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2. Blatt.

Druck -er ^«Idcier Letientrucerek in §«1da.

*:* Zuldaer Leitung.

Lokales.

Fulda, 28. Februar 1913.

(*) Sine renelmüßlffe Sitzung der Stadtveroidukten- Berfammlung findet am Montag, den 3. Liärz 1913 abends 71/« Uhr mit iolo,ender Tagesordnung statt. 1. Uebernahme des elekttischen Leitungsnetzes der Gemeinde Horas auf die Stadt bei Uebcrnabme des Leitungsnetzes im Stadtgebiet. t Trabert.) 2. Wahl eines Wa ilmann-§ zu der stattfindenden Neuwahl einits Vertreters uns eines Ersatzmannes zu der land« wirtschaftlichen Berussgenossenschast. tSimmer.) 3. Auf­stellung zweier Laternen an der .Künzellerstraße und BewiÜnung der Kosten. Keil.) 4. Aufstellung eines Bedürmishäuschens am Schweinemarktplatz und Be­willigung der Kosten. (Breilenborn) Zn geheimer Sitzung werden folgende Punkte erledigt: 5. Zwangs- Versteigerung eines Haufcs und Uebernahme einer Hypothek. (Singer.) 6. Freihändiger Berkaus eines Grundstücks. (Singer.)

* Personalien. An Stelle des verstorbenen AnttS- gerichtsrai Grelb am Amtsgericht in Neuhof wurde GerichlSafi ssor Hasenkamps vom Amtsgericht Schlüchtern zum Amtsrichter ernannt. — Proviant- amteimpcklor Nebgen in Darmstadt wurde zum 1. Juni 1913 nach Hanau verletzt.

* Verliehen wurde dem Hauptmann von Bloedau, Adjutant des Genera kommandos des XI. Armeekorps, die Krone zum Roten Ad'.erorden 4. Klaste. — Das Allgem. Ehrenzeichen in Silber dem Eisenbahnlade­meister Stier und das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze dem Eisenbahnmagazinmeister Dülfer, beide in Marburg.

== Der hundertjährige Gcdächtnistag der glorreichen Erhebung Preußens, der Sttttung des Eisernen 5kreuzeS uno des Geburtstages der Königin Luise ist nach Bischöflicher Verfügung in allen Ptarr-, Kuratie« und Filialkirchen der Diözese Fulda mit öffentlichem Gottesdienst durch ein feierliches Dankamt mit nachfolgendem Tedcum am 10. März festlich zu begehen. Wo an diesem Tage ein besonderer Fest- gotlesdienst nicht ftatifinden kann, soll am vorher­gehenden Sonniaa der vaterländischen Jahrhundert­feier beim Gottes d enste gedacht werden.

