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4. Blatt.

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Fuldaer Leitung. ♦$*

JVs 56.

Samstag 8. März 1915.

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und Teutschlauv

noch Die die

— Amerikanisches Zeitungswesen. Einer neuen Statistik zufolge sind im verflossenen Jahre täglich fünf Zeitungen ins Leben gerufen worden. Äicht weniger als 1686 neue Zeitungsunternehmen wurden im Laufe des Jahres gegründet. Allerdings stellten dafür auch 1650 Zeitungen ihr Erwinen ein, so daß das Mehr nur 36 betrögt.

man Wohl annehmen, daß die Verhandlungen vor ihrem Beginne schon wieder zu Ende sind. Schuld trägt dann natürlich wie gewöhnlich „Unversöhnlichkeit" des hl. Stuhls.

X Ein Vergleich zwischen der sozial­katholischen Bewegung in Frankreich

Dann knüvit der .Bayerische Kurier' an die vor» liegende Rrichkabgabe folgende allgemeine Betrach­tungen :

„Der Militarismus frißt uns. Nur mit Dangen kann. der wahre Vaterlandsfreund die Frage

Aus Mrche und Schule.

* Der älteste Jesuit ist in Detroit (Michigcge­storben, und die dortigen Patres glauben, er sei der ätkeste Jesuit der ganzen Wclt gewesen. Ter Name des Toten ist Benedikt I. Masselis: er war ein Belgier und im Jahre 1820 geboren. Im Oktober v. Js. halte er den 70. Jahrestag seines Eintritts in den Orden gefeiert. Pater Maffelis starb im. Kloster der Universität von Detroit.

< Die Feier des konstantinischen Zenteaariums i« Rom. Der Aufruf des römischen Komitees zur Feier des konstantinischen Zentenariums hat in der ganzen katholischen Wclt einen let haften Widerhall gefunden' Hebet 3000 Lokal-Komitees wurden errichtet, gegen 70 Pilgerzüge, darunter die meisten aus Italien, sind in Rom angekündigt. Die Pilgerzüge, die das ganze Jahr dauern, beginnen mit dem Ostermontag in Rom einzutreffen. Ganz besonders großartig ver­spricht die allgemeine Illumination in Rom und den umliegenden Ortschaften, welche die Pfarrer in die Hand genommen haben, am 11. Mai, dem Vor­abend vor Pfingsten, zu werden. Der Hauptteil der kirchlichen Feierlichkeiten wird in der Lateran-Kirche der Kathedrale RomS, stattsinden.

teu.

Uns fehlen gewiß nicht die sozialen Apologeten. Namen wie Mausbach, Hitze, Mcyenberg usw. sind des Zeugen, vom _ Volksverein und so manchen ge- I lehrten Jesuiten usw. gar nicht zu reden. Uns fehlen sie aber so, tote wir sie bei den französischen Katho­liken vorfindcn. Wo ist das starke Laienelement bei uns nach der Art der Brunetisre, Goyau, Fon- sczrive, Lorin usw., bk beherzt die soziale Idee in den Mittelpunkt ihrer glänzenden literarischen Tä­tigkeit gestellt? Von diesem Gesichtspunkte aus be­trachtet, springt die große Bedeutung der sozial- I studentischen Bewegung in die Augen, die I unter Sonnenscheins begeisterter und begeisternder I Führung allmählich diese tatsächliche Lücke im deut- I scheu Katholizismus auszufüllen verspricht. I

Wir Erfreuen uns ja desselben Katholizismus I und daher desselben reichen Besitzes an sozialen I Ideen, tote die französischen Katholiken. Nutzen wir I dies aus: es kann das unsere organisatorische Tätig- I leit nur befruchten.

