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Zuldaer Zeitun

Monats-Veilage:

s rithungsliste» der preußifdj-fübbeutfdjen Klaffen-Iotterie. — Halbjährlich Loschenfahrplan. a

Nr. 56

Erstes Blatt

Samstag den S. HTärz 1913

40. Zahrgang.

^rfdidnt täglich mit Ausnahme dar Sonn* unb Zeicrtage. Diertel- iilhritcho Bezugspreis ohne Bringerlohn unb Bestellgeld tn Hulda jotolc auswärts 1.50 Mark. Rotatlonsbrudr unb Verlag der s s $ulbaer flcflenbrudwrd In Hulda. Semfpredjer Nr. S. - Z

z z tüod)en-Beilage: z z

Illustrierte Sonnfagszclhmg

flmetgm: Der Raum ein« etnrpalhgen Coicre.jt.u, 4,' mm breit, koflet 15Pfg.

Reklamen: Der Raum einer Color.eljclle, 74 mm breit, kof’et 40 Dfa. Bei

Zuldaer 6efchichtsblätler ÄftK

Magen een $arterungen Ist Juiba. flnielgen-flnnaljrre bis fö Ubr aarmittags. - - Grbbere flnjelgen erbitten wir uns tags vorher. K ,

ÄS.

> Deutscher Reichstag. Hr, Sitzung vom 7. März 1913.

Die zweite Beratung des KolonialriatS wird fort« gesetzt.

Äbg. Noske (Soz.): Man soll dem Gegner nichts schuldig bleiben. Nach vielem Prinzip werde ich jetzt mit denjenigen Herren abrechnen, die Borwürie gegen die Sozialdemokratie erhoben haben. Der Redner pole­misiert daraus gegen die Ausrührungen der gestrigen Redner und meint schließlich, wenn die Regierung und die bürgerlichen Parteien in kolomaipolitiichen Fragen schon etwa? gelernt haben, so ist das lediglich ein Ver­dienst der Sozialdemokratie. «Lachen.) Im Jahre 1907 ist man dem deutschen Volke mit den verlogensten Kolontaischwindeleien gekommen und hat es zu oen strotzen Ausgaben veranlaßt. Trotz der nicht zu ver­kennenden wirtschaftlichen Entwicklung des Schutzgebietes hat auch im vorliegenden Etat der Reichszuschuß eine weitere Steigerung erfahren. Der Redner behauptet, in Südwestajnka habe sich das Verbrechen der Bevölkerungs- ausrollung schon empfindlich gezeigt, und tritt für eine menschliche Behandlung der Schwarzen ein.

Abg Hartrath (Ztr ) wünscht für die Kolonialfrauen­schule im Karthaus bei Trier eine Erhöhung der Unterstützung auf 500 Mark wie sie auq bei der Kulonialsrauenschule in Weilbach fiattgefunben habe, und regt an, für die in diesen Frauenschulen ausgebildeten Mädchen eine Art staatliche Auskunstsstelle einzurichlen.

Abg. Müller-Memmgen (Vp.) hält die Kolonialkritik der Soziald-motratie für unberechtigt und will die staat­liche Aufsicht gegenüber den Mifsionsschulen straffer gehandhabt wiffrn.

Abg. Kleinath (natl.) hält es für natürlich, Geld in die Kolonien hmeinzustecken und, rote die englische Koloni ckpolilik lehre, den Erfolg erst nach Jahrzehnten zu ernten. Für die segensreiche Tätigkeit der Missionen wünscht er alle mögliche Förderung, auch durch finanzielle Zuwendungen, seiner weitere Ausdehnung des Schul­wesens besonders der Regierungsschulen. Zum Schluß bittet er. daß die Kolonialverroaltung ihre Abneigung gegen das Hinausgehen verheirateter Beamten in die Kolonien fallen laste.

Abg. Dr. Oeriel (kauf.) stimmt int letzten Punkte dem Vorredner bet und wünscht noch in höherem Maße als bisher Frauen in die Kolonien gesandt. Die Aus­führungen des Staalssekrelärs über de Erziehung der Eingeborenen hält ec für zu theoretisch und wünscht mehr Erziehung zur christlichen Kultur, da Erziehung zur Kultur ohne Erziehung zum Christentum unbentbar fei. Er ist für kräftigste Förderung der Missionen und hält zur Unterstützung der Farmer in Südwest-A rika die Errichtung einer Vodenkredilbant dringend no.wendig. Für die ungefügen ajrlkanifcheu Namen wünscht er möglichst deutsche.

