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Fuldaer Leitung

Dienstag 4- März M3

Kosten der Stadt gefertigt. Es ist beab

au

ZS Kraulucken, 3. März 1913. Am Sonntag abend fand dahier eine gut besuchte Volks- Vereins-Versammlung statt. Nach einem Vortrag deS Herrn Pfarrers Biecker über Geschichte und Zweck des Volksvereins sprach Herr Kuratus Dicke über die Kirchenfeindlichkeit des Liberalismus; er führte zum Beweise an die vom Liberalismus gemachten Kulturkampfsgejetze und sein Verhalten bei der Ab- stimmung des Jesuitengesetzes. Scharf wurde das Benehmen deS Reichstagsabgeordneten Marquart gegeißelt, der im Geisaer Lande versprochen hat, er würde gegen jedes Ausnahmegesetz und für die Aus­hebung des Jesuitengesetzes stimmen.

* Tiefenort, 3. März 1913. Eine Bluttat, die sich in der Nacht vom 15.—16. November vor. Js. auf der Straße von Tiefenort nach Hämbach ad- spielte und die ihrer Folgen wegen Aufsehen und Entrüstung bervorgerufcn hatte, fand heute vor dem Eisenacher Schwurgericht ihre Sühne. Der fugend- liche Angeklagte Murkovic hatte bei einem Renkontre, das er mit drei anderen Arbeitern, ebenfalls Aus­ländern, aus der Straße hatte, wie ein Besessener um sich gestochen. Ter eine der V'rletzten starb bald darauf; er hatte S iche in den Magen erkalten, dem zweiten hatte M. ebenfalls lebensgefährliche Stiche in den Unterleib deigebracht, der dritte entging nur da­durch dem sicheren Tode, daß der dem Herzen zu­gedachte Dolchstoß an der Uhr abprallte. Ja, selbst seinem Begleiter, der ihm Nachtquartier geben wollte, versetzte der Mefferheld einen Stich in den Arm. Das Urteil lautete auf acht Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust.

* Oechscn, 3. März 1913. Der Maschinist Schäfer, welcber vom Landgericht Eisenach wegen fahrlässiger Tötung zu einem Monat Gefängnis ver-- urteilt worden war, hatte Revision beim Reichs­gericht beantragt. Der 4. Strafsenat hat jedoch die Revision verworfen.

* Stadtlengsfeld, 1. März 1913. Der Gemeinde­rat erhöhte das Gehalt des Bürgermeisters Bittorf rückwirkend vom 1. Januar 1913 ob von 1650 Mk. auf 2000 Mk. Das Staatsministerium soll erneut um Genehmigung einer städtischen Sparkasse, ersucht werden. Im Orlsstatut für den neuen Be­bauungsplan soll bestimmt werden, daß Vorder­gebäude entweder auf die nachbarliche Grenze oder 2'/r Meter davon errichtet werden müssen.

* Weilar, 3. März 1913. Nachdem der hiesige „Turnverein 1896* aus dem Felda-Werragau aus­getreten war, wurde in der gestrigen Generalver­sammlung beschlossen, daß der'Verein nunmehr de'" „Deutschen Turnerschaft* beitritt.

* Freund Adebar hat sich als Frühlingsbote wieder aus seiner Wiiiterresidenz hier eingefunden und zum Vergnügen der Kinder in seinem allen Heim auf der Gambrinushalle Wohnung genommen. Gegen da? vorige Jahr hat sich der Storch um einige Tage ver­spätet; damals hielt er schon am 25. Februar seinen Einzug,

& Mieter-Versammlung. Der hiesige Mieter-Verein veranstaltet am Samstag, den 8. März, abends 8Vi Uhr, im Saale des evangelischen Gemeindehauses eine Ver­sammlung für alle Mieter der Stadt Fulda. Der durch seine Tätigkeit aus kommunal-politischem Gebiete bestens bekannte Herr Professor Sandrock aus Kassel wird einen Vortrag über „Aufgaben und Notwendigkeit der Mieter-Vereine", unter besonderer Berücksichtig::-': der hiesigen Verhältnisse halten.

Lokaler.

