Fuldaer Leitung
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JVs 55.
äreitag 7. März
2. Blatt.
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bogen. Tiefe Nase zeigte eine riesige Warze mit reichem Haarwuchs, auf der linken Wange befand sich ein sehr großer, sogenannter Leberfleck, auch am Kinn konnte der Vicomte beim Schein des Mondes einen kleinen Büschel Haare deutlich erkennen.
„Euer Verlangen ist erfüllt, junger Mann," sagte sie verschämt mit niedergeschlagenen Augen, „wohl weiß ich, daß es Schönere gibt, denn über die erste Jugend bin ich hinaus, aber Jugend und Schönheit vergebt wie Spreu im Winde. Die Hauptsache ist das Herz. . ,
„Das schlägt warm, nicht wahr?" schrie Bixia sie an.
Wieder schlug sie die Augen nieder. ..Ja, der Mann, dem ich es zum Pfands gebe, kann auf meine Treue bauen, ich bin sein, bis daß der Tod uns scheidet!"
„Ich danke für dieses Pfänderspiel", sagte Birio zu sich selbst, „bezüglich der Treue habe ich keinen Zweifel, denn vor einer solchen Eule reißt alles ans, was Beine hat. . . . Zunr Henker, ich denke, ich werde mich sachte drücken ..."
„Ihr zweifelt doch nicht an meiner: Worten, Teurer?"
„Gan; und gar nicht," brüllte er, so laut er konnte, in der gewöhnlichen Sprechweise, die der Besitzerin des Eulenhoscs absolut unverständlich war, fuhr er dann fort: „Das Frauenzimmer beginnt bereits, mir Kosenamen zu geben, sie geht zum Angriff vor, — Birio, Tu sitzest tm Sumpfe, wie nie zuvor . . . ich denke, es wird das Beste sein, wenn ich in rasendem Laufe die Gartenpforte zu gewinnen suche, durch die ich gekommen bin."
Als könnte sie seine Gedanken lesen, so legte sie nun ihre Hand auf die feine, und er fühlte, wie die knöchernen Finger versuchten, die seinen zu umklam- mein.
„Ich will sechs Wochen auf einem verfaulten Strohsack liegen, wenn das Frauenzimmer nicht eine Hornhaut an den Fingern hat," begann er aufs neue, „ich glaube, die arbeitet im Felde für sechs Knechte."
* Mit entern energischen Rucke machte er seine
Lokales.
Fulda, 7. März 1913.
- Der neue Sommerfahrplan,
der am 1. Mai in Kraft tritt, wird uns wiederum eine ganze Reihe Verbesserungen bringen. Die Eilzüge 3 und 4 Frankturt-Bcrlin und zurück, die bisher nur vom 1. Juli bis 15. September verkehrten, werden während des ganzen Sommerkurses gefahren. Di« Züge erreichen Fulda mittags 12.13 Uhr (nach Sebra) und nachmittags 5.07 Uhr (nach Frankfurt). Der Zug 805, ab Frankfurt 6 42 Uhr, Fulda an 10.18 oorm., der bisher bis Fulda täglich und von Fulda bis Bebra Samstags und Sonntags vom 1. Mai bis 30. Sept, verkehrte, wird jetzt auch auf der letzteren Strecke während des ganzen Jahres gefahren. Ebenso verkehrt auch der Zug 813, der Fulda mittags 12.11 Uhr erreicht, seither von Elm di- Fulda aber nur Sonn- und Feiertags geführt wurde, vom 1. Mai ab auf der vollen Strecke während des ganzen Jahres. Der Personenzug 808 Bebra ab 1.27 Uhr, Fulda an 2.54 Uhr nachts, der bisher auf bei Strecke Bebra-Fulda nur Montags verkehrte, wird auf dieser Strecke in Zukunft täglich gefahren. Damit ist eine wesentliche Nachtverbindung von Bedra nach Frankfurt a. M. geschaffen, die insbesondere den Reifenden der vierten Wagenklasse zugute kommt. Dieser Zug erfährt in Neuhof (an 3.14 Uhr) einen Aufenthalt von 12 Minuten (ab 3.26 Uhr). Ter Pcrsonenzug 818, der bisher nur von Sebra (ab 2.27 Uhr) dis Fulda fuhr (an 3.56 Uhr) wird jetzt durchgeführt, (Bebra ab 1.50 Uhr, Fulda an 3.36 Uhr, Frankfurt an 6.39 Uhr). Der Personenzug 802, 6er früher die Station Fulda um 1.49 Uhr erreichte, forme erst nach fast IVsftünbigem Aufenthalt in Fu va, der durch den regen Schnellzugsverkehr in der Mittagszeit bedingt war, um 3.15 Uhr weiterfahren. Bom 1. Mai ab erhält dieser Zng schon nach 40 Minuten Aufenthalt in Fulda um 2.3 l Uhr Anschluß nach Frankfurt.