Slaatsjekretär Dr. Solf erklärt, daß seine Aus­führungen zur Eingeborenenfrage nicht nut Theorie, sondern das Exerpt seines 15 Jahre langen unmittel­baren persönlichen Verkehrs mit den Eingeborenen sei. Bezüglich der Staatsschulen besitze der Gouverneur selbst­verständlich daS RevifionSrecht, und die Missionsschulen hätten sich ihm freiwillig unterstellt. Gegenüber dem Abg. Hartrath bemerkt er, daß für junge Mädchen augenblicklich nut in Südwest-Afrika Stellungen in Fiage kommen könnten, jedoch kein junges Mädchen ohne festes Engagement in die Kolonien reinen solle.

Abg. Mumm (W. V.) ist für größte Forderung der Missionen. Es sei ein Verdienst Deutschlands, toemt auch mit schweren Opfern den ewigen Bruderkämpsen der afrikanischen Stämme ein Ende gemacht und Frie­den geschaffen zu haben. Er bittet um Unterstützung des Antrages seiner Partei, bet die Einstellung weiterer Mittel für Schulzwecke in den Kolonien fordert.

Abg. Dr. Weill (Soz.) spricht sich gegen die Kon-- zessionsgeselschasten aus und redet von Lotterwirtschaft. Die französischen Gesellschaftern führen, sagt der Redner, immer noch in unserem neuen Gebiet ein blühendes Dasein. Es handelt sich um die ärgste Plünderung der Kolonie. Leider ist die Regierung diesen Bestrebungen nicht nur nicht entgegengetreFen, sonden sie hat sie sogar unterstützt. Bezeichnend ist, daß von der deutschen Re­gierung Dr. Seniler, der ^Berichterstatter der Budget, kommission, für den Kolonialetat, für die Verhandlun­gen mit einem Jnteressenkonsortium bezeichnet worden st. (Höri, hört!) Auch bezüglich der Bahnbauten hat /ich Dr. Semler besonders engagiert.

Kleines Feuilleton.

— Prophetenweisheit. In einer italienischen Wochenschrift (Doinenica Del Corriere) begegnet man einer Weissagung über das deutsche Kaisertum, als deren Quelle ein nicht näher bezeichnetes französisches Blatt angegeben wird. Im Jahre 1829 befragte „Wilhelm I. von Preußen" die berühmte Karten­schlägerin Lenormand, Ipann er zuerst ein Heer auf dem Schlachtfelde befehligen würde. Die Antwort lautete: „Sie brauchen, der Zahl des laufenden Jah­res nur deren einzelne Ziffern hinzuzuzählen." Tas ergab: 1829 + 14-8 + 24- 9 = 1849. „Und wirklich: im Jahre 1849 rückte Wilhelm I. von Preußen zum ersten Male ins Feld, und zwar, um die Erhebung des Herzogtums Baden zu unter­drücken." Eine weiter« Frage galt der Zeit des wich­tigsten Ereignisses, das auf diesen Feldzug folgen würde. „Wiederholen Sie jene Rechnung mit der gewonnenen Grundzahl." 1849 4- 1 + 8 4-4 + 9 = 1871. „Und. wirklich: im Jahre 1871 völl­ig sich das größte Ereignis: der König von Preu- Brit wurde Kaiser tzpn Deutschland." Darauf er­kundigte sich Wilhelm. I. nach dem Jahre seines To­des; die Prophetin verwies ihn wieder auf denselben Weg. 1871 + 1 + 8 + 7 + 1 = 1888. „Und tintig: Wilhelm 1. starb im Jahre 1888." Endlich stellte Wilhelm T. eine vierte Frage, über seine Lebenszeit hinaus: in welchem Jahre Deutschland wit dem Aufgebot aller Kräfte seine Eroberungen zu verteidigen haben wurde. Eine gleiche Auskunft: 1888_+ 1 +8 + 8 + 8 = 1913. Der italienische Gewährsmann er-tzeht sich nun in philosophischen Betrachtungen über die angeblichen Vorhersagungen ^r Sibylle. Er steht nämlich in den Tatsachen ,der 'whre 1849, 1871 und 1888 richtig eingetroffene prophezeihungen und stellt allerhand Deutungen für .a§ Unglücksjahr 1913 auf. Nun ja; es mag für ttnen Augenblick überraschen, wie die oben ausge- tahlten Weissagungen so prächtig in Erfüllung ge­lungen sind. Abar unser italienischer Seelenforscher

