*?* Fuldaer Leitung.
2. Blatt.
6er Cuibctr Schentmtrti m Selbe.
Montag 5. März 1915.
Das Suchen nach dem verschwundenen Knaben war vollkommen vergeblich gewesen, die ganze Gruppe stand nun vereinigt um Baron Menville, der schweigend die Berichte anhörte. Nur eine Stelle war noch, eine einzige, wo man nicht geforscht hatte, da, wo die Mauer eingestürzt war, wo draußen der schmale Pfad auf den Felsen sich dahinschlängelte, wo unten das Meer nimmer rastend auf- und niederwogte. Alle blickten sich verständnisvoll an, wenn das Kind da hinansgclangt war, dann war keine Hoffnung. Keiner sprach das Wort aus. Der Baron war der erste, der den Bruch in der Maner durchschritt. Tie anderen folgten. Der Felscnpfad war leer. Tie meisten getrauten sich auf d:m schmalen Wege nicht zu wandeln und setzten oder legten sich platt nieder, und ein jedes schaute hinaus zum Meere, als sollte von da Kunde koinmen, was aus dem Knaben geworden sei. (Forts, folgt.)
Handel und Industrie.
A Berlin, 1. März 1913. Die Börse wird immer noch beeinträchtigt durch die schlimme G ldlage. Die führenden Montanaktien, die meist 1—l* 1 */« Proz. gestiegen waren, büßten hiervon später einen Teil wieder ein. Schiffahrtsaktien später wieder schwächer. Elektrizitätswerte durchschnittlich 1 Proz. steigend Der Kaflamarkt notierte überwiegend höher. Der Privatdi-kont bheb für kurze Sichten unverändert, für lange Sichten zog er auch 55/s Prozent an.
sich leise und murmelten: „Meine Ahnung, meine
I Ahnung!"
Meneville riß einem der Umstehenden die Laterne aus der Hand. „Folgt mir, Leute, der Knabe liegt unter irgend einem Busche und ist eingeschlafen. Ihr versteht nicht zu suchen und stolpert einer über des andern Beine. Zwei Mann durchsuchen die Westseite des Gartens, zwei die Nordseite, zwei andere gehen in die Oranqenpflanzung, zwei begleiten mich mit Lichtern zur Mauer, in der Richtung der Wasserseite, vorwärts!"
Die Gräfin blieb sitzen, sie war unfähig, sich zu bewegen, sie schien mit ihren Gedanken in einer anderen Welt zu sein. Sie sah den Männern nach, ! wie sie im Dunkel der Nacht suchten nach dem Kinde, das sie dem Manne geboren, dem sie einst Treue geschworen, dem Manne, der nicht mehr war; ihr starrer Blick folgte ihm, mit dem sie gesündigt, der heute morgen noch geplant, das Kind zu beseitigen aus dem Leben, das er nun suchen ging. Alles war stille um sie her, sie kam sich plötzlich vor, als sei sie allein auf der weiten Welt, und ein schwarzer Schatten sitze neben ihr und flüsterte ihr zu: „Ich liebe dieses Kind nicht, ich hasse es, ich wollte, es toäre, tot!" — Waren das nicht ihre eigenen Worte gewesen? Sie rückte fort von dem schwarzen Schatten, sie wollte von ihm nicht wieder erinnert sein an vergangene Zeit ....
Plötzlich raschelte etwas im Sande neben ihr, das junge Weib schrak zusammen und blickte auf. Es war Jacobo gewesen, der zurückgeblieben war und eine Bewegung gemacht hatte. Nun freute sie sich, daß sie nicht ganz allein war. Die anderen waren alle gegangen, jeder suchte nach ihrem Kinde.
Nun rückte ihr der schwarte Schatten wieder näher und neigte sich ut ihrem Ohre:
„Das Kind brauchst Du nimmer zu Haffen!" flüsterte er. Sie nickte.
„Ich werde es nimmer hassen!"
