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Fuldaer Leitung

Samstag 8. März 1915.

Reklamen« und Anzeigenteil.

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— Zurechtweisung. „Reden Sie doch nicht immer o in das Blaue hinein! Ich sage zwar auch manch­mal eine Dummheit — aber ich überlege m.r's doch vorher/'

nete die Waffen . . . Cholera, Pest, Syphilis, Typhus, Krieg, Opium, Alkohol waren seine besten Freunde."

Was sagt die Köln. Ztg. nun? War das Bild, das das erwähnte Sonntagsblatt gezeichnet hat, nicht echt? Die Flugschrift 17. November 1913 ist das Werk eines Herrn H. I. van Leeuw. Und daß Herr van Leeuw waschecht l i b e r a l ist, sagt er selber Seite 4.

** Gegen den Hungerstreik der englischen Stimm- rrchtsweiber in den Gefängnissen richtet sich ein Ge­setzentwurf, den die Regierung im Unterhause in der nächsten Sitzung einreichen wird. Die Vorlage soll den Minister des Innern ermächtigen, Gefängnis­oder Zuchthausstrafen unter gewissen Bedingungen zu unterbrechen, ohne daß jedoch das Strafmaß ge­kürzt wird. Wenn gegenwärtig eine Suffragette ein vaar Tage die Aufnahme von Nahrung verweigert hat, schenkt man ihr die Strafe, weil man sie nicht verhungern lassen will. Wenn die neue Vorlage Ge­setzeskraft erlangt hat, wird man die wahnwitzigen Weiber ruhig hungern lassen, bis sie am Rande ihrer Kraft sind. Tann wird man sie so lange auf freien Fuß setzen, bis sie sich wieder erholt haben, und sie dann abermals cinsverrcn. Hungern sie wei­ter, so wiederholt sich das Verfahren, bis endlich die ganze Strafzeit abgesessen ist.

** Politischer Hmnor in Rußland. Wie das erste Veilchen im Mar; ist ein Witz nu begrüßen, der an­scheinend aus denselben Petersburger Kreisen stammt, wo vor kurzem ein hoher General verkündete, man brauche nur alle Bierbrauereien Deutschlands zu zer­stören, um das Volk der Dichter und Denker klein zu kriegen. Bei dem neuesten Witz handelt es sich um folgendes: Ein Notschrei in der,Nowoje Wremjw lautet: „Untere Festungen in Gefahr!" Was ift geschehen? Es hat sich herausgestellt, daß sich die in Rußland lebenden Deutschen mit Vorliebe in der Nähe der Forts von Festungen ansiedeln, und indem Vorgelände „unter dem Anschein, es seien Kanäle", tiefe Gräben anlegen, die der einstigen Belagerungs­armee als Stützpunkte beim Heranarbeilen an die Werke dienen können. Der Mitarbeiter des Blattes schlägt vor, man solle in der Reichsvuma ein Gesetz einbringen, durch welches die von der deutschen Re­gierung aus einem geheimnisvollen Kriegsfonds, der im Juliusturm in Spandau liegt, unterstützten deutschen Reservisten auf den Glacis der russischen Festungen gezwungen werden, ihre Lauf­gräben und Baltcriebauten zuzuschütten. „Sonst", heißt es weiter, „wird die Verteidigungsfähigkeit unserer russischen Festungen auf ein Nichts vermindert, und wir werden bald befestigte Werke der deutschen Angreifer wenige Schritte vor dec Feuerlinie unserer Forts haben." Vielleicht veranstaltet die Reichsvuma eine Karnevalssitzung, um den famosen Antrag zu beraten.

8. Blatt.

vruck -er .Selbcet Bctienbractrti in Snlbo.

wochen-Nundschau.

[:] Fulda, 7. März 1913.