Abg. Dr. Semler (natl.): Ich wußte, daß etwas in der Luft lag, daß mir die Sozialdemokraten etwas anhängen wollten, weil ich ihnen gestern die völlige Dürftigkeit ihres Standpunktes klargemacht hatte. Man hat eine Jntrigue inszeniert, um mich an den Pranger zu stellen. Die sachlichen Verhältnisse liegen so: Ich wurde vor einigen Jahren gefragt, ob ich in den Auf­sichtsrat der Gesellschaft Südkamerun eintreten wolle. Das Kolonialamt, bei dem ich anfragte, hatte keine Be­denken gegen meine Beteiligung, auch die Budgetkom­mission nicht, wo ich umherfragte. Was ist also Un­lauteres darin? Die Gesellschaft Südkamerun hat einen Verdienst an der günstigen Entwicklung des Hinterlan­des. Weil nun ewige Grenzstreitigkeiten an der Ka­meruner Grenze bestanden, wendeten sich Vertreter der benachbarten französischen Konzessionsgesellschaften auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes an r -ch. Dar­über wurde nun verhandelt, und ein Ergebnis erzielt, das die Zustimmung des französischen Ministers des Auswärtigen enthielt. Was ist denn nun an diesen Verhandlungen Böses? (Zischen bei den Soz.)

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird das. Gehalt des Staatssekretärs bewilligt und eine Resolution an­genommen, wonach in dem nächsten Entwurf des Haus­haltsetats für die Schutzgebiete höhere Summen für Schulzwecke einzustellen sind.

Der Rest des Etats wird nach unerheblicher Debatte nach den Kommissionsbeschlüssen bewilligt.

Samstag: Etat der Schutzgebiete.

Vreutzischer Landtag

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 7. März 1913.

Nach kurzer Debatte wird der Antrag des Abg. v. Amim-Züsedom (k.) auf Einführung eines sog. Not­paragraphen in den Etat, um so, da der Etat bis zum 1. April nicht fertiggestellt wird, die fortlaufenden Ausgaben auch über den 1. April hinaus im neuen Ctats- jahr vornehmen zu können, an die Budgetkommission überwiesen.

Es folgt die erste Beratung eines zweiten Nachtrags­etats, der 6 Millionen zur Erwerbung des dem Abgeord­netenhause benachbarten Grundstückes Königgrätzerstraße 121, Prinz Albrechtstraße 6 fordert.

Dem Bankdirektor Karl v. Winterfeld, dem der Er­werb dieses Grundstücks vom Militärfiskus in Aussicht gestellt war, werden 2 608 000 Mk. als Ent­schädigung für den Verzicht auf seine Anwartschaft gezahlt. Das dem Militärfiskus gehörige Grundstück Königgrätzerstraße 122 wird gegen das dem preußischen Fiskus gehörige Grundstück Hinter dem Giehhause Nr. 1 umgetauscht. In Verbindung mit dem Nachtragsetat wird der Antrag des Abg. Strosser (kons.) belr. Erwerbung eines Grundstückes der Heeresverwaltung für das Abgeordnetenhaus beraten. Die Budgetkommission beantragt, die Staatsregierung zu ersuchen, geeignete tod;ritte zu tun, um die an der Westseite des Abgeord­netenhauses gelegenen Grundstücke für Zwecke des Abge­ordnetenhauses zu erwerben.

Abg. Wallenborn (Ztr.): Wir rechnen bestimmt dar­auf, dah die Regierung in der Budgetkommission Auf­klärungen über die behaupteten Tatsachen geben wird. Ich beantrage formell, die Sache der Budgetkommission zu überweisen.

Abg. Dr. Pachnicke (Vp.): Eine glückliche Hand haben die Beteiligten in dieser Sache auf keinen Fall gehabt. (Sehr richtig!) Unsere endgültige Stellungnahme wer­den wir uns Vorbehalten müssen, denn das Schicksal des Gesetzentwurfes hängt vom Reichstag ab, der ja erst seine Zustimmung geben muh.