*,* Akademischer Bonisatlneverein. In Gegenwart deS Hochwürdigsten Herrn Bischoss uns einer größeren Anzahl von Gästen, geistlichen und weltlichen Standes, fand gestern nachmittag m der Aula des Priester- semmarS die Halbjahrversammlung des Akademischen Bonisatiusvererns Fulda statt. Ter derzeitige Prä­sident des Vereins, Herr Diakon Adolf Arend, be« grüßte die Per ammlung, zeichnete dann in kurzen Strichen das Leben und die Aufwärtsbewegung im großen Aladem scheu Bonifat.usverband in den letzten drei Jahren, um darauf den Rechenschaftsbericht über das zu Ende gehende Halbjahr im engeren Akademi­schen- Bonisatlusverein zu Fulda vorzulegen. Der Bericht bot wie immer em erirculiches Bild und gab Kunde von dem immer weiter strebenden Eifer im Verein, der sich besonders auch dann zeigt, daß au> allgemeinen Beschluß künfligh n jeder Dienstag durch Gebet, Kommunionemp-ang und Aufopferung des Tagewerkes seilens der Mitglieder im Priesterseminar für die hehre Bonifatiussache geweiht werden soll. Die Einnahmen des Vereins beliefen sich tn diesem Semester in sehr erfreulicher Weise aus etwas über 1000 Mark, wovon s!< an die Zentrale nach Paderborn abgeliefcrt wurden, während 1k der freien Verfügung des örtlichen Vereins verblieb, das nach Maßgabe der Mitgliederzahl aus den einzelnen i lözesen Fulda, Limburg und Hildes­heim auf Jena und Zollhaus be Wiesbaden verteilt wurde. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zu­sammen : Vorsitzender Herr Höhn e, Beisitzer Herr B u b, Säckelmeister Herr Blbo, Schriftführer Herr Nilges, Sammler Herr Preis. Gemäß einem r ersammlungs» befchluß soll der Vor and, um eine einheitlichere und ersprr ßlkchere Tätigkeit zu ermöglichen, in Zukunft für zwei Semester ,m Amte bleiben. Der Chor sang hieraus Bruno Sterns erhebende Komposition: „Wir sind des Herrn", für vierstimmigen Männerchor mit Klav.erbegleitung. Hieran schloß sich der Vortrag des perrn Subbratons Jofeph C i r s über „R o s w i t h a, von Gandershe.m, die erste deutsche Dichterin". Der Redner entwarf, unter Anführung von reichlichen Texlproben aus ihren Schriften, em interessantes und anziehendes Bild von der gelehrten und dichterisch hoch veranlagten „Nonne von Gandersheim", die als die erste deutsche Dichterin, aber auch als eine der größten bezeichnet roeroen muß uns die durch ihre in der damaligen lateinischen Umgangssprache in Versmaß und in dichterischer Prosa abgetaßten Ge­sänge, Dramen und Opern einen Hellen Klang wirst über das durch Bildung, wissenschaftliche Tätigkeit und heilige Ordenszucht ausgezeichnete Lcbeil in einem Zunqirauen-Kloster des 10. Jahrhunderts im

Der Gras von Tarent.

54] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Ter Knabe spielte emsig mit den Kieseln, er hatte drei Häufchen aufgebaut und blickte bewundernd in stiller Freude auf fein Werk. Nun nahm er den Bibi und setzte ihn aufs mittlere Häufchen Kiesel. Bibi verlor augenblicklich die Balance und stürzte kopfüber herunter.

„Willst Du jetzt sitzen bleiben", schalt das Kind, indem es die Puppe ergriff und wieder in die frühere Lage brachte. Vorsichtshalber steckte der kleine Knabe aber die Beine des Bibi tief bis an die Knie in die Kiesel, und nun war das Werk gelungen.

„So, Bibi, heute darfst Tu nicht bei mir schlafen im Bette, Tu mußt hier draußen bleiben, und der Wauwau wird kommen und Dich holen." Ter kleine Knabe lachte trimphierend, dann kam das Gefühl der Nächstenliebe in ihm zum Durchbruch. „Wenn Du aber versprichst, morgen recht artig zu sein, dann helfe ich Dir, und der Wauwau kriegt Dich nicht. Ich nehme Dich mit ins Bett und verstecke Dich unter die Decke."

Schritte wurden in der Nähe laut, das Kind drehte den Kopf. „Garstiger Jacobo, bitte, lasse mich noch spielen", bat der Knabe.

Ter alte Jacobo, welcher in der Nähe auf einer Bank gesessen und das Tun des Kleinen beobachtet hatte, nickte mit zärtlicher Liebe aus ihn nieder. „Ja, ja, Tu herziges Kind, spiele nur", murmelte er, „hast Tu Dein Abendessen bekommen?"

„Ja, Jaco w, es hat gut geschmeckt, es war Mar­melade, die ich sonst nicht mag —"

Der Alte blickte verwundert. „Und doch hat's geschmeckt?"

„Ja, bücke Dich, Du garstiger Jacobo, dann will ich Dir's sagen!"

