Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

erfdjetnt «gtith mU fiusnaQmc 0« Sonn- unö Setertoae. Oiertek ~ - mnrhf>n.'R»i1nnM ~ ~ ! - .. m _ . * .

Wochen-Vellage:

IHonats-Beilage:

Illustrierte Sonnfagszeihing

# Zitfjungslifttn der preußisch-süddeutschen Ktafftn-totterit. — halbjährlich roschenfahrplim. s

s s

erschein» wgüch mtt fiusnarjmc 0« Sonn- unö Stiertage. viertel» fährticher Bezugspreis ohne vrlngerlohn und Bestellgeld in Zulda

sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsdruck unb Oerlag der 6 X Julboer flctienbrudterd ln Sulöa. $emfpred)er Nr. A. s s

JianTn^,Jl/Ln|praÄnl. 4« „m breit. Heftet „Pfe.

Suläaer S-schlchl-blLttcr gägtfijä'jjfsKJ» » -- 8<n 1,0,1 5®rite?80? a^,^lda. lin;eltzrn-6nnat)me dir 10 Uhr eomUttags.

oreBcrt «nzeigen «bitten wir ens tegs vorher. « rr

Nr. 54* Crsles Blatt.

Donnerstag den 6. HTärz l9lZ.

40. Zahrgang.

Deutscher Reichstag.

t Sitzung vom 5. März 1913.

I Dor Eintritt in die Tagesordnung erhält daS Wort Staatssekretär v. Tirpitz: Ich habe dem hohen Hause )e traurige Mitteilung zu machen, daß unsere M a- iine in der letzten Nacht von einem schweren U n- jlück -1 fall betroffen ist, dem eine große Zahl von Menschenleben zum Opfer gefallen ist. ES handelt sich um einen Zusammenstoß zwischen S. M. S. „Jork" und dem Torpedoboot S. 178. Genauere Angaben habe ich selbst darüber noch nicht. Ich weiß auch nicht genau, ob er direkt während des Manövers, oder unmittelbar nach dem Manöver stattgefunden Hai, nachdem die Lich­ter schon gesetzt gewesen sind. Der Umstand, daß ver­hältnismäßig wenige gerettet wurden, — nur der Arzt, der Ingenieur und 15 Unteroffiziere und Mannschaften, alle übrigen sind ertrunken —, ist wahrscheinlich dem sehr stürmischen, dunklen Wetter in der Nordsee zuzuschreiben. Meine Herren I Die Marine betrauert den frühen Scemannstodso vieler t ü ch- tiger Kameraden aufs tiefste und wird dieselben in hohen Ehren halten. Aber der Unglücksfall hat der Marine ein Ansporn zu fein, den dahingeschiedenen Ka­meraden in gleicher Pflichterfüllung zu fol. gen und zu dienen für Kaiser und Reich.

Das Haus erhebt sich von seinen Sitzen, was Prä­sident Kämpf nach einigen Worten der Anteilnahme konstatiert.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der Konservativen auf Schaffung kleiner Garnisonen, freie Fahrt für Militärurlauber, Bewilligung von ^rnteurlaub usw. Ein in gleicher Richtung sich bewegender Antrag der Wirtschaftlich. Vereinigung wird mit zur Debatte gestellt.

Abg. v. Flemming (k.) begründet den Antrag v. Nor- mann. Die Schaffung von weiteren kleineren Garni­sonen läge nicht nur im Jmeresse der Landwirtschaft, sondern auch in dem des Mittelstandes, des Handwerks, des Kleingewerbes und der Hausbesitzer. Die jährliche Freifahrt der Soldaten in die Heimat erhalte die Liebe Zur Heimat und die Forderung einer jährlich nur ein­maligen Kontrollversammlung sei .berechtigt, ohne die militärische Disziplin zu schädigen. Zur Verminderung der ausländischen Wanderarbeiter sei in ausgedehnterem Maße Ernteurlaub zu gewähren.