Im Mittelpunkt der innerpolitischen Erörterun- gen steht selbstverständlich die neue Heeresvorlage, durch die dem deutschen Volk ein nicht geringes Opfer auferlegt werden wird. Soviel steht heute' fest, daß die dauernden Ausgaben für die neuen Heeresforde- rungen, die vor allem zur Stärkung des Ostens un- seres Vaterlandes dienen sollen, rund 200 Millionen Mark jährlich betragen werden, während die einmali­gen Ausgaben das fünffache der Höhe der dauernden, also rund eine Milliarde, erreichen dürften. Es war nun eine große Ileberraschung für die ganze Seffent- lichkeit, als die Reichsrcgierung ihre Absicht kundgab, die einmaligen Ausgaben durch eine Abgabe vom Vermögen zu bestreiten. In der Presse fand der Gedanke eine zwar nicht begeisterte, aber doch bei­fällige Aufnahme. Direkt ablehnend hat sich noch keine Partei zu dem Vorschlag gestellt. Die Reise des Schatz,ekretärs Kühn nach Süddeutschlandi die den Zweck hatte, die süddeutschen Finanzministe'r für eine Reikbsvermögenszuwachssteuer zu gewinnen, hat ein Fiasko gefunden, wenn sie auch wohl den Erfolg gehabt hat, daß die süddeutschen Staaten ihre Einwilligung zu der einmaligen Reichsvermögens­steuer gegeben haben. Der Initiative des Kaisers wird es zugeschrieben, daß die Fürsten für diese Ver­mögensabgabe auf chr Steuerprivileg Verzicht ge­leistet haben. Es Wird vorläufig abzuwarten blei­ben, ob der Bundesrat der Vermögenszuwachssteuer oder der Erbanfallsteuer den Vorzug geben wird: keine der beiden Steuern würde jedoch auch nur ent­fernt den Betrag erbringen, der zur Deckung der laufenden Ausgaben erforderlich ist. Man beabsich- sigt bäum, auch noch die Zuckersteuer und den Grund­wertstempel beizubehalten und als weitere Ergän­zungssteuern die Dividendensteuer und mehrerer Mo­nopole emzuführen. Dem Volke eine neue indirekte Steuer aufzuerlegen, scheint man in dankenswerter Weise nicht zu beabsichtigen.

Der Reichstag beschäftigte sich in den letzten acht Tagen mit dem Etat der Reichseifenbahn, des Rerchsmarineamts und des Reichskolonialamts. Der Nachtragsetat für Neu-Kamerun wurde bewilligt.

Im Abgeordnetenhaus stand der Han- delSetat, der Etat der Bergverwaltung und der Eisen­bahnetat zur Debatte.

Während die deutsche Marine durch den Stasiel- lauf des Linienschiffes „König", der in Wilhelms­haven in Gegenwart des Kaisers erfolgte, um ein stolzes Schiff vermehrt worden ist, hat sie durch die fürchterliche Katastrophe vor Helgoland einen tief beklagenswerten Verlust erlitten, der be­sonders empfindlich wirkte durch den gleichzeitigen ! Tod so vieler junger Menschenleben. An dem schmerz und der Trauer der Angehörigen dieser I eeeleute, die mitten in der Nacht ihr Grab in den Wellen der Nordsee gefunden haben, nimmt das I ganze deutsche Volk herzlichen Anteil.

Zum Kriegführen gehören bekanntlich drei Dinge: I Geld, Geld und wieder Geld. Wo das nicht ist, hat mich der Sultan das Recht und die Macht verloren. I Man kann wohl für den Augenblick durch Begeiste­rung Armeen aus dem Boden stampfen, aber sie zu kleiden und ernähren, bedarf es mehr. Als man I eor wenigen Wochen den der internationalen Frei- I maurerschule entsprossenen türkischen Sensationshel- I den Enver Bey die wohlfeilen Instinkte der Volks- massen zu einem Gewaltakte gegen die Regierung I aufftacheln sah, als man von Armeen hörte, die sich plötzlich in neugesundeter Kraft um Enver Bey ge- I schart haben sollten, da war es allen Einsichtigen I klar: Potemkinsche Dörfer. Und es kam, wie es kommen mußte. Enver Bey erwies feinem Vater- lande einen üblen Dienst: Er hat das Lager des I kranken Mannes zu einem Sterbelager gewandelt. I Die Türkei wünscht nün wieder wie vor Wochen den Frieden. Sie hat in einer Note um die Vermitte- I lang der Mächte nachgesucht. Jedenfalls verspricht sich die Türkei von den Großmächten manches, was I ; jte selbständig nie erreichen würde. Sie wurde ja I . schon einmal vor einigen 30 Jahren durch den Ber- lmer Kongreß vor dem gänzsichen Verfalle bewahrt, I : toegen der Eifersüchteleien Europas, warum nicht I ' auch heute, wo die Verhältnisse noch zwingender ge- I ! worden sind. Es hängt nun davon ab, wie der Ent- I \ tourf des Vertrages lauten wird, der von beiden I ; Parteien genehmigt und unterschrieben werden soll. I t

aber man darf ihm nicht den Eierstock auspressen oder gar ausschneiden wollen. Greift nach den Eiern, aber schonet und pfleget die Hennen! Daher meinen vorsichtige Leute, man solle das Opfer vom Vermögen so abgrenzen und derartig auf mehrere Jahre verteilen, daß jedermann die Abgabe aus feinem Ueberfluß leisten kann, ohne daß er Vermögensstücke unter dem Wert zu verschleudern oder sich eine ver­derbliche Schuldenlast aufzuladen braucht.

