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2. Blatt.

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-- Zuldaer Leitung.

Donnerstag 6. März 1915.

Amt Geisa und Umgebung.

* Stadtlengsfeld, 5. März 1913. Der Einfluß der Industrie auf die Vermehrung der Bevölkerung ersieht man hier auch aus dem Wachsen der Schülerzahl. Während z. B. hier in früheren Jahren 30 bis 40 Kinder zur Schule gebracht wurden, beträgt in diesem Jahre die Zahl der A-B-C-Schützen 60. Die An­stellung weiterer Lehrkräfte wird wohl nicht lange auf sich warten lassen.

Aus Oberhessen u. den Heß. Remtern.

* Marburg, 5. März 1913. Am 21. Febr. haben die Stadtverordneten in vertraulicher Sitzung die Auss d)»eibung von Jnhaderpapicren in Höhe von IV» MjlI. Mark beschlossen. Dre vom Bezirks­ausschuß eingeforderten genauen Bestimmungen der Anleihe wurden gestern von den Stadtverordneten genehmigt. Tie Ausschreibung erfolgt zu 4 Prozent mit 2 Proz. Tilgung. Eine außerordentliche Tilgung erfolgt ferner dürr, die auf Grund der Flucktlinien- Ordnung erhobenen Beiträge. Ferner wurde be­schlossen , entsprechend den Standgeldern der Krammärkte, auch solche für die Wochenmärkte zu er­heben. Einem Antrag des Magistralsmitglicdech Döring, ihn wegen Krankheit von seinem Amte zu entbinden, wurde zugestimmt. Nache Beratung dcs Etats wurden sodann die Steuersätze wieder auf 182 Proz. Zuschläge zu den Real-, 160 Proz. Zu­schläge zu den Einkommensteuern festgesetzt.

* Kirchhain, 5. März 1913. Unter Leitung des Garteubauinspektors Huber aus Kassel fand hier ein praktischer Ausbildungskursus für Odstbaum - pflege statt. Es wurden an einzelnen Bäumen die verschiedene Schnitten vorgeführt, außerdem Anweisung über richtiae Obstbaumvflanzung ufro. erteilt.

ftraft sich an allen fenen Orten geltend machen, an welchen es, dem Beispiele der Weltstädte folgend, zur Auffübrung kam. Und es vermochte dies trotzdem, dmtz nun Kapellmeister der verschiedensten Art dirigierten und Solisten beschafft werden mußten, wie sie eben zu haben waren. Dies spricht für eine ihm innewohnende Wirkungsfähigkeit, die selb" treue Verehrer älterer katho­lischer Kirchenmusik, wenn sie auch noch so bedenklich über die neumodische Art das Haupt schüttelten, zugeben mußten."

Und Professor Friedrich Gernsheim sagt da- rüber:

„Die Wärme und Erfindungskraft, die dieser Ton. schopfung innewohnt, entspringen der Seele eine? gott- begnadeten Genies und sichern dem Werke für immer einen Ehrenplatz unter den besten Erzeugnisse dieser Gattung.

—a. Unter dem Titel: „Tie Handschriften des Klosters Weingarten von Pros. Tr. Karl Löffler- Stuttgart, unter Beihilfe von Oberbibliothekar Dr. Scherer.Fulda" ist kürzlich als 41. Beiheft des Zentralblatts für Bibliothekwesen eine auch für unsre Landesbibliothek wichtige Veröffentlichung erschienen. Es wird darin eine Rekonstruktion der Sammlung aegeben, die das erfreuliche Ergebnis hat, daß von 843 Handschriften, die Weingarten im 18. Jahrhundert besaß, heute noch 708 vorhanden sind, davon 531 in Stuttgart, 146 in Fulda, der Rest verstreut an 10 verschiedenen Orten. In den Weingarten» Hand- schriften steckt viel wertvolles Forschungsmaterial; zum Teil ist es gehoben, zum größeren Teil harrt es voch der Bearbeitung. Die vorliegende Publikation wird zweifellos mancherlei Anregung bieten.