Abg. Noske (Soz.): Die Anträge sind eigentlich nur eine einzige Anklage gegen das bisherige militärische System. Für Erhöhung der Servisgelder und schnelle Entschädigung bei Manöverschäden sind auch wir. Durch die lange Dienstzeit werden die kleinen Besitzer geschä­digt. Der Schaffung kleiner Garnisonen stimmen wir nicht zu aus Sparsamkeitsrücksichten. Von Sparsamkeit ist überhaupt vielfach nichts zu bemerken, namentlich, svenn es sich um die Heranziehung ganzer Husaren­regimenter zu höfischen Zwecken, um eine halbe Stunde Spalier zu bilden, handelt!

Abg. Angerpointner (Zentr.): Wir haben bereits zu Beginn der Session einen gleichlautenden Antrag einge­bracht. Die Errichtung einer Garnison und sei es auch nur für einen kleinen Truppenkörper, bildet für die Kleinstadt unter allen Umständen einen wirtschaftlichen Impuls. Die Gewährung von Ernteurlaub liegt im beiderseitigen Interesse und auch im Interesse der Ge­samtheit und sollte wie in Bayern in zwei Teilen ge­geben werden. Auch die Forderung eines jährlichen Heimatsurlaubs erscheint bei der oft großen Entfernung zwischen Garnison und Heimat durchaus begründet. Ich bitte, den Antrag einstimmig anzunehmen.

Abg. Schulenburg (natl.) stimmt dem konservativen Antrag zu, bittet noch für Freifahrt der Veteranen nach oen Schlachtfeldern, den früheren Regimentsangehörigen Gewährung von Militärkarten bei Regimentsjubiläen und Portofreiheit für Pakete an Soldaten und Briefe von Soldaten in die Heimat.

Abg. Weinhausen (Vp.) stimmt trotz seiner Bedenken für die Schaffung kleiner Garnisonen dem konservativen Antrag zu.

Der Gras von Tarent.

58] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner. 5.

Bixio sucht Honig und findetEfsig.

Es war abends um die achte Stunde, als Vicomte ter den Mauern des Eulenhoses eintraf. Sieges­gewiß schaute er von einer kleinen Anhöhe auf das ausgedehnte Besitztum, und dann ließ er einen wohl­gefälligen Blick über seine eigene Gestalt schweifen.

Langsam ging er von der Anhöhe herunter und wandelte die große Mauer entlang, welche den Eulen- Hos umgab. Wie ihm verheißen war, fand er auf der unken Seite eine kleine Pforte, deren Tür nur an- grlehnt war. Er trat ein. Auf den ersten Blick er­kannte der junge Mann, daß die Waise trotz ihrer Jugend eine praktische Natur sein müsse. Das Ganze war in früheren Zeiten offenbar ein wohlgepflegter Park zum Lustwandeln gewesen. Reihen von hun­dertjährigen Bäumen faßten an den Seiten die Geh­wege ein, an denen sich ab und zu Standbilder grie­chischer Götter und Göttinnen, in Stein echauen, Zeigten. Ruhebänke luden oftmals zum Sitzen ein. Aber der früher offenbar sorgfältig in Stand gehal­tene Park hatte von seinem Charakter eingebüßt, denn oie großen freien Grasflächen, in deren Mitte sich ab und zu ein monumentaler Springbrunnen zeigte, waren überall, wo das Sonnenlicht freien Zutritt hatte, mit Gemüsen bepflanzt.

„Hm, das Waisenmädchen hat mehr Verstand, als zehn andere ihres Geschlechtes", murmelte er, --es versteht jeder Scholle Erde Nutzen abzugewin- nen. Schade um den Park, muß früher ein Herr­scher Aufenthalt gewesen sein, das Frauenzimmer bat einen Krautacker daraus gemacht. Da ist, wie bei mir, Sinn für's Geld vorhanden, was ich eigent­lich bei der weiblichen Jugend nicht leiden mag. Na, «ine Rose ohne Dorn!"

Je weiter er verdräng unter den Bäumen, iru- wer sah er wieder dasselbx. Bild. Zuletzt machte er «t einer Biegung Halt ..nd betrachtete sich die ver­bitterte Sandsteinstatue, die hier angebracht war.