„Es ist gegangen und kommt nimmer wieder. ." „Ich weiß cs — ich fühle es."
„Es ist tot!"
Sie erschauerte.
„Ja, es ist tot", flüsterten die bleichen Lippen. I „Ich wollte, cs wäre am Leben." '
I ballen Beifall. Die Hörer bereiteten allen Nummern I des mit Einlagen reich bedachten Programms und I ihrer vortrefflichen Ausführung eine sreündliche Auf- I nähme.
> I △ Der letzte Dolksbildungsabend dieses Winters sah gestern wieder einen gefüllten Saal. Nach kurzen einleitenden Worten des Herrn Lehrers Durch a r d über Aufgabe und Ziele der Denkmalpflege nahm Herr Professor Dr. Schäfer-Kassel das Wort zu seinem Vortrag über die Naturdenkmalpfleqe mit be,anderer Berücksichtigung Hessens. Redner wies hin auf die Zerstörung von Naturgegenständcn durch das Boranschreiten der Kultur, die wahren Raubbau I * ,. und »um Widerspruch und Kampf reize. Der I blinden Zerstörung müsse man entgegentreten, um die Schönheit der Natur zu retten und sie als I emen Gesundbrunnen dem Volke zu erhalten. Redner definierte die Naturdenkmäler als Gebilde die sich die Natur selbst geschaffen habe. In einer'gro- I Bcn Anzahl von reizvollen Bildern führte er uns die male- 'n Schönheit der Gebirgswelt unserer engeren Heimat, besonders der Rhön, mit ihren massigen
I ~’:ön‘t5 und Basaltkuppen, ihren naturschönen Ge- | steinsformen und Trümmerfeldern vor Augen, um in einem kurzen historisch-genetischen Ueber- blick die Entstehung dieser wunderbaren Naturgebilde
I einzelnen geologischen Erdperioden zii erlau- I iern. Im zweiten Teile seines Vortrages sührte uns I Redner zunächst in das llrwaldgebiet Germaniens zur Zell der alten Römer, das im Laufe der Jcchr- | Hunderte verschwunden ist. Anstelle der gemischien Forstwirtschaftsweise ist mit der Zeit eine rein künstliche getreten, wodurch das Waldbild einen vollständig veränderten Charakter erhielt, auf keinen Fall aber
I Schönheit gewonnen hat. Erst neuerdings sind Swat und Städte bemüht, die Forstwirtschaft vom ästhetischen Standpunkte aus in andere Bahnen zu I lenken, indem sie größere Partieen gemischter Wal- I o,er ,nl.. "der die bestehenden zu schützen suchen. !
die m diesem Abschnitt vorgeführten Lichtbilder I prachtvoller Baumgruppen, kerniger riesenhafter und uralter Linden zeigte, daß noch manche ffione Stelle unseres heimatlichen Waldes von der Axt verschont blieb. Als weitere Naturdenkmäler bezeichnete der Redner zum Schluß die Pflanzenge- | der Moore, die einzigartig schönen Heidevarks, I une ,re sich namentlich in der Lüneburger Heide in I großer Ausdehnung finden, sowie die Blume und die Beleber der Natur, die Vogelwelt. — So dürfte der I gestrige Abend manchem liebe Erinnerungen von seinen Wanderungen durch die heimatlichen Gefilde wachgerufen, andern den Blick für die Schönheiten unverfälschter Natur erweitert, alle aber mit Liebe zu ihr erfüllt^haben. — Für den unterhaltenden Teil I hatte das Königs. Lehrerseminar mit verschiedenen I Choren und die Musikkapelle des dompfarr- lichen ^«ünglingsvereins mit einigen gut vorqetrage- I iten Musikstücken aufgewartet.
