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Fuldaer Zeitung

Mittwoch S. März 1915.

arbe und demselben Stoffe, und eine weihe

ters steckten in langen, grauen, rehledernen Stiefeln mit goldenen Sporen, an rosaroter Schärpe um den Leib geschlungen, hing an der linken Seite ein kunst­voll gearbeiteter Degen nieder, an dessen Griffe ein kleiner Strauß Rosen mit flatternden, wcißseidenen Bändern befestigt war. Das Gesicht des vielleicht fünfundzwanzigjährigen Mannes strahlte von Le­benslust, die feurigen schwarzen Augen blickten rast­los und forschend die Häuserreihen entlang und mu­sterten die Fenster, wo sich nur zu häufig die Vor­hänge auseinander schoben und junge reizende Ge­sichter zum Vorschein kamen, die dem schmucken Ka­valier schmachtende Blicke zusandten.

Tas edle Tier, das der junge Mann ritt, gehorchte nur unmutig dem Zügel, der es zum Schrittgehen zwang. Das Pferd begann vor Ungeduld zu tänzeln.

Der Reiter klopfte den Hals des Pferdes. „Ruhig Blut, Nero Du hast zu viel Hafer im Maaen,"

wohnt, schreibt Dr. Buerschaper-Laubegast in der sächsischen landwirtschaftlichen Zeitschrift, dort kann er in der Regel nur verklagt werden. Wenn jemand also eine Bestellung aufgibt oder irgendeine sonstige Verpflichtung cingeht, muß er beim Gericht seines

Lk. Für Landwirte. Im letzten Amtsblatt der Landwirtschaftskammer wird auf einen Erlaß des Landwirtschafts-uinistcrs hingewicsen, nach dem trotz des Rückganges der Maul- und Klauenseuche neuerdings mehrfach Fälle ermittelt worden sind, in

schreibt z. B. folgendes:

Es stimmt, was da gesagt ist; um der paar Mädchen willen, die eine Berecbtigung erlangen wollen, wird den anderen ein unnützes Joch auferlegt, — d. b. die olfnieDe Idee ist nicht so, denn sie läsit ja deshalb gerade die sog. „Studien-Anstalt" schon nach der 4. Klasse sich ab- «weinen, damit die höhere Mädchenschule frei von dem Stoff bleibt, der nur für späteres Studium Sinn hat; man glaubt aber — irrtümlich — die Frauenlogik durch Mathematik aufzubesiern — und vergißt dabei ganz das alte: „nataram expellasfnrea, tarnen nsqne recurret“ (Rotte die Natur mit der Gabel aus — sie wird doch rmmer zurückkehren.) In einigen Jahren wird sicher eine allgemeine Rückwärtsbewegung im Sinne der dort gemachten Anstellung beginnen.

Aber warum den Brunnen erst dann zudecken, wenn das Kind hineingefallen ist? —

Lk Erfüllungsort und Gerichtsstand. Wo jemand

manche oft überrumpeln. Es wird ein Bestellschein vorgelegt, der au sich zu keinem Bedenken Anlaß gibt. Am Schluß findet sich aber in der Regel klein gedruckt ein Vermerk: „Erfüllungsort (Wohnort der

Lokales.

Fulda, 5. März 1913.

,):( Personalien. Wachtmeister I. Schmitt, früher beim hiesigen Feldartillerie - Regiment, wird vom l. März ab als Eisenbahnasststent nach Moers a. R.

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Lclieudrucerei fit skulda.

Aus dem Nachbargebiete.