Abg. Hoffmann (Soz.) bemerkt dem Minister gegen­über, er habe die Dinge hier so vorgetragen, wie sie in den Akten eines königlich preußischen Justizrats—dar- gelegt seien; er bleibe dabei, daß der preußische Staat 2,6 Millionen zu viel für das Grundstück zahle.

Finanzminister Dr. Lentze: Ein Grundstück von die- ser Gröhe und in dieser Lage ist sechs Millionen Mark wert.

Abg. Strosfer (kons.): Es ist das beste, die eingehende Prüfung der Budgetkommission zu überlassen.

Abg. Hoffmann (Soz.): Wir können aus Reinlich- keitsgründen nicht mitmachcn, wenn einem Spekulanten 2,5 Millionen geschenkt werden sollen.

hätte sich zuerst Rechenschaft darüber geben sollen, tote billig solche Prophezeiungen nachträglich herzustellen sind. Die einzige Quelle ist eine „Le­gende", die sich angeblich „im Hohenzollernhause seit drei Geschlechtern fortpflanzt". Zwei ‘ sehr einfache Ziffern genügen, um den ganzen Aufbau zu tragen: das Kaiserjahr 1871 und das Todesjahr 1888. Die toohl bei einer Ziffernspielerei gemachte Wahrneh­mung, daß 1888 zufällig gleich 1871 -j- 1 + 8 + 7 + 1 ist, legte den Gedanken nahe, zurückzu­rechnen, und so stieß man auf 1871 = 1849 + 1 4-8 + 44-9. Als neues Jahr muß also 1849 hmein; es fügte sich — vermeintlich —, daß damals Wilhelm I. zum ersten Male ins Feld zog und das „Herzogtum Baden niederschlug". Nun war aber Prinz Wilhelm schon 1814 zuerst ins Feld gezogen und hatte bei Bar-sur-Aube das Eiserne Kreuz er­rungen. Ferner fallen gerade die toichügsten Ereig­nisse aus, die Jadre 1858 und 1861 mit der Regent­schaft und der Königskrone, für einen nachgeborenen Prinzen doch bedeutungsvoll genug. Auch 1866 fehlt. Diese Ziffern passen eben nicht in den gewählten Rahmen. Wie kommt der Erfinder nun zu seinem Ausgangspunkt 1829? Wiederum recht einfach; man sucht rückwärts eine Jahreszahl, die um ihre einzelnen Ziffern vermehrt 1849 ergibt; das ist eben 1829. Nur aus diesem Grunde wird hier bcr Beginn der ganzen prophetischen Herr­lichkeit angesetzt. So werden also 1829, 1849 und natürlich auch 1913 über den Leisten des Zufalls 1871 + Quersumme = 1888 geschlagen und mit willkürlich ausgewählten Begebenheiten ausgestattet. Bei 1829 aber muß die Geschichte aufhören, denn 1829 gehört zu den elf Jahren des Jahrhunderts, die man auf keine Weise erhält, wenn man eine Grundzifser und deren Quersumme zusammenzählt. Der Italiener also hätte, ehe er seine psychologische Spintisierung begann, sich die Frage stellen sollen, ob die Prophezeiung vor dem Jahre 1849 gedruckt oder sonst urkundlich belegt gewesen wäre.

— Wird es einen insektenreichen Sommer ge­ben? Der „Frankfurter Zeitung" wird geschrieben: Dey, diesiäbria- Winter toqr im allgemeinen ziemlich

Finanzminister Dr. Lentze: Der Reichsfiskus kann sich hier nicht wehren, sonst würden toir, vielleicht Nach­weisungen hören, um die Vorwürfe zu entkräften.

Abg. Hoffmann (Soz.): Der Kriegsminister war ja aufgefordert worden, hier zu erscheinen. Warum kommt er nicht?

Die Vorlage wird an die Budgetkommission ver­wiesen.

Es folgt die Beratung des Etats der Zentralgenossen- schaftskasje.

Abg. v. KrieS (kons.) drückt seine Beftiedigung über das günstige Geschäftsergebnis und die gute Entwick­lung der Zentralgenossenschaften aus.