n6 Neunter Rhönturntag. Für gestern nachmittag batte der Rhonturnausichuß den 9. Rbönturntaq ins I BahnbofShotel zu Fulda einberufen. Der Vorsitzende I de? Ausschusses, Herr F. Fuchs, hieß die Erschienenen berzlich willkommen und erstattete den Jahresbericht. In Vertretung des OberturnwartS berichtete der 2. Oberturnwart, Herr Köhler, über die turnerischen letzten Turnfestes. Die Einnahmen betruaeo I 2658 Mk., die Ausgaben beliefen sich auf 2365 Mk. Sodann wurde den Verkaufsabschlüffen betreffs Er. Werbung eines Platzes auf der Wasserkuppe zuaestimmt, I dessen Kosten sich auf 1050 Mk. belaufen. Somit ist I der Ausschuß Eigentümer des 30000 Quadratmeter I großen Geländes auf dem höchsten Berge der Rhön. Das diesjährige Rhönturnfest wird am 10. August I abgebalten. Die Wettübungen zum Vierkampf für | bte Turner der deutschen Turnerschaft bestehen in Stabhochsprmgen, Freiweitspringen, Kugelstoßen (20 Pfund) und Hürdenlaufen (je 4 Hürden, Zeit: 14 bt§ 18 Sekunden). Für den Sonderkampf wurde der I deutsche Dreisprung bestimmt. Die Benutzung von I Rennschuhen bei den Läufen ist zum ersten Male gestattet. Das int vorigen Jahre einqeführte Jugend« I 'urnen soll auch .in diesem Jahre wieder statt finden. I Für Gruppe I (Schüler aller Schulen bis 14 Jahren)r I Schlagbass ohne Einschenker, (Wanderpreis, gestiftet von Landrat Frhr. v. Dörnberg); Gruppe II (Zög« linge der deutschen Turnerschaft und Schüler höherer Lehranstalten im Aller von 14-17 Jadren): Drei« kampf: Weitsprung, 3,20 Dieter bis 5,20 Meter, 100 Meter-Lauf, 14—18 Sek., Stemmen, 50 Pfund zweiarmig. (Wanderpreis, gestiftet von Oberregierungs- rat Sprmgorum) Mannschaftskampf: Statettenlauf 400 Dttr.: Gruppe III (offen für alle Jugendvereine '
„Warum?"
„Ich — ich würde es lieben lernen!"
Da flog der dunkle Schatten fort. — — —-
Der Mond trat in diesem Augenblicke hervor, voll und ganz beleuchtete er das junge Weib, das einsam, einer Statue gleich, bewegungslos dasaß. Jacobo hielt es in der Nähe dieser Frau nicht länger aus. Er fühlte, daß in chrer Seele ein Kampf vor sich ging, langsam wandte er sich und folgte den anderen iv den Garten. Sie hörte sein Fortgehen nicht.
Plötzlich sah sie etwas schimmern im Lichte des Dlondes. Es lag neben ihr auf den Steinfließen. Der Baron hatte seinen Mantel von sich geschleudert vorhin, und hier log das Kleidungsstück noch. Daneben ein Fläschchen, das eine blaßrote Flüssigkeit enthielt. Mechanisch bückte sie sich und hob das Fläschchen auf. Die Frau besann sich, wie das Fläschchen hierher kam. Eine Zigeunerin hatte es ihr gegeben, damst sie schön bleiben sollte bis zum späten Alter.
Die Gräfin steckte das Fläschchen zu sich. —-
Es war dasselbe, das Baron Meneville von der Cisarelli mit Gold gekauft, um den Knaben zu vergiften.
„Es ist spurlos verschwunden?" antwortete Ia- I cobo. v
Tie Gräfin stand wie erstarrt, wie eine Geistesabwesende schaute sie von einem'zum andern, die niedergeschlagenen Mienen und traurigen Blicke derselben bestätigten das eben Gehörte. Geisterhaft bleich war sie plötzlich geworden, ihr Blick starrte in die leere Luft.
Der Baron vergaß für den Augenblick seinen Aeraer über die Abfertigung, die ihm Jacobo hatte zuteil werden lassen. „Wann wurde der Knabe zum letzten Male gesehen?" ftagte er die Umstehenden mrt scharfer Stimme.