(=) Die Fuldaer Artilleriekapelle in der auswärtigen Kritik. Ter Musikverein in Alsfeld veranstaltete ! vor wenigen Tagen unter Mitwirkung der Kapelle des 2. kurhessischen Feldartillerie-Regiments Nr 47 fein fünftes Sinfoniekonzert. Die,Oberhess Heilung' spendet in ihrem Bericht über daS Konzert den Dar- bieiungen unserer Regimentskapeüe großes Lob. Zu­nächst gilt dieses von der Wiedergabe der Ouvertüre zur Oper „Oberon". Nicht weniger günstig werden dw 1. Sinfonie in C-dut von Beethoven und die Orchester-Suite zu Daudets Drama „L'Arlesienne" von Bizet beurteilt. „Das Sandow'sche Orchester", (b schließt das Blatt, „hat gestern aufs neue bewiesen, I doß es, von einem seiner Aufgabe vollauf gewachsenen I Dirigenten geleitet, auf der Höhe steht. Straffe Disziplin im Zusammenspiel, feine Hervorhebung der Klangschattierungen und schöne, edle Tonbildung waren die Kennzeichen fleißiger Schulung. Tas zarte I Piamssimo der Geiger war oft von bezaubernder I Wirkung. Das Spiel des ersten Oboe-Bläsers ging weit über das gewöhnliche Maß hinaus und kann q!§ wahrhaft künstlerische Leistung bezeichnet werden." I ,,Neue Frühlingsboten. Gestern abend gegen 6l/s Uhr flog ein Zug Kraniche, etwa 80 Stück, in nördlicher Richtung über unsere Stadt.

= Biehhündlerversammlnng. Die gestrige Vieh- handlerversammlung im Ballhaus war sehr gut besucht. Unter den Anwesenden bemerkten wir Herrn I Landrat v. Doernberg, die Herren Beigeordneten I öolbletb und Arnd, ferner die Herren Stadtrat Reinhardt, die Stadtverordneten ©immer, Eschwege, | Kircher, Sunkel und Dux. Auch verschiedene Metzger- meister waren erschienen. Der Viehhändler Herr 3°f- H eß II hier eröffnete die Versammlung und I rügte tn längeren Ausführungen die bereits mitgeteilten Urbelstände auf den Fuldaer Viehmärkten, insbesondere I die allzuhohen Gebühren des Ki eiSlierarztes, welche dl« Händler allein tragen. Herr Landrat Frhr. v. Doernberg äußerte sich wiederholt dahin, daß er bte gerechtfertigten Bestrebungen dcs Vereins, soweit es möglich sei, unterstützen werde. Herr Beigeordneter Halbleib empfahl die Einsetzung einer Kommission, I welche bte vorgebrachten Mißstände eingehend prüfen soll. Zum Schluß wurde eine Resolution dahin- gehend angenommen, daß die 250 Viehhändler des Oberhessischen Viehhändlervereins beschlossen haben, eine Kommission zu wählen aus Vertretern der I Viehhändlerkreise, der interessierten Gastwirte, des Metzgergewerbes und aus einem approbierten Tier» I ar$t. Diese soll über geeignete Maßnahmen zur I Beietttgung der Mißstände beraten. Die Königliche Regierung sowie die Stadt Fulda sollen ersucht werden, zu düsen Beratungen Vertreter zu entsenden.

-er Jmkerverein. Die Monatssitzung des Jmker- beretns am Dienstag gestaltete sich zu einer beson­ders mteressanten.

schätzung und Beliebtheit. Trotzdem seit seinem Schei­den schon mehr als 25 Jahre verflossen sind, steht er hier noch in treuer und dankbarer Erinnerung und auch für alle Zukunft wird fein Andenken dahier ein gesegnetes fein.