All die verstandesmäßigen Rücksichten auf die prak­tischen Einzelheiten sollen aber nicht den nationalen Opfergeist lähmen, der in Erinnerung an das Opser- und Befreiungsjahr 1813 so schön zum Durchbruch gekommen ist. Nur möchte ich bitten, daß jeder, der von patriotischen Opfern redet, erst einmal sich selbst an die Nase faßt. Es gibt Leute, die wenig Vermö­gen, aber ein recht behagliches Einkommen haben. Wenn die für eine große Opfergabe vom Vermögen schwärmen, so ist das ein billiger Patriotismus. Der rechte Geist lebt nur in dem, der auch selb st zu einem Opfer bereit ist. lind dazu wird noch Gelegen­heit genug geboten werden. Denn nach der Deckung der einmaligen Ausgaben bleiben noch die Hun­derte von Millionen für die laufenden Ausgaben Jahr für Jahr aufzubringen, und dabei müssen alle herhalten, die überhaupt etwas Butter auf dem Brote haben — jeder nach seinen Kräften. Da helfen auch die kleinen und kleinsten Abgaben, denn die Masse bringt es.

Soll es ein Opferjahr fein, so wollen wir die Mißgunst und die Schadenfreude vor die Tür jagen. Nicht „etsch, etfch" rufen, um den Reichssäckelmeister auf andere zu hetzen, sondern sich s e l b st bereit halten zur Unterstützung des hilfsbedürftigen Va­terlandes! Und Wenns einige Zigarren, oder Gläser Bier, oder Tassen Kaffee, oder gar einige neue Hüte und Kleider kostet — das Opfer fahr muß allge­mein durchgehalten werden. Schon um unseres Ansehens in der Welt willen. Denn die Opfermütze ist jetzt über den Zaun geworfen worden; wir müssen te wiederholen.

Für Erholungsbedürftige und leichtere

1 Wl * v/u Kuranstalt Hofhelm 1. Taunus

V« Stunde von Frankfurt a. M.

Prospekte durch Dr. Schuize-Kaloyss Nervenarzt

Ausland.

* „Der Zweck heiligt die Mittel". Unter dieser Usberschrift hängt die liberale .Kölnische Zeitung' in I ihrer Nr. 209 ein Zukunftsbild auf, das sie der I „Heiligen Familie", Sonntagsblait für katholische I Familien, entnommen. Tas Bild stellt einen Dors­pfarrer, eine Arbeiterfrau Und deren Sohn in einem Gespräche vor, befielt Ergebnis ist: »Wenn die libe­ralen hier (in Holland) ans Ruder kommen, dann I geht es gerade so wie überall, wo sie Herr rind Meister sind: Priester Und Nonnen werden verbannt, I ihr Eigentum gestohlen, und den armen Arbeiter läßt man nach wie vor im Elend, während man die Kranken im Spital ohne Trost und Htzlfe sterben I läßt." Die,K3ln. Zig.' meint: „Tiefer Artikel stellt sicher alles in den Schatten, was bis jetzt im nlira- I montanen Lager für die bevorstehenden Waffen ge­leistet worden ist." — Man vergleiche nun einmal hiermit folgende Vlütenlese aus der Flugschrift eines Liberalen: ,17. November 1913." Als Motto trägt diese Schrist den AuSspruch: „Es gibt nur dann Frieden auf Erden, wenn der letzte König mit beit Eingeweiben des letzten Prftsters erhängt sein wirb." Oder, rote man es zur Kulturkampfzeit lesen konnte: ..So lange bleibt, baß Gott erbarm'. Das deutsche Volk betaumelf, Bis bau am letzten Piaffendarm Die letzte Nonnr baumelt." Dann fährt die Schrift ! fort:

„Wir stehen unter dem Joch' Rom§, das uns von seinen Geschäftsführern in Utrecht, Haarlem, Herzogen­busch, Breda und Roermönd auferlegt wird . . . Noch I arbeiten die finsteren Mächte mit Worten, mit Spleißen, Trennen und stillem Boykottieren, aber d ie rohe Gewalt wird nicht ausbleiben, wenn wir nicht erwachen . . . Wir werden kämpfen müssen gegen Rom . . . Von allen Glaubensbekenntnissen sind die unduldsamsten das christliche und das moham­medanische . . . Sie verhetzen die Menschen zu gegen- I fettiger Abneigung und zu stillem aber giftigem Hasse. I Ihre Lehre verkündet Liebe, ihre Taten Hatz . . . Mit der Macht (der 80 000 Jesuiten), deren Instrument der I Papst ist, kommt auch die G e w a l t . . . Langsam aber sicher werden die Niederlande unter die mittelalterliche I geistliche Zwangsgewalt gebracht ... Es ist Pflicht (der Liberalen), die schwarze Gefahr zu I bekämpfen. Die schwarze Gefahr bedroht auch die Wis- I senschaft, die Kunst, den Handel und die Industrie. Se- I hen wir nicht überall die Zensur auftauchen? . . . I Sehen wir nicht, wie Kirchen und Klöster, ganz wie im I Mittelalter, sich den Grundbesitz aneignen? Läßt man I die religiösen Genossenschaften mit ihrer toten Hand I fortfahren, dann werden sie den g a n z e n B o d e n e in­st e ck e n . . . Ihr Männer der Wissenschaft, der Kunst, I des Handels und der Industrie, losaufdieSchwar- I gen! . . . Wer nicht zu den Schwarzen gehören und I ihnen nicht dienen will, der nehme die Hülfe der Roten an, auch da, wo ohne sie der Sieg möglich I ist . . . Ich bin bereit, den Roten jede Konzession I zu geben, wenn nur die Schwarzen verdrängt wer- I den . . . Geistliche Macht weicht nur vor der Revolu- I Hon ... Zu allen Zeiten und bei allen Völkern waren I die Schwarzen, war der Klerus dem Fortschritt ein I Hemmnis, der Diener der Gewalt. Der Klerus feg.

auch die sonst steuerfreien fürstlichen Herrschaften mit eingeschlossen. Der Plan hat im Volke eine warme Aufnahme gefunden., Allerdings gilt auch hier der Spruch, daß leicht beieinander wohnen die Gedanken und hart im Raum sich die Sachen stoßen. Ich glaube, daß viele von den Bravorufern sich nicht recht klar geworden sind über die Schwierigkeiten der Aus­führung. Die Veranlagung soll gerecht fein, und die Eintreibung der kolossalen Summen (eine halbe bis | eine ganze Milliarde steht in Sicht) soll so erfolgen, daß der einzelne nicht wirtschaftlich geschädigt und der ganze Handel und Wandel nicht gestört wird. Man- ch''r denkt so leichthin: der reiche Mann, der Hundert­tausende im Vermögen hat, kann doch ohne Schmer­zen und Schaden einige Tausend Mark abladen! Ja­wohl, wenn die Handvoll Tausendmarkscheine in einer Ecke vom Geldschrank brachliegen, so kann er sie dem Steuerempfänger glatt in die Hand drücken. Aber das Vermögen ist angelegt und muß in der Regel erst losgeeist werden. Am besten geht es noch, wenn es in börsengängigen Wertpapieren angelegt ist. Wer 100 Papiere zu 1000 Ml. besitzt, bringt eins oder zwei davon zum Verkauf. Aber auch da erhebt sich schon eine Schwierigkeit. Bringen eine Unmasse von Besitzern auf einmal ihre Papiere an den Markt, so fehlt es an der entsprechenden Nachfrage, die Kurse sinken und sinken, der opferwillige Besitzer hat den Schaden, ein Teil des Nationalvermögens geht bei einer solchen Erschütterung der Börse verloren. Noch bedenklicher wird die Sache in den Fällen, daß der Pflichtige fein Vermögen in Fabriken, Warenlagern, Grundstücken angelegt hat. Von dem Besitz an Wert­papieren kann man einen Teil abstoßen; aber man kann nicht einen Teil von einem Hause oder einen Morgen von einem Landgute in Zahlung geben. Wer nicht verkaufen kann, muß pumpen, und wenn eine ganze Masse Leute auf einmal Kredit suchen, so gibt es eine Geldknappheit und eine arge Steigerung des Zinsfußes und des „Damno". Wer sich da lüneindenki, entdeckt viel Dornen an dem schönen Rosenstrauch. Der Gesetzgeber muß nüchtern alle Wirkungen seiner Maßnahmen prüfen und demge­mäß die Verwirklichung des Planes einrichten. Es steckt viel Weisheit in der alten Fabel von dem Huhu, das die goldenen Eier legt. Man darf wohl dem Hphn die Eier fortnehmen, die es gelegt hat,