Ein charakteristisches Beispiel mag das beleuch- I ten. Die neuere sozialkatholische Literatur der Fran­zosen bringt sehr bemerkenswerte Studien über den „gerechten Preis", das „iustum pretium". lieber I btefe ftrage birgt die katholische Literatur namentlich I nad? Thomas von Aquino Schätze, um die uns die I heutige deutsche Nationalökonomie geradezu beneidet. I Ast uun etwa unser Interesse an dieser Frage und I den Versuchen zu ihrer Lösung geringer als dasjenige «t Franzosen? Im Gegenteil: wir, die wir auf I Grund, unserer Organisation stätigkeit in der Praxis »ns näher und näher an die bezeichnete Frage her- «ttzedrängt sehen, sind eben aus diesem Grunde einst- wnlen mehr an ihr interessiert als die Franzosen.

"Er rsrage nach dem „iustum pretium" liegt, I . na* etnem Worte Adolf Wagners, ein Hauptteil des I jmtsen heutigen sozialökonomischen Problems enthal-

. Es genügt die bloße Erwähnung der Gewerk- | UttI.^efe Bedeutung der Frage für die I ' ?®dan Katholiken noch ganz besonders zu unter- I toctt, zugleich Ijegt aber auch schon in einer |

I sich vorlegen: Wohin soll das führen? Heute kosten uns fünf Jahre Frieden soviel oder mehr als ein vcr- lorener Krieg von gestern. Der wahre Patriot bringt gern £pfer für die Sicherheit des Vaterlandes. Aber nunmehr liegen die Verhältnisse bald so, daß der eckte Patriotismus sich die tiefernste Frage vorlcgen muß: „JtqSifl dieses uferlose Rüstungswettrennen noch fange so weitergehen? Ist die Unruhe, die Un- zufrbchcnheit, die Gärung, welche dieses unausgesetzte, ständige, immer mehr und mehr forcierte Anziehen der Steuerschraube in allen Schichten der Be­völkerung erzeugt, schließlich nicht ein gefährliche­rer Feind des Vaterlandes als jeder auswärtige Gegner? Wird nickt so Jahr für Jahr von den Regie­renden der Boden frisch gedüngt, aus dem die Sozial­demokratie, der Anarchismus, die Revolution heraus­wächst? Ist da nicht schließlich eine plötzliche Explosion der europäischen Spannung der Steucrfolter ohne Ende vorzuziehen? Wie wäre es, wenn das Parlament ein­mal wieder bremsen würde aus Patriotismus, aus wohlverstandener und wahlberechtigter Liebe zur Nation ohne Angst und Bangen vor der Entfesselung der Hurrastimmung? Reich und Bundesstaaten stürzen auf dieser schiefen Ebene unaufhaltsam in die Tiefe!"

Das Blatt fügt ummilelbar einen Bericht über eine Rede des '2tbg. Held an. Di:'er führte ans:

Tie geplante einmalige Vermögensabgabe habe im ersten Augenblick etwas Bestechendes au sich, prinzipiell stehe sie aber auf dem Boden des Stgatssozia- USmus. Sie begegne schwerwiegenden Bedenken. Der Hinweis und Vergleich mit 1813 sei nicht zutreffend, indem damals das Freiwilligkeit war, hier aber Zwang. Auch staatsrechtlich sei die Idee unhaltbar, sie greife in die Steuerhoheit der deutschen Bundesstaaten ein. Praktische Bedenken stehen entgegen z. B. bei uns in Bayern, wo wir noch keine Vermögenssteuer haben und daher die Erhebung dieser Vermögensabgaben große Schwierigkeiten machen wird. Ferner müßte unbedingt verlangt werden, daß in dieser Steuererfassung das mobile und i m m o bi l e Kapital eine gleiche B e- Handlung erfährt. Wenn diese Steuer kommen müsse, dann müssen folgende Notwendigkeiten verlangt werden: 1) gleiche Erfassung des mobilen und immo- bilen Kapitals, 2) Erfassung aller Vermögensbestände, 3) Schonung der kleineren Vermögen und 4) steigende Staffelung der Steuersätze nach oben für die großen Vermögen. Betreffs der Deckung der fortlaufenden Ausgaben der neuen Militärvorlage gelte als oberster Satz: Keine weitere Steigerung der in di­rekten Steuern !

