2. Blatt.
vriiil brr sulbcet Sttientnu mi ill zaiva.
Fuldaer Leitung. -
totales.
Fulda, 10. März 1913.”
41 -öccliehett wurde dem Bezirksbrandmeister Otto Naabe zu Kassel der Rote Adlcrorden 4- Kiaff« und dem Strasanstaltsaufseher Kirchner zu Ziegenhaitt das Allgemeine Ehrenzeichen.
§ Versetzt. Die Stelle des nach Frankfurt a. M. versetzten Eisenbahn-Ingenieurs Köhler am hiesigen KZerkstättenamt wird nicht durch Betriebs-Ingenieur Schild von Frankfurt, sondern durch Betriebs-Inge- nieur Keverkordes von Limburg besetzt.
□ Prüfung. Vor der Königl. Prüfungskommission zu Bonn bestand Herr Landmesser Aloys Jestädt von hrcr das kulturtechnische Examen mit der Note „ßut".
s- Jubiläumsfeier. „Vor 100 Jahren!" so jubelt's heute durch die deutschen Lande. Ehrfurchtsvoll gedenkt das Volk der Zeiten, in denen seine Vorfahren unter freudiger Aufopferung von Gut und Blut in heldenmütigster Weise ihr Vaterland von der demütigenden Fessel des hcrrschsüchtigen Korsen befreite. Nichts anders als ein Gebot der Pflicht ist cs, wenn wir jener Tapferen in Dankbarkeit gedenken und ihre Taten feiern. In sinniger Weise bestimmte Der Kaiser als Gedenktag den 10. März, der als Geburtstag der Königin Luise und als Stiftunqstaq des Eisernen Kreuzes im Hinblick auf jene Zeit eine erhöhte Bedeutung gewinnt. In seiner (Gesamtheit ist es ein machtvoller Akt der Erinnerung, den das deutsche Volk beute veranstaltet, und an dem auch di: Fuldaer Bürgerschaft Anteil nimmt. Nachbern schon gestern eine große Anzahl von Vereinen den Ruhmcs- tag festlich begingen, fanden heute vormittag die feier!. Gc 11 e s d i e n sie im Dom, in der Stadtpfarrkirche, in der Kirche auf dem Frauenberg und in der Protest. Kirche sowie die Schulfeierlichkei'ten mit entsprechenden Ansprachen und Liedern statt. Um 10 Uhr folgte im Anschluß an die AUlitärgottesdienste auf dem Domplatz Parade des hiesigen Artillerieregiments, bei der den beiden Kriegervereinen, dem Gardeverein und der Kricgcr-Sanitätskolonne ein Ehrenplatz eingeräumt worden war. In seinerAn- sprache wies der Regimentskommandeur, Hr. Oberstleutnant Landauer, mit markigen Worten auf die Stiftung des Eisernen Kreuzes heute vor 100 Jahren durch König Friedrich Wilhelm III. hin und betonte, daß diese Ehrung für jeden Soldaten, gleichviel ob hoch oder niedrig im Range, bestimmt gewesen fei; er schilderte die Opferwilligkeit und Einmütigkeit des deutschen Volkes bei der Abwehr gegen den Unterdrücker; es ivar ein Volk, ein Heer, ein König. Und als 1870 vor derselben Seite dem deutschen Vaterlande wieder Knechtung drohte und ter greise König Wilhelm die Stiftung des Eisernen Kreuzes erneuerte, stand wieder das Volk einig da; was 1813 begonnen war, wurde damals vollendet: ein Volk, ein Heer, ein Kaiser. Den Segen, den uns die glorreichen Siege gebracht haben, Müßten wir heute schützen und bewahren, auf daß unser Vaterland groß und mächtig bleibe. Sein Hoch galt dem Kaiser. — Die Streßen der Stadt Prangen zu Ehren des Tages in buntem Fahnenschmuck u. die Schaufenster einiger Geschäftshäuser sind mit Patriotischen Emblemen und Bildern, die aus bestimmte EmigNisse aus der Zeit der Freiheitskriege Hinweisen, in sinnvoller Weife geschmückt. Am Kaiser Friedrich- d e n k m a l wurde ein prächtiger Lorbeerkranz mit schwarz-weiß-roter Schleife und der Aufschrift: „Den deutschen Helden in steter Verehrung gewidmet" nieder gelegt. Das Kriegerdenkmal ' zieren ;wei Lorbeerkränze. Auf den schwarr-weiß-roten Lchleifcn besinden sich die Widmungen: Den gefallenen Helden zum ehrenden Andenken gewidmet vom Krieger-Verein Fulda und Krieger-Kameradschaft Fulda. Eine große Lorbeergirlande schmückt das Denkmal am Franzosenwäldchen, auf deren schwarz- weißer Schleife die Worte: „Zur Erinnerung an die Befreiungskriege 1813/15" stehen. Heute nachmittag findet ein Festessen der Offiziere und oberen Beamten der Garnison mit den Offizieren der Jnaktivi- tät, Reserve und Landwehr im Kasino statt.