Fulda, 4, März 1913.

(==) Auf eine 25jährige gesegnete Berufstätigkeit, die sie ausf .t ließlich dem Wohle unserer Fuldaer Jugend gewidmet haben, können in diesem Jahre zwei Lehrer von den städtischen Schulen zurückblicken Es sind dieses die Herren Adam Schleichert, der am 16. April, und Franz Schmitt, der am 4. Juni sein Jubiläum begeht. Möge es ihnen vergönnt sein feiern!1*” ba§ 9oIbene Amtsjubiläum zu

△ Ehrung. Der langjährige Vereinsbote des Gartenbauverems Herr Heinrich Sturm hat aus Geiundheits- und Altersrücksichten sein Amt nieder- gelegt. Ter Vorstand des GarkenbauvereinS hat ihn nun für die treue Pflichterfüllung dadurch geehrt, daß er ihm eine Uhr mit entsprechender Widmung überreichen ließ. Wie wir hören, ist als Nachfolger Herr Schuhmachermeister Ignaz Zimmer bestellt worden. '

./• Förster Romanus-Denkmal. Das von den Kol- legen des am 15. Februar v. Js. im Walde bei Riesig von Zigeunern ermordete» Forsters Romanns errichtete Denkmal ist nunmehr fertiggestellt. Es ist em tn Pyramidensorm gehaltener, aus Natursteinen kunstvoll zusammeugestellier Aufbau. Eine daran an- gebrachte Bronzetafel trägt die Aufschrift: „Romanus- stem. Zur Erinnerung an den am 15. Februar 1912 non Zigeunern an dieser Stelle erschossenen Förster Romanus aus N-esig. R I. P.* Die Umgebung des Denkmals ist würdig hergerichtet und durch gärtnerische Anlazen verschönert. Eine Gedenk- bezw Ein- roeibungSfeiet wird am Sonntag, den 16. März statt- finden, wozu Einladungen in den nächsten Tagen er- gehen werden.

Aus dem Nachbargebiete.

* Hünfeld, 1. März 1913. Nach dem Rechnungs- Abschluß der hiesigen städtischen Sparkasse vom Jahre 1911 betrugen die Einlagen am Schlüsse des Recknungsjahres 1910 7 704 660,51 Mark. Im Jahre 1911 gingen zu durch Neueinlagen 737807,16 Mark und durch Zuschreibung vrn Zinsen 258790,65 Mk., sodaß ein Bestand von 8761258,32 M. zu verzeichnen war. Znrückgezahlt wurden 999996,75 Mark, sodaß Ende 1911 ein Bestand von 7761261,57 Mark zu verzeichnen war. Von den Beständen der Sparkasse und des Reservefonds sind zinsbar angelegt in Hypo- theken5519138,12 Mark, in Wertpapieren 1814815,15 Mark, in Gemeindedarlehen 616204,19 Mark, in Bürgschastsdarlehen 127060,02 Mk., in Faustpfand- Darlehen 117490 Mark und in Konto-Korrent-Dar- lehen 44200 Mark.

* Hünfeld, 3. März 1913. Das Gut Waldhof bei G rü s selb ach ging durch Kauf in den Besitz des Geh. Ober-Finanzrats v. Klitzing über. — In Wehrda wurde der Dienstknechl Pf. von einem Pferd so schwer am Bein verletzt, daß seine Ueder- sührung ins Landkrankenhaus zu Fulda notwendig ward. Der Dienstknechl A., dem ein Pferd di« Hand gequetscht hatte, mußte ebenfalls nach Fulda ver­bracht werden.

O Leimbach bei Eiterfeld, 3. März 1913. Der Rentenempfänger Leopold Rech berg aus Betzenrod geriet in der Dunkelheit am vergangenen Samstag abend vom rechten Wege ab, kam bei der hiesigen Haltestelle unter den Bahnzug und wurde über­fahren. Der Verunglückte erlag bereits auf dem Transport nach seiner Wohnung den Verletzungen. Er halte soeben feine Rente beim Postamt in Eiter­feld in Empfang genommen.