_ In llücdem ift von Be eisterung für die Vcr- I Mögensabgabe nicht eine Spur zu entdecken.

to^ben Erwähnung ein Hinweis darauf, wo die Möglichkeiten eines einträchtigen Zusammenarbeitens aller am sozialen Sehen ernsthaft interessierten deutschen Katholiken zu suchen sind. Und schließlich m ü f f c n wir auf diesem Gebiete vorwärts. Ge­rade in der praktischen Arbeit müssen helleuchtend die Fackeln den Weg entlang stehen — den Weg, dessen Zielpunkt die ewige Wahrheit ist. Sollen wir unfern französischen Glaubensbrüdern im Verein mit der Lötoener Schule das zwar arbeitsreiche, aber er­giebige Feld allein überlassen? Sollten wir nicht vielmehr den Versuch wagen, in ehrlichem Ringen mit dieser und anderen Fragen über so manche innere Schwierigkeit hintoegzukomrnen? Sollen wir die unerreichte und unerreichbare Geschlossenheit des katholischen Denkens bloß rühmen, nicht auch prak­tisch erweisen, da wir so oft die Gelegenheit dazu haben? Was könnte eine deutsche „Soziale Woche" an Schätzen heben!

Der einmal von der Herzlichkeit der französischen Sozialen Wochen umfangen gewesen ist, den wird die Sehnsucht nicht mehr loslassen nach d-r Möglich­keit tieferen Eindringens in die wunderbar reiche Ideenwelt des sozialen Katholizismus.

Es war dies in jeder Hinsicht ein glücklicher Ge­danke: die Eigentümlichkeit des gewählten Zeichens, welches von allen bisherigen. Dekorationen abwich, das Metall, aus dem es "bestand, und das zugleich als Symbols der Zeit dienen konnte, die Form, die an die deutschen Ritter in Preußen erinnerte,' vor allem aber das gleiche Anvecht des Soldaten wie des Generals gaben diesem Schmuck einen großen Wert und erzeugte» bei dem allgemeinen Wunsch, ihn zu erwerben, mehr als eine kühne Tat.*

Das schmucklose und doch so ehrenvolle Zeichen erinnert so recht an die eiserne Zeit in ihrer selbst­losen Größe, es war gestiftet für Verdienste um das Vaterland im Kampfe gegen die Franzosen. Es ist eine Erinnerung an das gleiche Zeichen, welches einst die deutschen Ordensritter auf ihrem Mantel trugen. Das eiserne mit Silber eingefaßte Kreuz trägt im oberen Balken die Buchstaben F. W. (Friedrich Wil- MmX in der Mitte drei Eichenzweige und unten , das Jahr der Stiftung 1813. Bei den verschiedenen Graden Großkreuz 1. und 2. Klasse wechselt die Art und das Band, an dem es getragen wurde. So wurde das Großkreuz, welches die doppelte Größe hat, vom Militär an einem schwarzen, weiß einge­faßten, vom Zivil an einem weißen Bande um ben Hals getragen. Die erste wie zweite Klasse trug das Originalkreuz an dem gleichen Bande im Knopf­loch, die erste außerdem ein kleines Kreuz auf der linken Brust. Bemerkenswert ift, daß einzig dem „Marschall Vorwärts" Blücher ein Kreuz mit goldener Einfassung verliehen wurde. Wenn irgend eine Auszeichnung verdient war, so diese! Am Tage der französischen Kriegserklärung, am 19. Juli 1870, ließ Wilhelm J. das alte Zeichen wieder aufleben und setzte darauf das W. mit der Krone und die Jahreszahl 1870. Tie Zahl der in dem ruhmreichen Kriege verliehenen Kreuze betrug 48574.