Der alte Mann beugte sich nieder zum Kinde. „Nun?"

„Du sagst es aber nicht?"

heutigen Mecklenburg. Diesem Lobpreis einer deut­schen Dichterin folgte paffend der patriotische vicr- stlmmiae Chor (mit Klavierbegleitung« „Deutschland, mein Vaterland" von Kraemer und das Preislich aus den „Meistersingern" von Richard Wagner, für Violin-Solo und Klavier. Der Hockiw. Herr Bffchof schloß die swöne Feier mit einer Ansprache und mit der Erteilung des Bischöflichen Segens.

§ An der Oberrealfchnle ging gestern abend gegen ’/»8 llbr die mündliche Prüfung der Abi­turienten zu Ende. Sämtliche Abiturienten be­standen. Wir lassen ibre Namen mit dem erwählten Berufe hier f«, gen: Gustav Berg-Kleinendorf i. Wests. (Staatswiffenschast); Leopold Fritz-Fulda (Baufach); Samuel Heß-Lauterbach (Rechtswissenschaft); Wilh. John Fuloa (Maschinenbaufach); Gustav Flörsheim- Meerholz (Medizin); Jos. Kammandel-Geisa (Ma- schinenbaufach); Frz. Kohl-Paderborn (Polytechn. Studium); Alfred Kowalleck-Salzschlirf (Medizin); Paul Leopold »Frank'urt a. M. (Medizin); Franz Neitzert-Fulva (Kaufmann); Heinrich Röher-GerSfeld (Ticrhei.kunde); Fritz Stark-Frankfurt a. M. lTier- hcilknnde); Wilh. Wmdrath-Fulda (Bankfach). Unter den Prüflingen befinden sich 5 Katholiken, 5 Prote­stanten und 3 Israeliten. Die feierliche Entlas­sung der Abiturienten findet morgen, Samstag, mittags 12 Uhr, im Zeichensaale der Oberrealschule statt.

X Promotion An der Würzdu> er Unive>.si!ät promovierte Herr DÜcker von Petersberg zum Doktor der Staatswissenschaften. Seine Dissertation, welche die Fuldaer Finanzen von 1810 bis 1910 behandelt, dürfte für alle, welche sich mit der Stadtverwaltung zu beschäftigen Haven, einen vorzüglichen Wegweiser aus diesem Gebiete darstellen. Sie umfaßt annähernd 300 Seiten.

E Zngversvätung. Der gestern abend 9 50 Uhr hier fällige Berlin-Frankfurter D-Zug traf mit 80 Minuten Per pätung ein. Von Halle ab mußte ein Vorzug eingelegt werden. Hebet die Ursache war bestimmtes nicht zu ermitteln.

'7 Für Frankfurter parteilose Blätter wird gegen- wärtig hier eine lebhafte Aartation entfaltet. Die Agitatoren lassen sich keine Mühe verdrießen und wandern von Straße zu Straße, voa Haus zu Haus, treppauf und treppab und überschütten die Bewohner mit einem Redeschwall, gegen den einiach nicht anzu- kommen ist. Auch die wortgewandtesten Frauen sind diesen mundfertigcn Leuten gegenüber ohnmächiig und laffen still und stumm die glühende Schilderung von den phänomenalen Vorzügen dieser farblosen Blätter über sich ergehen. Emen ganzen Monat umsonst soll man das Blatt erhalten, so versprechen die Propagandisten schließlich und "um sie nur endlich wieder aus dem Hause zu haben, sagt mancher endlrch ja. Die Frankfurter Herren behaupten, schon viele hundert Abonnenten hier gewonnen zu haben. Viele Familien haben indessen auf die Gratiszusendung dieser Blätter verzichtet, sie kennen die Bedeutung unserer auf der Höhe stehenden katholischen Blätter und sie wissen, daß in ein katholisches Haus kein farblozes Blatt hinerngehört.