+ Soden-Stolzenberg, 4. März 1913. Vor einigen: Tagen hielt im „Goldenen Hirsch" der Volksverein unter Leitung seines Präies seinen Familienabend. Die Herren Patres Leonard und Gallus erfreuten den Verein mit einem Lichtbilder-Vortrag aus „Ben» Hur", wonach der Kinematograph in Tätigkeit trat. Viele Zuschauer, die etwas derartiges noch nicht ge­sehen hatten, waren ganz erstaunt über bte Beweg­lichkeit der auf die Silberleinwand gezauberten Figuren, die teils erbaulichen, teils heiteren Effekt hervorriefen.— Nicht weniger wirkungsvoll war eine Versammlung des hiesigen Arbeitervereins. Herr Pater Leonard hielt einen Vortrag über die Aufgabe der Arbeiter­vereine. Der Erfola war, daß die Mitglicderzabl von 51 auf 64 wuchs. Nach Neukonstituierung des Vor­standes schloß der Präses die Versammlung mit dem Bedeuten, daß am 3. Ostertag abermals eine Arbeiter»? Versammlung statlfinden werde, um in derselben weitere Beratungen abzuhalten über Festlegung der Statuten nach vorausgegangener Beratung des Vorstandes mit seinem Präses, die am Mittwoch, den 12. März, abends nach der Andacht erfolgen soll. Der gute Er­folg, der in der Arbeiterversammlung erzielt wurde, ift nicht minder auch dem Vortrag zuzuschreiben, den Pater Leonard am Vormittag, dem Tage der ewigen Anbetung an die Arbeiter richtete, sie auffordernd, öfter die hl. Kommunion zu empfangen.

es. Ans dem Freigericht, 4. Febr. 1913. In den letzten Tagen fanden im Freigericht eine Anzahl öffentlicher Versammlungen statt, in denen Herr Parteisekretär Geis über jetzt allgemein interestirrende Tagesfragen sprach. An allen Orten, und zwar in Somborn, Altenmittlau, Horbaw u. Neuses war der Besuch sehr zufriedenstellend, und, was ganz besonders erfreulich ist, gerade die Jungmannschast war sehr stark vertreten. In. allen Versammlungen wurde auch die Haltung der Parteien und der Re­gierung in Sachen des Jesuitengesetzes einer eingehenden Würdigung unterzogen und laut die Forderung erhoben, daß endlich dieses Gesetz, dessen Fortbestand eine stete Beleidigung der Katholiken darstellt, beseitigt werde. Ferner wurde in den Ver« ammlungen auch Stellung zu den im Mai statt- indenden Landtagswahleu genommen. Man war allenthalben der Ansicht, daß keiner der bis jetzt von bürgerlicher Seite aufgestellten Kandidaten unter­

schloß er sein Selbstgespräch, „so was bei sich zu füh­ren, ist immer nützlich, vielleicht hilft es nun jemand anderem zu schnellem Ende — ich wollte, es wäre der Prinz von Indien!"

4.

Bixio geht nach Beute aus.

Fabrik usw.)". Tas sieht ganz harmlos aus, hat aber die Folge, daß der Besteller sich dem Gerichts­stand des Lieferanten unterwirft. Fragt der Bestel­ler, so hat der Reisende schon irgendeine nichtssagende Bemerkung zur Hand und erklärt den Zusatz auf die unschuldigste Art. Das ist ein Unfug, dem mit allen Mitteln gesteuert werden muß. Wir warnen, solche Bestellscheine zu unterschreiben. Das Wort „Erfül­lungsort . . . ." muß aus dem Schein heraus und durchstrichen werden.