Abg. Dr. Stull (Ztr.) gedenkt in ehrenden Worten des verstorbenen Generalanwaltes des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften Herrn Geh. Rat Haas. In den Kreisen der Genossenschaften bestehe vielfach eine Unzufriedenheit mit dem sogen. Ausschuß der preußischen Zentralgenossenschaftskasse. Er hält _e§ für richtig, den großen Landes- und Provinzial­verbänden der Genossenschaften eine entsprechende Ver­tretung in Aussicht sicher zu stellen. Vor allem prak­tische Genossenschaftler zu berücksichtigen. Er verbreitet sich dann über die Ausschließlichkeitserklärung im Ge­schäftsverkehr der Zentralgenossenschaftskasse. Er wünscht endlich Schluß der gegenseitigen Bekämpfung des Neuwieder Verbandes und der Zentralgenosseu- schaftskasse.

Abg. Oeriel (natl.) pflichtet dem Vorredner im letz­ten Punkte bei und wendet sich gegen die Bemerkung des Handelsministers, daß die Revisionstätigkeit der land­wirtschaftlichen Zentraldarlehnskasse nicht einmal den gesetzlichen Vorschriften entspräche.

Äbg. S>r.._ Krüger (Vp.): Die preußischen Genossen­schaften bedürfen keiner staatlichen Bevormundung, l Beleihung der Haftsumme halte ich für einen schreienden Mißstand und bedaure den Konkurrenzkampf zwischen Sparkassen und Genossenschaften.

Unterstaatssekretär Michaelis erklärt, die Zentralge­nossenschaftskasse müsse eine Preußenkasse bleiben und die Entwicklung der Organisation der Zentraldarlehns­kasse halte er nicht für heilfam.

Abg. Dr. Wagner-Breslau (freikons.) dankt der Zen­tralgenossenschaftskasse, daß sie das Weiterbestehen der schlesischen Darlehnskasse ermöglicht habe.

Präsident der Zentralgenossenschaftskasse Dr. Heili­genstadt stellt fest, daß der Ausschuß durchaus unpar­teiisch zusammengesetzt sei und den Genossenschaften be- reitwilligst geholfen worden sei. Von einer Bevormun­dung der Genossenschaften könne keine Rede sein.

Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) bemängelt, daß die Zentral- genossenschaftskasse mit keiner einzigen unterstützungs­bedürftigen Arbeiterkonsumgenossenschaft in Verbindung stehe.

Abg. BrorS (Ztr.): Die Bedingungen, unter welchen den Verbandskassen von der Preußenkasse Vorzugskredit bewilligt wird, sind ganz harte und kommen dann erst recht zum Ausdruck, sobald in Gemäßheit der Ausschließ- lichkeitserklärung alle Depositen bei der Preußenkasse abgeführt werden müssen, deshalb ist der Wunsch der Verbandskassen, den Zinsfuß der Depositen auf min­destens BVs bis 3% zu erhöhen, zumal kommunale Spar­kassen solchen Zinsfuß gewähren. Weiter sollte den Ver­bandskassen das Recht zugestanden werden, einen Teil ihrer Depositen in erststelligen Hypotheken anzulagen.

Samstag: Weiterberatung, Wassergesetz und Aus- grabungegefetz.

qZ Die Abbestellung des General­streiks in Belgien.

Freitag mittag empfing in Brüssel der Minister­präsident de B r o g n e v i l l e die sieben liberalen Bürgermeister, die ihn von d:m am Tage zu­vor gefaßten Beschluß des Ausstands- k o m i t e e s über die Zurückziehung der Drohung mit dem allgemeinen Aus- st a n d in Kenntnis setzten. Sie baten Herrn de Broequeville, seinerseits zur Beruhigung des Landes beizutrag-cn, indem er die Frage der Wahlrechtsän- derung in Erörterung nehme. Der Ministerpräsi­dent erwiderte, daß er die Bemühungen der Bürger­meister anerkenne und den Bürgermeistern dasür