* Bebra, 1. März 1913. Mit der hiesigen Wan- derer-Arbeilsstälte ist feit vorigem Jahr eine öffent­liche Arbeits-Nachweisstelle verbunden, welche die Kreise Rotenburg, Homberg, Melsungen, Eschwege und Hersfeld umfaßt. Trotz dieses abgegrenzten (Sc- tnetes erstreckt sich die Tätigkeit der Nachweisstelle weit über dieses hinaus, namentlich auf Thüringen. Seit dem 15. März vorigen Jahres wurden 463 offene Stellen für Landwirtschaft und 382 für In- dustrie und Handwerk gemeldet. Von ersteren wurden besetzt 283, von letzteren 247.

_ * Wächtersbach, 1. März 1913. Die Hühner- züchter von Wächtersbach und Umgegend, sowie eine große Anzahl von Landwirten haben beschlossen, die frischen Hühnereier zu einem einheitlichen Preise zu verkaufen. Auch soll sich die fürstliche Fa- sanerie daran beteiligen.

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

* Kirchhain, 3. März 1913. Im Saale dek hiesigen Bahnhofhotels fand gestern der 40. Delegier tentag des Kreiskriegerverbandes Kwchhair statt. Die Rechnung vom Jahre 1912 schließt mii einer Einnahme von 3898,27 Mk. und einer Aus gäbe von 3727,20 Mk. ab. Das GesamtvermögeL des Verbandes beträgt 4472,04 Mk. An Unter, stützungen wurden im Jahre 1912 an 37 Kamerader und deren Witwen 537 Mk., außerdem an bedürftige Veteranen 60 Mk. gezahlt. Aus den Ueberschüffer der Providentia, Parole und des Jahrbuchs wurde« den einzelnen Vereinen insgesamt 971.51 Mk. zurück- erstattet. Die Geschäftsführung usw. verursachter 677,87 Mk. Unkosten, für Beiträge an die oberer Verbände wurden 516,36 Mk. und für Haftpflicht­versicherung und für Unfälle beim Scheibenschießen 418,16 Mk. ausgegeben. Die Beiträge wurden aus 1,50 Mk. erhöht. Das diesjährige Verbandspreis schießen soll am 31. August in Kirchhain abgehalte« und damit gleichzeitig wieder ein Schülerturnen und ein Turnen der schulentlassenen Jugend verbunden und die Feier auch als Hundertjahrfeier der Bei freiungskriege ausgestaltet werden. Für die nächst Delegiertenversammlung wurde Neustadt und ab Tag der 1. Juni bestimmt. Bei der darauf sorge nommenen Vorstandswahl wurden die bisherigen Vor standsmitglieder einstimmig wiedergewählt. Nur für den Beisitzer Weber-Niederwald trat Förster Borne mann von Allendorf ein. — Das für den Wiesens gründ hiesiger Gemarkung ausgeardeitete Melio rationsprojekt zur Verbesserung der Flußläufs der Ohm, Wohra und Klein, ist vom Mimster ge prüft worden. Dem Vernehmen nach hat sich des Kostenpunkt um 50—60000 Mk. ermäßigt. Dai Flußbett der Ohm soll stellenweise um ca. 80 Zenti meter ausgebaggert werden; hierdurch wird eit besserer Abfluß des Stauwassers geschaffen und dar Flußbett braucht nicht so sehr erweitert zu werden, Am Grenzgraben Niederwald wird ein Staubecker geschaffen, welches das schmutzige Flutwasser bet Wohra aufnimmt und der Ohm zuführt. Die Go samtkosten werden sich jetzt etwa auf 180000 bii 200 000 Mk. belaufen, wovon der Staat den größten Teil trägt.

* Zwesten, 2. März 1913. Gestern nacht braun ten von dem Anwesen des Zimmermanns Hartmann Scheune und Stallgebäude nieder.

* Willingshausen, 3. März 1913. Der Maler Thielmann, der seit mehr als zwanzig Jahren jedes Jahr zur Ausübung seiner Kunst auf dir Schwalm kommt und zu den bekanntesten Malern der Malerkolonie gehört, wird sich in unserem Orte dauernd niederlafsen. Er hat sich einen Bauplatz gekauft, um eine Villa bauen zu lassen.