** ThomaSseier. Das Fest hc§ hl. Thomas von Aguin, des Patrons der katholnhen Schulen, wurde heute vormittag in der Aula des Priesterseminars in Gegenwart des Hochw. Herrn Bischofs, der Herren vom Domkapitel und des Professorenkollegiums sowie einer Anzahl von Fratres und Patres des Klosters Frmr- enberg in üblicher Weise begangen. Nachdem die „Me- ditations" von Gounod für Violine, Klavier und Harmonium zu Gehör gebracht und ViadanaS „O sacrum convivium" (Text vom hl. Thomas von Aquin) für vier- stimmigen Männerchor verklungen war, bestieg Herr Professor Dr. L e i m b a ch den Katheder, um über den hl. Thomas von Aquin als Schrikterklä-
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rer zu sprechen. In fesselnder Weise legte der Redner den Jnspirationsbegriff des Heiligen, seine Stellung zum Kanon der hl. Schrift und feine hermeneutischen Grundsätze dar, um dann bei der Eigenart der Schrift- crklärung des Aquinaten eingehender zu verweilen und mit einem kurzen Blick auf. das Leben des großen Kirchenlehrers zu schließen. Der Chor sang hierauf das »Ave Maria" für vierstimmigen Mannerchor beit Benle und cs folgte das „Andante religioso" (Cello-Solo mit Harmeniumbegleitung) von demselben Komponisten.
X Im fett). JönglingSveriill btt Towpsarrei wurde gestern der palriotische Gedenktag an dieBefreiung?- kriege festlich begangen. Herr Hauptlehrer Pros. Vonderau hielt die Festrede. Briondere Berück- sichtiguna sanden die Ereignisse in Fulda während deS großen Jahres 1813. Das Interesse der jugendlichen Zuhörer wurde hervorragend geweckt durch eine Ausstellung von Erinnerungsstücken an die Befreiungskriege. Ein Bajoncttgewehr ans dem Jahre 1808 wurde durch praktische Versuche erklärt. Zwei wanzösifche Kavalleriesäbel trugen die Herstellung?« jahre 1810 und 1812. Auch zeigte der Redner den Milllä'paß eines französischen Lanzenreiters, der im Juli 1813 als Deserteur wieder ausgenommen wurde. Von den Orden wurde das Eiserne Kreuz und die im Jaire 1821 den tapferen Hessen verliehene Kriegs« Medaille eingehend erläutert. Zur Erinnerung an die ruffstchen Soldaten wurde ein kleine? Bronce- amulett m der Form ein S Dreiflügelaltars vorgezeigt. Auch mehrere Denkmünzen an jene großen Tage wurden besprochen. Die Feier schloß mit einem Kaiserhoch.
* Die Lanpolizewrlnnmg I für die Städte Raffel, Fulda, Hanau uns Marburg vom 5. März 1913 wird in einer Beilage zu Nr. 10 des Amtsblattes der Königl. Regiernnq veröffentlicht.