„Gegen fünf Uhr", antwortete einer.
„Ich habe das Kind um sieben Uhr noch gesehen", sagte ein anderer.
„Nach dem Aveläuten", fiel ein dritter ein, „habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie das Kind mit der großen Puppe im Arme über den Burghof ging, m der Richtung nach dem Garten.
„Nach dem Garten? Keine Aussicht dabei?"
„Ich dachte, die Wärterin sei vorausgegangen, ich sah auch eine Gestalt zwischen den Bäumen, später erkannte ich aber, daß es Jacobo gewesen. Die Wärterin schwatzte draußen auf der Straße mit ihrem Burschen eine geschlagene Stunde lang ich erfuhr es erst später." Es war ein Stallknecht, der die Aussage gemocht hatte.
Jacobo machte eine abwehrende Bewegung. „Ich habe, wie es meine Pslicht ist, nachgesehen, ob das Gartentor an der linken Seite geschlossen sei, der Abend war nahe, das Kind habe ich im Garten nicht gesehen."
Jacobo wunderte sich über sich selbst, wie es ihm I einsiel, zu lügen.
Der Baron antwortete nicht. Er schleuderte seinen Reisemantel von den Schultern, und derselbe fiel neben die Gräfin, die sich vollkommen außer Fassung auf den Stufen, die zur Terrasse führten, niedergelassen hatte. Sie schien kaum zu hören, was I um sie her vorging, ihre Augen weinten nicht, die I Hände ineinandergelegt, saß sie mit übergebeugtem I Körper auf den Stufen und schaute auf die Männer, I die von ihrem verschwundenen Kinde sprachen, als I feien dieselben ihr fremd. Nur ihre Lippen bewegten I
Lokales.
Fulda, 3. März 1913.
Vtn> Auszeichnung. Dem Vorschreiner in der königl. Effenbahnwerlstätle Magnus Laudenbach wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
* Personalien. Regierungsbaumeister deS Eisen» öahnbaufachs Wist, bisher in Posen, wurde als Vorstand der Eisenbahnbauabieilung nach Fulda versetzt. — Bahnmeister» Aspirant Trautwein. Fulda ist zum 1. März nach Hanau versetzt worden. — Dem Lehrer Kellner in Wabern ist ein» Lehrerstelle bei der König!. Erziehungsanstalt z« Wabern endgültig überlraaen. — In den Ruhe» stand versetzt wurde der Königl. Rentmeister Lotze m Hanau zum 1. April d. I.
»!" Tas Turnlehrerexamen bestand an der Landes» tarn an flalt in Spandau Herr stud. phil. Vonderau au» Fulda.
O Samariterprüfung. Die Abiturienten de? hiesigen Lehrerseminars unterzogen sich Samstag, den 1. März der Samartterprüfung, die unter dem Vorsitz des Herrn Medirinalrates Dr. Marx statt» fand. Sämtliche 29 Prüflinge bestanden mit dem Prädtkat.gut".