Für uns gilt der kommende Festtag nicht einem einzelnen Ereignisse, wir wollen an ihm überhaupt die Helden, ja das ganze Volk feiern, das damals zum Kampfe fürs Vaterland sich zusammenfchloß und damit die ersten Grundlagen schuf, auf dem sich

findet sich im Märzheft des „Hochland" in dem so­zialgeschichtlich sehr instruktiven Aufsatz „Die sozial- kacholischc Bewegung in Frankreich" von Theodor Krauer. Der Verfasser schreibt am Schlüsse: „Zwi­schen der katholischen Bewegung in Frankreich und .derjenigen in Deutschland besteht ein nicht unbe­trächtlicher Unterschied. Seine extremste Verkörpe­rung tritt bei einem Vergleich zwischen den in beiden Ländern bestehenden Bolksvereinen zutage: der Volksverein für das katholische Deutschland ist eine verhältnismäßig festgefügte Organisation mit rund 800 000 Mitgliedern, auf die er sich stützen kann; die Action Populaire ist schlecht und recht eine „semeuse y'id6es": die Organisation, auf die sie sich stützen könnte, fehlt ihr., Tie Ursache liegt darin, daß die deutschen Organisationen innerhalb eines gläubigen Volkes wirken, die französischen Sozialkathoffken aber nicht. Daher müssen sie ihr Hauptaugenmerk darauf richten, zunächst dieses gläubige Volk zu schaffen, und das kann wohl kaum anders als mit Hilfe einer starken, überzeugten Jbcenbewegung geschehen.

Wer diese Voraussetzungen im Auge behält, wird dem französischen katholisch-sozialen Leben gegenüber wohl nicht die gewissermaßen gönnerhafte Miene auf­setzen, der man in deutschen Urteilen über die fran­zösische Situation oft genug begegnet. Er wird es um so weniger tun, je mehr er in die französische Bewegung eindringt und zu der Ueberzeugung ge­langt, daß die Pflicht zum Voneinanderkernen nicht allem auf französischer Seite liegt, sondern auch auf deutscher Seite. Wir haben recht, wenn wir mit Stolz und Befriedigung auf das Urteil Hinweisen, welches die Tatsachen mit ihrer unvergänglichen Wucht zu unseren Gunsten fällen. Allein, sind wir berechtigt, darum das, was sich als logische Folgerung aus der Jdeenentwicklung ergibt, geringer anzuschla­gen? Gewiß nicht. Eine Organisation, die durch die Stärke ihrer Mitgliederzahl sich erhält, ist nicht schon dadurch vor der Geschichte gerechtfertigt. Und wenn sich — Foerster hat es schon einmal befürchtet das Crganifationsleben auf die Anerziehung kol­lektiver Gefühle und Fähigkeiten beschränken würde, dann wäre das eine Gefahr, vor der nicht ernst genug I gewarnt werden kann. I

■ Es scheint uns vielmehr, daß, gerade weil wir I ein so starkes Organisationsleben haben, welches uns aus der Natur der Sache heraus mit der staubigen I Luft des Geschäftslebens umgibt, wir doppelte Sorg- I falt darauf verwenden müssen, uns ständig in der I Nähe der reinen Höhenluft erhabener Ideen zu hal- I

Weisen und Gesetzen der Väter leben darfst, wo dich beglücket, was schon deinen Uretterbater beglückte; too keine fremden Henker über dich gebieten und keine fremden Treiber dich treiben, wie man das Vieh mit dem Stecken treibt.

Dieses Vaterland und diese Freiheit sind das Allerhelligste auf Erden, ein Schatz, der eine unend­liche Liebe und Treue in sich verschließt, das edelste Gut, was ein guter Mensch auf Tüten besitzt unb zu besitzen begehrt.

Darum auch sind sie gemeinen Seelen ein Wahn und eine Torheit allen, die für den Augenblick leben.

Aber die Töpfern heben sie zum Himmel empor und wirkcn Wunder in dem Herzen der Einfältigen.