Dewig aus Brüx einschrieb. Bevor er abends zur Ruhe ging, verlangte er, daß er zu dem Zuge, der nm 6 Uhr gegen Reichenberg abgehe, geweckt werde. Tatsächlich verließ der Fremde 'vor dieser Stunde das Hotel und übernahm auf dem Bahnhöfe seinen Koffer vom Hoteldiener. Eine Stunde später begann es im Hotel aus allen Zimmern zu läuten. Hausmeister, Stubenmädchen, Kellner und Zimmerchefs wurden herbeigeklmgelt und liefen durch die Gänge und über die Treppen auf der Suche nach den Schuhen und Kleidern zahlreicher Gäste. Aber vergebens. Etwa ein halbes Dutzend Schuhe, einige Anzüge und Ho­sen blieben verschwunden. Der Verdacht richtete sich gegen den frühzeitig abgereisten Fremden, und man untersuchte das von ihm bewohnte Zimmer. Da fand man unter dem Bette mehrere Briketts und ein Paket englischer Zeitungen, die der Fremde augen­scheinlich in seinem Koffer mitgeführt hatte und die bann den Schuhen und Kleidern der Hotelgäste Platz gemacht hatten. Es dürfte sich in diesem Falle um einen internationalen Hoteldieb handeln.

* Auch ein Justizirrtum. Ein tragikomischer Vorfall ereignete sich im PariserJustizpalast an dem Tage, an dem über die Pariser Automobil­räuber des Urteil gefällt wurde. In Frankreich wer­den wie bei uns stets zwei Ersatzgeschworene ausge­lost, um einzuspringen, wenn der eine ober der an­dere Geschworene während des Prozesses an der Aus­übung seines Amtes verhindert ist. Diese beiden „Ge­schworenen z. D. nun wurden allein in ein beson­deres Zimmer, als die Geschworenen sich zur Be­ratung zurückzogen, eingeschlossen. Die Beratung war ungewöhnlich lang und ermüdend. Itm 7 Uhr abends wurde den Geschworenen Abendbrot bereitet. Die Ersatzgeschworenen aber vergaß man, und all ihr Pochen und Rusen blieb vergeblich, da ihr Zimmer ganz abseits lag. Erst gegen zwei Uhr morgens hörte ein Diener, der zufällig in jenen Gang kam, wüstes Gepolter, eilte dem Lärm nach und entdeckte die unglücklichen Ersatzgeschworenen, die seit Stunden durch Fluchen, durch Faustschläge und Fußtritte gegen die Tür ihres Gefängnisses ihre Anwesenheit und ihren mörderischen Hunger der Mitwelt zu verkünden suchten. Das Schlimmste aber war, daß sie, endlich befreit, erst recht weiter hungern mußten, da das Bü­fett des Justizpalastes längst ratzekahl gegessen war und sie nicht fort durften, bevor nicht die Geschwore­nen mit ihrer Beratung zu Ende waren, was erst ge­gen fünf Uhr morgens eintrat.

△ Eine ganz moderne Kirche, die den Anschauungen so mancher amerikanischer Neligionssekten entspricht, wird in St. Louis erbaut. Diese, von der „Ersten christlichen Gemeinde" gebaute Strebe enthält einen Dachgarten, sreimedftmische und zahnärztliche Klinik, Abendschule, Bibliothek, eine Schwimmanstalt, Turn­halle, Lesezimmer und ähnliche Einrichtungen. Mit welchem Recht der Pastor der Gemeinde ein solches Bauwerk als Kirche bezeichnet, ist, so schreibt ein amerikanisches katholisches Blatt, uns unerfindlich. Bisher verstand man unter Kirche ein Gotteshaus und keine Vergnügungsanstalt.