Zaid alender. Im Monat Mär, darf nur folgendes Wild er egt werden: Auer-, Birk-, Hasel-, Fasanen- und Truthähne, Schnepfen, Trappen, wilde Schwäne, Kraniche, Brachvögel, Wachtelkönige und alle anderen jagdbaren Sumpf- und Wasservögel. Alle? andere Wild hat Schonzeit.

HIDicbstahl. Aus dem Schaukasten be$ Bäcker­meisters Heiß in der Friedrichstraße wurde ver­gangene Nacht eine Menge Backwaren und Schoko­lade gestohlen. Die Tiebe, drei in Fulda beschäftigte Lehrlinge, sind ermittelt.

--- Die Tegernfeer gaben gestern abend ihr zweites Gastipiel „Die Bergfexen" und erringen wiederum einen vollen Erfolg. Das Stück, eine hübsche Ge­birgspasse, mit schönen Koschatliedern, Jodlern und Schuhplatttänzen reich durchsetzt, gibt eine reizende Episode aus dem Heima'leben dieser Gebirgsbewohner wieder und wurde von allen mit Frische und Wärme vorgetragen; besonders gefielen die Damen Mayrhofer und Wiedl sowie die Herren Sachs, Winter und Kost. Aber auch alle übrigen Darsteller trugen ihr Teil zum guten Gelingen bei. Mehr fast als die naturwüchsige Darstellung wirkten die bayerischen Gesang?» und Zitheraufführungen, sowie die Tanz« szenen, )üt die das Publikum auch mit dem Beifall nicht kargte. In dem Ganzen spiegelten sich so recht Die bayerischen Eigenheiten wieder: Reine und unge­künstelte Lebensauffassung, biederes Wesen und nicht zu vergessen die Luft am Raufen. Einige Ungelenk« heilen wurden durch den friichen natürlichen Zua, der durch das ganze Spiel wehte, wett gemacht.

Aus dem Nachbargebiete.

§* Hauswurz, Kr. Fulda, 27 Febr. 1913. Der Schulneubau Buchenrod-Kcmppen ist nun endlich

„Niemandem?"

„Gewiß nicht — habe ich Dir nicht immer ge­holfen?"

„Ja, das ist wahr — eigentlich bis Du auch gar nicht garstig."

„Nun — was iffs mit der Marmelade?"

„Sie hast mir geschmeckt, weil — die Mutter nicht gekommen ist!"

„Gott, höre diese Stimme, es ist die Klage eines Kindes über die eigene Mutter", murmelte der Alte.

„Weißt Du, am Morgen sagten die anderen, sie würde kommen — aber das ist nicht wahr gewesen. Nun wird's schon finster, der Wauwau geht bald um, und jetzt kommt sie nicht mehr, und das ist mir lieb —"

„Warum ist's Dir lieb?"

„Weil ich sie nicht mag, die Mama mag mich aber auch nicht."

Jacobo schwieg. Er vermochte dem Knaben nicht zu antworten. Auf einmal richtete das Kind die träumerisch blickenden großen blauen Augen zu ihm empor. „Jacobo, fonunt denn der Papa gar nicht wieder?" fragte eS. „Er ist schon so lange fort, so lange — der Bibi weiß es auch."

In diesem Moment teilten sich die Oleander­büsche, und ein fremder Mann, in einen langen Mantel gehüllt, kam zum Vorschein. Der Fremde hatte jede? Wort der Unterhaltung vernommen, und nun trat er dem Kinde näher und zog es zu sich und fing an, es zu herzen und zu küffen, und habet schluchzte er laut, und die Tränen liefen ihm über die Wangen.

Erstaunt schaute der Knabe dem Fremden ins Gesicht. Diese Kinderaugen drückten zuerst Ueber- rafdjung, Zweifel, dann offene Freude aus. Er blickte auf Jacobo, der auch laut zu weinen anftng. Nun führte der fiembe Mann den Knaben zu einer Bank, die versteckt unter den Büschen war, und setzte ihn auf feine Kni».