Aus denn, redlicher Deutscher! Bete zu Gott, daß er dir das Herz mit Stärke fülle und deine Seele entflamme mit Zuversicht unb Mut."

Möge dieser Geist das deutsche Volk in diesen schönen Erinnerungstagen durchleuchten, möge er alle sammeln, die zersprengt durch Leidenschaft, be­tört von gewissenlosen Verführern sind, damit es vom Baterlande wieder heißt wie damals „ein einzig Volk von Brüdern!" Dann wird auch auf unsere Zeit das Lied passen, das der edle v. Schenken- dorf dem Landsturm von 1813 fang:

Die Feuer sind entglommen, Auf Bergen, nah und fern, Hcih, Windsbraut, sei Willkomm Willkommen Sturm des Herr:-, Das Land ist aufgestanden — 1 'in herrlich Osterfest — Ist frei von Sklavenbanden. -?tc hielten nicht mehr fest:

0 Erinnerungen an Vie Freiheits­kriege.

v.

•Seifd) auf, mein Volk, die Flammenzeichen rauchen!"

Das deutsche Volk begeht am 10. März in froher gfreube die hundertjährige Erinnerung an die Wen -tage der Erhebung des Vaterlandes aus efer ohnmächtiger Knechtschaft, denn nirgend wo- M hatte Napoleon I. seinen Fuß so hart gesetzt, 7? tn den Nacken des deutschen Volkes. Mit fein» fcc.ovener. Sntrigue hatte er die Stämme entzweit, Z? & Glinst, hier rohe Gewalt anwendend, m das Herz Europas zu zerreißen, um ihm den nchw-n 5U frdfti9cm' einmütigem Widerstand zu rs. Und- doch erhob sich das deutsche Volk, dank dem Ä^^encr edler gottgeweckter Führer, dank der im >.ue unsterblichen Treue zum Vaterlande, die den ’öt r Mut unb Besinnung Wiedergaben,, alle

endlich bannten und sie wieder an die Spitze 'toeg Freiheit bürstenden Vaterlandes führten, fan« sn Hut die patriotische Feier gleich an den An- de-- io ^Ennnerungstage gesetzt und das Datum edio1 gewählt, weil er das Geburtsdatum der I8in Ä-° ss'gin Luise <1776, gestorben 19. Juli hifrfj ö- lener hochherzigen Frau, die in vatorlän-

-«-tobe unb Aufopferung dem deutschen Volke unsterbliches Beispiel bleiben wird-

$ über ist der 10. März der hundertjährige üu sn ,-5' der durch König Friedrich Wilhelm ITT.

<5re»Iau erfolgten Stiftung des Ordens vom 11 L c.n Kren z".

p A eber dieses Geschehnis berichtet uns General 9:n in seinen Denkwürdigkeiten u. a.:

®6nia ' reut urich, hier sagen zu können, daß der hervw^E^t auch mit einem ihm eigenen Gedanken ber .^r vielfach unb günstig in die Stimmung StiSÄ ; Es war dies die Stiftung des Entwirr Lenzes; ich habe den eigenhändigen ersten

Les Königs sowie die von ihm mit Bleistift c~wtlcne Zeichnung selbst in Händen gehabt.

AklZlÜKö.

I k Orbensauszeichnnngen an katholische Schwestern iu Frankreich. Das „Journal Officiel" veröffentlicht

I wieder eine lange Liste von Personen, die wegen I außerordentlicher Dienstleistungen in der öffentlichen I Krankenpflege dekoriert worden sind. Darunter be­finden sich auch zahlreiche katholische Schwestern, die unter der Bezeichnung Krankenpflegerinnen" auf­geführt sind. Man schämt sich anscheinend in den offiziellen Kreisen doch, daß man gezwungen ist, die­selben bewunderungswürdigen Frauen, welche die Freimaurerei verjagt hat, wegen „außerordentlicher Dienste" dekorieren zu müssen; deshalb unter»