Unsere Nhönbahnen haben vom neuen Fahrplan nicht viel zu erwarten. Zu begrüßen ist die Einlegung eines Sonn- und Feiertags-Zuges nachm. I 2.14 nach und abends 802 von Gersfeld. Dagegen ist zu bedauern, daß die Adend-Sommerzüge, die feit einigen Jahren auf den beiden Strecken auch im Oktober beibebalten wurden, tm Oktober fallen sollen. Im Fahrplan-Entwurf fehlt diesmal der darauf hin- zielende Vermerk.
Auf der Strecke Fulda-Gießen sind Neuerungen nicht vorgesehen. Nennenswert ist die Früherlegung des Zuges 2.46 Uhr nachm., der im Sommer in Fulda bereits um 2.33 Uhr abgetaffen wird. Im Uebrtgen bringt der Fahrplan auf den uns naheliegenden Strecken nur die üblichen Zugverschiebungen nach der Zeit. Es läßt sich nicht leugnen, daß der Sommerfahrplan eine erhebliche Vertehrsverbefserung, die in erster Linie den Personenzügen zugute tommen, I bringt.
Die alten Klagen über das Nichthalten von j Schnell zügen in Fulda sind leider auch wieder I unberücksichtigt gelassen. Im Gegenteil wird auch ein I neues Echnellzugspaar, das „zur Entlastung* zunächst I nur vom 7. bis 16 Mai, 30. Juni dis 16. Juli, I 2. August bis 1. September zwischen Frankfurt-Berlin I und zurück verkehrt, in Fulda nicht anhalten. Ebenso I bleibt auch der Wunsch auf Einstellung der dritten I Wagenklaffe in den Schnellzug D 1, der ab Frank- | furt abends 10 25 Uhr fährt und Fulda um 12.38 Uhr | erreicht, noch unerfüllt. Wir setzen auf die Eröffnung I beS neuen Tunreis Flieden-Schlüchtern nette Hoff- I tiung bezüglich dieser und anderer Wünsche.
<f Futzballsport. Die hessischen Kreisspiele gehen ihrem Ende entgegen. Am 16. März svielt schon der hessisch» Meister, Verein für Bewegungsspiele Marburg in der Vorrunde um die westdeutsche Meisterschaft, in Siegen. Der Meister der Südabteiluna des rheinischen KreiseS Borussia-Köln bat Marburg als Partner. Der folgende aussichtsreichste Anwärter auf die hessische Meisterschaft, Kasseler Fußballverein, steht noch mit drei Spielen zurück, so daß derselbe n cht in Frage kommt. — Die Vorrunde um die deutsch» Meisterschaft findet am 13. April in Frankfurt statt zwischen dem westdeutschen Meister, Duisburger Spielverein, und dem süddeutschen, Spiewereinigung Furth. — Auf dem Sportplatz am Wallweg wird am Sonntag Boiussias 1. Mannschaft ein sehr interessantes Privatspiel zum Austrag bringen. Das erst festgesetzte VerbandSspiel Fußballverein gegen Borussia findet nicht statt, da Fußball- verein in der letzten Spielsaison aus drei Verbandsspiele Verzicht leistete und somit aus der Liga ausscheidet. Borussia hat nur die Verpflichtung, innerhalb eines Jahres dem Verein ein Vrivatspiel zu liefern. Die zwei Punkte sind der Borussia bereits schon gutgeickrieben worden. — Das von der Spielleitung deS ersten Fuldaer Fußballklubs .Borussia" angesetzte Spiel .Göttingen 1905* mit dem I. Team der Borussen dürste ein schönes Spie! geben, da die Mannschaft in ihrer Heimat als sehr fpieltüchtig bekannt ist.