„Enrico — kennst Du mich?"

Lautlos starrste das Kind in das Gesicht beS Mannes Die kleinen Hände ipielt-n in feinem Ge-

gesichert, nachdem die Plahfrage eine alle Teile za- frievenstcllenSe Lösung gesunden hak. Buchenrod wollte die Schule gerne aus Ostende des Dorfes haben, wo auch der beste Platz ist inbezug auf Wil» terungsverhällniffe un6 Wasserversorgung, während Kauppen die Schule begreiflicherweise ans entgegen­gesetzte Envc des DorieS Buchenrod wünschte, da diese Stelle Kauppen näher liegt. Nachdem eme Be­schwerde Kauppens bis ans Ministerium gegangen war, waren gestern Geb. Baurat Bohnen und Reg.» Affessor Bänke von Kassel in Begleitung des Kreis- sekrctärs, Rechnungsrales Köhler von Fulda, in Buchenrod erschienen, um eine Besichtigung oer Plätze vorzunehmen. Auch der Schulvorstand war dazu eingeladen; man einigte sich dahin, daß die Schule an das Ostende des Dorfes gebaut werden soll. Aber da voraussichtlich bald eine zweite Lehrkraft erforderlich fein wird (90 Kinder), soll dann Kauppen eine eigene Schule erhalten. Die neue Schule von Buchenrod wird zweistöckig aus Fachwerk gebaut werden.

♦ Lauterbach, 27. Febr. 1913. In einem An­fall geistiger Umnachtung sprang ein im hiesigen Krankenhause untergebrachter Metzger­bursche durch das Fenster auf das Feld und lief nach dem nahe gelegenen Düdbahnhof, wo er sich vor einen vorbeifahrenden Güterzug der Vogelsbergbahn wer­fen wollte. Der Bedauernswerte konnte von dem Bahnpersonal abgehalten und in das Krankenhaus zurückgebracht werden.

* Bad Orb, 27. Febr. 1913. In der letzten Stadt- verordnetensitzung wurde Kaufmann Weimer als Beigeordnester eingeführt und verpflichtet. Ferner wurde dem Bauunternehmer Alberding. Fulda eine Entschädigung für die Wasserleitungsarbeiten in Höhe von 2500 Mk. bewilligt. — Bauunternehmer Aug. Schneeweis von hier ist bei der in Geln­hausen vorgenommenen Wahl zur Handelskammer zum Mitglied der Handelskammer Hanau gewählt worden. — Durch die Verzögerung im Einlaffen der Kupferrohre in die Philipps-Quelle hatte sich die starke Quelle an der unteren Ausmündung vor­gestern und gestern einen anderen Abflußweg gesucht. Seist heute früh springt sie wieder in mächtigem Strahl ca. 5 Meter hoch.

♦ Hana«, 27. Febr 1913. Der Portefeuiller Kaiser au? Dietesheim, der sich hier Martin Wernicke nannte, wurde gestern hier fest genommen, als er ein Fahrrad, das er vorher in Aschaffenburg entwendet batte, für 5 Mk. verkaufen wollte. Er bat auch in Frank'urt a. M. bereits mehrere Diebstähle verübt.

* Offenbach. 27. Febr. 1913. Der 18jährige Ober­primaner Denbler, der die Abiturientenprüfung nicht bestand, schoß sich in einem unbewachten Augenblick im Gymnasium mit einem Revolver eine Kugel in die rechte Schlafe. Er wurde schwer verletzt ins städtische Krankenhaus gebracht wo er in der folgenden Nacht starb.

* Homberg, 27. Febr. 1913. Dem hessischen Dichter Ludwig Mohr soll in seiner Heimatstadt Homberg ein Denkmal errichtet werden. Es wird hier ein patriotisches Festspiel eingeübt, dessen Reinertrag den Grundstock einer Sammlung für das Ludwig Mohr- Denkmal bilden soll. Das Drama betitelt sich „Der Gott, der Eisen wachsen ließ" und hat den Ncffcn genannten Dichters, Georg Mohc, zum Verfasser.