! bleibt die Bezeichnung Schwester. — §m scharfe,! Gegensätze zu dieser Notiz steht eine erichtsverhandlung in Bonches-du-Rhone, in wel­cher eine Krankenpflegerin des weltlichen Kranken­hauses von Tarason wegen Beraubung eines dort untergebrachten Geisteskranken zu 5 Monaten Ge­fängnis verurteilt wurde. Aus den Zeugenaus­sagen ging hervor, daß in dem Krankenhaus von Tarason von den Laienpflegerinmm förmliche Or­gien gefeiert wurden. Eine der Krankenpflegerinnen war ständig betrunken, eine andere führte sich scham­los auf. Die Kranken überließ man ihrem Schicksal. Um diesen Zustand herbeizuführen, der in allen ver­weltlichten Krankenhäusern Frankreichs so ziemlich derselbe ist, hat man erst die frommen Schwestern aus ihrem Wirkungskreise vertreiben müssen.

△ Eine „Landreform" in England. Die englischen Liberalen wollen die zwei Jahre sicherer Herr­schaft, die chnen noch verbleiben, allem Anschein nach im Interesse der künftig'en Wahlen zu großen Versprechungen ausnutzen. Nachdem der Finanzminister Lloyd George bereits durch verschie­dene Reformen an der Schwächung des Ansehens der Kammer des Landes sein redlich Teil beigetragen, hat er vor wenigen Tagen die „Landreform" im radikalen Klub persönlich angefünbigt. Er setzte auseinander, daß die Landarbeiter schlecht bezahlt, schlecht unterge- bxacht sind und bas England, das reichste Land ber Welt, zur Ernährung seiner Bewohner wenigstens die Hälfte mehr als bis jetzt produzieren müßte; es sei daher an der Zett, eine moderne Agrargesetzge­bung zu schaffen. Man müßte von den großen Grundbesitzern bessere Zustände für ihre Arbeiter er- |

vtttistzez Neich.

“* ta$ Steutt-tivistginm der Frftstk». Im ,N. I Mannheimer Volksblaü' Nr. 62 äußert sich Rcichs- I tagsabgeordneter Dr. Zehnter lZtr.1 in bemerken?« I werter Weise zu der geplanten KriezSstener. Er bc« I merkt u. a. auch kalo.aides:

Erfreulich ist, daß die Landesfürsien sich bereit I erklärt haben, zu dieser einmaligen Vermögensabgabe auch ihrerseits beizutragen. Bisher wurden in den I Steuergesetzen des Reiches die Landesherren immer I ausdrücklich ausgenommen. Es verlautet, daß in I dem Gesetz über die einmalige Vermögensabgabe die I Landesherren nicht erwähnt werden sollen, woraus dann I ihre Steuerpflicht ohne weiteres zu folgern wäre. Ab­gesehen von dieser einmaligen Abgabe halten sedoch die Landesherren im Übrigen, wie man sagt, an dem Pri- I vilegium ihrer Steuerfreiheit fest. Ob dieses Privi- I legium wirklich dauernd festgehalten werden kann, I wird immer zweifelhafter. In den Kreisen des I Reichstags schwindet die Neigung dafür in dem Maße, I als die steuerliche Belastung des Volkes wächst. Man wird sagen können, daß das Privilegium mindestens I insoweit keine Berechtigung mehr hat, als es sich um I Reichssteuern handelt, die zur Sicherstellung des I Reiches notwendig sind; denn an dem Zustande des I Reiches sind die Landesherren in allererster Reihe ^-in- I teressiert und beteiligt. Auch wird geltend gemacht, daß I sie wohl Landesherren in ihrem Staate, aber nicht im I Reiche sind. .