I anderen ebenfalls in Gegensatz zu den Ueberlandzentra- I len gebrachten Erwerbsgruppen Hand in 'Hand gehen, | um ein wirksames und zweckentsprechendes Ueberland- I zentralengeseh zu erreichen. An die beifällig ausgenom. I menen Ausführungen des Vortragenden knüpfte sich I Aff? interessante Aussprache, in der insbesondere der I Wunsch auf baldige Schaffung des Ueberlandzentralen- I gcsetzes zum Ausdrück kam. Eine Reihe Anfragen wurde noch erörtert und dabei auch festgestellt, daß sich das Ru. beroid, tote es von der Ruberoidgesellschaft m. b. H., I Hamburg, zur Isolierung von Motorenhäusern verwen- | bet würde, gut zu diesem Zwecke eigne, insbesondere schütze es die Holzteile der Wasserbauten vollständig ge- I gen Fäulnis. Mit einer Reihe neuer Beitrittserklärun- I gen zum Verband mitteldeutscher Wasserkraftbesitzer | schloß sodann die Versammlung.
I O Eiterfeld, 6. März 1913. Große Störung im Bahnverkehr verursachte heute mittag der hier gegen 2 Uhr fällige Güterzug, dessen Lokomotive entgleiste. Verletzt wurde niemand. Ter Verkehr wurde durch Umsteigcn aufrecht erhalten.
[:] Hilders, 7. Marz 1913. Im Auftrage des Rhön- klub-HauprauSschusfes zu Fulda wird H-rr Malermeister I F- Fuch s-Fulda am kommenden Sonntag, nachmittags I si-3 Ubr tm Saale des Hotel-Restaurants „Zum Engel" hier für die Rhönklubzweigvereine Dermbach, Franken- I beim a. d. Rhön, Geisa, Hilders, Hünfeld, Stadllengs- I seid, Tann und Wüstensachsen an der Hand eines von 'dm selbst entworfenen Kartenmaterials einen Vortrag über die einheitliche Wegebezeichnung für die Rhön hallen.
* Aus der Rhön, 6. März 1913. Der schnee- anne Winter mit seiner verspäteten Frostperiode hat auf den freien Kulturböden den schutzlosen Saaten | manchen Schaden zugefügt. So viel man bis jetzt I erkennen kann, sind die Rhöner, die um die Waffer- I kuppe, den Kreuzberg und die Milseburg herumwoh- nen und sich Vorteile von der Ausübung des Wintersports auf Schuhen oder Schlitten versprochen hatten, diesmal arg enttäuscht. Der große Rhön- schnee, von dem man in allen Büchern lesen kann, ist ausgeblieben und knapp acht Tage konnte man Heuer sagen: „Wohin man sieht, liegt Schnee auf Schnee in Wald und Feld, in Tal und Höh'."
.* Fladungen, 6. März 1913. Auf bis jetzt unaufgeklärte Weise entgleiste gestern im Bahnhofe hier die Zugslokomotive. Mangels einer Ersatz- | maschine u. wegen der ganz erheblichen Einhebungsarbeiten, die bis in die späten Abendstunden dauerten, mußte der Mittagszug nach Mellrichstadt ausfallen.
* Ostheim, Kr. Hanau, 6. März 1913. Das von dem Königl. Meliorationsbauamt in Fulda ausge- arbeitete_ Projekt für die Kanalisierung der B a ch l äufe in der Ortslage Ostheim wird, nachdem sich die hiesige Gemeindevertretung mit dem Projekt einverstanden erklärt hat, demnächst zur Ausführung kommen. Die Vorarbeiten sollen derart gefördert werden, daß die Anlage noch im Laufe des Sommers fertiggestellt wird.
J. Butttrstadt, Kr. Hanau, 6. März 1913. Bei dem Landwirt Konrad Go ry kam heute ein Kalb mit zwei vollständig ausgebildeten Köpfen, vier Augen, aber nur zwei Ohren zur Welt.