* Hanau, 5. März 1913. Die Krankheit s- z i f f e r Beim Eisenbahn-Regiment ist jetzt auf 36 zurückgegangen. Sechs von den Typhuskranken sind jedoch noch schwer krank. Von den Rekonvaleszenten, die Erholungsurlaub hatten, ist bereits wieder eine größere Zahl als gesund zum Regiment zurückge-

* Frankfurt, 5. März 1913. Hier wurde aber­mals eine Diebes- und Hehlerbande, bestehend aus vier Arbeitern und zwei Hausierern, die an einer großen Anzahl von Einbrüchen beteiligt sind, verhaftet.

* Offenbach, 5. März 1913. Zur Gründung eines deutschen A r b e i t e r h e i m e s in Paris beabsichtigt die Stadt eine einmalige Spende von 100 Mark zu leisten. — Für Errichtung eines neuen Bades im Stadtteil Bürgel bewilligte der Bauausschuß 85 000 Mark.

* Hann.-Mü»den, 5. März 1913. Die wirtschaft­liche Vereinigung hat beschlossen, den Direktor der Forstakademie, Oberforstmeister Fricke, als Landtagskandidaten für den Wahlkreis Hann.« Münden-Göttingen aufzustellen. Er wird von säurt- lichen übrigen rechtsstehenden Parteien unterstützt werden. Sein Gegenkandidat ist der bisherige national- liberale Abgeordnete Heine.

* Breitenbach a. Herzberg, 5. März 1913. An einem der letzten Tage ließen sich wieder einmal Zigeuner hier sehen. In der darauffolgenden Nacht wurden dem Kaufmann R. mehrere leere Kisten vom Hofe weg gestohlen. Siefen Diebstahl bringt man mit dem plötzlichen Auftauchen der Zi­geuner in Verbindung. — Heute fand hier der letzte Holzterminn im Herzberger Bezirk statt. Das Holz war wieder sehr teuer. Für Scheitholz wurden 7—8 Mark, für Knüppelholz ca. 6—7 Mark gezahlt.

* Höchst, 5. März 1913. Die Katholiken­hetze feiert in den letzten Tagen hier ihre Orgien. Da man mit Tatsachen nicht aufwarten kann, suchen die Hetzer mit Verdächtigungen allerschlimmster Sorte ihr Geschäft zu machen, indem sie die berüchtigte Grätzmann'sche Broschüre über die Moralkasuistik des hl. Ignatius v. Loyola in die Häuser schleppen, deren wissenschaftliche Haltlosigkeit und Charakter als religiöse Schmähschrift schon vor 12 Jahren nachge­wiesen wurde, sodaß sie damals aus dem Buchhandel verschwand. Nichts kennzeichnet die Skrupellosigkeit der Hetzer besser als der Umstand, daß dieses schmu­tzige Graßmann-Machwerk wieder hervorgeholt und unter die Leute gebracht werden konnte. Hoffentlich werden besonnene Männer die sofortige Beschlag­nahme der unsinnigen, unwahren und zumteil un­sittlichen Graßmannbroschüre veranlassen, damit wir wenigstens von den schlimmsten Auswüchsen eines fanatischen Katholikenhaffes verschont bleiben.

* Oppenheim, 5. März 1913. Der Postassistent Metten von Mainz war vertretungsweise als Vor­steher einige Monate nach Guntersblum ver­setzt worden. Als hier in den letzten Tagen die Kaffe einer Revision unterzogen wurde, entdeckte man einen Fehlbetrag von 2000 Mark. Metten wurde ver­haftet.

* Bad Homburg v. d. H., 5. März 1913. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung teilte der Vorsitzen­de mit, daß auf Beschluß des Magistrates die Tief­bohrung aus biologischer und bohrtechnischen Gründen eingestellt werden soll. Das Bohrloch ist bis auf 857,75 Meter eingetrieben und schon voll­ständig verrohrt. Augenblicklich ist man damit be­schäftigt, das Wasser der erbohrten Quellen, einer alkalischen und einer salzhaltigen, zu trennen, was noch 14 Tage Arbeit beanspruchen dürfte.

m. Griesheim, 5. März 1913. In der Chemi­schen Fabrik wurde durch ein Fuhrwerk ein Ballon Säure angefahren und zerbrochen. Die Flüssigkeit ergoß sich über den Hof und fügte dabei einem Arbeiter sehr schwere Brandwunden an den Beinen zu.