Er blickte hinter sich und gewahrte, daß das Gar­tenhaus, in dem er sich befand, am anderen Ende des Parkes siand. Er sah die Mauer und berechnete deren Höhe, denn er überlegte, ob er nicht in einem kühnen Schwünge darüber flüchtend hinwegsetzen

. , Minister Breitenbach: Wenn der Wg. Seiner! sucht, die Eisenbahnverwaltung zu diskreditieren, so habe ich das Vertrauen zu den Angestellten, daß sie über die Kritik des Abg. Seinert lachen. (Stürmischer, anhalten­der Beifall rechts und im Zentrum.) Wenn auch nur der geringste Teil seiner Behauptungen wahr wäre, so würde die Eisenbahnverwaltung nicht zu allen Zeiten von Anwärtern für Beamten- und Arbeiterklassen umworben sein. Die Stellung des Chefs der Eisenbahnverwaltung zu den sozialdemokratischen Bestrebungen ist fest und unerschütterlich. (Bravo rechts, lebhafter Beifall.)

Hieraus wird die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt.

„Da hätten wir Amor, den Götterknaben, mit dem Pfeile," sagte er, „das ist die mir bezeichnete Stelle, wo ich hoffen und harren solle auf die Be­scherung. Hier ist ein Gartenhaus daneben mit einem Dache. Sehr gut, denn ich hasse es, wenn einem bei der Liebeserklärung die Regentropfen auf die Nase fallen. Treten wir ein!"

. Hier war eine Bank, groß genug für sechs Per­sonen, in einer Ecke standen Schaufeln, Rechen, Pi­cken, Waffereimer und Gießkannen.

„Beim Zeus, ich habe schon schönere Standplätze Zu einem Stelldichein gesehen, murrte Bixio. „Es wundert mich, daß kein Düngerhaufen in der Nähe ist, daß auch die Nase ihr Teil hätte. Pst, horch, Sohn Deines Vaters, ich glaube, das Waisenkind kommt, ich höre Schritte . . . Er spähte nach der Richtung, woher die Schritte kamen, und nun sah er eine Ge­stalt zwischen dem Grün der Bäume auftauchen, welche direkt nach der Richtung ging, in der er sich befand.

Er machte ein enttäuschtes Gesicht. „Schock- chwerenot, mein Waisenmädchen hat die Kinderschuhe ausgetreten," brummte er, „das Frauenzimmer ist lang wie ein Pappelbaum — ich habe etwas Nied­liches erwartet, so eine Art halbflügge Brut, die mehr chwcbt, als geht, und unter den Fußsohlen keinen Grashalm knickt. Die ragt ja um Haupteslänge über das erlaubte Maß — heiliger Bimbam, was sehen meine Augen — sie hinkt — sie hinkt, und zwar nicht wenig, das eine Bein muß mindestens fünf Zoll zu kurz ausgefallen sein. Na, ich danke, der Meud be­ginnt schlecht!"

Nur wenige Schritte war sie noch entfernt, die eine Hand am Tegenknauf, die andere aufs Herz ge­legt, empfing der Vicomte die Angekommene mit tre­uer Verbeugung und geleitete sie galant zur Bank.

Sie hatte Kopf und Gesicht in ein Spitzentuch gehüllt und Wenig war mehr zu sehen, als die Na- enspitze.

Die Unbekannte hatte in der Ecke der Bank Platz genommen, der Vicomte seinerseits hielt es für ge­raten, nicht unmittelbar an ihrer Seite Platz zu lieft _______

men, sondern er ließ zwischen ihr und ihm etwas sollte.

mäßige Vermögenssteuer zu mäßigen Sätzen be« idjränfen, um eine wirtschaftlich schädliche Häufung von außergewöhnlichen Ansprüchen zu vermeiden.