* Mainz, 6. März 1913. Die Stadtverordneten bewilligten gestern zum Regierungs-Jubiläum 500 Mark für die Huldig ungs-Ad resse der deutschen Städte. — Der 40 Jahre alte Dienstknecht Kuhmann aus Osthofen, der an zwei Sonntagen im November das Anwesen seines Arbeitgebers in Osthofen in Brand gesteckt hatte, wurde vom Schwurgerichte zu 21/e Jahren Zuchthaus verurteilt.
* A«S Thüringen, 5. März 1913. Der Herzog von Kodurg und Gotha scheint von seinem Unfall in Oberhof nicht so bald hergestellt werden zu sollen. Er litt in den letzten Tagen und Nächten so heftige Schmerzen, daß der Gipsverband entfernt werden mußte. Die behandelnden Aerzte rechnen jetzt mit einem mehrmonatigen Heilungsprozeß. — In der Waldung von Walldorf hat ein Brand etwa 2 Morgen zehnjährigen Fichtenbestand vernichtet. — In Mellingen wurde eine Frau beim Ausräumen einer Miete verschüttet und getötet. — Durch Klatsch wurde in Altgernsdorf ein junges Mädchen in den Tod getrieben. Ter Bezirksarzt hat an der Leiche zweifelsfrei nachgewiesen, daß der Klatsch reinweg erfunden war. Was wird nun mit den bösen Klatschmäulern? — Das Landgerichtsge fängnis in Erfurt ist so überfüllt, daß es dieser Tage mehrere neue »Gäste' nach Nordhausen abschieben mußte. — lieber das Vermögen des Besitzers des bisherigen Residenz« Cafös in Eisenach, Friedrich Schic-tke tft das Kontursverfahren eröffnet worden. — Der in der Zwangsoersteigerungssacke des Bades 8 ich en ft ein
59] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
„Ich wollte Ihnen das sagen," fuhr sie fort, „denn Wohl habe ich gemerkt, daß Sie jeden Morgen wir zu Liebe vorbeireiten, und abgeneigt bin ich Ihnen auch nicht . . , das heißt, wenn Sie Ernstliches im Sinne haben, denn die jungen Herren sind gar leicht und flatterhaft und nimmer darf man ihnen trauen "
,^Jch wünschte, ich wäre im Pfefferland, statt hier auf dieser Bank," sagte der junge Mann seufzend, »chie Kreatur redet auch noch von ernsten Absichten, glaubt, ich habe ihretwegen meinen Gaul vorbeigeritten in den Morgenstunden — wie alt sie Wohl sein wag, nachdem sie drei Männer in die Grube gebracht? — hm, sie hält ihr Gesicht versteckt. — wollen wal auf die Pirsch gehen und sehe. , welche Larve da aufstößt."
„Ihr seid grausam, meine Teure", schrie er in ihr Ohr, „warum gönnt Ihr mir nicht den Anblick Eurer Züge? Spannt mich nicht länger auf die polier, denn ich dürste danach. Euch in die Augen schauen zu dürfen."
Nun löste die Unbekannte das Spitzentuch lang« mw, und das Gesicht kam zum Vorschein.
Ein Angstschrei tönte durch die stille Nacht — der Vrcomte hatte ihn ausgestoßen in wilder Verzweiflung, und vollkommen gebrochen und völlig sassungs- schien er in sich selbst zusammengebrochen.
„Nun hat der Tod für mich keine Schrecken mehr!" wgte er feierlich.
WaZ da zum Vorschein gekommen war, hatte allerdings nichts Verlockendes für ein Männerauge. 4u§ diesem Frauengesicht schauten zwei graugrüne •^ugen, die bedenklich schillerten, und diese Augen la- schon tief in den Höhlen und waren mit roten Jtanbein umgeben. Die Stirne zeigte Falten, die IchwaUn Wangen erglühten in jenem Rot, das oft eine Mlge Frostes, manchmal auch eine bizarre caune der Natur ist. Der Unterkiefer stand weit vor ,rf . e|rc Zeichen von Energie —, die Lippen waren 1«/mal und eingekniffen, die Nase groß und scharf ge-
2Ius dem Nachbargebiete.