Zunächst dauert die durch die Witterung bedingte Waffenruhe fort. Der Schnee liegt stellenweise i/> Meter hoch und es hat den Anschein, als wolle ber Winter, der bisher nachsichtig und milde war, erst jetzt mit seiner ganzen Härte einfetzen. Immerhin darf man sich von der gemeinsamen Arbeit der Diplomatie auch eine günstige Rückwirkung auf die Lösung der von den Großmächten bisher noch nicht erledigten und ihre eigenen Interessen berührenden Fragen versprechen. — In Rußland und Oesterreich wird demobilisiert. Allerdings be­zieht sich diese Abrüstung nur auf die Entlassung der zurückbehaltenen Reservisten an der galizischen Grenze. Man erzählt sich sogar in russischen Militär­kreisen, daß die stehenden 38 Armeekorps auf 41 er­höht werden sollen, das Geschützmaterial soll verbes­sert werden, der Verpfiegungsdienst besser organi­siert und die Kontingente naturgemäßer verteilt wer­den. Man darf jedoch glauben, daß wir, wenngleich nicht auf lange, ruhigeren Zeiten entgegen gehen. Die Sehnsucht nach Frieden ist allseitig.

In den Vereinigten Staaten von Nord­amerika ist der Präsidentenwechsel vollzogen worden. Am 4. März hat Präsident Wilson sein Amt im Weißen Hause von Washington angetreten. Staats­sekretär des Auswärtigen wird der langjährige Prä­sidentschaftskandidat und Vorkämpfer der demokra­tischen Partei Bryan.

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« Ein Gegenstück zu Krupp ist mit dem im 68. Lebensjahre verstorbenen englischen Schiffsbautech­niker Sir William White dahingegangen. Was Krupp im Geschützbau leistete, vollbrachte White im Schiffsbau. Wie Krupps Wirken bescheidene Anfänge hatte, trat White mit 14 Jahren als Zimmermanns- lehrlmg in dte Werft von Devonport ein. Aber be­reits mit 22 Jahren war er zum Privatsekretär des Direktors der englischen Marinebauten aufgerückt. Jeder Schiffsplan ging durch feine Hände, sodaß schließlich die Pläne von 250 großen Kriegsschiffen von White stammten. Weit mehr als 2 Milliarden Mark haben die Schiffe gekostet, zu denen der ehe­malige Zimmermannslehrling die Modelle entwarf. Da er aber nicht wie Krupp eigene Werkstätten be­saß, konnte er auch nicht ein solches Vermögen an- sammeln wie jener, aber an Ehrungen fehlte es ihm, der schließlich selbst Direktor der englischen Schiffs­bauten wurde und die großen Werften neu organi­sierte, nicht. Für feine Verdienste wurde ihm das Adelsprädikat verliehen.

* Dom Eisenbahnzug getötet. Nachts wurden an her Strecke Hamborn-Duisburg zwei unbekannte Männer von einem Zuge erfaßt und getötet. Beide hatten eigenmächtig die Schranke geöff­net und die Gleise überschritten, als ein Personen­zug herankam.

♦ Hotelgäste ohne Kleider und Schuhe. Dieser Tage kam in eines der vornehmsten Hotels Prags ein elegant gekleideter Herr, der einen großen schwe- ren Reisekoffer hatte und sich als Oberingenieur L.

AnpoMische Zeitlöuse.

N. Berlin, 6. März 1913. (Nachdruck nicht gestattet.)

I. Tas Opferjahr 1913! Soeben war den Be­sitzern angekündigt worden, daß sie für die Sicher­heit des Vaterlandes ein Opfer an Gelbund Gut bringen hätten, da kommt die Nachricht, daß die Besatzung des Torpedoboots 178" das Opfer von -3 e b e n u n b Blut hat bringen müssen. Bei einer ■ Hebung in der Nordsee ist das Boot von einem Ban- i jerfreujer gerammt und zerschnitten worden. Die Besatzung von 83 Mann ist bis auf wenige Gerettete m daS große Grab des Meeres versunken. Nacht­übungen sind notwendig für biß Marine, und die Hebungen müssen gründlich und wagemutig sein, um sowohl die Führer, als auch die sämtlichen Leute auf pte Schwierigkeiten des Ernstfalles vorzubereiteu. Ob wi vorliegenden Falle irgend eine zulässige Vorsichts­maßregel außer N/cht gelassen worden ist, wird erst die Untersuchung festzustellen haben. Im allgemeinen kann man nur -sagen, daß derartige Unglücksfälle lei» die ernsten. Seeubungen zu begleiten Pflegen.