Alles mit Maß und Rücksicht aus das Ende, b. h. auf die letzten Nachwirkungen aus den Handel und Wandel! v

Sine Korrespondenz, die als offiziös gilt, verkündet heute neuerdings den Grundsatz, vag Anleihen nur I zu werbenden Einrichtungen gestattet seien und nach 1914 oder 1917 überhaupt keine andere Anleihe mehr zugelassen werd.-n solle. Das ist theoretisch l'etjr schön und in den meisten Fällen auch praktisch zu empiehlen. Aber für alle Fälle paßt der Grund- latz doch nicht. Es gibt Anlagen (z. B. Besestzgungs- werke an der Ogsront des Reiches), die nicht wer­bend sind, aber auch nicht für die Gegenwart allein bestimmt sind. Die Kosten solcher Anlagen werden mit Fug und Recht auf so viel Jahre verteilt, als fte ihre Wirksamkeit entfalten werden, und wenn man behufs Verteilung dieser Lasten aus die betreffenden Jahrgänge Geld leiht, so ist dagegen nichts emzu- roenben, falls nur die Tilgung in derGebrau chs- frist erfolgt.

Man darf nicht die Lasten der Gegenwart aus die Zukunft adfchieben, die nichts mehr davon hat; man braucht aber die Gegenwart auch nicht mit Zahlungen zu belasten, die von rechtswegen den nächsten Jahrgängen zufallen, und diese davon prost- liercn.

Statt sich auf Theorien zu verbeißen, suche man lieber mit gesundem Menichenverstand den vestmög. lichen Ausgang aus dem finanzpolitischen Irrgarten.

*

■4 Eine Konferenz der einzelstaatlichen Finanz- Mini,ter wird, wie wir erfahren, am nächsten Mon­tag in Berlin ftattfinben. Die Reichsregierung wird alsdann den Ministern ihre Deckungsvor­schläge unterbreiten. Wie wir bereits gemeldet haben, sind im Reichsschatzamt neben der Reichsver- mögcuszuwachssteuer eine Erbanfallsteuer sowie ver­schiedene Monopolpläne ausgearbeitet. Die Mouo- polpläne der Regierung dürsten indessen wenig Aus­sicht haben, die Zustimmung der Finanzminister zir sinden, weil deren Durchführung zu lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Die Erbanf all­ste n e r, die, wie wir betonten, mehr Aussicht hat als die Vermogenszuwachssteuer vom Bundesrat an­genommen zu werden, soll mit einer Wehr st euer verbunden sein. Und zwar soll die Erbanfallsteuer in allen den Fällen prozentual- höher-stur, -irr. denen der Erbe der Militärpflicht nicht genügt hat. Die Einnahmen aus dieser Kombination werden auf 70 Millionen geschätzt, wovon auf die Wehrsteuer 13 Millionen entfallen sollen. Uns möchte scheinen, daß diese Summe zu hoch gegriffen ist. Selbstverständlich werden in der Finanzministerkonferenz neben den D-eckungsvorfchlägen des Reichsschatzamtes auch aus der Konferenz selbst heraus Deckungsvorschläge un­terbreitet werden. Wie wir hören, soll seitens eines Bundesstaates geplant fein, die Schwerin-Löwitzschen Vorschläge, betr. die Uebertragung der Stempelsteuern von den Einzelstaaten auf das Reich, als Antrag einzubringen. Wie die Finanz- ministerkonferenz, deren Beschlüsse alsbald dem Bun­desrat zugehen sollen, sich speziell in dieser Frage entscheiden wird, darüber läßt sich natürlich z. Zt. nichts sagen. Im übrigen liegt ja schließlich die end­gültige Entscheidung beim Bundesrat selbst.

Auch ein nationalliberaler Antrag, der otefeiben Fragen behandelt, wird mit zur Aussprache

Abg. b. Oertzen (Rp.): Aus wirtschaftlichen Grün­den muß man jetzt die Truppen auf die kleinen Städte verteilen. Für die Kavallerie sind kleine Garnisonen von besonderer Bedeutung, weil sie dort ihre Felddienst­übungen weiter ausdehnen kann.

Abg. Bietmeyer (wirtsch. Vgg.) fordert ebenfalls kleine Garnisonen und empfiehlt den Antrag der wirt- schaftlichen Vereinigung.