I . △. Hünfeld, 3. März 1913. Gestern nachmittag hielt I hier im „Engel" der Zweigverein Kreis Hünfeld des I Äerhandes mitteldeutscher Wasserkraft- I bes i tz e r eine von Mitgliedern sowie Müllern und I Fabrikanten des Vsreinsgebiets und der Nachbarkreise I zahlreich besuchte FrühsahrSversammlung ab. Mühlen. I besitzet: Becker, Hockenmühle bei Rasdorf, berichtete I über die ihm anläßlich des für Rasdorf vorgenorn- I menen Zusammenlegungsverfahrens entstandenen I Schwierigkeiten bei der Abwehr von Hebelgriffen der 1 Wässerungsanlieger und bei Wahrung seiner Fischerei- I rechte. Sägetoerksbesitzer Freun d-Stadtlengsfeld be- I schwerste sich über die willkürliche Veränderung der Zu- I flutzverhältuisse tm Feldaflusse seit Inbetriebsetzung der I Elektrizitätswerke in Dermbach und Stadtlengsfeld. I Mühlenbesitzer Bolkenand zu Großentaft berichtete I über gute Erfahrungen mit Brockmanns Futterkalk I Zwergmarke. Die mit dieser Marke gemästeten Tiere I werden ausnahmslos zu guten Preisen in dem aufnahmefähigen Konsumgebiete der Kaliproduktionsgegen-
I den der Rhön abgesetzt. Redakteur L. Koch-Duderstadt I Pom Verband mitteldeutscher Wasserkrastdesitzer sprach I darauf über die augenblickliche Lage des Wasserkraft- I wesens und forderte int Verlauf seiner Ausführungen I den Eriiaß eines Ueberlandzrntralen-Ge- setzes, das die bestehenden Verhältnisse bei Anlage, Einrichtung und Betrieb der Ueberlandzentralen sowie die liebertoachung von Rentabilität, Kalkulation und Stromabsatz der Zentralen einheitlich zu ordnen hätte, und bei dessen Beratung den beteiligten Kreisen Gelegenheit zur Vorbringung von Wünschen, Beschwerden und Forderungen zum neuen Gesetz zu geben sei. Die bestehenden zahlreichen Verordnungen und Erlasse auf dem Ueberlandzentralengebiet zeigten, daß man um eine gesetzgeberische Ordnung der Materie nicht mehr länger herumkomme; andererseits würden die Klagen der mittleren und kleinen Industrie im Lande über Arbeits- und Berdienstentgang infolge Ausdehnung der
। Ueberlandzentralen und demgemäß über Unverkäuflichkeit ihrer teueren, mit großen Kosten unterhaltenen Wasserkräfte immer dringender. Auch die Stromabnehmer hätten immer häufiger über ungerechtfertigte Lie- ferungS» und Preisfestsetzungen der Ueberlandzentralen I gu klagen, Schutzvereinigungen dagegen hätten sich bereits gebildet. Die Installationsgeschäfte würden mehr und mehr von der Beteiligung an Lieferungen für lieber« landzentralen ausgeschlossen, dieselben vielmehr nur einigen großen Gesellschaften übertragen. Diese rücksichtslose Hervorkehrung des einseitigen Erwerbsstand. Punktes hätte in den letzten Jahren den Ueberlandzentralen und den mit ihnen verbundenen großen Gesell« schäften eine Verzinsung des werbenden Kapitals bis 15 Prozent gebracht, wie vorhin ausgeführt, nur auf Kosten und unter Schwächung wichtiger Erwerbsgruppen der deutschen Volkswirtschaft. Keine andere Erwerbsgruppe hätte solche Ueberschüssc erreicht. Dabei seien die Ueberlandzentralen für den Fortschritt unserer Volkswirt, schäft keineswegs notwendig und unentbehrlich, denn ihr Fabrikat, der elektrische Licht- und Kraftstrom, würde von gleichwertigen Konkurrenzerzeugnissen für Beleuch. I tung und Krafterzeugung arg bedrängt. Letztere hätte in den Wolff scheu Patentheißdampflokomobilen, die in I billig arbeitender und leicht zu bedienender Ausführung hergestellt würden, einen Wettbewerb zu überwinden, I dem der elektrische Strom nicht entfernt gewachsen wäre. I Wenn trotzdem die Ueberlandzentralen ihre Versorgungs- I leitungen immer weiter verlängern könnten, so sei das nur mit der von den Behörden geübten Begünstigung I der Ueberlandzentralen möglich. Ein Ueberlandzentra- I lengesetz vermöge allen diesen Mißständen wirksam bei- I zukommen, und deshalb müßten die Wasserkraftbesitzer I als die unmittelbar und am meisten durch die Ueberland- I zentralen geschädigte Erwerbsgruppe mit den zahlreichen
Hand frei und machte sich an seinem Wehrgehäuge zu schaffen.