? Der Verband der Bcrsicherungsvereine im Reg> Bezirk Kassel hielt am Montag in Kassel seine 6. Ge­neralversammlung ab, welche von 30 angeschlossenen rnd zehn freien Vereinen beschickt worden war. Nach dem Rechenschaftsbericht zählt der Verband 59 Vereine. Ter Bericht gedenkt einer Reihe von Mängeln, die sich bei verschiedenen Vereinen fühlbar gemacht haben. Ver schiedene Vereine erheben keine Beiträge, sondern ziehen ihre Mitglieder nur dann zu Zahlungen heran, wenn Vieh eines Versicherten eingegangen ist. Das führe zu schweren Nachteilen. Die Bildung eines ReservefondZ durch regelmäßige Beitragsleistung sei unerläßlich. Not. wendig sei cs auch, daß sämtliche Vereine der Bezirk« dem Verbände angchören. Bedürfe dann einer der Ver­eine eine Unterstützung, so könne diese aus dem Re­servefonds gewährt werden, sobald derselbe die borge- schriebcne Höhe erreicht habe. Festgestellt sei, daß ca. 45 Pferdeversicherungsvereine bestehen mit einem Durch­schnittsbestände von je 40 Mitgliedern. Von 299 Rind» biehversicherungsvereinen gehören 220 dem Verbände an Im Regierungsbezirke sind bei der letzten Viehzählung 156 000 Pferde gezählt worden, von denen jedoch viele bei Privatgesellschaften versichert sind. Von 337 000 Stück Rindvieh sind 79 400 versichert. Die Frage, ok die in neuerer Zeit wiederholt festgestellten Fälle von Tuberkulose bei Schweinen durch die Molkereien begün- stigt werde, wird verneint.. Der Kassenbericht ergibt eine Einnahme von 1751,28 Mk. und eine Ausgabe von 79,50 Mk. Ein Antrag des Rindviehversicherungsvereins 2, Großkrotzenburg, betreffend die Gewährung von Reise, entschädigungcn an die Abgeordneten der Gene­ralversammlungen wurde abgelehnt. Doch wurde der Vorstand ermächtigt, bis zur nächsten Jahresversamm­lung fcstzustellen, oh es sich empfehle, den Abgeordneten den Preis einer einfachen Fahrkarte 3. Klasse für die von ihnen zu befahrende Strecke zu vergüten. Desglei­chen wurde beschlossen, die nächstjährige Generalversamm­lung in Gelnhausen abzuhalten, ferner, den Vor­stand zu ermächtigen, daß er der Frage der Gewährung unverzinslicher Darlehen an einzelne Vereine, so­weit dieselben Sicherheit zu bieten vermögen, näher­trete. •* 7

. Das paßt freilich vie­len auswärtigen Geschäftsleuten nicht. Sie wollen einen Prozeß bei ihrem eignen Gericht führen. Na­türlich wird dem Käufer dadurch die Prozeßführung erheblich erschwert, wenn nicht vereitelt. Schließlich bezahlt er lieber und läßt seine gute Sache fahren. Besonders bei Abschluß mit Reisenden - lassen sich

Es mochte morgens um die siebente Stunde fein, als ein junger, elegant gekleideter Mann durch die Straßen ritt, in denen der wohlhabende TeU der Bevölkerung sein Heim aufgeschlagen hatte. Die Häuser waren hier oft über den Toren mit Wappen geschmückt, die Türen zeigten reiche Schnitzereien, die Balkoue waren gefertigt aus Marmor oder kunstvoll geschmiedetem Eisen, und an den Fenstern zeigten sich Draperien, Spitzen und Gewebe feinster Art, dem Vorüberwandelnden anzeigend, daß der Wohlstand hier seinen Sitz aufgeschlagen hatte.

Der Reiter war gekleidet in ein hellgrünes, samt- nes Camisol, reich mit Spitzen und Goldborten gar­niert, auf dem Kopfe, mit den schwarzen, bis auf die Schultern niederwallenden Locken saß ein Hut von derselben Farbe und demselben Stoffe, und eine weiße wallende Feder war mit goldener Agraffe daran be­festigt und flatterte im Winde. Die Beine des Rei-

I und der Gerichtsdiener Greif von Salmünster (früher Schutzmann bei der Polizeidirektion Falda) zum 1. April an das Amtsgericht Fulda versetzt.

I *oj Christliches GewerkschafiSkartell. Dem in der I JahreS-Generalversamm.ung am Samstag von Herrn Sekretär Stahl erstatteten Geschäftsbericht ent» nehmen wir, baß das christliche Gewerkschafts-Kartell eine rührige Tätigkeit im verfloffenen Jahre entfaltete. Durch die vielen Hindcrnisse, die den christlichen Ge-

I werkschaften enlgegengenellt wurden, um sie in der Entwickelung zu hemmen, ist die Mitgliederzahl

I siegen das Vorjahr zurückgegangen. Am Jahres- schlusse 1912 betrug die Zahl 595 gegen 800 im