• Kassel, 27. Febr. 1913. In den letzten Tagen sind hier zwei junge Menschen im Alter von 17 und 18 Jahren von einem fremden Mann mit Alkohol betäubt worden. Der eine von ihnen wurde zum Bahnhof geschleppt und sollte nach Hamburg ent­führt werden. Als er in Hamburg erwachte, war der Fremde verschwunden. “ Man nimmt an, daß man es mit Werbern für die Fremdenlegion zu tun hatte. — In den letzten Tagen tauchte hier wieder falsches Geld, diesmal Dreimarkstücke, auf. — Der Kurhessische Verein für Luftfahrt, Sektion Kassel, teilt mit, daß seit einiger Zeit Verhandlungen schweben, welche die Errichtung eines Flugstützpunktes in Kassel zum Gegenstände haben, und daß mit ihrem erfolgreichen Abschluß in aller Kürze gerechnet werden dürfe.

* Spangenberg, 27. Febr. 1913. Bei der Ver­pachtung der städtischen Feld- und Waldjagd wurde ein Höchstgebot von 3400 Mk. jährlich auf 12 Jahre vom Fabrikanten Wegmann zu Kassel abge­geben. Der Zuschlag wird voraussichtlich erteilt wer­den. Der seitherige Pachtpreis betrug 1600 Mk. jährlich.

♦ Ans Thüringen, 27. Febr. 1913. Der vor­jährige städtische Etat in Nordhausen ergab einen Ueberschnß von 156 000 Mk., trotzdem 50 000 Mark für den bevorstehenden Theaterbau zurückge­stellt worden waren. Zunächst bleibt es bei 180 Prozent Umlagen, doch ist eine Ermäßigung für nächstes Jahr wahrscheinlich. Den städtischen Beam­ten wurden die Gehälter um 10 Proz. erhöht.

sicht, sie tasteten ihm in die Haare, plötzlich legte das Kind sein Gesicht an die Wange des Mannes.

»^Kennst Du nlich?" fragte der Mann ein zwei­tes Mal.

Nun fing der Knabe an, zu lächeln. Dann öff­nete sich der Kindermund, und ein Laust kam daraus, der den Mann erbeben machte vor Glück und feliger Freude:

„P.—a—p—a!"

Der Unglückliche hielt schweigend das Kind um» chlungen. Unerkannt von allen, die ihm begegnet eit jener grauenvollen Nacht, da er erwacht war in einem Sarge, hatte das unschuldige Kind ihn wie­der erkannt mit dem Instinkte feiner Natur.

„Papa, Du bist lange fort gewesen, viel Tage, Mama war böse, weil ich nach Dir fragte---

Er fchwieg.

„Nun bleibst Du da — ich werde mehr ge- fcholten."

Er konnte nicht antworten.

„Du hilfft mir, wenn der böse Mann kommst."

„Wen meinst Du, Herzcnsknaoe?"

„Den bösen Mann — er kommst immer zu Mama und er schaut mich immer zornig an so zornig!"

Eine tiefe, drohende Falte zeigte sich auf bet Stirne des Fremden.

„Papa, Du schaust anders aus als früher — ganz anders — .Du gehst nicht wieder fort — und Enrico will Dich lieb haben — viel lieb — so viel —." Das Kind breitete die Arme weist aus, um den Maßstab seiner Zuneigung anzugeben.

Nun neigte der Mann feinen Mund zu dem Ohre des Kindes.

„Habe Dank, Herzenskind! Gott erhalte Dich mir — willst Du mit mir gehen?"

Der Knabe staunte: „Gehst Du fort?"

„Ja, aber Du darfst mit mir gehen — willst Du?"