„Warum entzieht Ihr mir Eure Hand, Trauter?" I klagte sie bekümmert.
„Ich bin Euch sehr gewogen —"
Schnell suchte er dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, indem er sie anrief:
„Holde, erzählt mir von Euren Männern, e§ waren ihrer drei, sagtet Ihr nicht so?"
„Ja — drei waren es," entgegnete sie sinnend, „aber keiner von den Dreien verstand mich recht, immer war ein Etwas zwischen uns, ein jeder hatte I feine Fehler — nun ruhen sie im Frieden."
„Amen!" fügte er ein.
„Man soll über Verstorbene nichts Ueblez re- I den," fuhr sie fort. >—
„$'m allgemeinen nicht," sagte er, „aber in diesem speziellen Falle wäre ich dankbar, „zu wissen, I wie sich Euer Lebensbund mit denselben gestaltete." I Ihm war nur darum zu tun, Zeit zu gewinnen und j dabei zu überlegen, wie er mit Anstand ihr entrinnen I könne.
„Der erste war jung und schön, wie Ihr seid," I begann ft?, „etwas kleiner, aber nicht so kräftig an I Gliedern. Er warb um mich und beteuerte, nicht I ohne mich leben zu können, und nach einem Jahre I reichte ich ihm die Hand am Mare."
„War die Ehe eine glückliche?" fragte er.
„Wie man es nimmt," entgegnete sie, „ich er«
-y- Biehmarkt. Anläßlich des gestrigen Vieh- I Marktes wurden 110 Waggons Vieh auf unserer I Station verladen.
| — Hessische BezirksgenoflenschaftLbank. Dem in
I der Generalversammlung der Hess. Bezirksgenossen- sckmftsbank am Mittwoch in Kassel vom Landesökonomierat Rexerodt erstatteten Geschäftsbericht entnehmen wir folgendes: Der Gesamtumsatz stieg im Berichtsjahre auf 46,54 Millionen Mark.
I Der Reingewinn betrug nach reichlichen Ab- I schreibungen 24451,24 Mark, von dem zunächst 50 I Prozent dem Reservefonds zuzuschreiben sind, weitere 10 Prozent fließen in die Betriebsrücklage, so-
I dann find 5 Prozent Dividende auf die Geschäftsan- I teile auszuschütten, während der Rest auf Vorschlag I des Vorstandes und Aufsichtsrates der Betriebsrück- I läge überwiesen ist. Die Reserven erreichen I nach diesen Zuschreibungen die Höhe von 136,300
Mark, ausschließlich der besonderen Rückstellungs- sonds, sodaß die eigenen Betriebsmittel der Genossenschaft nunmehr nahezu 300 000 Mark betragen.
I Die Spareinlagen sind im Berichtsjahre um I über 100 000 Mark gestiegen und betragen am Jah- I resschlusse rund 665000 Mark, wofür die Bank 4 I Prozent und bei Kündigungsgeldern 4% Prozent I Zinsen vergütet. Die Gesamthaftsumme beträgt über 1% Millionen Mark, welche mit den oben
I angeführten eigenen Mitteln der Genossenschaft eine I gute Sicherheit darstellen. Die Bank wird am 1. I April d. I. in ihr neues Heim, das in Gemeinschaft I mit den anderen Instituten der Raiffeisenorgani- sation erworbene Haus Kurfürstenstraße 12 (Ecke Bahnhossplatz) übersiedeln und alsdann ihren Wirkungskreis weiter ausdehnen können.