I Vorjahre. In Sitzungen und Versammlungen war I das Kartell vielseitig beschäftigt. Ter Vorsitzende | na-m an 22 Berufsversammlungen am Otte und I 35 Versammlungen und Sitzungen in konfessionellen Vereinen teil. Das Kartell beteiligte sich an Sozialen Wahlen und zur Ausbildung seiner Mitglieder an I dem Sozialen Studentenkursus. Der Bücherbestand hat einen Wert von 400 Mark. Der Vorsitzende sprach die Hoffnung aus, daß das Jahr 19! 3 ein Erstarken der christlichen Arbeiterbewegung bringen möge, nicht zuletzt auch im Fuldaer Lmwe.

. .):( Verdis Requiem. Man schreibt uuS: Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, einer Probe der „Cäcilia" beizuwohnen. Geübt wurden Chöre aus dem „Requiem" von Verdi. Dieses großartige Werk soll am Palmsonntag unter Mitwirkung erster aus- ! roärtigcr Künstler dahier zu Gehör gebracht werden. Die Chöre sind sämtlich von überwältigender Wir­kung, so gleich der erste Chor — Dies irae. Ferner der sugenartige Schlußchür und vor allem das acht» stimmige „Sanctus“, Ich glaube, manchen einen Dienst zu erweisen, wenn ich schon heute auf das genannte Werk und den hervorragenden Genuß, den die Aufführung jedem bieten wird, Hinweise.

— Stocknngen im Geschäft. Die Handels­kammer Hanau teilt in ihrem demnächst er­scheinenden Jahresbericht mit, daß Kriegswirren und politische Unsicherheit sich auch in ihrem Bezirke recht fühlbar gemacht und mancherlei Stockungen im Ab­satz oder andere geschäftliche Erschwerungen im Ge­folge gehabt hat. _ Diese Beobachtungen gelten na­mentlich für die feine Juwelenbijouteriefabrikation, für das Diamantengeschäft und für den Vertrieb von Harmoniums sowie Kirchengeräten aus edlen Metal­len, für den Export von Emaillewaren, gewiffe Ma­schinen, Teerfarbstoffe usw.

X Viehmarkt. Der auf Donnerstag den 6. Marz anberaumte Viehmarkt ist von der Regierung geneh­migt worden. Die Auftriebszeit liegt zwischen 7 und 10 Uhr vormittags. , Anläßlich des Viehmarktes wird bei Aufgabe von je zehn Waggons in der Rich­tung nach Bebra, nach Sachsenhausen und nach Gie­ßen je ein Viehsonderzug eingelegt.

D Das Büro des König!. Kreiskaffe ist während des Etatsjahres 1913 neben den Sonn'- und Feier­tagen auch am letzten Werktage der Monate Mai, Juli, August, Oktober, November, Januar, Februar und März, ferner an Heiden letzten Werktagen der Monate Juni, September und Dezember sowie an den drei letzten^Werktagen des Monats April ge­schlossen. Fällt der erste oder letzte Tag eines I Monats auf einen Sonn- oder Feiertag, so wird die I Kasse stets um einen Tag früher geschloffen. Sonst I ist die Kaffe vom 1. April bis 30. September von I 8 Uhr vormittags und in der übrigen Jahreszeit von &y3 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags dem Verkehr I zugänglich.

5*X Schöffengericht. Der wiederholt vorbestrafte 29 jährige Arbeiter A. S. von Dresden wirb wegen Unterschlagung eines Stockes und einer Weste feines Kollegen zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche verurteilt, wovon drei Tage Untersuchungshaft in Abzug kommen. — Eine Schlägerei, die sich am 10. November v. Js. zu später Abendstunde in D. ereignete, sollte gestern ihre gerichtliche Sühne finden. Nach Anhörung der drei Angeklagten und vier Zeugen beschloß das Gericht, die Sache zwecks weiterer Er­hebungen auszusetzen; am Donnerstag, den 6. d. Mts. soll ein Augenscheinstermin in D. stattfinden, auch weitere Zeugen sollen zum nächsten Verhandlungs­termin geladen werden. — Wegen öffentlicher Be­leidigung der Ehefrau eines städtischen Arbeiters wird die Ehefrau E. hier zu einer Geldstrafe von ____.....a ...„D

sechs Mark verurteilt. — Der Fabrikarbeiter H. von I Wohnortes verklagt werden. Künzell war der Mißhandlung des Kalkbrenners W. D. von Künzell mittels eines gefährlichen Werk­zeugs angeklagt. Die Beweisaufnahme ergab, daß H. in Notwehr gehandelt hatte, sodaß et freigesprochen wurde.