>4-Der landwirtschastl. Kreisverein Fulda hielt am Samstag eine Versammlung ab. Nach der Verlesung de» Protokolls der beiden letz'en Sitzungen teilte der Vorsitzende, HerrWinterschuldirektor Schoppmann, mtt, daß für Sprengverwche mit Romperit C ein Sprengmeister aus Lüdermünd gewonnen fei und daß di» Versuche mnerhalb der nächsten 14 Tage angestellt werden sollen; der Termin wird noch näher bestimmt. Sodann wurden verschiedene Angelegenheiten erledigt. Zur 89. General»Versammlung des Vereins »AuS» schuffes der Landwirtschafts • Kammer am 12. März wurden von der Versammlung die Herren Gutsbesitzer Souchay»Künzell und Bürgermeister Jonas-Rex «ISDelegierte gewählt. Herr Stabsveterinär Vogler gab dann an der Hand des Wortlautes der Para» I graphen 459—492 des Bürger!. Gesetz uches eingehende, durch zahlreiche praktische Beispiele erläuterte Erklärun» Ei über die Mängelgewähr beim Tierkauf. Die Aus»
rungen des Redners, sowie auch die anschließende ^"Esprache gaben in einer großen Anzahl von stritti» ^gen Fallen betreffs des Viehhandels Klarheit und zeigten, I da» dw geietzlichen Bestimmungen oft den Anschauun- $»n und Empfindungen des Volkes zuwiderlaufen. « Cjfrem aber dürsten die Anwesenden durch die Ausführungen belehrt feien, wie sie sich beim Em» "tt'_ °Pn gegen Schaden schützen können. Herr I Heß bat sodann als Vorsitzender des Viehhändler- »etetnS um Unterstützung seitens des Landwirtschaft» sichen Kreisverems bei der Abstellung der bekannten Mißstände aus den hiesigen Märkten im Jntereffe der Landwirtschaft. Er ist der Ansicht, daß der von r«r Stadt Fulda angesetzte Betrag von 1000 Mark I . veterinararztliche Untersuchungen genüge, und daß I keine besondere Gebühr für die Elnzeluntersuchung I 8“ entrichten fet. Herr Dr. Lucas legte im Anschluß oaian die gesetzlichen Bestimmungen dar, welche zur I Wahrung der Interessen der Stadt Fulda und der Viehhändler herangezogen werden könnten. Nach ««er eingehenden Diskussion wurde der Vorstand mit der Abfassung einer entsprechenden Resolution beaufiraflt, m welcher der R gierung-vrästvent und der Vorstand der Landwirlschaftskammer um Abstellung der Mißstande ersucht werden.
C 6. Abonnementskonzert. Emer vollen Anerken- «mg der sehr zahlreichen Besucher hatte sich das gestrige Abonnementskonzert des Trompelerkorps un- I Feldaltillerie-Regiments zu erfreuen. An erster Stelle ist die große Fantasie aus , Madame Butterfly" von Puccmr, dem bedeutendsten Vertreter der neu- I italienischen -schule, zu nennen. Die Musik, welche von wirklicher Kraft, Schönheit und packender Dra- I motu ist, wurde in allen Sätzen wirkungsvoll zu I ^ehör gebracht. Ebenso kam die flüssige Melodik der Ouvertüre zur „Regimentstochier" von Donizetti I prägnant zum Ausdruck. In leuchtendem Farben- | schmelz erschien die Fantasie aus der Oper .Mignon" I mit dem sehr ansprechenven Trompetensolo .Kennst 2<wd, wo die Zitronen blüh'» ?'. In das Reich der Romantik führte die mit Innigkeit und "Asche vorgetragene Szene und Arie aus Kreutzers .Nachtlager m Granada". Ein hübscher Walzer vom Tanzkiassiker Lanner sand allgemeinen Anklang. In der Konzert - Arie von Svbcck spielte Herr I ®t_etn§öorf baS Solo für Klarinette. Sein schöner Ton sowie fein empfindungsvoller Vor- ttiig sicherten Herrn Stcrnsdort den verdienten leb« I
1 und Jüngling» im Alter von 14—17 Jahren, die ’ keinem Verein angehören): Dreikampf wie Gruppe II, > 35 Punkte berechtigen zum Diplom. (Wanderpreis, gestiftet vom Rbönklnb) Mannsckastskampf: Sta«
1 kettenlaaf 400 Meter. Der SlaatSwanderpreis des , Kultusministers wird wiederum, wie im vorigen , Jahre, mit einem Stafetlenlauf von 400 Meter aus.
getragen. (In 100 Meter um einen Pfahl herum.) Bei den Fußballwettkämpfen darf von einem Verein nur eine Mannschaft gestellt werden. Auch für das kommende Fest sind Verbesserungen vorgesehen, z. B. für die Laufbahnen elektrische Anlagen. Rach Erledi- oung verschiedener interner Angelegenheiten wurde der Rhönturntag mit einem .Gut Hei!" geschlossen.