* Der Eintritt in die Handwerkslehre. Das Lehrlingswesen im Handwerk ist gesetzlich genau geregelt. Lehrlinge dürfen nur noch von solchen Handwerkern eingestellt werden, welchen ausdrücklich die Befugnis zur Annahme und Ausbildung von Lehrlingen zuer- kannt wurde. Das geschieht entweder durch ein mit dem Stempel der Gewerbekammer versehenes Zeugnis über die bestandene Meisterprüfung oder durch eine Bescheinigung der unteren Verwaltungsbehörde. Ist ein Gewerbetreibender nicht im Besitz eines solchen Ausweises und hat er auch keinen zur Lehrlingsausbildung berechtigten Vertreter in seinem Betriebe, so darf er keinen Handwerkslehrling annehmen. Eltern und Vormünder werden daher, wenn die in ihrer Obhut befindlichen Kinder ein I Handwerk erlernen sollen, gut daran tun, sich vor I Abschluß des Lehrvertrages darüber Gewißheit zu I verschaffen, ob der Lehrherr auch die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besitzt. Denn ist dies nicht I der Fall, so gilt die bei einem solchen Lehrherrn zu- I gebrachte Zeit nicht als Lehrzeit, und der bei ihm ausgebildete junge Mann geht aller Vorteile der I geregelten handwerksmäßigen Lehrzeit verlustig. Un- I bedingt schreibt das Gesetz auch die schriftliche I Abfassung eines formellen Lehrvertrages I vor, und zwar in drei gleichlautenden Exemplaren, von denen eins der Lehrherr, ein anderes der Lehr- I Itng bezw. dessen gesetzlicher Vertreter erhält, wäh- I rend das dritte Exemplar an die Gewerbekammer I oder, wenn der Lehrherr einer Innung angehört, an diese einzureichen ist. Nur briefliche Abma - I chungen sind ganz ungültig, auch zieht dis I Außerachtlassung der bezüglichen Bestimmungen | Strafe nach sich. I
= Historischer Abend. Aus Anlaß der Jahrhundert- j feier der Erhebung Preußens gegen die französische I Fremdherrschaft wird am Sonntag das Trompeterkorv? I unseres Feldartillerie-Regimen tS tm Saale I des Bürgervereins einen historischen Abend veranstalten. I
(*) Mieterverein. Wir werden gebeten, nochmals auf I die am morgigen Samstag abends 8’/» Ubr im.evangel. I Gemeindebause stattfindende allgemeine Mieterversamm- 1 lung hinzuweisen. In ihr wird Herr Professor Sandrock I aus Kassel, ein tm Miel- und Wohnungswesen bewanderter Redner, sprechen. Da für die Mieter von Fulda zur I Zeit stark interessierende Fragen im Vordergrund stehen, liegt es im Interesse eines jeden Mieters, die Versamm- I lung zu befinden.
(—) Notnrbeilverein. Am dritten Unterrichtsabend I deS Lehrkursii s in Anwendungsformen der Naturbeil- I kund» wurde die Anwendung von Kompressen, Packungen I und dergleichen erklärt, praktisch vorgeführt unn geübt. I Freitag abend wird tm »Gasthaus zur Traube' der I Kursus beendet. Es sollen Massage und Dampfbäder | besprochen und vertchiedene Anwendnngs ormen nochmals I geübt werde». Ferner wird derUnterrichtsleiter Anleitungen zur Ausübung naturgemäßer Krankenpflege geben. — Am Sonntag veranstaltet der Verein einen Ausflug nach I Vemelsruh; der Abmarsch erfolgt um 2Vi Uhr von der I , Langenbrücke" au5. I
,Hm, der Monn hatte seine Fehler," murmelte
—u. —.... .—...,v । Birio, „das Stehlen des Geldes und der Schmuck- Wann und sagte etwas von einem rätselhaften Falle, fachen war eine Schandtat ohne Zweifel. Wie lauge der ihm noch nicht vorgekommen fei. In wenigen | trüget Ihr den Witwenschleier?" fragte er. (F. f.)
tappte ihn in den ersten Wochen, als er eine Dienerin zu küssen trachtete. Ich war empört, es kam zu Zank und Streit. Später fügte er sich. Ich war genötigt gewesen, ihn kürzer am Selbe zu halten, denn er war arm von Hause aus, während ich mit Gütern dieser Welt reichlich ausgestattet bin."