h. Nenenhain i. T, 5. März 1913. Für Apfel- wein- und Wassertrinker ist unsere Gemeinde ein recht teures Pflaster. Das Kubikmeter Wasser kostet 40 Psenmg, jedenfalls ein ringsum einzig dastehender Preis; er soll, wenn die Gemeinde das Wasser mm Selbstkostenpreis abgibt, noch etwas steigen. Daß die Apfelweinstener eingeführt ist, hat in gewissen Kreisen arg verschnupft. Der Aerger ist aber nahe­zu verflogen im Hinblick auf die hohen Preise, die die Wassertrinker zahlen müssen.

* Limburg a. d. L., 5. März 1913. Der frühere Gemeinderechner Weimar von Staffel stand wegen Unterschlagung von 7864 Mark zum Nachteile der Gemeindekaffe vor den Geschworenen. Das Urteil lautete unter Einrechnung einer noch nicht verbüßten Gefängnisstrafe von 5 Monaten auf 10 Monate Gefängnis, abzüglich 4 Monate Untersuchungshaft,

I rich v. Bibra vom 17. Oktober 1765: „Heber die ' J Beförderung der nützlichen Bienenzucht". Von einem

1 geschätzten Mitglieds vorgelegt und verlesen, erweck- I ten die 14 Paragraphen dieser Verordnung bei der Versammlung allgemeines Interesse. Den Unter»

I tanen. die 3 Bienenstöcke hielten, war die Befreiung von der pflichtmäßigen Spatzenkopflieferung gewähr­leistet. Die Stifte, Pfarreien und Forstbediensteten I waren gehalten, die nutzbringende Bienenzucht nach I Möglichkeit zu fördern, auch wurde allerorts im Ful- I baer Lande an Alleen und in Dörfern die Anpflan- I zung von Lindenbäumen und sonstigen Honigenden I Bäumen und Strauchwerks gemeiniglich aneinpfoh- I len. — In der Tat beherzigenswerte Vorschriften, I die der weise Fürst in der Verordnung veröffent- I lichte. Wenn anstelle der Befreiung von der nicht I mehr zeitgemäßen Spatzenkopflieferung für die Jm- I ker die Befreiung von Staats- und Gemeindesteuern I oder auch nur von der beliebten Kanalsteuer träte, I dürste die erneute Einführung dieser Verordnung in I Jmkerkreisen freudigen Widerhall finden.

I csi Der Rhönklub, Zweigverein Fulda, hatte gestern I abend in der „Alten Post" einen geselligen Abend I veranstaltet, zu dem auch einige Damen erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr Dr. Schneider, wies

I bei seiner Begrüßung darauf hin, daß der Klub beab« I sichtige, am ersten Mittwoch jeden Monats diese I Abende zu wiederholen. Sodann hielt Herr Hotelier I Müller einen Lichtbildervortrag über Tirol. Die I Aufnahmen zeigten eine Anzahl herrlicher Natur- I schönheiten, u. a, auch den vom deutsch-österreichischen I Alpenverein, Sektion Fulda, errichteten Fuldaer I Weg. Herr Dr. Schneider teilte bann noch mit, daß I mit dem Bau eines Unterkunftshauses auf der Waffer- I kuppe noch in diesem Sommer begonnen werden soll. I Die Durchführung einer einheitlichen Wegebezeich« I nung für bas gesamte Rhöngebiet beschäftige zurzeit I den Hauptausschuß. Dieser habe durch ein Rund- I schreiben an die Zweigvereine den Plan des Maler- I Meisters Fuchs über die Einteilung und Markierung I der Wege, sowie andere wichtige Fragen zur Begut- I achtung versandt. Ein endgiltiger Beschluß in dieser I Angelegenheit soll auf der diesjährigen Haupiver- I sammlung gefaßt werden.