Staötoerortneten-üerfammlung,

Fulda, 4. März ISIS.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver­sammlung nahmen 22 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den ersten Beigeordneten Halb- leib vertreten. Den Vorsitz führte der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher RechtSatUvalt Rang.

vor Eintritt in die Tagesordnung werden zwei Ein- flärge verlesen. Das Domkapitel ladet zur kirchlichen Feier auS Anlaß der Erhebung Preußens am 10. März, vormittags 9 Uhr. in den Dom ein. Im Anschluß daran fragt Stv. E i ck e ns ch e i d t, ob die für Kaisersgeburts- tag bestehende Gepflogenheit, das Stadtverordnetenkol­legium zu dem Festessen einzuladen, hier durchbrochen werden solle. Bekanntlich würde auch am 10. März ein Festessen stattfinden, bis jetzt aber sei von einer Ein­ladung des Kollegiums nichts bekannt. Beig. Halb, lei6 erwidert, daß der Magistrat beabsichtige, die Feier im Rahmen eines allgemeinen Volksfestes zu arrangie­ren. Für die Beratung der Einzelheiten sei eine Kom­mission eingesetzt, die in diesen Tagen zusammentreten werde. In einem weiteren Eingänge bittet der Vieh­händlerverein von Fulda und Umgegend um Entsendung eines oder mehrerer Delegierten zu der am 5. März im Ballhause anberaumten Viehhändlerversammlung, in der man zu der schwebenden Marktfrage Stellung nehmen wtll. Nach Kenntnisnahme geht die Versammlung zur Tagesordnung über.

die Militärgedäude anzuschließen, obwohl diese bereits kanalisiert find. Ferner wurden die Kosten für die Errichtung einer Eich nieder läge tn Höh- von 4-50 Mk. bewilligt. Verschiedene Besserungsvorschläge

1. Uebernahme des elektrischen Leitungsnetzes der Gemeinde Horas auf die Stadt bei Uebernahme des Leitungsnetzes im Stadtgebiet. Stv. Trabert: Die Bemühungen der Gemeinde Horas um Anschluß an das Elektrizitätswerk Fulda sind soweit gediehen, daß bereits ein zwischen beiden Parteien abgeschlossener Vertrag vor­liegt. Das Elektrizitätswerk tritt nun an die Stadt heran mit der Frage, ob die Stadt für den Fall der Uebernahme des städtischen Leitungsnetzes auch dasjenige der Gemeinde Horas mitübernehmen wolle. Der Ma­gistrat hat sich für die Uebernahme ausgesprochen. Der Vertrag, den die Gemeinde Horas auf 30 Jahre mit dem Elektrizitätswerk abgeschlossen hat, enthält, abgesehen pon einigen für Horas minder günstigen Punkten, die- selben Bestimmungen wie derjenige zwischen der Stadt Fulda und dem Elektrizitätswerk abgeschlossene. Das Werk verpflichtet sich, spätestens 12 Monate nach Aus­stellung des Vertrages den Strom zu liefern, andernfalls für jede Woche eine Butze von 50 Mk. zu entrichten. Nach Ablauf von 10 Betriebsjahren kann die Gemeinde Horas das Leitungsnetz Übernehmen. Stv. Singer warnt, die Angelegenheit zu überstürzen. Es läge kein Grund vor, sich jetzt schon zu binden. Eine Uebernahme des Netzes durch die Gemeinde Horas käme erst in 10 Jah­ren in Frage. Es sei vorerst abzuwarten, ob sich die Anlage in Horas auch rentieren wird. In demselben Sinne sprechen sich auch die Stv. E i ck e n s ch e i d t und Keil aus. Der Grund, weshalb das Elektrizitätswerk schon jetzt auf eine Beschlutzfassung in dieser Angelegen­heit dringt, ,st nicht recht klar. Der Vorsitzende schlägt vor, die Sache zu vertagen, bis Herr Oberbürgermeister D. Antoni persönlich über die Gründe des Antrages re­ferieren kann. Darauf wird dieser Punkt von der Ta- gesordnung abgesetzt.