mild, nur in der zweiten Hälfte Februar stellte sich fast unerwartet noch eine längere und mäßig starke Kälteperiode ein. Da nun milde Winter in der Re­gel für den Sommer mancherlei Insektenplagen zur Folge haben, so wird die Frage ein allgemeineres Interesse beanspruchen, ob das auch für den kommen­den Sommer seine Gültigkeit haben werde, lieber den Einfluß niedriger Temperaturen auf die Insekten sind wir in neuester Zeit besonders genau durch das wis­senschaftliche Experiment unterrichtet: Bei Abküh­lung der Luft sinkt auch die Temperatur des Jnsek- tenkörpers beständig, bis bann bei einer gewissen Er­niedrigung, die nach den Umständen und nach der Art des Insekts verschieden ist, die Temperatur des Jnfettenkörpers Plötzlich um mehrere Grade in die Höhe schnellt. So sank z. B., wie R. Hesse in seinem Werke „Der Tierkörper als selbständiger Organis­mus" (Leipzig 1910/13) berichtet, bei einem Baum­weißling die Körpertemperatur gleichmäßig bis —9,2 Grad und sprang dann plötzlich auf —1,4 Grad in die Höhe. Tas wissenschaftliche Experiment hat dann weiter gezeigt, daß die Insekten, unabhängig von der Art des Austauens, toieber aufleben, wenn bei weite­rer Abkühlung die Körpertemperatur nicht wieder fo- weit sinkt wie vor dem Temperatursprung. Erreicht sie jedoch diesen sogenannten kritischen Punkt, oder überschreitet sie ihn, so kann das Insekt nicht wieder ins Leben zurückkehren. Weiter ist es für das Ueber- wintern der Insekten von größter Bedeutung, daß bei Nahrungsmangel — beim Eintreten größerer Kälte geht ja meiste ein längeres Fasten voraus — der kritische Erstarrungspunkt sinkt, da die Körper­säfte wasierärmer, die Lösungen also konzentrierter werden. Nach alldem aber wäre anzunehmen, daß bei der letzten, bezüglich des ganzen Winters verhält­nismäßig stärksten und andauerndsten Frostperiode viele Insekten erfroren fein werden, sodaß vor. aussichtlich der kommende Sommer ein nicht beson­ders insektenreicher zu werden verspricht.

— Modern- Haarpflege. Das Haar ist der na­türliche und auch der schönste Schmuck der Frau und selbst das kostbarste Geschmeide vermag nicht mit ihm zu toetteife-** Wenn man nun fragt, ob auch jede

danke; er habe noch keine Zeit gefunden, sich mit fei­nen Kollegen im Ministerrat zu beraten, werde es aber blad tun und danach seinen Entschluß fassen.

Mit dem Beschluß, die Ansage des Generalstreiks zurückzuziehen, hat die sozialistische Partei in dem wochenlangen Kampf zwischen ihr und der Regie­rung nachgegeben und dazu unzweifelhaft Grund gehabt. Einmal, weil sie sich nunmehr dem Zwang entzieht, in einen von vornherein aussichtslosen Kampf eintreten zu müssen, und außerdem, weil sie es nunmehr der Regierung möglich macht, sich gego- benenfalls in Verhandlungen einzulassen.

Die ?T>bestellung des Generalstreiks ist nicht nur für Belgien von erfreulicher Bedeutung,sondern auch für alle anderen Länder, die mit einer starken sozialdemokratischen Partei „gesegnet" sind. Wenn die Drohung mit dem Generalstreik in Belgien Er­folg gehabt hätte, so würde ein solcher Terrorismus im großen Stil wie eine ansteckende Krankheit durch Europa gewandert sein. Ansätze zu derartigen Ver­suchen haben sich ohnehin schon in Ungarn, Frank­reich und Spanien gezeigt. Auch in Deutschland hat man schon einen Generalstreik an die Wand gemalt für den Fall eines Krieges, der nicht die aller­höchste Genehmigung des roten Parteivorstandes ge­funden.

Die Resolution, mit der das belgische National­komitee den Verzicht verkündete, nimmt Bezug auf die Bemühungen der Bürgermeister der großen Städte zu gunsten einer Wahlreform und läuft in der Erklärung aus, „daß die Proklamierung des Ge­neralstreiks für den 14. April zurückgezogen ist, um den Bürgermeistern und der Regierung Gelegenheit zu geben, eine Verständigung in voller Frei­heit zu finden". Der iHnweis auf die „volle Frei­heit" bedeutet im Grunde eine Huldigung vor dem Standpunkte der Regierung und der parlamen­tarischen M e h rh e i t. Denn letztere hatten gerade gegen den Versuch eines außerparlamentarischen Zwanges Einspruch erhoben und sich grundsätz-» lich geweigert, während dieses Zwangs- v erfahrens die Frage in Angriff zu nehmen. Auch jetzt noch hat der Ministerpräsident die Angele­genheit in einer Form behandelt, die deutlich erkenne» läßt, daß er nicht sich zwingen lassen will.