schmeichelte er. „Hier in dieser Straße wohnt der Mammon, da wird hübsch Schritt gegangen, damit die Evastöchter sich an meinem Anblicke weiden kön­nen. Wärest Du kein Pferd, so würdest Du begreifen, daß Dein Herr nach einer Braut ausschaut, die viel Geld im Strumpf hat und dabei, wenn möglich, schön und lieblich ist, wie der Maienmorgen beim Sonnen­aufgang. Meine Morgenritte fangen an, bei den Weibern gebührende Aufmerksamkeit zu erregen, in jedem Hause bewegt sich wenigstens ein Vorhang, und dahinter steht gewöhnlich ein Mägdlein und schaut heißhungrig nach mir."

Die Straße begann ihren Charakter zu ändern, Große, leere Baustellen zeigten sich, dann kamen Gär. ten dazwischen, sodann Kaufläden und daran Win­zerhäuser. Allmählich begann das freie Feld sich dem Auge zu zeigen. Ein einziges Gebäude kam noch, das wohl hundert Schritt von der Straße entfernt, mitten in einem ungeheuren Garten lag, der rings­um von einer hohen Gartenmauer umgeben war. Große Wirtschaftsgebäude umgaben das Haus int Hintergründe, bann hinter den Gebäuden erstreckte sich der Garten wieder weiter und nahm erst ein Ende da, wo der dunkle Wald begann.

Oftmals schon war Vicomte Bixio vor dem gro­ßen Gittertore, das zu der Besitzung führte, vorbei­geritten, und seine Neugierde war mehr als einmal rege geworden, wer hier wohl wohnen möge. Aber niemals batte er einer Menfchenseele begegnen kön nen an dieser Stelle, um die Neugierde zu befriedi­gen. Als er nun heute der Stelle sich näherte, sah er zu seiner Verwunderung ein etwa siebzehnjäbriqes hübsches Mädchen in der Tracht der dienenden Klaffe vor dem Gittertore sieben, das auf ihn gewartet zu haben schien, denn schon von weitem fnirte es vor ibm, und als er nun langsam näher ritt, sprang es über den Straßengraben und stellte sich vor seinem Pferde ans.

„Herr, ich soll Euch dieses geben", sagte sie und überreichte ein kleines, zusammengefaltetes Papier, au den Enden mit rotem Wachs gesiegelt. Das -Siegel zeigte eine Nelke und rundum ein Motto: „Alle Zeit voran!"

Der Graf von Tarent.

57] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Plötzlich beutete einer der Männer hinunter nach einer Stelle im Wasser, wo die Wogen einen Ge­genstand auf- und niederschaukelten. Der helle Mond­schein erlaubte, den Gegenstand deutlich zu erkennen

es war eine sehr große Spielpuppe. Daneben schwamm etwas, die Kopfbedeckung eines Kindes, ein kleines Barett. —

Auch der Baron hatte sich niebergelaffen auf den ®runb, feine Augm blickten scharf und anstrengend nach der Stelle.

So wie die Woge, die immer wieder an die Fel- stn schlug, sich hob und senkte, so schwamm auch der Vibl, das Liebste, das der entschwundene Knabe be­sessen, auf der Schaumkrone auf und nieder. Daneben eas Barett, das der Knabe zuletzt getragen.