Abg. Nehbcl (kons.): Im Westen gibt es viele kleine Garnisonen,- warum nicht auch im Osten? Ein Fort­schritt war die Errichtung des 20. Armeekorps, aber mit den wenigen Grenzgarnisonen kann die Grenze nicht hinreichend geschützt werden. Darüber weiteres bei der Militärvorlage.

Der konservative Antrag, der Antrag der Wirtsch. Vereinigung und ein während der Debatte gestellter gleichlautender Antrag Wassermann (natl.) werden an- genommen.

Eine Anzahl Petitionen werden debatteloS erledigt.

Zu den Petitionen über die Abänderung der Eides­formel, Abschaffung des Gotteslästerungs- Paragraphen, Beseitigung der verschärften Straf- bestmimungen über Majestätsbeleidigung, Aufhebung des Zwanges der Tissidentenkinder am Re­ligionsunterricht teilzunehmen, Trennung von Kirche und Staat, beantragt die Kommission Uebergang zur Tagesordnung. — Ein Antrag Albrecht (Soz.) will sie Mr Berücksichtigung, ein Antrag Müller-Meiningen als Material überwiesen wissen.

Abg. Gröber (Zentr.) macht die Sozialdemokratie darauf aufmerksam daß sie mit ihrem Anträge auch Be­stimmungen aufhebe, die zugunsten der Religionsfreiheit erlassen sind, und die zum Beispiel die Juden Betreffen. Zwben Sie Ihren Antrag zurück, er ist unsinnig.

„Tie Abstimmung ergibt die Erledigung nach den An­trägen der Kommission.

Donnerstag: Etatsnotgesetz, Kolonialetat,

Preußischer Landtag.

Abgeordneteuliau?.

Sitzung vom 5. März 1913.

Vizepräsident Porsch eröffnet die Sitzung mit fol­genden Worten: Unsere Marine ist in der letzten Nacht von einem schwerenUnglücksfallbetrof- f e n worden. Bei der Nachtübung ist das Torpedoboot ©178 mitten durchschnitten worden und augenblicklich gesunken. 68 Mann der Besatzung fanden den Tod. üue Herren, mit welchen ich bis jetzt davon gesprochen habe, waren aufs tiefste erschüttert von dem Unglücksfall.

glaube den Gefühlen der hier Versammelten zu ent- Wtedjen, wenn ich von dieser Stelle aus unserer tapse- ren Marrne und den Hinterbliebenen der verunglückten brauen Mannschaft unsere herzliche Teilnahme ans- spreche. (Zustimmung.)

Die zweite Beratung des Etats der Eisenbahnver­waltung wird fortgesetzt.

Abg. Schröder-Kassel (natl.): Die Lage der mittleren und unteren Eisenbahnbeamten muh aufgebessert wer-

Minister v. Breitenbach: Der Etat enthält eine solche Vermehrung von etatsmäßigen Stellen, wie seit Jahren mcht. Die Remunerations- und Unterstützungsfonds haben eine außerordentliche Erhöhung erfahren. Eben­so ist viel zur Besserstellung der Arbeiter und zur Er­höhung der Leistungsfähigkeit der Pensionskassen der Arbeiter geschehen.

Abg. Vahrenhorst (ff.): Wir erwarten, daß diese Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Besoldung beseitigt werden. Wir haben daher den Antrag einge­bracht, daß von den Besoldungszulagen möglichst weit­gehender Gebrauch gemacht werde.

'Abg. Delius (Vp.) wünscht eine Nachprüfung der »ejolbunggorbnung und allgemeine Teuerungszulagen.

Abg. Seinert (Soz.) wünscht dringend Lohnverbesse­rung der Eisenbahnarbeiter und richtet die heftigsten Angriffe gegen die bürgerlichen Parteien und das an. geblidjc Spionagesystem und Denunziantentum in der Eisenbahnverwaltung.

Diö konservative Partei zu den Stenersragerr.