2. Wahl eines Wahlmannes zu der stattfindendcn Neuwahl eines Vertreters und eines Ersatzmannes z« der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Auf Vor. schlag des Stv. Kapp wird der seit dem Jahre 1003 mit genanntem Amte betraute Stv. Breitenborn wiedergewählt.

8. Aufstellung zweier Laternen an der Künzeller­straße und Bewilligung der Kosten. Stv. Keil- Es handelt sich um den Teil des Künzellerweges vom Holz, garten bis zum Bellingerschcn Grundstück. Die An­wohner dieser Stratze haben sich bereits wiederholt, zu- letzt rm vergangenen Jahre, in Eingaben über die vor. tige schlechte Beleuchtung beklagt. Es liegt tatsächlich ein Bedürfnis vor. Der Magistrat schlägt vor, die An- brlnqung von zwei Laternen zu genehmigen und hierfür- 230 Mk. zu bewilligen. Der Antrag wird debattelos an­genommen.

4. Aufstellung eines Bcdürfnishäuschens am Schweine­markt und Bewilligung der Kosten. Stv. Breiten, born: Bei der Prüfung der Vorlage des Magistrats hat sich herausgestellt, dah sie an grötzeren Mängeln leidet, ^ch habe bereits mit einem Magistratsrnitgliede über die Angelegenheit verhandelt, und es würde sich Mahlen, die Vorlage noch einmal genauer zu prüfen. Ich bitte deshalb, sie cm den Magistrat zurückzuverweisen. Beig. Halbleib: Es war ursprünglich eine Anlage vorgesehen, die allen Wünschen entspräche, allein die Kosten hierfür würden sich auf 6000 Mk. belaufen. Dem. gegenüber sind Bedenken laut geworden, zumal es sich doch bloß um ein Provisorium handelt. Man suchte deS-

2. Blatt.

druck cer Selbaer 3tiitnbrid«it in Zmda.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 2. März 1913. Nach dem Geschäfts- bericht des 1. Vorschnßvereins über das ver­flossene Geschäftsjahr betrug der Gesamtumsatz 11304003,62 Mk. Die Bilanzsumme ist gegen das Vorjahr um rund 182000 Mk. gestiegen und beträgt 1445 619,03 Mk. Tas Gefchäflsguthaben ist um 13497,40 Mk. auf 96486,45 Mk. gewachst. Der erzielte Reingewinn beträgt 13590,16 Mk. ans dem wiederum 6°/o Dividende im Betrage von 5192,45 Mk. verteilt werden, während der Rest zum größien Teil zu den Reserven geschrieben wird. In der bteicr Tage adgehallcnen Generalversammlung wurde die Höbe der aufzunehmenden fremden Gelder aus l1/» Millionen Mk. und der Geschäftsanteil eines jeden Mitgliedes auf 1000 Mk. festgesetzt.

Jahrhunderten eine hier entspringende Quelle den Namen Bonifatiusbrunnen. Hier stand — und das fft ausschlaggebend — eine Wallfahrts- ™ St. Crutzen ober zum hl. Kreuz mit dem gleichnamigen Kloster der Benediktiner. Daz Got- teshaus war bis zum 14. Jahrhundert Pfarrkirche ber Gemeinden Weißkirchen und Kalbach. Neuer- uche Funde von Boden fliesen beweisen, daß dav Bauwerk der fränkischen Periode angehört hat und also eine karolingische Anlage gewesen ist. Rö- mische Scherben fuhren aber auch auf einen -he- maligen römischen Gutshof zurück. Die Krenzkircke fit von der Hofheimer Kapelle genau 16 Kilometer eritfernt, und diese von Mainz ebenfalls weitere 16 Kilometer, also jedesmal eine Tagesleistung für eine Prozesston. Bon dem Kreuzerhohl führte der Weq dann am dritten Tag am hohen Uferweg der Nidda über Harheim, Massenheim auf Vilbel zu. Er er- reichte hier die alte Heerstraße des Niddatals und leitete direkt auf Altenstadt zu. Die Spuren “•ff6" hch bis hierher allerorten an der Hand ar- chaologischer Funde verfolgen. In der Wetterau war die Verpflegung des Zuges gut. Von Alten­stadt an begannen die Entbehrungen, man erhielt bei den armen Waldb-wohnern nur Milch, Butter Eier und Käse. '