Das Kind lächelte freudig. „Mama wird aber schelten und der böse Mann wird mich suchen . .

„Er wird Dich nicht finden, und Mama kann Dich nicht schelten."

JV« 49.

Sreifog 28. Februar 1915.

Wie in der Nacht, da er im Parke das sündhafte Paar belauscht, wie es frohlockte über seinen Tod, so verschwand Gras Tarent auch diesesmal durch die Lücke der geborstenen Mauer, auf der Meeresseite. Unten kosten die Wogen an die Felsen, das Wasser zischt^ und schäumte, er aber schritt sicheren Fußes den schmalen Pfad auf dem felsigen Grunde entlang. Ein Ausgleiten war der sichere Tod, denn steil fielen die Felsen ab zum Meere. (Forts, folgt.)

Amt Geisa und Umgebung.

• Stadtlengsfeld, 27. Febr. 1913. Der Ge­rn e i n d e r a t beschloß, das Gehalt des Bürgermei- sters mist rückwirkender Kraft vom 1. Januar 1913 ab von 1650 Mk. auf 2000 Mk. zu erhöhen. — Be­treffs Anstellung einer B e zir k s h e b am m e wurde beschlossen, dem Gemeindevorstand anheim zu geben, zur Ausbildung einer Bezirkshebamme die er- forderlichen Schitte zu tun. — Trotzdem das Großh. «StaatSminifterium betr. Gründung einer Sparkasse der Gemeinde anheim gibt, den Plan zur Zett zurückzustellen, soll unter eingehender Be- grüudung der Verhältnisse nochmals Vorlage an zu­ständiger Stelle gemacht werden. — Zu einer Zu- schritt betr. Gründung einer landwirtschaftlichen Schule für junge Mädchen beschloß der Gemeinde- tat, falls Stadtlengsfeld in Frage kommen sollte, in weitere Unterhandlungen zu treten.

* Oechseu, 27. Febr. 1913. Der Stillstand auf den Schächten hat einen Rückschlag in mancher Be- ziehung im Gefolge. Demnächst wird etwa 70 Arbeitern gekündigt werden; auch Beamte werden die Gcwerlschaft verlaffen. Wären die Schächte ohne Hindernis abgeteuft worden, so wären eine Stenge Bauten in Angriff genommen worden. So sollten u. a. eine größere Anzahl Arbeiterhäuser gebaut werden.

* Kieselbach, 27. Febr. 1913. Beim Spielen tour, den gestern einem 4jährigen Kinde zwei Finger mit einem Beil abgehackt.

A Aus dem Weidatal, 27. Febr. 1913. Unsere Gemeinden Ober- und Unterweid sind feit Herbst vorigen Jahres die Berührungspunkte vieler, die hohe Rhön passierenden Automobilisten und Reisen­den geworden. Es ist auch tatsächlich eine Freude, jetzt auf unseren herrlich hergerichteten Straßen zu verkehren, was in erster Linie die Fuhrwerksbe­sitzer unserer beiden Gemeinden am besten festgesteltt haben werden. Was man auf einer festen, eben­mäßig gebauten Straße an Wagen- und Viehmaterial spart und schont, kann nur der beurteilen, der den „Weidberg" in seiner früheren Gestalt gekannt und befahren und seit Beendigung der Walzarbeiten jetzt pasiiert hat. Obwohl es seit Jahren für ausgeschlos- fen galt, daß gerade die Straßen von Ober, und Unterweid am „Weidberg" richtig ausgebaut werden könnten, da sogar Fachleute es für unmöglich hielten, daß eine schwerfällige Dampfwalze bei solchen Stei­gungen (zuweilen 25—30 Pro;.) arbeiten könne, hat die Firma Rudolf Appel in HerSfeld es unter­nommen, die'wirklich schwierige Arbeit zu bewälti­gen und zur allgemeinen Befriedigung unserer Ge- meinden eine prachtvolle Straße hergestellt. Es ist der Firma Appel auch die wohlverdiente Anerken­nung seitens der zuständigen Behörden nicht versagt worden. Auch die Gemeindevertretungen von Oher­und Unterweid möchten nicht versäumen, Herrn Appel nochmals die vollste Anerkennung anszusprechen. Mögen recht bald alle öffentlichen Wege der hohen Rhön sich uitferm „Weidberg" anpaffen.