»* Die Vermögen?abzabe für die neue Wehr Vorlage ist in der Zentrumspresse als ein guter Gedanke be­zeichnet worden, ohne daß man ihn indessen begeistert begrüßt hätte. Man betrachtet die zu erwartende Vor­lage alS den sauren Apfel, in den man nun doch beißen müsse. Die Bedenken, die gegen die Vermögens­abgabe spechen und die Sicherungen, die habet ver­langt werden müssen, sind in verschiedenen Zentrums- blättern, so auch bei uns scharf,um Ausdruck gebracht worden. Vielleicht am kritischsten äußert sich daß Münchener ZentrumSblatt, der .Bayerische Rin V. Er schreibt, über das .Pr'nzip* bestehe Uebetem« ftimmung, der Besitz müsse die neuen Lasten tragen. Dann heißt es weiter:

»Eine solche. grundlegende Auffassung schließt aber nicht in. sich, daß man den neuen Kriegssteuervorschlag ßlatt hinnimmt. Reserve namentlich gegenüber den noch nicht bekannten Einzelheiten scheint geboten. ES wird sorgfältiger Prüfung bedürfen, um zu ber» hindern, daß die letzten Dinge n i ch t ä r g e r w er­den als die ersten, daß nicht unser Wirtschafts- körper, der seit Monden bleichsüchtig umherschleicht und I gar keine Besserung zeigen will, durch diese gewaltige Blutabzapfung noch blutleerer und siecher wird; denn die Folgen wirken sich dann nicht am Be- sitz aus."

Der ,Bayerische Kurier^ hebt hervor, wie zwei« I schneidig eS sei, wenn die Steuerzahler zur Aufbringung I der Abgabe Kredit in Anspruch nehmen müssen, wie einseitig eS wäre, den Besitz unabhängig vom Ein­kommen zu belasten:

„Warum wird wieder lediglich die Brandschatzung I des Sparers und nicht auch kräftigere Heranziehung I desjenigen, der sein Einkommen verpulvert? . . . Der I Gerechtigkeit entspräche eS, einen Weg zu finden, der auch die hinauSgeworfenen Vermögen, nicht I bloß die ersparten, gleichmäßig trifft. Warum! steuerliche Privilegien für die staatspolitische und Volks- I wirtschaftlich sicherlich nicht weniger wertvollen Teile un. | serer Bevölkerung?"

nach langen inneren Kämpfen allerdings, später das stolze Gefüge des geeinten deutschen Reiches aufbaute.

Der gemütvolle Fritz Reuter sagte einmal, es ist schade, daß so große Zeiten so wenig toiederkehren. Und darin möchte ich ihm Recht geben, aber an uns ift es, sie auch ohne die Schrecken eines Krieges wie- der aufleben zu lassen. Wir können es, indem totr uns in den Geist jener Tage versenken, eS nicht bei «nigen patriotischen Phrasen bewenden lassen, son- oern durch die Tat beweisen, daß wir unser Bater- lanb lieben, deutsche Treue und deutsche Tugend, echt christlichen Gesst in uns und hn ganzen Volke hegen und pflegen.

Das ist ja das Erdreich, aus dem einst die Quel­len der Kraft enffprangen, die das Vaterland aus ttesster Erniederung zu neuer Größe erhoben!

Prächtig hat uns Ernst Moritz A r n d t in feinem „Katechismus für den deutschen Wehrmann" den Vaterlands- und Freiheitsbegriff bargelegt, indem er u. a. schreibt:

Wo dir Gottes Sonne zuerst schien, wo dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, wo feine Mitze dir zuerst feine Allmacht offenbarten, und seine Sturmwinde dir mit heiligen Schrecken durch die Seele braufeten, da ist deine Siebe, da ist dein Vater­land.

Wo das erste Menschenang sich liebend über deine Wiege neigte, wo deine Mutter dich zuerst mit Freu den auf dem Schoße trug, und dein Vater dir die Lehren der Weisheit und des Christentums ins Her; grub, da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland

- Unb seien es kahle Felsen und öde Inseln, unb wohne Armut und Mühe dort mit dir, du mußt das Land ewig lieb haben; denn du bist ein Mensch und sollst nicht vergessen, sondern behalten in deinem Herzen.