Auch der Weg von A l t e n st ad t n a ch Fulda, den der Leichenzug in drei Tagen zurücklegte, war .KWj^ake; er führte über Wingertheim und Eramsfeld, wo auch noch ein Bonifatiusbrunnen an die denkwürdige Begebenheit erinnert. Bei Nieder­moos fuhrt em Teil des Forstes den Namen „Boni- fatmskanzel"; hier soll der Apostel der Sage nach gepredigt haben. Die Einbringung der Leiche nach Fulda über die „lange Brücke" ist durch namhafte Fuldaer Forscher, besonders Vonderau, eingehend erforscht und archäologische Funde bestätigen auch diese Feststellungen.

Der ganze Ueberführungsakt der Leichs von Mainz nach Fulda bat sich im Juli 754 in wenigen Tollen vollzogen. Ter Einzug des Apostels zur ewigen Ruhe in Fulda war für den Ort von gewal­tiger Bedeutung. Das Kloster nahm einen großen Aufschwung, zahllose Schenkungen legten jetzt den Grund zu der späteren Territorialmacht des Bistums Und an dieser Größe, ist zweifellos die fromme Tra­dition an St. Bonifatius' letzten Zug durch die Wetterau mitbestirnmend gewesen; denn nach seinem Tode besaß Fulda nicht weniger als 321 Güter in der Wetterau und im Maingau. So ist der Zug des Apostels ein Ereignis, das weit über das lokalqe- schichtliche Interesse hinausragt, und tief in die deut­sche Nationalgeschichte einschneidet.

* Gudensberg, 3. März 1913. Der langjährige Bürgermeister unserer Nachbargemeinde Erme­theis, Auszüger Hehre, wurde wieder auf 8 Jahre zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt und voni Landratsamt bestätigt.

* Fritzlar, 3. März 1913. Gestern morgen ent­stand m dem Hintergebäude des Kaufmann Aurel Brcdl'sch-n^Anwesens Feuer. Die Gebäude ent- bielten die Schlafräume der Familie Bredt, das große Warenlager ufro. Alles brannte bis auf das Woln:« haus nieder, nichts wurde gerettet, da sich das Fcucr mit einer ganz auffallenden Schnelligkeit ausbreitete. Da in ber Gegend die Hinleracbäude der Häuser alle dicht aneinanderstehcn, hätte bei Wind ein sehr umfangreicher Brand entstehen könne::. D-c Be­schädigte ist zwar versichert, dock nur so niedrig, das; er großen Schaden Haden wird. Es soll Brand' stistung vorliegen. Tie Ermittelungen sind schon c:.;» geleitet. — In dcr letzten Slaviverordneicnsitzung wurde die vom Magistrat vorgesüilagcne Sv anal« gcbührcnordnung genehmigt. Die Gebühren betragen 4 Prozent der Gründ- und Gebäusesteuer. Das Statut verpflichtet jeden Hausdesfter zum An­schluß; die Kosten der Anichluß.<nlage bat er zu tra.;:r : sind weitere Anschlüsse nötig, fo werden Liefe an

haw, mit geringeren Mitteln auszukommen. Die nach der Vorlage geplante Anlage würde fein Klosett ent. galten; sie soll zwischen dem 3. und 4. Pfeiler am Ge- baufce der Aetiendruckerei angelegt werden. Stv. Fleischmann meint, es wäre zu prüfen, ob für die Errichtung einer Bedürfnisanstalt an dieser Stelle ein dringendes Bedürfnis vorliege, da sie doch fast auSschlietz. lich für die Besucher des Marktes in Frage komme. Nach seiner Ansicht wäre ein solches besser am Franzosen- Wäldchen oder auf dem alten Friedhof angebracht. Stv. Schwarz erinnert daran, daß der Schweinemarktplatz über kurz oder lang doch bebaut würde und die Anstalt dann verschwinden müsse. Stv. Breitenborn ent. gegnet, daß die Anstalt auch nur als Provisorium gedacht sei. Ein Bedürfnis liege zweifellos vor. Er wünscht, daß die Anstalt auch einen Abort und eine Anlage für Trinkwasser erhalte. Stv. Kapp stellt den Antrag, die Vorlage an die Baukommission zurückzuverweisen. Beig. H a I b I e t b : Die Angelegenheit ist schon häufig erörtert worden, auch mit Bezug auf das Franzosenwäldchen. Aber auch der dortige Platz ist für eine derartige An. läge nicht günstig. Es läßt sich nicht bestreiten, daß an den Samstagen auf dem Schweinemarkt ein großer Ver­kehr herrscht und die Anlage besonders für die Sommer, monate, wo der Markt schon früh morgens beginnt, sehr angebracht wäre. Ich bitte, die Vorlage anzunehmen. Bei der Abstimmung wird der Antrag Kapp angenom. men.