Mit glühenden Augen schaute Anatole von Mene- dme nieder in die Waffermassen. Sein Wunsch war erfüllt, das Kind, das ihm im Wege gewesen war vorn Meere verschlungen. Eine Zeitlang schaute

wortlos über die weite Wasserfläche, dann kom­mandierte er mit Hatter Stimme:

-»Wir kommen zu spät, Leute, es ist ein Unglück Mchehen, das sich nicht wieder gut machen läßt. Der «nabe ist abgestürzt und ettrunken!"

Ein jeder hatte dieselbe Uebcrzeugung. Wie sollte es auch anders sein? . Wortlos ging einer um den anderen zur Burg zurück.

Anatole von Meneville war der letzte, der ging, k c5a.rte§ Lächeln umspielte seinen Mund, als er p.F. Blick vom Meere wandte. „Nun ist alles gut," T-uitatte er, „mein Glücksstern hat mich nicht vcrlas- >en — der Erbe von Tarent ist tot!"

Als er durch die Mauer schtttt, gewahrte er auf • ^f^ften Bank einen Mann sitzen, der das Gesicht Ar® ?n^e gehüllt hatte und bitterlich weinte. Me- j^kjJpaute auf ihn, bann ging er achselzuckend

Der weinende Mann war Jacobo, er hatte mit eigenen Augen die Puppe und die Kopfbedeckung des Knaben auf den Wellen schwimmen gesehen, für ihn war kein Zweifel mehr, der Herr mußte mit dem Kinde ausgeglitten fein, und das Meer war der bei­den Grab geworden.

Als Meneville sich nähette mit den Männern, — dieselben hatten im Gatten auf ihn gewartet, denn keiner wollte der Mutter die schreckliche Kunde über« bringen, — da schaute sie starr und völlig teilnahms­los ihnen entgegen. Vergebens bemühte sich eine der Dienerinnen, sie aus ihrer Lethargie zu reißen.

Der Baron trat auf die Geliebte zu, die anderen traten etwas beiseite. „Es tut mir in der Seele weh, schlimme Kunde bringen zu müssen," hotten ihn die anderen sagen.

Keine Muskel in ihrem Gesichte bewegte sich, es schien zu Stein erstarrt. Besorgt blickte er auf sie.

„Der Knabe ist im Meere ettrunken!" sagte er langsam.

Nun geschah etwas Seltsames. Sie erhob sich langsam von ihrem Sitze, schaute ihm voll ins Gesicht, dann lachte sie laut und gellend auf und streckte beide Hände zum Himmel empor.

„Gerechter Gott, habe Erbarmen mit mir! Der Tote ist gekommen und hat sein Kind geholt!" —

Sie schrie es laut in die Nacht hinaus, dann brach sie ohnmächtig zusammen.

*1« Zur Kinoreform

Die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Reform des Ainematographentheaters im Sinne der Schaffung von Maßnahmen zum Schutze der Heranwachsenden Jugend ift dieser Tage sowohl im Reichstage wie auch im Preußischen Landtage mit allem Nachdruck betont morden. Erfreulicheweise ist die Regierung einem Künsche der Freunde der Kinoreform, nämlich nach der Einführung der Kinokonzessionspflicht bereits nachgekommen, und in dem Entwurf, den sie dabei veröffentlicht hat, sehen diese einen guten An- fang auf dem Wege einer gesetzlichen Regelung des Kinowesens.

Ans eine andere wichtige Frage machte int Reichs­tag (92. Sitzung) der Zentrumsabg. Dr. Pieper aufmerksam, nämlich die Frage der Zensur. Die Dinge hegen hier folgendermaßen. Für Preußen ist beim Bett. Polizeipräsidium eine Zentralzensurstelle eingerichtet worden, die über ihre Entscheidungen öffentliche Mitteilungen macht. Der Minister des In­nern hat die Polizeibehörden im Lande auf die Ent­scheidungen dieser Zentralfilmzensur aufmerksam ge­macht und sie zur Beachtung empfohlen. Dabei bleibt es den einzelnen Polizeibehörden Vorbehalten, ob sie sich an diese Entscheidungen halten wollen. Von einer Seite ist nun gefordert worden, man solle eine Reichs- filmzensur schaffen, zumal die Herstellung von Filmen große Mittel verlangt, und daher die Filmfabttkanten darauf angewiesen sind, in großem Maßstab und zum Vertrieb im ganzen Reich Filme herzustellen. Die Filmfabttkanten haben somit das größte Jntereffe, sich zu vergewissern, daß, wenn sie Films in den Verkehr bringen, diese möglichst nirgendwo durch die Zenfur von Polizeibehörden beanstandet werden. Aus diesem Grunde wäre eine möglichst einheitliche Zensur Wohl ! zu befürworten.