Die Parteikorrespondenz der Konservativen bringt einen Artikel über die vorläufige Stellung zu den Rüstungs- und Deckungsfragen. Dabei springen zwei Forderungen der konservativen Partei be'onderS hervor:

1. In Ansehung der einmalige» Kriegssteuer die Verteilung aut eine gewisse Zeit.

2. Für die Deckung der laufe« den Mehrausgabe» den Verzicht auf die direkte Erbschafts­steuer, also keine Wilwen- und Waisensteuer.

Wir haben schon rnehrtach hervorgehoben, daß für einen großen Teck der Besitzer die sofortige Bar- Zahlung eines Hundertstel oder gar eines Fünfzigstel vom ganzen Vermögenswert nur unter schweren Per- lüften und wirtschaftlichen Gefallen möglich lein würde und daß infolge der massenhaften Veräuße­rungen und Kreditgesuche die ganze Volkswirtschaft in Verwirrung geraten könnte. Die Zulassung von Ratenzahlungen aus eine Reihe von Jahren ist also teilroeite unbedingt notwendig, teilweise vorsichts­halber erwünscht. Es ist also nicht richtig, wenn in der liberalen Presse wegen dieser Klausel der Patrio­tismus der Konservativen angezwesielt wird. Wenn Ratenzahlungen zugelassen werden, so werden es nicht bloß die Landwirte sein, die davon Gebrauch machen, sondern auch unter den Industrielle», Händ» lern und sonpigen Gewerbetreibenden werden sich viele befinden, die nicht sofort das ganze Opfer in barem Gelbe zur Stelle haben, und es mit Freuden begrüßen, wenn sie nicht überstürzt einen Teil ihres festgelegten Besitzes zu liquidieren brauchen.

Auch wegen des zweiten Punktes werden der konservativen Partei bereits Vorwürfe gemacht. Als ob sie es lei, die aus Eigensinn ober Eigennutz den alten Streit über die direkte Erbschaftssteuer sortfetzen rooUe. Im Gegenteil: die Konservativen wollen ja gerade diesen Zankapfel bei Seite schieben, während die gestern erwähnte nationalliberale Stimme den alten Gegensatz wieder akut werden lasten wollte. Jeder Unbefangene muß nun aber zugeben, daß 18 gegen den Grundsatz ,Ne bis in idem, nicht zweimal gegen dasselbe!" gröblich verstoßen würde, wenn man auf die Knegsstener vom Besitz nun noch eine hohe Steuer vom (Salti - und Kindeserbe folgen lassen wollte. Das eine wie das andere ist sachlich eine Vermögenssteuer. Wenn nun ein Familienvermögen durch die Kriegssteuer mit dem 12- bis 20fachen eines Jahressatzes der Ergänzungssteuer belegt wird, so haben die Leute vielfach ein Jahrzehnt lang reichlich gu tun, um den Aderlaß zu überwinden. Stirbt in biefer Zeit der Valer, so würde infolge der neuen Erbschaftssteuer abermals das 20- oder 30,ache der Ergänzungssteuersatzes aufcrlegt werden, und die Familie hätte also auf längere Zeit doppelte außerordentliche Jahresrate» zu tragen. Tas geht nicht an. Ist die einmalige Kriegssteuer aerhängt, so muß eine gewisse Schonzeit eintreten. Entweder muß man den Besitz, so weit es nottut, in anderer, weniger drückender Form zu fasten meben, oder man muß sim wenigstens auf die regel- leeren Raunt. Seine reiche Erfahrung hatte ihn gelehrt, in solchen Fällen in ersten Momenten ein gewisses Zeremoniell zu beobachten.

,Du die Dame kein Wort sagte, so ging er augen­blicklich zum Geplänkel über. „Sie haben mich durch ■egre Einladung, hierher zu kommen, unaussprech­lich glücklich gemacht," begann er.

Sie schaute geradeaus in der Richtung nach den Schaufeln und Eimern und antwortete keine Silbe. Der junge Mann fühlte sich etwas beunruhigt.