I # Denkmalspflege? Die Statuen der Fulba- brücke zur Domäne Johannesberg aus der klassischen Zeit ber Fuldaer Barockbauten finb in traurigstem Zustanbe. Drei schöne Steinurnen finb von den Postamenten genommen und liegen am Boden. Eine derfelben auf der Frankfurter Straße neben einem Haufen Sandsteine, welche demnächst als Packlage für eine Straße verwendet werden sollen. Wie ist so etwas möglich in einer Zeit, in welcher von ber Regierung Verordnungen über Denkmalschutz erlas­sen werden und in welcher von allen Gebildeten diese Bestrebungen unterstützt werden? Wir müßten sehr irren, wenn die Unterhaltung der Brücke nicht dem

I Fiskus selbst unterliegt. Wir möchten alle, die es angeht, auf diesen jammervollen Zustand aufmerk­sam machen, event. die Herren Landtagsabgeordneten bitten, dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit im Interesse des schönen Fuldaer Landes zuzuwenden.

L- Von der Straße. Am Abtstor, nahe der Tränke, fiel gestern abend ein älterer Mann von einem der dort befindlichen Treppchen herunter. Glücklicherweise erlitt er nur leichte Hautabschürfungen an den Händen. Diese Treppchen waren früher durch die Laterne an der Waidesbrücke genügend beleuchtet; seitdem aber dort eine Transformatorenstation er­richtet ist, liegen sie im Dunkeln. Hoffentlich sorgt man für bessere Beleuchtung, ehe ein größeres Un­glück passiert.

* Warnung vor Schwindelbanken. Da in der letzten Zeit gewisse sogenannte „Bankgeschäfte" in Paris deutsche Reichsangehörige zu Börsenspekulatio­nen zu verleiten und dabei auszubeuten versuchten, bat der Kultusminister an die Schul- und geistlichen Behörden eine Mitteilung ergeben lassen, in der nicht nur die Angehörigen dieser Stände gewarnt, sondern auch ersucht werden, in Loienkreisen ihren warnen­den Einfluß geltend zu machen. Es wird dringend empfohlen, bevor man sich mit einem fremden Bank­institut, dessen Zuverlässigkeit und Geschäftsgebaren man nicht kennt, in Geschäfte einläßt, sich durch An­frage beim Kaiserlichen Konsulate in Paris oder bei sicheren deutschen Bankgeschäften u. a. über das be­treffende Bankgeschäft zu erkundigen.

= Die gänzliche Aufhebung der postlagernden Briefe ist von mehreren Postverwaltungen beim Weltpostverein, ber im nächsten Jahre in Madrid zu einem Kongreß Zusammentritt, beantragt worden. Zwischen der deutschen Reichspostverwaltung, Bayern und Württemberg haben bereits Erhebungen statt­gefunden, ob es nicht möglich wäre, eine Beschrän­kung bei der Abgabe von postlagernden Briefen in der Weise eintreten zu lassen, daß solche Sendungen an Personen unter 16 Jahren nur gegen einen Vorweis abgegeben werden. Doch ist hiervor vor­läufig Abstand genommen worden.

= Warnung für unsere Bauern bei Grundstücksverkäufen

Die Güterschlächter treiben wieder ihr Unwesen, namentlich in den Kreisen Fulda und Gersfeld. Sie kaufen ganze Gehöfte mit allem toten und lebenden Inventar, Vieh, Geräten, Maschinen und Vorräten und vereinzeln die Sache bann, um möglichst großen Nutzen herauszuschlagen. Das ist nun eine alte Sache unb es finben sich leibet immer wieder Leute, die ihr Hab und Gut da­zu bergeben. Neu aber ist jetzt der Umstand, daß die Güterschlächter bei notariellem Kaufvertrag ober bei ber Auflassung am Amtsgericht bemüht sind, den Kaufpreis für den eigentlichen Hof (Grundstücke und Gebäude)^ recht hoch, dagegen für das tote und lebende Inventar recht niedrig anzufetzen.

Weshalb geschieht das wohl? Nur um die Zu­wachssteuer vom Güterschlächter abzuwälzen und den Verkäufer des Hofes recht gehörig damit zu belasten.