? Tie Frühjahrs-G'siüktiprusung für das Glaser«, Drechsler«, Böttcher« und Stellmacher- Handwerk findet am 7. April b. I. statt. Anmel- düngen zu dieser Prüfung muffen bis zum 29. d. M. bei dem Vorsitzenden der Prüfungs-Kommisffm, Herrn Glasermeister Karl Traut, K ngstraße Nr. 10, eingereicht sein, wo auch die tücu-Wichen Formulare zu erhalten sind. Später eingehende Anmeldungen finden keine Berücksichtigung.
2> Historischer Abend Das gestrige siebente Abon- nementskonzert unserer Artillerie-Kapelle war als historischer Abend der Erinnerung an die taten- und ereignisreiche Zeit vor hundert Jahren gewidmet. Der Zuschnitt deS Programms, das mit dem Hohen. zollern-Marfch von llnrath eröffnet wurde, war im besten Sinne des Worte? populär. Da? Orchester bot viel JntereffanteS. Die glanzvolle Jubel-Onver- türe von Weber, geschrieben znm 50. Regierungs- jubkläum Friedrichs August I., fand eine wirksame Wiedergabe. Zart und innig trug der Streichkörper , : ffl deutschen Krieger? .Traum vor der Schlacht" von Eule vor. Der letzte Satz würbe auf stürmisches Verlangen wiederholt. Die Herren Rauch und Maidurg stffektcn durch den fetnritWgen Vortrag deS LändlerS für zwei Violinen ,Jm trauten Heim" von Nehl. Für den freundlichen Beifall dankten sie mit dem,reizvollen Ländler,Großmüstcrchen". Auf da? wärmste begrüßt wurden das pack-mde Tongemälde von Eilenberg ,Die Völkerschlacht bei Leipzig" und cffS B «vovrlristmig der Marsch für HermdS- trompeten »Unter dem Spa r nschild" von Henrion. Der .Waffenruf d<- Kaisers" von Clärens und zwei altprenßifche Märsche aus den Freiheitskriegen gaben dem sehr zahlreich besuchten Konzert etnen würdigen Abschluß.
xx Der kath. Meister- und Männerverein beging oestern das 43. Stiftungsfest. Am Morgen vere nigten sich die Mitglieder zahlreich zur Generalkommunion in der Severikirche. Abends fand im Vereinslokale .Zur Hinterburg" die Einführung des neuen geist- liujc» Beirat?, Herrn SubregenS Dr. Heller statt. Musikvortiäge der Herren Gebrüder Eberr begrüßten ibn bei seinem Eintritt in den geschmückten und mit Mitgliedern vollbesetzten Saal. Herr Obermeister Reidert gab seiner Freude Ausdruck, daß der Verein nunmehr wieder ein geistliches Oberhaupt habe, dem tue Mitglieder Liebe und Hochachtung entgegenbrächten, was durch ein sieudig aufgenommenes Hoch bekräftigt wurde. Herr Sudregens Dr Heller bankte iür den ihm gewordenen liebevollen Empfang und versprach, fern bestes Kö rnen für den allerseits geachteten Meister- und Männerverein cinzusetzen. Da? ganze Grpiäge deZ ÄbendS trug einen sehr herzlichen Charakter.. BelönderS erhöhten die Slim- tnung die paffend gewählt n Vorträge deS Henn Glaiermeisters Fuchs uns die gediegenen Musilvorträze der Gebrüder Ebert.
)!( Erne wüste Rauferei spielte sih gestern abend ztoiicken e t uns zwött Uyr in e net Wirtschaft Bei
Der Gras von Tarent.
61] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
Plötzlich zuckte der junge Mann zusammen, denn mit einem energischen Rucke war ihm die dreifache Witwe dicht an den Leib gerückt.
Er erschrak, und es wurde ihm plötzlich ganz unheimlich zu Mute. „Wann werdet Ihr denn zurück- kehren von Eurer Reise?" schrie er ihr schnell ins Ohr.
Sie seufzte tief. „Es mögen zwei Wochen vergehen, bis wir uns wieder treffen können. Eine lange, lange Zeit —"
Bixio strich ihr tröstend mit den Fingern über die Hand.
„Tas ist keine lange Zeitdauer," meinte er, „wann zwei Herzen treu zusammen stehen."