Eine weitere Frage, die mit der Kinoreform zu­sammenhängt, und die ebenfalls ein gesetzliches Ein­schreiten erfordert, bilden die Reklameplakate mancher Kinos, bte sich auf den Straßen und auf den öffentlichen Plätzen hervordrängeu. Diese sind durch­weg so marktschreierisch und treten so aufdringlich auf, daß sie geradezu eine Belästigung des verkehrenden Publikums darstellen. Vor allem aber bedeuten sie eine sittliche Gefährdung unserer Jugend. Die Re­klameplakate haben den Zweck, zum Besuch des Kinos anzulocken und spekulieren dabei oft auf die niedrigsten I Instinkte des Menschen. Deshalb darf eine Gesetz­gebung, die der Kinoreform Dienen will, nicht bei der Regelung des Konzessionswesens stehen bleiben, son- I bern muß daneben auch eine möglichst einheitliche, von I sittlichen und ästhetischen Rücksichten getragene Zensur insbesondere im Dienste des Jugendfchutzes gegen die I aufdringliche und anstößige Reklame der Kinemato- graphentheater herbeiführen. Diese letztere Seite des Kinowesens berührte im Preußischen Hause der Abge- I ordneten (124. Sitzung) auch der Zentrumsabg. G r o- n o w s k i. Er verwies nach seiner Erinnerung auf I eine Zirkularverfügung des Ministers des Innern vom Jahre 1911 betreffs der Kinoreklame; er habe aber noch niemals beobachten können, daß diese Ver­fügung in der Provinz irgendwo zur Anwendung ge­kommen wäre. In seiner Antwort teilte der Minister mit, daß ein Gesetzentwurf im Reichsamt des Innern — also für das ganze Reich — in der Ausarbeitung I begriffen fei, durch den das Plakatwesen einer strenge- I reu Kontrolle unterworfen werden soll. Man darf Wohl die sichere Erwartung aussprechen, daß ein sol­cher Entwurf auch die Zustimmung des Reichstags finden wird.

Im übrigen kann die hauptschöpferische Tätigkeit auf dem Gebiete einer gesunden Kinoreform weniger von der Gesetzgebung ausgehen. Sie muß vielmehr I hauptsächlich einsetzen aus deck Kreisen derjenigen, die auf dem Gebiete der Volksbildung überhaupt zusam- I menzuwirken berufen sind. Vor allem müssen es dis gemeinnützigen Bildungsvereine als ihre Aufgabe an« fehen, das an sich begrüßenswerte Bildungsmütel des bewegten und belebten Bildes in den Dienst der echten Volksbildung und der gesunden Volkserholung zu stel­len. Zu diesem Zwecke empfiehlt ftd) insbefonoere auch bte Errichtung von Gemeindekinos, die u. a. den Zweck verfolgen, sich in den Dienst der I Schule und der Bildungsvereine zu stellen, indem sie tote früher durch Lichtbilder, so jetzt durch den Film belehrende Vorträge aus den verschiedensten Kultur- I gebieten illustrieren. Eine Reihe solcher Kinos besteht bereits mit gutem Erfolg. I

I denen Neuausbrüche der Seuche auf Verheimlichung I zurückgeführt werden mußten. Die Kammer wird I von dem Minister ersucht, mit allen geeigneten Mit- I teln dahin zu wirken, daß die Landwitte und Vich- I besitzet die angeordneten veterinärpolizeilichen Maß­nahmen genau erfüllen und besonders die vorge­schriebene Meldung bei Ausbruch der Seuche erstat­ten. Der Vorsitzende der Kammer ersucht die hessi­schen Landwitte, alles zu tun, was zur baldigen end­gültigen Beseitigung der Seuche beitragen kann.