Bixio spitzte die Ohren. Zum ersten Male schien die Unterhaltung ihm Interesse einzuflößen.
„Nach und nach wurde er recht still, der Selige," fuhr die Erzählerin fort, „er ging schweigst— Haufe umher und kant allen meinen Wünsche:.
Nachdem wir drei Jahre verheiratet gewesen, fing er an zu kränkeln, er verlor an Kräften, und als der Arzt gerufen wurde, da wußte dieser nicht wie und
Monaten stand ich trauernd am Grabe des Dahingegangenen."
„Das arme, junge Blut," sagte der Vicomte, durch die Zähne pfeifend, „schade darum, er hat sich in die Gefahr begeben und ist dann darin umgekommen."
Laut fuhr er fort: „Sicherlich seid Ihr nicht zu lange Witwe geblieben, Holde, die Natur hat Euch mit zu viel Vorzügen ausgcstattet."
Die Angeredete lächelte geschmeichelt. „Es ist so, wie Ihr sagtet, Teuerster, nach sechs Monaten —"
„Das hat pressiert!"
„Sagtet Ihr etwas?"
Der Vicomte schaute ihr recht naiv ins Gesicht. „Ich habe nichts gesagt, ich bewunderte eben diese kleinen Füße."
Unter dem Saume des Nockes war ein Fuß zum Vorschein gekommen, der fast ebenso breit als lang war, nun zog sie denselben rasch zurück.
„Besser, der Huf verschwindet," pflichtete er bei.
„Der zweite — der Herr habe ihn selig — ließ mich bald bereuen, daß ich ihn zum Gatten gewählt," fuhr sie fort. „Es war ein gar rauher Mann, und er tat, wie ihm beliebte. Oftmals bade ich seine Hand gefühlt, wenn ich auf meinem Rechte bestand, und diese Hand war schwer, denn seiner Körperkraft wegen war er weit und breit bekannt. Ich führte elf Jahre ein hartes Leben mit ihm, er trank viel und spielte und vernachlässigte mich. So recht innig, wie der Mann sein Weib lieben soll, hat er mich nie oe- liebt, obwohl ich es ihm nicht an Geld fehlen l'eß. Zuletzt wurde er ein Lüdrian, verließ heimlich des Nachts mein Haus mit einer Anderen, und am Morgen fand ich meine Geldlade leer, und meine Scbmuck- sachen hatte er auch genommen. Tas Geschick hat es anders gewollt," i ihr sie seufzend fort, „da der Krieg mit den Türken ausbrach, trat er in das Heer ein, man gab ihn eine Offiziersstelle, und er fiel aus der Insel Eypern rühmlich int Kampfe. Dort ruht er nun in ungetoeibter Erde, und ich konnte nicht einmal an seinem Grabe trauern."
# Verliehen wurde dem Oberstleutnant a, D. Walter Pohl, bisherigem zweiten Stabsoffizier beim Kommando des Landwehrbezirks Frankfurt a. M., der Rote Adlrrorden dritter Klaffe mit der Schleife.
# Personalien. Verletzt wurden die Eisenbahn- Lsststenlen Hommerich von Alsfeld nach Lauterbach und Pursürst von Lauterbach nach Fulda. — Reg.« Rrf. v. Sch weinitz-Kassel hat die zweite Staatsprüfung für den höheren Verwaltungsdienst bestanden. Reg.-Ass. Frhr. v. Tettau in Marburg ist dem kgl. Polizeipräsid um in Chariottenburg zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen.
E 9n dem Seminarkursus zur Ausbildung hauptamtlicher Fortbildungs- und Gewerbeschullehrer, der bom 1. April d. I. ab auf die Dauer eines Jahres in Berlin stattfindet, Wird von der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule Herr Architekt August Feldmann teilnehmen.
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