„Ja, das ist schön gesagt, da habt Ihr ganz recht, teuerster und liebster Mann."
„Tann liegt nichts ^irau, wenn die Liebenden durch Perge und Täler "getrennt sind," ergänzte er seine Rede.
Tie Witwe blickte sehnsüchtig ihm ms Gesicht. »Ich hab: gesehen, als Ihr mit dem Prinzen ein- zoget, daß das junge Weibervolk die Hälse nach Euch gereckt — werdet Ihr während meiner Abwesenheit auch meiner gedenken?"
Der Vicomte nahm eine feierliche Miene an und streckte die Hand empor, wie zum Schwure. „Ich achte nicht b?r Mädchen, die mit Küssen bereit sind für jeden, der ihnen süße Worte sagt. Die weiblich: Jugend ist voll Leichtsinn heutzutage."
„Ta habt Ihr recht, Herzensschatz."
, Bixio blickte bestürzt darein. „Die S ' entwickelt sich schnell, das Frauenzimmer neu:: uch bereits ihren Herzensschatz, wenn es so,n'c : cht, schlepp; sie mich noch in dieser Unglücksna , zum Altäre, ich muß machen, daß ich verschwinde ‘
Wo Uai Vielgeliebter?"
„Ich sagte, ich werde vor Sehnsucht nach Euch vergehen und die Tage und Stunden zählen, bis Ihr zurückkommt"
Die Witwe griff nach seiner Hand und hielt dieselbe fest.
„Auch ich freue mich, wenn wir einander ganz angeboren, nichts hindert uns, die Angelegenheit zu beschleunigen. Ich wollte allerdings nicht so schnell wieder in den heiligen Ehestand treten."
Der Vicomte pfiff durch die Zahne. „Jetzt kommt der blutige Ernst aus ihr heraus," sagte er zu sich selbst, wenn ich nicht meine Mamreskrast gegen sie stemme, dann zwingt mich die Matrone zur Verlobung und schnell darauf folgender Hochzeit."
„Ich wollte, ich wäre draußen. Sie ist so entsetzlich energisch, und geht stracks auf die Beute los."
Er brachte seinen Mund an ihr Ohr und schrie: „Ein solcher Schritt will wohl überlegt fein, wenn auch die Herzen zusammenstehen."
„Sa gibts nichts zu überlegen", entgegnete sie schnell, „das Sprichwort sagt: Jung gefreit wird nie bereut."
Bixio stieß einen Angstschrei aus. „Ich verliere die Fassung, stöhnte er, „dieses Hinkebein spricht von Jungfreien und hat drei Ttänner in der Grube. Ich will mein ganzes Leben lang Effig trinken für Dein, wenn sie nicht an der Grenze der Fünfziger steht."
„Holde Frau, vertrauet mir, wann feiert Ihr Euer Geburtstagsfest?" fragte er.
„Am 29. Juli, trauter Mann, warum fraget Ihr?"
„Es kam mir nur so in den Sinn; mein Geburts tag ist im selben Monat, und ich werde scchsund- zwanzig Jahre."
„Wie schade, daß die Rollen nicht vertauscht fi“'," entgegnete sie, „das Weib sollte eigentlich junger fein, wie der Mann, ich werde einimddreißig Iah.
Bixio war sprachlos. „Tie ist imstande und ir ?1 mit dem Teufel Mißbrauch," sagte er, „so wat ist i mir noch nicht vorgekommen, seit ich atme, k.'enn j das Frauenzimmer eine so kurze Lebensdauer Irntcr j sich bat Müßt- s' « ’ "Aimlings- 1
Löhersgaffe ab. Rack kleinlichen Neckereien iu Anfang bearbeitete man sich schließlich mit Bleigläsern und Stühlen, die teilweise durch die zertrnmm rtcn Fensterscheiben auf die Straße flogen. Die Ruhe wurde eist wieder hergestellt, nachdem die Polizei einige Verhaftungen vorgenommrn hatte.