Insbesondere zeigt die Erfahrung, daß die kleinen Epedoboote, die ihrer Aufgabe gemäß zwischen den Kolossen der Panzerschiffe umherflitschen, arg bedroht 'wd. Im vorigen Jahre sind 2 Torpedoboote von grö­beren Schissen gerannt worden. 1910 stießen zwei -Torpedoboote aufeinander, 1908 wurde ein Torpe- poboot von einem Kohlendampfer überfahren. 1905 mürbe ein Torpedoboot in der Kieler Bucht von emem Kreuzer überrannt, wobei 33 Mann den Tod sanden. 1902 war es ein englischer Dampfer, der

Euxhaven ein Torpedoboot in den Grund bohrte. I in den Jahren 1895, 1896 und 1897 verun- tnh e Torpedoboot. Der Tod scheint sich ge» ah liefen Fahrzeugen heimisch zu fühlen. Der

e Seemannsspruch lautet: Navigare necesse est, I nor? est necesse: Fahren müssen wir, le» beiden brauchen wir nicht! Torpedoboote h**1 ivir haben, und zwar gut eingeübte; wenn n»? '^"vschast dabei ihr Leben einbützt, so stirbt sie yJ °em Felde der Ehre, und es heißt dann: Ab- ßhf c’01’ ®n Krieg fordert noch ganz andere '°jSar rin glücklicher Krieg. Von dem Elend

» verlorenen Krieges gar nicht zu reden!

Andere Länder haben auch ihre Unglücksfälle bei den Hebungen zu Wasser und zu Lande. Vielfach sind dort die Verhältnisse noch schlimmer. Z. B. in Frankreich, wo das unheimliche Z-Pulver halb hier, halb bort auf ben Schiffen eine Explosion herbei- siihrte, sodaß die Besatzung keinen Äugenblick ihres Lebens mehr sicher war. Gelegentlich hat ja dort die Furcht vor einer Explosion die Besatzung in die Flucht getrieben. _ Es heißt nun, das schlechte französische Pulver sei beseitigt und durch besseres ersetzt, angeb­lich mit Hilfe ber englischen Pulverfabriken. ‘ Unsicher ist freilich bie Sache immer noch, und unsere deutschen Seeleute können froh sein, wenn sie nur mit Wind und Wellen und Nebel und Dunkelheit zu kämpfen brauchen, nicht aber mit dem unheimlichen Gespenst in der Pulverkammer. Unser Pulver ist nicht bloß trocken, sondern auch haltbar und zuverlässig.

Der Friedensdienst in Heer und Marine kostet allen Beteiligten viel Schweiß, manchen auch Ge­sundheit und Sehen. Ein eifriger Kriegsminister hat einmal die Kaserne als eine Sommerfrische bezeich­net.^ In der Tat gehen viele aus dem Dienst als gestählte und geschickte Leute hervor, die in ber Er­leichterung ihres späteren Fortkommens den Lohn finden für die Mühsal in der „Sommerfrische". An­dere Kameraden werden von plötzlichen oder schlei­chenden Schäden heimgesucht. Auch im günstigsten Salle ist der Dienst in der Kaserne oder auf dem chiff ein schweres persönliches Opfer an Zeit, Kraft und Geld, sowohl für den Pflichtigen als für feine Angehörigen. Darum hat sich auch weithin die For- derukig geltend gemacht, daß für die Befreiung vom Dienst ein Ersatz geleistet werden solle in einer be­sonderen Abgabe. Eine solche Wehrsteuer der Zurück- gestellten wäre gewiß gerecht, aber sie erscheint, wenn man die Sache gründlich prüft, .Nichte durchführbar. Ihre Veranlagung und Erhebung würde so viel Um­stände und Gefahren mit sich fuhren, daß der be­scheidene Ertrag sie nicht aufwiegen kann.

Die Wehrsteuer würde immer etwas kleinlich aus­sehen. Ein großer Zug und hoher Schwung steckt da­gegen in dem Plane einer einmaligen und außer­ordentlichen Opfergabe vom Vermögen, einer Kriegssteuer oder Nüftungssteuer für alle Be­sitzenden, von den Inhabern der kleinen Vermögen zu 30 000 ober 50 000 Mark bis zu den Millionären,