xt Ueberlandzentrale Fulda. Wie wir von beteiligter Seite erfahren, haben zwischen den Besitzern der Kohlenfelder bei Wüstensachsen und den Kreis- behörden, entgegen der Meldung in unterer vorgestrigen Nummer, feine Verhandlungen stattgefunden. Nur die Gewerkschaft Ost heim bei Meldungen, bejro. einige Gewerken derselben, haben zum Zwecke der Errichtung einer .Ueberlandzentrale Fulda- Ostheim" ihren Besitz angeboten. Es ist auch bereits ein Ovtionsvertrag hierüber zustande gekommen, dessen Erfüllung von dem Ausfall von Bohrungen abhängt, welche zurzeit vorgenomm n werden.
(♦) Der Bezirkstag des 13. BezirksvereinS .Beider I Hessen und Nassau" im Deutschen Fleischerverband wird am 25. und 26. Mai dS. Js. in Fulda abgehalten. Diese Tagungen sind stets gut besucht, und es ist auch hier aus eine Teilnehmerzahl von
I mehr als 300 Herren zu rechnen.
)( Kursus in Anwendungsformen der Naturheilkunde.
An den beiden ersten Unterrichts-Ahenden wurde der I I Bau und die Tätigkeit der Organe des Körpers und der Begriff .Naturheilkraft" erläutert. Ferner
I wurden innere und äußere Anwendungen (Spülungen, I Gurgelungen, Einläufe, Waschungen, Abreibungen I und drrgl.) in ihren Wirkungen auf die verschiedensten Krankheits-Zustände beschrieben. Der dritte Kursus-
I Abend findet nicht am Montag, sondern am Mrtt- I woch den 5. März statt. Am Freitag den 7. März I wird der Kursus beendet. An den beiden letzten Abenden werden u. a. Ausschläge, Kompressen, Ladungen rc. praktisch vorgelüdrt und ausgeübt.
* Tie Hundertjahrfeier in den Schulen. Das Gedächtnis des Jahres 1913 wird auch in den Schulen festlich Begangen werden. Der Uirterrichtsmi- nister hat angeordnet, daß am 10. März, dem hundertjährigen Gedenktage der Stiftung des Eisernen I
I .Kreuzes und dem Geburtstage der Königin Luise, I I der Unterricht an allen der königlichen Regierung I unterstellten Schulen ausfällt. An die Stelle des
I Unterrichts treten patriotische S ch u l f e i e.r n. Ge- I I fang, Rede und Vortrag von Gedichten soll die Be- I deutung ins Licht stellen. Auch im weiteren Ber- I lauf des Jahres soll im Geschichtsunterricht und bei I anderen geeigneten Gelegenheiten auf die einzelnen I Gedenktage aufmerksam gemacht werden. Die Schul- I Behörden sollen es den Schulleitern üBerlaffen, die I Feier nach den Verhältnissen der Schule zu gestalten. I ÜeBerall sollen nicht Bloß die Lehrer und Lehrerinnen, I sondern auch die Schüler und Schülerinnen durch I Vortrag und Gesang sich daran Beteiligen. Wo am 10. März eine allgemeine kirchliche Feier statt- I findet, ist auf die Beteiligung der Schulen hinzu- I wirken. Am 10. März sollen nach Möglichkeit auch I für die schulentlassene Jugend angemes- I sene Feiern veranstaltet werden. Bor allem will man I eine Beteiligung der Jugendorganisationen an den I kirchlichen Feiern erreichen. Der Minister setzt end- I lieh voraus, daß die Gedenktage dieses Jahres nach I Möglichkeit dazu benutzt werden, um die schulent- I laffene Jugend durch Erinnerung an die große Ver- I gangenheit zu erheben und für vaterländische Ideale I zu begeistern.