△ Sprenov-rsnche mit Romperit C. Auf Veran« laffuna deS GartenbanvcreinS und ves Landwirtschaftlichen KreiSvereinS fanden am Samstag nach« mittag in der städtischen Anlaae hinter dem Kriegerdenkmal Sprengveisuche mit Romperit C statt, die von einem Sprengmeister aus Lüvcrmünd aekitft wurden. Die interessanten V rsucke erstreckten sich auf Lockerung des Bodens und Rodung von Baumstämmen, und fielen in jeder Hinsicht befriedigend aus. Bei geringem Aufwand an Mühe und Arbeitszeit hatten die Sprengungen den Erfolg, daß der Boden vollständig locker wurde, so daß man leicht einen Stab bis zu einem Meter Tiefe in5 Erdreick treiben konnte. Ein Baumstumpf von etwa 40 Zentimeter Durchmesser wurde mitsamt seinen Wurzeln völlig aus dem Boden gehoben. Die Sprenaungen mit Romperit haben zudem den Vorteil, daß sie bei Beobachtung einiger Vorsichtsmaßregeln gefahrlos veranstaltet werden könnten.
-T- Tie Mieterversammlung, welche am Samstag abend im Evangelischen Gemeindebause staitfand, entsprach wobl kaum den Erwarttmarn, die man vorder auf die Veranstaltung gefetzt haste. Denn die Besucherzahl stand in keinem Verhältnis zur Mieter- rahl in Fulda und zu dem Müheaufwand für die Versammlung. Dann aber verschwand auch die Be- bandlung der zur Tagesordnung stehenden Fragen »ast gänzlich hinter Erörterungen allgemeinen Charakters. Nach kurzen Begrüßungsworten des Herrn Quenstädt nahm Herr Prof. Sandrock-Kaffel das Wort zu seinem Voitrage über Zweck und Notwendigkeit der Mietervereine. Redner legte in seinen Ausführungen die Bedeutung der Mietcrorganisation ür die Gesetzgebung des Reiches, des Lander nnd für die Gemeindeverwaltung dar. Im allgemeinen, so führte er aus, sind die Rechte der Mieter und Vermieter durch da? Bürgerliche Gesetzbuch geregelt. Jedoch sind die darin enthaltenen Bestimmungen nickt zwingendes Reckt, insofern, als sie durch besondere Mietverträge geändert und zu ungunsicn deS Mieter? illusocifch gemacht werden können. Jnwlgcdessen sind die Mietervrganifationen in den letzten Jahren bestrebt gewesen, gewisse Bestimmungen des Miets- rechtes zu zwingenden zu macken. In der Land eS« gesetzgebung ist auf dem Gebiete der Wohnungsfrage insofern schon ein Schritt zum Besseren gemacht worden, als bereits ein Wohnnugsgesetzcnitmrrf vorliegt, nach dem in allen Städten mit mehr als 10000 Einwohnern Wohnungsämter zur Beaitssichtigung von Wohnungen geschaffen werden sollen. Die Aufgabe der Mietervereine in den einzelnen Gemeinden besteb.t in brr Vertretung der Interessen der Mieter gegenüber den Hausbesitzern. Vor allem ist dahin zu wirken, daß beim Abschluß von Mietverträgen die beiderseitigen Rechte gewahrt und etwa auftretende Streitigkeiten auf friedlichem Wege bei- gelcgt werden. Dafür ist aber eine starke Organisation notwendig; nur eine solche kann den Druck der im allgemeinen stärkeren Hausbesitzerverbände aus- gleichen und die Schlichtung von Streitigkeiten durch schiedsgerichtliche Urteile herbeiführen. Weiterhin haben die Mietcrvereine bei den städtischen Verwaltungen dahin zu wirken, daß Wohnungen in genügender Anzahl vorhanden sind und sich in gesundheitsmäßigem Zustande