Die, Zuwachssteuer wird nämlich nur von den Grundstücken und Gebäuden, nicht vom toten und lebenden Inventar gerechnet. Der Guterschlächter darf also am Inventar 100 ober 200 Prozent tierbienen, so braucht er davon keine Zuwachssteuer zu bezahlen, dagegen muß er van dem ganzen Gewinn, den er an Grundstücken unb Gebäuden erzielt, diese Steuer bezahlen. Hat er nun z. B. einen Hof mit Inventar zu 45 000 Mk. gekauft und dabei den Wert des Hofes allein zu 40 000 Mk. angegeben, dagegen den Wert des Inventars mit 50Ö0 Mk. und er löst nachher bei der Vereinzelung für Grundstück- und Gebäude 40- oder 41 000 Mk., für das Inventar aber 15 000 Mk., so bleibt er steuer­frei, trotz eines Gewinns von 10- oder 11000 Mk.; wenn er dagegen dem wirklichen Kaufwert entsprechend den Hof mit 30 000, das Inventar mit 15 000 Mark angegeben hätte, so hätte er den Mehrerlös bei den Grundstücken unb Gebäuden versteuern müssen mit etwa 1400 bis 1500 Mk. Durch die niedrige Wert­angabe für bas Inventar unb bic hohe Wertangabe für bie Grundstücke unb Gebänbe (beim Kaufvertrag) erspart also der Güterschlächter hier 1400 ober 1500 Mark Steuer.

Wer muß aber dafür zahlen?

Der Verkäufer des Hofs, der zugegeben hat, daß fein Inventar niedrig, die Grundstücke und Gebäude im Kaufvertrag aber recht hoch angefetzt wurden, fällt nun doppelt herein, beim die ganze Wertzuwachssteuer, erst bei der Ver­einzelung des Hofs, welche sonst den Güterschlächter Setreffen hätte, trifft ihn jetzt beim Verkauf seines _ mwesens, dessen Kaufpreis (ohne Inventar) er ja selbst viel zu hoch angegeben hat. Nun wird nach- gerechnet, wie er selbst f. Zt. den Hof gekauft hat, hier« von noch das tote Inventar abgezogen und die Wert­zuwachssteiler dann nach dem für ihn entstandenen hohen Gewinn berechnet und von ihm erhoben. So zahlt der Bauer, der sein Anwesen verkauft unb dabei den Wert des Hofs zu hoch, das Inventar zu niedrig angibt, die Zuwachssteuer nicht allein für s i ch, son­dern auch für bett Güterschlächter mit. Ohne­hin wird tote und lebende Inventar nebst den Vor­räten in der Regel schon zu niedrig angeschlagen, man darf es also bei Verkauf-Verträgen nicht noch mehr im Wert herabfetzen.

Selbstverständlich muß jeder, der verkaufen will, auch dchür sorgen, daß der Kaufvertrag nur für den Hof und das Inventar gleichzeitig gilt, sonst könnte es ihm passieren, daß der Güterschlächter nur das eine behalt und ihm das andere läßt, wie es auch schon vorgekommen ist. Jeder, der einen Hof verkaufen will, sollte vor Abschluß des Vertrages erst einen sachverständigen, unparteiischen Mann um Rat fragen, aber in der Regel hält er es geheim und fragt erst bann, wenn er schon den Vertrag gemacht hat unb es nachher zu spät ist.

Lokales.

• Fulda, 6. März 1913.

& Versetzt wurden Eisenbahnbetriebs - Ingenieur Kurt Köhler vom hiesigen Kgl. Eisenbahn-Werk- stättenamt nach Frankfurt a. M. und Eisenbahn« brtriebs-Jitgenieur Schild von der Inspektion II in Frankfurt a. M. nach Fulda.

* Personalien. Die Wahl des Rentners Julius Döhle als unbesoldeten Beigeordneten der Stadt Eschwege für die gesetzliche Amtsdauer von sechs Jahren wurde bestätigt. — Zum Rentmeister der Kreiskasse in Frankenberg ist ber seitherige Poltzei- sekrelär in Magdeburg, Becker, vom 1. März an ernannt.