— Als Vergütung für Fourage, die im Bionat I Februar verabreicht wurde, gelten in den Kreisen I Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern folgende I Preise: der Zentner Hafer 9,98 Mk., Heu 3,41 Mk., I Stroh 2,36 Mk.
ssnßbalsiport. DaS gestrige Spiel um die | begliche Kreismeisterschaft zwischen Kasseler Fußball- I verein und ,Boru!sia"-Fulda batte das Ergebnis von I 0 : 0. Der Verein für Bewegungsspiele Marburg I verlor gegen Kasseler .Eintracht" mit 1:2. — Der I kommende Sonntag bringt das letzte hessische Rrei3 *» spiel in Fulda auf dem Sportplätze der Bleiche | zwischen den beiden hiesigen Ligavereinen. .HerkuleS"« I Kassel verliert gegen Gießen 1900 mit 0 : 2. Sport I Staffel vcrl r gegen SB f. 59« ließen mit 4 : 5.
Aus Gderheffen u. -en Hess. Aemtern, I • Marburg, 1. März 1913. Der Bürgerverein I hatte gestern abend eine Versammlung zwecks Be- 'prechung über die Ueberlandzentrale em« I berufen. In einer Resolution wurde der 9)lagifttal I ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß bis zum Winter I genügend Strom vorhanden ist und das Stromnetz I nach Bedarf erweitert werde. 9lnf alle Fälle dürsten I gewünschte Anschlüsse nicht abgewicsen oder auf I spätere Zeit vertröstet werden. Ferner soll der I Magistrat in Erwägung ziehen, ob eine billige Ersatz» I kralt durch Heranziehen der in Marburger Werten I vorhandenen Krätte zu haben fei. Dem Vernehmen I nach findet am 11. März wegen ver Versorgung unserer Gegend mit elektrischer Energie von der Eder» I tallperte aus hier eine Konferenz der Land» I röte der Kreise Marburg, Kirchhain und Ziegenhain I mit der Weserstrvm-Verwaltung aus Hannover statt.
-ff- Ziegenhain, 2. März 1913. In der letzten- I Kreistagssitzung wurde der Voranschlag über I den Kreishaushalt iilr 1913 auf eine Einnahme und I Ausgabe von 375690,94 Mark feftgelegt. Am 1. April I wird eine Kreisbautechnikerstelle eingerichtet. Der I Gemeinde Friedigerode wurde für die Kanali- I sation deS Mühlgrabens der Kosten und dem I Taubstummensürsorgeverein in Homberg cm jähr- I kicher Beitrag von 20 Mark bewilligt. Der Voran- I schlag der Kreissparkasse für 1913 wurde aus 326 979 I Mark und der Reservefonds auf 30531,50 Mark I festgesetzt. Zum Kreisdeputierten wurde anstelle des verstorbenen v. Baumbach der Geh. Regiernngsrat Landrat a. D. Freiherr Jul. v. Dörnberg gewählt. — Der Malermeistec Fr. Stripp im benachbarten Frielendorf rettete in voriger Woche den 9jährigeu Klötzner, der auf dem 5 Meter tiefen Teiche eingebrochen war, durch seine Entsttlosscnheit vom Tode des Ertrinkens, wobei er selbst in Lebensgefahr geriet.— Die seit Jahren in Neukirchen bestehende Molkerei- Genossenschaft, welche eine der besten im Bezirk ist, hatte in 1912 ein besseres Geschäftsjahr als 1911; sie verarbeitete täglich 5000 Liter Milch. Ta der Butterabsatz gut ist, könnten noch 1000 Liter mehr gebraucht werden.