befinden, dann aber auch, daß die Grund- und Bodenpreise nicht übermäßig hoch geschraubt werden. Tie Frage der Deckung der von Jähr zu Jahr steigenden Bedürfnisse der Stadtverwaltungen und ihrer Verteilung auf die Grund- und Hausbesitzer und Mieter ist überall und stets ein heikler Punkt. Seitdem die Grund- und Gebäudesteuern von den Gemeinden erhoben werden, kommen diese dem Gemeinwesen zugute. Die dadurch ermöglichte Verbesserung der Gemeindeeinrichtungen bewirkte aber wieder eine Wertsteigerung der Grundstücke. Redner legte sodann an Beispielen die Vorzüge der Grund- und Gebäudesteuer nach dem gemeinen Wert vom sozialen Standpunkte dar, die nach seiner Ansicht gerechter und billiger ist als die nach dem Ertragswert. Auch die Verteilung der Umsatzsteuer in verschiedener Höhe auf bebaute u. unbebaute Grundstücke ist gerechtfertigt. Die Wertzuwachssteuer ist nach Ansicht des Redners eine der berechtigsten Abgaben; wenn von den Grundbesitzern angcsührt werde, daß ihre Abgabenlast durch diese Steuer besonders erhöht werde, so sei zu bedenken, daß sie nicht den Hausbesitzer treffen, so lange er Besitzer des betreffenden Grundstücks ist. Ebenso verhält es sich mit Lustbar- keits-, Hunde- und Schankkonzessionssteuvr. Redner berührte sodann die Gas- und Elektrizitätsfrage und
alter geheiratet haben. „Ich gebe den Kampf auf, sie ist mir über."
Der Vicomte machte sich an feinem Degengurte zu schaffen und griff nach feinem Hute, der neben ihm auf der Bank lag.
Die Besitzerin des Eulenhofes hielt ihn krampfhaft an der anderen Hand. „Ihr wollt mich doch nicht schon verlassen?" fragte sie angstvoll.
„Ja, es wird spät, die Stunden verrinnen."
„Es ist noch früh, die Nächte sind noch lang."
„Schöne Frau, glaubet mir, mir blutet das Herz, da ich Euch verlassen muß, aber von den Turmuhren hat es bereits die elfte Stunde geschlagen, und ich habe den Rheuniatismus und darf mich nicht der kalten Nachtluft aussetzen."
Bixio erhob sich. „Nun muffen wir scheiden," schrie er sie an mit aller Kraft seiner Stimme. „Lasset mich wissen, wann Ihr hierher zurückkehrt, die Zeit des Harrens wird für mich hart sein, das dürft Ihr mir glauben."
Nun ging er, und sie hängte sich an feinen Arm und humpelte nebtn ihm. Ein paarmal versuchte die Witwe ihn vom richtigen Wege zur Pforte, durch welche er eingebrungen war, abzuleiten, doch merkte er das Manöver und steuerte sicheren Fußes in der rechten Richtung. Nun waren die beiden an dem kleinen Gittertor angelangt.
Die Tür fiel ins Schloß, niedergedrückt und schwermütig verfolgte Birio seinen Weg. Nun glaubte er plötzlich Pserdegrirappel zu hören, und als et nach der Richtung schaute, von woher es kam, da sah er einen Reiter und eine Dame zu Pferde. Er stellte sich hinter den Stamm einer mächtigen Sycomore, um nicht gesehen zu werden.
„Ich lasse mir lieber die Haut in Streifen vom Leib: ziehen, als daß ich hier mein Gesicht zeige," murmelte er. „Die zwei, die da kommen, haben mich vielleicht den Eulenhöf verlassen sehen und ich möchte nicht ins Gerede kommen.
Der Pserde gingen im Schritte, die Tarne und ihr Begleiter hatten den Pferden die Zügel gelassen.