-ff- Verliehen wurde dem Bezirksbrandmeister Raabe in Wolfsanger, jetzt zu Kassel, anläßlich seines Ausscheidens aus dem Ehrenamt als Bezirks- brandmeister der Rote Adlerorden vierter Klaffe, so­wie dem Major und Pserdevormusterungskommifsar Scriba in Kassel und dem Gestütsbirektor Bieler in Dillenburg vom Fürsten von Waldeck unb Pyrmont das Verdienstkreuz 3. Klaffe.

* Am kgl. Lehrerseminar begann gestern unter dem Vorsitze des Herrn Regurungsrates Botterrnann die mündliche Abiturienten Prüfung. Auf Grund guter schriftlicher Leistungen wurden Diegelmann- Welkers und Schürger-Fulda gänzlich, sowie Baier- Tränkhof (Rhön), Gatterdam-Horas, Herget-Abtsroda, Müller-Frankfurt a. M„ Schad-Weidenau, Schlitt» Fulda unb Schmitt-Marrin teilweise von der münd- lidjen Prüfung befreit. Die Prüfung findet wahr­scheinlich Freitag vormittags ihr Ende.

Neber Vcrdi's Requiem, das bte Cäcilia am Palmsonntag im Stadtsaat unter Mitwirkung von Namhaften auswärtigen Solisten und eines großen auswärtigen Orchesters aufführen wird, schrieb ein angesehenes Blatt nach den ersten Aufführungen folgendes:

«Am 24. Mai 1874 brachte der vielge'eierte Kom- bonift Giuseppi Verdi seinem als Dichter berühmten Landsmanne Alessandro Manzoni, der kurz vorher verstorben war, durch die m Mailand erfolgte erste Aufführung des genannten Werkes eine in Italien mit allgemeincn Jubel begrüßte Huldigung Dar. Die bei« vorragende Stellung, welche der Komponist in Paris mtb London einnimmt mußten bei dem Werte des Werkes auch dort ihm eben |o schmeichelhafte, als be­geisterte Anerkennung einbringen. Wien säumte nicht, sich gleichfalls daran zu beteiligen. An allen den ge- vannten Orten stand der Meister selbst am Direktions- vulte, die Ausführenden durch seine kundige Leitung aneifernd und zum Siege lenkend. Dasselbe Quartett, m die Intentionen des Schöpfers von ihm selbst cinge- ^etbr und sowohl durch stimmliche als künstlerische Be. Labung vorzüglich hresür geeignet, fang in den Städten

Soli. Auch die Anordnung der Trauerklcidung des Leiblichen Chores, weiße Gewänder, von langen, wallenden schwarzen Schleiern bedeckt, war dort beide- Saiten. Seit die,er Zeit mußte das Werk aus ebener

»Vom Eise befreit finb Strom unb Bäche Durch des halben Frühlings belebenben Blick Im Tale blühet Hoffnungsglück"---