Schluß der öffentlichen Sitzung 8.30 Uhr.

In geheimer Sitzung wurde zum freihändigen Verkauf bc5 Hauses Langebrückenstraße 17 die Zustim­mung erteilt.

»b. St. Bonifatius' letzte Fahrt durch die Wetterau.

Die Berichte über den Weg, den in den Juli­tagen 754 der Leichenzug des hl. Bonifatius von Mainz durch die Wetterau nach Fulda nahm, sind bisher recht summarisch gewesen. Wenn es auch einzelne Forscher unternahmen, auf Grund der vor- handenen archivalischen und legendarischen Quellen em Bud von dem Wege zu entwerfen, so ist dies ausnahmslos nur in großen Umrissen und ohne Angabe näherer Einzelheiten geschehen.

Der bekannte Archäologe Professor Gq. Wolff- Frankfurt a M. hat nun noch andere' Richtlinien zur Losung des Problems eingeschlagen und darüber *n . „tzten Sitzung des „Frankfurter Gcschichts- vercms eingehend berichtet. Mit Hilfe der sogen. Bonlfatmsquellen, der vorhandenen Kreuze, Kapellen und vor allem der Erforschung der alten Straßen- zuge und auf Grund reichen archäologischen Fund-

Udartr J”6 b'slcmg vorhandenen Lücken -uszufullen. Auf dieser Grundlage baut Wolff mit durchschlagender Ueberzeugungskraft seine Beweis- stchrung auf die übrigens von den vorhandenen ar­chivalischen Quellen treffend unterstützt werden.

Der Leichnam des hl. Bonifatius war am 5. Juli 754. bon Utrecht nach Mainz gebracht worden wo er in der Marrenkapelle der Martinskirche aüfbe- wahrt wurde, bis die Verhandlungen über die Ueber- suhrung nach Fulda zwischen Lullus und Stur­mius zugunsten Fuldas entschieden waren Unt-r großen kirchlichen Ehren wurde nun die Leiche in Begleitung einer gewaltigen Prozession auf dem -vcam bis Hochheim gebracht und von hier auf ver alten Römerstraße über Wicker, Diedenbergen, Acarxhemi nach Hofheim am Taunus geleitet, vo die erste Rast gehalten wurde. Südöstlich von vofheim, nah' Kriftel, befand sich bis zum 30jähriqen Knege eine Bonifatiuskapelle. Hier ist zweifellos °er Ort der ersten Rast gewesen, da der Punkt c Uusgangsstclle von fünf alten Straßen war. on hier geht auch in schnurgerader nordöstlicher Dichtung die uralte Römerstraße nach ver Wetterau y nein. Am zweiten Tage ging es über Zcilsheim °uf der Efisabethenstraße nach Praunheim. Am oiiufer der Nidda führt ein Seitenweg am Höhen- entlang nach dem Kreuzerhohl auf ^u-aajer Gemarkung. Hier auf der Höhe, weithin «'^.'-ch-d"rch eine einsame Akazie, ist die zweite <uvs$ *• 1 *c ®u Elchen. Zahllose Schcnkungsur- Bj-' en ub-r. Ackerübereignngcn an das 611 o ft e r en« v0 Weisen wit ihren genauen Ortsangaben

1 Me denkwürdige Gülte hin. Nicht umsonst

a. Diebstahl. Am Sonntag mittag wurden in einem Gasthause der Königstraße ein Stück Kleider- M'U'Wert- von 20 Mark gestohlen. Von dem Taitt fehlt jede Spur.