„Anatole, ich habe weder Ruhe noch Rast, seit K'"^ fnr1 nf — manchmal meine ich, es kann
Montag 10. März
gab der Befürchtung Ausdruck, baf’ späterhin burch bestimmte Manipulattonen her A. E. G. ber Stabt, befonbers aber bem Gaswerk ernste Gefahren brohen könnten. Was bie Versorgung ber Stabt mit Wasser anbelangt, so ist nach Ansicht be§ Redners die Erhebung von Wassergeld nach dem Verbrauch nicht gerecht. Da bas Wasser ein allgemein notwenbiges Gebrauchsmittel sei, müßten bie Leistungsfähigeren starker zur Deckung ber Unkosten herangezogen werben. Die Leistungsfähigkeit ergebe sich aber nicht aus der Höh: beS Mietwertes eines Grundstückes, sondern aus den direkten Einnahmen. Tie Deckung von Kanalbaukosten lediglich durch Gebühren von den Doh- nungsinhabern ist nach ber Uebcrzeugung des Redners ebenso ungesetzlich tote ungerecht. Das Kommunalabgabengesetz bestimme, baß bie Unkosten für die von den Gemeinden zu u n t e r h a l t e u d e n Anlagen zum Teil durch Gebühren, zum Teil durch allgemeine Beiträge zu entrichten seien, für die Ausführung der Anlagen sehe das Gesetz keine Gebühren vor. Tie Berechtigung ber Beiträge ergebe sich barauS, daß bie Hausbesitzer vor ber Errichtung ber Kanalisation gehalten waren, bie Aborte auf eigene Kosten leeren zu lassen. Demnach s:i zu bezweifeln, ob bie Deckung ber gesamten Kosten burch Gebühren gesetzlich sei. Gleichfalls sei bie S t r a ß e n r e i n i g u u g eine Pflicht, bie gesetzlich den Grundbesitzer _ treffe. Die Aufhebung derartiger Lasten fei ein Geschenk an die Hauseigentümer, da diese Lasten doch bei der Erbauung des Hauses miteinbcrcchnet wurden. Dasselbe sei ber Fall bei ber Deckung ber Unkosten für bie Müllabfuhr burch Gebühren. Rebner schloß seine Ausführungen mit ber Aufforderung zum friedlichen Zusammenleben bei gleichmäßig, verteilten Rechten und Pflichten im Interesse beS Friedens und des Gesamtwohles bes ©cmeintoefenS. — Herr Laux bebauerte, baß bem Mietervcrciit bis jetzt vonseiten der Mieter noch so wenig Interesse entgegengebracht würbe. Das sei umso bedauerlicher, als in letzter Zeit vom HauS- und Grunbbcsitzcrverein kraft seines Einflusses gewiße Bestrebungen zu ungunsten der Mieter geltend gemacht wurden. Besonders feien es die Mieter aus den besseren Ständen und den Arbei- terfreifen, die dem Verein noch fern ständen. Aus Vorschlag des Herrn Bürovorstehers Ebert wurde sodann der Vorstand des Vereins ermächtigt, sich mit einem Rechtskundigen ins Einvernehmen zu setzen, um gegen den Beschluß des Stadtverordnetenkollegiums betreffs der Kanalgebühren an zuständiger Stelle Einspruch zu erheben.
a Gegen die Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden außerhalb der geschloffenen Ort- schasten durch Reklameschilder wendet sich ein auf Grund des diesbezüglichen Gesetzes vom 2. Juni 1902, der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung vom 20. September 1867 und der §§ 137 und 139 beS Gesetzes über bie allgemeine Sanbesbertoaltung vom 30. 5ult 1883 nach Zustimmung des Bezirksausschusses erlassene Verfügung ber Kgl. Regierung in Kassel. Hiernach bürfen Reklamefchilder unb Tafeln, sowie Aufschriften oder Abbildungen, welche durch Form, Farbe, bürd) die Art ber Darstellung ober ber Anbringung bas LanbfchastSbild verunzieren, nicht angebracht worben; bereits bestehenbe Anlagen biefer Art sind binnen einer vom ßanbrat beftimmenben Frist zu beseitigen. Ausnahmen kann ber Sanbrat mit Zustimmung bes Regierungspräsidenten aus besonderen Gründen zulassen. Diese Bestimmungen finden Anwendung im Kreise Fulda aus die Gemarkungen Marbach, Bernhards, Steinau, Stöckels, Lehnerz, Riesig, Fulda, Kohlhaus, Bronnzell, Ziegel, Löschenrod, Kerzell, Hattenhof, Tiesen- oruben Dorfborn, Opperz, Ellers, Neustadt, Flreden, RiickerS, Höf und Haid, im Kreise Ger Sseid auf die Gemarkungen sämtlicher Stadt-, Landgemeinden und Gutsbezirke, im Kreise Hünfeld die Gemarkungen: Hünfeld, RückerS, Hünhan, Gruben A /B., 'Burghaun, Rothenkirchen, Rhina, Neukirchen, MauerS, Müsenbach, Meisenbach, Odensachsen, Hermannspiegel, Nüst, Wehrda, Oberstoppel, Unter« stovpel. die Gutsbezirke Wehrda von Stein, Hohen- wchrba und die Oberförsterei Burghaun sowie von der Gemeinde Kirchhasel der Bezirk des Weilers Stendorf. „ .