Ju ber Tat, bie ersten Kätzchen ber Saatweibe finb, nachbem bie rauhen Frosttage einem milberen Wetter den Platz geräumt haben, bereits erschlaffen. Hoffnungsfreudig mögen daher Wahl bie Warte in Göthes Faust bie Imker beseelt haben, bie sich in stattlicher Zahl zusammenfanden, um über bas Wahl unb Wehe ihrer Lieblinge zu beraten. In Erledigung be§ ersten Punktes der Tagesordnung berichtete der verehrte Vorsitzende, Herr Th. Mollenhauer, aus dem reichen Schatzkästlein einer 50jährigen Er­fahrung über bie bebeutfamften Wohnungsformen des Biens sonst und jetzt. Von dem allerwäris bekann­ten Strohkorbe ausgehend, in dem ber Bien vor Einbruch der rauhen Jahreszeit sorglich alle Ritze verkittete unb so wohlig unb geborgen saß, gegen Sturm unb Winterkälte geschützt, entwarf bet Red­ner ein übersichtliches Bild, der im Wandel ber Zei­ten verschiedenartigen Beutefarmen. Von der viel-. gcftaltigen Zahl dieser Beuten, die je nach Wahl in Kalt- oder Warmbau bestehen unb dementsprechend verschiedenartig konstruiert sind, seien nur bte Ber- lepschen unb Normalbeuten erwähnt, bie Jahrzehnte hinburch ben Vorzug ber Jmkerwelt genoffen. Doch das Beste ist ber Feind des Guten! Was Menschen­geist unb Menschenkunst vermag, ist ausgedacht, um den Vienlein ihre Behausung so angenehm wie mög­lich zu gestalten. Ausgehend von ber organischen Entwicklung bes Biens hat Pfarrer Gerstung in j Osmannstebt (Thür.) unter dem Namen „Gerstung- Beuten" eine Beuteform konstruiert, bie allgemein Anklang gefunben hat unb wegen ihrer bequemen Handhabung vor allen den Vorzug verdient. Diese sei daher den Anfängern und angehenden Imkern aufs Beste empfohlen. Manch' weitere Anregung über die Winterbehandlung, insbesondere bie äußerst wichtige Fernhaltung von Feinden, bie bie Bienen I in ber Winterruhe beunruhigen, fanb unter ben An­wesenheit bankbare Anerkennung. Als Feinbe, bie I an ben Stöcken Störung veranlassen, seien genannt: I Mäuse, Katzen, auch Hühner unb last not least unsere sonst so beliebten unb nützlichen Meisen, von berter hauptsächlich bie Kohlmeise bie Bienchen durch I Klopfen mit ihrem harten Schnabel in ber Nähe I des Flugloches herauslockt, um sie zu verzehren. Daß bie Bienen schon zur Zeit des Aristoteles eine be­deutsame Rolle gespielt haben, dürfte allgemein be- I kannf fein. Weniger bekannt jedoch ist eine Berard- I nun“ hes Bischofs unb Fürstabtes von Fulda Hein- I

Aus dem Rachbargebiete.

!•’ Maberzell, 4. März 1913. Unter ben dies­jährigen musterungspflichtigen Burschen entspann sich am SamStag abend eine arge Schlägerei, bei welcher das Messer wieder eine Rolle spielte. Einer der Burschen erhielt neben mehreren Kopfverletzungen einen Stich in den rechten Unterarm. Wahrscheinlich wird die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben.

I Steinbach, 5. März 1913. Einen angenehmen Abend bot der vor einigen Tagen für bie Mitglieder des Volksvereins unb deren Angehörigen veranstaltete Lichtbildervortrag. Die Erschienenen winden im Geiste ans die eucharistischen Kongreffe der letzten Jahre versetzt. Der Apparat, von den Herren Ob- latenpatres in Hünfeld zur Verfügung gestellt, zeich­nete die Bilder schön unb beutlich. Der Vortrag fanb allgemeinen Beifall, was schon baraus hervor- geht, daß derselbe Tags darauf wiederholt wurde und auch gut besucht war.

"!" Poppenhausen, 5. März 1913. Am 3. b. Mts. ftarb bahicr ber älteste Einwohner der Gemeinde Schneidermeister Pcler Mehler im 94. Lebensjahr. Derselbe war körperlich für sein hohes Alter noch rüstig unb gesund und nur wenige Tage bettlägerig krank.

* Rotenburg, 5. März 1913. Bei ber Ersatzwahl zur Stadtverordnetenversammlung in ber 2. Wahlcr- klaffe wurde Prof Schwarz mit allen abgegebenen Stimmen gewählt.

△ Aufenau, 5. März 1913. Heute morgen ver­sammelte sich bie katholische Pfarrgemeinde zu einem feierlichen Requiem für den verstorbenen Herrn Dechanten Julius Wiegand von Johannesberg. Derselbe war vom Jahre 1872 bis 1887 hier als Pfarrer tätig und erfreute sich wegen seiner Herzens- aüte und Menf^enireundliLkeit allgemeiner Wert­