Hk. Hinsichtbch der Warenerklärung für den finfep» bahnverkelir ans dem Auslande bringt die am 1. April 1913 in Kraft tretende neue deutsche Eisenbahuzoll- ordnuug eine Neuerung, auf welche die deutschen Jntercffenten die mit ihnen in Verbindung stehenden ausländischen Verfrachter aufmerksam machen sollten, mn Schwierigkeiten und Verzögerungen zu vermeiden. Die Eisenbahnzollordnung schreibt nämlich vor, daß aüe„ Waren, die nach Deutschland ein- oder durch geführt werben, von einer deutlich geschriebenen, dem Frachtbrief offen beigelegten, nach vorgeschriebenem Muster in deutscher ober französischer Sprache abge­faßten Warenertlärung in doppelter Ausfertigung begleitet sein müssen. Die Beigabe der Erklärung hat der Absender auf dem Frachtbrief zu vermerken. Die Bestimmung gilt auch bereits für solche Sendun­gen, die erst am 1. April 1913 ober später an ber deutschen Grenze eintreffen. Auch diesen Sendungen müssen daher die vorgeschriebenen Erklärungen bei» gegeben fein.

X Rechtzeitig zur Gesellenprüfung melden! Mit den herannahenden Ostern geht für eine große An­zahl von Handwerkslehrlingen die Lehrzeit zu Ende, womit gleichzeitig der Termin für die Ablegung ihrer Gesellenprüfung kommt. Da Ostern in diesem Jahr sehr zeitig fällt, wird dem Bedürfnis entsprechend die Gesellenprüfung auch größtenteils früher wie sonst abgehalten. Die jungen Leute müsfen sich also bei­zeiten anmelden und wir machen deshalb auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß diese Anmel­dung in allernächster Zeit erfolgen muß.

X lieber die schlechte Geschäftslage in ganz Deutsch­land gibt die Konkursstatistik für den Monat Februar ein Bild. In diesem Monat gelangten 884 Konkurse Zur Anwendung. Im Februar 1912 erreichten die Konkurse nur die Zahl von 761, somit ein Weniger von 123.

* Für die Veteranen! Eine Entschließung der Staatsministetten des Innern und der Finanzen über die Auszahlung von Rcichsbeihilsen für Vetera­nen bei Wegzug der Empfänger ordnet an, daß die Auszahlung der Beihilfsbeträge, wenn ein Kttegs- teilnehmer, der die Reichsbeihilfe bezieht, aus einem Bundesstaat in einen anderen verzieht, fortan für Rechnung des Bundesstaates erfolgt, in dem der neue Wohnsitz liegt. Die diesbezüglichen Vorschriften, die am 1. April 1913 in Kraft treten, finden auch beim Wegzug eines Beihilfenempfängers aus einem Re­gierungsbezirk in einen anderen gleichmäßige Anwen­dung.

(*) Ter „Notschrei", der vor einiger Zeit in dieser §eitung veröffentlicht war, bat auch anderwärts eachtuna gefunden. Ein namhafter Pädagoge — früher Direktor einer höheren Mädchenschule —

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Eine halbe Stunde später verließ Baron Mene­ville die Burg und ging in der Richtung nach seinem eigenen Hause, das etwa eine Viertelstunde seitwärts von der Burg Tarent, an der Außenseite der Stadt sich befand. Unterwegs sprach er zu sich selbst:

„Zum Teufel mit den sentimentalen Weibern. Ein Zusammenleben mit ihr wird hart werden. — Immerhin — die Bahn ist frei, und ich bedarf des Mittels nicht mehr, das Dame Cisarelli gegeben,

„Na, was ist denn das?" Er hatte in.b'ie Taschen des Pkantels gegriffen, nach dem Fläschchen, und fand es nicht mehr. „Schade, ich muß es verloren baben."