Aus Gberhesien u. Len heff. Aemtern.

!! Marburg, 27. Febr. 1918. Am letzten Diens­tag fand hier tnt Restaurant „Seebode" eine ziemlich gut besuchte Versammlung des BolkSvereinS statt. Herr Dr. Sonnenschein -M.Gladbach sprach über die schwebenden Fragen der äußeren und inneren Politik. Die Ausführungen des bekannte« Redners 'waren sehr belehrend und fanden allgemei­nen Beifall. Einige Mttglieder konnten in den Ver­ein neu aufgenommen werden. — Der Redner sprach in den letzten Tagen auch im „Verein studierende.

♦ Vom Eichsseld, 27. Febr. 1913. In Fried­richslohra bei Niedergebra erstach in der vergan­genen Nacht der Fleischermeister Sinsel seinen 19jährigen Sohn nach kurzem Wortwechsel durch einen Herzstich. Der Tod trat sofort ein. Der Täter wurde verhaftet.

* Aus Franken, 27. Febr. 1913. Dem Schmiede- meister Anderlohr in L o h r drang ein Eisensplitter in das eine Auge. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe mußte sich Anderlohr zur Operation nach Würzburg begeben, wo ihm das betreffende Auge herausgenom- men wurde. — In der fast 1000 Einwohner zäh­lenden Gemeinde Schwanfeld sind im vergan­genen Jahre nur 6 Perfonen gestorben. — Ter 8jährige Sohn beS Bahnbediensteten Braungart i» Winterhausen brach auf dem Eise ein, wurde aber von einem gleichalterigen Schulkameraden ge­rettet. — Dem verheirateten Maurer Schwab von Frankenwinheim wurde beim Einlegen einer Holle in Krautheim von einem herabfallenden Bal­ken ein Fuß abgeschlagen.

Die Kinderaugen glänzten vor Freude. „Und der garstige Jacobo, darf er auch mit und gehen?"

„Er kommt nach."

Der kleine Knabe rutschte plötzlich von den Knien des Vaters, sprang zu der Stelle, wo er dft drei Häufchen Kieselsteine aufgebaut hatte und bet mächtigte sich der Puppe. Dann rannte er zurück. _ Die Nacht war hereingebrochen unterdeffen. Kein Lüftchen bewegte sich. Myriaden von Sternen be­gannen zu funkeln am Firrnarnente, und der fahle Mondenschein breitete sich über die Erde und beleuch­tete mit gespenstischem Scheine die Gruppe tn deut Garten der Burg Tarent, den Vater, der fein Kind in den Mantel hüllte, den alten Diener, der ängst­lich horchend daftand und dann rings um sich spähte, ob kein menschliches Wesen in die Nähe komme.

„£err, es wird Zeit, die Nacht bricht herein, jede« Augenblick kann man kommen, den Knaben zu suchen", sagte Jacobo.

Der Diener ging dann auf das Kind zu und machte das Kreuzzeichen auf dessen Stirne.

„Lieber Herr, wenn der Knabe fort ist und ich feine Stimme nimmer höre, dann kann ich keinen Tag mehr hier verbleiben. Hoffentlich jagt man mich morgen aus der Burg —"

„Dann kommst Du sofort zu mir*

„Habt Dank, lieber Herr, wenn man mich nicht fortjagt, nehme ich selbst meinen Abschied. Geht, Herr, geht — die Minuten sind kostbar jetzt — Gott sei mit Ihnen und dem Kinde!"

Einen Moment später war der Alte allein.