Auch ift die Freiheit kein leerer Traum unb kein wüster Wahn, sondern in ihr lebt dein Mut und dein Stolz unb bte Gewißheit, daß du vom Himmel stammest.

Da ist Freiheit, wo du leben darfst, wie es dem tapfern Herzen gefällt; wo du in den Sitten und

I wirken und außer einem Mindestlchu auf die Erbau­ung gesunder und billiger Wohnungen für die Ar­beiter und kleinen Pächter bringen. — Diese Reform­versprechungen werben bei ben Wahlen auf die bäuer­liche Bevölkerung denselben „guten" Eindruck aus-

I üben, den feiner Zeit der Feldzug Llovd Georges ge- I gen die Lords bei der städtischen Bevölkerung hervor­rief.

** Die Furcht vor Gespensterluftschiffen in Eng­land hat das Ministerium des Innern auf Grund des kürzlich angenommenen Luftschiffahrtgesetzes zu Bestimmungen veranlaßt, die u. a. eine lange Auf­zählung von Oertlichkeiten enthalten, über" denen jebe 2trt von Luftschiff- oder Flugzeugverkehr ver­boten ist. Ausländische Aeroplane müssen über einem von acht bestimmten Streifen Küsten­landes in das Land gelangen und innerhalb von fünf Meilen landeinwärts landen. Für Besuche ausländischer Luftschiffe ist die Erlaubnis durch den britischen Konsul einzuholen, dem genaue Angaben über die Besatzung des Luftschiffes und den Zweck der Fahrt gemacht werden müssen.

△ Die Entchristlichung ber Schule in Spanien. Ter 'Ministerpräsident Romanones gehört zu der I nicht seltenen Klasse von Männern in Spanien, die in ihrem privaten Leben gute Katholiken und in ihrer I politischen Tätigkeit gute Diener der Loge sein wol- I len. Dies tritt auch in der Schulfrage zutage. Der I ganze spanische Episkopat hat sich für die konfessio- I nelle Schule und für die Beibehaltung des obligato­rischen Religionsunterrichtes ausgesprochen, trotzdem bereitet der „gute Katholik" Romanones ein Dekret I vor, welches den obligatorischen Religions­unterricht auf hebt. Die Nationalliga der spanischen Familienväter hat auf die Kunde von die­sen: Vorhaben hin gegen diesen ersten Akt der Ver- I weltlichung der Schule protestiert und eine Abord­nung zu dem Ministerpräsidenten geschickt. Roma­nones erklärte, er werde durch ein königliches Dekret, das dem Papste vorher zur Kenntnis gebracht wür­de, den Religionsunterricht zu einem wahlfreien I Unterricbtsgegenstand gestalten. Die Abordnung gab I den Ministerpräsidenten ihr Mißfallen über eine solche Maßnahme zu verstehen und erklärte, ein sol­ches Dekret sei gegen die Gesetzgebung und gegen das allgemeine Empfinden der Nation unb der Ka­tholiken, welche den Kampf zur Verteidigung des ob­ligatorischen Religionsunterrichtes in den Schulen fortsetzen würden. Romanones hat das alte ränke- voll>e Doppelspiel der spanischen Polittk gegenüber dem hl. Stuhl wieder ausgenommen, das ersieht man am besten daraus, daß er sagt, er werde

| den Papst von dieser Maßnahme, welche nur der erste Schritt zur Verweltlichung der Schule ist, in • Kenntnis setzen. In dem Augenblicke, da er einen Botschafter an den Vatikan schickt, verübt er auf den katholischen Glauben des spanischen Volkes ein schwe­res Attentat, indem er den Kindern den Katechismus aus der Hand reißt. Diese Tatsache aber will er in dem Augenblicke, da die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Spanien ausgenommen werden sollen, dem Papste mitteilen. Da der Papst einem solchen Schritt nicht zustimmen kann, und Romanones sein Dekret deswegen kaum zurückziehen dürste, kann