armeebefehl des Kaisers, der am Montag von dem obersten Kriegsherrn im Lustgarten verlesen wurde, wird jetzt in einer Sonderausgabe des Armeeverordnungsblaltes veröffenilicht. Das Blatt erscheint im Festfchmuck in Silber mit dem Eisernen Kreuz von 1813 auf bei Titelseite und silbernen Randleisten, um den ganze» Ausruf herum. — Zur Beisetzung des Fürsten Hohen­lohe-Langenburg wird der Kaiser den Prinzen August Wilhelm als Vertreter entsenden. Die Kaiserin nimmt selbst teil. — Dem Ferienbesuch des Prinzen von Wales am deutschen Katserhose darf, wie ver­schiedene Blätter betauen, keine politische Bedeutung gegeben werden. Wohl aber läßt er vermuten, daß die Gefahr des Ausbruches eines neuen Krieges nicht groß fein tarnt, denn sonst würde der König seinen ältesten Sohu nickt an einen ausländischen Hof ent­senden. Es handelt sich jedoch lediglich um einen Privatbesuch des Prinzen bei feir.cn kaiserlichen Set- wandten und die einzige Gelegenheit, bet der der englische KönigSjohn vor die Oeffentlichleit tritt, wirb Die Verleihung beS Schwarten Adle orbens fein.

8. In der Bndgetkommisfion des Abgeordnetenhauses erklärte in der Sitzung vorn Montag abene der Finanz-