[:] Neustadt, 2. März 1913. Am Freitag halten wir das Vergnügen, unter Führung eines Herrn Franziskanerpaters vom Frauenberge im Geiste' eine Reise nach und durch Japan zu machen. An der Hand schöner Lichtbilder wurden die einzelnen Stationen aus dem Missionsgebiete des lernen Ostens vor Augen geführt. Lebensweife, Trachten, Sitten, Beschäftigung der dortigen Bewohner zog an* unferm Auge vorüber. Wieder andere Bilder zeigten die Erfolge unserer Missionare. Stattliche Kirchen, Studentenheime, Krankenhäuser, Erziehungsanstalten geben Zeugnis von der unermüdlichen Tätigkeit dieser Pioniere der kath. Kirche, erfordern aber auch die Aufbietung bedeutender Geldmittel. Würde das Interesse unseres Volkes sich mehr den Missionen zuwenden und die Mittel zur Ausgestaltung derselben reichlicher fließen, so wäre der Zweck dieses genußreichen Abends erreicht.
* Grifte, 1. März 1913. Gestern wurde einem herumstreichenden Gauner das Handwerk gelegt. Es handelte sich um einen angeblichen Uhrmacher, der in die Häuser ging, um Uhren zu reparieren und nach Bezahlung von 1.50 Mark das Weite fudte. Nachher merkten die Eigentümer, daß sie betrogen und ihre Uhren um nichts besser waren. Indessen, waren seine Gaunereien bekannt geworden, und als er das Kunststück wieder versuchte, benachrichtigte ber Betreffende die Polizei. Der „Uhrmacher" wurde verhaftet.
* Jesberg, 28. Febr. 1913. Gestern fand im Umbach'schen Saale Holztermin statt, zu dem viele Käufer erschienen waren. Das Holz wurde im allgemeinen recht hoch bezahlt. Buchenscheit wurde das Festmeter mit 6—6,50 Mk., Knüppel mit 4—4,50 Mk. und Reiser (10 Mir.) mit 6 Mk. verkauft.
Der Gras von Tarent.
56s Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.
Der Baron ging zum Wagen zurück. Seine ^tirn war finster zusammengezogen. „Tu hast Recht gehabt, Anita, es war Margherita — Die Dirne scheint verrückt zu sein oder sie hat ein schlechtes Gewissen, denn sie lief davon, als fei der Satan hinter ihr, als ich mich näherte. Schnell, Kutscher, gebrauche die Peitsche, die Racker gehen ja wie die Schnecken."
Das Gefälle der Straße war zu Ende. Der Kut- scher öffnete die Bremse, ein leiser Pfiff der Peitsche ne Tiere flogen nun auf der ebenen Straße dahin.'
Nach zwei Minuten rollte der Wagen in den Hof ver Burg ein. Die junge Frau war die erste, welche ans dem Wagen sprang. Die Diener eilten sämtlich herbei, an ihrer Spitze Jacobo.
„Was ist's, warum blickt Ihr so sonderbar — ist «was vorgesallen", fragte die Gräfin.
Keine Antwort.
„Wir sahen oben das Kindermädchen, di: Mar- ghcrita — sie trug ein Bündel und lief davon, als »ton ihrer ansichtig wurde. Was islls mit ihr? Antwort!"
r , „Sie scheint babongclaufcn zu sein, sie fürchtet sich —" Es war der alte Jacobo, der die Worte gesprochen.
«Fürchtet sich — warum —?"
Es würgte den Alten im Halse, er vermochte sucht die Kunde zu geben. Tas junge Weib flößte *hm nun doch Erbarmen ein.
■ „Vor was fürchtet sic sich? Etwas ist vorgcfallcn
*:er — warum steht Ihr alle wie erstarrt?"
Nun trat Baron Meneville näher, er hatte jedes ?«ort gehört, und mit einem bösen Blick trat er auf ulten Mann zu. „Wirst Du die Gräfin noch wnge auf Antwort warten lassen, alter Schleicher?" fragte^ er drohend.
»Ich bin kein Schleicher, Sie sind nicht mein 'rerr — ick lasse mich nicht beschimpfen! — Es ist **>1 Unglück geschehen —"
, . Die Gräfin hatte den alten Mann am Arme gc- lQbt „Das Kind, das Kind —?"