(*) Populäre physikalische Vorträge Kur, nach Ortern gedenkt der Wannte Experimentalpbyffker Dähne iroef populäre physikalische Äorträoe hier ,u halten.. Zuletzt hatten wir vor 14 Jahren Gelegenheit, die «'"Menden Vorführungen und dm klaren Vortrag dteseS Physiker- ,n beemmderu. Diesmal tritt er, den Errungenschaften der neueren Zeit Rechnung tragend, mit neuen Experimenten auf. Die Urteile, welche die bedeutendsten P ysiker über feine Tätigkeit abgegeben haben unb bte in den hiesigen Buchhandlungen ,u jedermanns Einsicht ausgehängt werden sollen, gehen die Neber,eugung, da« diele Experimentalvorlräge allgemeinste Würdigung uns Beachtung beanfpiuditn dürfen.
nicht fein, daß eS im Meere verunglückt ist." Die Dame, welche diese Worte gesprochen, Hatte eme weiches melodische Stimme.
„Anita, Du verdirbst Dir und mir bas Leben mit Deinen immerwährcnben Visionen unb Geistersehe- reien," antwortete ihr Begleiter. „Ergib Dich in bas Unvernrcibliche, baS Du bock nicht änbern kannst unb benle baran, baß ein ganzes langes Leben vor rms liegt. Bebenke boch, wie es wäre, wenn Tarent nicht zu so gelegener Zeit gestorben sein würbe —"
„Ich weiß: ost habe ich gezittert vor Entbeckung, antwortete sie. „Wollte Gott, bei morgige Tag Ware vorbei, ick bin zu Tobe erschrocken, als dieser geheimnisvolle Prinz heute bei mir fragen ließ, ob eS nur genehm fei, wenn er morgen feine Aufwartung bei mir mache. Ich konnte nicht abfchlagen, die ganze Welt buhlt um ihn. Aber es ist merkwürdig, ich fürchte mich vor feinem Erscheinen, obwohl ich ihn im Leben noch nicht gefeherr habe."
„Ich fürchte ihn nicht," entgegnete Meneviue, „wenn er manchmal den Teufel in sich zrr haben scheint, ich warte auf meine Abrechnung mit ihm. Ich höre, er will ein großes Zauberfest geben, zu dem alle? geloben wirb in Genua. Wir werben wohl auch mit zusehen, unb ich freue mich, einen Freund Birio daselbst zu sehen, mit dem ich noch ein Hühnchen zu pflücken habe. Dieser Raiisbold ist mir so zuwider, wie der Prinz, ich wollte, ich dürste beiden den Kragen umdrehen."
Die weiteren Worte des Gespräches blieben unverständlich. —
Der Vicomte trat hinter seinem Verstecke hervor.
„Wie gut, daß der Kujon mich nicht gesehen hat," murmelte er, „die ganze Provinz wüßte es in acht Tagen, daß ich ein Stelldichein mit der ehrsamen Witwe gehabt. Schau, schau, die Frau Gräfin mit dem Engelsgesicht ist eine Ehebrecherin — ich verstehe baS gar nicht — nach einem Manne, wie der verstorbene Tarent war, lecken sich sonst boch die Weiber bie Hänbe. Der Teufel traue ba noch, man soll bem Wcibsvolk auSweichen, wie bem höllischen Feuer."
(Fortsetzung folgt?