Was von der vermittelnden Tätigkeit der Bürger­meister oder auch des Königs berichtet wird, fällt für den Kernpunkt der Sache nicht ins Gewicht. Es handelte sich gegenwärtig um die Frage, ob der Terrorismus der Sozialdemokratie oder der freie Entschluß der berufenen gesetzgeberischen Faktoren das Schicksal Belgiens entscheiden soll. Aus der erwähnten Resolution geht fchon hervor, daß die Regierung sich nicht ein Versprechen hat abnötigen lasten. Es ist Wohl möglich, daß nun­mehr, nach der Beseitigung der Streikdrohung, dio Regierung irgend eine Abänderung des Wahlrechts in Vorschlag bringt. Die Hauptsache ist, daß der ord­nungsmäßige Gang der Dinge wiederhergestellt und die Drohung mit dem Generalstreik als untoiri« s a m erwiesen ist.

Das Fiasko des vielgepriesenen Generalstreiks in Belgien wird um so mehr zur Ernüchterung in ganz Europa beitragen, je günstiger gerade in Belgien die Vorbedingungen für eine solche Kraftprobe wa­ren. Eine überaus starke Industrie im Verhältnis zu der Größe des Staates, eine kompakte und wohl- organisierte Masfe von Sozialdemokraten, eine hoch­entwickelte Großblockverbrüderung mit bem Liberalis­mus! Wenn trotzdem die roten Helden auf ihren pompös an gekündigten Feldzug verzichten und noch vor dem ersten Schuß zum Rückzug blasen mußten so muß die Aussichtslosigkeit des Unterneh­mens fchon ganz handgreiflich geworden sein. Du Schlußfolgerung ergrabt sich von selbst, daß in Deutsch la n d, wo die polizeilichen und militcü

Fran das ihr von der Natur mitgegebene Gescheit! feinem Werte entsprechend schonend behandelt uni forgfältig pflegt, so wird man häufig erfahren muß fen, daß'sich die so notwendige Pflege meist vorauf be- fchränkt, in gewissen Zeiträumen, welche meist dnrck gesellschaftliche Verpflichtungen bestimmt sind, dai Haar nut überhitzten Brennscheren und mit einem un­glaublichen Aufwand vonHaarnadeln zu malträtieren Wenn sich schließlich die Folgen dieser unsachgemäßer Behandlung einfteCen, dann gebraucht man eine Zei lang wahllos irgend ein gepriesenes Haarwasser, dal meist teuer und wirkungslos ist, um schließlich z« dem beguemften aber gleichzeitig beschämendsten Mit­tel überzugehen, — zum „falschen Haar"! Ein solches Resultat ift ebenfe betrübend, als es leicht verhindert werden kann. Die Elektrizität hat schon längst di» Leiden unserer Frauen erkannt und elektrische Tollet, tenreguisiteu geschaffen, die überall dort, wo elektrisch» Lichtleitungen vorhanden sind, zur Erhaltung und Verschönerung des HaareS beit/agen können. Wenn nur die Frauen Gebrauch davon machen möchten. Ty ist die elektrische Warmluftflasche, die das gewaschen» Haar in wenigen Minuten wunderbar trocknet unter vollkommener Schonung der Kopfhaut utü> bei Ver­meidung von Erkältungen, die dem Haarwuchs so sehr zu schaden vermögen. Ter elektrisch geheizt» Kamm ist ein weiterer Bundesgenosse int Kampf zur Erhaltung des Haares. Am meisten Beachtung ver­dient die elektrisch geheizte Brennschere. Dieselbe kann niemals eine Temperatur annehmen, welche ein Versengen des Haares herbeiführen könnte, üble Ge­rüche und Dünste sowie Feuergefahren wie bei^ Spi- ritusapparaten, sind hier unmöglich; im Betrieb sind diese Apparate äußerst billig und verbrauchen bei, Lichtstrom höchstens 1 bis 1% Pfg. die Stunde. Elek-- trisch betätigte Massageapparate, deren Wirkung be­sonders für" die Kopfhaut von überaus wohltuenden Folgen ist, dürfen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben; die Kopfhaut wird dadurch gestärkt und der Haaraus­fall verhütet, auch ist die elestrische Massage viel in­tensiver als die beste Handmassage. Was sämtliche elektrifche Toilettenapparate gemeinsam besitzen ist ihre- stetige sofortige Betriebsbereitschaft, da man sie ans