E Filmbrand. Gestern abend gegen V-9 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Sie brauchte jedoch nicht auszu. notheater war in der Abendvorstellung em Film in Brand geraten, der unfl 3Ut F°le<- batte. Eine Gefahr für die Besucher war ausgeschlossen, da der VorsÜhrungS- vom Zuschauerraum durch eine starke Mauer gelrennt ist. ES gelang, ein Weiterumsich. 0rctfett des Feuers zu verhindern, so daß die Vor- fiellung nach einer halben Stunde zu Ende geführt werden konnte. Der entstandene Schaden ist durch Versicherung aedcckt. '

= ®ie Truppenübungen des 11. Armeekorps. ^^_9roßeren Exerzierubungen der Truppenteile des

elften Armeekorps werden sich in diesem Jahre Haupt- sächlich auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf abspielen und beginnen am 2. April mit Kompagnie- und Bataillonsübungen der Infanterie-Regimenter 94 und 96. Dann folgen die Jnf.-Regimenter 71 und 95 am 21. April, 82 und 83 am 13. Mai, 167 und 32 am 7. Juli, 71 und 95 am 29. Juli, zuletzt 94 und 96 am 15. August. Zum ersten Male seit Errichtung des Ohrdrufer Uebungsplatzes werden in diesem Jahre auch Feldartillerie-Scharf­schießübungen stattfinden. Hierzu rückt das Feldartillerie-Regiment 11 in Kassel und das Feld- arttllerie-Reqiment 47 in Fu l d a am 16. Juni aus, um am 5. Juli wieder zurückzukehren. . Ihnen fol­gen 1)ie Feldartillerie-Regimenter 19 (Erfurt) und 55 (Naumburg) vom 27. Juli bis 14. August. — Von den vier Kavallerie-Regimentern des elften Ar­meekorps üben in diesem Jahre nur die Jäger-Re­gimenter 2 und 6 in Ohrdruf. Das Husaren-Regi- ment 14 in Kassel und Dragoner-Regiment 5 in Hof­geismar werden dagegen ihre Regiments- und Bri- qadeübunqen vom 22. Juli bis 7. August auf dem Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn abhal­ten. Nach Schluß dieser Uebungen werden alle vier Kavallerie-Regimenter auf der Senne zu größeren Kavallerie-Uehnngen zusammengezogen. Zu diesem Zweck wird vom 7. Armeekorps eine Kavallerie-Di­vision aufgestellt, die vom 8. bis 15. August große

I K 'gllerie-Exerzieren abhält. Der Kaiser wird bei, den Uebungen jedenfalls an einigen Tagen an- Ivesend sein. An dem Brigade-Exerzieren der 42. Infanterie-Brigade in Ohrdruf wird sich das Mün- dener Pionier-Bataillon vom 29. Mai bis 4. Juni beteiligen. In gleicher Weise üben die Marburger Jäger vom 21. his 26. Juli bei der 44. Infanterie- Brigade. — Die Einziehung der Mannschaften des Beurlaubten st and es wird in diesem Jahre in ausgedehnterem Maße erfolgen. In Ohrdruf soll eine verstärkte Reserve-Jnfanterie-Brigade ans Re­servisten und Landwehrleuten gebildet werden. Tie Hebungen finden im Oktober statt und dauern 14 Tage. Ferner wird vom 8. bis 21. Juli eine aus Mannschaften des Beurlaubtenstandes zusammenge­setzte Referve-Feldartillerie-Mteilung in Ohrdruf Hebungen abhalten. — Die größeren Herbst- Manöver des elften Armeekorps werden im Sep­tember und voraussichtlich in der Gegend zwischen Weimar und Jena in Thüringen stattfinden. Für das Korpsmanöver ist eine hochinteressante nächtliche Augriffsübung geplant, der am Tage vorher Kämpfe um befestigte Feldstellungen vorausgehen werden.