„Mein Herz war so liebeleer, ich fühle mich so I vereinsamt seit Jahren, in meinen Träumen —“ j

Nun drehte sie den Kopf gegen ihn. „Haben Sic etwas gesagt?" fragte sie.

Eine seltsame Unruhe überkam den Vicomte. I „Herrliches Wesen," begann er aufs neue, „ich glaubte | vergehen zu müssen vor Freude als Ihre Einladung mich zum Glücklichsten derSterblichen machte. Mein I Herz klopfte zum Zerspringen, ich konnte kaum die I glückliche Stunde erwarten und zählte die Minuten I —Der Vicomte hatte die Worte mit gehobener Stimme gesprochen.

Die Unbekannte legte jetzt die Hand ans Ohr. I „Junger Herr, bitte, sprechen Sie lauter," bat sie, I „ich — höre schlecht!"

Bixio fühlte, wie in seinem Innern das ganze I Blut zum Herzen zurückdrängte, auf seiner Stirn I sammelten sich einige Schweißtropfen.

Wie ein vollkommen Erschöpfter ließ er sich an die Lehne der Bank zurücksinken, und ein gedehnter Pfiff kam über seine Lippen. „Ich will einen Sack rohe Kartoffeln morgen zum Frühstück essen, wenn dieses hinkende Frauenzimmer mich nicht in eine I schändliche Falle gelockt hat," klagte er laut. „Nun I ist sie auch noch taub — das ist der schlimmste Abend meines ganzen Lebens!"

„Warum antworten Sie nicht?" fragte sie etwas dringend.

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Bremen.

W Bremen, 5. März 1913. Der Kaiser traf um 12,10 Uhr von Wilhelmshaven kommend im

Die Mauer war entschieden zu hoch. Er legte nun den Mund an ihr Ohr. „Sie haben mich unaus­sprechlich glücklich gemacht durch Ihre Einladung, und nimmer werde ich die Stunde vergessen, da ich hierher gekommen."

Er hatte diesmal so laut geschrien, daß die Vögel, welche in den Nestern der Nachtruhe pflegten, unruhig zu zwitschern anfingen.

| Sie schüttelte verschämt den Kopf. „Ach, Ihr ! jungen Herren habt immer schöne Worte, wenn es gilt, ein weibliches Wesen zu betören!"

„Das hält kein Roß aus," seufzte der Vicomte „nun denkt dieses taube Hinkebein noch, ich will stt betören," schnell den Mund an ihr Ohr bringend fuhr er fort: Könnte ich tausend Jahre alt wer­den, nimmer würde ich den Moment vergessen, M ich Ihre Gestalt zum ersten Male erschaut.... meü( Herz klopft zum Zerspringen, ich kann kaum Wort» finden, um die Gefühle auszudrücken, die mich be­wegen. ..."

„So sagte mein erster Mann auch im Anfänge,* entgegnete sie. Der Vicomte starrte die Verhüllt» verwirrt und bestürzt an. Er hatte die Empfindung, als rolle der Boden unter seinen Füßen.

„Waren Sie denn schon verheiratet?" fragte er. Die Stimme zitterte ihm vor Ingrimm.

„Ja, d—r—e—i—m—a—l!"

Er saß wie zu Stein erstarrt. Seine ganze Fas. sungskraft war dahin. Wie war er nur auf die Idee gekommen, daß er es mit einer schutzlosen Waise zu tun habe? . . . Er grübelte und forschte, und nun kam ihm die Erinnerung voll und ganz.

„Der verdammte Baruch", sagte er zu sich selbst, „er ist an all dem Elend schuld. . . Dieser schand­bare Hebräer, — welches Recht hat er gehabt, mir zu sagen, dieses Frauenzimmer könne tun nach Belie­ben, sie sei majorenn, und Eltern seien nicht vorhan­den und so weiter — der Kujon hat mich dadurch in die Idee hineingcritten, daß ich es mit einer halb­flüggen Waise zu tun habe, die die ersten Fühlhörner in der Liebe ausstreckt — mich in solchen Sumpf zu reiten, die Sache schreit zum Himmel.'"

(Fortsetzung folgt.)